Die Deutsche Bahn, Bewahrerin der englischen Sprache

Ich bin ja zurzeit viel mit der Deutschen Bahn unter­wegs und nutze, um die Reisezeit opti­mal zu ver­w­erten, die Durch­sagen als Forschung­sob­jekt. Deshalb habe ich mich natür­lich beson­ders über den aktuellen Beitrag in Kristin Kopfs „Sch­plock“ gefreut, in dem sie sich mit ein­er Beson­der­heit des Bah­nenglisch befasst, die deut­lich inter­es­san­ter ist als die Frage, ob „Call-a-Bike“ bess­er „Ruf-ein-Rad“ heißen sollte:

Fast jedes Mal, wenn ich mit dem Zug unter­wegs bin, fällt mir eine kleine Eigen­heit im Bah­nenglisch auf:
“Ladies and Gen­tle­men, we arrive Berlin-Span­dau …“
Die Wen­dung scheint fest zu sein, äußerst sel­ten höre ich Vara­tio­nen mit ein­er Prä­po­si­tion, die to arrive ja eigentlich fordert: Man kann nur at (oder in) arriv­en, nackt ist das Verb nicht brauch­bar. Ganz abge­se­hen davon, dass die Verb­form eine andere sein müsste (we will be arriv­ing …).

Die Frage der Verb­form würde ich etwas dif­feren­ziert­er sehen. Der gram­ma­tis­che Kon­text ist ja nor­maler­weise In a few min­utes, we arrive… oder We arrive … at 19:47, und da wäre es vorstell­bar, dass die intendierte Aus­sage eine habituelle sein soll, also etwa „Zum Zeit­punkt X erre­ichen wir immer/jeden Tag …“. In diesem Fall wäre die Form we arrive annehm­bar. Wenn das spez­i­fis­che Ereig­nis des Ankom­mens an diesem einen Tag um diese eine Zeit gemeint ist, dann wäre ein Futur nötig, entwed­er in der Ver­laufs­form, wie Kristin vorschlägt, oder in der ein­fachen Form, also we will arrive…. Tat­säch­lich kön­nte das we arrive ein­fach ein undeut­lich aus­ge­sproch­enes ein­fach­es Futur sein: we’ll arrive.

Aber um die Zeit­form geht es ja auch gar nicht, es geht um die Frage, ob arrive ein direk­tes Objekt erlaubt (We arrive [Objekt Berlin-Span­dau]), oder ob das Ziel als adver­biale Ergänzung in Form ein­er Prä­po­si­tion­alphrase benan­nt wer­den muss (We arrive [Adver­bial at/in Berlin-Span­dau]). Kristin geht davon aus, dass ein direk­tes Objekt nicht möglich ist, und erk­lärt den Fehler als Inter­ferenz aus dem Deutschen:

Die Erk­lärung, die sich auf­drängt – und die ich somit auch nicht als erste gefun­den habe – ist, dass die Sprech­er to arrive nicht als englis­che Entsprechung von ankom­men betra­cht­en, son­dern von erre­ichen. Let­zteres braucht näm­lich keine Prä­po­si­tion, son­dern ein­fach nur ein Akkusativob­jekt:
(1) Ich komme in Berlin-Span­dau an. (engl. to arrive)
(2) Ich erre­iche Berlin-Span­dau. (engl. to reach)
arrive und erre­ichen klin­gen ähn­lich und beze­ich­nen ähn­liche Konzepte, der Fehler wird also sowohl laut­lich als auch inhaltlich gefördert.

Ich stimme ihr im Großen und Ganzen zu, sowohl, was die Frage nach der kor­rek­ten Ver­wen­dung des Verbs arrive bet­rifft, als auch bezüglich der Fehlerquelle, und ich empfehle, auch den Rest ihres Beitrags zu lesen, in dem sie der Frage nachge­ht, warum dieser Fehler im DB-Englisch die Stan­dard­form zu sein scheint.

Ich will mich hier etwas aus­führlich­er mit der Frage nach der Tran­si­tiv­ität von arrive befassen. Bevor ich das tue, noch zwei Nebengedanken. Erstens: In Berlin-Span­dau soll­ten über­haupt keine Fernzüge hal­ten. Der einzig recht­mäßige West­ber­lin­er Fern­bahn­hof ist der Bahn­hof Zoo. Das gehört nicht zum The­ma, aber es musste gesagt wer­den. Zweit­ens: Die Fehlerquelle kön­nte auch (oder zusät­zlich) im Gebrauch des Verbs auf Flugtick­ets liegen, wo oft Dinge ste­hen wie „Depart Ham­burg 1805 / Arrive Berlin 1855“.

Nun zum gram­ma­tis­chen Ver­hal­ten von arrive. Ich beschäftige mich derzeit unter anderem mit der sprach­lichen Geschichte des englis­chen Bewe­gungsverb­sys­tems und inter­essiere mich dabei vor allem für die aus dem Lateinis­chen und Franzö­sis­chen entlehn­ten Ver­ben und deren gram­ma­tis­che Entwick­lung. Da passt das aus dem Lateinis­chen über­nommene arrive (von Lat. ad „hin zu“ + ripa „Küste“) natür­lich per­fekt.

Die ältesten belegten Ver­wen­dun­gen des Verbs stam­men vom Beginn des 13. Jahrhun­derts und sind tat­säch­lich tran­si­tiv (haben also ein direk­tes Objekt). Allerd­ings ist es nicht das Ziel, das durch das Objekt aus­ge­drückt wird, son­dern das Fahrzeug (3a), der Reisende (3b) oder die trans­portierten Waren (3c). Die Beispiele stam­men dabei alle aus dem Oxford Eng­lish Dic­tio­nary, ich zitiere hier jew­eils Belege aus dem 17 Jh. oder später, da die Struk­tur der früheren Belege schw­er durch­schaubar ist, wenn man kein Spä­tal­tenglisch und Mit­te­lenglisch kann. In der deutschen Über­set­zung ver­wende ich „ankom­men“ für arrive, egal, ob es in der betr­e­f­fend­en Struk­tur tat­säch­lich ver­wen­det wer­den kann:

(3a) Some points of wind..may as soon Over­turn, as Arrive the ship. [1650]

(„Einige Wind­stöße kön­nten das Schiff eben­sogut umw­er­fen wie [es] anzukom­men [d.h. zum Ziel brin­gen]“)

(3b) And made the sea-trod ship arrive them near The grape­ful Crissa. [1624]

(„Und sorgte dafür, dass das seege­beutelte Schiff sie in der Nähe des trauben­be­wach­se­nen Crissa ankam [zum Ziel brachte]“)

(3c) Insur­ances, The goods are arrived and brought a-shore safe. [1755]

(„Mein Wort darauf, die Waren wur­den angekom­men [d.h. ans Ziel gebracht] und sich­er an Land gebracht“).

Die intran­si­tive (also objek­t­lose) Ver­wen­dung, die wir aus dem heuti­gen Englisch ken­nen, und bei der das Ziel entwed­er gar nicht genan­nt wird (4a) oder in ein­er Prä­po­si­tion­alphrase aus­ge­drückt wird (4b), find­et sich erst gegen Ende des 13. Jahrhun­derts:

(4a) The eor­lle hadd i-revayd. [1400]

(„Der Graf war angekom­men“)

(4b) They arri­ued at the coun­trey of the Gadarenes. [1611]

(„Sie kamen im Land der Gadaren­er an“)

Das Oxford Eng­lish Dic­tio­nary behauptet, diese Ver­wen­dung habe sich über den Zwis­chen­schritt ein­er reflex­iv­en Ver­wen­dung entwick­elt, also in etwa so: (i) Das Schiff kam ihn an; (ii) Er kam sich an; (iii) Er kam an. Das wäre logisch, aber die Evi­denz überzeugt mich nicht, denn das einzige Beispiel für eine reflex­ive Ver­wen­dung stammt von 1488, fast zwei­hun­dert Jahre nach den ersten intran­si­tiv­en Ver­wen­dun­gen (5):

(5) … as he arryued hym at the toures dore. [1480]

(„… als er sich am Tor des Turmes ankam“)

Warum erzäh­le ich das alles? Regelmäßige Leser/innen wis­sen, dass ich zwar von allen Facetten men­schlich­er Sprachen fasziniert bin, dass ich aber nicht dazu neige, sie plan­los mit meinen Forschung­spro­jek­ten zu belästi­gen.

So ist es auch hier. Meine Aus­führun­gen bilden nur den Rah­men für die eigentlich inter­es­sante Tat­sache: Es gab in der englis­chen Sprachgeschichte tat­säch­lich eine Phase, in der das Verb arrive genau so ver­wen­det wurde, wie die Deutsche Bahn das heute wieder tut. Zwis­chen dem Ende des 16. Jahrhun­derts und der Mitte des 19. Jahrhun­derts find­en sich Beispiele wie die fol­gen­den:

(6a) Nowe we arri­ue the hauen. [1587]

(„Nun kom­men wir den Hafen an“)

(6b) Through a Mil­lion of dan­gers we arri­ued the Span­ish coasts. [1630]

(„Durch eine Mil­lion Gefahren kamen wir die Küsten Spaniens an“)

(6c) Arrive at last the blessed goal. [1850]

(„Kom­men endlich das geseg­nete Ziel an“)

Die Deutsche Bahn belebt also nur eine Struk­tur wieder, die das Englis­che vor etwa 150 Jahren ver­loren hat. Sie bedi­ent sich also nicht nur bei der englis­chen Sprache, sie gibt ihr auch etwas zurück.

Ern­sthafter for­muliert: Obwohl es ein paar all­ge­meine Geset­zmäßigkeit­en des Sprach­wan­dels gibt, entwick­eln Sprachen sich unges­teuert und weit­ge­hend ohne Ziel. Arrive kon­nte 250 Jahre lang mit einem Reiseziel als direk­tem Objekt ver­wen­det wer­den und es gibt keinen logis­chen oder sprach­struk­turellen Grund für das Ver­schwinden dieser Gebrauchsmöglichkeit. Andere franzö­sisch- und late­in­stäm­mige Bewe­gungsver­ben haben im Englis­chen genau diese Struk­tur her­aus­ge­bildet (They entered the coun­try, They ascend­ed the moun­tain, They approached the island, They depart­ed the coasts of Eng­land, usw.). Dass arrive dieses Muster ger­ade nicht zulässt, ist bloße Sprechge­wohn­heit. Man kön­nte sagen: Wer, wie die Deutsche Bahn, gegen diese Sprechge­wohn­heit han­delt, macht einen sprach­lichen Fehler. Mann kön­nte aber auch sagen: Die Ansagen der Deutsche Bahn schöpfen ein gram­ma­tis­ches Poten­zial aus, das derzeit ungenutzt ist.

 

KOPF, Kristin (2010) We arrive Berlin-Span­dau. Sch­plock, 5. März 2010 [Link]

OXFORD ENGLISH DICTIONARY (1989). Arrive, v. The Oxford Eng­lish Dic­tio­nary, 2. Auflage. Oxford: Oxford Uni­ver­si­ty Press.

 

[Dieser Beitrag erschien ursprünglich im alten Sprachlog auf den SciLogs. Die hier erschienene Ver­sion enthält möglicher­weise Kor­rek­turen und Aktu­al­isierun­gen. Auch die Kom­mentare wur­den möglicher­weise nicht voll­ständig über­nom­men.]

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Anatol Stefanowitsch

Über Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Er beschäftigt sich derzeit mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Sein aktuelles Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ ist 2018 im Dudenverlag erschienen.

39 Gedanken zu „Die Deutsche Bahn, Bewahrerin der englischen Sprache

  1. Helmut Wicht

    …to arrive at
    Um ehrlich zu sein, ist es mir rel­a­tiv schnuppe, ob die Bahn _den_ Bahn­hof XYZ ankommt, oder ob die Bahn _im_ Bahn­hof XYZ ankommt. Es käme bei den Kun­den aber gut an, wenn sie rechtzeit­ig ankäme, was sie aber nicht tut, weswe­gen bei mir der Gedanke aufkommt, dass die Reak­tivierung spät­mit­te­lal­ter­lich­er Gram­matiken bei der Bahn etwas mit der Wiedere­in­führung eben­solch­er Reisezeit­en zu tun hat.
    Let­zteres ist imho dur­chaus kri­tik­würdig.

  2. Arbol

    Liest die Bahn den „Sch­plock“?
    Vorgestern saß ich im ICE und war über die unge­wohnt kor­rek­te Aus­druck­sweise der englis­chen Ansage erstaunt: „… in a few min­utes we shall be arriv­ing at Cologne“.
    Dann fregte ich mich, ob die Futur-Bil­dung mit „shall“ nicht etwas ver­al­tet ist. Soviel ich weiß, wird es wohl in der gesproch­enen Sprache seit eini­gen Jahrzehn­ten nicht mehr ver­wen­det. Aber vielle­icht ist es ja in formellen Kon­tex­ten nach wie vor üblich? Oder man liebt es bei der Bahn, alte englis­ch­prachige Tra­di­tio­nen her­vor zu holen und zu pfle­gen. Wie man nach dem Artikel ja auch ver­muten kön­nte. 😉

  3. jordroek

    Ich musste beim Befund “We arrive Berlin-Span­dau” zunächst an eine ganz andere Erk­lärung denken. Denn zumin­d­est ab und zu wird ja auch das deutsche “ankom­men” tran­si­tiv ver­wen­det. Ich habe schon häu­figer Sätze wie “Ich komme Haupt­bahn­hof an” (oder auch “Ich steige Friedrich­straße aus”) gehört. Gerne wird diese sprach­liche Eigen­heit ja dem türkisch-deutschen Großs­tadt-Slang untergeschoben. Ich habe es tat­säch­lich aber auch schon häu­fig von Leuten gehört, die über­haupt nicht aus dieser Gruppe zu kom­men schienen.

  4. anna

    Span­dau
    In Span­dau hal­ten die ICEs 10 (Berlin — Köln), 11 (Berlin — München), 12 (Berlin — Inter­lak­en), 28 (Ham­burg — München), die ICs 32 (Berlin — Inns­bruck), 77 (Szczecin — Schiphol) und die ECs 27 (Ham­burg — Budapest) und 99 (Ham­burg — Krakow).

  5. Achim

    so nun auch wieder nicht
    @ Arbol: Wenn schon, dann “We will arrive at Cologne” (wo ist denn die Main Sta­tion geblieben?). Die Ver­wen­dung der pro­gres­sive form mit arrive tut mir zumin­d­est sehr weh.
    Aber wie ich schon nebe­nan geschrieben habe: Die DB-Texte sind IMHO ziem­lich uni­d­ioma­tisch.

  6. Kristin

    ll + Fer­n­verkehr in Berlin-Span­dau
    @A.S.: Ich füh­le mich geehrt! Und ich freue mich über die sprachgeschichtlichen Ein­blicke, das ist wirk­lich super­span­nend.
    Das mit dem ver­schluck­ten ‘ll habe ich auch schon über­legt, aber ich habe mit­tler­weile so oft hinge­hört und es fast nie auch nur in Resten aus­machen kön­nen … Aber wer weiß, vielle­icht ist es ja doch “mitgedacht”.
    Ihr heutiger Beitrag hat mich übri­gens wiederum zu einem bei mir inspiri­ert, bin grade am Schreiben.
    @Anna: Oder, wie in meinem Fall, der ICE 694 von Stuttgart nach Berlin Ost­bahn­hof. (Es lebe der gläserne Men­sch.)

  7. tristan

    West­ber­lin­er Bahn­höfe
    Da Span­dau bekan­nter­massen trotz admin­is­tra­tiv­er Einge­mein­dung sich wed­er Berlin zuge­hörig fühlt, noch als Teil der Stadt wahrgenom­men wird, ste­ht der Bahn­hof ‘Berlin’-Spandau auch nicht in Konkur­renz zu Berlin-Zoo.

  8. Anatol Stefanowitsch

    Berlin-Span­dau
    @anna: Ja, mir wird ganz elend. Alle diese Züge soll­ten am Bahn­hof Zoo hal­ten. Wenn Gott gewollt hätte, dass sie in Span­dau hal­ten, dann hätte er Span­dau (siehe tris­tan) zu einem Teil von Berlin gemacht.

  9. Patrick Schulz

    Vielle­icht sollte die Deutsche Bahn A.G. mal ihre Lehrbuch­samm­lung aktu­al­isieren…

  10. Gareth

    Wenn schon, dann “We will arrive at Cologne” (wo ist denn die Main Sta­tion geblieben?). Die Ver­wen­dung der pro­gres­sive form mit arrive tut mir zumin­d­est sehr weh.

    Achim, das scheint mir aber eine deutsche Über­in­ter­pre­ta­tion der Regeln zu sein. In vie­len britis­chen Zügen ist We’re now arriv­ing at… die Stan­dard­durch­sage. Im Übri­gen muss man nicht cen­tral sta­tion (wenn es schon um idioma­tis­che Begriffe geht, ist dieser sich­er main sta­tion vorzuziehen) anfü­gen, wenn der Zug nur ein­mal in Köln hält.

    Dann fregte ich mich, ob die Futur-Bil­dung mit „shall“ nicht etwas ver­al­tet ist. Soviel ich weiß, wird es wohl in der gesproch­enen Sprache seit eini­gen Jahrzehn­ten nicht mehr ver­wen­det. Aber vielle­icht ist es ja in formellen Kon­tex­ten nach wie vor üblich?

    Wird auch in informellen Kon­tex­ten in UK noch in der gesproch­enen Sprache ver­wen­det. Zwar kon­textab­hängig und markiert­er als Bil­dun­gen mit will oder going to, aber trotz­dem wäre so etwas wie I shall be there! keine Beson­der­heit.

  11. keks

    .…
    auf deutsch kann die bahn genau­so witzig sein: “wir erre­ichen jet­zt xyz, dort haben sie anschluss am ice nach sowieso…”, da frag ich mich immer, was für ein anschluss ist denn das da an dem zug, etwa inter­ne­tan­schluss, oder steck­dose, und wo ist die, vorn an der lok?
    the­ma spandau/ zoo:
    kön­ntet ihr bitte mal in der gegen­wart ankom­men?

  12. H.M.Voynich

    Cologne
    @Gareth:
    “Im Übri­gen muss man nicht cen­tral sta­tion anfü­gen, wenn der Zug nur ein­mal in Köln hält.”
    In Köln hält jed­er Zug min­destens zweimal: in Deutz (Cologne Trade Fair Deutz) und am Haupt­bahn­hof (der tat­säch­lich immer Cologne Cen­tral Sta­tion genan­nt wird) — obwohl die bei­den nur 500 Meter auseinan­der liegen.

  13. Nörgler

    Das ungenutzte Poten­tial
    @A.S.
    Vie­len Dank für den nüt­zlichen Tipp. Zwar kommt er für mich viel zu spät, aber wie gerne hätte ich meinen Latein- und Franzö­sis­chlehrern klargemacht, daß ich keine Fehler gemacht, son­dern nur das ungenutzte gram­ma­tis­che Poten­tial des Lateinis­chen und des Franzö­sis­chen aus­geschöpft hat­te.
    Bess­er wäre es mir in der Schule auch ergan­gen, wäre ich nur darauf gekom­men, meine Englis­chlehrer für Ihre Auss­chöp­fung des gram­ma­tis­chen Poten­tials des Englis­chen zu beglück­wün­schen.
    @Gareth
    Gegen “we are arriv­ing at/in …” ist natür­lich nichts einzuwen­den. Sie entspricht dem “wir erre­ichen …” im Deutschen, sofern keine weit­ere Zei­tangabe fol­gt. Die Kri­tik vom Achim bezog sich auf die vorgeschla­gene For­mulierung “we will be arriv­ing …”, die zumin­d­est unnötig umständlich ist. Hier geht es m.E. nicht um eine “deutsche Über­in­ter­pre­ta­tion der Regel”, son­dern um die über­mäßige, wenn nicht falsche, Ver­wen­dung der Pro­gres­siv­form im Englis­chen durch viele Deutsche.

  14. Andreas H.

    Kölle
    @H.M.Voynich: Zumin­d­est die ICEs hal­ten entwed­er in Deutz/Messe oder im Haupt­bahn­hof, aber niemals zweimal.

  15. nnier

    Undeut­lich aussprechen, ja, das tun sie, den­noch glaube ich wed­er an ein ver­schluck­tes at noch an ein solch­es ‘ll. Zu oft habe ich diese For­mulierung, die mich immer aufmerken ließ, inzwis­chen exakt so aus dem Zuglaut­sprech­er gehört und bin der Ansicht, dass hier etwas falsch gel­ernt (oder gelehrt) wurde.
    Neben­bei — in einem Inter­view kam Paul McCart­ney ein­mal durcheinan­der und sagte: “When we arrove at …”

  16. Gareth

    Nör­gler,

    Die Kri­tik vom Achim bezog sich auf die vorgeschla­gene For­mulierung “we will be arriv­ing …”, die zumin­d­est unnötig umständlich ist. Hier geht es m.E. nicht um eine “deutsche Über­in­ter­pre­ta­tion der Regel”, son­dern um die über­mäßige, wenn nicht falsche, Ver­wen­dung der Pro­gres­siv­form im Englis­chen durch viele Deutsche.

    Achims Aus­sage war “Die Ver­wen­dung der pro­gres­sive form mit arrive tut mir zumin­d­est sehr weh.” Daher musste ich darauf schließen, dass er das Verb arrive generell nicht in der Pro­gres­siv­form mag. Zwar benutzen Mut­ter­sprach­ler des Deutschen im Englis­chen oft­mals die Pro­gres­siv­form, wo sie nicht benutzt wer­den sollte, aber genau­so gibt es einige Sprech­er, die (eben weil sie sich dessen bewusst sind) zur Hyper­ko­r­rek­tur neigen.
    We will soon be arriv­ing at… mag umständlich sein, ist aber kein deutsch­er Fehler. Man kann fol­gende Ansage aber z.B. im Heathrow Express hören, wo die Fahrgäste mit eben jen­em Hin­weis ein paar Minuten vor der Ankun­ft (und somit vor der Durch­sage We are now arriv­ing at…) dazu aufge­fordert wer­den, Ihr Gepäck zusam­men­zu­pack­en, um sich aufs Aussteigen vorzu­bere­it­en.
    H.M.Voynich,

    In Köln hält jed­er Zug min­destens zweimal: in Deutz (Cologne Trade Fair Deutz) und am Haupt­bahn­hof (der tat­säch­lich immer Cologne Cen­tral Sta­tion genan­nt wird)

    Wie Andreas H. schon sagte, die ICEs hal­ten nicht zweimal. Der ICE auf der Strecke Berlin-Köln hält in allen Städten außer Berlin nur am Haupt­bahn­hof, ergo muss man nicht jedes Mal cen­tral sta­tion dazusagen, da ja — beson­ders im Gegen­satz zu UK z.B. — die Bahn­höfe automa­tisch alle Haupt­bahn­hof heißen.

  17. ohno

    Haupt­bahn­hof
    @gareth: Nicht alle Bahn­höfe sind “automa­tisch Haupt­bahn­höfe”. Das gilt nur für Städte, in denen es auch noch andere Bahn­höfe gibt. (Aus­nah­men bestäti­gen die Regel). Der Bahn­hof Hamm, in dem der ICE aus Berlin geteilt wird, ist zum Beispiel kein­er.

  18. Bernhard

    We are arrived, alle aussteigen bitte!?
    Ich hätte eine Frage zu (3c): Kann da “are arrived” nicht ein­fach “sind angekom­men” heißen? (“are come” usw. war ja auch mal nor­mal).
    In ein­er Fas­sung der Bibel findet’s sich wohl auch:
    he said, I will hear thee ful­ly when thine accusers also are arrived. And he com­mand­ed him to be kept in Herod’s prae­to­ri­um.
    (Dar­by Bible Trans­la­tion)
    (Apg 23:35 http://bible.cc/acts/23–35.htm)
    Ich gebe zu, zum Beweis reicht das nicht ;-). Aber “we are arrived” oder “we were arrived” fördert erstaunlich viele Google-Belege zu Tage, auch wenn man die Suche auf UK oder US beschränkt. Aber AS ken­nt sich da sich­er bess­er aus?

  19. Anatol Stefanowitsch

    Are arrived
    @Bernhard, ich habe mich hier an die Analyse des OED gehal­ten. Sie scheint mir aber auch plau­si­bel, denn are bezieht sich hier auf arrived und brought a-shore. Let­zteres ist ein­deutig eine Pas­sivstruk­tur und somit ist die nahe­liegend­ste Inter­pre­ta­tion, dass es sich auch bei are arrived um ein Pas­siv han­delt.

  20. H.M.Voynich

    Haupt­bahn­hof
    @ohno:
    Es gibt sog­ar Städte, die mehrere Bahn­höfe haben, aber trotz­dem keinen Haupt­bahn­hof.
    Z.Bsp. gibt es in Großen­hain den “Berlin­er Bahn­hof” und den “Cot­tbusser Bahn­hof”.

  21. G. K.

    Metro in Bei­jing
    In der Bei­jinger Metro sagen sie: “We are arriv­ing at …” – Schön und gut, aber die Durch­sage kommt zu spät für die Ver­laufs­form, näm­lich erst dann, wenn der Zug schon ste­ht und die Türen aufge­gan­gen sind. Auf Chi­ne­sisch lautet die Durch­sage auch kor­rekt “… 到了。”, d.h. mit dem Per­spek­tiv­suf­fix -le, das ein vol­len­detes (und in diesem Fall ver­gan­ge­nes) Ereig­nis aus­drückt.

  22. Nörgler

    Pro­gres­siv­form
    @Gareth
    Ich habe nichts gegen “we will soon be arriv­ing at”; eben­sowenig gegen “… in a few min­utes we shall be arriv­ing at Cologne.” (nur, daß es bess­er “in Cologne” hieße, und daß ich hier in Ameri­ka kaum “shall” sagen würde).
    Allerd­ings geht es auch ein­fach­er: “we will soon arrive” und “in a few min­utes, we will arrive”. Das würde ich jedem empfehlen, der nicht ganz sich­er in der Pro­gres­siv­form ist.

  23. Gareth

    Ich habe nichts gegen “we will soon be arriv­ing at”; eben­sowenig gegen “… in a few min­utes we shall be arriv­ing at Cologne.” (nur, daß es bess­er “in Cologne” hieße, und daß ich hier in Ameri­ka kaum “shall” sagen würde).

    Ich weiß nicht, wie es im amerikanis­chen Englisch heißt, aber in UK wird bei Bahn­höfen grund­sät­zlich at benutzt und nicht in, ob Sie das für bess­er hal­ten oder nicht, vgl. neben bere­its genan­nten Wen­dun­gen This train ter­mi­nates at…, This train calls at….

  24. Nörgler

    Ich ver­ste­he nur Bahn­hof
    @Gareth
    Ich habe die von Arbol wiedergegebene Durch­sage wörtlich zitiert. Darin ist von einem Bahn­hof keine Rede.

  25. Bernhard

    Koor­di­na­tion­sprob­leme “are arrived”
    @A.S.: OK, wenn das OED das auch so sieht… Ich finde Koor­di­na­tions-Argu­mente immer sehr schwierig, weil sie die voraus­set­zen, dass sich die Koor­di­na­tion an die gram­ma­tis­chen Regeln hält. Man müsste doch zunächst zeigen, dass eine Per­fekt-Par­tizip­phrase nicht mit einem Präsens-Pas­siv koor­diniert wer­den kann, d.h. dass jed­er Mut­ter­sprach­ler damals sie auseinan­der gehal­ten hat.
    Ich gebe zu, „Ich werde blind und gekocht.“ kommt mir komisch vor; aber „ich bin angekom­men und gen­ervt.“ finde ich ganz gut (allerd­ings ist das nur ein Zus­tandspas­siv, ich weiß).
    Ger­ade habe ich auch ins OED geschaut; der Ein­trag 2b lautet:
    ‘Of things: To be brought by ship. *sold to arrive*: (a car­go) sold for deliv­ery on arrival in port’ [Sternchen für falls fett nicht geht.]
    Dabei ist aber vorher 2a markiert als “intr.”; da danach die näch­ste Markierung (“trans.”) bei 3 vorkommt, würde ich davon aus­ge­hen, dass auch 2b intran­si­tiv sein soll. Das wäre ein Argu­ment für mich (wenn auch nicht ein schönes, denn Lexi­ka soll­ten ein­deutig sein; min­destens bei “beat” ist es offen­sichtlich ähn­lich bei der Tran­si­tiv­itäts­markierung ver­fahren; aber ich bin kein OEDologe); auch ‘sold to arrive’ spricht nicht ger­ade gegen Intran­si­tiv­ität (aber wahrschein­lich kann man Büch­er auch “sell to read” nicht nur “to be read”).
    (joviale Rechthaben­woller-Pose:) Kön­nen wir zumin­d­est uns drauf eini­gen, dass es nicht ganz ein­deutig ist?

  26. Gareth

    @Gareth
    Ich habe die von Arbol wiedergegebene Durch­sage wörtlich zitiert. Darin ist von einem Bahn­hof keine Rede.

    Das ist doch jet­zt albern. Wo hat sein ICE denn Ihrer Ver­mu­tung nach gehal­ten, wenn nicht an einem Bahn­hof?

  27. ohno

    Bahn­höfe
    @gareth ICEs kön­nten natür­lich auch an einem Hal­tepunkt hal­ten:-)

  28. Nörgler

    Noch albern­er
    @Gareth
    Wollen Sie ern­sthaft behaupten, daß eine englis­che Bah­nansage laut­en würde: “We will soon be arriv­ing at Lon­don.”?
    Wenn ja, dann muß ich das akzep­tieren, da ich mich mit heutigem englis­chen Englisch weniger gut auskenne.

  29. Gareth

    Wollen Sie ern­sthaft behaupten, daß eine englis­che Bah­nansage laut­en würde: “We will soon be arriv­ing at Lon­don.”?

    In Lon­don hießen die Ansagen logis­cher­weise We will soon be arriv­ing at Waterloo/Paddington/Kings Cross-St Pan­cras etc, weil es keinen Bahn­hof gibt, der ein­fach nur Lon­don heißt.
    Für kleinere Orte, die nur einen Bahn­hof haben, wäre die Ansage aber z.B. We will soon be arriving/We are now arriv­ing at Read­ing und gle­icher­maßen This train ter­mi­nates at Read­ing oder This train calls at Read­ing.

  30. Armin

    Read­ing hat zwei Bahn­hoefe
    @Gareth,
    Schlecht­es Beispiel 😉
    Read­ing hat zwei Bahn­hoefe, Read­ing und Read­ing West.

  31. Gareth

    Nör­gler,

    Also geben Sie mir recht?

    Nein. Es gibt halt keinen Bahn­hof der Lon­don heißt, daran kann ich auch nichts ändern. in hal­ten Züge in UK trotz­dem nie.
    Armin,

    Schlecht­es Beispiel 😉 Read­ing hat zwei Bahn­hoefe, Read­ing und Read­ing West.

    Eben kein schlecht­es Beispiel. Der zitierte Bahn­hof heißt ja trotz­dem nur Read­ing, damit wäre die Durch­sage auch, wie ich bere­its sagte, This train calls at Read­ing.
    Ich habe jet­zt sog­ar eine YouTube-Recherche durchge­führt, damit das lei­di­ge The­ma been­det wer­den kann.



    (‘Plat­form 1 for the 17.22 Cross Coun­try Ser­vice to York call­ing at Win­ches­ter, Bas­ingstoke, Read­ing, Oxford, Ban­bury, Leam­ing­ton Spa, Birm­ing­ham New St, Tam­worth, Bur­ton-on-Trent, Der­by, Chester­field, Sheffield, Don­cast­er and York. Cus­tomers for Andover should change at Bas­ingstoke. This train is formed of five coach­es.[…]’

  32. Anatol Stefanowitsch

    At
    @Gareth: Danke für die aus­führliche Argu­men­ta­tion und die Recherche. Das durchgängige at ist sehr inter­es­sant und hier ver­birgt sich wieder ein The­ma für eine BA-Arbeit: eine Kor­pu­s­analyse von [arrive at NP] und [arrive in NP], die die jew­eili­gen Ver­wen­dungs­be­din­gun­gen detail­liert unter­sucht!

  33. Armin

    in -vs- at
    Generell eigentlich recht ein­fach:
    “In” bei groesseren Gebilden, also Staedten, Laen­dern oder aehn­lichem.
    “At” an einem spez­i­fis­chen Ort bzw Gebaeude, wie einem Bahn­hof oder aehn­lichem.
    Also “the train arrives in Lon­don” aber “the train arrives at Lon­don Padding­ton”

  34. Gareth

    Also “the train arrives in Lon­don” aber “the train arrives at Lon­don Padding­ton”

    Ich möchte nochmal beto­nen, dass Lon­don abso­lut kein gutes Beispiel ist, weil es keinen Bahn­hof gibt, der Lon­don heißt.
    Inter­es­sant ist doch die Ver­wen­dung der jew­eili­gen Prä­po­si­tion, wenn es eben keinen Unter­schied zwis­chen Stadt­na­men und Bahn­hof­s­na­men gibt.

  35. Gareth

    Also geben Sie mir doch recht.

    Ihre Aus­sage wird nicht richtiger, nur weil Sie sie gebetsmüh­le­nar­tig wieder­holen.

  36. tacke

    Fern­bahn­höfe West­ber­lin
    Der Haupt­bahn­hof (als früher­er Lehrter Bahn­hof) ist eben­falls in West­ber­lin gele­gen.

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