Die Völkerwanderung war kein Vatertagsausflug: Über 60 Wörter auf –in

Dies ist ein Beitrag, den ich ungefähr ein Jahr lang bewusst nicht geschrieben habe, obwohl es mich manchmal in den Fingern gejuckt hat. Es geht um das Kleine Etymologicum und wie ich darin mit Menschen umgehe. Es geht um Langobardinnen, die auch männlich sein können. Es geht um … (Achtung, Reizwort!) … geschlechtergerechte Sprache.

Viele Leute kennen die Fußnote auf Seite 11, selbst wenn ihnen das Buch offensichtlich unbekannt ist (Achtung, Link geht zur Jungen Freiheit!) — ich rufe kurz in Erinnerung:

Bei generischer Verwendung von Personenbezeichnungen (wenn keine konkreten Individuen gemeint sind) wird in diesem Buch die weibliche oder die männliche Form gebraucht. Die Zuweisung erfolgt per Zufall, über eine randomisierte Liste. Gemeint sind aber immer alle Menschen, egal welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlen (oder ob sie das überhaupt tun). Auch die Fälle, in denen unklar war, ob beide Geschlechter gemeint sind, wurden großzügig den generischen Bezeichnungen zugeschlagen. Sie werden im Folgenden also auf Vorfahrinnen, Griechinnen, Lexikografinnen … stoßen, die alle Nicht-Frauen mitmeinen – und auf Ahnen, Goten und Sprachwissenschaftler, die die Nicht-Männer einschließen.

Für die Reflexempörten aus dem Link schreibe ich nicht — ich schreibe für diejenigen Leserinnen und Leser, die mir in den vergangenen Monaten E-Mails und Briefe (und erstaunlich oft an E-Mails angehängte Briefe) geschickt haben. Sehr höfliche Nachrichten waren das, durchgehend, mit vielen interessanten Anmerkungen, viel Lob, gelegentlich mal mit Hinweisen auf Tippfehler (in der vielfach verbesserten 2. Auflage fast alle ausgemerzt, herzlichen Dank!) und am Ende dann gelegentlich mit der Frage, Weiterlesen


Blogspektrogramm 10/2015

Sonntag, Spektrogrammtag! Wir haben heute Links zu Manspreading, zu einem ganz exzellenten Buch, Kriegsmetaphern, Korpuslinguistik für Nachrichtendienste, zu vielen Spielen und einer ungewöhnlichen Österreichkarte — und los geht's: Manslamming, Mansplaining, Manspreading — Auf LAUT & LUISE widmet sich Luise Pusch amerikanischen Neubildungen, die ein bestimmtes Verhalten von Männern (gegenüber Frauen) thematisieren: »Das Eigenwillige und Regelwidrige […]


Wie man gefühlte Paprika stellen kann: Minimalpaare

Kürzlich hat eine koreanische Austauschstudentin nach der Sprechstunde bei mir Notizen aus einem Deutschkurs vergessen. Als ich das Blatt beiseitelegte, sah ich eine sehr schöne Notiz: die gefüllte Paprika gefühlte Grade eben hab ich die Suchanfragen durchgeblättert, die zum Sprachlog führen1 und dabei etwas ganz Ähnliches gefunden: wortpaare stellen stehlen An diesen beiden Wortpaaren erkläre […]


Blogspektrogramm 9/2015

Tag der Muttersprache, Soziolinguistik, Speisekarten, Comics und korrupter Bankrott? Was das alles miteinander zu hat, lesen Sie heute im geruhsamen Spektrogramm: Gestern war „Internationaler Tag der Muttersprache“ — dass es dabei überwiegend um bedrohte und nicht die deutsche Mehrheits-, Bildungs– und Verkehrssprache geht, hat erwähnenswert aufgegriffen unter anderem Nedad Memić mit einem Artikel in der WIENER […]


Blogspektrogramm 8/2015

Heute als Konkurrenz zum Abendprogramm: Fünf Links zu Unwörtern, vermeintlichen Fehlern, politischer Korrektheit und Fastnacht. Viel Spaß beim Lesen! Unter anderem um die Bezeichnung Dönermorde geht es in einem Artikel von Torsten Landsberg in der NZZ: »Exemplarisch für die Leistung vieler Medien zu jener Zeit steht heute ein Begriff: «Dönermorde». Sein Ursprung zeigt auf, wie die […]


Blogspektrogramm 7/2015

Neuerdings haben wir ja immer so viel Material, dass wir langweilige Sprachuntergangsapokalypsen gar nicht mehr verlinken müssen. Heute also Selbstreflexives zu „Blackfacing“, unfassbare Grammatikpedanz bei Wikipedia und erfrischendes zu Anführungszeichen. Dazu ein Veranstaltungshinweis für Berliner/innen — und wie Sie sich darauf vorbereiten können: Im DEUTSCHLANDRADIO KULTUR nimmt sich Joachim Dicks unseren Anglizismus des Jahres zum […]


Blogspektrogramm 6/2015

Warum sind Emoji so nützlich? Wie kommen Lehnwörter ins Deutsche? Warum klingen Sprachen rhythmisch so unterschiedlich? Wie war das noch mit dem generischen Maskulinum? Und was ist der Unterschied zwischen sexueller und sexualisierter Gewalt? Fünf Fragen, fünf Antworten im heutigen Spektrogramm: Das Emoji hatte zwar keine Chancen beim Anglizismus des Jahres — zum Trost schreibt Julia […]


Laudatio für den Anglizismus des Jahres 2014: Blackfacing

Anders als beim Wort des Jahres und beim Unwort des Jahres geht es bei unserer Wörterwahl nicht darum, ein Wort zu finden, das das vergangene Jahr im positiven oder negativen Sinne charakterisiert. Stattdessen wählen wir ein englisches Lehnwort, das eine interessante Lücke im Wortschatz des Deutschen füllt und das sich (deshalb) messbar im allgemeinen Sprachgebrauch […]


Blogspektrogramm 4/2015

Bevor Sie sich von der bunten Liste mit Widerworten an Pegida-Versteher/innen, seltsamen phonetischen Phänomenen, Markennamen und linguistischen Aspekten bei Charlie Hebdo ablenken lassen, erinnern wir Sie an Ihre Wahlpflicht: Beim Anglizismus des Jahres läuft noch bis morgen Mittag die Publikumsabstimmung, bei der Sie Ihren Favoriten auf den Titel „Publikumsliebling 2014“ wählen können. Wer vor dem […]


Sexting [Kandidaten für den Anglizismus 2014]

Der letze Wortkandidat auf der Shortlist für unseren Anglizismus des Jahres 2014 bezeichnet die schönste Nebensache der Welt 2.0: Sexting – das Versenden von Texten und erotischen Selfies. Sehen wir uns an, ob dieses Wort den Ansprüchen unseres Wettbewerbs standhält und vielleicht sogar in letzter Minute an Social Freezing, Phablet, Big Data, Internet of Things, Smartwatch, Photobombing, […]