Kategoriearchive: Recherchen

Von Tribunen und Tribünen

Am Montag scheiterte bei Wer wird Millionär? ein Kandidat an der „Wortherkunft“ von Tribüne, deren Herleitung RTL immerhin 125.000€ wert gewesen wäre. Was zunächst von RTL als einfach suggeriert und in der Folge von vielen Boulevardjournalisten und Kommentatoren als „offensichtlich“ dargestellt wurde, ist aber etwas komplexer (das Sprachlog twitterte). Die Frage lautete:

Von Beamten und Beamtinnen

Die neue Straßenverkehrsordnung ist ja in den letzten Tagen wegen ihrer geschlechtergerechten Sprache von den üblichen Verdächtigen intensiv kritisiert worden. Eine Verlinkung auf die Kritiken erspare ich Ihnen und verlinke stattdessen auf die ausführliche sachliche Diskussion des Lexikografieblogs. Wie dort, und auch in der hier am Freitag diskutierten Pressemeldung des Auto Club Europa angemerkt wird,

Steile Kurven

Bei Streifzügen durch die MOOC–Welt, Statistiktutorials auf YouTube oder kleinen Programmierselbsthilfeforen stoße ich in letzter Zeit wiederholt auf eine Wortwendung, die mich aber schon immer verwirrt hat: die steile Lernkurve oder vielmehr — da die meisten Onlineangebote auf Englisch vorhanden sind — die der steep learning curve. Denn ganz offensichtlich warnen alle Dozierenden davor, Kurse und

Sprachschmuggler in der Wikipedia?

In meiner gestrigen Laudatio zum Anglizismus des Jahres 2012, Crowdfunding, sprach ich meine Vermutung an, dass die vereinzelt zu findende Eindeutschung „Schwarmfinanzierung“ eine Wortschöpfung von Anglizismuskritikern sei, die diese über den Wikipedia-Eintrag zum Crowdfunding zunächst in den journalistischen Sprachgebrauch eingeschleust hätten. Diese Vermutung stützt sich auf die Tatsache, das die früheste Verwendung, des Wortes, die

Klein, aber oh yeah! [Anglizismus 2012]

Die Wahl geht in die Endphase — die großen Favoriten wurden und werden in detaillierten Einzelbeiträgen besprochen. Da wir uns aber immer zum Ziel setzen, allen Kandidaten, die die erste Runde überstanden haben, ein wenig Raum, ein bisschen Zeit und viel mediale Öffentlichkeit zu schenken, kommt heute eine Kurzbesprechung von Wörtern, denen wir zumindest bei

Tablet [Anglizismus 2012]

Das Tablet ist ein Wiedergänger: Bereits letztes Jahr hat es Anspruch auf den Anglizismusdesjahrestitel erhoben. Wer sich für die ausführliche Besprechung interessiert, sollte sich daher den damaligen Blogbeitrag dazu anschauen – heute untersuche ich, wie sich das Wort seither gemacht hat und ob es 2012 eine Gewinnchance hat. Rein subjektiv rechne ich mit einer enormen

Crowdfunding [Anglizismus 2012]

Das Wort Crowdfunding ist eine direkte Entlehnung des englischen crowdfunding. Wie im Englischen bezeichnet es auch im Deutschen eine Art der Kapitalbeschaffung, bei der sehr viele Einzelpersonen jeweils eine kleine Summe beisteuern und dafür je nach Höhe der Summe eine Gegenleistung erwerben — diese kann von einer Danksagung auf der Firmenwebseite oder ein T-Shirt über

posten [Anglizismus 2012]

Nachtwerker hat uns posten beschert, was zu seiner „eigenen Überraschung“ Runde 1 überstanden hat. Die Skepsis war nicht unbegründet: „Ach was, viel zu alt!“. Aber eine kontinuierliche Steigerung seit Jahren ist eine Möglichkeit, das Kriterium FREQUENZZUWACHS zu interpretieren: Und: posten ist wirklich nicht unspannend. Ursprung & Integration posten hat einen Eintrag im Duden (und steht natürlich auf sonem Anglizismenindex, aber

Blackfacing [Anglizismus 2012]

Das Wort Blackfacing ist abgeleitet vom Englischen blackface, der Bezeichnung für eine ursprünglich aus den USA stammende Theater– und Varieté-Tradition, bei der weiße Schauspieler/innen oder Sänger/innen auf meistens übertrieben stereotypisierte Weise als Schwarze geschminkt auftreten. Einen soliden Einstieg in die Geschichte des Blackface bietet die englische Wikipedia. Für die Geschichte des Lehnworts Blackfacing ist zunächst

Hipster [Anglizismus 2012]

Unser Cheflexikologe Michael vom lexikographieblog lehnte in diesem Jahr den Ruf in die Jury aus zeitlichen Gründen ab und wusste bereits bei der Nominierung von Hipster offenbar, warum: Wie will man das denn bitte definieren? Hipster fällt — begrifflich! — in die gleiche Kategorie wie Spießer und Yuppie: irgendwie hat man eine klare Vorstellung davon, was das