Tag-Archive: Politische Sprache

Kurze Geschichte eines Unworts: Asylkritiker

Die Wörter asylkritisch, Asylkritik und Asylkritiker haben sich in den letzten Monaten zu euphemistischen Oberbegriffen für alle möglichen Spielarten rechten und/oder rassistischen Denkens und Handelns entwickelt. Zunächst geschah das fast unbemerkt, aber seit ein paar Wochen bekommen die Wörter endlich die kritische Aufmerksamkeit, die ihnen zusteht: Schon im Juni kritisierte die Beratungsstelle für Betroffene rechter […]

Wie Medien Wörter machen

Sprache verändert sich nicht von alleine, sondern sie wird von den Mitgliedern der Sprachgemeinschaft verändert. In jedem Gespräch kann es passieren, dass die vorhandenen Ressourcen der Sprache nicht ausreichen, um unsere Gedanken wiederzugeben. Oder, dass uns die vorhandenen Ressourcen nicht gefallen, z.B. weil wir Sprachnörgler sind und keine englischen Lehnwörter mögen, oder weil wir anständige […]

Israel und die Hamas im Spiegel deutscher Schlagzeilen

Hinweis: Eine neuere Version des unten stehenden Textes mit einer umfassenderen Analyse auf einer breiteren Datengrundlage ist hier erschienen. Die Presseberichte der letzten Tage aus Israel und dem Gazastreifen haben viele Menschen in meinen sozialen Netzwerken als unausgewogen empfunden: viele waren der Ansicht, die deutsche Presse berichte nicht angemessen über den sogenannten „Nahost-Konflikt“ sondern bewerte […]

Spähmetaphorik und ihre Grenzen [re:publica]

Auch auf der re:publica wurde natürlich viel diskutiert über die Überwachung des Internets durch die Geheimdienste (diskursiv immer vertreten durch die NSA) und die Apathie, mit der die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung auf diese Überwachung reagiert. Ich sage „natürlich“, weil dieses Thema für die Netzgemeinde seit vielen Monaten beherrschend ist, nicht, weil es zwingend besonders […]

Sacharbeit, zurückkehren zur

Wenn Thomas Oppermann Dinge beendet, dann tut er das sprachlich etwas raffinierter als Ronald Pofalla. Die Diskussion darum, ob nach dem Rücktritt des CSU-Landwirtschaftsministers Hans-Peter Friedrich auch die SPD personelle Konsequenzen ziehen müsse, beantwortet er so: Wir werden zur Sacharbeit zurückkehren und nicht Dinge verknüpfen, die nichts miteinander zu tun haben. [NDR.de, 18.2.2014] Damit bedient er […]

Im Zenit der Macht

Merkel sei am (oder im oder auf dem) Zenit ihrer (oder der) Macht, berichtet die deutsche Presse einmütig. Ein paar der vielen Beispiele: Angela Merkel steht im Zenit ihrer Macht. (Tagesspiegel) Merkel ist jetzt auf dem Zenit ihrer Macht (Focus) Angela Merkels größter Erfolg: Bundeskanzlerin auf Zenit ihrer Macht (Rhein Zeitung) Die alte und wohl […]

Wahlprogrammlinguistik

Für Unentschlossene bietet das Sprachlog zur heutigen Bundestagswahl eine allerletzte Entscheidungshilfe. Für jede Partei, die in den Umfragen über 2 Prozent liegt, haben wir mittels quantitativer korpuslinguistischer Verfahren (einer distinktiven Kollexemanalyse, für diejenigen, die es genau wissen wollen) ermittelt, welche Wörter in ihrem Wahlprogramm häufiger vorkommen als in allen Wahlprogrammen zusammen. Das ist interessanter, als […]

Macht, Meme und Metaphern

Am Wochenende habe ich auf der Open Mind 2013 einen Vortrag über „Macht, Meme und Metaphern“ gehalten. Darin stelle das Konzept des Framings vor, wie es der amerikanische Sprachwissenschaftler George Lakoff vertritt: Frames sind mentale Strukturen, die formen, wie wir die Welt sehen. Daraus folgt, dass sie unsere Ziele und Pläne formen, wie wir handeln, […]

Keine Austerität bitte, wir sind Deutsche

Wie viel Verantwortung die deutsche Regierung an der Wirtschaftskrise im Euro-Raum trägt, will ich nicht beurteilen (wenigstens nicht im Sprachlog), aber dass Außenminister Guido Westerwelle sich mit einem linguistischen Argument der Rechenschaft entziehen will, kann ich natürlich nicht durchgehen lassen. Vor allem nicht, weil das Argument nicht nur eine merkwürdige Vorstellung der Beziehung zwischen Sprache […]

Sprachbrocken 6–10/2013

Der Lateinunterricht verkommt an deutschen Schulen zwar langsam aber sicher zu dem Anachronismus, der er im Herzen schon lange ist, aber er hat eine erstaunlich bissige Lobby. Kaum eine Woche, in der ich bei der Suche nach Sprachbrockbarem nicht auf einen Artikel stoße, der die die Vorzüge der Sprache Cäsars predigt. Ein gutes Argument habe […]