Unwort des Jahres 2016: Volksverräter.

Die „Sprachkri­tis­che Aktion“ hat ger­ade das Unwort des Jahres 2016 bekan­nt­gegeben: Volksver­räter. Damit set­zt die Jury unter Leitung mein­er Darm­städter Kol­le­gin Nina Janich kon­se­quent die Kri­tik an rechter und recht­es Han­deln ver­harm­losender Sprache fort, die sie 2013 mit dem Unwort Sozial­touris­mus begonnen und sei­ther mit Lügen­presse (2014) und Gut­men­sch (2015) fort­ge­set­zt hat.

Die zunehmende Nor­mal­isierung rechter Inhalte und rechter Sprache im öffentlichen Diskurs ist eine erschreck­ende Entwick­lung und man kann es der „Sprachkri­tis­chen Aktion“ nicht hoch genug anrech­nen, dass sie jedes Jahr aufs neue auf diese Entwick­lung hin­weist.

Volksver­räter ist ein Begriff, der his­torisch schon zwei sprach­liche Kon­junk­tur­phasen hat­te. Zum ersten Mal nimmt seine Häu­figkeit im Sprachge­bauch im ersten Weltkrieg zu und sinkt dann wieder ab, um dann in der Zeit des Nation­al­sozial­is­mus einen sprung­haften und nach­halti­gen Anstieg zu erleben, der in den 1950er und 1960er Jahren langsam wieder nach­lässt.

Die Häu­figkeit­sen­twick­lung liest sich also wie eine Fieberkurve völkischen Denkens in Deutsch­land, und dass das Wort inzwis­chen wieder laut auf der Straße gerufen wird, zeigt, dass die aktuelle, häu­fig als „recht­spop­ulis­tisch“ ver­harm­loste Stim­mung in großen Teilen der Gesellschaft diskur­siv direkt an dieses Denken anschließt.

Wer mehr wis­sen will – ich bin ab 12:10 im Kul­tur­ra­dio des rbb zu Gast, um mit Mod­er­a­tor Frank Rawel und dem Kolum­nis­ten Har­ald Marten­stein über Unwörter all­ge­mein und das Unwort des Jahres im Beson­deren zu disku­tieren. Später bin ich dann noch im Deutsch­landra­dio Kul­tur zu Gast, Details fol­gen.

Nafris (ein sprachwissenschaftliches Grünen-Seminar für Rainer Wendt)

Das Wort Nafri sorgt für heftige Debat­ten, seit die Köl­ner Polizei in der Sil­vester­nacht 2016 über den Kurz­nachrich­t­en­di­enst Twit­ter fol­gende Beschrei­bung ihres Vorge­hens abset­zte:

Die Diskus­sion wird, wie es in Deutsch­land lei­der üblich ist, wenn es um poten­ziell prob­lema­tis­che Sprache geht, sehr hitzig, fak­te­n­arm und wenig pro­duk­tiv geführt. Sie wird außer­dem ver­mis­cht mit der wichtigeren Diskus­sion um Racial Pro­fil­ing und öffentliche Sicher­heit, die mit dem Wort Nafri eher am Rande zu tun hat.

Eigentlich wollte ich mich deshalb aus der Diskus­sion her­aushal­ten, aber dann las ich fol­gende Aus­sage des Vor­sitzen­den der Deutschen Polizeigew­erkschaft, Rain­er Wendt:

Das ist eine Abkürzung, die wir im Ein­satz benutzen, beispiel­weise bei Funksprüchen oder wenn sich die Beamten etwas zurufen. Das braucht man nicht zu drama­tisieren. Das ist eben der Unter­schied zwis­chen einem sprach­wis­senschaftlichen Grü­nen-Sem­i­nar und einem Polizeiein­satz. (Rain­er Wendt in der Jun­gen Frei­heit, 2. Jan­u­ar 2017)

Ich bin zwar kein Grün­er, aber ein sprach­wis­senschaftlich­es Sem­i­nar kann ich liefern, und da die Kri­tik am Begriff „Nafri“ weit­ge­hend am eigentlichen Prob­lem vor­beige­ht, habe ich Wendts Her­aus­forderung dann doch angenom­men. Weit­er­lesen

Warum man Fake News nicht verbieten kann: Eine Fallstudie

Zufäl­lig war ich heute auf der Suche nach Wei­h­nachts­geschenken in den Schön­hauser-Allee-Arkaden (einem Einkauf­szen­trum im Pren­zlauer Berg), als der Ein­gang und die Straße und der U-Bahn­hof vor dem Einkauf­szen­trum von der Polizei abges­per­rt wur­den. Ein fre­undlich­er Beamter erk­lärte auf Nach­frage, dass man einen verdächti­gen Gegen­stand gefun­den habe, der nun unter­sucht würde.

Das wurde auch schnell von eini­gen lokalen Medi­en auf Twit­ter bekan­nt­gegeben, z.B. hier (um 14:33):

Der Gegen­stand wurde am Ende ergeb­nis­los gesprengt (es war, je nach Mel­dung, eine Tüte, ein Kof­fer oder ein leer­er Schuhkar­ton) und mein Wei­h­nachts­geschenk habe ich auch nicht gefun­den, aber dafür eine schöne Fall­studie darüber, wie man Fake News ver­fasst, ohne dabei zu lügen. Weit­er­lesen

Meist märchenhaft? Mehr Etymologien (und eine Siegerehrung)

Was zum Beispiel Advent und Akro­bat oder Gräte und Gren­ze miteinan­der zu tun haben, habe ich vor ein­er Weile schon gek­lärt. Sei­ther war bei mir irgend­wie zu viel los um die Auflö­sung des let­zten Ety­molo­gierät­sels zu Ende zu brin­gen. Auch hin­ter den noch unbe­sproch­enen Wörtern ver­ber­gen sich aber inter­es­sante Zusam­men­hänge (und ein Fehler), die für Nicht-RaterIn­nen eben­so span­nend sind. Nach­dem ich sie erhellt habe, kom­men wir dann endlich zur Siegerehrung.

Märchen und meist. Das Märchen ist eine Diminu­tiv­bil­dung zu ahd. māri ‘Nachricht, Erzäh­lung; Gerücht’. Die heutige Form des Sub­stan­tivs ist, kaum mehr gebräuch­lich, Mär — vielle­icht haben Sie den Anfang des Nibelun­gen­lieds noch im Kopf, wie “in alten maeren” viel Wun­der­bares berichtet wird,((Hier find­et sich eine Über­set­zung der ersten Stro­phe.)) oder es wei­h­nachtet bei Vom Him­mel hoch, wo “gute neue Mär” gebracht wird. Diese “kleine Erzäh­lung” bezog sich schon früh auf Aus­gedacht­es, im Gegen­satz zur Mär, die lange Zeit Fakt und Fik­tion beze­ich­nen kon­nte.

Aber um zu meist zu gelan­gen, müssen wir in die andere Rich­tung gehen: Weit­er­lesen

Wort des Jahres 2016: Postfaktisch

Wenn die Gesellschaft für Deutsche Sprache uns ihre Wörter schickt, schickt sie nicht ihre besten Wörter. Sie schick­en uns Wörter, die viele Prob­lem haben und sie brin­gen diese Prob­leme zu uns. Sie brin­gen wohlfeilen Unfug. Sie brin­gen erfun­dene Wörter. Es sind Wörter, die nie­mand ken­nt. Und einige, ver­mute ich, sind gute Wörter.

Das Wort des Jahres wurde von und für die Chi­ne­sen erfun­den, um die deutsche Sprach­pro­duk­tion wet­tbe­werb­sun­fähig zu machen. Die krim­inelle Gesellschaft für deutsche Sprache hat die Puris­ten­miliz Vere­in Deutsche Sprache gegrün­det. Aber da kann man nichts machen, Obwohl — die Leute der Amtlichen Rechtschrei­bung, vielle­icht gibt es doch etwas. Ich weiß es nicht.

Ich werde ein eigenes Wort des Jahres wählen – und nie­mand wählt Wörter bess­er als ich, glauben Sie mir – und ich wäh­le sie sehr kostengün­stig. Ich werde ein großes, großes Wort des Jahres an unser­er Sprach­gren­ze wählen und ich werde die Lexiko­graphen für dieses Wort bezahlen lassen.

Alle lieben meine Wörter. Ich kön­nte mich auf die Kon­rad-Duden-Straße stellen und jeman­den zutex­ten, und die Leute wür­den mein Wort des Jahres trotz­dem wählen. Wenn es nicht mein Wort des Jahres wäre, würde ich es wahrschein­lich dat­en.

Blogspektrogramm 46/2016

Das heutige Spek­tro­gramm bringt eher anstren­gen­dere The­men — nichts­destotrotz sind unsere Links über die US-Wahl, typografis­che Ein­bürgerung­shin­dernisse, Kom­mu­nika­tion­sprob­leme beim Brex­it und lux­em­bur­gis­chen Nation­al­is­mus lesens- und hörenswert.

  • Der Lexiko­graph Ben Zim­mer hat mit WNYC über Wörter gesprochen, die den US-amerikanis­chen Präsi­dentschaftswahlkampf geprägt haben (Audio, Englisch): white­lash, rigged, big league, deplorables, nasty woman etc.
  • Wenn man einen Namen falsch schreibt, reagieren die Namen­trägerIn­nen oft emo­tion­al — als “Kristin mit K und ohne e” weiß ich das bestens. Mit einem wesentlich prob­lema­tis­cheren Fall hat es Robert Matešić zu tun, über den DAS MAGAZIN berichtet — ein ganz­er Staat ist typografisch gegen ihn: »Mit dem Lin­eal zieht er einen Strich durch seinen Namen und schreibt ihn in Druck­buch­staben auf die gepunk­tete Linie:M a t e š i ć. Aus­ge­sprochen: Ma-te-schitsch. Gefehlt hat das auf­steigende Strich­lein, der Akut, über dem c. Bitte kon­trol­lieren Sie die Dat­en genau, hiess es im Schreiben des Zivil­stand­samts der Stadt Zürich. Mit Ihrer Unter­schrift bestäti­gen Sie die Richtigkeit Ihrer Angaben. […] Es geht um […] seine Ein­bürgerung. Zum Glück, denkt er, hat er den Fehler noch rechtzeit­ig ent­deckt.«
  • Nein, nein und noch mal nein! Für BBC Radio 4 geht Damien McGuin­ness auf höflichkeits­be­d­ingte Kom­mu­nika­tion­sprob­leme ein (Audio, Englisch).
  • Vor ein paar Jahren war “Deutsch ins Grundge­setz” in Deutsch­land ein The­ma, aktuell stre­it­et man in Lux­em­burg darüber, ob Lux­em­bur­gisch erste Amtssprache wer­den soll. Dabei ist die Sprache nur Stel­lvertreterin für Nation­al­is­mus, sagt Danielle Igni­ti zu RADIO 100,7: »Si wëllen d’Land spléck­en a Lëtze­buerg­er, déi Lëtze­buergesch schwätzen, an an Aus­län­ner, déi mussen aus­ge­gren­zt ginn. D’Lëtzebuerger Sprooch gëtt e Mët­tel zum Zweck fir ultra-nation­al­is­tesch Aktivis­ten, déi de Lëtze­buerg­er hir irra­tional Ängscht­en aus­notzen an zur eth­nesch­er Säu­berung opruf­fen. De Feind ass den Aus­län­ner — ob en elo Lëtze­buergesch kann oder net, ass am Fong net méi wichteg.« (Ein kurz­er Text auf Deutsch mit den groben Rah­menin­fos find­en sich hier.)

Jugend schützt vor Wortheit nicht

Das Jugend­wörter­buch-des-Jahres-Wer­be­wort 2016 wurde eben bekan­nt gegeben. Wie auch in den let­zten Jahren (2013, 2014, 2015) sind dem Sprachlog die Aufze­ich­nun­gen der Beratun­gen aus den Redak­tion­sräu­men des Wörter­buchver­lags Schlangenei­dt zuge­spielt wor­den, die wir im Fol­gen­den ungekürzt veröf­fentlichen.

Im Büro von DR. WORTWISPERER, Ober­lexiko­graf des Wörter­buchver­lags Schlangenei­dt in München.

Anwe­send sind OBERLEXIKOGRAF DR. WILLHELM WORTWISPERER und ASSISTENZOBERLEXIKOGRAF SIEGFRIED SILBENSÄUSLER.

SILBENSÄUSLER. Wortwisper­er, Wortwisper­er!

(STILLE)

SILBENSÄUSLER. Aufgewacht, Wortwisper­er!

WORTWISPERER. Potz­tausend, Sil­ben­säusler! Wie oft habe ich Ihnen gesagt, Sie sollen mich nicht beim Sin­nieren unter­brechen!

SILBENSÄUSLER. Par­don, Wortwisper­er, aber es eilt! Der Herr Direk­tor Schlangenei­dt ver­langt das Jungspund­wort des Jahres!

WORTWISPERER: Schon wieder, Sil­ben­säusler?

SILBENSÄUSLER: Ja, der Lauf der Jahreszeit­en, Wortwisper­er. Es ist schon wieder so weit.

WORTWISPERER: Aber sind diese Jungspunde nun­mehr nicht langsam alle im Man­nesalter angekom­men, Sil­ben­säusler?

SILBENSÄUSLER: Da wach­sen ständig neue Jungspunde nach, Wortwisper­er. Weit­er­lesen

Blogspektrogramm 42/2016

Son­ntag, Spek­tro­gramm­tag (manch­mal)! Heute gibt’s soziale Medi­en, Liebes­briefe, Gen­der­sterne, Wort­geschicht­en und Defini­tar­tikel. Viel Spaß aller­seits!

  • Ana­tol hat für das Wis­senschafts­magazin FUNDIERT der FU aufgeschrieben, wie soziale Medi­en Sprache verän­dern — Spoil­er: nicht allzu sehr, aber im Wortschatz schla­gen sie sich schon nieder:  »Manch­mal gibt es sog­ar mehrere Wörter, die feine Bedeu­tung­sun­ter­schei­dun­gen tre­f­fen. So beze­ich­net twit­tern die all­ge­meine Tätigkeit des Schreibens von Beiträ­gen auf Twit­ter, während tweet­en sich auf eine konkrete Nachricht bezieht: Ich twit­tere gerne, aber Ich habe lange kein Foto mein­er Katze mehr getweet­et.«
  • In diesem Zusam­men­hang span­nend, was die AUGSBURGER ALLGEMEINE von Eva Wyss über Liebens­briefe erfahren hat: »E-Mails und What­sApps haben Liebes­botschaften nicht den Todesstoß ver­set­zt, son­dern laut der Hüterin des Koblenz­er Liebes­brie­farchivs zu ein­er neuen Lust am Schreiben geführt. «In den sechziger Jahren hat das bequeme Tele­fon der Briefko­r­re­spon­denz große Konkur­renz gemacht», sagte Eva Wyss […]. «Jet­zt haben viele Part­ner­schaften mit ihren Handys einen per­ma­nen­ten Kom­mu­nika­tion­sstrom», ergänzte die Pro­fes­sorin.«
  • Für WORDPRESS macht sich Cas­par Hübinger Gedanken darüber, wie sich geschlechterg­erechte Sprache in die Benutzer(!)oberfläche brin­gen lässt: »Für 50 Strings (1% des Gesamtvol­u­mens) haben wir bish­er keine neu­tralen Über­set­zun­gen gefun­den. Der Großteil davon befind­et sich in Hil­fe­tex­ten; die promi­nen­testen Vorkom­men sind die Rol­len­beze­ich­nun­gen auf der „Benutzer“-Seite: Admin­is­tra­tor, Redak­teur, Autor, Mitar­beit­er, Abon­nent. Der Begriff „Autor“ kommt außer­dem in diversen Fil­ter-Funk­tio­nen vor.Für diese 50 Strings haben wir vor­erst auf Endun­gen mit Gen­der-Star zurück­ge­grif­f­en. Aus „Autor“ wurde „Autor*in“.«
  • Der GESCHICHTSCHECK hat sich ein­mal die Geschichte des Wortes völkisch ange­se­hen: »Der Begriff „völkisch“ wurde zwis­chen 1875, als der Ger­man­ist Her­mann von Pfis­ter ihn als Ersatz­wort für „nation­al“ vorschlug, und 1935, als der Große Brock­haus ihn als „Verdeutschung des Wortes ‚Nation­al‘, im Sinne eines auf dem Rassegedanken begrün­de­ten und daher entsch­ieden anti­semi­tis­chen Nation­al­is­mus“ definierte, so aufge­laden, dass er sich zum Schlag­wort für eine radikalna­tion­al­is­tis­che, anti­semi­tis­che und ras­sis­tis­che Weltan­schau­ung entwick­elte.«
  • Was sagt Don­ald Trump eigentlich, wenn er einen Artikel vor Per­so­n­en­grup­pen set­zt, wie in the African-Amer­i­cans? Lynne Mur­phy hat sich das Phänomen für QUARTZ ein­mal ange­se­hen und erk­lärt, was es so neg­a­tiv klin­gen lässt: »[…] Trump promised, “I’m going to help the African-Amer­i­cans. I’m going to help the Lati­nos, His­pan­ics. I am going to help the inner cities. [Clin­ton has] done a ter­ri­ble job for the African-Amer­i­cans.” Trump’s unusu­al use of “the” hasn’t gone unno­ticed. Nor­mal­ly innocu­ous, this def­i­nite arti­cle is now caus­ing seri­ous offense. The hash­tag #theAfricanAmer­i­cans has been trend­ing since the debate with angry and sar­don­ic com­ments on Trump’s lin­guis­tic choice.«

Von Gräten und Grenzen

Let­zte Woche ging’s ja schon los mit der Auflö­sung des Ety­molo­gierät­sels — die näch­sten bei­den Wort­paare ver­rat­en Span­nen­des über Sied­lungs­geschichte und Kriegs­führung:

Gräte und Grenze

Die Gräte ist ein alter Plur­al von Grat. So wie BartBärte ging im Mit­tel­hochdeutschen (1050–1350) auch GratGräte. Das Wort hat­te einen recht bre­it­en Bedeu­tung­sum­fang, darunter ‘Rück­grat, Bergrück­en, Spitze, Stachel, Fis­chgräte’. Wenn man über let­ztere sprach, benutzte man das Wort aber wohl meist in der Mehrzahl. Logisch, die Dinger steck­en ja massen­weise in so einem Fisch drin. Irgend­wann wurde diese Form dann als Ein­zahl uminter­pretiert, die Gräte war geboren. (Der Grat bekam später einen neuen Plur­al, Grate, so wie Jahre.)

Die Gren­ze ist dage­gen ein slaw­is­ch­er Import, wahrschein­lich von alt­pol­nisch grani­ca, grań­ca. Nun teilen sich slaw­is­che Sprachen ja einen Vor­fahren mit dem Deutschen, und tat­säch­lich, Weit­er­lesen

Akrobatischer Advent

Unser let­ztes Don­ner­stagsrät­sel wartet noch auf Auflö­sung. Gefordert war die paar­weise ety­mol­o­gis­che Verbindung aus dem fol­gen­den Worthaufen:

2016-08-Rätsel_SprachlogIn den Kom­mentaren wurde fleißig und zumeist auch richtig ger­at­en. Für alle, die dazu keine Lust hat­ten, vol­lziehe ich die Win­dun­gen aber heute und in den näch­sten Tagen noch ein­mal kurz nach, bevor ich zur Siegerehrung schre­ite. Los geht’s mit den Wörtern auf A:

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Jas­trow (2007) (CC BY 2.5)

Advent und Akrobat

Der Advent gehört zu lat. advenīre ‘ankom­men’ (ad ‘zu’, venīre ‘kom­men’) weil es die Zeit ist, die vor der “Ankun­ft” Jesu liegt. Im Akro­bat steckt zunächst griech. ákros ‘höchst, äußerst, an der Spitze’ — man ken­nt es von der Akropo­lis, die wörtlich ein­fach die ‘Ober­stadt’ ist. Der zweite Teil des Akro­bat­en geht auf griech. bá͞inein ‘gehen, schre­it­en’ zurück. Die Aus­gangs­be­deu­tung des Wortes war damit ‘auf (Fuß-)Spitzen gehend’.

Schon im alten Griechen­land war akro­batis­che Betä­ti­gung aber nicht auf die Zehen beschränkt: Weit­er­lesen