Kategoriearchive: Kommentare

Männer sind Norm, Frauen sind Ideologie

Geschlechtergerechte Sprache ist nicht nur ein gesellschaftlich kontroverses Thema – kein Wunder in einer Gesellschaft, in der der Mann immer noch als Norm gilt –, sondern vor allem auch eines, über das sich viele Menschen schlicht noch nie Gedanken gemacht haben – ebenfalls kein Wunder in einer Gesellschaft, in der der Mann immer noch als […]

Der Mann als Norm

Vor einigen Wochen haben wir hier über den Versuch zweier Wikipedia-Autoren berichtet, das sogenannte „generische“ Maskulinum (also die patriarchale Praxis, männliche Personenbezeichnungen „geschlechtsneutral“ zu verwenden) als allgemeinen Standard festzulegen (in der Abstimmung scheiterte dieser Versuch spektakulär, was entweder darauf hinweist, dass die Wikipedianer/innen insgesamt mehr Bewusstsein für diskriminierende Sprachstrukturen haben als gemeinhin angenommen, oder dass […]

Samstags verharmlost man Gewalt gegen Frauen

Das ZDF wird seinen Bildungsauftrag ja schon länger auf etwas eigenwillige Weise gerecht: Man verhält sich möglichst ignorant sexistisch und rassistisch und reagiert auf Kritik entweder gar nicht, oder, indem man sich lustig macht. Höhepunkte der sexistischen Grundbildung waren zum Beispiel Joko Winterscheidts sexueller Übergriff auf eine Messemitarbeiterin im Rahmen einer „Mutprobe“ oder der Werbespot […]

Heiße Mohr, will nichts verstehen

Es gibt die ganz normale Denkfaulheit. Es gibt mutwillige Ignoranz. Und dann gibt es noch das deutsche Feuilleton – erfunden, damit Denkfaulheit und mutwillige Ignoranz nicht so schlecht dastehen. Ein Beispiel? Na gut: Gestatten, mein Name ist Mohr. Reinhard Mohr. Mohr mit o-h, wohlgemerkt. Nie habe ich Stammbaumforschung oder Etymologie betrieben, aber soviel weiß ich: Mohr […]

Eine Straße für Nelson Mandela

Wenn es den Vorschlag gäbe, die Straße, in der ich wohne, in „Nelson-Mandela-Straße“ umzubenennen, wäre ich begeistert. Nicht, weil mit dem Namen meiner Straße irgendetwas nicht stimmte – sie ist nach irgendeinem harmlosen Dorf vor den Toren Berlins benannt, dessen Name leicht von der Zunge geht und keine Erklärungen erfordert. Nein, ich würde einfach gerne […]

Sacharbeit, zurückkehren zur

Wenn Thomas Oppermann Dinge beendet, dann tut er das sprachlich etwas raffinierter als Ronald Pofalla. Die Diskussion darum, ob nach dem Rücktritt des CSU-Landwirtschaftsministers Hans-Peter Friedrich auch die SPD personelle Konsequenzen ziehen müsse, beantwortet er so: Wir werden zur Sacharbeit zurückkehren und nicht Dinge verknüpfen, die nichts miteinander zu tun haben. [NDR.de, 18.2.2014] Damit bedient er […]

Steine im Glashaus, oder: das #Gategate

Wenn wir den „Anglizismus des Jahres“ bekanntgeben, sind zwei Reaktionen sicher wie das Amen in der Kirche. Erstens: „Das Wort habe ich noch nie gehört“. Zweitens: „Das Wort ist doch uralt, was soll daran interessant sein.“ Das liegt vermutlich daran, dass die „Sprachgemeinschaft“ eher aus vielen kleinen Sprachcliquen besteht, die einander sprachlich nur am Rande wahrnehmen: […]

And the Winner is: –gate

Als das Wort Watergate 1972 ins Deutsche entlehnt wurde, war es nur der Name einer bestimmten politischen Affäre: Der republikanische US-Präsident Richard Nixon hatte das im Watergate Building beheimatete Hauptquartier der gegnerischen Demokraten abhören lassen. Dass er dafür 1974 zurücktreten musste, können wir uns angesichts der politischen Konsequenzlosigkeit des aktuellen Dauer-Abhörskandals kaum noch vorstellen – […]

Unwort des Jahres 2013: Sozialtourismus

Die „Sprachkritische Aktion“ hat das Unwort des Jahres 2013 bekannt gegeben: Sozialtourismus. Beim Sprachlog sind wir ja notorische Nörglerinnen, wenn es um anderer Leute Wörterwahlen geht, aber an der Arbeit der Unwort-Jury haben wir wenig auszusetzen, seit Nina Janich, Sprachwissenschaftlerin an der TU Darmstadt, den Vorsitz übernommen hat. Um Unwort des Jahres zu werden, muss […]

Zum Feste nichts Neues

Wertkonservative deutsche Feuilletonisten – also deutsche Feuilletonisten – haben es zunehmend schwer, die imaginäre Beschneidung ihrer Freiheiten zu bekämpfen: Mangels ernsthafter Bedrohungen müssen sie sich inzwischen damit zufrieden geben, gegen die Entfernung rassistischer Verunglimpfungen aus Kinderbüchern oder der Entfernung männlicher Pronomen aus Universitätssatzungen zu Felde zu zetern. Ihre nordamerikanischen Geistesgenossen tun das auch gerne und […]