Le Sprachschützer, c’est moi

In einem Artikel des Wis­senschaft­sjour­nal­is­ten Arndt Zick­graf auf Tele­po­lis spiele ich — teils gewollt, teils unge­wollt — aus­nahm­sweise mal die Rolle des Sprach­schützers. Gewollt, weil Zick­graf in seinem Artikel, in dem es ihm um die Zukun­ft des Deutschen als Wis­senschaftssprache geht, über meinen Ver­such berichtet, die deutsche Web­seite der Vierten Inter­na­tionalen Kon­fer­ez der Deutschen Gesellschaft für Kog­ni­tive Lin­guis­tik weit­ge­hend frei von englis­chem Lehngut zu hal­ten, und von diesem Ver­such habe ich ihm frei­willig erzählt.

Unge­wollt, weil ein paar der Zitate im Zusam­men­hang des Artikels, und ohne den Kon­text, in dem ich sie pro­duziert habe, den Ein­druck erweck­en kön­nten, ich hielte ich das Ver­schwinden des Deutschen als Wis­senschaftssprache für ein Prob­lem und meine Kon­feren­zweb­seite für einen entschei­den­den Beitrag zum Erhalt der bedro­ht­en deutschen Sprache. Das ist nicht Zick­grafs Schuld, wer sorgfältig liest, dürfte meine tat­säch­liche Mei­n­ung zu diesem The­ma erken­nen. Aber die kom­prim­ierte Form des Artikels, in dem lei­der kein Platz für aus­führliche Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen ist, ver­leit­et eventuell manche Leser/innen zu vor­eili­gen Schlüssen, vor allem, weil Sprach­nörgelei und Katas­tro­phen­szenar­ien die Mehrheitsmei­n­ung sind.

Deshalb möchte ich hier sowohl meinen sprach­pflegerischen Ver­such als auch meine Mei­n­ung zum The­ma Wis­senschaftssprache Deutsch noch ein­mal kurz klarstellen.

Fan­gen wir mit mein­er Mei­n­ung zum Deutschen als Wis­senschaftssprache an. Wie ich bere­its in zwei früheren Beiträ­gen hier im Sprachlog (hier und hier) deut­lich gesagt habe, halte ich es für unverzicht­bar, dass die Wis­senschaft eine inter­na­tionale Sprache hat, so dass Wis­senschaftler in aller Welt ihre Ideen untere­inan­der schnell und direkt aus­tauschen kön­nen. Diese Sprache war früher Latein, in ein paar Diszi­plinen war es zwis­chen­zeitlich auch mal Deutsch und heute ist es Englisch. Man kann sich gerne wün­schen, dass es das Deutsche, das Franzö­sis­che, das Chi­ne­sis­che oder eine kün­stliche Sprache wie Esperan­to oder Klin­go­nisch wäre, den Großteil der deutschen Wis­senschaftler (mich eingeschlossen) inter­essiert das aber nicht oder nur sehr am Rande. Uns ist der freie Fluss von Ideen wichtiger als ver­let­zter sprach­lich­er Nation­al­stolz.

Das sieht man auch an der Sprach­wahl, die die Teil­nehmer an der eben schon erwäh­n­ten Kon­ferenz getrof­fen haben. Wie Zick­graf schreibt:

Wie schwierig es ist, die deutsche Sprache im Forschungsall­t­ag wiederzubeleben, hat Ana­tol Ste­fanow­itsch erfahren. Der Anglist und Sprach­wis­senschaftler von der Uni­ver­sität Bre­men ist Organ­isator der [extern] Vierten Inter­na­tionalen Kon­ferenz der Deutschen Gesellschaft für Kog­ni­tive Lin­guis­tik am 7. Okto­ber 2010. Ste­fanow­itsch hat es den Teil­nehmern der Kon­ferenz freigestellt, ihre Beiträge in Deutsch oder Englisch einzusenden. Die Folge: Von rund 140 ein­gere­icht­en Beiträ­gen wer­den nur zwei Ref­er­enten im Okto­ber ihren Vor­trag in Deutsch hal­ten. Jed­er deutsche Lin­guist will halt von seinen aus­ländis­chen Kol­le­gen wahrgenom­men wer­den.

Um das klarzustellen: Ich hat­te nicht vor, die deutsche Sprache hier wiederzubeleben. Ich musste Deutsch und Englisch als Kon­feren­zsprachen zulassen, weil der Vor­stand der DGKL mir das so vorgegeben hat. Wenn es nach mir gegan­gen wäre, hätte es diese Option nicht gegegeben: Erstens, weil ich es für unhöflich halte, auf ein­er inter­na­tionalen Kon­ferenz, auch wenn sie in Deutsch­land stat­tfind­et, eine Sprache zu sprechen, die nicht inter­na­tion­al ver­standen wird; zweit­ens, weil die Erfahrung ver­gan­gener Kon­feren­zen tat­säch­lich zeigt, dass nie­mand zu den deutschen Vorträ­gen kommt.

Inter­es­sant ist, dass die Teilnehmer/innen der Kon­ferenz das offen­sichtlich genau­so sehen wie ich, und tat­säch­lich nur zwei Vorträge in deutsch­er Sprache angemeldet wur­den. Dem Ideenaus­tausch auf der Kon­ferenz wird das gut tun, der deutschen Sprache fällt kein Zack­en aus der Kro­ne. Wie ich in Zick­grafs Artikel so schön sage:

Die Sorge um die Flu­tung der deutschen Sprache durch die wis­senschaftliche Ein­sprachigkeit hält der Lin­guist indes für unbe­grün­det: “Dass die All­t­agssprache verküm­mert, wenn die deutsche Sprache in der Forschung keine Rolle mehr spielt, ist absurd”, sagt der Lin­guist. Das Deutsche bleibe vital, weil sie in Europa eine der am meis­ten ver­bre­it­eten Sprachen und durch einen lebendi­gen Lit­er­aturbe­trieb gekennze­ich­net sei.

Das bedeutet nicht, dass ich etwas dage­gen habe, Deutsch zu sprechen oder zu schreiben. In der inter­nen Wis­senschaft­skom­mu­nika­tion ist das dort angemessen, wo es um rein nationale Kon­feren­zen oder direkt um die deutsche Sprache (Lit­er­atur, Kul­tur, …) geht und man deshalb voraus­set­zen kann, dass jed­er, der sich für das The­ma inter­essiert, die deutsche Sprache beherrscht. So habe ich meinen Vor­trag auf der Jahresta­gung des Insti­tuts für Deutsche Sprache selb­stver­ständlich auf Deutsch gehal­ten und auch die schriftliche Fas­sung wird auf Deutsch erscheinen, wie über­haupt etwa ein Fün­f­tel mein­er bis­lang erschiene­nen Arbeit­en in deutsch­er Sprache ver­fasst sind. Ich habe außer­dem zwei Büch­er auf Deutsch her­aus­gegeben, für die ich aus­giebig Ter­mi­nolo­giefind­ung betreiben und dann die Autor/innen überzeu­gen musste, meine Vorschläge tat­säch­lich auch zu ver­wen­den.

In der exter­nen Wis­senschaft­skom­mu­nika­tion bin ich natür­lich ein Ver­fechter des Deutschen, was schon an der Tat­sache deut­lich wer­den dürfte, dass ich seit dreiein­halb Jahren auf Deutsch blogge.

Nun zu meinem sprach­puris­tis­chen Exper­i­ment, das Zick­graf so beschreibt:

Doch trotz des Sogs der Lin­gua fran­ca ver­sucht auch Ste­fanow­itsch der deutschen Sprache im All­t­ag wieder mehr Raum zu geben. Für die deutsche Ver­sion der Kon­feren­zweb­seite wollte er nicht mehr ohne weit­eres englis­che Aus­drücke übernehmen, obwohl er Anglist ist. „Call for Papers — wie sagt man das auf Deutsch?“, fragt er im März 2009 in seinem Sprach­blog. Er suchte nach einem tre­f­fend­en Wort für ein „unerträglich­es und die deutsche Sprache bedro­hen­des Sprach­mon­ster“. Nach 25 Antworten und ein­er mehrtägi­gen Diskus­sion unter Blog­gern set­zte sich “Beitragsaufruf” durch. Der deutsche Aus­druck hat es schließlich auf die Kon­feren­zweb­seite geschafft — als Rubrik auf der Start­seite.

Zunächst: Das „unerträgliche und die deutsche Sprache bedro­hende Sprach­mon­ster“ war ein iro­nis­ch­er Seit­en­hieb auf die mit­tler­weile dankenswert­er­weise einge­gan­gene Aktion Lebendi­ges Deutsch (der Sprach­blog-Ein­trag befind­et sich hier). Ich habe nichts gegen das Wort Call for Papers. Es ist ein gutes und tre­f­fend­es Wort.

Warum habe ich über­haupt nach ein­er Alter­na­tive gesucht? Erstens, weil es mich inter­essiert hat, ob meine Leser/innen eins find­en. Zweit­ens, weil ich tat­säch­lich der Mei­n­ung bin, wo deutsche Wörter existieren, soll man sie auch ver­wen­den, und wo keine existieren, soll man wenig­stens darüber nach­denken, ob einem nicht eins ein­fällt. Nicht, weil son­st „die deutsche Sprache unterge­ht“ (tut sie nicht), nicht, weil Anglizis­men „sprach­liche Unter­wür­figkeit“ gegenüber der Welt­macht USA sig­nal­isieren (tun sie nicht), nicht, weil „alte Men­schen bald gar nichts mehr ver­ste­hen“ (tun sie doch). Son­dern ein­fach nur, weil es mir als deutschem Mut­ter­sprach­ler Freude macht, die deutsche Sprache über­all dort zu ver­wen­den, wo es geht. Und, weil es eine intellek­tuelle Her­aus­forderung für mich war, die deutsche Ver­sion der Web­seite mit Bor­d­mit­teln der deutschen Sprache zu gestal­ten. Und dazu fehlte mir eben ein Wort für Call for Papers.

Anders als viele mein­er sprach­nörgel­nden Leser/innen zu glauben scheinen, habe ich gar nichts gegen Sprach­pflege. Ich finde nur, man sollte sie ein­fach betreiben. Ohne sich als Kämpfer gegen den Unter­gang des Abend­lan­des aufzus­pie­len. Ohne damit Men­schen, die man für ober­fläch­lich und/oder unge­bildet hält, ständig eins vor den Latz zu knallen. Und ohne sich einzu­bilden, dass man den Sprach­wan­del damit auch nur um einen Augen­blick aufhal­ten oder ver­langsamen kann.

 

Ste­fanow­itsch, Ana­tol (2009) Sprach­nör­gler soll­ten das Spiel mit­gestal­ten. Ham­burg­er Abend­blatt, 18. Sep­tem­ber 2009 [Link]

Ste­fanow­itsch, Ana­tol (2010a) Unver­ständ­nis auf Deutsch. Sprachlog, 26. Jan­u­ar 2010 [Link]

Ste­fanow­itsch, Ana­tol (2010b) Keine Wis­senschaft ohne Math­e­matik. Sprachlog, 4. Mai 2010 [Link]

Zick­graf, Arndt (2010) Tot oder lebendig: Deutsch als Wis­senschaftssprache ver­liert an Bedeu­tung. Tele­po­lis, 24. Mai 2010 [Link]

[Dieser Beitrag erschien ursprünglich im alten Sprachlog auf den SciLogs. Die hier erschienene Ver­sion enthält möglicher­weise Kor­rek­turen und Aktu­al­isierun­gen. Auch die Kom­mentare wur­den möglicher­weise nicht voll­ständig über­nom­men.]

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Anatol Stefanowitsch

Über Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Er beschäftigt sich derzeit mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Sein aktuelles Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ ist 2018 im Dudenverlag erschienen.

9 Gedanken zu „Le Sprachschützer, c’est moi

  1. Dierk

    Aktion Lebendi­ges Deutsch tot?

    mit­tler­weile dankenswert­er­weise einge­gan­gene

    Was habe ich denn da wieder ver­passt, deren Seite existiert jeden­falls noch?

  2. Anatol Stefanowitsch

    @Dierk
    Ja, aber nur noch, um Wer­bung für irgen­deine wein­er­liche Kampf­schrift der Aktioneure zu machen. Wörter suchen sie keine mehr, seit einem hal­ben Jahr ste­ht in der Rubrik „Wörter des Monats“ seit einem hal­ben Jahr unverän­dert Fol­gen­des:

    Von „State­ments“ wer­den wir umzin­gelt, Fest­stel­lun­gen also, mehr oder weniger wichti­gen Ver­laut­barun­gen, zumal von Poli­tik­ern. Sollte sich dafür nicht ein schlichteres, ein saftiges deutsches Wort find­en lassen? Ange­bote bitte bis 18.12.2009.

    Ich hoffe ja fast, dass die Aktion irgend­wann wieder­belebt wird, sie hat mir viele Jahre lang ein­mal im Monat ein leicht­es Ziel für Blog­beiträge geliefert…

  3. Domingos

    hab mich auch gewun­dert
    Aber wer deinen Blog liest, schätzt das schon richtig ein. Ich würde mir für mein Fach — die Poli­tik­wis­senschaft — auch mehr Leute wün­schen, die englis­che Texte lesen kön­nen und Vorträge auf Englisch hal­ten kön­nen. Für meinen Geschmack bewe­gen sich unsere deutschen Sozial­wis­senschaftler ein­er­seits in einem gold­e­nen Käfig — weil sie von der inter­na­tionalen Entwick­lung oft abgeschnit­ten sind. Ander­er­seits ist unser Fach­jar­gon trotz aktiv­er Pflege unerträglich.

  4. Stephan Schleim

    …aber es ist nicht nur die Sprache,
    son­dern auch ein Teil der Denke!
    Ich habe schon als Stu­dent (frei­willig) englis­chsprachige Sem­i­narar­beit­en ver­fasst und beispiel­sweise auf der let­zten Tagung der Deutschen Gesellschaft für Philoso­phie einen englis­chsprachi­gen Vor­trag gehal­ten (wom­it ich allerd­ings aus der Rei­he gefall­en bin, im Gegen­satz zu deinen Erfahrun­gen); auch meine Studieren­den unter­richte ich englisch.
    Inzwis­chen wün­sche ich mir aber auch wieder mehr Anerken­nung der deutschen Sprache. Es ist näm­lich nicht nur die Sprache, die mit der Inter­na­tion­al­isierung der Wis­senschaft ein­her geht, son­dern auch eine Denke sowie stan­dar­d­isierte For­men von Auf­sätzen (in der kog­ni­tiv­en Neu­rowis­senschaft beispiel­sweise mit der Kon­se­quenz, dass man an vier Stellen im Paper mehr oder weniger das­selbe sagt — im abstract, in der intro­duc­tion, am Anfang der dis­cus­sion und in der con­clu­sion; aber am besten ist eigentlich schon gle­ich im Titel alles gesagt).
    Es gibt inzwis­chen auch Unternehmen, die Aus­län­dern oder min­der begabten Schreibern ihre Dien­ste des (englis­chen) Schreibens feil­bi­eten sowie solche, die von der Daten­er­he­bung bis zur Pub­lika­tion alles besor­gen, wo man am Ende nur noch den eige­nen Namen drauf set­zen muss.
    Daher möchte ich darauf hin­weisen, dass zusam­men mit der Inter­na­tion­al­isierung und angesichts des Pub­lika­tions­drucks auch eine Form der Indus­tri­al­isierung des Wis­senschafts­be­triebs stat­tfind­et, die meines Eracht­ens nicht nach­haltig ist.
    Wir haben uns früher in der Sem­i­nar­bib­lio­thek über die vie­len Meter der ver­staubten Buchrück­en lustig gemacht, in denen die hun­dert­ste Anmerkung zu ein­er Fußnote Kants disku­tiert wird — dafür haben wir heute tausende Zeitschriften, die per Quar­tal, monatlich oder gar wöchentlich erscheinen und Aufmerk­samkeitss­pan­nen, die gegen null tendieren und nach immer mehr Vere­in­fachung schreien (vgl. bsp. die zunehmenden news foci, opin­ion, per­spec­tive usw. Artikel in Sci­ence und Nature).
    Ich anerkenne zwar die Notwendigkeit inter­na­tionaler Koop­er­a­tio­nen, würde mir aber eben­falls eine größere Anerken­nung deutsch­er Pub­lika­tio­nen sowie qual­i­ta­tiv hochw­er­tige deutsche Zeitschriften wün­schen.
    Eine alter­na­tive Form der Inter­na­tion­al­isierung kön­nte auch in bilat­eralen Koop­er­a­tio­nen beste­hen, wo man beispiel­sweise in deutsch-franzö­sis­ch­er, deutsch-nieder­ländis­ch­er usw. Weise die jew­eili­gen Leis­tun­gen und Tra­di­tio­nen gegen­seit­ig anerken­nt. Es gibt doch mehr als genug Gründe, eine andere Sprache zu ler­nen.

  5. Sven Holz

    Aktivis­ten…
    Ich bin Infor­matik­er, fol­glich ist Englisch schon mal der Modus auf den ich umschalte sobald ich die Flim­merk­iste hochfahre. Gott sei Dank das dem so ist, den hätte sich Lokalpa­tri­o­tismus bre­it gemacht, würde wir hier heute, so nicht schreiben kön­nen.
    Ich denke aber das Kri­tik an einem zu viel an Fremd­sprachen dur­chaus gerecht­fer­tigt ist. Die wenig­sten Men­schen beherrschen Fremd­sprachen entsprechend gut um “sich­er” mit Ihnen arbeit­en zu kön­nen. Zumeist beschränkt sich das Vok­ab­u­lar mehr oder weniger auf das jew­eilige Fachge­bi­et und ein wenig darüber hin­aus. Ich zum Beispiel würde es mir nicht zutrauen eine Diskus­sion mit einem englis­chen Mut­ter­sprach­ler anz­u­fan­gen und auch noch zu gewin­nen, weniger wegen den fehlen­den Argu­menten, eher wegen der fehlen­den Ken­nt­nis der dafür notwendi­gen sprach­lichen Details und Kun­st­griffe. Ohne Frage ist das ein Markel den ich mir selb­st vorzuhal­ten habe, aber ich denke mal, sta­tis­tisch kom­plett unbelegt, dass das einem Grossteil der Deutschen so geht 🙂
    In dem Fall würde also meine, dur­chaus begrüssenswerte, Höflichkeit auch dazu beitra­gen das ich eine schlechtere Posi­tion ein­nehme. Von daher kann ich die Äng­ste ein wenig nachvol­lziehen.
    Ein ander­er Punkt ist, dass Vok­a­beln und ganze Lehren zum Teil kom­plett unre­flek­tiert über­nom­men wer­den ohne zu über­prüfen ob man nicht eventuell schon genau das gle­iche schon immer so macht, es halt nur einen kom­plett anderen Namen hat. Häu­fig hat man das Für und Wider für bes­timmte The­men bere­its auf Deutsch in seinem Daten­spe­ich­er abgelegt und über­sieht das besagter neuer, meisst englis­ch­er Ansatz, ja bere­its unter Für oder Wider abgelegt wor­den ist, nur hiess er halt anders.
    Zugegeben, das sind dur­chaus Prob­leme bei denen man sagen kön­nte “lernt mehr” oder “denkt halt drüber nach” aber das eine ist die wahre Lehre und das andere wie es im Regelfall gemacht wird.
    Als Tech­niker bin ich für ein­fache Stan­dards und das auch kom­pro­miss­los, mit Bits kann man nicht über ihre Zustände ver­han­deln. Als Otto Nor­ma­lo wün­schte ich mir manch­mal ein klein wenig mehr Gedanken­schmalz und ein paar deutsche Vok­a­beln mehr.
    Von daher würde ich diese Gegen­strö­mungen nicht als kom­plett unnütze abtun, wie alle Gegen­strö­mungen sind sie vielle­icht ein wenig zu extrem in ihrer Ansicht­en, aber sie geben ja dur­chaus eine Stim­mung inner­halb des Ganzen wieder und im Gegen­satz zu vie­len anderen machen sie sich wenig­stens Gedanken und das ist doch immer­hin schon mal etwas 🙂
    BTW: nur für die Samm­lung:
    Im Zuge ein­er, wie es let­ztes Jahr noch hiess, Inven­tarisierung (wie der Prozess aktuell heisst weiss ich ger­ade nicht), sollte dieses und jenes “Acid” aufgenom­men wer­den und diese “Acids” dann dem Qual­itäts­man­ag­er übergeben wer­den. Tim­o­thy Leary hätte es gefreut 😉

  6. S.H.

    deitse sprache — swere sprache
    Wer -wie Herr Holtz- für eine ver­stärk­te Nutzung der deutschen Sprache ein­tritt, weil er befürchtet, in ein­er fach­lichen Diskus­sion durch infe­ri­ore Englis­chken­nt­nisse Nachteile zu erfahren, der sollte diese Argu­men­ta­tion zumin­d­est in einem Deutsch ver­fassen, welch­es das Ver­trauen des Lesers in die Sprachkom­pe­tenz des Autors nicht unter­gräbt.
    Denn Herr Holz selb­st stellte fest das (oder doch eher “,dass?”) mit sprach­lichen “Markeln” behaftete Argu­men­ta­tion­sstränge aus Grün­den, die der Sache fremd sind, weniger Durch­schlagkraft besitzen, als der Autor erwün­scht. “Den” Men­schen lassen sich von der Form beein­druck­en in der Argu­mente vor­ge­tra­gen wer­den. Hop­pla, fehlt hier ein Kom­ma?
    Ich frage mich also nicht zum ersten Mal, ob der Ruf nach Sprach­pflege nicht in einem umgekehrt pro­por­tionalem Ver­hält­nis zur Sprachkom­pe­tenz der Autoren ste­ht. Dies wäre aus der Sicht meines Fach­es -der Ökonomie- darin begrün­det, dass eine min­dere Sprachkom­pe­tenz erhöhte per­sön­liche Lernkosten bei Änderun­gen im Sprachge­brauch verur­sachen. Herr Ste­fan­otwitsch — was sagt die Wis­senschaft?

  7. Till Westermayer

    Wortschatzüber­lap­pungs­fehler
    Zum all­ge­meinen The­ma “Deutsch bzw. Englisch als Wis­senschaftssprache” — was es tat­säch­lich kom­pliziert macht, scheinen mir mono­lin­guale Diskurse zu sein. So ist es gar nicht so ein­fach, mit dem deutschsprachi­gen sozi­ol­o­gis­chen Basiswis­sen im Hin­ter­grund ein englischsprachiges/internationales Sem­i­nar zu gestal­ten, weil viele Selb­stver­ständlichkeit­en inter­na­tion­al nicht gel­ten (z.B. die Rolle der Luhmann’schen Sys­temthe­o­rie; und selb­st von Beck — und erst recht aus Diszi­plinen wie der Arbeitssozi­olo­gie — gibt es vieles eben nicht auf Englisch). Und ander­sherum sind die inter­na­tionalen Rezep­tio­nen bes­timmter vor­wiegen­der deutschsprachiger AutorIn­nen eben­so ein Prob­lem (im Sinne deut­lich­er Deu­tung­sun­ter­schiede) wie die Frage der angemesse­nen Über­set­zung englis­chsprachiger Fachter­mi­ni (“Ground­ed The­o­ry” wird z.B. in jedem deutschsprachi­gen Auf­satz dazu anders beze­ich­net).

  8. Gareth

    Hop­pla, fehlt hier ein Kom­ma?

    Wenn Sie sich jedes Mal an Kom­maset­zungs­fehlern aufhän­gen, haben Sie beim Lesen aber nicht viel Spaß. Die Hälfte der Bevölkerung hat damit doch arge Schwierigkeit­en. Das ist wirk­lich das let­zte Kri­teri­um, woran ich Sprachkom­pe­tenz beurteilen würde.

    Dies wäre aus der Sicht meines Fach­es -der Ökonomie- darin begrün­det, dass eine min­dere Sprachkom­pe­tenz erhöhte per­sön­liche Lernkosten bei Änderun­gen im Sprachge­brauch verur­sachen.

    Was soll das über­haupt heißen? Ich ver­ste­he den Satz nicht. Und das, obwohl ich Kom­mas richtig set­zen kann!

  9. Jürgen Bolt

    Falsche Gram­matik
    “dass eine min­dere Sprachkom­pe­tenz erhöhte per­sön­liche Lernkosten bei Änderun­gen im Sprachge­brauch verur­sachen.” Was auch immer der Satz heißt, er ist jeden­falls gram­ma­tisch falsch, da sein Sub­jekt im Sin­gu­lar ste­ht (eine Sprachkom­pe­tenz) und sein Verb im Plur­al (verur­sachen).

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