Bibliothek, Könyvtár, पुस्तकालय

Im Ein­gangs­bere­ich der Bere­ichs­bib­lio­thek Philo­soph­icum in Mainz hat man ver­sucht, the­ma­tis­che Gestal­tungse­le­mente einzubrin­gen. Das Ergeb­nis strahlt nicht ger­ade vor Orig­i­nal­ität, aber es sieht ganz gut aus und gibt Sch­plock­stoff her:

Bereichsbibliothek

2009-08-BB

Jedes Mal, wenn ich vor­beikomme, frage ich mich, wie viele ver­schiedene Sprachen da wirk­lich drauf sind. Ganz offen­sichtlich wieder­holen sich die Wörter ja nach ein­er Weile. Jet­zt hab ich’s endlich mal fotografiert und zuhause in Ruhe nachgezählt: Ich sehe 37. Viele sind natür­lich lang­weilig, weil sie ein­fach nur Vari­a­tio­nen des griechis­chen Wortes sind, aber dazwis­chen steckt immer noch genug Inter­es­santes. Ger­ade die Sprachen mit den “frem­den” Schrift­sys­te­men wer­den übri­gens zu einem großen Teil nicht im Philo­soph­icum gelehrt, son­dern ander­swo auf dem Cam­pus (wenn über­haupt). Ich schätze mal, man hat sie haupt­säch­lich aus optis­chen Grün­den aus­gewählt.

Im Fol­gen­den eine Liste aller ver­schiede­nen Wörter, die ich gefun­den habe. Vielle­icht habt Ihr ja Lust, beim Iden­ti­fizieren mitzuhelfen?

Bibliothek-Wörter

14 Gedanken zu „Bibliothek, Könyvtár, पुस्तकालय

  1. memo

    Ach ja, da hab ich auch schon ein Weilchen davorge­s­tanden und gerät­selt.

    Im Ara­bis­chen heißt ‚Buch‘ كتاب kitāb, was von der Wurzel k-t-b für ‚lesen‘ kommt.

    Davon leit­et sich das Wort مكتبة maktaba, hier (25) mit Artikel المكتبة almak­ta­ba ‚Ort zum Lesen‘, also ‚Bib­lio­thek‘, ab.

    Das ara­bis­che Buch steckt auch in der per­sis­chen Bib­lio­thek, wo es mit einem per­sis­chen Haus ver­bun­den hat:
    Also ara­bisch كتاب kitāb ‚Buch‘
    + per­sisch خانه xāne ‚Haus‘
    = كتابخانه mit per­sich­er Aussprache ketābxāne ‚Bib­lio­thek‘ (2).
    Und so heißt es im Far­si (also im Iran), im Dari (also in Afghanistan) im Urdu, und wahrschein­lich in eini­gen anderen Sprachen.

    Der Plur­al des ara­bis­chen Buch­es heißt كتب kutub. Wenn man das jet­zt wieder mit dem per­sis­chen Buch verbindet und das ganze schön türkisch ausspricht, bekommt man die 33, also kütüphane.

    Bleibt noch die 18, die das gle­iche in ara­bis­ch­er Schrift macht, aber ich habe keine Ahnung, welche Sprache das sein soll. Osman­isch wäre natür­lich richtig, aber ich denke mal, dass hier nur Sprachen genom­men wur­den, die noch so gesprochen und geschrieben wer­den. Vielle­icht ist es eine der kur­dis­chen Vari­etäten; die in der Türkei schreiben mit lateinis­chen Buch­staben, aber alle anderen benutzen ara­bis­che. Oder eben eine der anderen Sprachen, die die ara­bis­che Schrift benutzen. Ich würde aber die südostasi­atis­chen und die afrikanis­chen Sprachen auss­chließen, da ich bei denen keinen per­sis­chen Bestandteil ver­mute.

  2. K.

    Hal­lo!

    Für den Lieb­haber von Fremd­sprachen eine Lecker­bis­sen. Lei­der ist die Über­schrift des heuti­gen Beitrages falsch: es muß Könyvtár heißen, das zweite y ist ein Tippfehler (oder eher Ver­leser?) “Könyv” heißt auf ungarisch Buch.

    Ich gehe mal davon aus, daß die Abschlußfrage nicht nur rhetorisch gemeint ist. Also dann:

    1 Könyvtár — ungarisch
    2 کتابخانه — far­si
    3 бiблiотека — ukrainisch
    4 bib­lio­the­ca – lateinisch, Inter­lin­gua
    5 – da bin ich lei­der über­fragt; irgen­deine Sprache natür­lich, die in Devana­gari-Schrift bzw. deren Abkömm­lin­gen geschrieben wird
    6 圖書舘 – chi­ne­sisch (Langze­ichen, z. B. Tai­wan)
    7 Bib­lio­thek — deutsch
    8 — ägyp­tis­che Hiero­glyphen (beherrsche ich lei­der nicht, kann daher nicht sagen, ob ein Wort für “Bib­lio­thek” tat­säch­lich im altä­gyp­tis­chen Cor­pus belegt ist)
    9 bib­liote­ca — ital­ienisch, spanisch, kata­lanisch, gali­cisch, por­tugiesisch, rätoro­man­isch etc.
    10 図書館 — japanisch
    11 – Keilschrift (beherrsche ich lei­der auch nicht; selbe Anmerkung wie zu 8)
    12 ספריה — Hebräisch; allerd­ings: üblicher­weise wird das Wort, wenn unpunk­tiert, dann so geschrieben: ספרייה, d. h. mit Ver­dop­pelung des Jod, um klarzustellen, daß das Jod hier tat­säch­lich ein Kon­so­nant ist. Punk­tiert, d. h. mit Vokalze­ichen, schreibt man: סִפְרִיָּה.
    13 bib­lio­theek — nieder­ländisch
    14 bib­lio­thèque — franzö­sisch
    15 библиотека — rus­sisch, bosnokroatoser­bisch (bzw. ser­bisch), bul­gar­isch, maze­donisch
    16 kni­hov­na — tschechisch
    17 bókasavn — färöisch
    18 کتابخانه — far­si; soviel ich sehe, das gle­iche wie unter Num­mer 2 mit leicht anderem Schrift­typ; ich bezwei­fle, daß die Schöpfer dieses “Kunst­werks” wirk­lich eine Ahnung davon hat­ten, was sie tun …
    19 bib­liotekë — alban­isch
    20 – tibetanisch (ich habe lei­der keinen entsprechen­den Zeichen­satz)
    21 ich kann den vor­let­zten Buch­staben am Bild nicht erken­nen – sieht für mich gle­ich aus wie Num­mer 9 (bib­liote­ca)
    22 bib­liote­ka – pol­nisch, bosnokroatoser­bisch (bzw. bosnisch), litauisch
    23 पुस्तकालय — hin­di
    24 kir­jas­to — finnisch
    25 مكتبة — ara­bisch; hier allerd­ings (ver­mut­lich aus Unken­nt­nis) mit dem Artikel verse­hen
    26 bib­liotek – schwedisch, dänisch, nor­wegisch
    27 raa­matukogu — est­nisch
    28 library — englisch
    29 도서관 — kore­anisch
    30 bib­lioteko – esperan­to, ido
    31 – sing­hale­sisch (ich habe lei­der keinen entsprechen­den Zeichen­satz)
    32 βιβλιοθήκη — griechisch
    33 kütüphane — türkisch
    34 图书室 — chi­ne­sisch
    35 bókasafn — isländisch
    36 bib­liotē­ka — let­tisch
    37 bib­liotecǎ — rumänisch

    So, ich hoffe, daß die Zeichen alle kor­rekt dargestellt wer­den.
    Schönes Wochende und weit­er­hin viel Vergnü­gen beim Bloggen/Linguistikstudium/Sprachenlernen,
    K.

  3. K.

    Oops, sor­ry, ja, war ein Schnellschuß. Num­mer 18 ist in der Tat anders als Num­mer 2. Asche über mein Haupt. Ich weiß in diesem Falle allerd­ings auch nicht, was für eine Sprache das ist.

    K.

  4. Kristin Beitragsautor

    Wow, das ging schnell! Sehr cool!

    Danke für den Hin­weis mit dem Ungarischen, habe die Über­schrift kor­rigiert.
    9 und 21 sind tat­säch­lich iden­tisch. Also nur 36 ver­schiedene Wörter (aber bei weit­em mehr als 36 Sprachen).

    Zu den Hiero­glyphen habe ich ein Wörter­buch gefun­den — hier (pdf) auf Seite 12 find­et sich das erste Zeichen des Wortes in der Bedeu­tung ‘Haus’. Der drit­tlet­zte Ein­trag auf Seite 14 stimmt dann fast mit den Zeichen übere­in, seine Bedeu­tung ist ‘Bücher­haus, Archiv’. Der einzige Unter­schied ist, dass das let­zte Zeichen (dieser Kringel) im Wörter­buch nicht dabeis­te­ht.
    Das Wort scheint also belegt zu sein.

    Ich glaube ehrlichge­sagt nicht, dass sie so dreist wären, da aus­gedachte For­men hinzuschreiben — dazu laufen in dem Gebäude ein­fach zu viele Spezial­istIn­nen rum. Wahrschein­lich haben sie ein­fach in der Ägyp­tolo­gie nachge­fragt.

    11 ist tat­säch­lich Keilschrift. Ich habe mal nach Sumerisch gesucht und da auch ein Wörter­buch gefun­den. Das hat den Ein­trag

    é-dub-ba: archive; school (‘house’ + ‘tablet’ + gen­i­ti­val a(k)).

    was ja eigentlich gut passen würde, aber die zuge­höri­gen Keilschriftze­ichen scheinen doch nicht unsere zu sein.

    Nach­dem ich auch Het­hi­tisch, Akkadisch und diverse weit­ere Keilschrift­sprachen durch­sucht habe, gebe ich vor­erst auf.

  5. Monika

    Hal­lo Kristin,

    wun­der­bar die ganzen Schriften,eine wun­der­bare Betra­ch­tung!!

    Ich möchte ein Wort ein­er europäis­chen (Minoritäten)-Sprache dazufü­gen, das ich hier ver­misse…

    Llyfr­gyll

    Hmm… soll ich dich rat­en lassen, welche Sprache es ist? Mach ich ein­fach mal, du weißt ja soo viel ;)) Weißt du ja sicher­lich gle­ich.

    Ich habe sie mal etwas gel­ernt, weil ich sie fazinierend finde. Aber jet­zt lern ich lieber ital­ienisch… 🙂

    Das “ll” wird übri­gens aus­ge­sprochen mir an den Seit­en der Zunge vor­beige­blasen­er Luft… du weißt sicher­lich den Fachaus­druck dafür… aspiri­ertes L? bin lei­der keine Lin­guistin…

    Her­zliche Grüße, Moni­ka

  6. Kristin Beitragsautor

    Hal­lo Moni­ka,

    das ist defin­i­tiv eine keltische Sprache, aber welche genau … Gälisch? Wal­i­sisch? Ich hab extra nicht nachgeguckt.

    ll ste­ht meines Wis­sens in ein­er der keltischen Sprachen für das stimm­lose l, in IPA [ɬ] — zu hören hier.

  7. Monika

    Hal­lo Kristin,

    guut!! Cym­raeg bzw. Wal­i­sisch, die Sprache wo man nicht immer weiß, ob das Gegenüber nicht ger­ad dabei ist, seine kün­stlichen Zähne zu ver­lieren… 😉

    weil das “ll” oft als eine Mis­chung aus “th” und “l” aus­ge­sprochen wird von den “Learn­ers” und das echte ist eher als ob jemand Zah­n­prob­leme hat, wenn man es nicht ken­nt.

    Nen­nt man das also stimm­los­es S… ich würde es eher “feucht­es S” nen­nen, wenn ich an die ersten Ver­suche der meis­ten denke… 😉

    Llyfr ist aus der sel­ben Fam­i­lie wie Librum, wenn ich mich als Nicht­lateiner­in nicht irre…

    im Gälis­chen Lab­har… wenn ich jet­zt nach ca. 25 Jahren Pause (hat­te mal ein bis­sel gälisch gel­ernt) an die richtige Schreib­weise erin­nere…

    wir hat­ten übri­gens damals in der ersten Gälisch-Stunde gle­ich ein­mal 4 Seit­en Ausspracheregeln bekommen!!!!!*ächz* und eine Seite davon waren Aus­nah­men von diesen Regeln…

    Grüße, Moni­ka

  8. memo

    Zumin­d­est im schot­tis­chen Gälisch schreibt sich das Buch leab­har (bei mir ist’s nur 3 Jahre her ^_^ ) und die Bib­lio­thek heißt leab­har­lann. Mein Wörter­buch ken­nt lann alleine als ‚enclo­sure, repos­i­to­ry‘; weiß nicht, ob das das gle­iche ist, aber es würde zumin­d­est Sinn machen.

    Die 18 ist vielle­icht doch osman­isch; es sind ja auch andere Sprachen drin, die nicht mehr gesprochen wer­den. Ich fand osman­isch nur komisch, weil das für mich eher mit althochdeutsch oder so ver­gle­ich­bar ist als mit Latein, Hiero­glyphen etc. Also nicht tot, son­dern ein­fach nur ne ältere Stufe.

  9. Monika

    Also memo, du hast ja ordentlich was drauf mit den Sprachen… *staun* klasse.

    FÜr dich ein kleines Anekdötchen:

    Ich “lernte” vor min­destens 25 Jahren irisches Gälisch (Con­na­ma­ra) von einem irischen Sikh, ein echt­es Orig­i­nal mit rotem Bart und zutief­st chao­tisch, aber sehr nett, der uns immer wieder von der Ähn­lichkeit mit Gälisch und… hmm… San­skrit wars wohl… erzählte.

    Begeis­tert schrieb er dann mit zwei Hän­den fast gle­ichzeit­ig (er war “Bei­d­hän­der”) gälisch und San­skrit an die Tafel und sah uns freudig an:
    “Na, ist doch fast iden­tisch!!” und ver­gaß, daß nie­mand von uns San­skrit lesen kon­nte… mmmh.

    wir nick­ten alle nur grin­send… ab dem drit­ten Vorkom­men dieses Ver­gle­ichs. 😉

    … lei­der schafte nie­mand mehr als ein paar Sätze zu ler­nen… aber wir hat­ten viel Spaß :)))

  10. Kristin Beitragsautor

    Ich habe Num­mer 5 her­aus­ge­fun­den — das war nicht ganz triv­ial. Das Suchge­bi­et ließ sich einiger­maßen ein­schränken, weil alle Schriftze­ichen über einen Balken miteinan­der ver­bun­den sind. Da ist Indi­en ein ganz guter Tipp. Es ist allerd­ings kein Devana­gari (die Schrift, in der z.B. Hin­di geschrieben wird), son­dern Gur­mukhi, gefun­den über omniglot.com.

    Das Schwierige war dann, die Sprache zu ver­i­fizieren. Ich bin von Pun­jabi aus­ge­gan­gen, was sich let­ztlich auch bewahrheit­et hat, aber das Wort irgend­wo zu find­en war trotz Onlinewörter­büch­ern echt schw­er — hier ist es schließlich zu sehen. (Ich habe ver­sucht, die Schriftze­ichen für das Wort zusam­men­zubekom­men um es z.B. in der Pun­jabi-Wikipedia suchen zu kön­nen, habe aber eines der Diakri­ti­ka nicht gefun­den: ਲਾਇਥੇਹੀ — beim ਥੇ fehlt noch der Kringel drunter.)

  11. memo

    Lei­der ist mein Wis­sen all dieser Sprachen nur sehr ober­fläch­lich; für die Bib­lio­thek reicht’s grad noch. Ich schaff’s ein­fach nicht, mich mal auf ein-zwei Sprachen festzule­gen und diese richtig zu ler­nen.

    Wir hat­ten keinen rot­bär­ti­gen Sikh, aber der Gälisch-Kurs war trotz­dem sehr lustig. Die Lehrer (wir hat­ten ganze drei in dem einen Jahr) waren herza­ller­lieb­st, und wir hat­ten vier Tage die Woche Gälis­chunter­richt, was ein gewiss­es Schulk­las­sen­ge­fühl aufge­bracht hat.
    Außer­dem war der Kurs richtig gut: 3 Stunden/Woche Gram­matik, 1 Stunde Kon­ver­sa­tion und 1 Stunde im 1. Hal­b­jahr Aussprache, im 2. Hal­b­jahr Lek­türe. Da hat man schon ganz gut was gel­ernt. Aber nach drei Jahren ganz ohne Gälisch kann ich nur noch das Wichtig­ste: Wie geht’s? Ich heiße Mehmet. Ich will Schoko­lade. und Ich brauche Kaf­fee.

  12. Lietuvis

    Ich bin kein Experte für Gur­mukhi,
    aber ich lese da lâi­breghî, also wohl eine typ­is­che Anpas­sung von engl. library ans Indis­che.

    Kön­nte gut Hin­di sein.

  13. Lietuvis

    Kön­nte AUCH gut Hin­di sein, wollte ich schreiben.

    Bzw. eigentlich ist’s ja doch Englisch. 😉

  14. Kristin Beitragsautor

    Ha! Das Keilschrifträt­sel ist gelöst! Ich habe kür­zlich zufäl­lig einen Spezial­is­ten getrof­fen, der mir ver­rat­en hat, was dahin­ter­steckt:
    Die Schriftze­ichen kön­nen Sumerisch oder Akkadisch sein.
    Die sumerische Lesung ist tat­säch­lich É.DUB.BA ‘Haus der Tafel’ — da habe ich wohl etwas zu schnell aufgegeben. (Fragt sich, ob das ver­link­te Edub­ba-Bild eine andere Schrei­bung des­sel­ben Wortes ist, oder ob’s gar nicht das Wort ist.)
    Auf Akkadisch wäre die Lesung bit tup­pim, die Bedeu­tung ist dieselbe.

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