Bahnbashing

Von Anatol Stefanowitsch

Zugegeben, die Deutsche Bahn ist schon schw­er ver­liebt in die englis­che Sprache. An satirischen Verdich­tun­gen dieser Lei­den­schaft beste­ht deshalb kein Mangel:

Wer eine „Mobil­i­ty Bah­n­Card“ hat, kann bald über „Touch & Trav­el“ ein „Tick­et“ für den „City Night­line“ ordern und sich nach dem Trip am „Ser­vice Point“ über den „Call-a-bike“-Standort informieren. Viele dürften da nur noch Bahn­hof ver­ste­hen.[ZDF son­ntags]

Aber selb­st solche Verdich­tun­gen kön­nen mit der Wirk­lichkeit kaum konkur­ri­eren. Allein auf der Start­seite der Deutschen Bahn find­en sich fast auss­chließlich englis­che Pro­duk­t­na­men: Bah­n­Card, Surf&Rail, Mobile Ser­vices, DB Lounge, City-Tick­et, DB Car­shar­ing, Bahn­Shop, Newslet­ter und Last-Minute-Reisen. Und nicht nur die Pro­duk­t­na­men bedi­enen sich über­wiegend der englis­chen Sprache: die Son­derange­bote heißen Spe­cials, junge Men­schen wer­den als Teens&Twens ange­sprochen, und Behin­derte (oder „Mobil­ität­seingeschränk­te“, wie die Bahn sie an ander­er Stelle nen­nt) müssen wis­sen, dass „Behin­derung“ auf Englisch Hand­i­cap heißt, wenn sie Infor­ma­tio­nen zum Beispiel über die Zugänglichkeit von Bahn­höfen für Roll­stuhlfahrer find­en möchten.

Ins­ge­samt 13 Prozent der Wörter auf der Start­seite der Bahn sind Englisch und die Bahn liegt damit deut­lich über dem Durch­schnitt in der Werbe­sprache, der eher bei 4 Prozent liegt.

Die Bahn darf sich deshalb nicht beschw­eren, dass ihre Vor­liebe für die Sprache Shake­spear­es auf gutem Wege ist, sprich­wörtlich zu wer­den — der Tagesspiegel schrieb kür­zlich über ein Online-Ange­bot der Frank­furter All­ge­meinen Zeitung mit dem schö­nen Namen Read­ing Room, dies sei „ein Anglizis­mus wie von der Deutschen Bahn ersonnen“.

Ich will ganz ehrlich sein: obwohl ich ja nicht als Geg­n­er englis­ch­er Lehn­wörter bekan­nt bin, würde ich der Bahn — wenn sie mich fra­gen würde — rat­en, ihren anglophilen Eifer etwas zu zügeln. Denn sprich­wörtlich sollte man als Bah­nun­ternehmen nur für Pünk­tlichkeit und guten Kaf­fee sein, und ger­ade let­zter­er ist bei der Deutschen Bahn noch stark verbesserungsfähig.

Aber zwei Vor­wür­fen gegenüber muss ich die Bahn immer wieder in Schutz nehmen: erstens, dass ihre manch­mal eigen­willige Nomen­klatur grund­sät­zlich sinn­los sei, und zweit­ens, dass sie damit die deutsche Sprache im Großen und Ganzen zerstöre.

Die vier CDU-Hin­ter­bän­kler von der „Ini­tia­tive Sprach­lich­er Ver­brauch­er­schutz“, zum Beispiel, feierten am Tag der Mut­ter­sprache nicht etwa die Aus­druck­skraft und Wand­lungs­fähigkeit der deutschen Sprache, nein, sie schlu­gen Alarm, weil „Deutsch auf den hiesi­gen Flughäfen und Bahn­höfen zur ‚Rand­sprache‘ gewor­den“ sei. Und die „Aktion Lebendi­ges Deutsch“ schlug let­zten Monat unge­fragt vor, „den ‚Ser­vice Point‘ der Deutschen Bahn endlich wieder „Auskun­ft“ zu nen­nen — wie er schon 150 Jahre geheißen hat“. Ich habe mich ja hier schon des öfteren gefragt, ob den Men­schen, die diese Art von Vorschlä­gen machen, wirk­lich nicht klar ist, dass die Welt nicht mehr die von vor 150 Jahren ist, und dass auch deutsche Bahn­höfe inzwis­chen zu inter­na­tionalen Verkehrsknoten­punk­ten gewor­den sind. Die Beze­ich­nung „Ser­vice Point“ mag inhaltlich unzutr­e­f­fend sein, aber sie ist auf einem Bahn­hof alle­mal angemessen­er als das inter­na­tion­al völ­lig unver­ständliche Wort „Auskun­ft“. Und mir kann kein­er erzählen, dass es noch deutsche Mut­ter­sprach­ler gibt, denen das Wort Ser­vice nicht bekan­nt ist.

Ein Stad­tratskan­di­dat der Bay­ern­partei (inter­es­san­ter­weise als Vekehrsmeis­ter bei den Stadtwerken tätig) hofft diese Woche, mit fol­gen­der Aus­sage Stim­men zu gewin­nen: „Mich stören die über­triebe­nen Anglizis­men im täglichen Sprachge­brauch. ‚Info­point‘ und ‚Ser­vice­cen­ter‘ wirken eher pseu­do-welt­män­nisch und lächer­lich.“ Aber dabei über­sieht er, dass diese Wörter eben nicht in den täglichen Sprachge­brauch über­nom­men wer­den, son­dern dass es sich um typ­is­chen Bahn­hof­s­peak han­delt, der das Bahn­hof­s­ge­bäude nie ver­lassen wird.

Und let­zten Endes ist es doch begrüßenswert, dass die Deutsche Bahn so fleißig mit englis­chen Begrif­f­en um sich wirft — irgend­je­mand muss doch die Sprach­nör­gler beschäftigen.

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Über Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Er beschäftigt sich derzeit mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Sein aktuelles Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ ist 2018 im Dudenverlag erschienen.

29 Gedanken zu „Bahnbashing

  1. Claas

    Naja, grund­sät­zlich stimmt das mit der Bahn­hof­ssprache ja schon. Jedoch ist diese Entwick­lung auch im Finanz­di­en­stleitungs­bere­ich zu erken­nen. Jede Bank hat mit­tler­weile ihr Ser­vice­cen­ter (inter­es­san­ter­weise, ist der Begriff Call-Cen­ter inzwis­chen sehr ver­pönt in dieser Branche), es wird für den Easy Cred­it gewor­ben, Kun­de­naufträge wer­den im Out­bound und Inbound behan­delt. Da erscheint es doch fast exo­tisch, wenn ein neues Kon­to mit dem Namen “VR Mul­ti-Kon­to” auf dem Markt erscheint…

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  2. Ludwig

    Inter­es­sant finde ich die feine Abgren­zung von “über­triebe­nen Anglizis­men” wie ‘Info­point’ und ‘Ser­vice­cen­ter’ gegenüber offen­bar nicht über­triebe­nen Anglizis­men wie ‘Streß’ (wobei sich der Bay­ern­poli­tik­er auch noch der guten alten Rechtschrei­bung verpflichtet fühlt)oder anderen Fremd­wörtern wie ‘Hek­tik’, welch­es auch ein­deutig nicht ger­man­is­chen Ursprungs ist.

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  3. Thomas Paulwitz

    Die Bahn soll eine Vor­liebe für die Sprache Shake­spear­es haben, Herr Ste­fanow­itsch? Eine sehr gewagte Behaup­tung. Ich kann mir nicht vorstellen, daß Shake­speare von Surf&Rail, Bahn­Shop, SparNight, Kul­Tour­Bahn-Tick­et oder Sylt­Shut­tle gefaselt hat. Die Aus­drücke hätte er auch sich­er nicht ver­wen­det, wenn es die Eisen­bahn schon gegeben hätte. Er hätte das Kaud­er­welsch höch­stens für eine Com­e­dy of Errors genutzt.

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  4. Connie

    die Bahn spin­nt sowieso… diese Masche mit den englis­chsprachi­gen Durch­sagen… als ob irgen­dein Englän­der im Zug säße — der würde die säch­sisch-hes­sisch-baden­sis­chen “englis­chen Ansagen” eh nicht verstehen

    thank you for trav­el­ling with Deutsche Bahn .. würg!

    Und dann die Toi­let Cen­ters… wenn ich ein Klo suche, muß es ein Toi­let Cen­ter sein … ;M=)

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  5. corax

    Das mit dem „Ser­vice Point“ ver­sus „Auskun­ft“ hab ich noch nie verstanden.

    Es gab und gibt doch das Wort „Infor­ma­tion“ mit diesem inter­na­tionalem kleingeschrieben­em „i“ für Orte mit viel aus­ländis­chem Durch­gangspub­likum wie Flughäfen, Bahn­höfen, Einkauf­szen­tren etc.

    Warum die Bahn da so auf ihre bescheuerten Änderun­gen pocht leuchtet mir nicht ein.

    Und zum Inter­ne­tauftritt: im Rah­men der Bar­ri­ere­frei­heit sollte man sich als ehe­ma­liger Staats­be­trieb mit öffentlichem Auf­trag schon ein wenig bess­er bemühen, grad auch ältere Leute fahren Bahn. Da find ich die über­triebe­nen Anglizis­men beson­ders unnötig. Weil man ja, wie es bei großen Unternehmen gang und gebe ist, (und bei der Bahn oben rechts ver­steckt, seh ich ger­ade) auch möglich, zwis­chen ver­schiede­nen Sprachen wählen. Da kann das Argu­ment „Inter­na­tionales Pub­likum“ nicht ziehen.

    Und statt einem unauf­fäl­ligem Hand­i­cap kön­nte man auch ein Roll­stuhl-Pic­togrammn ver­wen­den, denn dafür sind die entwick­elt wor­den. An anderen Stellen halt auch die jew­eils Passenden.

    Nochmal zur Sprach­wahl: Bei so Seit­en wie der Bahn, die von inter­na­tionalem Pub­likum genutzt wer­den, gehört ganz oben groß und deut­lich eine Sym­bol­leiste hin, wo man ver­schiede­nen Sprachen wählen kann, unter­stützt von Flaggensymbolen.

    Denn ned­er­lands, dutch oder holländisch

    und ger­man, deutsch oder alle­mand sind nicht jedem geläu­fig, die Flaggen aber vie­len schon.

    Mir fällt grad auf, auf der Bahn­seite wer­den fast gar keine Pic­togramme ver­wen­det (außer da bei Miet­wa­gen Hotel aber sehr dürftig umge­set­zt imo) son­dern fast nur Text. Dabei sind die Dinger ins­beson­dere speziell für das Per­so­n­en­be­förderungs­gewerbe entwick­elt worden.

    Man will es seinen Kri­tik­ern wohl leicht machen.

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  6. Anatol Stefanowitsch

    Con­nie, die englis­chsprachi­gen Durch­sagen der Bahn richt­en sich ja nicht an Englän­der son­dern an alle Fahrgäste, die kein Deutsch kön­nen. Und davon gibt es, mein­er Erfahrung nach, eine Menge — wie man es in einem zusam­menwach­senden Europa in ein­er glob­al­isierten Welt erwarten würde.

    Corax, die Nutzer­führung der Bah­n­web­seite ist in der Tat eine Katas­tro­phe, ger­ade bezüglich der Ver­wen­dung des Wortes Hand­i­cap, bei der viele Deutsche wohl eher an Golf denken (es ste­ht ja auch direkt unter 55plus), und der ver­steck­ten Platzierung der Umstel­lung auf andere Sprachen. Aber trotz­dem — die Online-Buchung von Bah­n­fahrkarten ist für mich eine der bedeu­tend­sten Erfind­un­gen des let­zten Jahrhunderts.

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  7. Frank Oswalt

    @Thomas Paulwitz (Re: Sprache Shakespeares)

    Mir ist schon oft aufge­fall­en, dass den Sprach­nör­glern jed­er Sinn für Ironie fehlt. Sind Sie deshalb so vers­essen darauf, ander­er Leute Sprache zu regulieren?

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  8. Ilka Hennig

    Herr Ste­fanow­itsch,

    Ich stimme Ihnen vol­lkom­men zu, dass die Deutsche Bahn englis­che Woert­er sehr exzes­siv ver­wen­det. Let­ztens wollte ich die Auskun­ft der Bahn anrufen, um mich nach den Oeff­nungszeit­en des Kun­den­zen­trums fuer den Berlin Ost­bahn­hof zu erkundi­gen, da ich eine Fahrkarte kaufen wollte. Ich habe echt min­destens zehn Minuten gebraucht, um auf das Wort “Kun­den­zen­trum” zu kom­men, um der Auskun­ft der Bahn zu erk­laeren was ich ueber­haupt moechte. Ich bin in diesen zehn Minuten davon aus­ge­gan­gen, dass die Bahn sicher­lich fuer “Kun­den­zen­trum” irgen­dein englis­ches Wort ver­wen­det, nach welchem ich auch krampfhaft gesucht habe. Ich wusste, dass es nicht der “Ser­vice Point” war (da kann man, glaube ich, keine Fahrkarten kaufen, son­dern nur Einkuen­fte ein­holen). Es hat sehr lange gedauert, bis ich endlich auf den Trichter gekom­men bin, dass die Deutsche Bahn das deutsche Wort “Kun­den­zen­trum” beibehal­ten hat. Dieses kleine Ereig­nis zeigt mir, dass ich bere­its para­noid bin, was die Bahn und ihre englis­chen Woert­er betrifft…

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  9. NvonX

    Der entschei­dene Denk­fehler, den mein­er Mei­n­ung nach die Frak­tion der nörgel­nden Sprach­be­wahrer macht, ist der, die deutsche Sprache gnaden­los zu unter­schätzen und damit unnötig und unver­hält­nis­mäßig klein zu machen. Schließlich ist die deutsche Sprache ja kein kleines, empfind­lich­es Blüm­chen, das einzuge­hen dro­ht, weil eine Horde Wer­be­tex­ter darüber hin­weg tram­pelt. Sie ist vielmehr eine alte Eiche, der es wohl kaum etwas anhab­en kann, wenn ihr der eine oder andere Gruß oder Liebess­chwur auf Englisch in die Rinde geschnit­ten wird.

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  10. Thomas Paulwitz

    @Frank Oswalt

    Wen meinen Sie mit Sprach­nör­gler? Etwa Ana­tol Ste­fanow­itsch? Ob ihm der Sinn für Ironie fehlt, kann ich nicht beurteilen. Ich finde seine Nörgeleien ganz anregend.

    Ich bin im übri­gen nicht vers­essen darauf, ander­er Leute Sprache zu reg­ulieren, ganz im Gegen­teil, ich bin näm­lich ein entsch­ieden­er Geg­n­er der Rechtschreibre­form. Außer­dem zwinge ich nie­man­den, Denglisch ver­ste­hen zu müssen.

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  11. Ilka Hennig

    @Connie: Ich fahre auch sehr oft mit der Bahn und habe zunehmend fest­gestellt, dass viele Aus­laen­der die Bahn eben­falls benutzen. Aus diesem Grund macht es fuer mich Sinn, dass die Mitar­beit­er der Deutschen Bahn ihre Durch­sagen auch in Englisch taeti­gen. Dass deren Englisch nun nicht super­flues­sig und frei von einem deutschen Akzent ist, finde ich ver­staendlich und ueber­haupt nicht schlimm. Ich finde, dass sich die Bahn in dieser Hin­sicht in den let­zten Jahren verbessert hat, und die Mitar­beit­er heutzu­tage im All­ge­meinen bess­er Englisch sprechen als vorher waehrend der Anfangsphase. 

    Man sollte vielle­icht auch bedenken, dass all diese Mitar­beit­er kein Englisch studiert haben. Es waere auch inter­es­sant zu wis­sen, welche Art von Schu­lung die Mitar­beit­er der Deutschen Bahn in Englisch erhal­ten haben, als die Durch­sagen in Englisch einge­fuehrt wur­den. (Ich weiss das lei­der nicht.)

    Noch eine let­zte Anmerkung: Ich bin mir nicht sich­er, ob ueber­haupt Fir­men­na­men wie “Deutsche Bahn” in andere Sprachen ueber­set­zt wer­den. Sind sie nicht ver­gle­ich­bar mit Eigennamen?

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  12. Thomas Müller

    Darf ich bemerken, daß ich mit Inter­esse und Gewinn sowohl das Sprach­blog regelmäßig lese als auch Abon­nent der Sprach­welt bin? Oder bin ich dann bei bei­den untendurch?

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  13. Ugugu

    Musste gle­ich mal die Schweiz­erische Staats­bahn unter die Lupe nehmen. http://www.sbb.ch, dort wim­melts auch von Anglizis­men: “His­to­ry Chan­nel”, Click&Rail, Tick­et-Shop, News etc.

    Aber mich darüber aufre­gen? Nope.

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  14. Frank Oswalt

    @Thomas Paulwitz: Mit “Sprach­nör­gler” meine ich zum Beispiel Men­schen, die Natascha Kam­pusch zur “Sprach­wahrerin des Jahres” ernen­nen ohne sich vor ihrer eige­nen Über­grif­figkeit zu ekeln.

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  15. Anatol Stefanowitsch

    NvonX, wow! Diese Meta­pher werde ich mir, mit Ihrer Ein­willi­gung, bei passenden Gele­gen­heit­en ausborgen.

    Thomas Müller, da ich davon aus­ge­he, dass Sie dabei jew­eils angemessene Skep­sis wal­ten lassen, dürfte es kein Prob­lem geben.

    Ilka, ich würde noch weit­er gehen: ich finde den deutschen Akzent bei der Deutschen Bahn sog­ar sehr char­mant (und für ein deutsches Unternehmen dur­chaus angemessen).

    Ugugu, also ist das tat­säch­lich Bahn­hof­s­peak. Darüber aufre­gen? Natür­lich nicht.

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  16. Thomas Paulwitz

    @Frank Oswalt

    Sie beze­ich­nen also die Leser der Deutschen Sprach­welt, die Natascha Kam­pusch für ihr gutes Deutsch zur “Sprach­wahrerin des Jahres” gewählt (nicht: ernan­nt) haben (es waren vor allem Öster­re­ich­er), als Sprach­nör­gler, die keine Ironie ver­ste­hen. Nun gut. Wie kann eine Pos­i­ti­vausze­ich­nung Nörgelei sein? Sehen Sie sich nicht allmäh­lich selb­st der Gefahr aus­ge­set­zt, sich einen Ruf als Nör­gler zu erarbeiten?

    Es ist doch eine Frage des Blick­winkels. Der eine bemän­gelt das unter­en­twick­elte Sprach­be­wußt­sein öffentlich­er Ein­rich­tun­gen, der andere kri­tisiert den, der auf Mißstände in der Ver­ständlichkeit hin­weist, da er dessen Sorge nicht teilt. Jed­er kann den anderen als notorischen Nör­gler hin­stellen, vor allem dann, wenn er nicht auf ihn einge­hen möchte. Daher tut es mir leid, daß ich Ste­fanow­itschs Beiträge ein­fach als Nörgeleien beze­ich­net habe. Ich hätte das Wort in Anführungsze­ichen set­zen sollen, denn auf dieses Niveau, den anderen als Nör­gler zu verunglimpfen, sollte man sich in ein­er Diskus­sion nicht hinabbegeben.

    @ Thomas Müller

    Ich schließe mich Ana­tol Ste­fanow­itsch nur zu gern an: Wenn Sie Sprach­blog und Sprach­welt kri­tisch lesen, wer­den Sie auf jeden Fall einen Gewinn davon haben. Ich mache das auch so. Es ist immer gut, sich mit ver­schiede­nen Stand­punk­ten zu beschäfti­gen, um sich seine Mei­n­ung zu bilden.

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  17. Frank Rawel

    Englisch ist Weltverkehrssprache, und ich möchte Sprach­nör­gler mal in Chi­na oder Japen erleben, soll­ten dort englis­che Infor­ma­tio­nen auf Bahn­höfen abgeschafft wer­den. Wer diese glob­ale Zweck­mäßigkeit ignori­ert, pflegt statt sein­er Sprache vor allem Prov­inzial­is­mus. Die Frage ist m.E. nur, ob man noch eins oben drauf set­zen muss.

    Ser­vice” und “Tick­ets” sagt alles, auch ohne “Point” und “Counter”.

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  18. Heinz-Dieter Dey

    Die inter­na­tionalen Erfordernisse wer­den immer als Begrün­dung für den Gebrauch von Anglizis­men ange­führt. Der voll­ständi­ge Verzicht auf deutsche Beze­ich­nun­gen in diesem Fall im Verkehrs­bere­ich wie Bahn und Flughafen ist in unserem deutschsprachi­gen Land eine Her­ab­set­zung und Mis­sach­tung der eige­nen Bevölkerung. Warum kann – wie es in anderen Län­dern auch gehand­habt wird – nicht das Wort „Auskun­ft“ an die erste Stelle geset­zt wer­den und darunter die wirk­liche englis­che Entsprechung?

    Natür­lich ver­lässt die „Bahn­sprache“ nicht den Bahn­hof. Aber die abw­er­tende Ein­stel­lung und Hal­tung gegenüber unser­er Sprache und unseren Bürg­ern ver­lässt den Bahn­hofraum und hin­ter­lässt Nachahmer.

    Das Wort „Auskun­ft“ ist bei der Eisen­bahn seit ihrer Erfind­ung gebräuch­lich. Das Wort selb­st ist aber viel älter. Warum sollte man es heute nicht mehr benutzen? Gibt es für deutsche Wörter ein Ver­falls­da­tum? Wann sind alle durch englis­che Aus­drücke erset­zt? Sprache ist kein Weg­w­erf­pro­dukt. Sprachkul­tur ist nicht Kom­merz, son­dern Tra­di­tion, Iden­ti­fika­tion, Heimat, Kommunikationsmittel. 

    Ich warne davor, für Hin­weise nur Pik­togramme zu ver­wen­den. Das führt zu einem weit­eren Prob­lem, der Infan­til­isierung unser­er Sprache. Ein Behin­dert­er ist ein Behin­dert­er. Mit dem Wort Hand­i­cape oder son­sti­gen sprach­lichen Purzel­bäu­men wird dadurch nichts besser.

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  19. corax

    Das Pik­togramme im Zusam­men­hang mit Orten, die von einem inter­na­tionalem Pub­likum auf der Durchreise besucht wer­den, die sich schnell ori­en­tieren wollen und müssen, eine „Infan­til­isierung“ der Sprache verur­sachen ist ja eine ganz neue Baustelle. Ich hab so meine Zweifel, dass sich z.B. ein Ital­iener im Ern­st­fall über ein Schild Notaus­gang wirk­lich freut.

    Und ein „Behin­dert­er“ ist mit­nicht­en ein „Behin­dert­er.“ Inzwis­chen ist er ein „Men­sch mit Behin­derung“ und davor war er ganz selb­stver­ständlich ein „Krüp­pel“. Und dabei wird es wohl nicht bleiben, siehe Euphemis­mus­tret­müh­le.

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  20. Klaus Däßler

    Na, lieber Herr Stefanowitsch,

    in diesem Forum scheinen sich ja auch ’ne Menge Aus­län­der rumzutreiben — die Welt wächst eben in Deutsch­land zusam­men (son­st fast nir­gends). Ein Glück, daß Sie’s “Bahn-Bash­ing” genan­nt haben. “Bahn-Schelte” hät­ten die armen Welt­bürg­er hier ja nicht ver­standen. Allerd­ings ver­ste­he Bahn-Basching nun ich wieder nicht. Klingt wie Fasching. Meine Mut­ti hat mir das nicht beige­bracht; gescholten hat sie mich oft. Was Schelte sind, weiß ich. Zu unserem Bäck­er kam jet­zt auch mal ein Inder, der bei Infinnjen arbeit­et, darauf hat sofort der Bak­ery all seine Brote, Kuchen und Ange­bote auf Englisch aus­geze­ich­net. Endlich! Jet­zt fühlen sich die Aus­län­der hier fast wohl. Der müßte nur noch endlich mal seine frem­den­feindlichen Kuchen durch mul­ti­kul­turelle Bagels und Cook­ies und Muffins ersetzen! 

    Und als ich auf der Kon­ferenz “Infor­matik 2006” war, da wurde im Seman­tik-Kon­ferenzblock (nicht Blog) erst deutsch gesprochen, und jed­er hat ver­standen, daß da vorne viel Quatsch gere­det wurde — wie man an den Diskus­sio­nen sah. Dann kam etwa zur Hal­bzeit ein Schwarz­er rein (ich nenne die noch Neger, aber für meine poli­tisch kor­rek­ten Fre­unde tu ich alles), der Block­wart stürzte auf ihn los und fragte ihn was Nettes, und als der verun­sichert nick­te, bat er dann die Vor­tra­gen­den, den Kon­ferenzblock bitte auf Englisch fortzuset­zen. Von dem Moment an kon­nte kein­er mehr behaupten, daß da vorne Quatsch gesprochen wurde. Nach 20 Minuten saßen da nur noch der Neger und ich, aber ca. 30 Deutsche waren raus­ge­gan­gen. Sollen sie! 

    Wenn ich in USA weile, gibt es auf keinem Flug­platz auch nur einen einzi­gen deutschen Hin­weis. Ich meine, Deutsch­land sollte endlich 51. Bun­desstaat wer­den. Ich möcht endlich mal wieder die Gebor­gen­heit und die Bequem­lichkeit ein­er eige­nen Mut­ter­sprache genießen! Dieses ständi­ge Deutschge­plärre in unserem mod­er­nen Welt­bürg­er­s­peak geht mir auf den Cakes.

    Ihr New­bash­er

    Klaus Däßler

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  21. Heinz-Dieter Dey

    An Corax: Bitte genau lesen. Mein Satz lautete: “Ich warne davor, für Hin­weise nur Pik­togramme zu ver­wen­den.” Ich bitte, das “nur” zu beacht­en. Diese Hand­habung gibt es auch heute schon in eini­gen Bere­ichen: Pik­togramm und Schrift.

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  22. corax

    Herr Heinz-Dieter Dey,

    ja mit dem “nur” kann ich leben, ich hab ja auch nicht vor das Alpha­bet abzuschaf­fen, wobei ich mich frage ob man an ein­er Türe mit einem Pik­togramm, dass einen Mann sym­bol­isiert, auch noch “Her­ren­toi­lette” dran­schreiben “muss”.

    Aber das sind jet­zt bloß Spitzfindigkeiten. 😉

    Aber haben Sie denn konkrete Beispiele für die kom­plette Ver­drän­gung der Schrift durch Pik­togramme? Außer im Strassen­verkehr wo Schilder ja auch Geset­zescharak­ter haben, fällt mir da nichts Rel­e­vantes ein.

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  23. David Marjanović

    Meine Mut­ti hat mir das nicht beige­bracht; gescholten hat sie mich oft. Was Schelte sind, weiß ich.

    Ich weiß es nur, weil ich viel lese. Hierzu­lande wird auss­chließlich geschimpft.

    Das wäre übri­gens scold­ing und nicht bash­ing. Wenn Sie eine Über­set­zung wollen, pro­bieren Sie lieber “ständig auf die Bahn ein­hack­en”. (Was auch wieder komisch klingt, weil in Wirk­lichkeit nie­mand “ein­hack­en” sagt — oder zeige ich damit wieder nur, dass ich noch kaum in Deutsch­land war?)

    Wenn ich in USA weile, gibt es auf keinem Flug­platz auch nur einen einzi­gen deutschen Hinweis.

    In Peking sind alle Hin­weise nicht nur auf chi­ne­sisch, son­dern auch japanisch, kore­anisch und englisch…

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  24. Klaus Däßler

    David Mar­i­anovic:

    Gegen eine — zusät­zliche — glob­alenglis­che Ausze­ich­nung wichtiger Hin­weise auf inter­na­tionalen Drehkreuzen wie Frank­furt oder Berlin habe ich auch nichts einzuwen­den. Aber wenn in einem Vorort­bus von Klein­kleck­ers­dorf ein Ton­band die Hal­testellen nur noch Pseu­do­englisch vork­narzt, reicht es mir.

    Chi­na hat erk­lärter­maßen die Absicht (wie vorher Japan, Korea und andere) möglichst viele Spezial­is­ten aus dem West­en und den asi­atis­chen Hochtech­niklän­dern anzuziehen, um die west­liche Tech­nik und Wis­senschaft aufzusaugen — und, wo möglich — schnell­stens zu kopieren. Mit Chi­na haben wir z.B. 3800 “Gemein­schaft­spro­jek­te”, d.h. Wis­senstrans­fer nach Osten. USA haben das nicht nötig, wir Deutschen servieren ihnen seit dem Weltkrieg unser teuer erar­beit­etes Wis­sen kosten­los in ihrer “Mut­ter­sprache” auf dem Sil­bertablett. Deutsch­land ist ein Land, das jeglich­es Wis­sen, ins­beson­dere der Hochtech­nik und Infor­matik, aber auch jeglich­er Geis­teswis­senschaften, in großem Maße abzugeben hat, und das mit diesem Vorteil seine Mut­ter­sprache auf der ganzen Welt ver­bre­it­en kön­nte. Aber nein, wir ver­suchen in hündis­ch­er Ergeben­heit anderen Natio­nen, beson­ders den von uns ange­beteten USA, möglichst viel mundgerecht ent­ge­gen­zubrin­gen und schaf­fen damit unsere eigene Kul­tur und Mut­ter­sprache, der wir diese hohe Leis­tungs­fähigkeit ver­danken, ab.

    Damit stören wir das inter­na­tionale Gle­ichgewicht im Wettstre­it der Kul­turen, d.h. schaden der ganzen Welt, indem wir ihr unsere wun­der­bare Sprache voren­thal­ten, diese bewußt zer­stören und den Siegeszug des prim­i­tiv­en Glob­alenglisch (ca 800 Wort­stämme Kolo­nial­dialekt) akribisch vorantreiben.

    Ger­ade die großen Autokonz­erne sind nachger­ade blöd. Die wohlhaben­den US-Amerikan­er lieben “Dschör­men Kars”, ins­beson­dere Bie Emm Dab­ble­ju und Mörcedies und Pors­ki, und lieben den Stall­geruch von Berghof, Shep­ard, Hei­del­börg and Frol­lein. Aber unsere Aut­ofir­men möcht­en am lieb­sten waschechte US Kars (siehe Aktionärs- Hauptver­samm­lung VW) aus ihren Kutschen machen (außer Pors­ki, deshalb gehts Pors­ki auch so gut).

    Klaus Däßler

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  25. Werner Voigt

    Guten Tag Herr Stefanowitsch,

    bei allem Hin und Her um die Ange­brachtheit von Ser­vice-Point darf mal daran erin­nert wer­den, dass wenn schon kein (“ety­mol­o­gisch”) deutsches Wort für diese Art von Schal­ter, weil an DB-Bahn­höfen auch Nicht­deutschkundi­ge abfahren und ankom­men, dann doch lieber ein Inter­na­tion­al­is­mus, der auch in vie­len anderen Län­dern und Sprachen seit langem stark ver­bre­it­et ist: INFORMATION, und nicht eine Eigenschöpfung.

    Ein Wort wie Counter ist dage­gen Unfug, weil höfliche Auf­forderun­gen wie “Wenn geschlossen, wen­den Sie sich bitte an den näch­sten Counter” ja wed­er vie­len Deutschsprechen­den noch Aus­län­dern ver­ständlich sind, die Englisch als Mut­ter- oder Fremd­sprache ver­ste­hen, aber kein Deutsch. Wie ich von einem DB-Mitar­beit­er erfuhr, gehörte das Wort Counter ange­blich zu dem “Design­er­paket” eines ital­ienis­chen Innenar­chitek­ten, der die Neugestal­tung der Reisezen­tren geplant hat­te. Es habe mit über­nom­men wer­den müssen. So ist es auch bei anderen Neuerun­gen: die Berat­er­a­gen­tur verkauft ihre Sach­ber­atung zusam­men mit einem fer­ti­gen Vor­rat an Wörtern, ein geschick­ter Weg, die Sprache im öffentlichen Raum zu beeinflussen.

    Vielle­icht haben Sie vor rd. zwei Jahren mit­bekom­men, dass Mehdorn schon laut über einen englis­chen Namen für das Gesam­tun­ternehmen nach­dachte und vom dama­li­gen Verkehrsmin­is­ter Stolpe nach­drück­lich gebremst wer­den musste. Es ging darum, den Konz­ern oder seine Teile den sog. Finanzmärk­ten und Inve­storen schmack­haft zu machen, deren stel­len­weise sehr ambiva­lentes Wirken ger­ade in den let­zten Wochen von den USA bis zu uns zu spüren war. Nicht nur gegenüber Kun­den und Öffentlichkeit, auch den eige­nen Mitar­beit­ern muten Bahn und Post immer mehr Englisch zu — auch in Bere­ichen, die keine beson­dere Kom­mu­nika­tion mit aus­ländis­chen Töchtern oder Part­nern erfordern. In einem Gebäude der Telekom soll­ten sog­ar schon deutsche Notaus­gang­sh­in­weise durch englis­che erset­zt wer­den. Geht man von der gele­gentlichen Anwe­sen­heit eines Aus­län­ders aus, dann wäre die Hinzufü­gung von Englisch sin­nvoll, aber das Weglassen von Deutsch nicht ungefährlich.

    Über­greifend­er Sinn dieser Umbe­nen­nun­gen ist nach meinem Ein­druck keineswegs nur die mögliche Angemessen­heit in Bezug auf Kun­den und solche, die man gewin­nen will, son­dern dur­chaus, den Mach­ern der Glob­al­isierung (Finanzmärk­te, Unternehmens­ber­atun­gen, Banken mit ihrem Schw­er­punkt “Merg­ers & Acquis­tions”) den Glob­al­isierungs­grad zu sig­nal­isieren. Berater H. Simon sagt es ein­mal deut­lich: Wir Deutsche soll­ten dabei in Vor­leis­tung gehen. Wo wie bei Ber­tels­mann ein deutsch­er Buch- und Musikver­lag intern auf Englisch ver­wal­tet wird, ist der Ein­stieg von angel­säch­sis­chen oder englisch funk­tion­ieren­den Anteil­seign­ern leichter und alles ohne Mehraufwand für diese trans­par­enter, und die Ana­lysten beurteilen (“räiten”) eine Fir­ma gün­stiger, wenn sie sich angel­säch­sisch (min­destens mit Ver­satzstück­en, nicht immer durchge­hend, kon­se­quent oder kor­rekt) gibt.

    Fast jedes sich glob­al gebende Unternehmen hat in sein­er Anklick­leiste mit Tätigkeits­bere­ichen “Investor Rela­tions”. Vor dem miss­lun­genen Börsen­gang erk­lärte Mid­del­hoff in New York: Ich füh­le mich als Amerikan­er, der zufäl­lig einen deutschen Pass hat”. Außer­dem verkün­dete er: unsere Angestell­ten schreiben sich ihre e‑Mails auf Englisch. Sehr spon­tan. Entsprechen­des gab etwa gle­ichzeit­ig der dama­lige franzö­sis­che Medi­en­gu­ru J.-M. Messier von Viven­di von sich. Zwar warf Fam­i­lie Mohn Mid­del­hoff dann hin­aus, aber als Mitver­wal­ter von Fonds wurde er Sanier­er von Karstadt-Quelle, ver­passte diesem den Kun­st­na­men Arcan­dor (‘Geheim­nis (aus) Gold’) und hat soeben die Sporthäuser von Karstadt in Karstadt­Sports umbe­nan­nt, (Hamb. Abend­blatt gibt das so wieder: So wurde mit einem zusät­zlichen “s” auch der heute übliche Anglizismus

    einge­führt und “Karstadt sports” mit den Worten “enjoy sports and style” ergänzt).

    Bei Betra­ch­tun­gen von Kul­tur- und Sprachen­twick­lun­gen im Rah­men der Glob­al­isierung sollte man im Auge behal­ten, was ihr Ken­ner und Prophet Fried­man von der NYT nüchtern fest­stellt: die neue Wel­tord­nung ist die Herrschaft der dig­i­tal­en Finanzmärk­te (im Gegen­satz zur “Real­wirtschaft”). Und der frühere Bun­des­bankpräsi­dent Tiet­mey­er hat­te deutschen Poli­tik­ern in Davos ver­rat­en, von nun an stün­den sie unter deren “Dik­tat”. Der ver­stor­bene SPD-Vor­denker Glotz hat­te dies früh erkan­nt und sich entsprechend daran aus­gerichtet: um 1995 forderte er: die Uni­ver­sität muss an die Börse. Beze­ich­nen­der­weise wurde er Vor­sitzen­der des Medi­en­beirats der Dt. Telekom, musste also die gesamte kul­tur­rev­o­lu­tionäre Strate­gie von K. Zumwinkel ken­nen, des ehe­ma­li­gen Deutsch­land­chefs von McK­in­sey, den Kohl zum Postvor­stand machte (bis zur Tren­nung auch der Telekomsparte, auf die er im Auf­sicht­srat Ein­fluss behielt). Zumwinkel hat­te zu den anderen wichti­gen DAX-Konz­er­nen eng­ste Beziehun­gen, sowohl z.T. durch frühere Beratungstätigkeit als auch durch häu­fige Tre­f­fen der sog. Sim­i­launer. Zugle­ich war er ein Mit­telpunkt der Atlantik­brücke, eine sehr gut organ­isierte Seilschaft.

    Übri­gens wollte Merkel vor und in Heili­gen­damm die Finanzmin­is­ter Bri­tan­niens und der USA zur mehr Kon­trolle und Regeln für Fonds und “die Märk­te” überre­den. Die stimmten ihrer Analyse zu, lehn­ten aber Maß­nah­men ab, weil die Märk­te zu viel Wider­stand leisteten.

    Hof­fentlich ver­ste­hen Sie, warum dieser poli­tisch-wirtschaftliche Exkurs keine Abschwei­fung vom The­ma ist, son­dern sehr viel mit der “Sprachen­twick­lung” der let­zten 20 Jahre zu tun hat.

    Dr. Wern­er Voigt

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