Tag-Archive: Diskriminierende Sprache

Männer sind Norm, Frauen sind Ideologie

Geschlechtergerechte Sprache ist nicht nur ein gesellschaftlich kontroverses Thema – kein Wunder in einer Gesellschaft, in der der Mann immer noch als Norm gilt –, sondern vor allem auch eines, über das sich viele Menschen schlicht noch nie Gedanken gemacht haben – ebenfalls kein Wunder in einer Gesellschaft, in der der Mann immer noch als […]

Der Mann als Norm

Vor einigen Wochen haben wir hier über den Versuch zweier Wikipedia-Autoren berichtet, das sogenannte „generische“ Maskulinum (also die patriarchale Praxis, männliche Personenbezeichnungen „geschlechtsneutral“ zu verwenden) als allgemeinen Standard festzulegen (in der Abstimmung scheiterte dieser Versuch spektakulär, was entweder darauf hinweist, dass die Wikipedianer/innen insgesamt mehr Bewusstsein für diskriminierende Sprachstrukturen haben als gemeinhin angenommen, oder dass […]

Heiße Mohr, will nichts verstehen

Es gibt die ganz normale Denkfaulheit. Es gibt mutwillige Ignoranz. Und dann gibt es noch das deutsche Feuilleton – erfunden, damit Denkfaulheit und mutwillige Ignoranz nicht so schlecht dastehen. Ein Beispiel? Na gut: Gestatten, mein Name ist Mohr. Reinhard Mohr. Mohr mit o-h, wohlgemerkt. Nie habe ich Stammbaumforschung oder Etymologie betrieben, aber soviel weiß ich: Mohr […]

Eine Straße für Nelson Mandela

Wenn es den Vorschlag gäbe, die Straße, in der ich wohne, in „Nelson-Mandela-Straße“ umzubenennen, wäre ich begeistert. Nicht, weil mit dem Namen meiner Straße irgendetwas nicht stimmte – sie ist nach irgendeinem harmlosen Dorf vor den Toren Berlins benannt, dessen Name leicht von der Zunge geht und keine Erklärungen erfordert. Nein, ich würde einfach gerne […]

Zum Feste nichts Neues

Wertkonservative deutsche Feuilletonisten – also deutsche Feuilletonisten – haben es zunehmend schwer, die imaginäre Beschneidung ihrer Freiheiten zu bekämpfen: Mangels ernsthafter Bedrohungen müssen sie sich inzwischen damit zufrieden geben, gegen die Entfernung rassistischer Verunglimpfungen aus Kinderbüchern oder der Entfernung männlicher Pronomen aus Universitätssatzungen zu Felde zu zetern. Ihre nordamerikanischen Geistesgenossen tun das auch gerne und […]

Blogspektrogramm 51/2013

So, kurz vor Weihnachten machen wir das informativ und schmerzlos, ganz ohne Weihnachtsduselei und mit Personalpronomen, Akzenten, Politischem und einem selfie: Auf THE LAST WORD ON NOTHING beschreibt Michelle Nijhuis, wie sie auf Wunsch ihrer Tochter beim Vorlesen vom „kleinen Hobbit“ aus Bilbo Baggins ein Mädchen gemacht hat. Dazu passend: Anatol hat vor einigen Jahren schon […]

Meine Suppe ess’ ich nicht unter anderem Namen!

Ein kurzer Nachtrag zur Sache mit dem Zigeunerschnitzel: Wie der Tagesspiegel berichtet, folgen Teile der Hannoveraner Gastronomie dem Beispiel der Stadt, und streichen dieses und ähnliche Wörter (z.B. Zigeunersauce und –gulasch) von der Speisekarte. Die Gerichte nennen sie stattdessen Puzsta-Schnitzel oder Schnitzel Ungarischer Art, Pikante Sauce oder Paprika-Sauce und Paprikagulasch.

Die Kunst der Nichtschuldigung

Im Englischen gibt es das Wort „Notpology“ für die Äußerungen von Politiker/innen, Unternehmen und anderen Organisationen, die sich für etwas entschuldigen müssen, das aber nicht einsehen. Sie tätigen deshalb entschuldigungsähnliche Äußerungen, die aber tatsächlich keinerlei Entschuldigung enthalten, sondern die Schuld auf diejenigen verlagern, bei denen sie sich eigentlich entschuldigen sollen. Ein lehrbuchartiges Beispiel bietet gerade […]

Lustig ist das Rassistenleben, faria, faria, ho

Wenn man sich die fast wöchentlich hochkochenden Diskussionen um politisch korrekte Sprache betrachtet, bekommt man schnell das Gefühl, der Deutschen heiligste Kulturgüter seien Schnitzel mit Paprika-Zwiebel-Soße, aufgeschäumter Zucker mit Schokoladenüberzug und schwedische Kinderbücher aus den vierziger Jahren in ihrer deutschen Übersetzung aus den fünfziger Jahren. Die ersten zwei dieser Dinge dürfen keinesfalls ihre „althergebrachten“ Namen […]

Warum der Plural kein Femininum ist

In unserem Lektüretipp vom Dienstag ging es unter anderem um einen Beitrag, in dem der Sprachwissenschaftler André Meinunger die eigenwillige These vertritt, dass das generische Maskulinum1 keine Ungerechtigkeit gegenüber Frauen darstelle, da ihm im Plural ein generisches Femininum gegenüber stehe. Der Kern seiner Argumentation geht so: Das Deutsche ist so gerecht und frauenfreundlich, wie es mehr […]