Nackt im Schatten

Schon mehrfach haben mich meine Co-Blog­ger Joachim Schulz (Quan­ten­welt) und Dierk Haa­sis (Con Text) gebeten, doch mal etwas über die englis­chen Wort­paare shadow/shade bzw. naked/nude zu schreiben (wer sich für welch­es Wort­paar inter­essiert hat, dürfte offen­sichtlich sein). Ich hätte ihnen den Gefall­en auch schon längst getan, nur ist mir nie eine inter­es­sante Per­spek­tive dazu einge­fall­en. Es sind eben Fälle, in denen es im Englis­chen zwei Wörter gibt, wo das Deutsche nur eins hat (nackt, bzw. Schat­ten).

Ein inter­es­santes The­ma wäre die Frage, ob das Englis­che grund­sät­zlich feinere Bedeu­tung­sun­ter­schei­dun­gen trifft, als andere (europäis­che) Sprachen. Ich habe diese Behaup­tung ab und zu während meines Studi­ums oder von Kolleg/innen gehört, und völ­lig unplau­si­bel ist sie nicht. Das Englis­che stand während der mehrere Hun­dert Jahre währen­den nor­man­nis­chen Besatzung in einem engen Kon­takt zum Franzö­sis­chen und hat in dieser Zeit außergewöhn­lich viele Lehn­wörter aufgenom­men, ohne die schon vorhan­de­nen Wörter auszu­sortieren; der englis­che Wortschatz ist deswe­gen an vie­len Stellen umfan­gre­ich­er als bei Sprachen mit wenig Lehngut, und das müsste ja eine Aus­d­if­feren­zierung von Bedeu­tun­gen mit sich brin­gen. Aber das tat­säch­lich zu unter­suchen, würde den Rah­men dieses Blogs natür­lich spren­gen.

Weniger inter­es­sant schien es mir, die Bedeu­tung­sun­ter­schiede ein­fach zu erk­lären. Das Sprachlog ist schließlich kein Wörter­buch: Wenn Dierk und Joachim den Bedeu­tung­sun­ter­schied zwis­chen nude und naked oder shad­ow und shade wis­sen wollen, sollen sie ihn nach­schla­gen. Dachte ich zumin­d­est, bis ich das selb­st getan habe. Denn Wörter­büch­er helfen nicht unbe­d­ingt weit­er.

Bei shad­ow und shade geht es noch ganz gut: shad­ow ist im Cam­bridge Dic­tio­nary (das ich hier ver­wende, weil es online frei ver­füg­bar ist) definiert als

an area of dark­ness, caused by light being blocked by some­thing, which usu­al­ly has a sim­i­lar shape to the object that is block­ing the light and which appears to be joined to it [s.v. shad­ow]

Dage­gen beze­ich­net shade

slight dark­ness caused by some­thing block­ing the direct light from the sun [s.v. shade]

Bei­de Wörter beze­ich­nen also eine dun­kle Region, die entste­ht, weil das Licht durch etwas block­iert wird. Bei shad­ow ist diese Region aber dun­kler als bei shade (vgl. dark­ness, aber slight dark­ness). Außer­dem hat der shad­ow eine definier­bare Form, die der des block­ieren­den Objek­tes ähnelt; beim shade fehlt dieser Aspekt. Drit­tens kann der shad­ow durch jede Art von Lichtquelle entste­hen, beim shade ist es die Sonne, deren Licht block­iert wird. Bei­de Wörter wer­den im Deutschen mit Schat­ten über­set­zt, aber inter­es­san­ter­weise nen­nt der Duden für dieses Wort zwei Def­i­n­i­tio­nen, die den Def­i­n­i­tio­nen der bei­den englis­chen Wörter sehr ähn­lich sind (Duden, Schat­ten, Def­i­n­i­tion 1a und 1b).

Man kön­nte hier also tat­säch­lich sagen, dass wir es mit zwei objek­tiv ver­schiede­nen, wenn auch ähn­lichen Phänome­nen zu tun haben, die im Englis­chen angemessen unter­schieden wer­den, im Deutschen aber nicht. Aber natür­lich ist die Verbindung zwis­chen Sprache und Wirk­lichkeit nicht so ein­fach: Für die min­destens sechs möglichen Kom­bi­na­tio­nen der drei Para­me­ter Ursache (Sonne/alle Lichtquellen), Inten­sitäts­grad (etwas dunkel/sehr dunkel) und Form (klar definiert/nicht klar definiert) gibt es im Englis­chen nur zwei Wörter – das mag bess­er sein, als das eine deutsche Wort, aber nur, wenn man einen Grund dafür nen­nen kann, dass aus­gerech­net die Merk­mal­skom­bi­na­tio­nen {sehr dunkel, klare Form, beliebige Lichtquelle} und {etwas dunkel, unklare Form, Sonne} kom­mu­nika­tiv so wichtig (und poten­ziell so leicht zu ver­wech­seln) sind, dass es zwei Wörter dafür braucht.

Bei naked und nude liegt der Fall ganz anders. Hier hil­ft das Wörter­buch zunächst über­haupt nicht weit­er. Denn naked wird dort definiert als

not cov­ered by clothes [s.v. naked]

und nude als

not wear­ing any clothes; naked [s.v. nude]

Ein klein­er Unter­schied lässt sich hier her­ausle­sen: „nicht von Klei­dung bedeckt“ kann sich auf einen ganzen Kör­p­er, aber auch auf einzelne Kör­perteile beziehen, und tat­säch­lich kann man sowohl sagen John is naked als auch John’s feet are naked, aber nur John is nude, nicht aber John’s feet are nude.

Aber das kann natür­lich nicht alles sein, denn sehr häu­fig bezieht sich eben auch naked auf den ganzen Kör­p­er, und die Frage bleibt, wo dann der Unter­schied zwis­chen naked und nude ist. Was das Cam­bridge Dic­tio­nary nicht liefern will, ver­sucht das Oxford Eng­lish Dic­tio­nary (lei­der nicht frei zugänglich). Im Ein­trag zu nude find­et sich der Hin­weis:

Where­as the term naked is gen­er­al­ly regard­ed as a neu­tral descrip­tive term, nude is now often used in con­texts of sug­ges­tive or gra­tu­itous dis­play…

Und bei naked heißt es

Naked tends to con­note vul­ner­a­bil­i­ty and absence of nor­mal cloth­ing; nude tends to be applied to naked­ness regard­ed in pos­i­tive or aes­thet­ic terms, espe­cial­ly in artis­tic con­texts.

Hier scheinen sich also zwei Dimen­sio­nen zu ver­mis­chen: Ein­er­seits soll naked ein neu­trales Wort sein, das schlicht die Abwe­sen­heit von Klei­dung beze­ich­net, während nude im Zusam­men­hang mit anzüglich­er (sug­ges­tive) oder über­flüs­siger (gra­tu­itous) Nack­theit ver­wen­det wird; ander­er­seits soll naked die Abwe­sen­heit erwart­bar­er, „nor­maler“ Klei­dung beze­ich­nen, während nude mit pos­i­tiv­en, ästhetis­chen, artis­tis­chen Kon­tex­ten assozi­iert wird.

Der Kun­sthis­torik­er Ken­neth Clark ver­sucht sich eben­falls an ein­er Unter­schei­dung:

To be naked is to be deprived of our clothes, and the word implies some of the embar­rass­ment most of us feel in that con­di­tion. The word “nude,” on the oth­er hand, car­ries, in edu­cat­ed usage, no uncom­fort­able over­tone. The vague image it projects into the mind is not of a hud­dled and defense­less body, but of a bal­anced, pros­per­ous, and con­fi­dent body: the body re-formed. [Link]

Naked beze­ich­net laut Clark also eine unfrei­willige, mit Pein­lichkeit ver­bun­dene Abwe­sen­heit von eigentlich erwarteter Klei­dung, während nude eine selb­st­be­wusste, absichtsvolle Nack­theit beze­ich­net, bei der Klei­dung schlicht keine Rolle spielt.

Eine ähn­liche Unter­schei­dung mit noch ein­er zusät­zlichen Per­spek­tive find­et sich auf answers.com:

Nude: To be with­out clothes, or bare, in a set­ting that the sub­ject feels safe and com­fort­able, and they are not being rep­re­sent­ed in a sex­u­al­ly acces­si­ble man­ner. For instance, the Roman stat­ues of the vestal vir­gins would be a nude. … They are unclothed bod­ies that are intend­ed to rep­re­sent nat­ur­al beau­ty, not to cre­ate impuls­es.

Naked: To be with­out cloth­ing, or bare, in a set­ting that the sub­ject would be embar­rassed, left feel­ing exposed and defense­less, or to be pre­sent­ed in a sex­u­al man­ner. A woman that is unclothed, except for her high heels and red lip­stick, would be naked. An unclothed pris­on­er being inter­ro­gat­ed would be naked. [Link]

Hier kommt die Dimen­sion des Sex­uellen hinzu: Nude beze­ich­net ange­blich eine natür­liche Nack­theit, die nicht auf das Erzeu­gen (sex­ueller) „Impulse“ aus­gerichtet ist, während naked eine wehrlose Nack­theit beze­ich­net, die Sex­u­al­ität implizieren kann. Gegen diese Idee spricht allerd­ings die Tat­sache, dass nude regelmäßig für Akt­bilder unter­schiedlich­ster ero­tis­ch­er Sub­til­ität ver­wen­det wird: wenn ich im Inter­net z.B. Nack­t­bilder von George Clooney oder Angeli­na Jolie suche, kann ich das mit nude eben­so gut (vielle­icht sog­ar etwas bess­er) als mit naked.

Um hier ein Sys­tem zu erken­nen, muss man sich zunächst klar machen, dass Nack­theit durch bei­de Wörter als kul­turelles Phänomen kon­stru­iert wird. Die Abwe­sen­heit von Klei­dung ist in unser­er Kul­tur nicht der Nor­mal­fall, son­dern das Beson­dere, Abwe­ichende. Naked beze­ichet diese Abwe­sen­heit von Klei­dung direkt. Je nach Kon­text kann das neg­a­tiv („fehlen­der Schutz, deshalb ver­let­zlich, sex­uell aus­beut­bar“), neu­tral oder auch pos­i­tiv sein („natür­lich, so wie wir auf die Welt kom­men“). Nude hinge­gen beze­ich­net nicht die Abwe­sen­heit von Klei­dung, son­dern den unver­hüll­ten Kör­p­er selb­st. Auch das kann je nach Kon­text mit unter­schiedlichen Bew­er­tun­gen verknüpft sein, von anzüglich bis feinsin­nig ästhetisch. Der Unter­schied „Abwe­sen­heit von Klei­dung“ und „unver­hüll­ter Kör­p­er“ erk­lärt auch, warum naked auch auf einzelne Teile des Kör­pers bezo­gen wer­den kann, denn Klei­dung kann ja auch lokal abwe­send sein. Nude ist man aber nur dann, wenn der Kör­p­er völ­lig unver­hüllt ist.

Wenn man eine all­ge­meine Lehre aus der kurzen Diskus­sion dieser bei­den Wort­paare ziehen wollte, dann sich­er die, dass Sprache nie direkt die Wirk­lichkeit, son­dern immer eine bes­timmte kul­turelle Per­spek­tive auf die Wirk­lichkeit abbildet. Im Englis­chen sind die Form und Dunkel­heit von Schat­ten wichtig, eben­so wie die Frage, ob jemand nackt ist, oder nur keine Klei­der anhat. Das Deutsche ignori­ert diese feinen Unter­schiede (und macht sie dafür vielle­icht an ander­er Stelle). Will man eine fremde Sprache richtig sprechen, reicht es deshalb nicht, Vok­a­beln zu pauken. Man muss dabei auch ler­nen, die Unter­schei­dun­gen zu tre­f­fen, die die betr­e­f­fende Sprachge­mein­schaft über Hun­derte von Jahren als sprach­lich bedeut­sam her­aus­ge­bildet hat.

[Dieser Beitrag erschien ursprünglich im alten Sprachlog auf den SciLogs. Die hier erschienene Ver­sion enthält möglicher­weise Kor­rek­turen und Aktu­al­isierun­gen. Auch die Kom­mentare wur­den möglicher­weise nicht voll­ständig über­nom­men.]

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Anatol Stefanowitsch

Über Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Er beschäftigt sich derzeit mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Sein aktuelles Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ ist 2018 im Dudenverlag erschienen.

37 Gedanken zu „Nackt im Schatten

  1. @Kampfdenker

    Sprach­lich­er Reich­tum
    Sehr inter­es­sant mal wieder vor Augen geführt zu bekom­men, welch sub­tiles und dif­feren­ziertes, mit Kul­tur und Geschichte ver­wobenes Werkzeug Sprache ist (und wie unge­heuer schw­er es daher ist, in ein­er Fremd­sprache jemals so etwas ähn­lich­es wie mut­ter­sprach­lich­es Niveau zu erre­ichen).
    Den Abschnitt über die vie­len Lehn­swörter in der englis­chen Sprache und deren bere­ich­ernde Wirkung dort soll­ten sich all diejeni­gen nochmal genau zu Gemüte führen, die die deutsche Sprache durch Über­nahme von fremd­sprach­lichen (über­wiegend aber englis­chen) Begrif­f­en bedro­ht sehen. Iro­nis­cher­weise zeigt also ger­ade ein Blick auf eben diesen ach so gefürchteten “Sprach­enein­drin­gling” wie absurd diese xeno­phoben Befürch­tun­gen sind.

  2. Erbloggtes

    Unter­schiede her­aus­gear­beit­et
    Die Moral gefällt mir am besten, nach­dem ich vorher beim Lesen vor allem die Prob­leme ver­spürt habe, schw­er definier­bare Unter­schiede her­auszuar­beit­en (das Her­ausar­beit­en wäre auch eine Her­aus­forderung für Michelan­ge­lo: er solle den Unter­schied zwis­chen einem nude David und einem naked David her­ausar­beit­en).
    Zur all­ge­meinen Lehre fällt mir ein, dass die Eth­nolo­gie nicht umson­st die teil­nehmende Beobach­tung als zen­trale Meth­ode entwick­elt hat, um etwas über das Leben von Men­schen zu erfahren. Und ein län­ger­er Aus­land­saufen­thalt soll ja Sprach­lern­ern nicht nur den Wortschatz ver­größern, son­dern auch das Ver­ständ­nis für die Ange­brachtheit fein­er Bedeu­tung­sun­ter­schiede = Ver­ständ­nis für das Leben und Denken der Sprachge­mein­schaft.
    Aber mal was anderes: Es gibt Nack­t­bilder von George Clooney?

  3. Statistiker

    Hin­weis
    “Für die min­destens (!!!) sechs (!!!) möglichen Kom­bi­na­tio­nen der drei Para­me­ter Ursache (Sonne/alle Lichtquellen), Inten­sitäts­grad (etwas dunkel/sehr dunkel) und Form (klar definiert/nicht klar definiert)…”
    Es dürften 2^3 = 8, und zwar genau 8 Kom­bi­na­tio­nen gemeint sein…

  4. Helmut Wicht

    dreimal nack­end
    Ich kenne im Deutschen drei Worte für Nack­theit: nackt, bloss und (schweiz­erdeutsch) blutt. Zugegeben — das “bloss” ist alt­modisch, aber in “Blösse zeigen” kommt es noch vor.
    Beim Schat­ten muss ich aber passen. Besten­falls das “Zwielicht” fiele mir noch ein.

  5. Sophia

    Insze­nierte Nack­theit
    An meinem mor­gendlichen Gedanken­him­mel mag ich ein, zwei unsortierte Wölkchen auf­greifen und hier ein­streuen.
    “nude” ste­ht eher für die ‘insze­nierte’ Nack­theit, daher auch für Akte, Ero­tis­che Fotografie ver­wen­det (siehe Blog oben), währen “naked” auch im über­tra­ge­nen Sinne eher die Bloßheit, Unver­hülltheit (evt. unge­wollt) beschreibt.
    Die ‘Nacktheit’der Seele oder eines Textes würde man wohl mit “naked­ness” beschreiben und nicht mit “nude­ness”, sodass ‘nude­ness’ vielle­icht auch stil­isierte, ‘insze­nierte’ Nack­theit bedeutet, während “naked­ness” die Blöße, Purheit, Unver­hülltheit beschreibt, die (evt. unge­wollte, unbe­ab­sichtigte) Barheit von Hülle, Schminke, Tak­tik impliziert, der­er man sich dur­chaus schä­men kann, während “nude­ness” dieser Touch ‘Ungeschmink­theit’ (bildlich gese­hen) fehlt.
    Man ist nicht ‘unbe­ab­sichtigt’ “nude”, scheint mir, aber sehr wohl “naked”.
    Da fällt mir William Bur­roughs “Naked Lunch” ein…
    (@undividet bei twit­ter)

  6. Sophia


    Je länger ich darüber nach­denke, umso mehr scheint mir im metapho­rischen Blick auf das Wort­paar “naked”, “nude” die größte Span­nung im Sinne: deut­lich­er Unter­schied zu liegen.

  7. ChristianW

    Nack­theit­en
    Ich bin über­rascht, dass Unklarheit­en bezüglich der unter­schiedlichen Bedeu­tun­gen von “nude” und “naked” beste­hen kön­nten. Vielle­icht weil bei­de viel zu häu­fig ein­fach mit “nackt” über­set­zt wer­den, welch­es im Deutschen zwar dur­chaus sämtliche beab­sichtigten Bedeu­tun­gen abdeckt, aber eben keineswegs die einzige ver­füg­bare Vok­a­bel ist (weshalb “nackt” auch über­haupt kein Beispiel für die These ‘Angel­sach­sen haben manch­mal präzis­ere Begriffe als wir’): entk­lei­det, unbek­lei­det, aus­ge­zo­gen, unbe­deckt, unver­hüllt, ungeschützt…
    Nach meinen Erfahrun­gen mit Mut­ter­sprach­lern ist “nude” eigentlich eine Spezial­isierung von “naked”. Ersteres beze­ich­net fast auss­chließlich entk­lei­dete Per­so­n­en, während “naked” sämtliche Bedeu­tun­gen (und mehr) abdeckt, die auch im Deutschen die Ver­wen­dung von “nackt” erlauben, ein­schließlich entk­lei­dete Per­so­n­en.
    Es ist gebräuch­lich zu sagen “a naked man”, “to the naked eye”, “the naked facts”, “in naked fear”, “out of naked greed”, usw., aber nur “a nude man” und nicht “to the nude eye”, “the nude facts”, “in nude fear”, “out of nude greed”, usw.
    Für mich sind also die Unklarheit­en zu unpräzisen Über­set­zungs­ge­wohn­heit­en geschuldet, nicht unpräzisem Vok­ab­u­lar oder gar kul­turellen Unter­schieden. Es wird ein­fach kon­se­quent mit “nackt” über­set­zt, was eigentlich “unbek­lei­det”, “unbe­deckt”, “ungeschützt” oder “rein” bedeuten soll.

  8. Joachim

    Schat­ten
    Mich wun­dert ein Wenig, dass die Mut­ter­sprach­ler, mit denen ich im Schat­ten saß, eine ganz andere Unter­schei­dung machen, als die Wörter­büch­er. Für die kam es nicht auf die scharfe Umgren­zung oder die Dunkel­heit an, son­dern schlicht auf den Kon­text. “Shade” beze­ich­net den Schat­ten, in dem man sitzt, wenn man sich vor Sonne schützen will. “Shad­ow” beze­ich­net das Dun­kle abbild eines Objek­tes.
    Der “shade”, in dem wir saßen, war tat­säch­lich zugle­ich der “shad­ow” eines Baums. Nur wür­den Mut­ter­sprach­ler sel­ten sagen: “Lets sit in the shad­ow.”

  9. Jan Wartenberg

    feine Bedeu­tungsnu­an­cen
    Impliz­it verdeut­licht der Artikel auch schön, warum man richtige Wörter­büch­er oder Pro­jek­te wie http://wiktionary.org braucht, wenn es doch schon Leo gibt.

  10. ausserirdischesindgesund

    Schlagschat­ten
    Es gibt auch den Begriff des “Schlagschat­tens”, der die klar umgren­zte Form beze­ich­net, mit der sich der Schat­ten auf einem Hin­ter­grund abze­ich­net. Ich denke, dass diesem immer ein “shad­ow” nie ein “shade” im Englis­chen entspricht.

  11. Joachim

    Schlagschat­ten
    Mein Gefühl mag falsch sein, aber auch im Schlagschat­ten sitzt man “in the shade”.

  12. Thankmar

    An Joachim anschliessend kön­nte man noch an Voll- und Halb­schat­ten denken. Bei mehreren Lichtquellen ist der von bei­den abgedeck­te Bere­ich der Voll, der von nur ein­er Lichtquelle abgedeck­te der Halb­schat­ten. “Im Halb­schat­ten sitzen” würde ich allerd­ings auch ver­wen­den, wenn das Objekt tw. licht­durch­läs­sig ist, wie z.B ein Baum oder ein dün­ner, heller Son­nen­schirm.

  13. freiwild

    free­dom / lib­er­ty
    Zu Beginn des Irakkrieges erschien in der New York Tomes ein sehr inter­es­san­ter Artikel über die Unter­schei­dung zwis­chen “free­dom” und “lib­er­ty”.
    http://is.gd/XT167X
    Magst Du da vielle­icht auch noch drauf einge­hen?

  14. LMK

    Aus­ge­hend von dem Vorkom­men von “shade” in der Popmup­sik — z. B. “Shades of Deep Pur­ple” und “A Whiter Shade of Pale” -, hat­te ich “shade” immer mit “Schat­tierung” über­set­zt. Kön­nte es sein, dass “shade” im Englis­chen mehrere Bedeu­tun­gen hat? Im Zusam­men­hang mit Far­ben macht es ja nicht viel Sinn, von “block­ing the direct light from the sun” sprechen.

  15. Anatol Stefanowitsch

    sit­ting in the shad(e|ow)
    @Joachim:
    Ich glaube, die fol­gende Idee kön­nte alles erk­lären (ist aber erst­mal nur eine Idee): shade beschreibt die (rel­a­tive) Dunkel­heit, die durch das Block­ieren von Licht entste­ht, als (form­lose) „Sub­stanz“, während shad­ow sie als „Objekt“ mit ein­er klaren Form beschreibt. Das würde nicht nur alle anderen Unter­schiede erk­lären (die rel­a­tive Inten­sität ist z.B. eine Voraus­set­zung für die klar umris­sene Form, und je näher eine Lichtquelle ist, desto klar umris­sener sind die Schat­ten, die sie wirft); dafür spräche auch, dass shade ein soge­nan­ntes „nicht-zählbares“ Sub­stan­tiv ist (a bit/lots of shade, aber nicht two/three/… shades), wie es für Sub­stanzen typ­isch ist (sand, water, air, …), während shad­ow ein zählbares Sub­stan­tiv ist (one shad­ow, two/three shad­ows), wie es für Objek­te typ­isch ist.
    Das erk­lärt, warum man auch im shad­ow eines Baumes sagen kann, dass man im shade sitzt, denn es geht einem dabei ja nicht um die Form des Schat­tens, son­dern nur um die Tat­sache, dass man nicht in der Sonne sitzt.
    Übri­gens kann man aber dur­chaus in the shad­ow sitzen – näm­lich genau dann, wenn es einem wichtig ist, auf das schat­ten­wer­fende Objekt extra hinzuweisen. Ein paar typ­is­che Beispiele (Quelle: Google Books):
    1. When I grew up, Sohn wished to make a por­trait of me, as he often saw me, sit­ting in the shad­ow of a tree, a straw hat on my head, in my sim­ple morn­ing attire.
    2. Sit­ting in the shad­ow of the Eif­fel Tow­er while enjoy­ing the qui­et com­pa­ny of your loved one at sun­set.
    3. Sit­ting in the shad­ow of the dark grey walls, with the moss-grown foun­tain whis­per­ing the sto­ry of some Nor­man Arethusa ia her ears…
    4. He found him sit­ting in the shad­ow of the Tem­ple of the Sun, read­ing Tas­so.

  16. Nathalie

    @A.S. Schat­ten­spiele
    Die Erk­lärung finde ich sehr ein­leuch­t­end. So ähn­lich hat­te ich mir das auch zusam­men­gereimt, wollte meinem Sprachge­fühl dann aber doch nicht so richtig trauen. Schließlich laufen mir diese bei­den Wörter im alltäglichen Sprachge­brauch eher sel­ten über den Weg (jeden­falls nicht bewusst).
    Die Unter­schei­dung von “naked” vs. “nude” finde ich auch sehr inter­es­sant. Das war mir so noch nicht bewusst, aber auch hier macht as abso­lut Sinn, dass sich “nude” eher auf den unver­hüll­ten Kör­p­er bezieht. Wieder was gel­ernt.

  17. Erbloggtes

    sit­ting in the shad­ow
    Ich lese die Beispiele für “sit­ting in the shad­ow” so, dass dabei durch Schat­ten­wurf eine Fläche auf dem Boden markiert wird, inner­halb der­er die Person(en) sitzt/en. (Die Fläche befind­et sich, wie der Leser weiß, neben dem schat­ten­wer­fend­en Objekt.)
    “sit­ting in the shade” müsste dem­nach den Schw­er­punkt darauf leg­en, dass man nicht in der Sonne sitzt
    Wie ist es mit der Meta­pher “in jeman­des Schat­ten ste­hen”? Beispiel: Merkel stand lange in Kohls Schat­ten.
    Meine Intu­ition sagt: “shade”, da Merkel sich in der Meta­pher nicht in der Sonne der Aufmerk­samkeit befind­et.

  18. Joe Dramiga

    Eminem aka Slim Shady
    Es gibt im Englis­chen ja auch den Aus­druck “act­ing shady” wenn jemand da nicht so saubere (im Sinne von trans­par­ent, sichtbar)Sachen macht.

  19. Elke Wawers

    Shad­ow im über­tra­ge­nen Sinn
    Im Englis­chen hat “shad­ow” noch eine über­tra­gene Bedeu­tung. Sehr unter­halt­sam nachzule­sen im Roman “Nice Work” von David Lodge. Die bei­den Pro­tag­o­nis­ten, eine Uni­ver­sitäts­dozentin und ein Indus­trie­m­an­ag­er, nehmen ein Semes­ter lang an einem Wochen­tag am Arbeit­sall­t­ag des anderen als “shad­ow” teil. Durch dieses “shad­ow scheme” sollen Uni und Indus­trie einan­der bess­er ken­nen­ler­nen. Also eine pos­i­tiv kon­notierte Beschat­tung.

  20. Frank Wappler

    bare­ly umbrel­lized
    Ana­tol Ste­fanow­itsch schrieb (25. April 2012, 00:17):
    > Aber natür­lich ist die Verbindung zwis­chen Sprache und Wirk­lichkeit nicht so ein­fach […]
    Nüt­zliche Nota­tio­nen zur Darstel­lung der Verbindung zwis­chen (unter­schei­d­baren aber anson­sten aus­tauschbaren) Sprachele­menten und (nachvol­lziehbar­er) Wirk­lichkeit bzw. Aus­sage sind
    (1) Wik­ilink:
    [[<Artikelname>#<Verweis-auf-Ausdrucksform>|<Ausdrucksform>]]
    und
    (2) Wikian­no­ta­tion:
    [[<Artikelname:A>#<Verweis-auf-Ausdrucksform:A>|<Ausdrucksform:A>]]
    [[<Artikelname:C>#<Verweis-auf-Ausdrucksform:(A.B)>| ]]
    [[<Artikelname:B>#<Verweis-auf-Ausdrucksform:B>|<Ausdrucksform:B>]]
    .

  21. A.P.

    Online-Wörter­büch­er
    Für alle, die es (noch) nicht ken­nen: Das Mer­ri­am-Web­ster Dic­tio­nary ist auch ganz nett…
    http://www.merriam-webster.com/dictionary/shadow
    http://www.merriam-webster.com/dictionary/shade
    http://www.merriam-webster.com/dictionary/naked
    http://www.merriam-webster.com/dictionary/nude

    Und noch eine Ergänzung bzgl. der “Moral der Geschicht”: Der Blick auf solche Begriff­s­paare ist gele­gentlich auch ganz hil­fre­ich, um in der eige­nen Sprache (im Deutschen) Bedeu­tungsebe­nen von Begrif­f­en her­auszuar­beit­en… (solche Paare sind häu­fig also gut als argu­men­ta­tiv­er Aufhänger geeignet).
    Bspw.:
    Raum — room/space
    Geschlecht — sex/gender
    Arbeit — work/job

  22. impala

    Raum — room/space
    Arbeit — work/job

    Diese Begriff­s­paare fall­en aber nicht in dieselbe Kat­e­gorie. room und space haben sich­er einige lexikalisierte Kol­loka­tio­nen oder Eigenbdeu­tun­gen (wie Zim­mer oder All), sind aber oft aus­tauschbar, z.B. in there wasn’t enough room/space in the boot our car.
    Und genau­so wie work und job im Englis­chen getren­nt sind, kann man im Deutschen auch Arbeit und Job (als Lehn­wort) bzw. Arbeit­splatz von einan­der tren­nen.

    Ich kenne im Deutschen drei Worte für Nack­theit: nackt, bloss und (schweiz­erdeutsch) blutt. Zugegeben — das “bloss” ist alt­modisch, aber in “Blösse zeigen” kommt es noch vor.

    Zu dem schweiz­erdeutschen Begriff kann ich nichts sagen, da ich ihn noch nie gehört habe, aber bloß ist sich­er nicht mehr syn­onym mit nackt, da man es nicht mehr in allen Kon­tex­ten gebrauchen kann. Und in Redewen­dun­gen wie “die Blöße würde ich mir nicht geben” geht die Ref­erenz zur Nack­theit auch ver­loren. Im Nieder­ländis­chen sind übri­gens sowohl bloot als auch naakt bei­de noch in regelmäßigem Gebrauch.

  23. A.P.

    room vs. space
    naja, die Bedeu­tung­sun­ter­schiede sind schon sub­til­er (soweit ich das kor­rekt in Erin­nerung habe):
    “room” ist eher der geschlossene Raum (bspw. als Zim­mer), während “space” eher der offene Raum ist. Ein “room” ist dann ein “extent of space”…

  24. Frank Wappler

    shad­ow accoun­tant
    Ana­tol Ste­fanow­itsch schrieb (25. April 2012, 00:17):
    > Fälle, in denen es im Englis­chen zwei Wörter gibt, wo das Deutsche nur eins hat
    Umgekehrt gibt es auch Fälle, in denen es im Deutschen zwei Wörter gibt, wo das Englis­che nur eins hat, z.B.
    jog­ger Jogger(in), Bogenglattstoß­ma­chine
    (vgl. http://dict.leo.org/…9Fmaschine&trestr=0x801),
    oder
    cut­ter Cutter(in), Kut­ter
    .

  25. rechenmonster

    Sicher­heit vs. safety/security
    Inter­es­sant ist, dass es bei diesen Wörter­paaren gar nicht aufhört.
    Nehmen wir safe­ty: Dies meint die Sicher­heit vor Unglücks­fällen oder Unfällen.
    Secu­ri­ty meint Sicher­heit vor Angrif­f­en oder Über­grif­f­en, oder kann sich auf emo­tionale (Selbst)sicherheit beziehen.
    Dann gibt es noch cer­tain­ty, wenn man etwas mit Sicher­heit weiß.
    Trotz­dem: es gibt keinen Grund, auf die englis­chen Bedeu­tungsnu­an­cen nei­disch zu sein.
    Im Deutschen haben wir Kom­positwörter, die ver­schiedene Bedeu­tun­gen sehr fein aus­d­if­feren­zieren kön­nen, wenn man nur kreativ genug ist.
    Diese sprach­liche Kreativ­ität scheint uns aber abhan­den gekom­men zu sein. Was für wun­der­voll sug­ges­tive Wörter sind z.B. “Schallplat­te” oder “Zeitlupe”?
    Zugegeben, “Dig­i­talschallplat­te” spricht sich nicht so schnell wie das zweisil­bige “CD”, aber es ist denkbar, dass sich ein Wort wie “Dis­cha” hätte einge­bürg­ern kön­nen, ähn­lich wie man “Schuko” für “Schutzkon­den­sator” sagt.
    Es ist ein­fach nur Man­gel an Phan­tasie.
    Und ich möchte hier auch nicht einem gekün­stel­ten Sprach­puris­mus das Wort reden.
    Ich denke, dass die sprach­liche Dif­feren­zierung ver­wandter Konzepte durch ver­schiedene Wörter ein Spiegel­bild davon abgibt, wie präsent eine Konzept­gruppe im Bewusst­sein ein­er Sprachge­mein­schaft ist. So munkelt man, dass Eski­mos sehr viele ver­schiedene Wörter für “Schnee” ken­nen, während mir nur Schnee, Pul­ver­schnee und Schneematsch geläu­fig sind.

  26. Armin

    Snow?
    @Rechenmonster, das mit den Eski­mos und dem Schnee war ein gross­er Fehler, ins­beson­dere hier.…
    Ganz gross­er Fehler.

  27. rechenmonster

    @ Armin
    Ich werde den ganzen Tag (ach was, den Rest meines Lebens!) damit ver­brin­gen, auf den Knien win­sel­nd um Gnade für meinen “ganz großen Fehler” zu fle­hen.
    Gut, also bin ich einem der vie­len falschen Mythen aufge­sessen.

  28. textgruen

    Stich­wörter zur weit­eren Reflex­ion
    Sowohl den Beitrag als auch die Diskus­sion in den Kom­mentaren empfinde ich als sehr anre­gende Sprachre­flex­io­nen; mir fall­en noch einige Vari­a­tio­nen ein, die seman­tis­che Abgren­zun­gen und Über­lap­pun­gen erken­nen lassen. Um der Kürze willen werd ich nur stich­wor­tar­tig auf­führen:
    Re: “nackt” vs. “naked” und “nude”
    nack­te Tatsachen/Wahrheit:
    Schock­mo­ment der Erken­nt­nis zuvor ver­hüll­ter Umstände (vgl. bibl. Erken­nen zw. Mann & Frau)
    Akt:
    ästhetisch insze­nierte, kün­st­lerisch legit­imierte Nack­theit — im Engl. “nude”,
    wobei “in the nude” selb­st­be­wusste Nack­theit auch in nicht-kün­st­lerische All­t­agskon­texte brin­gen kann.
    Nudist/Nudismus:
    abgeleit­et von der eben skizzierten Hal­tung kann Nack­theit zum (Lebens)Prinzip wer­den, im Deutschen wie im Englis­chen — nudist/nudism.
    Re: “Schat­ten” vs. “shad­ow” und “shade”
    Schemen:
    eine geis­ter­hafter Wahrnehmungs­ge­gen­stand wie ein Schat­ten — lexikalis­che Alter­na­tive zu Schat­ten, entspricht ein­er Bedeu­tungsvari­ante von “shad­ow”
    Halb­schat­ten — Schat­tierung:
    erster­er Begriff beschreibt die Lichtwirkung im Ein­fluss­bere­ich eines schat­ten­wer­fend­en Objek­ts — speziell dann, wenn der Schat­ten­wurf am Ort der Wahrnehmung(!) auf­grund der optis­chen Ver­hält­nisse, z.B. zwis­chen Lichtquelle und Mate­ri­al­ität des Objek­ts, eher als gradu­elles Mod­i­fika­tion­sspek­trum umgeben­der Beleuch­tungs­be­din­gun­gen (“Lichtschat­tierun­gen”) erscheint, nicht als aus­ge­sproch­en­er Kon­trast. Das passt genau zu der Bedeu­tungsvari­ante von “shade” die hier schon als “Schat­tierung” benan­nt wor­den ist — bei “shades” im Plur­al(!) geht es also um Farb- & Hel­ligkeitsvari­a­tio­nen von Sub­stanzen; homonym ste­ht jedoch “shades” auch für Lichtschutzvor­rich­tun­gen, die Augen oder Umge­bung der Wahrnehmenden abschat­ten: sowohl Son­nen­vorhänger als auch Son­nen­brillen, sog­ar Stirn­bän­der mit Blend­schirm wer­den — zumin­d­est im Amerikanis­chen, wie ich es erlebt habe, oft als “shades” beze­ich­net. Ander­er­seits wird mit “shade” als sin­gu­lare tan­tum eine analoge Licht­mod­i­fika­tion durch Objek­te, die nicht der Kon­trolle der Wahrnehmenden unter­liegen, beschrieben; lexikalisch sehe ich daher eine Analo­gie zum Konzept des Halb­schat­ten.
    Den Rest mein­er Assozi­a­tion­slaw­ine zu diesen Fra­gen der lexikalis­chen Konzip­ierung von (objek­tiv­en) Erschei­n­un­gen und (sub­jek­tiv­en) Wahrnehmungen/Wahrnehmungshaltungen lasse ich mal im Dunkeln — nie­mand weiß, auch ich nicht, was da son­st noch “in the nude” zutage käme, würd ichs ans Licht zer­ren “from the shad­owy realms of the uncon­scious”…

  29. devnull

    Möglicher­weise gibt es doch eine (regionale?) deutsche Entsprechung zu diesen bei­den Dif­feren­zierun­gen.
    Mir ist das Wort “nack­ig” oder (alt­modisch?) “nack­end” dur­chaus geläu­fig. Wenn ich mich “nackt” füh­le (z.B. beim Secu­ri­ty-Fumm­ler am Flughafen) würde ich diesen Zus­tand nie mit “nack­ig fühlen” beze­ich­nen. Auch umgekehrt funk­tion­iert die ein­deutige Auf­forderung “Mach dich nack­ig” nicht mit “nackt”. Ein “Nackedei” (stammt das Wort von “nack­end” ab?) wird sich­er völ­lig anders inter­pretiert als ein “Nack­ter”.
    Beim Schat­ten meine ich auch eine Entsprechung zu find­en. Wer im Som­mer einen kühlen Ort auf­sucht, zieht sich “ins Schat­tige” zurück. Wenn ich sage “Lass uns in den Schat­ten gehen” meine ich ziem­lich sich­er einen ganz konkreten Schat­ten eines Son­nen­schirms o.Ä. “Es ist ganz schön schat­tig heute” meint ein­deutig keine beson­ders hohe Zahl von Schlagschat­ten bes­timmter Gegen­stände, son­dern all­ge­mein küh­le Tem­per­a­turen durch fehlende Sonnene­in­strahlung. Wenn ich einen erkennbar durch einen ein­deutig zuge­ord­neten Gegen­stand abgeschat­teten Bere­ich “Schat­ten” nenne, ist dafür die Form der Rän­der und die absolute Hel­ligkeit nicht wichtig. “Schat­tig” würde ich aber immer mit “dif­fus, nicht wirk­lich dunkel” verbinden. Auch die Bedeu­tung von “shady” als “dubios” finde ich im Deutschen wieder. “Schat­tengestal­ten” sind defin­i­tiv nicht gle­ichbe­deu­tend mit “schat­ti­gen Gestal­ten”.

  30. Gregor

    Nack­ig…
    …würde ich eher als kindlich/familiär beze­ich­nen. Es geht weniger um den Tatbe­stand bzw. die Sit­u­a­tion, als darum wer das zu wem über wen sagt.
    Die Kinder sind “nack­ig” im Plan­schbeck­en. Nack­ig hat etwas ver­harm­losendes. Es geht eben ger­ade nicht um Erotik.
    Nie­mand sucht wohl Bilder, auf denen Clooney “nack­ig” ist…

  31. markonsea

    Erblog­gtes
    “Wie ist es mit der Meta­pher ‘in jeman­des Schat­ten ste­hen’? Beispiel: Merkel stand lange in Kohls Schat­ten.”
    “Smith was a renowned thin­gol­o­gist, but spent half of his life in the shad­ow of his father, an even more renowned researcher at the time. How­ev­er, his lat­er achieve­ments put those of his father in the shade.”
    (von mir sel­ber aus­gedacht)
    Hof­fentlich hil­ft das!

  32. Crissov

    Mach dich nac­kich
    In der mor­phol­o­gis­chen Struk­tur von naked, d.h. im Suf­fix {ed}, steckt doch schon ein wenig, dass es Ergeb­nis ein­er Hand­lung ist, während nude lediglich einen Zus­tand beschreibt. Diese Unter­schei­dung kön­nte man natür­lich auch für das flek­tier­bare nackt und das unflek­tierte nack­ig tre­f­fen, aber dieses deutsche Begriff­s­paar dürfte im Sprachge­brauch deut­lich weniger stark kon­ven­tion­al­isiert sein als das englis­che.
    Auch für shad­ow und shade gilt wie hier schon ange­merkt, dass ihnen im Deutschen nicht allein Schat­ten, son­dern (zweit­erem) auch Schat­tierung entsprechen kann. Hinzu kommt, dass diese Wörter alle (auf ger­man­is­ch­er Ebene) ety­mol­o­gisch ver­wandt sind, während der Latin­is­mus nude allen­falls über indoeu­ropäis­che Wurzeln mit den anderen ver­bun­den ist.
    Es gibt natür­lich auch viel krassere Beispiele, z.B. im Englis­chen die ger­man­is­chen Nutztiere, die in der Küche zu roman­is­chen Fleisch wer­den, während im (Bundes-)Deutschen solch eine Unter­schei­dung fast völ­lig fehlt. Allerd­ings unter­schei­det sich bei uns mitunter das bevorzugte Geschlecht­slex­em zwis­chen Hof und Haus:
    Henne – Hahn – Küken – Hüh­n­er vs. Grill­häh­nchen, Hüh­ner­brühe,
    Sau – Eber – Fer­kel – Schweine vs. Schweine­brat­en,
    Kuh – Bulle/Stier/Ochse – Kalb – Rinder vs. Kuh­milch, Rinder­brat­en, Kalb­sle­ber­wurst, Ochsen­schwanz­suppe,
    Aue – Widder/Bock/Hammel – Lamm – Schafe vs. Ham­melfleisch, Lam­mdön­er,
    Stute – Hengst//Wallach – Fohlen – Pferde vs. Ross­bratwurst, Pfer­dewurst.

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