Sprachlicher Imperialismus

Im let­zten Beitrag hat­te ich verse­hentlich nicht auf das Inter­view mit Ver­fas­sungsrichter Di Fabio ver­linkt, son­dern auf einen Gastkom­men­tar meines Würzburg­er Kol­le­gen Nor­bert Richard Wolf in der Main­post. Da dieser Kom­men­tar äußerst lesenswert ist, hole ich hier offiziell eine nicht-verse­hentliche Ver­linkung nach.

Wolf drückt zunächst Zweifel an der Sinnhaftigkeit ein­er Ver­ankerung der deutschen Sprache im Grundge­setz aus und weist dann noch darauf hin, dass „Die anderen machen es aber auch“ in diesem Fall kein gutes Argu­ment ist:

Man mag nun ein­wen­den, dass andere Staat­en, etwa Frankre­ich oder Öster­re­ich die Lan­dessprache in der jew­eili­gen Ver­fas­sung fest­gelegt hät­ten. Doch muss man die Sit­u­a­tion, in der solche Fes­tle­gun­gen ent­standen sind, bedenken. Die kleine Repub­lik, die nach dem Ende der Öster­re­ichisch-Ungarischen Monar­chie ent­stand, wollte sich auch für die deutsch Sprechen­den in anderen Teilen, etwa in der Tsche­choslowakei, zuständig fühlen; zudem weist die öster­re­ichis­che Ver­fas­sung auch auf weit­ere Sprachen, die im Land gesprochen wer­den, hin.

In Frankre­ich wur­den durch den Satz, dass die Sprache der Repub­lik Franzö­sisch sei, andere Sprachen bewusst unter­drückt, und es macht immer noch Schwierigkeit­en, Min­der­heit­en­sprachen anzuerken­nen. Solch­es kann und darf doch nicht das Ziel des deutschen Grundge­set­zes sein.

Kurz gesagt: Wenn Sprachen in Ver­fas­sun­gen fest­geschrieben wer­den, steckt meis­tens ein nach innen oder sog­ar nach außen gerichteter sprach­lich­er Impe­ri­al­is­mus dahin­ter. Dass Deutsch­land den nötig hat, und dass er angemessen wäre, darf bezweifelt wer­den.

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Anatol Stefanowitsch

Über Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Er beschäftigt sich derzeit mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Sein aktuelles Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ ist 2018 im Dudenverlag erschienen.

55 Gedanken zu „Sprachlicher Imperialismus

  1. Thomas Müller

    So ganz entkommt er dem VDS-Duk­tus aber auch nicht, wenn er von über­flüs­si­gen und lächer­lichen Anglizis­men spricht, ohne irgend­wo ein “mMn” einzubauen. Die wer­den ihn eher zum Ehren­mit­glied ernen­nen…

  2. Nörgler

    Mit Ver­laub, aber ich halte den Artikel nicht für “äußerst lesenswert”.

    Die Argu­mente sind vielmehr abgedroschen,oberflächlich und frag­würdig.

    Zunächst macht der Autor es sich leicht und bekämpft einen selb­st aufge­baut­en Popanz. Ich kenne keinen ser­iösen Beitrag, der behauptet, allein durch einen Grundge­set­zartikel wür­den ein­fach so die Anglizis­men ver­drängt.

    Auch habe ich noch nie, geschweige denn “immer wieder”, das Argu­ment gehört oder gele­sen, das Deutsche sei schwierig, weil es soviele Anglizis­men enthalte. So ganz ver­fehlt ist diese Behaup­tung aber auch nicht, jeden­falls für die Deutschen, die des Englis­chen nicht mächtig sind.

    Dann sagt er, “bes­timmte Staatssym­bole” gehörten in die Ver­fas­sung, zumin­d­est ins Gesetz, nen­nt aber nur zwei, die Flagge und die Haupt­stadt. Was ist mit der Nation­al­hymne? Die ist in Deutsch­land wed­er grund- noch über­haupt geset­zlich fest­gelegt. M.W. ist die Tri­col­ore in Frankre­ich erst seit 1946 aus­drück­lich in der Ver­fas­sung geregelt. Auch die jet­zige französiche Ver­fas­sung regelt nicht, daß Paris die Haupt­stadt ist. Auch die Weimar­er Ver­fas­sung sagt nicht, was die Reichshaupt­stadt ist.

    Dann sagt er, der beson­dere Schutz der Ehe habe noch nie­man­den vom Ehe­bruch abge­hal­ten. Das ist richtig, aber uner­he­blich. Das hat die frühere Straf­barkeit des Ehe­bruchs auch nicht getan. Diese Ver­fas­sungs­bes­tim­mung ist aber tra­gende Grund­lage zahlre­ich­er Entschei­dun­gen des Bun­desver­fas­sungs­gerichts gewe­sen, etwa zur Ehe­gat­tenbesteuerung.

    Dann meint er, eine Ver­fas­sungs­bes­tim­mung allein werde die Deutsche Bun­des­bahn nicht vom “ser­vice point” abhal­ten. Damit hat er aber ja auch recht. Aber die Bun­desregierung als (noch) Eign­er kön­nte es schon. Wenn er das für “über­flüs­sig” und “ärg­er­lich” hält, was tut er denn dage­gen? Hat er an die Bun­desregierung oder Her­rn Mehdorn geschrieben? Also wohl nur heiße Luft.

    Prof. Wolf mag ja ein anerkan­nter Sprach­wis­senschaftler sein, aber ob er sich in der europäis­chen Ver­fas­sungs­geschichte gut ausken­nt, halte ich für fraglich.

    So sagt er: “In Frankre­ich wur­den durch den Satz, dass die Sprache der Repub­lik Franzö­sisch sei, andere Sprachen bewusst unter­drückt, und es macht immer noch Schwierigkeit­en, Min­der­heit­en­sprachen anzuerken­nen.”

    Andere Sprachen wur­den in Frankre­ich seit jeher unter­drückt, spätestens seit der franzö­sis­chen Rev­o­lu­tion. Der zitierte Satz wurde aber erst 1992 in die franzö­sis­che Ver­fas­sung einge­fügt. Schon vorher und seit­dem hat sich die Lage der “Region­al­sprachen” in Frankre­ich eher verbessert, auch wenn noch viel zu tun bleibt. 2008 wur­den in der Ver­fas­sung die Region­al­sprachen immer­hin als Teil des nationalen Erbes (pat­ri­moine) gewürdigt.

    Seine Erk­lärung für die öster­re­ichis­che Ver­fas­sungsregelung ist nicht belegt und scheint mir zweifel­haft. Auch ohne entsprechende Ver­fas­sungs­bes­tim­mung haben sich die Weimar­er Repub­lik für die Deutschen in Ober­schle­sien und die Bun­desre­pub­lik für die verbliebe­nen Deutschen in Osteu­ropa und der Sow­je­tu­nion “zuständig gefühlt”.

    Beson­ders prim­i­tiv ist sein Argu­ment der “guilt by asso­ci­a­tion” (wie sagt man das auf deutsch?). Man mag ja vom VdS hal­ten, was man will, aber ein solch­es Argu­ment sollte unter der Würde eines deutschen Pro­fes­sors sein.

    Zum Abschluß lenkt er ganz vom The­ma ab, indem er auf die Qual­ität “sprach­lich­er Äußerun­gen”, ins­bes. von Poli­tik­ern, zu sprechen kommt — auch das ein abge­drosch­en­er rhetorisch­er Kun­st­griff. Er spricht damit ja vie­len aus der Seele, aber was hat er vorzuschla­gen? Was haben er und die deutsche Sprach­wis­senschaft dazu beige­tra­gen, logis­che Gliederung und leichte Ver­ständlichkeit deutsch­er “sprach­lich­er Äußerun­gen” zu heben?

    Faz­it: Man lehne sich zurück und lasse alles so laufen, wie es läuft. Der Sprach­wan­del wird es schon richt­en.

  3. Patrick

    @Nörgler:

    Wie oft musst du eigentlich noch hören, dass man nicht des Englis­chen mächtig sein muss, um Anglizis­men zu ver­wen­den? Man benutzt ja auch das Wort Bonze, ohne dass man Japanisch kön­nen muss. Außer­dem ist es unwahrschein­lich, dass Men­schen Worte benutzen, die sie über­haupt nicht ver­ste­hen oder mit denen sie sich nicht ver­ständlich machen kön­nen.

    Die deutsche Nation­al­hymne ist ja wohl ein Son­der­fall, da sie teil­weise his­torisch vor­be­lastet ist, weswe­gen man ihr keinen Ver­fas­sungsrang zuge­s­tand. (Ja, ich weiß, dass sie ursprünglich nicht mil­i­taris­tisch gemeint war, aber das Hak­enkreuz war ja auch mal ein Glückssym­bol.)

    Es mag ja sein, dass der beson­dere Schutz der Ehe bedeu­tend war etwa im Steuer­recht; das spricht aber eher gegen ihn, denn das Ehe­gat­ten­split­ting z.B. war stets ein Instru­ment um reak­tionäre Fam­i­lien­vorstel­lun­gen durchzuset­zen.

    Die Bun­desregierung kön­nte vielle­icht “Ser­vice Points” ver­hin­dern. Das grund­sät­zliche gesellschaftliche Prob­lem ist aber wohl eher das kün­stlich geschaf­fene Monopol der Deutschen Bahn, das einen freien Wet­tbe­werb, auch in ter­mi­nol­o­gis­ch­er Hin­sicht, ver­hin­dert, und nicht ein paar Anglizis­men.

    Deine anderen Argu­mente mögen andere dekon­stru­ieren.

  4. dibbedabb

    @Patrick

    Außer­dem ist es unwahrschein­lich, dass Men­schen Worte benutzen, die sie über­haupt nicht ver­ste­hen oder mit denen sie sich nicht ver­ständlich machen kön­nen.”

    Dieser Satz ver­di­ent es, groß aus­ge­druckt und ger­ahmt zu wer­den und dann vielle­icht in den Stu­dios von Maybrit Ill­ner, Anne Will etc. aufge­hängt zu wer­den. Sie glauben also allen Ern­stes, dass der Durch­schnitts­deutsche das Gerede von “Roadmap to Peace”, “Com­mon Sense” (meist in der im Englis­chen nicht exis­ten­ten Bedeu­tung von “gemein­sames Ver­ständ­nis” benutzt) und “Per­for­mance” ver­ste­ht?

    Dann träum weit­er.

  5. Patrick

    @dibbedabb

    Den Aus­druck “Roadmap to Peace” habe ich noch nie einen Deutschen sagen hören, lediglich auf CNN habe ich es manch­mal gehört.

    Com­mon Sense” benutze ich per­sön­lich ständig, aber das ist wohl nicht rel­e­vant, schließlich studiere ich Philoso­phie. Ich habe keine Ahnung, was du mit “gemein­sames Ver­ständ­nis” meinst, ich habe jeden­falls “Com­mon Sense” nie anders gehört als in der Bedeu­tung “gesun­der Men­schen­ver­stand”.

    Und “Per­for­mance” habe ich meis­tens in der Bedeu­tung von “Auf­führung mod­ern­er Kun­st” gehört, was eine sehr spez­i­fis­che Bedeu­tung ist, für die es meines Wis­sens kein so präg­nantes deutsches Wort gibt.

    Und der Begriff “Durch­schnitts­deutsch­er” schließlich ist eine Schimäre, die in unser­er plu­ral­is­tis­tis­chen Gesellschaft schlicht nicht existiert.

  6. Nörgler

    @dibbedabb

    An Ihrem son­st sehr tre­f­fend­en Beitrag habe ich nur eines auszuset­zen: “com­mon sense” im Sinne von “gemein­sames Ver­ständ­nis” gibt es m. E. im Englis­chen dur­chaus. Es ist nur nicht ein so ste­hen­der Aus­druck wie “com­mon sense” im Sinne von “gesun­der Men­schen­ver­stand”. So kann man etwa dur­chaus von einem “com­mon sense of urgency” (gemein­sames Verständnis/Gefühl von Dringlichkeit) sprechen (ca. 245 Tre­f­fer bei Google).

    Das Prob­lem bei “per­for­mance” ist, daß es so viel bedeuten kann, darunter auch eine Auf­führung von Aktion­skun­st, aber auch die Wer­ten­twick­lung von Aktien, generell “Leis­tung” — oder auf gut deutsch “Per­for­manz”.

    Ein schönes Beispiel für Denglisch:

    Build­ing Per­for­mance Con­gress 2008

    Par­al­lel zur Light+Building 2008 (6. — 11. April 2008) bietet der Build­ing Per­for­mance Con­gress umfassend Gele­gen­heit zur Infor­ma­tion und Diskus­sion. In dieser Zeit wird das Con­gress Cen­ter Messe Frank­furt ganz im Zeichen der Fachdiskus­sion zu den The­men Licht, Energieber­atung und Improv­ing Ener­gy Effi­cien­cy in Com­mer­cial Build­ings (IEECB) ste­hen. Während die Messe über die neuesten Pro­duk­te informiert, dient der Kongress der fach­lichen und inhaltlichen Ver­tiefung. Ergänzt wird der Build­ing Per­for­mance Con­gress durch drei Fach-Foren, die die The­men­bere­iche Build­ing, Immo­bilien und Com­put­er­sys­teme im Bauwe­sen abdeck­en.

    Eine Anmel­dung zum Build­ing Per­for­mance Con­gress ist vor Ort möglich.”

    Auch ein schönes Beispiel von Zwei­deutigkeit: bedeutet “Build­ing Per­for­mance” die Schaffung/den Auf­bau von “per­for­mance” oder geht es um die “per­for­mance” von Gebäu­den?

    Ob z.B. unsere älteren Mit­bürg­er aus den neuen Bun­deslän­dern das alles so auf Anhieb ver­ste­hen? Oder mein Schwiegervater, der im Gym­na­si­um zwar Lateinisch und Griechisch, aber kein Englisch gel­ernt hat?

    Auf einem Fachkon­greß mag ja jed­er reden, wie er will. Wenn man sich aber an ein bre­ites Pub­likum wen­det, ist es doch ein ele­mentares Gebot der Höflichkeit, keine eso­ter­ischen Fachaus­drücke — seien sie nun deutsch, lateinisch oder englisch — zu ver­wen­den.

  7. Wolfgang Hömig-Groß

    @Patrick: Ich glaube, dass dieser Sinn des Wortes langsam in den Hin­ter­grund gedrängt wird, zu Gun­sten etwa der Per­for­mance, die ein Wert­pa­pi­er haben kann (oder soll). Und das gesamte Seg­ment der Wirtschaft benutzt Wörter sich­er z.T. in absichtlich blenden­der Weise; in der Hoff­nung, Sachver­halte ver­schleiern zu kön­nen oder andere dumm daste­hen zu sehen. (siehe ->Bull­shit­bin­go oder die junge Kun­st­form der ->Pow­er­point-Karaoke).

  8. dibbedabb

    @Patrick

    Dann leben wir offen­sichtlich in ver­schiede­nen Wel­ten.

    Roadmap to Peace fiel vor ein paar Jahren in prak­tisch jed­er Polit-Talk­show; Per­for­mance ist inzwis­chen ein extrem weitver­bre­it­etes Bull­shit­wort für “Leis­tung” oder “pos­i­tive Entwick­lung”, das trotz sein­er weit­en Ver­bre­itung von vie­len nicht ver­standen wird; com­mon sense fällt seit einiger Zeit auch häu­fig in Polit-Talk­shows und ich habe es auch schon pri­vat gehört, und zwar immer in der Bedeu­tung von “com­mon under­stand­ing”, also gemein­sames Ver­ständ­nis (“es sind sich grund­sät­zlich alle einig, dass…”).

    @Nörgler

    com­mon sense hat, da wette ich um eine Kiste Wein, im Englis­chen nur die Bedeu­tung “gesun­der Men­schen­ver­stand”. Das, was Sie meinen, ist “com­mon under­stand­ing”.

  9. mus

    In God we trust; all oth­ers must bring data. — W. E. Dem­ing

    Also bitte: Wer behauptet, dieses oder jenes Wort werde von “durch­schnit­tlichen” oder “den meis­ten” nicht ver­standen, oder nur falsch, sollte dies auch bele­gen kön­nen — ich zumin­d­est glaube nicht daran (siehe auch den Ein­trag “Englis­chken­nt­nisse” in diesem Blog [ http://www.iaas.uni-bremen.de/sprachblog/2008/11/19/englischkenntnisse/ ]). Und selb­st wenn viele Deutsche bes­timmte Worte nicht ver­stün­den, was genau spricht dage­gen, sie trotz­dem zu benutzen, ins­beson­dere in fach­lichen Diskus­sio­nen? Was spricht dage­gen, dass man auch als Erwach­sen­er von Zeit zu Zeit sein Vok­ab­u­lar erweit­ert? Zudem darf man doch wohl bei poli­tis­chen Talk-Shows einen etwas gehobeneren Bil­dungs­stand des Pub­likums pos­tulieren.

  10. dibbedabb

    @ Nör­gler

    Was mich an den sog. Sprach­nör­glern, den Anglizis­men- und Denglis­chgeg­n­ern stört, ist, dass sie sich immer auf die ange­blich englis­chunkundi­gen “älteren Mit­bürg­er” beziehen.

    Fra­gen Sie mal Ihre Met­zgereifachverkäuferin, Ihren Floris­ten oder Piz­z­aboten nach eini­gen englis­chen Begrif­f­en aus der Tage­spresse. Fra­gen Sie mal ganz nor­male Büroangestellte ohne höhere Schul­bil­dung nach den Bull­shitwörtern aus Präsen­ta­tio­nen, mit denen sie ger­ade trak­tiert wur­den oder aus Rund­schreiben der Fir­men­leitung, die sie ger­ade erhal­ten haben. Und ich meine nicht, dass sie genaue Def­i­n­i­tio­nen von “Mar­ket Val­ue” oder “Cash Flow” liefern sollen; ansatzweis­es Ver­ständ­nis der Begriffe ist schon mehr, als man voraus­set­zen kann.

  11. dibbedabb

    @ mus

    Ein net­ter klein­er Ver­such, einen rhetorischen Trick anzuwen­den.

    Dass ich in der Diskus­sion in einem Inter­net­fo­rum die man­gel­nden Deutschken­nt­nisse der über­wiegen­den Bevölkerungsmehrheit nicht bele­gen kann, ist ja wohl selb­stver­ständlich. Wenn es keine entsprechen­den Unter­suchun­gen gibt, werde ich wohl kaum in der Lage sein, selb­st welche durchzuführen. Es gibt aber auch so etwas wie Lebenser­fahrung. Wenn man in ver­schiede­nen sozialen Milieus Kon­tak­te hat, merkt man sehr bald, dass die bunte, glob­al­isierte Welt der High­per­former nur ein winziger Auss­chnitt der Wirk­lichkeit ist. Bewegt man sich aber nur in diesem Milieu und seinem Dun­stkreis, kann man sich schnell ein­bilden, alle Welt ver­stünde Englisch.

  12. Achim

    @ Thomas Müller (#1): Wenn ich von “über­flüs­si­gen und lächer­lichen Anglizis­men” spreche, ist das eigentlich immer meine Mei­n­ung, das muss ich nicht noch durch einen Dis­claimer à la “mein­er Mei­n­ung nach” kennze­ich­nen. Und dafür werde ich bes­timmt nicht gle­ich vom VDS adop­tiert. Auch wenn ich der Mei­n­ung bin, dass es über­flüs­sige und lächer­liche Anglizis­men gibt, und zwar nicht zu knapp.

    Ich kann mir ander­er­seits sog­ar eine Argu­men­ta­tion vorstellen, die den schon oft inkri­m­inierten Ser­vice Point der Deutschen Bahn recht­fer­tigt.

  13. dibbedabb

    @ h.m.voynich

    Nein, das sind keine Fehler. Aber es heißt nicht (a com­mon sense) of urgency, son­dern a com­mon (sense of urgency).

    Würde ich sagen. Aber ich lasse mich gerne kor­rigieren. (Nein, gel­o­gen, natür­lich ungerne, aber wenn Sie mir’s nach­weisen, geste­he ich meinen Irrtum ein. Nur den Wein gibt’s dann nicht, weil Sie die Wette nicht angenom­men haben)

  14. mus

    Ein net­ter klein­er Ver­such, einen rhetorischen Trick anzuwen­den.

    Was für ein Trick denn bitte? Seit wann ist es ungerecht, Belege für kon­tro­verse Aus­sagen zu fordern?

    Dass ich in der Diskus­sion in einem Inter­net­fo­rum die man­gel­nden Deutschken­nt­nisse der über­wiegen­den Bevölkerungsmehrheit nicht bele­gen kann, ist ja wohl selb­stver­ständlich.

    Nein, genau das Gegen­teil wäre selb­stver­ständlich — son­st gibt es näm­lich keine Diskus­sion, son­dern nur ein shout­ing match.

    Wenn es keine entsprechen­den Unter­suchun­gen gibt, werde ich wohl kaum in der Lage sein, selb­st welche durchzuführen.

    Ok.

    Es gibt aber auch so etwas wie Lebenser­fahrung. Wenn man in ver­schiede­nen sozialen Milieus Kon­tak­te hat, merkt man sehr bald, dass die bunte, glob­al­isierte Welt der High­per­former nur ein winziger Auss­chnitt der Wirk­lichkeit ist. Bewegt man sich aber nur in diesem Milieu und seinem Dun­stkreis, kann man sich schnell ein­bilden, alle Welt ver­stünde Englisch [Anm.: Was denn nun? Englisch oder Deutsch (vgl. ihre Äußerun­gen weit­er oben im sel­ben Post­ing)?].

    Hier set­zte bere­its mein zweites Argu­ment an: Warum sollen denn diese Begriffe nicht inner­halb dieser Mil­lieus ver­wen­det wer­den? Weil jemand außer­halb dieses Milleus sie nicht ver­ste­ht? o_O

    Oder weil sie sich (wie ja oft von den Sprach­pan­sch­ern behauptet wird) “infla­tionär” aus­bre­it­en? Diese Aus­bre­itung auf andere Milleus würde einen Grund haben — wie jed­er Sprach­wan­del. Und wie jed­er (Sprach-)wandel, erfordert auch diese Sit­u­a­tion eine Anpas­sung der Betrof­fe­nen — wie ich bere­its anmerk­te: Man kann doch wohl erwarten, dass man sich ab und zu die Bedeu­tung neuer Wörter ein­prägt.

    In diesem Sinne: Swim or sink, but please stop piss­ing in the pool. (nicht per­sön­lich nehmen)

  15. Nörgler

    @ mus

    Der rhetorische Trick beste­ht doch darin, Belege immer nur von anderen zu ver­lan­gen, aber nicht von sich selb­st. Sie mögen ja glauben, daß viele Deutsche solche Aus­drücke bess­er ver­ste­hen, als gemein­hin angenom­men wird. Kön­nen Sie das denn bele­gen?

    Zulet­zt ver­wen­den Sie noch einen weit­eren rhetorischen Trick, näm­lich die gegener­ische Mei­n­ung als “kon­tro­vers” zu beze­ich­nen. Kon­tro­vers sind immer nur die Mei­n­un­gen der anderen.

    Im übri­gen gibt es ja min­destens eine Studie zu diesem The­ma, die man nach mein­er Erin­nerung auch in diesem Blog find­en kann. Nach dieser Unter­suchung ver­ste­ht ein großer Teil der Deutschen viele englis­che Werbe­sprüche (z.B. “come in and find out”) über­haupt nicht. Einige Fir­men sollen deshalb reumütig zu deutschen Werbe­sprüchen zurück­gekehrt sein.

  16. David Marjanović

    Seine Erk­lärung für die öster­re­ichis­che Ver­fas­sungsregelung ist nicht belegt und scheint mir zweifel­haft.

    Mir über­haupt nicht. Das selb­ster­nan­nte Deutsch-Öster­re­ich wollte das gesamte Sude­ten­land und die Sprachin­sel Iglau (also Jihla­va) haben, und das war noch nicht alles…

    guilt by asso­ci­a­tion” (wie sagt man das auf deutsch?)

    Mit­ge­fan­gen, mit­ge­hangen?

    Die deutsche Nation­al­hymne ist ja wohl ein Son­der­fall, da sie teil­weise his­torisch vor­be­lastet ist, weswe­gen man ihr keinen Ver­fas­sungsrang zuge­s­tand. (Ja, ich weiß, dass sie ursprünglich nicht mil­i­taris­tisch gemeint war

    Ursprünglich war sie übri­gens ein Trin­klied und endete mit “deutsche Frauen, deutsch­er Wein”…

    Auf einem Fachkon­greß mag ja jed­er reden, wie er will. Wenn man sich aber an ein bre­ites Pub­likum wen­det

    Das tut diese Nachricht aber nicht. Sie wen­det sich an die Sorte von Leuten, die auf so ein­er Ver­anstal­tung vor­tra­gen.

  17. dibbedabb

    @mus

    Außer­dem ist es unwahrschein­lich, dass Men­schen Worte benutzen, die sie über­haupt nicht ver­ste­hen oder mit denen sie sich nicht ver­ständlich machen kön­nen.”

    Das war der Aus­gangspunkt mein­er Argu­men­ta­tion.

    In meinen Aus­sagen bezog ich mich vor­wiegend auf Polit-Talk­shows. Grund­sät­zlich meine ich Äußerun­gen, die sich zumin­d­est poten­tiell an die gesamte Öffentlichkeit richt­en.

    Dass ich im Kün­stler­m­i­lieu oder unter Bänkern Aus­drücke benutze, die nicht all­ge­mein­ver­ständlich sind, ist klar, notwendig, selb­stver­ständlich. Dass z.B. der poli­tis­che Diskurs in den Massen­me­di­en von Wörtern durch­set­zt ist, mit denen man die bre­ite Öffentlichkeit nicht ansatzweise erre­icht, ist beden­klich. Eben­so ist es beden­klich, wenn am Arbeit­splatz Schlag­wörter kur­sieren, die nicht ver­standen wer­den — wed­er vom Sender noch vom Empfänger.

    Alles schon häu­fig erlebt. Über nichts davon habe ich Belege. Wenn Sie von mir unbe­d­ingt Belege wollen, müssen wir die Diskus­sion been­den.

  18. janwo

    Außer­dem ist es sehr wahrschein­lich, dass bes­timmte Men­schen bes­timmte Worte *nicht* benutzen (oder sie sog­ar “ver­bi­eten” wollen), weil sie sie über­haupt nicht ver­ste­hen *wollen*. Ich würde das “lexikalis­che Xeno­pho­bie” nen­nen.

    Es ist irgend­wie auch eine über­aus lästige und auf­dringliche Form von “Impe­ri­al­is­mus” wenn irgendwelche “Sprachret­ter” anderen kom­pe­ten­ten Sprech­ern vorschreiben wollen, was sie zu ver­wen­den haben — oder eben nicht.

    Wer Anglizis­men nicht mag, muss sie ja nicht ver­wen­den. Aber wie Don Qui­chotte dage­gen anzure­it­en oder anderen vorschreiben zu wollen, was ‘Deutsch’ sei und wie man es zu ver­wen­den habe, das ist zutief­st undemokratisch.

    Es gibt mit Sicher­heit auch Mut­ter­sprach­ler des Deutschen, die nicht ein­mal den deutschen Erb­wortschatz in all sein­er Fülle ver­ste­hen. Wenn es den “Sprach­schützern” tat­säch­lich um Rück­sicht­nahme auf Leute mit Ver­ständ­nis­prob­le­men gin­ge, müssten sie kon­se­quenter­weise auch manche sel­ten gebrauchte starke Verb­form (z.B. molk, buk, focht) oder Worte wie Spet­tel hin­nen u.v.a.m. ver­bi­eten.

  19. dibbedabb

    @janwo

    Sie bauen da einen Popanz auf, den ich in der Real­ität nicht sehen kann.

    Klar — es gibt immer ver­schrobene Leute mit selt­samen Ideen. Aber schließlich sind wir ein freies Land und es bleibt ja beim Äußern dieser Ideen. Sie kön­nen es für zutief­st undemokratisch hal­ten, Anglizis­men ver­bi­eten zu wollen. Andere hal­ten es für zutief­st undemokratisch, das Rauchen in Gast­stät­ten zu ver­bi­eten, die Leug­nung der Juden­ver­nich­tung unter Strafe zu stellen oder eine Ver­mö­genss­teuer ein­führen zu wollen.

    Das Argu­ment, es werde hier von die sog. Sprach­schützer ein Kampf gegen Wind­mühlen geführt, spricht doch eigentlich sehr für diese Herrschaften, denn Don Qui­chotte hat­te nur die lauter­sten und ehren­haftesten Absicht­en. Es ist dies übri­gens auch ein Scheinar­gu­ment, denn man kann es jedem ent­ge­gen­hal­ten, der gegen eine Entwick­lung opponiert, die er ver­mut­lich nicht wird aufhal­ten kön­nen. Die Chan­cen, Anglizis­men aus dem Sprachge­brauch zu ver­ban­nen sind ähn­lich groß wie die Chan­cen, die Abholzung des Regen­walds oder die Ver­schmutzung der Welt­meere aufzuhal­ten.

  20. Daniel

    @dibbedabb:

    Ueber The­sen disku­tieren zu wollen fuer die man nicht die Spur eines Beleges anbrin­gen kann ist schon wirk­liche Zeitver­schwen­dung. Ein wolkiger Hin­weis auf Lebenser­fahrung und “Mil­lieus” reicht als Diskus­sion­grund­lage nicht so wirk­lich aus. Man muss ja auch keinen wis­senschaftlichen Auf­satz vor­legen son­dern kann min­destens ein biss­chen anec­do­tal evi­dence (ätsch, ein Angliszis­mus) anbrin­gen und die ver­suchen zu ver­all­ge­mein­ern oder ähn­lich­es.

    Lei­der schaf­fen die Sprach­nör­gler nicht­mal das, ein­fach mal ein paar nachvollziehbares(so sub­jek­tiv das zugege­ber­massen auch ist), reale Beispiele zu geben fuer Anglizis­men die nicht vom Rezip­i­en­ten ver­standen wer­den. Dann kann man sich hin­set­zen und disku­tieren, woran das liegt.

    Noer­gler z.B. schwadroniert ain seinem ersten Com­ment oben uch nur herum wie missver­ständlich das Wort per­for­mance ange­blich wäre, weiss aber offen­bar kein Beispiel wo es mal jeman­den ver­wirrt hätte. Oder er nen­nt lan­gat­mig ein Beispiel von einem Fachkongress von dem er dann aber sel­ber sagt da könne nat­uer­lich jed­er in Fachchi­ne­sisch schwadronieren wie er mag. Was genau soll uns das Beispiel dann sagen?

    Ach­ja und das mit dem com­mon (sense of urgency) vs. com­mon sense (of urgency) ist mein­er beschei­de­nen Ansicht nach exakt richtig erk­lärt.

  21. dibbedabb

    @Daniel

    Nun, es hat ja zum Beispiel ein­mal eine Studie zu Werbe­sprüchen gegeben, die offen­sichtlich wei­thin unver­standen blieben.

    Aber wenn Du nicht disku­tieren willst und es für Zeitver­schwen­dung hältst, dann lass es doch ein­fach sein. Die Wahrheit ist bloß, dass Du vorher, bevor Du nicht disku­tierst, gerne noch ein­mal behaupten würdest, dass diejeni­gen, die eine andere Mei­n­ung haben als Du, Unrecht haben.

    Wenn Du glaub­st, auf ein­er solchen Seite müssten Belege beige­bracht wer­den, die wis­senschaftlichen Kri­te­rien genü­gen, dann kann ich nur sagen: Du irrst. Es geht hier um einen all­ge­meinen Mei­n­ungsaus­tausch, den Du mit den nur ungenü­gend kaschierten Worten “Ruhe jet­zt, ich hab recht” been­den möcht­est.

    Und da wir ger­ade bei Bele­gen sind: Erk­lär mir halt, wie es mit dem ange­blichen “com­mon sense” of urgency sich ver­hält. Ich lern gern dazu.

  22. Daniel

    @dibbedabb: Habe ich mich so unver­ständlich aus­ge­drueckt oder ignori­eren sie absichtlich was ich gesagt habe? Ich ver­lange expliz­it KEINE “wis­senschaftlichen” Belege und habe auch keine Silbe darue­ber ver­loren wer recht hat und wer nicht.

  23. lukas

    dibbe­d­abb: Werbe­sprüche wer­den doch nicht ver­fasst, um ver­standen zu wer­den: sie sollen vielmehr Assozi­a­tio­nen her­vor­rufen und neue Assozi­a­tio­nen in das Gedächt­nis des Umwor­be­nen ein­schmuggeln. Und da kann ein unver­standen­er oder fehlver­standen­er Spruch eben­so gut wirken wie ein ver­ständlich­er.

  24. Gareth

    Werbe­sprüche à la “come in and find out” oder “stim­u­lat­ing your sens­es” und was noch so alles laut dieser berühmt-berüchtigten Unter­suchung in deutschen Fußgänger­zo­nen missver­standen wurde, sind doch gar nicht mit o.g. Anglizis­men wie “Per­for­mance” zu ver­gle­ichen.

    Das Wort “Per­for­mance” wird wie jedes andere Sub­stan­tiv auch pro­duk­tiv in deutsche Aus­sagen einge­bun­den und ver­standen. Die Werbe­sprüche jedoch sind isolierte Slo­gans, die in dem Falle keinen Anglizis­mus im Deutschen darstellen, son­dern schlichtweg englis­che Phrasen sind. Dass Men­schen, die des Englis­chen nicht mächtig sind, diese nicht ver­ste­hen, ist ergo wed­er bemerkenswert noch bestürzend.

  25. janwo

    @ dibbe­d­abb: “denn Don Qui­chotte hat­te nur die lauter­sten und ehren­haftesten Absicht­en”

    Au Backe. Da hat jemand den Unter­schied zwis­chen “gut gemeint” und “gut gemacht” noch nicht begrif­f­en.

    Viel Spaß bei der Wind­müh­len­bekämp­fung. Mir wird das hier zu albern.

  26. P. Frasa

    Ich glaube im Übri­gen nicht an die Quan­ten­physik, ich hab zwar keine Stu­di­en dazu gele­sen, aber ein bißchen All­t­agser­fahrung zeigt einem ja, daß das nur Hum­bug sein kann!

    (so ähn­lich klin­gen Sprach­nör­gler hier jeden­falls wieder.)

    Fest ste­ht doch, daß kein Men­sch ein Wort benutzt, das er nicht ken­nt, son­st würde er es nicht benutzen. Im Gegen­teil, jed­er der ein Wort benutzt, hat eine genaue Vorstel­lung davon, was es bedeuten soll. Daß diese Vorstel­lung jedoch unter­schiedlich sein kann, je nach­dem ob ein Gelehrter oder ein “durch­schnit­tlich­er” (wie auch immer man das fassen soll) Men­sch das Wort benutzt, ist klar. Manche Leute, ger­ade im englis­chsprachi­gen Raum, hal­ten “Lin­guis­ten” ein­fach für Leute, die viele Sprachen sprechen.

    Das ist aber nor­mal. In jedem Bere­ich sind die meis­ten Leute eben keine Fach­leute. Und viele Begriffe bedeuten in der Fach­sprache etwas ganz spez­i­fis­ches im Gegen­satz zur All­t­agssprache (Masse und Gewicht z.B.). Das ist aber in der Regel kaum ein Prob­lem bzw. wenn es eines wäre, wäre es sowieso nicht zu ver­hin­dern.

    Das Prob­lem ist doch, daß die meis­ten Nör­gler nicht ein­se­hen wollen, daß Sprache eben nicht primär ein Mit­tel ist, exak­te Wis­senschaft miteinan­der zu disku­tieren. Sprache ist ein kul­tureller Akt und demzu­folge funk­tion­iert ein All­t­ags­ge­spräch eben über­haupt nicht so wie eine wis­senschaftliche Diskus­sion.

  27. Nörgler

    @David Mar­janović (#18)

    Bish­er war von Öster­re­ich, nicht von dem kur­zlebi­gen Deutschöster­re­ich die Rede.

    Aber selb­st wenn das mächtige, impe­ri­al­is­tis­che Öster­re­ich noch viel weit­erge­hende Ansprüche erhoben hätte, ergibt sich daraus doch nicht, daß die banale Fes­tle­gung der Staatssprache in der Ver­fas­sung, wie sie ja auch in anderen Ver­fas­sun­gen ste­ht, irgend etwas damit zu tun hat. Um das zu bele­gen, müßte man schon genauer auf die Entste­hungs­geschichte der öster­re­ichis­chen Ver­fas­sung einge­hen.

  28. dibbedabb

    Nun, da hier anscheinend die poli­tisch kor­rek­ten unter sich bleiben und sich in ihrer Mei­n­ung bestäti­gen wollen, und da sie außer­dem geflissentlich Gege­nar­gu­mente nicht zur Ken­nt­nis nehmen, bitte sehr: Ich will Euch Eure Kreise nicht stören. Nörgelt mal schön weit­er über die Nör­gler.

  29. Nörgler

    @dibbedabb

    Warum so schnell die Flinte ins Korn wer­fen? Machen Sie es doch so wie Don Qui­chote und kämpfen Sie weit­er tapfer gegen Wind­flügel.

    Je aus­sicht­slos­er der Kampf, umso ehren­hafter ist er. Viel Feind, viel Ehr.

    @Gareth

    Mit dem Wider­legen ist es so ein­fach nicht. Wenn Sie Anglizis­men als solche Wörter englis­chen Ursprungs definieren, die inzwis­chen fes­ter Bestandteil des deutschen Wortschatzes gewor­den sind, dann haben Sie natür­lich recht — aber nur weil diese Argu­men­ta­tion zirkulär ist.

    dibbe­d­abb geht es aber doch nicht um diese Wörter, son­dern um all die englis­chen Sprach­brock­en, die uns ständig neu an den Kopf gewor­fen wer­den — sei es in Talk­shows, in der Wer­bung oder sog­ar in amtlichen Papieren.

  30. dibbedabb

    jan­wo,

    ich fürchte, zum The­ma Don Qui­jote bist Du ein­fach nicht kom­pe­tent. Lass es sein. Anson­sten hast Du meine Antwort wahrschein­lich gele­sen aber offen­sichtlich nicht ver­standen.

    Gareth,

    sagen wir mal: Du hast darauf sach­lich geant­wortet. Klar, dass Du meinst, Du hättest mich wider­legt. Werbe­sprüche, die nicht ver­standen wer­den, sind nicht allzu sin­nvoll, das hat die Wer­be­branche ja anscheinend mit­bekom­men und eine Rei­he dieser Sprüche durch deutsche erset­zt.

    Pro­duk­tive” Anglizis­men im Satz­zusam­men­hang wer­den auch nicht immer ver­standen und sie wer­den häu­fig falsch benutzt. Ich erlebe das fast täglich:

    Ein Man­ag­er, der monate­lang das Wort “Retail” im Munde führte, bis her­auskam, dass er nicht wusste, was damit gemeint ist. Ein ander­er, der darauf bestand, in Präsen­ta­tio­nen falsche englis­che Begriffe zu ver­wen­den (nein, nicht solche, die in aller Munde sind, son­dern ein­fach englis­che Wörter, die er falsch ver­standen hat). Eine Diskus­sion unter (ange­blichen) Fach­leuten, bei der sich bin­nen kurzem her­ausstellte, dass einige Anwe­sende das Wort, das zur Beze­ich­nung des The­mas gewählt wurde, missver­standen hat­ten — aus Man­gel an Ken­nt­nis der englis­chen Fach­sprache.

    Kol­le­gen, die mir sagen, dass sie Rund­schreiben der Geschäft­sleitung unge­le­sen löschen, weil sie es leid sind, in jedem Satz ein Wort nicht zu ver­ste­hen.

    Ein Schu­lamt, das eine Umfrage unter Eltern plant, bürstet den Ein­wand, viele Eltern ver­stün­den das Wort “Feed­back” nicht, mit den Worten “ist ja lächer­lich” ab und wun­dert sich später über das zahlre­iche “Feed­back” von Eltern, die ebendieses Wort nicht ver­standen haben.

    Mag sein, dass das für Sie keine Argu­mente sind. Im Gegen­satz zu Dir behaupte ich aber jet­zt nicht, ich hätte Deine “Argu­mente” wider­legt. Ich behaupte nur, dass ich gän­zlich andere Erfahrun­gen gemacht habe und Deine Ansicht­en nicht nachvol­lziehen kann.

  31. Gareth

    Es geht hier ganz offen­sichtlich um zwei ver­schiedene Sachen. Du hast die Werbe­sprüche als Argu­ment für die Unsin­nigkeit von Anglizis­men einge­führt, weil diese oft­mals nicht ver­standen wür­den. Nur sind halt Werbe­sprüche, die ein­fach kom­plette englis­che Sätze sind, keine Anglizis­men im herkömm­lichen Sinne — also Lehn­wörter, die ins Deutsche einge­hen. Mehr wollte ich damit gar nicht zeigen.

    Zu dem anderen The­ma ist eigentlich alles schon gesagt wor­den. Nochmal: Nor­maler­weise benutzen Sprech­er nur Wörter, die sie auch ver­ste­hen. Wenn ein Sprech­er ein Wort benutzt, obwohl er die Bedeu­tung nicht ken­nt, liegt das nicht am Wort selb­st. Wenn die Mehrzahl der Sprech­er das Wort nicht ver­ste­ht, geht das Wort auch nicht in den Wortschatz über und bleibt Fachter­mi­nolo­gie oder ver­schwindet gän­zlich.

    Das hat aber immer noch nichts mit (fehlen­den) Englis­chken­nt­nis­sen zu tun. Ich kann z.B. kein Alt­griechisch und kann mir daher die Bedeu­tung des Wortes “Helikopter” nicht her­leit­en, weiß aber trotz­dem, was es beze­ich­net. Und du würdest ja ver­mut­lich nicht vorschla­gen, auf Wörter wie “Rekon­va­leszenz” zu verzicht­en, obwohl dieses Wort in ein­er Fußgänger­zo­nen-Umfrage sicher­lich von eben­so wenig Men­schen erk­lärt wer­den kön­nte wie eben “Retail”.

  32. dibbedabb

    @Nörgler

    …bloß han­delt es sich bei der Arbeit des VdS ja gar nicht um einen Kampf gegen Wind­mühlen, son­dern um einen völ­lig nor­malen Teil des öffentlichen Mei­n­ungs­bil­dung­sprozess­es, in dem die Posi­tion des VdS auch keineswegs aus­sicht­s­los ist, wie ein Blick in andere Län­der oder in die eigene Geschichte zeigt.

    Was mich nervt, ist die gle­ichzeit­ig besser­wis­serische und igno­rante Art, wie hier die eigene Mei­n­ung als abso­lut geset­zt wird und man mit rhetorischen Tricks der bil­lig­sten Art ver­sucht, sich über Ander­s­denk­ende lustig zu machen — ohne auch nur einen Augen­blick an nüchterne Reflex­ion zu ver­schwen­den. Per­sön­lich ste­he ich dem Anliegen des VdS eher neu­tral gegenüber, aber die geballte Borniertheit des Gut­denker­tums, die hier aus vie­len (got­t­lob nicht aus allen) Beiträ­gen her­vorschim­mert, ist min­destens genau­so schlimm und niveau­los wie der Quatsch, der manch­mal im Namen des VdS ver­bre­it­et wird.

  33. dibbedabb

    @Gareth

    Danke für die sachlche Antwort.

    Mir ging es zunächst gar nicht um Sinn oder Unsinn von Anglizis­men, wie Du in Deinem ersten Satz sagst. Mir ging es um genau genom­men drei Behaup­tun­gen:

    1) Es gebe keine aus­sagekräfti­gen Stu­di­en Ver­ständ­nis­prob­le­men bei Anglizis­men

    2) Man gebrauche nor­maler­weise keine Wörter, deren Bedeu­tung man nicht kenne

    3) Man gebrauche keine Wörter, die das Pub­likum nicht ver­ste­he

    Ich bin der Ansicht, dass Aus­sagen 2 und 3 falsch sind. Über die erste kann man stre­it­en.

    Das Prob­lem an Dein­er Ansicht bezüglich der Behaup­tun­gen 2 und 3 ist, dass Du wahrschein­lich von gängi­gen Anglizis­men wie shop, ref­er­ee oder down­load aus­gehst. Selb­st da habe ich leise Zweifel, wie viele Leute, wenn sie ein Län­der­spiel guck­en, wirk­lich die Frage “was ist denn nun ein coach/penalty/referee/keeper” beant­worten kön­nten. Aber sei’s drum.

    Ich schaue mir aber Talk­shows, Nachricht­ensendun­gen und ähn­lich­es an ein bre­ites Laien­pub­likum gerichtetes Mate­r­i­al an und stelle fest, dass hier eine Rei­he englis­ch­er Begriffe spo­radisch oder auch häu­figer auf­tauchen, die sehr häu­fig vom Empfänger, nicht sel­ten aber auch vom Sender nicht ver­standen wer­den. Beispiele habe ich ja genan­nt.

    Dass das nicht an den Wörtern selb­st liegt, wie Du sagst, ist klar. Aber was willst Du damit sagen? Es liegt daran, dass der Sender der Botschaft statt eines bekan­nten und all­ge­mein ver­stande­nen oder intu­itiv ver­ste­hbaren Begriffs einen anderen, fremd­sprachi­gen benutzt, dessen Ver­ständ­nis nur möglich ist, wenn man entwed­er die Herkun­ftssprache gut beherrscht oder vom Fach ist und den englis­chen Begriff dadurch vielle­icht ken­nt.

    Und zu Deinem let­zten Satz: Selb­stver­ständlich würde ich vorschla­gen, in ein­er Botschaft, die sich an die bre­ite Öffentlichkeit wen­det, Wörter wie Rekon­va­leszenz oder Aus­drücke wie coûte que coûte zu ver­mei­den.

    Vielle­icht reden wir auch aneinan­der vor­bei. Prob­lema­tisch wird es, wenn sich der Sender ein­er Botschaft so aus­drückt, dass der Empfänger sie nicht ver­ste­ht. Und das kann man häu­fig beobacht­en, wenn entwed­er viele Fachter­mi­ni oder viele Anglizis­men ver­wen­det wer­den.

    Wenn Anglizis­men als etablierte Begriffe in die deutsche Sprache aufgenom­men sind, dann ist die Wahrschein­lichkeit ver­hält­nis­mäßig hoch, dass ein durch­schnit­tlich gebilde­ter Mit­men­sch sie ver­ste­ht oder dass sie ein­er Fach­sprache ange­hören. Aber auch da kann man Über­raschun­gen erleben, wenn man mit dem Durch­schnitts­men­schen, dessen Exis­tenz hier abgestrit­ten wurde, spricht. Ich erin­nere an mein Beispiel mit der Schu­lamt­slei­t­erin, die es für Unfug erk­lärte, als man ihr sagte, ein guter Teil der Eltern würde das Wort “Feed­back” nicht ver­ste­hen und man solle es doch ein­fach durch “Antwort” erset­zen.

  34. David Marjanović

    Aus­drücke wie coûte que coûte

    Das heißt übri­gens coûte que ça coûte, und es ist mir im Deutschen noch nie begeg­net — im Unter­schied zum Äquiv­a­lent koste es, was es wolle.

  35. Nörgler

    @David Mar­janović (#38)

    Es heißt coûte que coûte (s. GREVISSE, LE BON USAGE, 1975, S. 1220).

    Dieser Aus­druck begeg­net mir dur­chaus gele­gentlich. An diesem (im Deutschen natür­lich völ­lig über­flüs­si­gen) Aus­druck reizt nun ein­mal die nicht zu über­bi­etende Kürze, ähn­lich wie bei faute de mieux. Ein höflich­er Men­sch wird solche Aus­drücke natür­lich nur ver­wen­den, wenn er sich sich­er ist, daß sein Gesprächspart­ner eben­falls mit ihnen ver­traut ist.

    Entsprechen­des, und damit kehre ich zum The­ma zurück, würde ich mir von den­jeni­gen wün­schen, die gerne Anglizis­men in ihre Rede ein­flecht­en.

  36. Kristin

    Warum wird in solchen Diskus­sio­nen eigentlich fast nur der Sender kri­tisiert?

    Soll heißen: Wenn mich eine Botschaft erre­icht, die ich nicht ver­ste­he, dann frage ich nach. Erstens gibt man mit diesem Feed­back dem Sender die Möglichkeit, sich (aktuell) zu erk­lären und (zukün­ftig, wenn nötig) seine Wort­wahl zu ändern. Zweit­ens ist das eine pri­ma Gele­gen­heit, neue Wörter zu ler­nen. Und das gilt nicht nur für Anglizis­men, nicht nur für Fremd­wörter, son­dern für alle mir frem­den Aus­drücke (Dialekt, Jar­gon, Handw­erk­er­fach­sprech …). So lernt man eine Sprache. Ich bin mit der Sesam­straße aufgewach­sen: Wer nicht fragt, bleibt dumm.

    Die Idee, man müsse die Empfänger dort abholen, wo sie ste­hen, führt lei­der häu­fig dazu, dass man sie eben nicht abholt, son­dern ste­hen lässt. All die Leute, die ange­blich nicht wussten, was “Pub­lic View­ing” bedeutet, die wis­sen heute nicht nur, was der Aus­druck im Deutschen beze­ich­net, son­dern dazu auch noch, dass er im Englis­chen unter anderem für öffentliche Auf­bahrun­gen ste­ht. Das hät­ten sie nie erfahren, wenn man von vorn­here­in “Groß­bild­fernse­hen” benutzt hätte.

    PS In Talk­shows ist das Nach­fra­gen Auf­gabe des Mod­er­a­tors.

    PPS Wie viele Leute mag es wohl geben, die “come in and find out” falsch ver­standen haben und deswe­gen nicht wis­sen, dass Dou­glas eine Par­fümeriekette ist?

  37. @dibbedabb

    @David Mar­janovic

    Danke für die Belehrung, aber hier kann ich Dich tat­säch­lich wider­legen (im Gegen­satz zu “Dir wider­sprechen”).

    Das Atten­tat muß erfol­gen, coûte que coûte, und sin­ngemäß weit­er: Gle­ich, ob es gelingt oder nicht; die Welt muss wis­sen, dass es in Deutsch­land einen Wider­stand gibt, der sein Leben gewagt hat. Alles andere ist daneben gle­ichgültig.

    Auch ein Don Qui­jote?

  38. @dibbedabb

    Genau, Kristin.

    Wer die Anglizis­men (wis­senschaftlichen Fachter­mi­ni, franzö­sis­chen und lateinis­chen Redewen­dun­gen etc.) nicht ver­ste­ht, ist selb­st schuld und hat’s net bess­er ver­di­ent.

    Aber eigentlich ist Dein Gedanke ja hochgr­a­dig sub­ver­siv und Du soll­test ihn vielle­icht dem VdS unter­bre­it­en: Wenn jed­er umge­hend nach­frägt, wenn er ein solch­es Wort nicht ver­ste­ht, wird der Spuk bald ein Ende haben. Und man kön­nte noch weit­erge­hen: Man kön­nte eine “ich frag nach”-Kampagne von Post und Telekom unter­stützen (spon­sern) lassen, denn die Mil­lio­nen Briefe und Tele­fonate, die aus ihr resul­tieren wür­den, wür­den die Börsenkurse dieser Unternehmen in ungeah­nte Höhen schnellen lassen. Das wär dann zwar nicht mehr sub­ver­siv, aber den­noch: Cha­peau (Hut ab) für diese Idee!

  39. Nummer4

    Ich studiere selb­st Sprach­wis­senschaften, bin aber der Mei­n­ung, auf Wis­senschaftlich­er Ebene kann man das “Prob­lem” der Anglizis­men wed­er hin­re­ichend erk­lären geschweige denn lösen. Meine ganz per­sön­liche Erfahrung hat mich zu der Mei­n­ung geführt, dass Men­schen, die im All­t­ag beson­ders viele Anglizis­men benutzen (denn darum geht es ja haupt­säch­lich; franzö­sis­che oder gar asi­atis­che Fremd­wörter dürften ja nur einen sehr kleinen Anteil aus­machen), haupt­säch­lich solche sind, die einen Anflug von Pro­fil­neu­rose haben. Wie gesagt, ist nur meine per­sön­liche Mei­n­ung und Erfahrung. Aber für mich liegt die über­mäßige Ver­wen­dung von Anglizis­men an sehr kom­plex­en Grün­den, die vielle­icht die Psy­cholo­gie zu klären hätte. Oft beobachte ich, dass solche Leute selb­st nicht genau wis­sen, was sie mit den Begrif­f­en meinen, jedoch aus dem Gefühl her­aus, die anderen ver­ste­hen es auch nicht, eine Art Über­legen­heits­ge­fühl entwick­eln. Denn meist wird ja nicht nachge­fragt, und der­jenige fühlt sich dann über­legen, weil er über eine Art (oft jedoch nur vorge­gaukeltes) Herrschaftswis­sen ver­fügt. Mir sind solche Leute zutief­st unsym­pa­thisch, und meist ergibt es sich auch von selb­st, dass ich mit ihnen eher wenig zu tun habe.

    Natür­lich ist diese “psy­chol­o­gis­che” Herange­hensweise nur ein Teilaspekt. Ob der Gebrauch von Anglizis­men im Geschäft­sleben, in der Wer­bung eine gute Idee ist, lässt sich damit nicht klären. Für den pri­vat­en Bere­ich habe ich jedoch meine Antwort gefun­den. Mit solchen Leuten habe ich eher Mitleid, weil bei ihnen die Anglizis­men nur ein Instru­ment darstellen, mit dem sie ihr fehlen­des Selb­st­be­wusst­sein kaschieren. Außer­dem zeugt es für mich von fehlen­dem Respekt, Fremd­wörter zu benutzen, von denen man weiß oder ver­mutet, dass das Gegenüber sie nicht ver­ste­ht. Ich werfe auch nicht mit griechis­chen, lateinis­chen oder altindis­chen Begrif­f­en um mich, nur weil ich es kann. Unter Fachkol­le­gen kann man das machen und ist es mach­mal ja auch erforder­lich, aber im pri­vat­en Bere­ich hat das nichts zu suchen. Meine beschei­dene Mei­n­ung 🙂

  40. Kristin

    @ dibbe­d­abb

    > Wer die Anglizis­men nicht ver­ste­ht, ist selb­st schuld

    Wenig­stens zum Teil: Ja!

    > und hat’s net bess­er ver­di­ent.

    Im Gegen­teil! Statt den Sendern das Senden auszutreiben, sollte man sich drum küm­mern, die Empfänger zu bilden.

    Wer die Bedeu­tung des Wortes “Hub­schrauber” nicht ken­nt, der kann sie sich auch mit noch so guten Deutschken­nt­nis­sen nicht her­leit­en. Ein Flugzeug ist etwas anderes als irgendwelch­es Zeug, das durch die Luft fliegt. “Hand-kuss” ist kein Euphemis­mus für Ohrfeige, obwohl man das Wort dur­chaus so ver­ste­hen kön­nte. Apro­pos: Ohr-feige?

    Wenn das unver­standene Wort zufäl­lig aus dem Alt­griechis­chen oder gar aus dem Englis­chen stammt, dann denkt der Schnelldenker, genau dies sei der Grund fürs Unver­ständ­nis. Aber das ist nicht der Grund.

    Schöne Grüße

  41. @dibbedabb

    @Kristin

    Ich weiß nicht, ob Du meinen Beitrag zuende gele­sen hast.

    Der zweite Abschnitt war eigentlich dazu gedacht, zu demon­stri­eren, wie unre­al­is­tisch es ist, von den Mil­lio­nen und Aber­mil­lio­nen Empfängern zu erwarten, dass sie sich beim Sender erkundi­gen, was er denn nun gemeint hat.

    Ich erwarte auch nicht, dass ein Mitar­beit­er in einem Rund­schreiben der Geschäft­sleitung, der Abteilungsleitung, des Vor­stands vier, fünf oder zehn Wörter nach­schlägt (die Angaben basieren auf wirk­lich Erlebtem, nicht auf mein­er Phan­tasie). In Eng­land gibt es etwas, das sich “Plain Eng­lish Cam­paign” nen­nt. Ähn­liche Ansätze kenne ich auch aus den USA. Das basiert auf der Ein­sicht in die Notwendigkeit, dass ich mich natür­lich auf den arro­gan­ten Stand­punkt stellen kann, der Empfänger mein­er Nachricht möge sich gefäl­ligst bilden; dass ich den Dumm­batz, der wo mich net ver­stehn tut, aber lei­der nicht zwin­gen kann, auch meine Waren zu kaufen. Oder meine Partei zu wählen. Oder sich mit seinem Arbeit­ge­ber zu iden­ti­fizieren, der ja ger­ade gezeigt hat, was er von seinen Angestell­ten hält.

  42. @dibbedabb

    @Kristin

    Ach so, jet­zt hab ich ja noch was vergessen:

    Selb­stver­ständlich ist der Grund für das Unver­ständ­nis, dass das nicht ver­standene Wort aus ein­er frem­den Sprache stammt. Die eige­nen Wörter ken­nt man näm­lich nor­maler­weise. Und, ob Sie’s nun glauben oder nicht, dem durch­schnit­tlich gebilde­ten Sprech­er gehen sie auch leichter von der Zunge und er merkt sie sich auch bess­er. Son­st kön­nten wir ja immer sagen, dass sie volu­minöse Expan­sion sub­ter­raler Agrarpro­duk­te in rezipro­ker Rela­tion zur intelek­tuellen Kapaz­ität des Diplo­ma­grarökolo­gen ste­ht.

  43. Gareth

    dibbe­d­abb, ich weiß ja nicht, was du alles so erleb­st, aber mir sind bish­er keine Hor­rorschreiben unter­laufen, in denen es von völ­lig unge­bräuch­lichen Anglizis­men nur so wim­melte. Ich würde das jeden­falls nicht zu einem gesellschaftlichen Phänomen erk­lären, nur weil es Einzelfälle gibt, bei deinen Anglizis­men in lächer­lich­er Häu­fung benutzt wer­den.

  44. Gareth

    dibbe­d­abb, was sind denn “eigene Wörter”? Solche Aus­sagen sind nun aber wirk­lich an der Gren­ze zum Unsinn. Es ist glaube ich aus­geschlossen, dass jemand Schwierigkeit­en damit hat­te, sich Wörter wie Com­put­er, Tele­fon, Ven­ti­la­tor, Toast­er oder Piz­za zu merken (wenn er sie nicht eh schon von Grund auf gel­ernt hat).

  45. @dibbedabb

    Gareth,

    mal wieder ein paar Ver­suche, zu trick­sen: Auf kleine Unge­nauigkeit­en in der Aus­druck­sweise abheben und die ganze Argu­men­ta­tion für Unfug erk­lären. Wann’s schee macht…

    Dann ein paar gebräuch­liche Fremd­wörter aufzählen und ver­all­ge­mein­ernd behaupten, jed­er könne sich solche Wörter (um die es ja gar nicht geht) merken.

    Und schließlich ein absichtlich über­triebenes Beispiel aus der Argu­men­ta­tion des anderen raus­greifen und so tun, als sei es wörtlich gemeint.

    So nicht.

  46. Kristin

    @dibbedabb

    Über unver­ständliche Rund­schreiben kann man sich mit Kol­le­gen und Vorge­set­zten unter­hal­ten, um sie zu ver­ste­hen. Wenn die alle das Schreiben auch nicht ver­ste­hen, wird der Vor­standsvor­sitzende das schon mitkriegen und (langfristig) seinen Sprachge­brauch ändern.

    Ich erwarte keineswegs arro­gant, dass man Marx liest, bevor man sich bei einem Agrar­be­trieb bewirbt. Umgekehrt gehe ich dur­chaus davon aus, dass sich meine Vorge­set­zte mir ver­ständlich aus­drück­en möchte — und anderes hab ich auch noch nicht erlebt. Jeden­falls nicht so drama­tisch, wie Sie es beschreiben.

    Ich weise lediglich darauf hin, dass es eben nicht um die Herkun­ftssprache eines Wortes geht, wenn ich es ver­ste­hen will. Wer auf einem Bahn­hof aktiv den Auskun­ftss­chal­ter sucht, der wird recht schnell den Ser­vice Point find­en — auch wenn er Englisch nicht ver­ste­ht und bei Ser­vice nur an Porzel­lanteller denkt. Fürs näch­ste Mal hat er den Aus­druck dann gel­ernt. Wenn er häu­fig an Bahn­höfen rumhängt oder sich oft mit Bah­n­reisenden unter­hält, dann wird der Aus­druck zu einem “eige­nen Wort”, das ihm geläu­fig ist, so wie Kartof­fel und Tomate.

    Schöne Grüße

  47. Daniel

    Soso, die “eige­nen Wörter” ken­nt man ja nor­maler­weise. Wer jemals mit ein­er deutschen Behörde zu tun hat­te wird wohl vom Gegen­teil bericht­en kön­nen. Die Ver­ständ­nis­prob­leme mit Anglizis­men ruehren eben keineswegs wirk­lich daher dass sie fremd­sprach­lich sind. Sie ruehren daher, das offen­bar stel­len­weise der Sender am Empfänger vor­bei funkt.

    Wenn ein Man­ag­er mit Begrif­f­en rum­fuchtelt die er nicht­mal sel­ber begreift, ist das ein Prob­lem der Unternehmen­skul­tur. Den Begriff Retail zu ver­wen­den ist per se keineswegs anrüchig.

    Das inter­es­sante an dieser per se recht banalaen Fest­stel­lung ist IMO dass genau deswe­gen der ganze Zirkus den der VdS ver­anstal­tet so sinn­los ist. Sie ver­suchen ihren Kul­turkampf unter pseudolin­guis­tis­chen Vor­wän­den zu führen. Und das so kon­se­quent, dass sie dabei gerne auf sich sel­ber rein­fall­en.

    Wenn der Vere­in z.B. die Ver­wen­dung von Worten wie “down­load­en” anprangert, ist das fernab jed­er hier von den Pro-Nör­glern genan­nten Argu­menten. Wer ein Aller­weltswort wie Down­load nicht kapiert ken­nt das ganze Konzept nicht und dem ist auch mit der Alter­na­tive “run­ter­laden” nicht weit­erge­holfen.

  48. David Marjanović

    Was coûte que coûte ange­ht, kann gut sein, dass das sehr präskrip­tive Werk von 1975 nicht mit dem Sprachge­brauch im heuti­gen Paris übere­in­stimmt… ist auch kein häu­figer Aus­druck, Geld ist schließlich keins mehr da… :o)

    Wenn der Vere­in z.B. die Ver­wen­dung von Worten wie “down­load­en” anprangert

    Ver­wen­det dieses Verb irgend­je­mand außer Microsoft?

  49. Achim

    @ David Mar­janović (#52):

    Ich finde ca. 8 Mio. Tre­f­fer bei Gugel. Die Suche ist auf deutschsprachige Seit­en eingeschränkt und schließt alle Seit­en von microsoft.com aus.

  50. Gareth

    Das Wort herun­ter­laden ist mit etwa 21,9 Mil­lio­nen Tre­f­fern jedoch wesentlich häu­figer und scheint sich damit gegenüber dem Wort down­load­en durchzuset­zen. Das ist doch ein schönes Beispiel dafür, dass sich solche Angele­gen­heit­en im Laufe der Zeit von selb­st klären und Sprach­puris­mus vergeudete Zeit ist.

  51. Achim

    @ Gareth (#54): Ich tippe hier eher auf eine andauernde friedliche Koex­is­tenz. Und “scheint sich durchzuset­zen” dürfte man eigentlich nur sagen, wenn man die zeitliche Entwick­lung rekon­stru­ieren kön­nte 😉

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