Blogspektrogramm 50/2014

Die Debat­te in dieser Woche war von Sprache & Migra­tion bes­timmt. Wir liefern hier noch ein paar sin­nvolle Links aus dem Dic­kicht von Häme, Spott, Zus­tim­mung und „aber trotz­dem“. Wir erweit­ern die Liste gerne, weil wir möglicher­weise etwas den Überblick ver­loren haben:

8 Gedanken zu „Blogspektrogramm 50/2014

  1. flux

    Was hal­tet ihr in diesem Zusam­men­hang, davon, dass deutschsprachige Eltern mit ihren Kindern Englisch sprechen .. dem begeg­ne ich in let­zter Zeit des öfteren ?

  2. Vilinthril

    Gute Frage, das hab ich mich näm­lich auch schon öfters gefragt, in welchem Aus­maß das sin­nvoll oder kon­trapro­duk­tiv ist.

  3. Ferrer

    @flux: Schwieriges The­ma, ich nehme an, es hängt ganz wesentlich vom Englis­chniveau der Eltern ab. Schlimm­sten­falls lernt das Kind schlecht­es Englisch mit deutschem Akzent. Man kann nur hof­fen, dass die Eltern diese Entschei­dung mit Bedacht tre­f­fen und ihre eige­nen Fähigkeit­en nicht über­schätzen und wenn sie es schon tun, soll­ten sie kon­se­quent dabei bleiben. Das ist nicht ein­fach.
    Neben­bei: Das, was Goethe Licht­gren­ze nan­nte (siehe Beitrag im let­zten Link) nen­nen Astronomen Ter­mi­na­tor oder Sep­a­ra­tor. Da empfinde ich die Kon­no­ta­tio­nen ganz anders als bei der Licht­gren­ze.

  4. deissler

    Ab wann jemand als aus­re­ichend bilin­gual gilt, um über die dafür nöti­gen Sprachkom­pe­ten­zen zu sprechen, ist schw­er quan­tifizier­bar.

    Ich hätte aber mal eine andere Frage zum The­ma CSU und Deutschsprech-Motivierung. Die Reak­tio­nen auch außer­halb der Sprach­wis­senschaft hät­ten ein­deutiger kaum aus­fall­en kön­nen. So ziem­lich jed­er Net­zz­wis­chen­ton dazu war neg­a­tiv und darauf beschränkt, das ganze als großen Schmar­rn zu ent­lar­ven. Das ist auch in Ord­nung. Nur fiel mir wieder­holt auf, wie häu­fig in diesem Zusam­men­hang die Dialek­tkeule geschwun­gen wurde (“Fangt doch erst­mal selb­st an, HOCHdeutsch zu sprechen”, blablabla).

    Dabei liegt meines Eracht­ens hier das­selbe Missver­ständ­nis über Mehrsprachigkeit vor, wie bei Immi­granten. Statt Pseudo­hier­ar­chien zwis­chen Ausangs- und Ziel­sprache geht es nun um die Veror­tung von Vari­etäten zum Stan­dard inner­halb des Diasys­tems. Das hat am Ende der Diskus­sio­nen fast mehr gen­ervt, denn der dep­perte CSU-Vorschlag. Danach kann man zumin­d­est die Uhr stellen.

  5. Markus Schäfer

    Kon­trapro­duk­tiv wird es wahrschein­lich nicht sein. Die Frage ist, was die Eltern erre­ichen wollen. Als unter­stützende Maß­nahme kann es nicht schaden, genau­so wie Mathe o.ä. neben­her zu üben. Aber die Eltern müssen natür­lich sel­ber aus­re­ichende Kom­pe­tenz besitzen.

  6. Vilinthril

    Die Sit­u­a­tion ist da halt nor­maler­weise die, dass die Eltern non­na­tive-Kom­pe­tenz haben – was ich mich da z. B. frage, ist, ob und inwiefern es störend sein kann, wenn der erste Haupt­in­put eben mit non­na­tive-Aussprache (set­zen wir aus­re­ichend kor­rek­te Gram­matik und Idiomatik mal voraus) daherkommt.

  7. Anatol StefanowitschAnatol Stefanowitsch

    @ deissler: Abso­lut richtig. So, wie Mehrsprachigkeits­bash­ing die let­zte Bas­tion der heim­lichen Xeno­phoben ist, ist Dialek­t­bash­ing der let­zte Ort, an dem ver­meintlich aufgek­lärte und pro­gres­sive Men­schen ohne Schuldge­füh­le ihren Klas­sis­mus ausleben kön­nen.

  8. Karmen

    Englisch mit Eltern betr­e­f­fend: Vor einiger Zeit machte der Wahn die Runde, dass es vorteil­hafter wäre, Kinder wür­den “Chi­ne­sisch” (Man­darin ver­mute ich?) anstelle von Englisch ler­nen, da die Weltwirtschaft von Chi­na gelenkt wer­den würde, und Englisch würde daher an Bedeu­tung ver­lieren.

    Ich finde es grund­sät­zlich eine Zumu­tung, von Eltern und ErzieherIn­nen zu erwarten, so viel wie möglich an am wirtschaftlichen Erfolg aus­gerichteten Wis­sen in Kinder im Vorschu­lal­ter reinzustopfen.
    Kinder unter sechs, sieben Jahren soll­ten spie­len, spie­len, spie­len dür­fen, unter Kindern, so ler­nen sie untere­inan­der sehr viel, jedes in seinem und ihren indi­vidu­ellen Tem­po und Inten­sität, ohne dem Druck in Hin­blick auf eine 15, 20 Jahre später gefäl­ligst steil zu steigen habende Kar­riere, weil die Eltern sich ein “durch­schnit­tlich­es” oder gar “unter­durch­schnit­tlich­es” Kind nicht gefall­en lassen wollen.

    Es ist zudem eine Schande, dass sich bei solchen Debat­ten alles um “unsere” Kinder dreht, während der Großteil der Kinder auf Ter­ra von klein auf schw­er arbeit­en müssen und vom Spie­len und später­er Kar­riere nicht mal träu­men kön­nen.

    Ich wün­sche mir einen “Tag der schweigen­den Poli­tik­erIn­nen”, einen Tag im Jahr also, an dem kein­er und keine irgen­det­was fordern dürfte, nichts gut Gemeintes und nichts Bösar­tiges sowieso. Das kön­nte später mal auf eine Woche des Schweigens aus­geweit­et wer­den, bis allen irgend­wann klar wird, dass Poli­tik­erIn­nen eigentlich völ­lig über­flüs­sig sind. 😉

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