Unwort des Jahres: Alternative Fakten

Die Sprachkritische Aktion hat gerade das Unwort des Jahres bekanntgegeben: alternative Fakten (PDF). Sie schließt sich damit sowohl der American Dialect Society an, die alternative facts zum Euphemism of the Year wählte (PDF), als auch der australischen Plain English Foundation für die es das Worst Word of the Year war (PDF).

Der Ausdruck ist nur einer von vielen fast schon hypnotisch postfaktischen Sprachmustern, die US-Präsident Trump und seine Gefolgschaft zum Standard des amerikanischen politischen Diskurses erhoben haben. Er stammt von Trumps Beraterin Kellyanne Conway, die ihn verwendete, um die Trump'sche Behauptung zu stützen, zu seiner Amtseinführung seien mehr Zuschauer/innen erschienen als zu der irgendeines anderen Präsidenten vor ihm.

Diese Behauptung, die sich durch Filmaufnahmen leicht als falsch entlarven ließ, wiederholte Trumps damaliger Pressesprecher Sean Spicer gleich bei seiner ersten Begegnung mit der amerikanischen Presse. Vom CNN-Moderator Chuck Todd darauf angesprochen, warum man die Zusammenarbeit mit der Presse mit einer Lüge beginne, antwortete Conway: „Sie nennen das eine Lüge. Unser Pressesprecher Sean Spicer lieferte aber alternative Fakten“. „Alternative Fakten sind keine Fakten“, erwiderte Todd. „Sie sind Lügen.“ Aber natürlich sind sie mehr als das – „alternative facts“ sind Lügen, mit denen eine offensichtliche und umfassend dokumentierte Wahrheiten solange bestritten wird, bis sich keiner mehr daran erinnert, was denn nun wirklich stimmt.

Die Trump-Regierung dominierte auch die englischsprachigen Wort-des-Jahres-Wahlen der letzten Jahre: in diesem Jahr wählten sowohl die American Dialect Society als auch die britischen Collins Dictionaries fake news zum Wort des Jahres (im letzten Jahr war das bereits der deutsche Anglizismus des Jahres und das Australische Macquarie Dictionary Word of the Year), im letzten Jahr war es dumpster fire („Müllcontainerbrand“) – eine Metapher unter anderem für den US-Präsidentschaftswahlkampf. Das britische Word-of-the-Year der Oxford Dictionaries war im letzten Jahr post truth.

Wenn der postfaktische Zugang zur Realität sich flächendeckend durchsetzt, kann wenigstens niemand sagen, die internationale Lexikografie hätte nicht davor gewarnt.


Wort des Jahres 2017: Jamaika-Aus

Jedes Jahr Anfang Dezember trifft sich die Gesellschaft für Deutsche Sprache, um das „Wort des Jahres“ zu wählen. Und jedes Jahr zeigt sich, dass den Mitgliedern der Jury erst in den Tagen unmittelbar vor diesem Treffen einfällt, dass sie vielleicht mal in eine Zeitung gucken sollten, um herauszufinden, was für Wörter es im Deutschen eigentlich […]


Verwortete Jugend

Das Jugendwort des Jahres ist i bims, was in der Logik des Wettbewerbs nur folgerichtig ist, weil es weder ein Wort ist, noch von Jugendlichen verwendet wird. Wie jedes Jahr sind uns auch diesmal wieder die Aufzeichnungen aus den Redaktionsräumen des Schlangeneidt-Verlags zugespielt worden, in denen Oberlexikograf Dr. Willhelm Wortwisperer und Assistenzoberlexikograf Siegfried Silbensäusler das […]


Blogspektrogramm 38/2017

Heute haben Sie Links zur Wahl, und man darf sogar mehr als zwei davon anklicken! Für unsere Schweizer LeserInnen, die nicht abstimmen dürfen, haben wir uns als Ersatz einen andere Beschäftigung ausgedacht. Und sonst noch? Wahlkampfsprache, Apostrophenhass und Farbwörter — viel Spaß! Mit dem Kulturradio vom RBB haben sich Anatol Stefanowitsch und Sebastian Pertsch über Wahlkampfsprache […]


Blogspektrogramm 35/2017

Das Spektrogramm lebt! Die aktuellen Links sind nicht mehr durchgehend taufrisch, aber Spaß kann man daran durchaus noch haben. Es geht heute um die Ehe für alle, Vongolisch, die vermeintliche Sprache des Volkes, scary Englisch in Berlin und darum, was ein Hochbauingenieur mit Hochdeutsch zu tun hat: Stefan Niggemeier ist für ÜBERMEDIEN dem Ursprung der Bezeichnung Ehe […]


Das Deppenleerzeichen gibt es nicht: Eine Art Replik

Ich habe kürzlich ein Gespräch mit Michel Winde von der dpa geführt — über Leerzeichen und Bindestriche in Komposita. Es ging dabei um sehr emotional besetzte Schreibungen wie z.B. Johannes Gutenberg-Universität dpa-Kindernachrichten Würfel Zucker Nun ist ein Artikel entstanden, in dem sich Spurenelemente des Interviews wiederfinden.1 Der Text nervt mich. Neben inhaltlichen Aspekten (dazu gleich mehr) […]


Laudatio zum Anglizismus des Jahres 2016: Fake News

Die Jury hat sich die Wahl zum Anglizismus des Jahres auch diesmal nicht leicht gemacht, aber mit Fake News gab es einen Kandidaten, der 2016 eine so plötzliche und massive Präsenz im öffentlichen Diskurs erlangt hat, dass es am Ende doch keine ernsthafte Alternative gab. Damit haben wir seit langem wieder einmal einen Anglizismus des […]


Unwort des Jahres 2016: Volksverräter.

Die „Sprachkritische Aktion“ hat gerade das Unwort des Jahres 2016 bekanntgegeben: Volksverräter. Damit setzt die Jury unter Leitung meiner Darmstädter Kollegin Nina Janich konsequent die Kritik an rechter und rechtes Handeln verharmlosender Sprache fort, die sie 2013 mit dem Unwort Sozialtourismus begonnen und seither mit Lügenpresse (2014) und Gutmensch (2015) fortgesetzt hat. Die zunehmende Normalisierung […]


Nafris (ein sprachwissenschaftliches Grünen-Seminar für Rainer Wendt)

Das Wort Nafri sorgt für heftige Debatten, seit die Kölner Polizei in der Silvesternacht 2016 über den Kurznachrichtendienst Twitter folgende Beschreibung ihres Vorgehens absetzte: #PolizeiNRW #Silvester2016 #SicherInKöln: Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft. Infos folgen. https://t.co/VYMQuT6B7u pic.twitter.com/cCVVdRwr9D — Polizei NRW K (@polizei_nrw_k) December 31, 2016 Die Diskussion wird, wie es in Deutschland leider üblich […]


Warum man Fake News nicht verbieten kann: Eine Fallstudie

Zufällig war ich heute auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken in den Schönhauser-Allee-Arkaden (einem Einkaufszentrum im Prenzlauer Berg), als der Eingang und die Straße und der U-Bahnhof vor dem Einkaufszentrum von der Polizei abgesperrt wurden. Ein freundlicher Beamter erklärte auf Nachfrage, dass man einen verdächtigen Gegenstand gefunden habe, der nun untersucht würde. Das wurde auch schnell […]