[Lesetipp] Luca und Leonie in Love

2009-05-01-lucaleonieHeute mal wieder ein Link- und Lesetipp, dank einem Offline-Tipp von Luise: Luca und Leonie in Love.
Es geht um die Androg­y­nisierung von Ruf­na­men1 im Deutschen, d.h. das Phänomen, dass sich männliche und weib­liche Vor­na­men immer ähn­lich­er wer­den. Frau Nübling (Vor­name: Damaris) hat es unter­sucht und ein Jour­nal­ist (Vor­name: Alfons) hat einen wirk­lich lesenswerten Artikel draus gemacht, Respekt! Es wer­den sog­ar Dinge wie die Sonorität­shier­achie erk­lärt

(So sieht sie Vokale und Kon­so­nan­ten auf einem phonetis­chen Kon­tin­u­um, auf dem stimmhafte Dauer­laute wie „l“, „m“, „n“, „j“, weil sie weich­er klin­gen, den Vokalen näher ste­hen als die stimm­losen Plo­sive „p“, „t“, „k“),

und ansatzweise2 auch Sil­ben­struk­turen

(Die lieblichen Laute ste­hen auch nicht mehr so oft neben anderen Kon­so­nan­ten (wie das „l“ in Elke), son­dern kön­nen sich zwis­chen Vokalen (wie das „l“ in Julian) oder vor Vokalen (wie das „l“ in Leah) laut­lich viel freier ent­fal­ten. […] Zudem bestätigt die Liste, dass Kon­so­nan­ten­clus­ter — wie bei den ersten bei­den Buch­staben von Brigitte — am Ausster­ben sind).

Nach all den lang­weili­gen Top-Ten-des-Jahres-Artikeln, die ich im Laufe meines Lebens lesen musste, ist das echt mal was anderes.

Fußnote:
1Ruf­na­men sind für so eine Unter­suchung viel bess­er geeignet als Vor­na­men generell, weil Zweit­na­men oft viel kon­ser­v­a­tiv­er sind als die eigentlichen Ruf­na­men, was beson­ders mit der soge­nan­nten “Nach­be­nen­nung” zu tun hat – nach der Paten­tante Elis­a­beth, der Oma Ger­linde, dem Urgroßonkel Franz-Josef etc. Nach­be­nen­nung war übri­gens im Mit­te­lal­ter mal ein richtiges Prob­lem und ist unter anderem mit schuld daran, dass es Nach­na­men gibt – irgend­wie musste man all die Johannes’ und Mar­garethes ja unter­schei­den!
Lei­der unter­schei­den die Vor­na­men­sta­tis­tiken (dort ganz unten auch ein his­torisch­er Ver­gle­ich) nicht zwis­chen Vor- und Ruf­na­men (was auch schwierig ist, da der Ruf­name nicht unbe­d­ingt der erste der Namen sein muss), weshalb oft typ­is­che Zweit­na­men als Dauer­bren­ner in den Lis­ten auf­tauchen.

2zwis­chen Vokalen” entste­ht natür­lich automa­tisch, wenn dem Kon­so­nan­ten immer ein Vokal fol­gt und die Silbe damit zuende ist, wie bei Ju-li-jan.

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