Hotline

Die Aktion Lebendi­ges Deutsch will ja vorge­blich zur Aufhüb­schung des deutschen Wortschatzes beitra­gen, in dem sie Alter­na­tiv­en für englis­che Lehn­wörter sucht. Aber ab und zu ver­weigert die Aktion sich ihrer selb­st gestell­ten Auf­gabe und dann merkt man, worum es eigentlich geht.

Im Dezem­ber 2006 woll­ten die Aktionäre von den Lesern zunächst eine Ein­deutschung des Begriffs Anti-Aging haben, fan­den dann aber: „Was da stat­tfind­et, ist nichts, was ein­er Benen­nung bedarf, in welch­er Sprache auch immer“.

Diesen Monat war es wieder soweit: im Feb­ru­ar hat­te man nach ein­er Über­set­zung für die Hot­line gesucht (und zumin­d­est die Leser/innen des Bre­mer Sprach­blogs haben mit Schnel­lauskun­ft, Tele­fon­seel­sorge, Kun­den­tele­fon, Dien­stleis­tungsnum­mer, Tele­fon­hil­fe und Heißer Draht auch jede Menge schön­er Alter­na­tiv­en gefun­den). Aber die Aktion fand: „Die ‚Hot­line‘ ist ein­fach eine Tele­fon­num­mer, die sich wichtig macht.“

Und das ist das Prob­lem: die Vier find­en ein­fach, dass früher alles bess­er war und dass man so neu­modis­chen Kram wie tele­fonis­che Beratung und Alterungsver­mei­dungskos­metik ein­fach nicht braucht.

Außer­dem machen sie, wie jeden Monat, einen eige­nen Vorschlag für ein weit­eres ungeliebtes Wort:

Das Ange­bot des Monats März: Das „give-away“ ist natür­lich ein „Wer­begeschenk“.

Da stimme ich den Aktionären aus­nahm­sweise mal wieder zu. Google sieht das auch so und find­et fünf­mal mehr Tre­f­fer für Wer­begeschenk als für Give-Away. Manch­mal hat man den Ein­druck, die Fremd­wortjäger machen selb­st erst­mal ordentlich Wer­bung für die Wörter, die sie dann bekämpfen wollen.

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Anatol Stefanowitsch

Über Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Er beschäftigt sich derzeit mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Sein aktuelles Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ ist 2018 im Dudenverlag erschienen.

12 Gedanken zu „Hotline

  1. Thomas Paulwitz

    Sie machen auf ein paar kri­tis­che Punk­te der Aktion aufmerk­sam. Erstens geht es natür­lich nicht, daß man zuerst nach ein­er Entsprechung sucht und dann keine anbi­etet. Welchen Sinn hat es dann noch, an der Aktion teilzunehmen? Ich hoffe, die Aktion bessert noch nach. Anti­ag­ing ist „Alter­shem­mung“ und, wenn man es nicht ganz wörtlich nimmt, „Ver­jün­gung“.

    Zweit­ens beste­ht natür­lich das Risiko, daß mit der Aktion Anglizis­men bekan­nt­gemacht wer­den, die vielle­icht schon auf dem Weg waren, sich aus der All­t­agssprache wieder zu ver­ab­schieden. Hier müssen die vier Män­ner jeden Einzelfall sorgfältig abwä­gen.

  2. K. Heidtmann

    Give-away” wird m. E. tre­f­fend­er durch “Streuar­tikel” über­set­zt, weil diese eben steuer­lich nicht aufze­ich­nungspflichtig (“Centartikel”)sind im Gegen­satz zu “Wer­begeschenken”, die einige Euro kosten dür­fen (ich meine, bis zu 40 EUR ges­tat­tet das Finan­zamt hier pro Kunde/Jahr).

  3. Jens

    Vielle­icht haben sie es nicht ganz ver­standen und ver­hal­ten sich daher eher wie Re-Aktionäre.

  4. Krimileser

    (Kon­no­ta­tiv) scheint mir give-away eine andere Bedeu­tung zu haben als (Werbe-)Geschenkt; der Begriff ist ent­lar­vend, da wird etwas weggegeben.

    So etwas muss man im Deutschen belassen. Ich finde es immer sehr angenehm, wenn die Mar­ket­ing­futzies sich sel­ber bloßstellen.

  5. Wolfgang Hömig-Groß

    @Krimileser: sowas finde ich auch immer sehr schön. Heute habe ich im Vor­beige­hen (an ein­er Kiste Jev­er?) gese­hen, dass ger­ade eine “Pro­moak­tion” stat­tfind­et. Wer soll das ver­ste­hen? Das ist ja noch nicht mal der “Fachaus­druck”, son­dern nur dessen interne Ver­hohnepie­pelung. Und die Jungs (und zunehmend Mädels) hal­ten ihren Slang offen­sichtlich für wirk­liche Sprache. Wie dis­tan­z­los …

  6. Sabine

    Wenn ein Wort und ein Kopf zusam­men­stoßen und es klingt hohl, ist dass dann alle­mal im Wort?

    Der Ärg­er über die ver­meintlich ach so bösen Anglizis­men ist doch eigentlich ein Ärg­er über die dum­m­dreist sich anbiedern­den Men­schen, die sich mit solchen Wörtern wichtig machen wollen.

  7. K. Heidtmann

    Heute bei Bernd Röth­ling­shöfer gefun­den, der es wohl von Robert Basic hat:

    ***************

    T-Mobile hat gedichtet:

    Als Datengeräte ste­hen der web’n’walk Stick und die web’n’walk Express­Card IV zur Auswahl. Bei­de kosten jew­eils einen Euro im Tarif web’n’walk Plus. Die Optio­nen web’n’walk DayFlat, M und L sind zu den Daten­tar­ifen web’n’walk Con­nect und web’n’walk Plus zubuch­bar. web’n’walk M und L kön­nen auch zu allen aktuell ver­mark­teten Sprachtar­ifen zuge­bucht wer­den. Kun­den, die für das mobile Lap­top-Sur­fen keinen Ver­trag abschließen wollen, bietet T-Mobile die web’n’walk DayFlat auch als Pre­paid-Vari­ante an. Unbe­gren­ztes mobiles Inter­net­sur­fen per Note­book kostet mit der Xtra web’n’walk DayFlat 7,95 Euro pro Tag. Während ein­er Pro­mo­tion­phase bis 30. April 2008 beträgt der Tage­spreis 4,95 Euro. T-Mobile bietet ein Xtra­Pac an, in dem der web’n’walk Stick (USB-Modem) sowie eine XtraC­ard mit der DayFlat enthal­ten sind. Das Xtra­Pac kostet ein­ma­lig 99,95 Euro. In dem Preis ist ein Startguthaben von zehn Euro inklu­sive.”

    ***********************

    Alles klar? Ich meine: Rad ab!

  8. corax

    Ja nee, is klar. „Tele“ ist ja eines der ursprünglich­sten deutschen Wörter über­haupt. Direkt nach Hip-Hop.

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