Blogspektrogramm 33/2016

Ein Link zu 1 Phänomen (zwei, eigentlich), Niggemeier über Kopp-Verlag und VDS, historische Vorstellungen davon, was Sprache eigentlich ist und Vorstellungen davon, wie Stimmen in der Politik zu klingen haben — der Sonntag ist gerettet!

  • Nadja Schlüter hat sich auf JETZT 1 Frage gestellt, nämlich die nach der Herkunft der 1. Sie vermutet, dass der Rapper Money Boy sie erfunden hat — die Erfahrung (und die Nachträge am Ende des Artikels) zeigt, dass so etwas meist nicht völlig aus dem Nichts kommt, aber was Money Boy zum Thema zu sagen hat, ist auf jeden Fall lesenswert: »Gibt keine Hintergründe meist ausser die Sprache immer fresh und neu und different zu keepen.« Interessant an der 1 ist, dass sie nicht nur die Vorkommen ersetzt, bei der sie mit der Aussprache übereinstimmt (Was ist das für 1 Life), sondern auch die, bei denen dadurch Kasus oder Genus nivelliert werden (Was ist das für 1 Frage?). Das ist kein reines Schriftphänomen, sondern findet sich ebenso, mit den gleichen sprachspielerischen Konnotationen, in der gesprochenen Sprache (Was ist das für ein Frage?). Insofern gleicht es 1 wenig dem gleichmacherischen nen.
  • Wer will, kann sich dafür auch 1 Chrome-Extension runterladen.
  • Letzten Sonntag haben wir einen Beitrag zur Causa VDS in F&L verlinkt. Über das Thema hat auch Stefan Niggemeier auf ÜBERMEDIEN geschrieben (der Link befand sich am Ende des verlinkten Blogposts) — was natürlich Reaktionen nach sich zog. Die gib's hier: »Der Text von Mähler ist faszinierend, weil er den ganzen Wahn enthält, der diese Szene antreibt. Bloßer Widerspruch wird zum Versuch hysterisiert, einen ganzen Verein „mundtot“ zu machen. Wenn der in den Medien allgegenwärtige Vorsitzende eines Vereins es sich gefallen lassen muss, dass ein paar Leute ihn kritisieren, bedeutet das schon, dass er zum „Staatsfeind“ erklärt wurde. Mehr braucht es nicht. Man könnte lachen über diese Leute, wenn es ihnen nicht so ernst wäre.«
  • Welches Image hat Sprache eigentlich so? Henning Lobin hat auf der ENGELBART-GALAXIS ein wenig in die Vergangenheit geblickt: »Sprache wird [im Mittelalter] nicht im Zusammenhang mit andere Kommunikationsmitteln betrachtet, sondern isoliert, die Beschreibung von Sprache orientiert sich an Regeln, und sprachliche Kommunikation wird als ein sich nach logischen Gesetzmäßigkeiten vollziehendes Geschehen rationalistisch überhöht. Wir sehen uns nun an, wie diese Grundtendenzen nach dem Ende des Mittelalters in die sich entwickelnde Sprachwissenschaft eingefloßen sind, es im 19. Jahrhundert aber auch verschiedene Abkehrversuche gegeben hat.«
  • Schon etwas älter, aber ich glaube, wir haben es noch nicht verlinkt: Debbie Cameron auf LANGUAGE. A FEMINIST GUIDE darüber, wie die Sprache von Politikerinnen wahrgenommen wird: »High pitch is associated not only with femaleness, but also with other characteristics which imply a lack of authority, such as immaturity (children have high-pitched voices) and emotional arousal (we ‘squeal’ with joy or fear, ‘shriek’ with excitement, ‘screech’ angrily). Saying that a woman’s voice is ‘shrill’ is also a code for ‘she’s not in control’.«

Donnerstagsrätsel: Akrobatische, unmoralische Grenadiere

Nicht nur Arbeit und Roboter haben eine unerwartet enge Beziehung, der deutsche Wortschatz ist voller solcher Kuriositäten. Und deshalb ist das Donnerstagsrätsel zurück: In der folgenden Wortwolke […] habe ich sprachliche Verwandte durcheinandergeworfen – immer zwei Wörter besitzen eine gemeinsame Wurzel. Welche gehören zusammen? Die Verwandtschaft kann ziemlich weit zurückgehen, weshalb der Bezug bei den […]


Blogspektrogramm 32/2016

Das heutige Spektrogramm ist randvoll mit Aussprachedatenbanken, der Ausbreitung rechter Slogans (thematisch benachbart dazu gibt's Kritik am VDS und eine Analyse von Trump-Tweets) und schließlich einem Einblick in die Hawaiianische Gebärdensprache. Insbesondere in Fernsehn und Radio bemüht man sich darum, auch Namen und seltenere Fremdwörter auszusprechen wie im Original. Dabei helfen Aussprachedatenbanken — die der […]


Das Erbe des Arbeitsroboters

Dieser Tage bin ich im frühneuhochdeutschen Wörterbuch auf den Eintrag ackerrobot 'Frondienst der Bauern' gestoßen. Das hat mich etwas aus dem Konzept gebracht: Es geht um Arbeit und das zweite Wort sieht quasi aus wie Roboter, Zufall wird das kaum sein. Nun kam der Roboter im 20. Jh. ins Deutsche, Frühneuhochdeutsch sprach man aber zwischen […]


Blogspektrogramm 29/2016

Hurra, hurra, das Spektrogramm ist wieder da! Heute gibt's Spracherkennungssoftware, eine Stoppuhr, ein paar Übersetzungprobleme und einen tragischen Fall quasi kollektiven moralischen Versagens in der Linguistik. Googles automatische Spracherkennung ist auf männliche Stimmen hin optimiert, stellt Rachael Tatman auf MAKING NOISE & HEARING THINGS fest, und das ist schlecht: »This is a real problem with […]


Blogspektrogramm 25/2016

Guten Morgen! Im Austausch gegen ein pünktliches Spektrogramm bieten wir Ihnen heute eine kleinere Auswahl, die Ihnen aber immerhin Emoji, Gerechte Sprache, Schimpfwörter und einen Generator bietet. Damit ist Ihre Zeit famos investiert. Viel Spaß! Das Unicode-Konsortium hat neue Emoji bereitgestellt und die Presse kann Anatol endlich neue Fragen dazu stellen: wie z.B. das DEUTSCHLANDRADIO — […]


Blogspektrogramm 23/2016

Das heutige Spektrogramm hat vier exklusive Links zu bieten: Zu neutralen Frauen, fu´ßballverdächtigen Familiennamen, crazy-ass Wortbildung und diskriminierender Typografie. Damit passt es vom Umfang her wunderbar ins noch verbleibende Restwochenende: Die Anna oder das Anna? Die RHEINPFALZ hat mit Julia Fritzinger darüber gesprochen, wo, wie und warum Frauennamen im Neutrum stehen: »„Es“ oder „et“, „das“ […]


Public Viewing Of Public Viewing

Gestern begann in Frankreich die Fußball-Europameisterschaft – mir wäre in den letzten Wochen vor lauter dissertieren gar nicht aufgefallen, wie schnell die EM auf uns zukommt, wenn, ja wenn nicht die Alerts von Google zu „Anglizismus“ voll mit „Leichenschauen“ gewesen wären. Traditionell haben wir zu Fußball-Großereignissen in den letzten Jahren eher gelangweilt einfach auf die Artikel […]


Blogspektrogramm 22/2016

Guten Morgen! Heute wieder volles Programm und interessantes und zum Nachdenken anregendes aus den Bereichen soziale Variation, Migration & Übersetzung, Synchronisation, historische Semantik und Mohammed Alis Beitrag zur Poesie. Viel Spaß und einen zauberhaften Sonntag! Anatol war bei RADIO1 gefragt zu „Synchrongeschaeft in Deutschland unter Druck“ (28.05.2016, ab 30'37''), was Synchronisation mit Fremdsprachenkenntnissen zu tun […]


Blogspektrogramm 21/2016

Unser heutiges Blogspektrogramm kommt gleich beim ersten Link vom Kurs ab, um etwas über französische Verneinung zu erzählen, findet dann aber wieder zurück zu Sprachpflege der besonderen Art, verräterischen Buchstaben, schlechtem Geschmack und f–. Viel Spaß! Wie kam das Vergissmeinnicht zu seiner Bezeichnung? Stephan Bopp hat's auf FRAGEN SIE DR. BOPP zusammengetragen. Besonders spannend: »Ebenfalls im […]