Wir sind Englisch

Deutsch­land darf wieder mal harm­los und hys­ter­isch stolz auf sich sein. Wir sind nicht nur Papst, wir sind jet­zt auch Lena — dem Wun­der von Oslo sei Dank.

Eigentlich kön­nte mir das egal sein. Als ich das let­zte Mal den Euro­vi­sion Song Con­test gese­hen habe, hieß er noch Grand Prix d’Eurovision, und Kat­ri­na and the Waves waren vorherse­hbare Sieger. Ich will gar nicht wis­sen, wann das war, ich merke dann nur wieder, dass ich alt werde. Und Lena Mey­er-Lan­drut geht mir mit ihrer pen­e­tran­ten Ich-bin-nur-ein-neun­zehn­jähriges-Schul­mäd­chen-aus-Han­nover-und-singe-son­st-nur-unter-der-Dusche-Num­mer etwas auf die Ner­ven.

Ander­er­seits ist sie natür­lich nur ein neun­zehn­jähriges Schul­mäd­chen aus Han­nover und singt son­st nur unter der Dusche, also kann man es ihr irgend­wie nach­se­hen. Und vor allem hat sie es nicht ver­di­ent, wegen ihres englis­chen Akzents so ange­fein­det zu wer­den, wie es der britis­che Jour­nal­ist Mark Espin­er auf Spiegel Online getan hat:

Ganz im Gegen­satz zu ihren einge­fleis­cht­en Fans, die behaupten, ihr Akzent sei bril­lant, muss ich allerd­ings sagen: Lenas Englisch klingt wirk­lich, wirk­lich selt­sam. Ihre Ver­suche, die von ihren Helden Adele und Amy Wine­house geliebte Straßen­sprache Lon­dons zu übernehmen (die selb­st wiederum ein Hybrid aus US-Slang, jamaikanis­ch­er Gang­ster­sprache und dem Dialekt des East End ist), enden damit, dass sie sich anhört wie ein schwedis­ch­er Sprachther­a­peut, der Ali G. imi­tiert.

Lenas Akzent ist kein Mock­ney, also vor­getäuschter Lon­don­er Arbeit­erk­lassen-Cock­ney, den man zum Beispiel dem Blur-Sänger Damon Albarn vorge­wor­fen hat. Noch ist es das voll aus­geprägte „Jafakean“, das kün­stliche Jamaikanisch, das man oft als den bevorzugten Slang jen­er Schüler, die gern so klin­gen wollen, als kämen sie von der Straße, auf den Oberdecks der Lon­don­er Busse hört.

Lena bedi­ent sich in ihrem Sprach­mix bei bei­dem und fügt einen Schuss selt­samer Euromis­chung hinzu, ver­mut­lich etwas von ihrem Han­noverdeutsch, und etwas, das sich anhört wie Skan­di­navisch. Das Skan­di­navis­che immer­hin kön­nte ein aus­gek­lügel­ter Plan sein, um die Oslo­er Massen für sich zu gewin­nen. [SPIEGL ONLINE/Espiner 2010]

Lassen wir mal Espin­ers merk­würdig ver­drehte Charak­ter­isierung der „Straßen­sprache Lon­dons“ bei­seite. Die wäre einen eige­nen Beitrag wert, aber den müsste jemand schreiben, der sich bess­er damit ausken­nt. Fra­gen wir uns lieber, was Espin­er über­haupt dazu berechtigt, Expertenurteile über Mey­er-Lan­druts Aussprache abzugeben und dabei völ­lig ohne Not schwedis­che Sprachther­a­peuten und Jugendliche auf den Oberdecks von Lon­don­er Bussen ins Spiel zu brin­gen.

Ist er Sprach­wis­senschaftler, Sprachther­a­peut, Sprach­train­er, Sprach­lehrer, oder beschäftigt er sich son­st irgend­wie pro­fes­sionell mit Sprache?

Nein. Er ist „freier Kul­tur­jour­nal­ist“, erfährt man aus der Kurzbi­ografie auf Spiegel online.

Hat er sich denn als Kul­tur­jour­nal­ist aus­führlich mit Sprache beschäftigt?

Nein. Er schreibt haupt­säch­lich über The­ater und über das Leben eines über The­ater schreiben­den britis­chen Jour­nal­is­ten in Berlin.

Ja, woher kommt denn dann seine sprach­liche Exper­tise?

Ach ja, natür­lich, er ist ja Englän­der, und Englisch gehört schließlich den Englän­dern, wie er gle­ich zu beginn seines Artikels klarstellt:

Seit Abba mit „Water­loo“ tri­um­phierte (und das mit einem fast per­fek­ten Akzent), herrscht allerorts der feste Glaube, dass den Song Con­test nur gewin­nen kann, wer die Sprache aus­gerech­net jenes Lan­des annimmt, in dem man sich stand­haft weigert, jemals eine andere Sprache zu sprechen als Englisch. Vielle­icht hil­ft das ja zu erk­lären, warum Lena das Herz der Deutschen erobert hat, obwohl sie doch in mein­er Mut­ter­sprache singt. [SPIEGEL ONLINE/Espiner 2010]

Mit einem „fast per­fek­ten Akzent“ meint er natür­lich einen englis­chen Akzent, mit „jenes Lan­des, das…“ meint er natür­lich Eng­land, und mit „meine Mut­ter­sprache“ meint er natür­lich, dass nur Englän­der „richtiges“ Englisch sprechen (und zwar wirk­lich nur Englän­der — schon der Dialekt der Nach­barin­sel ist für ihn nicht mehr ern­stzunehmen, wie ein unmo­tiviert­er Seit­en­hieb gegen „das irische Geträller der Cran­ber­ries-Sän­gerin Dolores O’Riordan“ später im Artikel zeigt).

Aber so plau­si­bel das möglicher­weise auf den ersten Blick wirken mag — schließlich kommt das Englis­che doch aus Eng­land, oder? — so absurd ist es bei näherem Nach­denken.

Denn Englisch ist längst nicht mehr die Sprache der Englän­der.

Schon, wenn man nur die Sprachge­mein­schaften in Betra­cht zieht, in denen Englisch von der Mehrheit der Sprech­er von Geburt an und als einzige Sprache gel­ernt wird — der indis­che Sprach­wis­senschaftler Braj Kachru beze­ich­net diese in seinem Mod­ell des Englis­chen als „inneren Kreis“ –, zeigt sich eine fan­tastis­che Vielfalt: Eng­land, Wales, Schot­t­land, Irland, die Ostküste der USA, die Süd­staat­en, die West­küste der USA, Aus­tralien, Neusee­land, Mal­ta, Kana­da, Südafri­ka und Teile der Karibik, alle haben sie aus ver­schieden his­torischen Sprach­stufen des Englis­chen her­aus ihre eige­nen Stan­dard­va­ri­etäten entwick­elt, ganz zu schweigen von Dutzen­den von regionalen und lokalen Dialek­ten. Alle diese Vari­etäten haben ganz reg­uläre Sprach­wan­del­prozesse durch­laufen, und alle sind mit anderen Sprachen in Kon­takt gekom­men und haben sich mit diesen ver­mis­cht. Das „englis­che“ Englisch ist nicht ursprünglich­er, rein­er oder son­st irgend­wie „echter“ als irgen­deine andere dieser Vari­etäten.

Um diesen „inneren Kreis“ liegt, wiederum in Kachrus Worten, ein „äußer­er Kreis“, der jene Sprachge­mein­schaften umfasst, in denen Englisch zwar nicht alleiniges, aber trotz­dem weit ver­bre­it­etes und his­torisch gewach­senes Kom­mu­nika­tion­s­medi­um ist — etwa in Indi­en, Pak­istan, Banglade­sch, Malaysia, den Philip­pinen, Tan­za­nia und Kenia. Das Englis­che ist dort all­ge­gen­wär­tig und so haben sich auch dort sta­bile Vari­etäten des Englis­chen her­aus­ge­bildet, die sich von denen des „inneren Kreis­es“ im Großen und Ganzen nur dadurch unter­schei­den, dass sie deut­lichere Zeichen ihres fortwähren­den Kon­tak­ts mit den anderen Sprachen der jew­eili­gen Regio­nen tra­gen. Aber keine dieser Vari­etäten unter­schei­det sich so stark vom britis­chen Englisch, wie das heutige britis­che Englisch sich vom britis­chen Englisch von vor der nor­man­nis­chen Eroberung unter­schei­det. Vor allem sind alle diese Vari­etäten „echt“, sie wer­den von echt­en Men­schen zu echt­en kom­mu­nika­tiv­en Zweck­en ver­wen­det.

Ein solch­es Kreis­mod­ell ließe sich auch für andere Sprachen erstellen. Auch das Franzö­sis­che und das Spanis­che, um nur zwei offen­sichtliche Beispiele zu nen­nen, haben sich weit über ihr ursprünglich­es Sprachge­bi­et aus­gedehnt und eine Vielzahl an Vari­etäten her­vorge­bracht, unter denen man eine „echte“ nicht mehr iden­ti­fizieren kann. Die Sit­u­a­tion des Englis­chen ist aber noch kom­pliziert­er: Da es inter­na­tionale Verkehrssprache ist, liegt um Kachrus „äußeren Kreis“ noch ein „erweit­ert­er (oder sich erweit­ern­der) Kreis“ von Län­dern, in denen Englisch zwar eine unter­ge­ord­nete Rolle spielt, aber aus dem All­t­ag nicht mehr ohne weit­eres wegzu­denken ist — dazu gehört inzwis­chen fast die ganze Welt, auf jeden Fall aber Deutsch­land, wo Englisch verpflich­t­en­der Teil aller Lehrpläne ist und eine wichtige Rolle in der Wirtschaft, der Forschung und der uni­ver­sitären Lehre spielt.

Auch in den Län­dern des erweit­erten Kreis­es bilden sich natür­lich eigene Vari­etäten her­aus, die durch Eigen­schaften der jew­eils dom­i­nan­ten Sprachen geprägt sind. Im deutschen Englisch wer­den die Vokale im Ver­gle­ich zu britis­chen oder amerikanis­chen Vari­etäten weit­er oben im Vokalraum artikuliert (aus [æ] wird [e], aus [ɒ] wird [ɔ], aus [ɔ] wird [o], usw.), und stimmhafte Kon­so­nan­ten am Wor­tende wer­den stimm­los aus­ge­sprochen. Wenn man sehr genau hin­hört, find­et man bei Mey­er-Lan­drut Spuren davon (aroun[t] statt aroun[d], lo[f] statt lo[v]e, f[o]ll out into the night statt f[ɔ]ll out…, c[e]n’t go a minute with­out your love statt c[æ]n’t go…). Aber man muss schon sehr genau hin­hören, denn tat­säch­lich ist Mey­er-Lan­druts Englisch erstaunlich gut, nicht nur für eine neun­zehn­jährige Han­nover­aner­in unter der Dusche, son­dern über­haupt.

Die für das deutsche Englisch typ­is­chen Aussprachevari­anten gel­ten aber ohne­hin nur deshalb als „falsch“, weil es einen gesellschaftlichen Kon­sens gibt, der besagt, dass deutsches Englisch — anders als englis­ches, schot­tis­ches oder amerikanis­ches Englisch — keine „echte“ Vari­etät des Englis­chen ist und dass deutsche Englis­chsprech­er sich deshalb an ein­er „echt­en“ Vari­etät ori­en­tieren sollen.

Das wirft natür­lich die Frage auf, welche Vari­etät das sein sollte. Espin­er ken­nt die Antwort: Natür­lich darf es nur die Stan­dard­sprache Eng­lands sein, so etwas wie „Oxford Eng­lish“. Und an dieser Vari­etät ori­en­tiert sich Mey­er-Lan­drut ja auch meis­tens, wobei es stimmt, dass sie ihre Vokale manch­mal auch wie im Lon­don­er Cock­ney ausspricht. Mit ein­er solchen Dialek­t­mis­chung ste­ht sie nicht alleine da. Meine eigene Aussprache ist eine Mis­chung aus einem rel­a­tiv neu­tralen britis­chen Stan­dar­d­englisch, dem amerikanis­chen Stan­dar­d­englisch der US-Fernsehsender, dem tex­anis­chen Englisch und dem deutschen Englisch.

Ich würde mich ja um eine stim­mige Aussprache bemühen, wenn mir ein gutes Vor­bild ein­fall­en würde. Aber wie gesagt, Englisch wird weltweit von kon­ser­v­a­tiv geschätzten 700 Mil­lio­nen Men­schen im inneren und äußeren Kreis als Mut­ter­sprache oder früh erlernte und alltägliche Zweit­sprache gesprochen. Warum soll­ten Mey­er-Lan­drut, ich, oder andere deutsche Englis­chsprech­er sich also auf eine bes­timmte Vari­etät fes­tle­gen? Meine Dialek­t­mis­chung reflek­tiert meine Sprach­lern­bi­ogra­phie (Schulzeit in Deutsch­land und Eng­land, Studi­um in Deutsch­land und Texas), und Mey­er-Lan­druts Dialek­t­mis­chung wird eben ihre Sprach­lern­bi­ogra­phie reflek­tieren.

Das muss Espin­er (oder den Englän­dern all­ge­mein) aus ästhetis­ch­er Sicht nicht gefall­en, aber warum sollte uns das ästhetis­che Empfind­en ein­er Sprachge­mein­schaft inter­essieren, die nicht ein­mal zehn Prozent der englis­chen Mut­ter­sprach­ler repräsen­tiert? Espin­er kann gerne Schatzmeis­ter über die englis­che Sprache spie­len, aber Ernst nehmen kann man ihn dabei nicht. Der britis­che Sprach­wis­senschaftler Hen­ry Wid­dow­son hat das in einem 1994 erschiene­nen Vor­trag sehr schön gesagt:

Wie das Englis­che sich in der Welt entwick­elt, geht Mut­ter­sprach­ler in Eng­land, den Vere­inigten Staat­en oder sonst­wo abso­lut nichts an. Sie haben in dieser Angele­gen­heit kein Mit­spracherecht, kein Recht, sich einzu­mis­chen oder Urteile abzugeben. Sie sind irrel­e­vant. Die Tat­sache, dass Englisch eine inter­na­tionale Sprache ist, bedeutet, dass keine Nation das Sorg­erecht über sie haben kann. Ein solch­es Sorg­erecht zu gewähren würde bedeuten, die Entwick­lung der Sprache anzuhal­ten und so ihre inter­na­tionale Rolle zu unter­graben. Mut­ter­sprach­ler schöpfen Stolz und Befriedi­gung aus der Tat­sache, dass die englis­che Sprache ein inter­na­tionales Kom­mu­nika­tion­s­medi­um ist. Aber sie ist nun ein­mal nur insoweit inter­na­tion­al, wie sie nicht mehr „ihre“ Sprache ist. Sie ist kein Besitz, den sie an andere ver­pacht­en, über den sie aber das Eigen­tum­srecht behal­ten. Sie gehört tat­säch­lich anderen Men­schen. [Wid­dow­son 1994: 385, meine Über­set­zung]

Die Redak­teure des Guardian, die am Sam­stag Abend den Euro­vi­sion Song Con­test live geblog­gt haben, haben das ver­standen und akzep­tieren Mey­er-Lan­drut Akzent als Teil des Gesamtkunst­werks. Ihr Kom­men­tar zum Auftritt:

9.37pm: Ger­many now — my one remain­ing favourite song left in the com­pe­ti­tion. Lena, her name is, and you’ll be hard pushed to find any­body more endear­ing on the face of the plan­et right now. Look at her, bob­bing around and mis­pro­nounc­ing words like a pock­et-sized Bjork. She’s adorable. This prob­a­bly isn’t the place to admit it, but I think I might love Lena a lit­tle bit. Or, to put it in a way she’ll under­stand, I ‘lawfe’ her [GUARDIAN.co.uk 2010].


 

Espin­er, Mark (2010) Dialekt-Desaster Lena Mey­er-Lan­drut. Unsere West­er­welle für Oslo. Spiegel Online, 18. Mai 2010 [Link]

Kachru, Braj (1985) Stan­dards, cod­i­fi­ca­tion and soci­olin­guis­tic real­ism. In: Ran­dolph Quirk (Hg.), Eng­lish in the World. Cam­bridge: Cam­bridge Uni­ver­si­ty Press, 11–34.

GUARDIAN.co.uk/Lusher, Tim, Stu­art Her­itage und Vicky Frost (2010) Euro­vi­sion 2010: Live­blogged. The Guardian Online, 29. Mai 2010 [Link]

Wid­dow­son, H.G. (1994) The own­er­ship of Eng­lish. TESOL Quar­ter­ly 28.2, 377–389 [JSTOR].


[Dieser Beitrag erschien ursprünglich im alten Sprachlog auf den SciLogs. Die hier erschienene Ver­sion enthält möglicher­weise Kor­rek­turen und Aktu­al­isierun­gen. Auch die Kom­mentare wur­den möglicher­weise nicht voll­ständig über­nom­men.]

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Anatol Stefanowitsch

Über Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Er beschäftigt sich derzeit mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Sein aktuelles Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ ist 2018 im Dudenverlag erschienen.

48 Gedanken zu „Wir sind Englisch

  1. Dierk

    Machen wir uns nichts vor, die Englän­der kön­nen auch kein Englisch! Ich ver­weise mal auf die Kol­le­gen im Lan­guage Log, http://languagelog.ldc.upenn.edu/nll/?p=2338, die sich an ein­er sehr speziellen Vari­ante des York­shire Dialek­ts ver­sucht­en. Und die ste­hen nicht alleine, ich empfehle jedem, David Peaces Red Rid­ing Trilo­gie zu lesen oder die gar nicht üble Ver­fil­mung zu sehen — und dann anzugeben [wie gut man das näm­lich ver­standen hat …].
    Ich ver­mute ohne­hin, diejeni­gen, die sich über Fräulein Lenas Akzent lustig machen, suchen ein­fach nur einen ange­blich trifti­gen Grund, warum sie doof zu find­en ist. Caveat: Ich habe immer noch nicht mehr als die Anfangsakko­rde gehört.
    PS: Ich stamme noch aus ein­er Zeit, als für Britis­ches Englisch ‘can’t’ mit langem ‘a’ gelehrt wurde, laut­lich wie im deutschen ‘Made’.

  2. Gunnar

    Ich hätte ihren Akzent eigentlich mehr in der schot­tisch-aus­tralis­chen Ecke verortet. Fand ich nach all dem amerikanisch-englisch in der Pop­musik eigentlich ganz amüsant.

  3. suz

    Ich meine auch, dass Lena Spuren eines aus­tralis­chen Akzents hat (z.B. bei ‘day’), geht wohl in die Rich­tung Cock­ney; ab und an mis­cht sich m.E. auch noch ein wenig irisch­er Akzent drunter — so gese­hen kann ich Gun­nar recht geben. Nur weil sie nicht kon­se­quent mit ‘deutschem’ Akzent spricht hat sie jet­zt auch wieder n paar Leuten auf die Füße getreten (und die Kri­tik an ihrem Akzent kommt ja vor allem aus dem Inland).
    Ja, was denn nu? Oet­tingers deutschen Akzent mag man nicht, Lena triezt man jet­zt auch? Wir sind doch eine selt­sam schiz­o­phrene Gesellschaft.

  4. Ariane

    Immer­hin wis­sen wir jet­zt, dass es auch englis­che Sprach­nör­gler gibt und das keine rein deutsche Ver­hal­tensweise ist.
    Obwohl es schon beun­ruhi­gend ist, wenn englis­che Sprach­nörgeleien nun auch schon in deutschen Blät­tern pub­liziert wer­den, als wären die deutschen nicht genug.

  5. Helmut Wicht

    Aggsend und Dia­leg­gd
    Des aam Böbb­sche is doch e Han­nover­an­ern, unn da hawwe se ja noch ned­de­mol en deitsche Dia­leg­gd odd­er Aggsend. Do musse hald gugge, wie se sich ihrn Zungeschlaach zsammesto­bbeld, weil wanns­de hei­dzu­daach nur so babbelsd, wie der de Schnawwel gewachse is, dann ver­di­ens­de dademit kaan Blummed­ibbe. Des muss schon “krossouw­ern”, damids eschd sek­si werd’, aach fer die Lin­guis­de, hawwe se was ze forsche. Je ver­booch­en­er, desto bess­er.
    Des is wie wann klaane Kin­ner im Brab­sch sch­biele: Haubt­sach es bleibt irschend­was babbe. “Aliq­uid sem­per haeret” hawwe die Lad­dein­er gesachd, wann frieher aans aan mid Brab­sch geschmisse had. Heit schmeissd mer im Schoubiss mid saam Brab­sch erum, ned damider an de annern babbd, son­nern weil mer so bil­lisch an e “Alle­in­stel­lungsmerk­mal” kim­md.
    “Alle singe “Yeah”, kaan­er dud’s ver­steh’..” hadd mein Bab­ba damals gesachd, als mer mid­de erschde Biedels-Bladde gekomme sinn…
    Ob misch des alles kradzd? Kaa bis­je. Im Gääschedeil: des is’ die Rach’ von de Zwangsan­gli­fizierte am Änglis­che. Wosse Glick, dass mir Hesse nie zuemme Wel­dreisch gekomme sinn!

  6. Soziobloge

    Endlich stellt es mal ein­er richtig. Mir glaubts ja kein­er. Ihr let­ztes Zitat des Guardian Redak­teurs, wurde in irgen­deinem Artikel so dargestellt, dass die Englän­der sich über sie lustig machen wür­den.
    Seit ich “Life on Mars” im Orig­i­nal gese­hen habe und eine Staffel brauchte um zu ver­ste­hen, was die sagen, kann mir kein­er mehr erzählen die Englän­der wür­den nur Oxford Englisch reden.
    In Tübin­gen ist mir auch mal in Deutsch­land passiert, dass ich nichts ver­standen habe. Soviel zum The­ma falsche Aussprache. Der Herr Wicht spricht mir da ja aus dem Herzen 😉

  7. MM

    Ja, Espin­er ist kaum auszuhal­ten, aber dass Mey­er-Lan­druts Dialek­t­mis­chung ihre Sprach­lern­bi­ogra­phie reflek­tiert glaube ich nicht. Denn wenn sie Inter­views gibt, spricht sie anders. Ich glaube, die Misch-Aussprache ist für das Gesamtkunst­werk “Satel­lit” ein­studiert.

  8. MM

    An Armin: Boyes und andere beschreiben die Aussprache von “day” als aus­tralisch. Ich spreche aber auch estu­ary Eng­lish — als ich in Eng­land lebte, war es noch nicht Mode — und wurde manch­mal für eine Aus­tralieren gehal­ten. Es hängt damit zusam­men, dass die Lon­don­er “Ver­brech­er” nach Aus­tralien geschickt wur­den.

  9. Gerhard

    @Helmut Wicht
    Glück­wun­sch! Zwei kom­plette Absätze in durchgängig stim­migem Hes­sisch, das hab ich lang nir­gends mehr gese­hen. Obwohl: Bei uns würde man nicht “saan” son­dern “sein” sagen.

  10. Armin

    Sprach­lern­bi­ografie & Aus­tralis­che Days
    @MM
    Ohne jet­zt gross Inter­views mit ihr geho­ert zu haben, das hoert sich fuer mich auch so an. Die Songs sind fuerr den Effekt ein­studiert, die freie Sprache weniger. Fast so wie Kate Nash die auch anders spricht als sie singt.
    Fuer das “day” braucht man sich ja nur mal Bil­ly Bragg mit “Sat­ur­day Boy”, vielle­icht nicht ganz so stark, aber man kann es da auch schon raushoeren. Und viel Englis­ch­er als Bil­ly Bragg geht’s ja kaum noch 😉

  11. Stefan Taube

    @suz
    “Oet­tingers deutschen Akzent mag man nicht, Lena triezt man jet­zt auch? Wir sind doch eine selt­sam schiz­o­phrene Gesellschaft.”
    Oet­tinger schafft es immer­hin, nicht mit deutschem Akzent, son­dern mit deutschem Dialekt Englisch zu sprechen 😉 Mir gefällt’s!
    Lena hat sich natür­lich längst selb­st zu Wort gemeldet:


  12. LMK

    Mir sind in Espin­ers Artikel eigentlich noch zwei Dinge auge­fall­en, bei denen ich aber nicht weiß, ob ich sie richtig beobachtet habe, da ich ein Lin­guist bin, son­dern eher seit einiger Zeit inter­essiert­er Mitleser.
    Das eine ist die Ein­führung ein­er Sprache mit der Beze­ich­nung “skan­di­navisch”, die mir noch unbekan­nt ist. Das andere ist, dass “Head­banger” keineswegs Leute sind, die unen­twegt mit dem Kopf vor eine Wand ren­nen, auch wenn der Aus­druck ein­mal etwas Ähn­lich­es bedeutet haben mag. Entwed­er hat Espin­er hier den Bedeu­tungswan­del nicht mit­bekom­men — was mich an Reich-Ran­icky erin­nern würde — oder er hat das bewußt unter­schla­gen.

  13. LMK

    Entschuldigung. Es muss natür­lich heißen: “da ich kein Lin­guist bin”.

  14. Armin

    Bang my head (against the wall)
    Ahem, seit wann gibt es denn bei “bang my head (against the wall)” einen Bedeu­tungswan­del? Und wo ste­ht in dem Artikel etwas von einem “head­banger”?

  15. domingos

    geht mir auch so
    Ich finde es ja immer lustig, wenn man zwang­haft ver­sucht, einen bes­timmten englis­chen Stil wie Irisch zu imi­tieren. Ich habe einen indis­chen Ein­schlag in mein Schu­lenglisch bekom­men. Haupt­sache ist, dass man über­all ver­standen wird.

  16. Carsten aus Hannover

    Inter­views
    Inter­es­san­ter­weise hat sie in Inter­views in der Tat eher einen deutsch/amerikanischen Akzent. Die britisch/pseudobritischen Ein­flüsse scheinen wirk­lich Teil des Gesamtkunst­werkes zu sein.
    Es ist mir allerd­ings schon häu­fig aufge­fall­en, dass Deutschmut­ter­sprach­ler, die sich pro­fes­sionell mit Sin­gen beschäfti­gen, dort einen deut­lich “besseren”, oder im Sinne des Artikels: deut­lich stärk­er an ein­er bes­timmten Vari­ante des Englis­chen, Akzent haben.

  17. amfenster

    Eine späte, aber dafür umso gelun­genere Antwort auf den unsäglichen Espin­er-Artikel, der mich nicht nur durch sein dummes Akzent-Bash­ing aufgeregt hat, son­dern auch durch seine Unfokussiertheit. Irgend­wann ging es näm­lich über­haupt nicht mehr um Lenas Akzent, son­dern um den Titel ihres Albums und einige Pas­sagen ihrer Song­texte, und da wurde es nun wirk­lich albern. Als ob es dem Mädel vorzuw­er­fen wäre, dass Pop-Texte in aller Regel nichtig bis däm­lich sind.

  18. Michael Khan

    Was denn nun?
    Da es kein Stan­dar­d­englisch gibt, an dem man sich ori­en­tieren muss, und somit auch kein “richtiges” oder “falsches” Englisch, ist alles irgend­wie richtig, und man braucht auch nicht mehr im Englis­chunter­richt aufzu­passen.
    Oder wie?

  19. Michael Khan

    Was Mark Espin­er vielle­icht meinte …
    Carsten aus Han­nover:
    Inter­es­san­ter­weise hat sie in Inter­views in der Tat eher einen deutsch/amerikanischen Akzent. Die britisch/pseudobritischen Ein­flüsse scheinen wirk­lich Teil des Gesamtkunst­werkes zu sein.
    amfen­ster:
    […]unsäglichen Espin­er-Artikel, der mich nicht nur durch sein dummes Akzent-Bash­ing […]
    (Na, Sie schenken ja ganz schön ein …)
    Ich kann Mark Espin­ers Darstel­lung des wirk­lich, wirk­lich selt­samen Englisch” nachvol­lziehen. Es geht mir auch oft so, ger­ade wenn ich jün­geren Deutschen im Aus­land zuhöre. Er hat Recht. Die klin­gen wirk­lich, wirk­lich selt­sam.
    Deutsche sind ein Phänomen. Das wird jed­er bestäti­gen, der mal in ein­er deutschen Volk­shochschule einen Kon­ver­sa­tion­skurs ein­er Fremd­sprache belegt oder gar als aus­ländis­ch­er Sprach­lehrer in Deutsch­land gear­beit­et hat.
    Es ist in Deutsch­land sehr häu­fig, dass Leute, die noch nicht ein­mal einen ein­fachen fehler­freien Satz in ein­er Fremd­sprache sprechen oder gar zu Papi­er brin­gen kön­nen, sich gle­ich für den Kon­ver­sa­tion­skurs ein­schreiben wollen. Auch deswe­gen mussten viele Volk­shochschulen Ein­stu­fung­stests ein­führen.
    Das ganz und gar ent­ge­genge­set­zte japanis­che Phänomen ist hierzu­lande kaum denkbar: in Japan ist es eher so, dass Sprach­schüler ihre Ken­nt­nisse eher unter- als über­schätzen. Hier aber wird munter drau­flos­ge­plap­pert, und weil man’s ja kann — oder zu kön­nen meint — lässt man sich auch nichts mehr sagen.
    Da sind nun also diese jun­gen Deutschen im Aus­land mit ihrem ganz im Gegen­satz zu ihrer hohen Mei­n­ung von ihren eige­nen Ken­nt­nis­sen dur­chaus lück­en­haften Wortschatz, ihren man­gel­haften Ken­nt­nis­sen der Gram­matik und ihrem zum Schnei­den dick­en deutschen Akzent. Irgend­wie merken sie am Ende dann doch selb­st, dass es an allen Eck­en und Enden hapert. Aber das wird flugs übertüncht: Mit über­trieben­er Ver­wen­dung aufgeschnappter, ver­meintlich Cool­ness ausstrahlen­der Mod­ewörter und vor allem mit einem dick aufge­tra­ge­nen — meist MTV-amerikanis­chen — Drawl, den so bes­timmt kein Mut­ter­sprach­ler pflegt und mit dem man vielle­icht unter anderen Deutschen noch ob sein­er ver­meintlichen Sprachken­nt­nisse punk­ten kann — auf die lokalen Mut­ter­sprach­ler wirkt das dage­gen wirk­lich, wirk­lich selt­sam.
    Klar, man find­et immer wieder Leute, die einem weis­machen wollen, dass es ja gar kein “richtiges” oder “falsches” Englisch gibt und dass es deswe­gen auch keinen wirk­lichen Stan­dard gibt, an dem man sich messen lassen kön­nten. Klingt gut, kommt gut an, ist aber lei­der nicht so. Es gibt auch im Deutschen Dialek­te und Akzente und es ist auch im Deutschen schwierig, den Stan­dard zu definieren. Aber man ver­suche mal, sich irgend­wo mit ein­er vor Fehlern strotzen­den Mappe zu bewer­ben, dann merkt man sehr schnell, dass — ange­blich nicht existieren­der Richtigkeits­stan­dard hin oder her — man damit auf keinen grü­nen Zweig kommt.
    Liebe Leute, ste­ht doch ein­fach zu eurem deutschen Akzent. So, wie die Fran­zosen auch zu ihrem franzö­sis­chen Akzent ste­hen und ihn sog­ar pfle­gen. Oder aber, ihr müsst wirk­lich hart an euch arbeit­en, damit kein­er mehr schon beim ersten Satz merkt, dass man aus Deutsch­land kommt. Das ist aber ein Hei­de­naufwand. Da ist es ein­fach­er, man akzep­tiert ein­fach seinen Akzent, so wie die Fran­zosen das tun, und ver­sucht nicht, ihn müh­sam zu kaschieren. Darauf fällt näm­lich ohne­hin kein­er ‘rein.

  20. Michael Khan

    @A. Ste­fanow­itsch
    Ich will gar nicht wis­sen, wann das war
    Ich sag’s Ihnen trotz­dem: Das war 1997.

  21. Achim

    jet­zt auch ich
    Da ich Sam­stag abend zwis­chen Fernse­her, Abwasch, Wäscheaufhän­gen etc. hin- und hergepen­delt bin, habe ich ja dies und das mit­bekom­men. Und den Artikel von Espin­er hab ich auch gele­sen und nicht gemocht.
    1. Lenas Englisch
    Beim Inter­view fiel auch mir auf, dass ihr Sprechakzent ein ander­er ist als ihr Sin­gakzent. Let­zteren fand ich ganz süß. Außer­dem ist ihr Wortschatz nicht sooo riesig, was zum Teil sich­er auf die Sit­u­a­tion zu schieben ist. Aber nur zum Teil.
    2. Espin­ers Deutsch
    Zumin­d­est in meinem Deutsch ist man in ein­er Sprache nur dann per­fekt, wenn man keinen Akzent hat. Wenn Abbas Englisch denn so toll war, würde ich immer sagen, dass sie akzent­frei gesun­gen haben. Sie waren wohl auch ziem­lich nahe dran.
    3. Mein Englisch
    Ist wie bei vie­len anderen hier eine wilde Mis­chung aus Schu­lenglisch und dem, was man in der Pop­musik hört, plus Input aus Ferien­reisen, Stu­dien­zeit und Kon­feren­zgetüm­mel. Man­gels Expo­si­tion zu native speak­ers wird der deutsche Akzent in let­zter Zeit auch wieder stärk­er.
    4. Espin­ers Englisch
    Der Arme scheint nicht zu ver­winden, dass “God’s own Eng­lish” selb­st nur ein Kre­ol ist 😉

  22. Armin

    Keinen Akzent…
    “Zumin­d­est in meinem Deutsch ist man in ein­er Sprache nur dann per­fekt, wenn man keinen Akzent hat.”
    Da fehlt ein Wort. Aus­laendis­chen. Was auch immer das wo sein mag.
    Denn keinen Akzent kann man nicht haben. Jed­er hat einen Akzent, auch Espin­er wenn er Englisch spricht (wobei ich mir bei dem vorstellen kann dass er mit einem “Oxford Eng­lish” Akzent spricht).
    Aehn­lich wie in Deutsch­land kann man auch in Eng­land bei den meis­ten Leuten erken­nen min­destens aus welch­er groben Gegend sie kom­men. West Coun­try hoert sich anders an als Lon­don, Scouse, Geordie oder York­shire sowieso (wobei das teil­weise dann schon in Dialekt ueberge­ht). Wenn man es dann noch auf Schot­t­land, Wales und Irland (Repub­lik und Nordir­land) aus­dehnt wird es noch mehr (wobei es da dann auch wieder Unter­schiede gibt). Von den USA, Aus­tralien und anderen Englis­chsprachi­gen Laen­dern will ich gar nicht erst anfan­gen.
    Da ist dann die Frage welchen davon man als Aus­laen­der annehmen kann und/oder will.

  23. DrNI@AM

    Eigentlich nichts neues
    Ich hätte den Akzent spon­tan eher auf ein gefak­tes Aus­tralisch ein­sortiert. Aber neu ist das alles nicht. Im Reg­gae tun doch alle möglichen Bands, ger­ade auch die Deutschen, so als wären sie frisch von Jamai­ka einge­wan­dert. Da wird nicht mal mehr der Akzent nachgemacht son­dern ver­sucht, den ganzen Dialekt zu übernehmen. Inter­es­sant ist das alle­mal, Grund für Anfein­dung sich­er nicht. I an’ I say peace, man!

  24. A. Nonym

    Tom S. Fox
    O nein, bitte sagen Sie mir, dass Sie NICHT ger­ade das alte, abge­drosch­ene “Wir sind Papst” exhumiert haben. Sie hinken der dem Rest der Men­schheit wohl zwei Jahre hin­ter­her?

  25. Frank Oswalt

    @A. Nonym Tom S. Fox
    Nein, hat er nicht. Die Presse hat das exhumiert, in dem sie die Schlagzeile “Wir sind Lena” erfun­den hat. Hät­ten Sie raus­find­en kön­nen, wenn Sie auf den Link gek­lickt hät­ten.

  26. Gareth

    Naja, Lenas Englisch-Fake finde ich stel­len­weise auch ziem­lich stra­paz­iös. Wenn man von den typ­is­chen Vokalun­ter­schieden und der Aus­lautver­här­tung, die keinen Unter­schied zwis­chen bag und back macht, absieht, finde ich es ein­fach ein biss­chen albern, sich seinen eige­nen Akzent zusam­men­zubasteln.
    Es ist wahr, dass das Englis­che mit­tler­weile so het­ero­gen ist, dass man nur schw­er einen Stan­dar­d­akzent definieren kann, aber wenn man sich schon etwas absichtlich antrainiert, dann wenig­stens etwas, das auch irgend­wo gesprochen wird.
    Ihr Akzen­tkon­strukt ist teil­weise schon hanebüchen und mis­cht wild aus­tralis­che (Diph­thong in “day”), nor­denglis­che (Vokal in “sad”, “bad”), südenglis­che (glot­tal stop in “night”), amerikanis­che (Diph­thong in “go”), amerikanisch/australisch/teilweise britis­che (tap in “satel­lite”) miteinan­der. Es gibt keinen Mut­ter­sprach­ler des Englis­chen, der das so ausspricht.

  27. Hannes

    Richtiges” Englisch?
    Sehr schön­er Artikel, der genau die richtige Frage stellt: Was eigentlich ist “richtiges” Englisch?
    Dieses ganze Aufhän­gen an der — zugegeben­er­maßen komis­chen — Aussprache nervt sog­ar noch mehr als der Song “Sat­telite” nach dem drit­ten mal anhören.
    Außer­dem zeugt es auch von ein­er ziem­lich arro­ganz gewiss­er Englän­der, wenn ein/e Sänger/in aus dem Aus­land auf­grund ihrer “falschen” Aussprache kri­tisiert wird.
    Jed­er, der mal Amy Mac­Don­ald oder Shirley Man­son in einem Inter­view gese­hen hat wird deren starke schot­tis­che Akzente gehört haben, aber es käme doch nie jemand auf die Idee den bei­den zu unster­stellen, sie wür­den kein “richtiges Englisch” sprechen, nur weil sie z.B. “day” eher wie “deei” (und nicht “däi”) aussprechen?

  28. Gareth

    aber es käme doch nie jemand auf die Idee den bei­den zu unster­stellen, sie wür­den kein “richtiges Englisch” sprechen, nur weil sie z.B. “day” eher wie “deei” (und nicht “däi”) aussprechen?

    Der Ver­gle­ich hinkt aber doch. Shirley Man­son spricht eine mut­ter­sprach­liche Vari­ante des Englis­chen. Lena hat sich aus zig ver­schiede­nen Vari­anten ihre eigene, nicht-mut­ter­sprach­liche und somit eben auch nicht authen­tis­che Vari­ante zusam­menge­baut. Ich muss mich darüber auch nicht weit­er echauffieren, aber fak­tisch beste­ht da ein Unter­schied.
    In day spricht Shirley Man­son übri­gens schlicht [e] — der Laut ist im Schot­tis­chen Englisch monoph­thongiert.

  29. David

    Es gibt keinen Mut­ter­sprach­ler des Englis­chen, der das so ausspricht.

    Vielle­icht zieht Lena ja mal ihre Kinder damit groß, dann gibt es welche.

  30. Armin

    Der falsche Akzent
    Hannes,
    in den let­zten Jahren hat sich das einiges geo­effnet, aber vor nicht allzu langer Zeit hat jemand mit einem Schot­tis­chen, Nor­denglis­chen oder Irischen Akzent nur wenig Chan­cen gehabt einen Job im Radio oder Fernse­hen als Sprech­er zu bekom­men. Auch in anderen Bere­ichen war es teil­weise schwierig mit dem falschen Akzent einen Joh. Da haben sich Leute ihren Akzent abtrainiert um beru­flich voranzukom­men oder ueber­haupt eine Chance zu haben.
    Auch heute noch wirst Du noch genue­gend Leute find­en die andere wegen ihres Akzents “diskri­m­inieren” (was uebri­gens in bei­de Rich­tun­gen gehen kann, mit einem Englis­chen Akzent find­et man in bes­timmten Gegen­den in Schot­t­land auch nicht viele Fre­unde). Eben­so machen sich genue­gend (Sued-)Englaender ueber schot­tis­che oder Nor­denglis­che Akzente lustig, vom Wal­i­sis­chen mal ganz zu schweigen.

  31. Rosamund

    Gareths Kom­men­tar
    “Naja, Lenas Englisch-Fake finde ich stel­len­weise auch ziem­lich strapaziös.….Es gibt keinen Mut­ter­sprach­ler des Englis­chen, der das so ausspricht.”
    Tja. Der hat Recht. Die ganze Sache sollte keine Kri­tik her­aus­fordern, darum geht es nicht. Es geht, vielle­icht lei­der, um die Tat­sache, dass man als Mut­ter­sprach­ler alles ganz anders hoert als Fremd­sprach­ler. Das der Akzent keineswegs kon­se­quent war faellt uns sofort auf. Haette sie ihren Schu­lenglis­chen qua­si Amerikanischen(/Hannoveranischen/Skandinavischen wat weis’ ich) Akzent beim Sin­gen sowie Sprechen benutzt, haette es gar nicht so viel Weh getan!
    Wenn ich ver­suchen wuerde mit einem frem­den Akzent zu sprechen, gings bei mir auch genau­so.
    (Siehe auch http://www.guardian.co.uk/…crowe-accent-acri­mo­ny — es geht nicht nur um Mut­ter­sprach­ler.)
    Schlimm finde ich es also doch, dass ein Jour­nal­ist in ein­er deutschen Zeitung etwas daran zu bean­standen hat­te. Ganz und gar nicht fair!
    Uebri­gens hat ein echter Akzent immer ein kon­se­quentes pho­nol­o­gis­ches Sys­tem, der von diesem Lied war lei­der nur zusam­mengewuer­felt.
    P.S Eine Euro­vi­sion mit vie­len Sprachen waer mir viel viel lieber!

  32. Patrick Schulz

    Hat eigentlich schon­mal jemand dran gedacht, dass es sich bei ihrem „Akzent“ um ein Stilmit­tel han­deln kön­nte?

  33. hanswerner

    Stilmit­tel — das ist auch die Idee, die mir vorschwebt. Ich stelle mir fol­gende Sit­u­a­tion vor (ohne zu wis­sen, ob nicht schon irgend­wo etwas dazu geschrieben ste­ht): Stu­dio — Probeauf­nah­men — Aus­pro­bieren — Rum­flach­sen. Dann sagt der Pro­duzent (Raab?): Sing nochmal, so wie eben. Dann wird ein wenig rumge­feilt und schon haben wir unseren pri­ma Akzent! Lena ist nicht die ges­tandene Kün­st­lerin, die bes­timmt, wo es langge­ht. Sie macht das, was der Pro­duzent ihr sagt. Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass sie diesen Akzent so selb­st erwor­ben hat. Nach einem Aus­land­saufen­thalt z. B. würde sie den Akzent von dort mit­brin­gen.
    Zum The­ma “falsch­er” Akzent fällt mir nur ein, wie selt­sam wir es find­en wür­den, wenn Her­man van Veen mit seinem nieder­ländis­chen Grun­dakzent in einem Lied deutsche Akzente mis­chen würde: ein wenig säch­sisch, ein wenig bairisch, ein wenig Ruhrpott, … Das wür­den wir auch nicht für “richtiges” Deutsch hal­ten.

  34. David

    Lena ist nicht die ges­tandene Kün­st­lerin, die bes­timmt, wo es langge­ht.

    Hm. Ihren Akzent hat­te sie schon bei USFO, und von Anfang an. Dort soll sie auch gegen den Rat des Band­lead­ers darauf bestanden haben, Lieder zu sin­gen, die keine Sau ken­nt, auch auf die Gefahr hin, dann halt rauszu­fliegen.
    Sich­er, das kön­nte alles bere­its zur Kon­struk­tion des Pro­duk­tes “Lena” gehört haben. Das würde aber voraus­set­zen, daß man sich schon ganz zu Anfang von USFO sehr weit­ge­hende Gedanken gemacht hat­te, welchen Charak­ter man für die einzel­nen Teil­nehmer kon­stru­ieren möchte. Und die Strate­gie Lena, mit lauter wenig bekan­nten Liedern auftreten zu lassen, wäre selt­sam riskant. Ich glaube kaum, daß Mar­ket­ingstrate­gen auf so einen Plan ver­fall­en wür­den.
    Wobei sich das Gegen­teil natür­lich nie beweisen läßt und man immer, wenn jemand erfol­gre­ich ist und dabei etwas ungewöhn­lich wirkt, eine per­fek­te Lancierung im Hin­ter­grund und eine kom­plett am Reißbrett ent­wor­fene Ungewöhn­lichkeit, die dann ein ‘Nor­ma­lo’ bloß in Szene set­zt, pos­tulieren kann.
    Nur, daß das Schaus­piel- und Ver­stel­lungstal­ent, das man dem betr­e­f­fend­en Nor­ma­lo dafür unter­stellen muß irgend­wann, selb­st schon wieder nicht ganz gewöhn­lich wäre…

  35. Jeschub

    Dialek­te in Eng­land
    Selb­stver­ständlich haben Sie mit diesem Artikel vol­lkom­men recht.
    Neben­bei gesagt habe ich noch nie was von Mark Espin­er gehört. Lena kenne ich auch nur aus den News und hab sie wed­er sin­gen noch sprechen gehört (ich bin Anhänger ehrlich­er Rock-, Blues-, Punkmusik usw., über Geschmack lässt sich nicht stre­it­en). Hat sie etwa auch einen englis­chen Akzent wenn sie deutsch spricht?
    Trotz­dem, wenn sie als 19-jährige schon so gut Englisch spricht, dass sie einen ‘Strassenslang’ imi­tieren kann, dann ziehe ich den Hut, denn dies ist, auch für eine Abi­turi­entin, sehr sel­ten.
    Ich denke, Mark Espin­er ist eine Aus­nahme, wenn er behauptet nur Englän­der kön­nten Englisch sprechen. Die meis­ten Briten sind da sehr selb­stkri­tisch und es stimmt, die Dialek­te in Eng­land selb­st sind oft sehr, sehr schlimm.
    Ich war ger­ade 10 Wochen da und habe fol­gende (Sprach-)Eindrücke mit­ge­bracht:
    Selb­st in der Uni-Stadt Cam­bridge hat­te ich oft Prob­leme (East-Anglia Akzent). Ein paar Meilen weit­er in Colch­ester (Essex) habe ich so gut wie gar nichts mehr ver­standen, wurde aber gewarnt dass es in Nor­deng­land noch viel schlim­mer sei. Teil­weise richtig, der Dialekt in Mersey­side erin­nert stark an hol­ländisch aber in Whit­by (North York­shire) war es wieder einiger­massen ver­ständlich. Ab und zu trifft man jemand mit richtig deut­lichem Schrift-Englisch. Die Englän­der nen­nen dies ‘Queens-Eng­lish’.

  36. Gareth

    Trotz­dem, wenn sie als 19-jährige schon so gut Englisch spricht, dass sie einen ‘Strassenslang’ imi­tieren kann, dann ziehe ich den Hut, denn dies ist, auch für eine Abi­turi­entin, sehr sel­ten.

    Es wäre in der Tat beacht­enswert, wenn sie einen “Straßenslang” imi­tieren kön­nte. Kann sie aber nicht. Falls doch hat sie sich davon jeden­falls nichts anmerken lassen.

  37. Kai Weber

    Buchtipp
    Was die glob­ale Eigen­tümer­schaft an der Englis­chen Sprache bet­rifft: Da gab’s im let­zten Jahrtausend mal ein schönes Buch zu dem The­ma: “Trav­el Over­land. Eine anglo­phone Wel­treise” von R.W.B McCor­ma­ck (wahrschein­lich ein Deutsch­er unter Pseu­do­nym?). Nicht mehr im reg­ulären Han­del, aber anti­quar­isch noch ver­füg­bar und empfehlenswert für einen Ein­stieg in die Vielfalt der Englisch-Vari­anten.

  38. Klaus

    Die Kun­st kommt zu kurz
    Ich glaube, dass die ganze Sprachex­egese totaler Unsinn ist. Hier han­delt es sich um die Kun­st der Inter­pre­ta­tion eines Songs. Die Aussprache muss sich da doch haupt­säch­lich an der Musik und vielle­icht noch ein wenig am Inhalt ori­en­tieren. Selb­st die Gram­matik kann man da mis­sacht­en, wenn es denn nur toll anhört!
    Zu dem The­ma fällt mir auch der Titel “Engel” von Ramm­stein ein. Von dem gibt es näm­lich auch eine englis­che Inter­pre­ta­tion, die sich gräulich anhört. Das Stück lebt von dem Kon­trast zwis­chen dem hart gesun­gene Grund­sound und den weichen Engeln. Das Englisch, was die da nutzen (ich will und kann es nicht auseinan­der nehmen) hört sich ein­fach zu weich ein. Ein geeigneter Akzent (von mir aus auch auch ein selb­st erfun­den­er) hätte da vielle­icht etwas ret­ten kön­nen. Aber um das auszutüfteln hät­ten die Ossis wohl auch keine Lust zu gehabt.

  39. Peter Perrey

    Denglis­che Aussprache
    Man sollte der Diseuse (oder ver­langt die pc heutzu­tage ‘Diseurin’?) Lena die par­tiell denglis­che Aussprache nach­se­hen, denn sie bet­rifft ja nichts “echt Wichtiges”. Pein­lich wird es aber, wenn es um ern­sthafte Vor­fälle geht, wie dem von Duis­burg, und unsere Radio- und Fernsehsprech­er sich fach­lich unvor­bere­it­et zeigen. Da wird die ‘Love Parade’ tat­säch­lich zur “Laugh Parate” [!], wenn “es gut geht” auch nur zur “Luff Parate”. Der ger­man­is­chen Aus­lautsver­här­tung ungeachtet, täte manch­mal ein wenig mehr Respekt vor dem Schick­sal der Betrof­fe­nen schon gut!

  40. David

    @Perrey
    Wenn diese Aus­lautver­här­tung ger­man­isch ist, warum gibt es die dann im Englis­chen nicht, me won­ders?

  41. Peter Perrey

    @ David
    Die Schöpfer dieses Tra­di­tions­be­griffes haben bei der Vok­a­bel ‘ger­man­isch’ sich­er nicht an die ger­man­is­che Sprach­fam­i­lie gedacht. Sie wer­den ‘ger­man­isch’ als ‘deutsch’ ver­standen haben. Ob sie wussten, dass auch die Nieder­län­der die Sil­be­naus­lautsver­här­tung (und damit die Wor­taus­lautsver­här­tung) ken­nen, soll dahingestellt bleiben. Das Her­ausstellen des ‘Ger­man­is­chen’ ist in diesem Fall auch deshalb ver­fehlt, weil beispiel­sweise sowohl das Tschechis­che, das Bul­gar­ische und das Rus­sis­che sowie das Türkische die Aus­lautsver­här­tung ken­nen.

  42. Gerhard

    Unverzeih­lich…
    ist es natür­lich, wenn Nachricht­en­sprech­er Vok­a­beln aus frem­den Sprachen nicht phonetisch abso­lut kor­rekt wiedergeben. Da kann ich nur rufen: In den See, in den See, mit einem Gewicht an den Füßen!

  43. Peter Perrey

    @ David
    “Wow”? Toll!
    Ist das in Deutsch­land immer noch ‘mod­ern’?

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