Die Spiegelung eines Plagiats in der Erschaffung von Wörtern

Ich wollte nicht noch ein­mal auf den Fall Hege­mann zurück­kom­men. Die ganze Angele­gen­heit wirkt mir inzwis­chen zu insze­niert — die völ­lige Abwe­sen­heit eines Unrechts­be­wusst­seins, die die Pla­gia­torin in jedem Inter­view demon­stri­ert, die schmun­zel­nde Kom­plizen­schaft des Feuil­letons und das Behar­ren auf dem lit­er­arischen Tal­ent der Pla­gia­torin mit dem immer gle­ichen Argu­ment, dass Abschreiben „im Inter­net“ nun ein­mal nor­mal und im Falle Hege­mann sowieso eine Kun­st­form sei, das trotzige Fes­thal­ten an der Nominierung des Pla­giats für den Preis der Leipziger Buchmesse.

Der deutsche Lit­er­aturbe­trieb demon­tiert sich damit selb­st viel bess­er als ich es kön­nte, und es ist ja auch gar nicht meine Auf­gabe, das zu tun. Wenn ich trotz­dem noch ein Wort dazu sagen darf: Beson­ders abstoßend wirk­te auf mich die Art und Weise, auf die das alles bei Har­ald Schmidt in der Sendung vom 11. Feb­ru­ar 2010 vorge­führt wurde, der erst unter Lach­ern und Beifall des Pub­likums in einem „Sketch“ den geschädigten Autor Airen zum Pla­gia­tor machte und dann ein­er selb­stver­liebten Helene Hege­mann eine seichte Frage nach der anderen zus­pielte und ihr auf ihre unbe­holfen phrasen­ge­drosch­enen Antworten hin „Intel­li­genz“ und „Elo­quenz“ attestierte.

Aber meine Auf­gabe ist es, über Sprache zu schreiben. Und deshalb muss ich mich doch noch ein­mal mit dem Fall beschäfti­gen. Denn ich muss zugeben: Auch ich bin fasziniert von sprach­lich­er Kreativ­ität. Eine solche hat man der Pla­gia­torin ja aus­giebig bestätigt:

Die Sprache ist orig­inell und scharf, die Beobach­tungs­gabe hochtal­en­tiert. [LVZ-ONLINE.de/Bock 2010]

Die noch nicht mündi­ge Autorin liefert eine ern­ste Wild­heit, die in eine expres­sive Sprachge­walt drängt. [SAARBRUECKER-ZEITUNG.de/Mischke 2010]

Die Autorin ist 17, und natür­lich kann dem Pub­likumsver­lag Ull­stein bei sein­er Kalku­la­tion die Über­legung nicht ent­gan­gen sein, dass dieses Erstaunen aus­lösen würde über einen Men­schen, der so jung ist und so gewalt­sam und kalkuliert mit Sprache umge­hen kann. [STUTTGARTER-ZEITUNG.de/Bauer 2010]

Dabei haben manche Rezensent/innen gezeigt, dass sie bei der Bescheini­gung von Sprachge­walt eine sehr niedrige Mess­lat­te anle­gen — Dorothea Dieck­mann reichte es in der Neuen Zürcher Zeitung schon, dass Hege­mann „neben aller akuten Slang-Mündlichkeit nicht von ‚Sinn machen‘, son­dern von ‚Sinn ergeben‘ spricht“ [NZZ.ch/Dieckmann 2010], was ich zum Anlass nehme, wieder ein­mal auf meine Beiträge zum The­ma Sinn machen zu ver­linken (Max Frisch macht Sinn und Schweiz­er und Deutsche machen Sinn).

Aber es ist gar nicht Hege­manns sprach­liche Kreativ­ität, die mich fasziniert, und auch nicht die der Autor/innen, von denen sie sie abgeschrieben hat. Was mich fasziniert ist die Kreativ­ität ganz nor­maler — medi­al nicht gehypter — Mit­glieder der Sprachge­mein­schaft, die (deut­lich klar­sichtiger als das ver­sam­melte Lit­er­atur­feuil­leton) den Fall zum Anlass nehmen, die Sprache um neue Wörter und Redewen­dun­gen zu bere­ich­ern. Und das just im Inter­net, das doch eigentlich an allem Schuld ist.

Schon am 7. Feb­ru­ar, zwei Tage nach Bekan­ntwer­den des Pla­giats­fall­es, ver­wen­dete ein Twit­ter­nutzer namens Matsches das Hash­tag Hege­manie [Link] und am näch­sten Tag prägte Twitternutzer/in Etk­books das englis­che Pen­dant dazu:

o.k., genug hege­ma­nia. man muss das alles nun auch nicht über­be­w­erten … die näch­ste dorf­sau, bitte. [Link]

Das Wort Hege­manie erhielt am 12. Feb­ru­ar duch Twit­ter­nutzer Isd­jan eine explizite Def­i­n­i­tion:

HELENE HEGEMANN — Trotz Pla­giatsvor­würfe für Bel­letris­tik nominiert.” — Dieses Phänomen heißt in Fachkreisen Hege­manie. [Link]

Während die Kon­t­a­m­i­na­tion (so heißt das in der Sprach­wis­senschaft tat­säch­lich, wenn zwei Wörter miteinan­der ver­schmolzen wer­den) aus Hege­mann und Manie/Mania außer­halb des aktuellen Fall­es keinen Anwen­dungs­bere­ich hat und deshalb wohl nicht dauer­haft in die deutsche Sprache einge­hen wird, kön­nte das mit der Phrase den/die Hege­mann machen schon anders ausse­hen. Die Entste­hung dieser Redewen­dung sah man im Blog der Recht­san­walt­skan­zlei Dr. Damm & Part­ner am Mit­tag des 11. Feb­ru­ar voraus:

Sollte sich der erneute Vor­wurf eben­falls bestäti­gen, kön­nte man dur­chaus den Ein­druck erhal­ten, dass die Aus­beu­tung fremder Werke bei Hege­mann Sys­tem hätte. Sodann dro­ht der Spruch “Mach mir hier nicht die Hege­mann”. Sollte sich ein solch­er erst ein­mal etabliert haben, dürfte es mit der Autorenkar­riere ein jäh­es Ende haben. [Link]

Am Abend des­sel­ben Tages ver­mutete, ver­mut­lich unab­hängig, auch Foren­nutzerin MelanieL, dass sich diese Redewen­dung durch­set­zen kön­nte, wobei sie inter­es­san­ter­weise den masku­li­nen Artikel wählte:

Jet­zt warte ich nur noch darauf, dass ihr Vorge­hen Ein­gang in die deutsche Sprachkul­tur find­et. “Den Hege­mann machen” ana­log zum “Effen­berg” oder auch “den Mölle­mann machen” (polit­i­cal cor­rect­ness lasse ich mal außen vor).[Link]

Und die Redewen­dung, die hier vorherge­sagt wird, gab es tat­säch­lich längst. Schon zwei Tage früher hat­te Twit­ter­nutzer On3_suedwild sie ohne Anführungsze­ichen oder metasprach­lichen Kom­men­tar ver­wen­det:

Mach die Hege­mann: http://bit.ly/cHo4IG Poplit­er­atur zum Remix­en, mit unserem Poplit­er­atur-Remix-Buch als PDF-Down­load! #Axolotl­Road­kill [Link]

Den eigentlich inter­es­san­ten sprach­lichen Schritt aber machte Twit­ter­nutzer A_Sevik am 10. Feb­ru­ar 2010. Nach­dem er etwas mit dem Namen Hege­mann herumge­spielt hat­te (z.B. „Hege dich nicht mit mir an, Mann! [Link]), wurde er nach meinem aktuellen Ken­nt­nis­stand um 23:15 zum ersten Sprech­er, der daraus doku­men­tiert­er­weise ein Verb machte. Um 23:13 twit­terte er Fol­gen­des:

Thi­hi­hi. Habe ich von @weiszklee geklaut. { http://j.mp/94PjIF } [Link]

Kurz darauf for­mulierte er das dann auf die entschei­dende Weise um:

“Habe ich von @weiszklee hege­man­nt” wäre cool­er gewe­sen. #Main­stream [Link]

(„Was sind denn das für Hege­manieren hier?“ twit­terte Weiszk­lee daraufhin zurück [Link]).

Am 11. Feb­ru­ar erhielt das Verb hege­man­nen eine passende Def­i­n­i­tion von Twit­ter­nutzer Stephan­schu­bert:

Hege­man­nen” is the new “Scham­los klauen” [Link]

Inter­es­sant ist, dass das Verb für A_Sevik offen­sichtlich ein Prä­fixverb ist [hege + man­nen], denn son­st müsste das Par­tizip gehege­man­nt statt nur hege­man­nt heißen. In dieser Form ver­wen­det es Blog­ger Lantzschi am sehr frühen mor­gen des 12. Feb­ru­ar:

im schreiben nutze ich aber bin­nen-I. anson­sten ein­fach bei­de ansprechen, soviel zeit muss sein (gehege­man­nt bei antje schrupp) [Link]

Und am frühen Nach­mit­tag des­sel­ben Tages ver­wen­det ein Twit­ter­nutzer mit dem benei­denswerten Nutzer­na­men Avatar das Par­tizip als Adjek­tiv (und erfind­et außer­dem das Wort helenifiziert):

Plat­te Pla­giate sind in der Wikipedia kein Prob­lem. Schw­er­er auffind­bar sind helenifizierte und gehege­man­nte Ver­satzstücke [Link]

Und das Verb hege­man­nen wird im Laufe des Tages noch drei weit­ere Male ver­wen­det:

… weil nicht das Video an sich ge-Hege­man­nt ist … [Blogkom­men­tar (Dierk) auf Ste­fan Nigge­meiers Blog]

@LilithLoveless Also wenn das mal nicht von den Come­di­an Har­monists geHege­man­nt ist… [Fet­t­laus auf Twit­ter]

http://tr.im/NXUR Die Loven­berg mod­eriert den Glavinic, der wird doch nicht auch.… äh, wie sagt man da jet­zt, gehege­man­nt sein? [Kurzdielyrik auf Twit­ter]

Dabei fällt auf, dass das Verb leicht unter­schiedliche Bedeu­tun­gen annimmt: Während es bei A_Sevik nur „ander­er Leute Ideen/Formulierungen ver­wen­den“ hieß, stand bei Avatar klar die Bedeu­tung „ander­er Leute Ideen/Formulierungen ohne Angabe der Quelle ver­wen­den“ im Vorder­grund. Bei Dierk kommt eine Bedeu­tungskom­po­nente „unter Ver­let­zung des Urhe­ber­rechts ver­wen­den“ hinzu, und bei Kurzdielyrik heißt das Verb möglicher­weise sog­ar so etwas wie „ander­er Leute Formulierungen/Ideen ohne Angabe des Urhe­bers ver­wen­den und dafür von der Presse gelobt wer­den“ (und die Tat­sache, dass es schon aus­re­icht, von Hege­mann-Apolo­getin Loven­berg inter­viewt zu wer­den, um, wenn auch nur scherzhaft, unter Pla­giatsver­dacht zu ger­at­en ist außer­dem ein schönes Beispiel für die Selb­st­de­mon­tage der Feuilletonist/innen).

Ich räume der Redewen­dung die Hege­mann machen und dem Verb hege­man­nen dur­chaus Chanchen ein, dauer­haft (oder für eine gewisse Zeit) in den all­ge­meinen Sprachge­brauch einzuge­hen und warte ges­pan­nt darauf, wann mir zum ersten Mal ein/e Doktorand/in ihre Dis­ser­ta­tion mit den Worten über­re­icht: „Ein paar Seit­en darin habe ich gehege­man­nt – kön­nten Sie mich für den Deutschen Stu­di­en­preis vorschla­gen?“ 

Nachbe­merkun­gen

1.) Der Titel dieses Beitrags ist eine „inter­textuelle“ Anspielung auf Helene Hege­manns Kurzgeschichte „Die Spiegelung meines Gesichts in der Erschaf­fung der Welt“ [Viceland.com], die sie ohne Genehmi­gung von einem Kurz­film von Ben­jamin Teske abgeschrieben hat, der mit Genehmi­gung auf eine Kurzgeschichte von Mar­tin Page beruht [ZEIT.de 2010].

2.) Wenn jemand weit­ere Ver­wen­dun­gen der hier disku­tierten Wörter find­et, vor allem, wenn diese vor den hier genan­nten Zeit­punk­ten erfol­gt sind, wäre ich für Hin­weise dankbar.

3.) Ich verurteile oft „das Feuil­leton“. Das ist eine dumme und falsche Pauschal­isierung, für die ich mich entschuldigen möchte. Es sind inzwis­chen im Feuil­leton auch vernün­ftige Beiträge zum Fall Hege­mann erschienen. Hier, in kein­er beson­deren Rei­hen­folge und ohne Anspruch auf Voll­ständigkeit, einige Autor/innen, die mir in den let­zten Tagen aufge­fall­en sind: Matthias Ring in der Stuttgarter Zeitung, Mar­tin Oehlen im Köl­ner Stadt-Anzeiger, Ruth Schnee­berg­er in der Süd­deutschen Zeitung.

4.) Wer wirk­lich etwas über Urhe­ber­recht, Shar­ing und Remix­ing ler­nen möchte, dem sei immer wieder der Film Good Copy Bad Copy (2007) emp­fohlen.

 

KSTA.de/Oehlen, Mar­tin (2010) Kom­men­tar zu Hege­mann: Die falsche Entschei­dung, Köl­ner Stadt-Anzeiger, 11. Feb­ru­ar 2010 [Link]

LVZ-ONLINE.de/Caroline Bock (2010) Gefeiertes Literatur-“Wunderkind” — Helene Hege­mann stellt Roman­de­büt vor. Leipziger Volk­szeitung, 25. Jan­u­ar 2010. [Link]

NZZ.ch/DIECKMANN, Dorothea (2010) Nicht gesellschafts­fähig? Die gemäs­sigte Rebel­lion von Helene Hege­manns Roman „Axolotl Road­kill“, Neue Zürcher Zeitung, 4. Feb­ru­ar 2010. [Link]

SAARBRUECKER-ZEITUNG.de/Mischke, Roland (2010) Exzesse gegen die Ein­samkeit, Saar­brück­er Zeitung, 26. Jan­u­ar 2010. [Link]

STUTTGARTER-ZEITUNG.de/Bauer, Kat­ja (2010) Die Frech­heit der anderen, Stuttgarter Zeitung, 5. Feb­ru­ar 2010. [Link]

STUTTGARTER-ZEITUNG.de/Ring, Matthias (2010) Wer googelt, der find­et. Stuttgarter Zeitung, 12. Jan­u­ar 2010 [Link]

SUEDDEUTSCHE.de/Schneeberger, Ruth (2010) Schul­mäd­chen-Report, Heute: Helene, Süd­deutsche Zeitung, 12. Feb­ru­ar 2010. [Link]

ZEIT.de (2010) Helene Hege­mann: Neue Pla­giatsvor­würfe gegen die Autorin, Zeit Online, 11. Feb­ru­ar 2010 [Link]

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Anatol Stefanowitsch

Über Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Er beschäftigt sich derzeit mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Sein aktuelles Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ ist 2018 im Dudenverlag erschienen.

28 Gedanken zu „Die Spiegelung eines Plagiats in der Erschaffung von Wörtern

  1. Peer

    Hege­bat­terie bei der Zeit
    Ein weit­eres Wort­spiel gle­ich als zweit­en Kom­men­tar bei der Zeit:
    http://www.zeit.de/…0–02/neue-vorwuerfe-hegemann
    Wer denkt die Autorin ist naiv, ist naiv. Die wusste was sie tat und dachte die kommt damit durch.
    Was sie tut, weil die Feuil­letons nicht irren. Und weil die dazuge­höri­gen Jour­nal­is­ten, nichts im Inter­net lesen, denn das ist ja böse…
    Das Ver­wen­den eines passenden Wortes wäre jet­zt so etwas wie poet­is­che Gerechtigkeit 🙂

  2. hape

    Har­ald Schmidt
    Argh, das Inter­view mit Har­ald Schmidt ist wirk­lich schlimm, aber zwis­chen­durch scheint ja auch durch, dass er mit dem Vater befre­un­det ist und er daher auch sowieso auf ihrer Seite ist.

  3. kreetrapper

    Ein sehr schön­er Text. Mir ist auch in den Zeitungs-/Blog-Artikeln zum The­ma aufge­fall­en, daß sich der Name “Hege­mann” sehr für Wort­spiele aller Art anbi­etet, wenn mir auch lei­der ger­ade keine Beispiele ein­fall­en wollen.
    Sehr gewagt finde ich allerd­ings die Prog­nose, daß sich die Hege­mann machen und hege­man­nen im all­ge­meinen Sprachge­brauch durch­set­zen wer­den. Bish­er haben nur sehr wenige Worte/Wendungen den entschei­den­den Schritt vom all­ge­meine­nen Sprachge­brauch im Netz zum generellen all­ge­meinen Sprachge­brauch außer­halb des Net­zes geschafft, und das sind in der Regel Neuschöp­fun­gen, die eine Lücke im Wortschatz füllen (bloggen, twit­tern, etc.) und keine, die Beste­hen­des ver­drän­gen. Aber die Zeit wird zeigen, ob AS oder ich hier recht behal­ten.
    Und noch ein drit­ter Punkt: Mir ist aufge­fall­en, daß dieser Artikel und auch der let­zte über die Hege­manie unter ein­er CC-Lizenz ste­hen. Ist das eine bewußte Entschei­dung, um ein State­ment bezüglich des Inhalts zu set­zen, oder ist geplant, in Zukun­ft alle Artikel im Sprachlog unter CC BY-NC-SA zu stellen?

  4. A_Sevik

    Hege­mann-Inter­view
    Vie­len Dank für diesen Text! Es lässt mich schmun­zeln, dass ich als “Sprach­schöpfer” deklar­i­ert werde. Dabei war das für mich nur ein weit­eres Twit­ter-Mem.
    Ich möchte hier noch auf das Küchen­ra­dio-Inter­view mit der Hege­mann hin­weisen, das im April 2009 aufgenom­men wurde. Darin erzählt sie unter anderem, was ihre “Pläne” für “die Zukun­ft” sind.
    Inter­es­sant daran finde ich, wie sie sich aus­drückt. Auf mich wirkt sie altk­lug und selb­stver­liebt.
    { http://www.kuechenradio.org/wp/?p=379 }

  5. Gareth

    hege­man­nen ist doch mal ein schönes Verb! Gefällt mir. Allerd­ings nicht als Prä­fixverb.

  6. Jan Wohlgemuth

    > die völ­lige Abwe­sen­heit eines Unrechts­be­wusst­seins
    … find­et sich übri­gens auch bei manchem uni­ver­sitären Pla­gia­tor.
    > Hege­man­nie
    klingt außer­dem noch so schön nach ‘Hege­monie’, die ihr wohl etwas zu vor­eilig ange­tan wurde

  7. Echtzeit-Online

    Hege­mann auf ein Weit­eresIch will die Pla­giats-Diskus­sion um Helene Hege­mann nicht um eine immer­gle­iche weit­ere Runde verlängern. Ich möchte aber gerne auf den orig­inellen Blog-Ein­trag Die Spiegelung eines Pla­giats in der Erschaf­fung von ¶rtern von Ana­tol Ste­fanow­itsch in Wiss

  8. KRichard

    Jugend schützt
    Man sollte der Autorin ihr Alter zu Gute hal­ten. Mit 17 kann man eben nicht alle Geset­ze und Fall­stricke ken­nen. Das soll keine Entschuldigung sein, aber in diesem Alter ist man ein­fach noch nicht per­fekt — und macht daher Fehler.
    Beden­klich­er ist allerd­ings die Reak­tion von ´Profis´, welche sich sehr gut mit dem Urhe­ber­recht ausken­nen müssten. Wenn hier der Pla­giatsvor­wurf ver­harm­lost wird, dann habe ich den Ein­druck, dass man gezielt einen ´Skan­dal´ fördert/hoch puscht, um auf diese Weise öffentlich­es Auf­se­hen zu erre­gen => kosten­lose Wer­bung, für die Buchmesse.
    Das ist das Prinzip DSDS, man muss nicht gut sein — son­dern man nuss nur für einen kleinen ´Skan­dal´ gut sein — oder was als solch­er hochge­puscht wird: Das bringt Schlagzeilen.

  9. Patrick Schulz

    @KRichard
    Aber selb­st von ein­er 17jährigen mit Tal­ent kann man erwrten, dass Sie sich ihre Fehler eingeste­ht und aus ihnen lernt. Soweit ich das bish­er überblicke, gelang ihr soweit keines von bei­dem.
    BTW.
    Ich würde “(ich habe) hege­man­nt” als he-ge-man­nt seg­men­tieren, in Analo­gie zu aus-ge-rech­net. Das ganze ist natür­lich ein starkes Verb -> heman­nen, hemint, hege­man­nen und ist ety­mol­o­gisch aus dem Wort Häme (Spott mit starkem Anteil an Schaden­freude; zynis­che Polemik, cf) abgelit­ten 😉

  10. David

    Und was bleibt?
    Vor allem bleibt, egal wie man an das The­ma range­ht, etwas hän­gen. Und das ist der Name. Schon Microsoft set­zt seit etlichen erfol­gre­ich auf die pro­fane Mar­ket­ing­weisheit “only no news is bad news”. Von daher: Mis­sion accom­plished.

  11. Wolf

    Hype des Hypes
    Spon­tan fällt mir die Wortschöp­fung “ver­hiped” ein, mit ein­er pasenden Ähn­lichkeit zu “ver­heizt”.
    In der Hitze der Hege­mann- Ver­hipung scheint den Erregten ent­gan­gen zu sein, dass in der Lit­er­aturgeschichte etliche Pla­giate zu find­en sind. Nur nen­nt man das, wenn es ange­se­hene Autoren bet­rifft etwas vornehmer.
    Ich gehe mal davon aus, dass nur wenige Hege­mann-Ver­hiper bei­de Büch­er ken­nen. Bis auf zwei iden­tis­che Sätze, existieren lediglich einige Sätze mit ungewöhn­lich­er iden­tis­ch­er Wortschöp­fung, die man mit einiger Phan­tasie zu Pla­giat­en deklar­i­eren kann, aber nicht muss. Die voll­ständi­ger Liste plagi­iert­er Wort- und Satzschöp­fun­gen dürfte knapp eine Buch­seite füllen.
    Wer Har­ald Schmidts ange­blich devote Lob­hudelei kri­tisiert, hat vor lauter Hege­mann- Erre­gung offen­sichtlich die Zwis­chen­töne ver­passt, beispiel­sweise wie Schmidt es schaffte, der Pro­tag­o­nistin den Satz zu ent­lock­en, die Sprache ihres “Romans” entspräche gar nicht ihrer Aus­druck­sweise.
    Die non­ver­bale Kom­mu­nika­tion bei­der Gesprächspart­ner war köstlich!
    In diesem Gespräch lief Schmidt endlich mal wieder zur Höch­st­form auf und ent­larvte Beck­mann, Kern­er und andere Buch- und CD- Verkäufer, schliesslich sich selb­st mit der Tat­sache, dass sich im TV wirk­lich jed­er Mist ver­hipen lässt. Eine der witzig­sten Sendun­gen, die mich mit dem son­st so teu­tonisch plat­ten Erk­lär­fernse­hen einiger­maßen ver­söh­nte.
    Natür­lich lese ich Hege­mann. Die Frau steckt voller wilder Ideen, die sie im Namen der Frei­heit der Kun­st gefäl­ligst ausleben und pro­duzieren soll. Nach dem hefti­gen Gezeter von dort, möglichst fern der aus­ge­trete­nen Pfade des Kun­st- und Lit­er­aturbe­triebes.

  12. Frank Oswalt

    @Wolf:

    In der Hitze der Hege­mann- Ver­hipung scheint den Erregten ent­gan­gen zu sein, dass in der Lit­er­aturgeschichte etliche Pla­giate zu find­en sind. Nur nen­nt man das, wenn es ange­se­hene Autoren bet­rifft etwas vornehmer.

    Durch ständi­ge Wieder­hol­ung wird das nicht zu ein­er Entschuldigung. Der Siebzehn­jährige, der sich Musik aus dem Inter­net herun­ter­läd, darf das vor Gericht auch nicht damit recht­fer­ti­gen, dass das andere auch getan haben.

    Ich gehe mal davon aus, dass nur wenige Hege­mann-Ver­hiper bei­de Büch­er ken­nen. Bis auf zwei iden­tis­che Sätze, existieren lediglich einige Sätze mit ungewöhn­lich­er iden­tis­ch­er Wortschöp­fung, die man mit einiger Phan­tasie zu Pla­giat­en deklar­i­eren kann, aber nicht muss.

    Das stimmt nicht. Die Lis­ten, die es jet­zt gibt, zeigen nur die Ähn­lichkeit­en zwis­chen Hege­manns Pla­giat und Airens Orig­i­nal, und das sind deut­lich mehr als zwei Sätze und ein paar Wortschöp­fun­gen. Phan­tasie braucht man nicht, um das zu erken­nen.

    Die voll­ständi­ger Liste plagi­iert­er Wort- und Satzschöp­fun­gen dürfte knapp eine Buch­seite füllen.

    Das stimmt schon jet­zt nicht, und das volle Aus­maß des Pla­giats wird erst deut­lich wer­den, wenn die näch­ste Auflage des Buch­es erscheint. Denn bis­lang sind auf der Liste der plagi­ierten (Ab-)Sätze auss­chließlich die, die Hege­mann von Airen abgeschrieben hat, Ull­stein hat sich aber nach eigen­er Aus­sage mit den Urhe­bern (Mehrzahl) geeinigt.

    Wer Har­ald Schmidts ange­blich devote Lob­hudelei kri­tisiert, hat vor lauter Hege­mann- Erre­gung offen­sichtlich die Zwis­chen­töne ver­passt … Die non­ver­bale Kom­mu­nika­tion bei­der Gesprächspart­ner war köstlich … In diesem Gespräch lief Schmidt endlich mal wieder zur Höch­st­form auf

    Dann haben Sie nihct dieselbe Sendung gese­hen wie ich.

    Natür­lich lese ich Hege­mann.

    Natür­lich.
    Viel Spaß dabei.

    Die Frau steckt voller wilder Ideen,

    Erset­zten Sie “wilder” durch “wirrer”, dann kom­men Sie der Sache näher.

    die sie im Namen der Frei­heit der Kun­st gefäl­ligst ausleben und pro­duzieren soll. Nach dem hefti­gen Gezeter von dort, möglichst fern der aus­ge­trete­nen Pfade des Kun­st- und Lit­er­aturbe­triebes.

    Da stimme ich Ihnen zu. Ab besten ganz, ganz fern. Möglichst so fern, dass es nie­mand mit­bekommt.

  13. Stefan

    Methodik
    Sehr inter­es­sante Beobach­tun­gen. Darf ich fra­gen, ob Sie zufäl­lig über die Wort­for­men gestolpert sind und diese dann recher­chiert haben? Das heißt, was ich mich frage, ist, wie Sie diese Wort­neuschöp­fun­gen gefun­den haben. Denn Twit­ter ist ja nun doch … groß.

  14. Anatol Stefanowitsch

    Lizen­zen, Ety­molo­gie, Methodik
    @kreetrapper: Die CC-BY-NC-SA-Lizenz ist zunächst ein bewusstes State­ment bezüglich des Inhaltes, aber auch ein Exper­i­ment; ob ich das in Zukun­ft durchgängig mache, weiß ich noch nicht, aber auf jeden Fall werde ich mit den unter­schiedlichen Lizen­zen herum­spie­len. Auf Anfrage habe ich übri­gens schon immer Beiträge unter CC-Lizen­zen freigegeben (z.B. zur Über­set­zung).
    @Patrick Schulz: Die For­men überzeu­gen mich, aber ety­mol­o­gisch muss doch auch Pro­to-Germ. *kham­janan „ein­fan­gen, anbinden“ eine Rolle spie­len — beim Heman­nen fängt man ja frei im Inter­net lebende For­mulierun­gen ein und führt sie ein­er kom­merziellen Ver­w­er­tung zu.
    @Stefan: Ich habe die For­mulierung „ge-Hege­man­nt“ in dem zitierten Kom­men­tar im Blog von Ste­fan Nigge­meier gele­sen und dann Hypothe­sen über weit­ere mögliche Wortschöp­fun­gen aufgestellt. Über Google habe ich dann haupt­säch­lich Tre­f­fer in Twit­ter gefun­den und daraufhin auch noch die Twit­ter-Suche bemüht.

  15. Michael Khan

    > “den Mölle­mann machen”
    Was darf ich mir denn darunter vorstellen? Ist das etwa ein neuer Fach­be­griff in der Fallschirm­springer­szene?

  16. Wolf

    Wert­er Frank Oswalt,
    Sie haben die Möglichkeit bis Don­ner­stag dieser Woche die Sendung nachzuse­hen: Har­ald Schmidt — let­zte Sendung
    Darin ent­deck­en Sie auch den schö­nen, von mir bere­its erwäh­n­ten Hege­mann-Satz.
    Vielle­icht acht­en Sie auch mal, jen­seits aller Erre­gung auf die non­ver­balen Fein­heit­en dieses Gesprächs und die Lust des Meis­ters an intel­li­gen­ter Pro­voka­tion, die nicht nur der Autorin gewid­met war (“Sie soll­ten Ihr Buch mal lesen”), son­dern ins­beson­dere der eifer­süchti­gen Lit­er­atenge­meinde.
    Jeden­falls empfinde ich das so. Zumal er offen­sichtlich ins Schwarze traf.
    Hege­mann oder deren Ghost­writer sam­melten sich­er einige bunte Bausteine, die unbeachtet am Weges­rand einíger Blogs liegen und kreierten daraus ein lit­er­arisches Gericht, dass natür­lich nicht jedem schmeck­en muss.
    Diese Vorge­hensweise zieht sich jedoch durch die gesamte Kun­st­geschichte und wird bei genehmen oder erst, in späteren Jahren erfol­gre­ichen Kün­stlern gern als Inspi­ra­tion, Inter­pre­ta­tion oder Vari­a­tion gese­hen. Die ‘Pla­gia­toren’ wan­deln sich dann nicht sel­ten in “Schüler von xyz” oder gener­ieren sog­ar eigene Inter­pre­ten.
    Ich vertrete die Auf­fas­sung, dass wir Frau Hege­mann nicht ablehnen, son­dern ihr ges­tat­ten soll­ten, ihren Weg zu find­en. Jung ist sie ja, unver­schämt genug, sich dem sat­uri­erten Weg zu ver­weigern auch. Das bewies sie schon mit ihrem schrä­gen Kinofilm.
    Allein die Tat­sache, dass das “Phänomen Hege­mann” jet­zt den Staub des gesamten Lit­er­aturbe­triebs aufwirbelt, beweist doch schon dessen Exis­tenz und die Notwendigkeit, dieses Exper­i­men­sts.

  17. Patrick Schulz

    @Michael Khan
    „den Mölle­mann“ machen heisst, dass man sich feige aus dem Staub macht und den finalen Ausweg benutzt, wenn einem der Boden zu heiß wird, anstatt für seine Fehler gradezuste­hen.
    Wobei, nicht, dass ich Mölle­mann posthum Unrecht tue, ich auch aus eigen­er Erfahrung weiß, wie schwierig hand­feste Depres­sio­nen in den Griff zu bekom­men sind…

  18. Gareth

    Wolf:

    Diese Vorge­hensweise zieht sich jedoch durch die gesamte Kun­st­geschichte

    Wenn ich dieses Pseu­do-Argu­ment noch häu­figer lesen muss, werde ich wom­öglich wahnsin­nig. Ich habe ja schon an ander­er Stelle auf diesem Blog ver­sucht, mit möglichst abstrusen Beispie­len zu zeigen, dass Tra­di­tion nichts legit­imiert. Ich wieder­hole mich gerne, damit auch Sie es ver­ste­hen: Jahrhun­derte­lange Tra­di­tion macht Sachen nicht bess­er oder schlechter. Sie ist ein Fakt, aber kein Argu­ment. Seit Jahrhun­derten wer­den Juden in Europa ver­fol­gt, was diese Tra­di­tion nicht löblich macht. Seit Jahrtausenden wird Akupunk­tur in Asien betrieben, was ihre Wirk­samkeit nicht wis­senschaftlich nach­weis­bar macht usw. Ich lasse mich gerne auf eine Diskus­sion ein, unter der Voraus­set­zung, dass der Hege­mann-Fan­club auch mal ein Argu­ment auf Lager hat.

    Ich vertrete die Auf­fas­sung, dass wir Frau Hege­mann nicht ablehnen, son­dern ihr ges­tat­ten soll­ten, ihren Weg zu find­en. Jung ist sie ja, unver­schämt genug, sich dem sat­uri­erten Weg zu ver­weigern auch.

    So oder so ähn­lich klänge dann sich­er auch die Lau­da­tio in Leipzig. Frau Hege­mann hat sich ihr Buch also nicht bei anderen Autoren zusam­mengeklaut, son­dern sich lediglich in ihrer jugendlichen Unver­schämtheit dem ‘sat­uri­erten’ Weg ver­weigert. Dass ich nicht lache. Eine roman­tisierende Verk­lärung des Tatbe­standes.

    die Lust des Meis­ters an intel­li­gen­ter Pro­voka­tion

    Ihre Analyse der Har­ald-Schmidt-Sendung basiert in nahezu bestechen­dem Maße auf unleug­baren Fak­ten.

  19. Frank Oswalt

    @Wolf

    Sie haben die Möglichkeit bis Don­ner­stag dieser Woche die Sendung nachzuse­hen

    Danke, ein­mal reicht mir völ­lig.

    Hege­mann oder deren Ghost­writer sam­melten sich­er einige bunte Bausteine, die unbeachtet am Weges­rand einíger Blogs liegen

    Erstens: Blog­texte sind kein Frei­bier.
    Da Sie das offen­sichtlich glauben, ver­mute ich mal: Sie sind Jour­nal­ist.
    Zweit­ens: Die “bun­ten Bausteine” stam­men aus einem veröf­fentlicht­en Buch.
    Und dann noch:

    Diese Vorge­hensweise zieht sich jedoch durch die gesamte Kun­st­geschichte

    und:

    Jung ist sie ja, unver­schämt genug, sich dem sat­uri­erten Weg zu ver­weigern auch.

    Log­ic: ur doing it wrong.
    Entwed­er Hege­manns Vorge­hensweise “zieht sich durch die gesamte Kun­st­geschichte” oder sie “ver­weigert sich dem sat­uri­erten Weg” — bei­des geht wohl nicht.
    Ich ver­mute mal: Sie sind Jour­nal­ist.
    (Hat­te ich das schon gesagt?)

  20. Helmut Kröger

    wenn — dann
    WENN
    — “hege­man­nen”: “dreist abpin­nen”
    DANN
    — “mölle­man­nen”, “barscheln”, “lafontain­isieren”: “sich aus dem Staub machen”
    — “merkeln”: “aus­sitzen”, “keine Entschei­dun­gen tre­f­fen”
    — “west­er­wellern”: “per­ma­nent Blödsinn abson­dern”
    — “fdplern”: “heute so, mor­gen so”
    — “spdlern”: “schwächeln”
    — “oet­tingieren”: “schwä­beln”

  21. Achim

    geht weit­er
    1. ste­ht nebe­nan bei Sören Schewe:

    Damit Ihr, liebe Leser, nicht glaubt, ich hätte beim obi­gen Zitat die Hege­mann gemacht

    (Fipptehler kor­rigiert).
    2.
    gen­sch­ern = gehört in den Kon­text “Dop­pelkopf” und beze­ich­net die Regel­vari­ante, dass der Spiel­er mit den bei­den Karo-Zehnen auf der Hand sich bei der Abrech­nung aus­suchen darf, wer denn der Part­ner ist.

  22. Peer

    @Wolf
    “Bis auf zwei iden­tis­che Sätze, existieren lediglich einige Sätze mit ungewöhn­lich­er iden­tis­ch­er Wortschöp­fung, die man mit einiger Phan­tasie zu Pla­giat­en deklar­i­eren kann, aber nicht muss. Die voll­ständi­ger Liste plagi­iert­er Wort- und Satzschöp­fun­gen dürfte knapp eine Buch­seite füllen.”
    Zum Glück kann man solche Behaup­tun­gen ja jet­zt im Inter­net über­prüfen. Da stellt man fest: Es war deut­lich mehr! Ich ver­mute mal Jour­nal­is­ten haben deshalb was gegens Inter­net, weil man deren Unsinn jet­zt bess­er über­prüfen kann (siehe Bild­blog)…
    Pla­giate kann man dank Inter­net jeden­falls deut­lich bess­er über­führen als früher. Pech für Frau Hege­mann, aber Glück für die Geschädigten.

  23. H.M.Voynich

    Hege­manie
    “Während die Kon­t­a­m­i­na­tion (…) aus Hege­mann und Manie/Mania außer­halb des aktuellen Fall­es keinen Anwen­dungs­bere­ich hat …”
    Hege­manie: geistige Klep­tomanie
    Die Wikipedia schreibt 2012 dazu:
    “Auf­grund dieses nur schein­baren Wider­spruchs (Ver­mö­genslage des Pla­gia­tors – geringer Wert des geisti­gen Diebesgutes) wird immer wieder argu­men­tiert, es könne (es müsse) doch eine Art von psy­chis­ch­er Störung zugrunde liegen. Nahezu unver­mei­dlich wird dann der Begriff Hege­manie ins Spiel gebracht. Gerichte und die foren­sis­che Psy­chi­a­trie fordern jedoch den expliziten Nach­weis anerkan­nter psy­chis­ch­er Störun­gen, um bei geisti­gen Dieb­stählen (wie bei allen anderen Straftat­en auch) die strafrechtliche Schuld­fähigkeit als gemindert oder aufge­hoben einzustufen.”

  24. David

    he(ge)mannen
    Ich schließe mich der Auf­fas­sung von Patrick Schulz an, was die Form des Verbs mit dem Par­tizip “hege­man­nt” anbe­langt. Dafür spricht, daß es im Deutschen all­ge­mein nicht die Anwe­sen­heit eines Prä­fix zu sein scheint, die das Aus­bleiben des “ge-” am Par­tizip her­vor­ruft, son­dern die Unbe­ton­theit der ersten Silbe des Stammes. Das zeigt sich daran, daß das “ge-” auch bei Ver­ben wie “studieren”, “spazieren”, “genieren” aus­bleibt, die keine Prä­fixver­ben sind. Daß “ge-” bei Prä­fixver­ben aus­bleibt ergibt sich dann all­ge­mein aus der Unbe­ton­theit von Prä­fix­en.
    Da man “hege­man­nen” und “hege­man­nt” “hége­man­nen” bzw. “hége­man­nt” ausspricht, müßte das “ge-” am Par­tizip bei diesen Ver­ben auftreten (Falls die Regel stimmt, natür­lich; aber meine Intu­ition, und wohl auch die von P. Schulz, stützt die Regel hier voll und ganz). Sys­tem­a­tisch ließe sich sein Aus­bleiben nur erk­lären, indem man wie Patrick Schulz die Infini­tiv­form “heman­nen”, mit “he” als Ver­bzusatz annimmt.
    Ver­mut­lich, weil der voll­ständi­ge Name somit in den Nicht-Partzip­for­men gar nicht mehr aufträte, wurde von dieser Vari­ante ja auch anscheinend schnell Abstand genom­men.

  25. Uwe Friesel

    Mach mir nicht die Hege­mann!”
    – schon deshalb nicht, weil der Ver­gle­ich mit Brecht, der sich ja auch des öfteren mit frem­den Fed­ern geschmückt, sprich, textlich bei anderen bedi­ent habe, bei dieser rotzfrechen jun­gen Dame gewollt in die Irre führt.
    Doch das Geschäft will sich Ull­stein offen­bar nicht mehr aus der Hand schla­gen lassen, und die Leipziger Buchmesse, Wiege des deutschen Urhe­ber­rechts, soll dazu auch noch Schützen­hil­fe leis­ten. Geistiges Eigen­tum nur noch ein Trep­pen­witz? Wo leben wir eigentlich?

  26. Jens

    Prä­fix- und andere Ver­ben
    …reich­lich spät, aber trotz­dem:
    Es ist bei den genan­nten Ver­ben nicht die unbe­tonte erste Silbe, die das “ge-“Flexiv unter­drückt, son­dern das “-ieren”-Suffix. Es gibt keine Ver­ben, die auf “-ieren” enden und ein Par­tizip mit “ge-” bilden. Das ist die Regel. Das Missver­ständ­nis set­zt aber schon im Blog-Text an:
    “Inter­es­sant ist, dass das Verb für A_Sevik offen­sichtlich ein Prä­fixverb ist [hege + man­nen], denn son­st müsste das Par­tizip gehege­man­nt statt nur hege­man­nt heißen.”
    Als Par­tikelverb müsste es “hege-ge-man­nt” heißen, wie “ab-ge-schossen” oder “fahrrad-ge-fahren”. Nur als Sim­plex(= nicht segmentierbares)verb wäre das Par­tizip “ge-hege­man­nt”.

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