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Quizzen ohne Wissen

Der Men­sch liebt Wis­sensquizze. Warum also nicht mal als eben exam­iert­er Sprach­wis­senschaftler an einem Quiz über Sprache teil­nehmen?

Ich war ja selb­st mal Quiz­mas­ter, also liegt es mir fern, mit den Mach­ern des Quiz all zu hart ins Gericht zu gehen, geschweige­denn das Quiz auf dem Nachricht­en­por­tal Rhein­Neckar für bare Münze zu nehmen. Aber der Witz ist, dass man mit Wis­sen über Sprache bei dem Quiz gar nicht die volle Punk­tzahl erre­ichen kon­nte — ist man gnädig, dann sei ange­merkt, dass die Fra­gen zumin­d­est sehr missver­ständlich for­muliert waren.

Schre­it­en wir zur Analyse: Weit­er­lesen

Die Feindstaatenklausel

FIFA-Chef Blat­ter hat sich jegliche Ein­mis­chung der Poli­tik in den Fußball ver­beten.

Fein! Nach­dem wir irgend­wie ger­ade alle vom Platz jagen, abschießen, nieder­walzen und durch geschick­te Vertei­di­gung, über­fal­lar­tige Kon­ter oder strate­gis­che Gege­nan­griffe ver­dreschen, ver­mö­beln (“Wer hat Argen­tinien am meis­ten weh getan?”) und zur Kapit­u­la­tion zwin­gen oder geg­ner­ischen Anführern zur Explo­sion brin­gen wollen, wun­dern wir uns noch über die Kriegsrhetorik aus­ländis­ch­er Medi­en über den bick­el­be­haubten hässlichen Deutschen (El Mun­do: “Bestie”) im anrol­len­den Panz­er. Da sind auch feinsin­nige Neol­o­gis­men wie “Deutsch­land müllert Eng­land” oder “Woe­ful Eng­land mullered by Ger­many” (Mir­ror) eher der Bick-Stick-Diplo­matie zuzuord­nen.

Dabei ist alles in Wahrheit noch viel schlim­mer. Nach den immer noch gülti­gen — wenn auch obso­leten — Artikeln 53 und 107 der UN-Char­ta ist es allen Unterze­ich­n­er­staat­en ges­tat­tet, Aggres­sio­nen eines Feind­staates aus dem Zweit­en Weltkrieg mit mil­itärischen Mit­teln ohne beson­dere Ermäch­ti­gung gegenüberzutreten. Diese “Feind­staatsklausel” bezog sich natür­lich haupt­säch­lich auf Deutsch­land und Japan. Zu den Unterze­ich­n­ern der Char­ta 1945 gehörten unter anderem Aus­tralien, Jugoslaw­ien, das Vere­inigte Kön­i­gre­ich, Argen­tinien, Uruguay und die Nieder­lande; noch vor Deutsch­land (1990*) unterze­ich­neten die Char­ta außer­dem Ghana (1957) und Spanien (1955). (Okay, irgend­wie alle halt. Aber vor uns zit­tern jet­zt… ja auch irgend­wie alle!)

Aus Grün­den ver­patzter Pointen bin ich froh wenn die Prü­fun­gen durch sind.

*Streng genom­men hat Deutsch­land erst 1990/1 mit dem Zwei-Plus-Vier-Ver­trag volle Sou­veränität erhal­ten. Deutsch­land war aber bere­its mit dem NATO-Beitritt der BRD 1955 und der Unterze­ich­nung der UN-Char­ta der BRD und der DDR 1973 vor der Feind­staaten­klausel, äh, geschützt. Der Medi­en­ar­beit vom “hässlichen Deutschen” und der Kriegsrhetorik in aus­ländis­chen Fußballme­di­en hat das bekan­nter­maßen keinen Abbruch getan. So gese­hen ist Fußball ja auch irgend­wie die Fort­set­zung des Krieges mit anderen Mit­teln.

Rand­no­tiz aus einem Prü­fungsvor­bere­itung­shirn.

Von Standards und Abweichungen

Bevor ich den Krieg weit­er­führen kann, ein klein­er Exkurs.

Die Fest­stel­lung abwe­ichen­den Sprachge­brauchs hat fast auss­chließlich eine — aus lin­guis­tis­ch­er Sicht — selt­same, zumin­d­est aber prob­lema­tis­che Bezugs­größe: die Stan­dard­sprache. Mit dem Stan­dar­d­englisch ist es irgend­wie wie mit “vernün­ftigem Deutsch” — kein­er weiß, wo genau es ange­blich gesprochen wird.* Weit­er­lesen

Allgemeinschätze

Die Nürn­berg­er Zeitung beschäftigt sich heute mit den beliebtesten Kose­na­men Deutsch­lands und beruft sich dabei auf eine Studie aus dem Jahre 2005, über die ich auf jeden Fall berichtet hätte, wenn es das Bre­mer Sprach­blog damals schon gegeben hätte.

Kose­na­men sind ja all­ge­mein eine merk­würdi­ge Sache, da sie im Prinzip über­flüs­sig sind. Namen sind weit­ge­hend bedeu­tungslose Laut­fol­gen, die dazu dienen, Indi­viduen sprach­lich zu iden­ti­fizieren, und jed­er Men­sch bekommt kurz nach der Geburt min­destens eine solche Laut­folge zugewiesen. Weit­er­lesen