Blogspektrogramm 46/2016

Das heutige Spektrogramm bringt eher anstrengendere Themen — nichtsdestotrotz sind unsere Links über die US-Wahl, typografische Einbürgerungshindernisse, Kommunikationsprobleme beim Brexit und luxemburgischen Nationalismus lesens– und hörenswert.

  • Der Lexikograph Ben Zimmer hat mit WNYC über Wörter gesprochen, die den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf geprägt haben (Audio, Englisch): whitelash, rigged, big league, deplorables, nasty woman etc.
  • Wenn man einen Namen falsch schreibt, reagieren die NamenträgerInnen oft emotional — als "Kristin mit K und ohne e" weiß ich das bestens. Mit einem wesentlich problematischeren Fall hat es Robert Matešić zu tun, über den DAS MAGAZIN berichtet — ein ganzer Staat ist typografisch gegen ihn: »Mit dem Lineal zieht er einen Strich durch seinen Namen und schreibt ihn in Druckbuchstaben auf die gepunktete Linie:M a t e š i ć. Ausgesprochen: Ma-te-schitsch. Gefehlt hat das aufsteigende Strichlein, der Akut, über dem c. Bitte kontrollieren Sie die Daten genau, hiess es im Schreiben des Zivilstandsamts der Stadt Zürich. Mit Ihrer Unterschrift bestätigen Sie die Richtigkeit Ihrer Angaben. […] Es geht um […] seine Einbürgerung. Zum Glück, denkt er, hat er den Fehler noch rechtzeitig entdeckt.«
  • Nein, nein und noch mal nein! Für BBC Radio 4 geht Damien McGuinness auf höflichkeitsbedingte Kommunikationsprobleme ein (Audio, Englisch).
  • Vor ein paar Jahren war "Deutsch ins Grundgesetz" in Deutschland ein Thema, aktuell streitet man in Luxemburg darüber, ob Luxemburgisch erste Amtssprache werden soll. Dabei ist die Sprache nur Stellvertreterin für Nationalismus, sagt Danielle Igniti zu RADIO 100,7: »Si wëllen d’Land splécken a Lëtzebuerger, déi Lëtzebuergesch schwätzen, an an Auslänner, déi mussen ausgegrenzt ginn. D’Lëtzebuerger Sprooch gëtt e Mëttel zum Zweck fir ultra-nationalistesch Aktivisten, déi de Lëtzebuerger hir irrational Ängschten ausnotzen an zur ethnescher Säuberung opruffen. De Feind ass den Auslänner — ob en elo Lëtzebuergesch kann oder net, ass am Fong net méi wichteg.« (Ein kurzer Text auf Deutsch mit den groben Rahmeninfos finden sich hier.)

Jugend schützt vor Wortheit nicht

Das Jugendwörterbuch-des-Jahres-Werbewort 2016 wurde eben bekannt gegeben. Wie auch in den letzten Jahren (2013, 2014, 2015) sind dem Sprachlog die Aufzeichnungen der Beratungen aus den Redaktionsräumen des Wörterbuchverlags Schlangeneidt zugespielt worden, die wir im Folgenden ungekürzt veröffentlichen. Im Büro von DR. WORTWISPERER, Oberlexikograf des Wörterbuchverlags Schlangeneidt in München. Anwesend sind OBERLEXIKOGRAF DR. WILLHELM WORTWISPERER und […]


Blogspektrogramm 42/2016

Sonntag, Spektrogrammtag (manchmal)! Heute gibt's soziale Medien, Liebesbriefe, Gendersterne, Wortgeschichten und Definitartikel. Viel Spaß allerseits! Anatol hat für das Wissenschaftsmagazin FUNDIERT der FU aufgeschrieben, wie soziale Medien Sprache verändern — Spoiler: nicht allzu sehr, aber im Wortschatz schlagen sie sich schon nieder:  »Manchmal gibt es sogar mehrere Wörter, die feine Bedeutungsunterscheidungen treffen. So bezeichnet twittern […]


Von Gräten und Grenzen

Letzte Woche ging's ja schon los mit der Auflösung des Etymologierätsels — die nächsten beiden Wortpaare verraten Spannendes über Siedlungsgeschichte und Kriegsführung: Gräte und Grenze Die Gräte ist ein alter Plural von Grat. So wie Bart — Bärte ging im Mittelhochdeutschen (1050–1350) auch Grat — Gräte. Das Wort hatte einen recht breiten Bedeutungsumfang, darunter 'Rückgrat, […]


Akrobatischer Advent

Unser letztes Donnerstagsrätsel wartet noch auf Auflösung. Gefordert war die paarweise etymologische Verbindung aus dem folgenden Worthaufen: In den Kommentaren wurde fleißig und zumeist auch richtig geraten. Für alle, die dazu keine Lust hatten, vollziehe ich die Windungen aber heute und in den nächsten Tagen noch einmal kurz nach, bevor ich zur Siegerehrung schreite. Los […]


Das dass, dass ein das ist

Ich habe nun auch endlich angefangen, auf dem Handy mit Wischgesten zu "tippen": Man zieht den Finger einfach nur über die entsprechenden Buchstaben, statt jeden einzeln anzutippen, und die Tastaturapp rät, was gemeint ist. Das klappt insgesamt sehr gut, auch wenn ich jetzt dauernd darüber nachdenke, ob das Wort bekannt ist oder nicht — wenn […]


Blogspektrogramm 33/2016

Ein Link zu 1 Phänomen (zwei, eigentlich), Niggemeier über Kopp-Verlag und VDS, historische Vorstellungen davon, was Sprache eigentlich ist und Vorstellungen davon, wie Stimmen in der Politik zu klingen haben — der Sonntag ist gerettet! Nadja Schlüter hat sich auf JETZT 1 Frage gestellt, nämlich die nach der Herkunft der 1. Sie vermutet, dass der […]


Donnerstagsrätsel: Akrobatische, unmoralische Grenadiere

Nicht nur Arbeit und Roboter haben eine unerwartet enge Beziehung, der deutsche Wortschatz ist voller solcher Kuriositäten. Und deshalb ist das Donnerstagsrätsel zurück: In der folgenden Wortwolke […] habe ich sprachliche Verwandte durcheinandergeworfen – immer zwei Wörter besitzen eine gemeinsame Wurzel. Welche gehören zusammen? Die Verwandtschaft kann ziemlich weit zurückgehen, weshalb der Bezug bei den […]


Blogspektrogramm 32/2016

Das heutige Spektrogramm ist randvoll mit Aussprachedatenbanken, der Ausbreitung rechter Slogans (thematisch benachbart dazu gibt's Kritik am VDS und eine Analyse von Trump-Tweets) und schließlich einem Einblick in die Hawaiianische Gebärdensprache. Insbesondere in Fernsehn und Radio bemüht man sich darum, auch Namen und seltenere Fremdwörter auszusprechen wie im Original. Dabei helfen Aussprachedatenbanken — die der […]


Das Erbe des Arbeitsroboters

Dieser Tage bin ich im frühneuhochdeutschen Wörterbuch auf den Eintrag ackerrobot 'Frondienst der Bauern' gestoßen. Das hat mich etwas aus dem Konzept gebracht: Es geht um Arbeit und das zweite Wort sieht quasi aus wie Roboter, Zufall wird das kaum sein. Nun kam der Roboter im 20. Jh. ins Deutsche, Frühneuhochdeutsch sprach man aber zwischen […]