FR, die Zweite

Von Anatol Stefanowitsch

Ich wollte eigentlich nie wieder daran denken, aber Sprachblogleser/in „D.A.“ hat es mir uner­bit­tlich in Erin­nerung gerufen: Chari­ma Rein­hardt, die in der Frank­furter Rund­schau eine lust­lose Anglizis­men­jagd betrieben und dann eine Fort­set­zung in Aus­sicht gestellt hat­te, hat diese Dro­hung nun wahrgemacht.

Zunächst ver­wen­det sie drei Absätze darauf, über deutsche Lehn­wörter im Englis­chen zu sprechen. Warum, das bleibt ihr Geheim­nis, denn irgendwelche Schlüsse zum The­ma Lehn­wörter — geschweige denn, die richti­gen — zieht sie nicht daraus.

Aber dann kommt sie zum eigentlichen Thema:

Die wahre Her­aus­forderung ist der zweite Teil der heuti­gen Lek­tion: die Erfind­ung eines neuen Wortes. Kom­mentare haben Sie zahlre­ich geschickt zum The­ma, darunter fand sich auch der Vorschlag: Statt „fr-online.de“ könne diese Zeitung die deutsche Über­set­zung „fr-auf-draht.de“ ver­wen­den. Hüb­sch, wirk­lich hüb­sch. Ein neues Wort erfun­den hat aber kein­er von Ihnen, was zugegeben schwierig ist — im Grunde für einen allein eine kaum zu bewälti­gende Herausforderung.

Kaum zu bewälti­gen? Ich will mich ja nicht wieder­holen, aber der Wortist und seine Leser/innen erfind­en am Fließband neue Wörter (ein­mal kon­nte ich sog­ar behil­flich sein, mit einem Wort, das ich, ohne mich selb­st loben zu wollen, um mehrere Größenord­nun­gen klangvoller und nüt­zlich­er finde als das, was die Autorin weit­er unten zum Besten geben wird). Ganz ehrlich, ich glaube schlicht nicht, dass nie­mand ein neues Wort ein­gere­icht hat. Ich glaube nur, unsere Glos­sistin wollte lieber über ihr eigenes Wort reden:

Am ehesten funk­tion­iert das [Erfind­en von Wörtern] in entspan­nter Stim­mung im Kreise fan­tasiebe­gabter Fre­unde. Wir haben im Urlaub den Selb­stver­such gemacht. „Unser“ Wort, erfun­den in lauer Som­mer­nacht auf einem idyl­lis­chen Fleckchen Erde in Italien …

(„Idyl­lis­ches Fleckchen Erde in Ital­ien“ — damit meint sie doch die Toskana, oder? Das ver­voll­ständigt mein Bild der Autorin. Warum müssen immer unsere schlimm­sten Stereo­type wahr werden?)

… ist das Ergeb­nis eines heit­eren Geplänkels über ein sattsam bekan­ntes Prob­lem: Er schnar­cht nachts, sie kann nicht schlafen. Uns stellte sich die keineswegs nahe liegende Frage, wie es zu nen­nen sei, wenn während des Schnar­chens an ein­er anderen Stelle des Kör­pers Luft entwiche, unfre­undlich als „furzen“ oder verniedlicht als „pupsen“ beze­ich­net. Bei­des bekla­genswert unschöne Beschrei­bun­gen für diesen völ­lig unbe­ab­sichtigten, oft geräuschlosen, laut nur allein lustvoll aus­geübten allzu men­schlichen Vorgang.

Na, da waren wohl neben der lauen Som­mer­nacht einige Flaschen Rotwein beteiligt. Ich kann mir leb­haft vorstellen, wie ein Haufen verklemmter Altlink­er da zu fort­geschrit­ten­er Stunde in Korb­ses­seln auf der Ter­raz­za gehangen und über Wörter für unanständi­ge Kör­per­funk­tio­nen gekichert hat:

Ohne auf die Albereien beim Wortfind­ung­sprozess näher einzuge­hen: Wir haben uns für den unwahrschein­lichen Fall der Dual­ität der beschriebe­nen Ereignisse auf die Beze­ich­nung „purchen“ geeinigt. Ein Wort, das sich nicht zwin­gend ergibt, aber der Sache die Pein­lichkeit nimmt.

Und das ist das große Finale der Sprach­schelte. Ist die Autorin ehrlich der Mei­n­ung, ihre über­flüs­sige und fan­tasie­los zusam­mengeschus­terte Wortschöp­fung sei ästhetis­ch­er, sin­nvoller oder dem Fortbe­stand der deutschen Sprache zuträglich­er als — was hat­te sie nochmal kri­tisiert — cool, coachen, check­en und casu­al? Ich kann nur sagen: Da war halt Alko­hol im Spiel.

[Nach­trag: Wo ich darüber nach­denke, sehe ich: das Wort purchen ist tat­säch­lich nüt­zlich. Es kön­nte eine Sit­u­a­tion beze­ich­nen, in der ein/e Glossist/in heiße Luft von sich gibt und die Leser/innen bei der Lek­türe ein­schlafen. Ha, ein echter Treppenwitz.] 

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Über Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Er beschäftigt sich derzeit mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Sein aktuelles Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ ist 2018 im Dudenverlag erschienen.

25 Gedanken zu „FR, die Zweite

  1. NvonX

    Beson­ders schön an dieser Wortschöp­fung ist, dass sie beliebig erweit­er­bar ist. Wenn man z.B. beim pupsen und schnar­chen auch noch sab­bert und sich dabei ein­pinkelt, so würde daraus „sapurchinkeln“ — genial.

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  2. Christine A.

    Wow! Frau Reich­hardt hat gel­ernt, wie man Kof­fer­wörter kreiert. Ich bin begeis­tert! Schade nur, dass daran nichts, aber auch wirk­lich nichts “schwierig” ist.

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  3. Thomas Müller

    Wörter erfind­en ist immer­hin entsch­ieden kon­struk­tiv­er und kreativ­er als die x‑te Anglizis­men­dresche. Insofern ist der Teil doch wesentlich sym­pa­this­ch­er als der erste, auch wenn ich befürchte, dass sich die Wortschöp­fung dank man­gel­nder Rel­e­vanz der Bedeu­tung nicht durch­set­zen wird.

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  4. jordroek

    Dabei über­sieht die Autorin völ­lig, dass es das Wort “purchen” schon seit fast dreißig Jahren gibt: “Chmeißt den Purchen auf den Poden!” (Neben­bei bemerkt finde ich, dass diese Szene aus Mon­ty Pythons “Life of Bri­an” eine der weni­gen in ihrem Werk ist, die durch die deutsche Syn­chro­ni­sa­tion sog­ar noch dazuge­won­nen haben, aber das ist ja ein ganz anderes Thema…)

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  5. A.T.

    Ehrlich gesagt, schlafe ich so langsam auch ein. Das ist schon der 6. Beitrag in Folge, der sich mit Sprachnörglern/Sprachpuristen beschäftigt, so langsam hat auch der let­zte Leser den Gedanken­gang begrif­f­en. Ist die Lin­guis­tik denn so lang­weilig, dass man sich immer wieder an diesen Leuten aufhän­gen muss? Wie wäre es mit mehr Beiträ­gen, die sicht mit tat­säch­lichen Fragestel­lun­gen der Lin­guis­tik beschäfti­gen? Ger­ade die ange­wandte Lin­guis­tik sollte doch genü­gend Stoff bieten, um auch fach­fremde Leser für die Lin­guis­tik zu interessieren.

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  6. Frank Oswalt

    @A.T. (#8) der Kom­men­tar hier ist doch auch von Ihnen. Wenn ich Ihrem Link dort folge, komme ich auf eine Seite über den Brows­er Fire­fox, und von dort aus auf Ihr Blog envi­sion. Und da finde ich nicht nur sechs, son­dern unge­fähr eine Mil­lion Beiträge in Folge, die sich mit Mozilla/Browsern beschäfti­gen. Ist die Infor­matik denn so lang­weilig, dass man sich immer wieder an diesen Pro­gram­men aufhän­gen muss? Ger­ade die ange­wandte Infor­matik sollte doch genü­gend Stoff bieten, um auch fach­fremde Leser für die Infor­matik zu interessieren…

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  7. Patrick Schulz

    Ich muss wohl A.T. zus­tim­men, So langsam bekomme ich Lust, in Bezug auf dieses Blog von Sprach­nör­gler-Nör­glern zu sprechen, so wirk­lich sehe ich keinen Unter­schied mehr in der Art der Polemik die von bei­den Seit­en aus­ge­ht. Nicht, dass ich Sprach­nör­gler in Schutz nehmen wollte (Ich hat­te gestern zum “Tag der Deutschen Sprache” ein recht inter­es­santes und langes Gespäch mit einem recht jun­gen VDS-Vertreter. Der Gute war so erpicht darauf keine Anglizis­men oder sonst­wie ver­fängliche Wen­dun­gen zu ver­wen­den, dass er kaum einen zusam­men­hän­gen­den Satz raus­ge­bracht hat… Lei­der liess er sich nicht überzeu­gen dafür einzutreten, dass neben Deutsch auch Dänisch oder Sor­bisch ins Grundge­setz aufgenom­men wer­den sollen), aber mann kann auch von ein­er höheren Ebene aus kri­tisieren ohne sich mit den Kri­tisierten auf eine Ebene zu stellen. Und das geht sog­ar ohne her­ablassend zu wirken.

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  8. Anatol Stefanowitsch

    Patrick Schulz (#10): „So langsam bekomme ich Lust, in Bezug auf dieses Blog von Sprach­nör­gler-Nör­glern zu sprechen“ — da kom­men Sie zu spät, das habe ich schon längst selb­st getan. Und solange die Anglizis­men­jäger, Aktioneure und Anti­a­pos­trophis­ten den öffentlichen Diskurs über Sprache beherrschen, wer­den sie hier zur Rechen­schaft gezogen.

    Wenn das mal polemisch oder her­ablassend wird, wer­den die Betrof­fe­nen das aushal­ten müssen — bei­des dürfte ihnen ja von sich selb­st bestens bekan­nt sein. Ich muss auch nochein­mal darauf hin­weisen: wenn die sich ungerecht behan­delt fühlen, kön­nen sie herkom­men und in den Kom­mentaren über mich schimpfen. Dabei dür­fen sie meine Worte verz­er­ren, mich per­sön­lich angreifen und mich belei­di­gen — die Kom­mentare wer­den in jedem Fall veröf­fentlicht. Umgekehrt sind die Sprach­nör­gler da lei­der nicht so offen: der NDR hat zum Beispiel die Leser­briefe, die wir ihm von hier aus geschrieben haben, nicht nur kom­plett ignori­ert — man hat gle­ich die ganze Umfrage aus dem Netz gelöscht.

    Übri­gens sind zwei der let­zten sechs Beiträge, die A.T. (#8) so ermü­den, auf Anre­gung von Leser/innen ent­standen, ein­er war ein Pro­grammhin­weis und ein­er war ein Nach­trag zu einem anderen. Sie wer­den aber auch näch­ste Woche noch min­destens zwei Beiträge dieser Art ertra­gen müssen, einen über das „Jugend­wort des Jahres“ und wenig­stens einen kurzen über Sicks Fernsehshow.

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  9. NvonX

    @ A.T. Wenn Sie nicht mögen, was Sie hier lesen, dann kön­nen sie sich ja ärg­ern. Das Blog lesen und ärg­ern zusam­men, das nen­nen wir dann — frei nach Chari­ma Rein­hardt — blärgern.

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  10. gyokusai

    Die Idee, daß es irgend­wann ja mal gut sein muß, öffentlichen und sog­ar nahezu uneingeschränkt diskurs­be­herrschen­den Non­sens Non­sens zu nen­nen, und von da an bloß mit den Schul­tern zu zuck­en und sich der Geschichte des Opta­tiv Per­fekt in der indoger­man­is­chen Sprach­fam­i­lie zu wid­men, ist nichts weniger als kindisch. Das wäre unge­fähr so, als würde es aus­re­ichen, den Satz „Bringst Du bitte den Müll raus?“ zwei oder dreimal in die generelle Rich­tung eines Teenagers zu wer­fen, und damit ist’s dann gut fürs Leben.

    Wer den öffentlichen Diskurs den anderen über­lassen will, um sich nicht zu wieder­holen, hat einige wichtige Aspek­te der Begriffe „öffentlich“, „poli­tisch“, „wis­senschaftlich“ und „Auseinan­der­set­zung“ nicht ganz mitgekommen.

    Non­sens in der öffentlichen poli­tis­chen oder wis­senschaftlichen Auseinan­der­set­zung rechtzeit­ig, ener­gisch und fortwährend zu wider­sprechen, ist für Ken­nt­nis­re­iche kein Hob­by, son­dern Pflicht. Dazu sind sie da. Das ist die Idee.

    ^_^J.

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  11. Klaus Jarchow

    @ 8 / A.T.: Die Form von Lin­guis­tik, die Sie hier fordern, ist exakt jene Art von Lin­guis­tik, die aus ihr eine ver­schrieene und ver­schnar­chte Nis­chen­wis­senschaft machte: 

    Ver­gle­ich der Sig­nifikanz deik­tis­ch­er Par­tikel in oralen Nom­i­nal- und Ver­balphrasen, wie sie Bewohn­er geri­atrisch­er Ein­rich­tun­gen beim täglichen Gedächt­nis­train­ing äußern, unter Zugrun­dele­gung des Leit­mod­ells der gen­er­a­tiv­en Trans­for­ma­tion­s­gram­matik … . GÄÄÄHN!

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  12. Patrick Schulz

    An Ana­tol Stefanowitsch,

    Na dann bin ich ja schon mal ges­pan­nt, wie ihr Kom­men­tar zu Sicks Fernsehshow aus­fall­en wird. Ob es eine Kri­tik an der Show wird oder an den Inhal­ten der­sel­ben (Ich fände es z.B. inter­es­sant, was Sie zu den Erk­lärun­gen von Sick’s Fra­gen am Ende der Sendung sagen)…

    Ich sehe vol­lkom­men ein, dass Sprachkri­tik einen Gegen­pol braucht, aber eben­so, dass die Sprach­wis­senschaft, ihre Meth­o­d­en und ihre Ziele in der Öffentlichkeit nahezu unbekan­nt sind. Ein Blog wie dieses hier ist immer­hin ein Anfang um die SW gesellschafts­fähig zu machen. Allzu bis­sige Kom­mentare kön­nten m.M.n. aber neg­a­tive Effek­te haben.

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  13. Wolfgang Hömig-Groß

    Also, wenn ich das Wort “purchen” irgend­wo sehen würde, würde ich es für einen üblen Anglizis­mus a la “com­mit­ten” hal­ten und “pörtschen” aussprechen. Und nix ver­ste­hen, weil mir dieses englis­che Wort nicht bekan­nt ist. Ihr Vorschlag geht nach hin­ten los, Frau Reinhardt!

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  14. David Marjanović

    Wir haben uns für den unwahrschein­lichen Fall der Dual­ität der beschriebe­nen Ereignisse auf die Beze­ich­nung „purchen“ geeinigt.

    Das passt ja fast nicht ins deutsche Lautsystem.

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  15. critter

    Ich fände es z.B. inter­es­sant, was Sie zu den Erk­lärun­gen von Sick’s Fra­gen am Ende der Sendung sagen

    Hat sich da etwa ein Dep­pe­na­pos­troph eingeschlichen?

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  16. kreetrapper

    Die Idee, daß es irgend­wann ja mal gut sein muß, öffentlichen und sog­ar nahezu uneingeschränkt diskurs­be­herrschen­den Non­sens Non­sens zu nen­nen, und von da an bloß mit den Schul­tern zu zuck­en und sich der Geschichte des Opta­tiv Per­fekt in der indoger­man­is­chen Sprach­fam­i­lie zu wid­men, ist nichts weniger als kindisch.

    Das ist sicher­lich richtig, aber wenn ich A.T. richtig ver­standen habe, fordert er auch nichts der­gle­ichen. Ich muß mich ihm jeden­falls darin anschließen, daß ich es auch ein wenig lang­weilig fände, wenn NUR noch Sprach­nör­g­ler­genörgel hier zu lesen wäre. Das heißt ja nicht, daß Herr Ste­fanow­itsch ganz damit aufhören soll, aber ich würde mich freuen, wenn er die Quote von “echt­en” lin­guis­tis­chen Beiträ­gen wieder etwas erhöhen kön­nte. “Vari­a­tio delec­tat”, wie mein alter Deutschlehrer immer so schön zu sagen pflegte.

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  17. Michael Ramm

    Ich bin zufäl­lig hier und habe ger­ade mal eine Stunde des Lesens investiert — lei­der ist meine anfängliche Begeis­terung umgeschla­gen in, naja, leichte Ablehnung:

    1. Ich stimme Nr. 10 zu; das scheint mir Ihrer nicht würdig, Polemik mit der­sel­ben zu vergelten.

    2. Ich ver­misse die Betra­ch­tung eines — wie ich finde, wichti­gen — Gesicht­spunk­tes: Unter den Leuten, mit denen ich spreche, find­et sich kein­er, der neben “Sinn machen” auch nur eine annäh­ernd gle­ichar­tige Wen­dung wie “Sinn haben” o. ä. benutzt. Allzu oft “erin­nern” diese Men­schen auch vieles, “weil — es macht ja Sinn”.

    3. Warum schimpfen Sie so über Her­rn Sick? Im Prinzip hat er ganz oft recht; und zudem bietet er es so dar, dass nicht nur Lin­guis­ten etwas verstehen.

    4. Wer in der Lage ist, ein solch­es Deutsch wie Sie zu schreiben, dem sei es nach mein­er Überzeu­gung ges­tat­tet, auch “Sinn machen” zu ver­wen­den, näm­lich beispiel­sweise in den dargelegten Fällen. Wer aber, wie gesagt, das “gute” durch das “schlechte” Deutsch erset­zt, der ist zu kritisieren.

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  18. Anatol Stefanowitsch

    Herr Ramm (#23), ich nehme Ihren Punkt 1 ein­mal zum Anstoß, etwas all­ge­meines zu der Idee zu sagen, Polemik sei mein­er nicht würdig. Mir ist nicht ganz klar, warum das so sein sollte. Ich ver­suche, meine Polemik dann etwas zu zügeln, wenn ich es mit Men­schen zu tun habe, die von gen­uinem Inter­esse und Ern­sthaftigkeit angetrieben sind, auch, wenn sie mit ihren Ideen kom­plett daneben­liegen. So ver­suche ich in den Kom­mentaren dieses Blogs auch auf harte Angriffe möglichst sach­lich zu reagieren und werde nur bei andauern­der Pen­e­tranz irgend­wann schär­fer im Ton.

    Aber wenn jemand mehrfach in ein­er großen Tageszeitung heiße Luft pro­duziert, dann sehe ich nicht ein, warum ich diese Ergüsse auf einem kleinen, unbe­deu­ten­den Blog wie diesem hier nicht zur all­ge­meinen Belus­ti­gung zerpflück­en sollte — vor allem, weil ich zu allen von ihr erwäh­n­ten Punk­ten wieder­holt ern­sthaft Stel­lung bezo­gen habe (wie Sie bei Ihrer Lek­türe ja sich­er bemerkt haben). Die Idee, das Wis­senschaftler sich ständig vornehm zurück­hal­ten müssen, teile ich nicht. Wis­senschaftler soll­ten bei ihren Äußerun­gen den wis­senschaftlichen Erken­nt­nis­stand auf ihrer Seite haben, das ist klar, aber der Ton­fall — finde ich — muss zumin­d­est ab und zu auch mal etwas härter wer­den. Da ich Kom­mentare wie den Ihren aber ernst nehme (vor allem, weil geschätzte Stamm­leser wie A.T. und Patrick Schulz sich ähn­lich geäußert haben), habe ich nochein­mal darüber nachgedacht, was mich speziell bei Frau Rein­hardt so gereizt hat. Ich denke, es ist die Tat­sache, dass sie offen­sichtlich an Sprache wed­er ein beson­deres Inter­esse hat, noch sich beson­ders aus­führlich damit auseinan­derge­set­zt hat, aber trotz­dem mit ein­er süff­isan­ten Selb­st­ge­fäl­ligkeit darüber schreibt, die Bas­t­ian Sick wie ein Weisenkind daste­hen lassen. Zu Sick: über den schimpfe ich hier ein­gentlich gar nicht soviel (ich werde es aber in den näch­sten Tagen in einem Beitrag tun).

    Zu Ihren Bemerkun­gen zu Sinn machen: es würde mich sehr wun­dern, wenn die Leute, mit denen sie sprechen, die Redewen­dung Sinn haben nie ver­wen­den. Es fällt einem eben immer eher das auf, worüber man sich ärg­ert. Dass Sie mein Deutsch für so gut hal­ten, dass ich es mir leis­ten kann, nicht-stan­dard­sprach­liche Ele­mente zu ver­wen­den, ehrt mich natür­lich ein­er­seits. Ander­er­seits lehne ich die Grun­dan­nahme ab, die dahin­ter­steckt: dass es Leute gibt, die „schlecht­es“ Deutsch sprechen und dass man denen vorschreiben darf oder muss, wie sie es bess­er machen. Außer­halb eines Deutschkurs­es für nicht­deutsche Mut­ter­sprach­ler hat eine solche Ein­stel­lung aus mein­er Sicht nichts ver­loren. Ich werde dieses The­ma auf die lange Liste der Dinge set­zen, mit denen ich mich bei Gele­gen­heit aus­führlich­er beschäftige.

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  19. D.A.

    Es sei nur der Voll­ständigkeit hal­ber erwäh­nt: Pünk­tlich 14 Tage später, am 22. Sep­tem­ber, gabs wieder eine neue Kolumne von Frau Rein­hardt. Von Sprache bzw. ‑nörgelei scheint sie erst mal genug zu haben, denn damit hat ihr Beitrag nichts mehr zu tun. Pri­ma, denn schon bietet sich für sie die Gele­gen­heit, endlich selb­st ein­mal von “über­flüs­si­gen” Anglizis­men wie “Reset” Gebrauch zu machen.

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