Tag-Archive: Qualitätsjournalismus

Wie Medien Wörter machen

Sprache verändert sich nicht von alleine, sondern sie wird von den Mitgliedern der Sprachgemeinschaft verändert. In jedem Gespräch kann es passieren, dass die vorhandenen Ressourcen der Sprache nicht ausreichen, um unsere Gedanken wiederzugeben. Oder, dass uns die vorhandenen Ressourcen nicht gefallen, z.B. weil wir Sprachnörgler sind und keine englischen Lehnwörter mögen, oder weil wir anständige […]

Heiße Mohr, will nichts verstehen

Es gibt die ganz normale Denkfaulheit. Es gibt mutwillige Ignoranz. Und dann gibt es noch das deutsche Feuilleton – erfunden, damit Denkfaulheit und mutwillige Ignoranz nicht so schlecht dastehen. Ein Beispiel? Na gut: Gestatten, mein Name ist Mohr. Reinhard Mohr. Mohr mit o-h, wohlgemerkt. Nie habe ich Stammbaumforschung oder Etymologie betrieben, aber soviel weiß ich: Mohr […]

Sprachbrocken 24/2013

Die Überschrift „Sprachreform an der Uni Leipzig: Guten Tag, Herr Professorin“, mit der Spiegel Online die Meldung über das generische Femininum in der Grundordnung der Universität Leipzig versehen hat, hatte ihr Gutes und ihr Schlechtes. Schlecht war, das die deutsche Presse diese Überschrift flächendeckend wörtlich nahm und einer erstaunten Öffentlichkeit mitteilte, dass (männliche) Professoren in […]

Sprachbrocken 19/2013

Die Geschichte der geschlechtergerechten Sprache, das mussten wir auch dieser Tage wieder feststellen, ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Voller mutwilliger, vermeidbarer Missverständnisse, die eigentlich bereits hundert Mal ausgeräumt worden sind. Dass die Macher/innen der Heidelberger Studierendenzeitung RUPRECHT nicht die hellsten Sterne am qualitätsjournalistischen Sternenhimmel sind, wird schnell klar, wenn man mit dem konfrontiert wird, was […]

Stille Post verschlechtert die Grammatik

Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die SMS-Sprache von Jugendlichen deren Grammatik verschlechtert. Zumindest behauptet das eine Presseerklärung des Contentlieferanten „Pressetext“. Aber wie immer, wenn wir etwas über die neuesten Erkenntnisse der amerikanischen Wissenschaft erfahren, haben diese ein langes Stille-Post-Spiel hinter sich.

Fragliche Unterwürfigkeit

Ein Mem geht um unter den Sprachnörglern — das Mem der linguistic submissiveness („sprachliche Unterwürfigkeit“). Mit diesem Begriff, behaupten die Anglizismenjäger und Deutschbewahrer häufig, bezeichnet die in London erscheinende Times die Entlehnung englischer Wörter ins Deutsche. Ein paar Zitate:

Verstrahlte SMS-Kürzel

Seit ein paar Tagen geistert eine Pressemeldung der Ärztekammer für Wien durch die deutschsprachige Presselandschaft, in der eindringlich davor gewarnt wird, Kindern die Nutzung von Mobiltelefonen zu erlauben. Zunächst geht es der Kammer um Strahlenbelastung: Rechtzeitig zu Schulbeginn mahnt die Wiener Ärztekammer einen verantwortungsvollen Gebrauch von Handys insbesondere bei Kindern und Jugendlichen ein. Noch immer […]

Who scheissmeistered the Schmerzlkender?

In den Kommentaren zu meinem gestrigen Beitrag weist Sprachblogleser/in „D“ auf einen Hörfunkbeitrag vom 4. Juni mit einem ähnlichen Thema hin. Unter der stilistisch grenzwertigen Überschrift „New York liebt ein bisschen Deutsch — Can you schlepp a Gesamtkunstwerk?“ liefert Lena Bodewein, Hörfunkkorrespondentin der ARD, einen Beitrag über deutsches Lehngut in New York. Ich muss hier vorsichtig […]

Sprachimperialistische Illusionen

Aus den Zeitungen erfahren wir dieser Tage Erstaunliches: „Deutsch erobert die USA“, melden z.B. die Nürnberger Nachrichten. „In Amerika Germanismen auf dem Vormarsch — Deutscher als Lehrmeister im Internet“. Da bin ich mal gespannt. „Gesundheit“, wünscht mir mein Bekannter Eddie, als sich einmal mehr das Kribbeln in meiner Nase in einer mittelstarken Explosion entlädt. Eddie […]