Kategoriearchive: Recherchen

Das Erbe des Arbeitsroboters

Dieser Tage bin ich im frühneuhochdeutschen Wörterbuch auf den Eintrag ackerrobot 'Frondienst der Bauern' gestoßen. Das hat mich etwas aus dem Konzept gebracht: Es geht um Arbeit und das zweite Wort sieht quasi aus wie Roboter, Zufall wird das kaum sein. Nun kam der Roboter im 20. Jh. ins Deutsche, Frühneuhochdeutsch sprach man aber zwischen […]

Public Viewing Of Public Viewing

Gestern begann in Frankreich die Fußball-Europameisterschaft – mir wäre in den letzten Wochen vor lauter dissertieren gar nicht aufgefallen, wie schnell die EM auf uns zukommt, wenn, ja wenn nicht die Alerts von Google zu „Anglizismus“ voll mit „Leichenschauen“ gewesen wären. Traditionell haben wir zu Fußball-Großereignissen in den letzten Jahren eher gelangweilt einfach auf die Artikel […]

Kulturelle Schlüsselwörter

Ich biete seit einigen Semestern eine wöchentliche Sprechstunde an, in der sich Studierende und Mitarbeiter/innen zu ihren Korpusprojekten beraten lassen können. Das ist primär als technische Beratung gedacht – aber es ist meist schwer, diese Beratung von inhaltlichen Fragen zu trennen. Damit die Inspiration nicht ungehört im Büro verhallt, will ich das bei öffentlichem Interesse […]

Ta-Ta-ismus im Dschungel

Werbepause? Nicht wegschalten, bloß nicht wegschalten! Denn der Dschungel ist sogar für eine sprachwissenschaftliche Betrachtung gut, die für alle von uns was bereithält. ALLE! Für die, die den Dschungel lieben und für die, die ihn für den Untergang des guten Geschmacks halten, für Menschen, die Entlehnungsprozesse fasziniert verfolgen und sogar für diejenigen, die Anglizismen scheiße […]

Flüchtlinginnen und Flüchtlinge

Dass das Wort „Flüchtling“ bezüglich seiner Wortbildung und vor allem seiner Verwendung im allgemeinen Sprachgebrauch nicht unbedingt abschätzig ist, habe ich ja im vorangehenden Beitrag gezeigt, aber anlässlich der Wahl zum Wort des Jahres greift mein Kollege Peter Eisenberg (bis zu seiner Emeritierung an der Universität Potsdam, also gleich um die Ecke, tätig), in der […]

Flüchtlinge zu Geflüchteten?

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat in der Begründung zu ihrer Wahl von Flüchtlinge zum Wort des Jahres am Rande thematisiert, dass das Wort „für sprachsensible Ohren tendenziell abschätzig“ klinge, und das deshalb „neuerdings … öfters alternativ von Geflüchteten die Rede sei. Es bleibe aber abzuwarten, ob sich diese Alternative „im allgemeinen Sprachgebrauch durchsetzen“ würde. […]

Wörterwahl mit Freudentränen

Die Entscheidung der Oxford Dictionaries, ein Emoji zu ihrem Wort des Jahres zu machen, begrüße ich selbstverständlich (schließlich bin ich ja zumindest nebenberuflich der „Emoji-Professor“, wie mich eine Journalistin des Berliner Kurier gestern am Telefon begrüßte). Emoji sind ein wichtiger Teil der Online-Kommunikation geworden, und wozu sonst sollte eine Wörterwahl gut sein, wenn nicht dazu, […]

Das Weib, das Anna, das Merkel: Wie neutral sind Frauen?

Die Frau, die Mutter, die Nonne – der Mann, der Vater, der Mönch: dass fast alle Bezeichnungen für Frauen auch grammatisch Feminina und die für Männer grammatisch Maskulina sind, dürfte kein Zufall sein. Das grammatische Geschlecht (man bezeichnet es auch als »Genus«) scheint etwas mit dem biologischen oder sozialen Geschlecht (»Sexus« bzw. »Gender«) zu tun […]

Kurze Geschichte eines Unworts: Asylkritiker

Die Wörter asylkritisch, Asylkritik und Asylkritiker haben sich in den letzten Monaten zu euphemistischen Oberbegriffen für alle möglichen Spielarten rechten und/oder rassistischen Denkens und Handelns entwickelt. Zunächst geschah das fast unbemerkt, aber seit ein paar Wochen bekommen die Wörter endlich die kritische Aufmerksamkeit, die ihnen zusteht: Schon im Juni kritisierte die Beratungsstelle für Betroffene rechter […]

Um und bei dialektologisch

In meinem Kommentar zu round about letzte Woche erwähnte ich als Umschreibung von round about als ‚ungefähr‘ beiläufig um und bei. Das führte im Kommentarzimmer zu Verwunderung: gibt’s das überhaupt? Wenn ja, wo? Nie gehört! Nun ist mir die Wendung intuitiv so geläufig und ich glaub(t)e auch nicht, dass sie als dialektal markiert ist (sonst […]