Die mit den Prolls tanzt

Wer­den Schüler mit Namen wie Kevin oder Mandy für dieselbe Leis­tung schlechter benotet als Schüler mit Namen wie Max­i­m­il­ian und Char­lotte? Müssen sich Justin und Jacque­line schon wegen ihrer Namen auf eine Hauptschulka­r­riere ein­stellen, wärend Alexan­ders und Kathari­nas Eltern schon mal einen Platz im Stu­den­ten­wohn­heim reservieren lassen kön­nen?
Die kurze Antwort lautet „Nein“, auch wenn die Medi­en uns seit eini­gen Tagen das Gegen­teil erzählen.

Die lange Antwort lautet eben­falls „Nein“, nur ist der Weg dahin etwas kom­pliziert­er.

Er begin­nt im let­zten Jahr, als es die Old­en­burg­er Erziehungswis­senschaft­lerin Astrid Kaiser mit ein­er Exa­m­en­sar­beit ihrer Stu­dentin Julia Kube in die Schlagzeilen drängte, in der die Ver­fasserin sich mit der Frage beschäftigte, ob Grundschullehrer/innen Vor­na­men mit bes­timmten Charak­tereigen­schaften in Zusam­men­hang brin­gen.

Wenn es so wäre, würde das nicht über­raschen: In der Sozialpsy­cholo­gie gibt es eine lange Forschungstra­di­tion, die zeigt, dass der Vor­name ein­er Per­son einen Ein­fluss darauf hat, wie diese Per­son von anderen wahrgenom­men wird. Und tat­säch­lich fand Kaisers Exa­m­en­skan­di­datin genau das her­aus:

Von dem über­wiegen­den Anteil der befragten Lehrper­so­n­en wer­den Schü­lerIn­nen mit bes­timmten Namen eher neg­a­tiv oder eher pos­i­tiv wahrgenom­men. Als eher fre­undlich­er, leis­tungsstärk­er und ver­hal­tensunauf­fäl­lig stellen sich Kinder mit Vor­na­men wie Char­lotte, Sophie, Marie, Han­nah, Alexan­der, Max­i­m­il­ian, Simon, Lukas oder Jakob im Bewusst­sein von LehrerIn­nen dar, während Namen wie Chan­tal, Mandy, Angeli­na, Kevin, Justin oder Mau­rice eher mit Leis­tungss­chwäche und Ver­hal­tensauf­fäl­ligkeit assozi­iert wer­den. Beson­ders „Kevin“ hat sich als stereo­typer Vor­name für einen „ver­hal­tensauf­fäl­li­gen“ Schüler her­aus­gestellt. In einem Frage­bo­gen fand sich der Kom­men­tar „Kevin ist kein Name, son­dern eine Diag­nose!“ [Pressemel­dung der Uni­ver­sität Old­en­burg, 16. Sep­tem­ber 2009]

Bei der Studie han­delte es sich um eine Online-Befra­gung, in der expliz­it nach der Bew­er­tung von Vor­na­men gefragt wurde. Aus ihr lassen sich deshalb natür­lich kein­er­lei Schlussfol­gerun­gen für den Schu­lall­t­ag ziehen; ob Grundschullehrer/innen einen echt­en Kevin oder eine echte Mandy in ihrer Klasse tat­säch­lich anders bew­erten wür­den als einen echt­en Max­i­m­il­ian oder eine echte Char­lotte, bleibt reine Speku­la­tion. Die Ver­fasserin der Arbeit machte das sein­erzeit auch der Presse gegenüber deut­lich — anders als ihre Betreuerin, die z.B. Spiegel Online gegenüber sehr weitre­ichende Schlussfol­gerun­gen aus der Arbeit zog:

Ob Lehrer ihre Schüler auf­grund der Namen auch ungerecht behan­deln, lasse sich aus ihrer Unter­suchung nicht ableit­en, sagt Kube. Die Betreuerin ihrer Arbeit, Astrid Kaiser, hält jedoch auch das für beleg­bar. Sie war selb­st Lehrerin und bildet heute als Päd­a­gogik-Pro­fes­sorin Grund­schullehrer aus. „Die Namensfalle schnappt zu, sobald der Lehrer die Klassen­liste in der Hand hält“, sagt sie. Wer einzel­nen Kindern wenig zutraue, bew­erte sie auch ungerecht. Andere Unter­suchun­gen hät­ten gezeigt: Bei Kindern, die Lehrer für leis­tungsstark hal­ten, überse­hen sie viel häu­figer Fehler in Dik­tat­en als bei Kindern, die sie eher schwach ein­schätzen. „Es zeigt sich immer wieder, dass Kevins schlecht bew­ertet wer­den.“ [Trenkamp/SPIEGEL.DE 2009]

Dass Lehrer/innen sich bei der Beno­tung von Schülern von all­ge­meinen Erwartung­shal­tun­gen bezüglich deren Leis­tungsstärke leit­en lassen, mag tat­säch­lich durch Stu­di­en belegt sein, aber zum Ein­fluss von Vor­na­men auf die Beno­tung gab es damals keine wis­senschaftliche Studie. Kaisers Argu­ment, das sie auch in ein­er Rei­he kurz­er informeller Artikel dar­legte, von denen  Kaiser (2009) [PDF] noch der wis­senschaftlich­ste ist, ist ein rein logis­ches: Erwartung­shal­tun­gen bee­in­flussen Noten, Vor­na­men bee­in­flussen Erwartung­shal­tun­gen, also bee­in­flussen Vor­na­men Noten. Aber mit der Logik ist das in der Wis­senschaft so eine Sache: In der echt­en Welt spie­len oft soviele Fak­toren zusam­men, dass solche logisch nachvol­lziehbaren Wirkungszusam­men­hänge keinen nach­weis­baren Ein­fluss haben.

Um her­auszufind­en, ob die Leis­tun­gen eines Kevin oder ein­er Mandy tat­säch­lich schlechter bew­ertet wer­den als die eines Max­i­m­il­ian oder ein­er Char­lotte, müsste man ein Exper­i­ment durch­führen, bei dem Lehrer/innen jew­eils zweimal dieselbe Arbeit (z.B. einen kurzen Auf­satz) zur Bew­er­tung vorgelegt bekom­men, wobei dieser Text ein­mal ange­blich von einem Schüler mit einem „klu­gen“ Namen und ein­mal von einem Schüler mit einem „dum­men“ Namen stammt. Diese Bew­er­tun­gen kön­nte man dann direkt ver­gle­ichen. Selb­st wenn sich dabei ein sys­tem­a­tis­ch­er Unter­schied zeigen würde, wäre das noch kein Beweis, dass der Vor­name auch im Schu­lall­t­ag eine Rolle spielt, denn dort käme eine Vielzahl von Fak­toren hinzu, die man bei diesem Exper­i­ment bewusst außen vor ließe — Benehmen, Ausse­hen, Ver­hal­ten im Unter­richt, usw. Aber man würde damit zeigen, dass der Vor­name — neben anderen Fak­toren — einen Ein­fluss haben kön­nte.

Ein solch­es Exper­i­ment hat nun eine namen­lose Exa­m­en­skan­di­datin unter Kaisers Betreu­ung durchge­führt (zur Namen­losigkeit später mehr). Allerd­ings mit einem entschei­den­den Unter­schied: der mit jew­eils zwei ver­schiede­nen Vor­na­men verse­hene Text wurde nicht von der­sel­ben Ver­suchsper­son bew­ertet, son­dern jede Ver­suchsper­son bekam nur einen der Texte zu sehen. Das ist zwar insofern nachvol­lziehbar, als dass es sehr schw­er wäre, dafür zu sor­gen, dass die Ver­suchsper­son nicht merkt, dass sie zweimal densel­ben Text bew­erten soll, aber trotz­dem wird dadurch die Aus­sagekraft des Exper­i­ments stark eingeschränkt. Im vor­liegen­den Fall hat die namen­lose Kan­di­datin diesen Nachteil durch eine rel­a­tiv hohe Zahl von Ver­suchsper­so­n­en auszu­gle­ichen ver­sucht.

Sie legte den teil­nehmenden Grundschullehrer/innen jew­eils zwölf Texte vor, von denen vier mit pos­i­tiv belegten, vier mit neu­tralen und vier mit neg­a­tiv belegten Namen verse­hen waren (die Bele­gung der Namen ist aus der Exa­m­en­sar­beit von Kube ent­nom­men). Diese mussten auf ein­er Skala von 1 (schlecht) bis 10 (sehr gut) entwed­er auf Rechtschrei­bung oder auf Sauberkeit oder auf ihren Inhalt benotet wer­den. In der Auswer­tung wur­den dann jew­eils die Bew­er­tun­gen für die iden­tis­chen Texte mit unter­schiedlichen Namen ver­glichen.

Da es sich nicht um einen wis­senschaftlichen Fachauf­satz, son­dern eben nur um eine Exa­m­en­sar­beit han­delt, will ich nicht auf die Schwächen in der Darstel­lung und Auswer­tung einge­hen, die sich darin find­en. Sie liegen im Bere­ich dessen, was mir selb­st aus gut betreuten Exa­m­en­sar­beit­en ver­traut ist. Nach ein­er aus­führlichen Diskus­sion der Fragestel­lung, der Kon­struk­tion des Frage­bo­gens, der Auswahl der Ver­suchsper­so­n­en und ein­er Rei­he eher beschreiben­der Ergeb­nisse kommt die Kan­di­datin auf Seite 48 zum entschei­den­den Punkt: Sie ver­gle­icht hier die Ergeb­nisse für die pos­i­tiv und neg­a­tiv belegten Namen. Die sta­tis­tis­che Form, in der sie das tut, ist nicht unbe­d­ingt leser­fre­undlich: Sie stellt die Häu­figkeitsverteilung der Bew­er­tun­gen über die zehn Skalen­stufen hin­weg dar. Diese Darstel­lung macht es schw­er, zu erken­nen, ob die neg­a­tiv belegten Dat­en denn nun schlechter bew­ertet wur­den als die pos­i­tiv belegten, deshalb habe ich aus den Dat­en die Mit­tel­w­erte errech­net:

Der Einfluss von Vornamen auf Noten.

Der Ein­fluss von Vor­na­men auf Noten.

Wie klar zu erken­nen ist, ist nichts zu erken­nen. Die Unter­schiede in den Bew­er­tun­gen gehen bei den männlichen Vor­na­men zwar in die richtige Rich­tung, sind aber sehr klein und sta­tis­tisch nicht sig­nifikant (d.h., die Wahrschein­lichkeit, dass der beobachtete Unter­schied zufäl­lig zus­tande gekom­men ist, ist zu hoch, als dass man ihm irgen­deine Bedeu­tung beimessen darf). Bei den weib­lichen Vor­na­men geht der Unter­schied sog­ar in die falsche Rich­tung (die neg­a­tiv belegten Vor­na­men wer­den bess­er benotet), aber auch hier ist der Unter­schied klein und nicht sig­nifikant.

Die Kan­di­datin erken­nt das merk­würdi­ger­weise nicht, obwohl sie selb­st die sta­tis­tis­che Auswer­tung liefert. Sie hält einen Ein­fluss von Vor­na­men auf die Beno­tung von Schülern zumin­d­est bei männlichen Namen für erwiesen und disku­tiert im zweit­en Teil ihrer Arbeit mögliche Kon­se­quen­zen daraus. Dies­mal ist es die Betreuerin, die vor­sichtiger for­muliert:

Aber dieser Zusam­men­hang ist nur schwach“, so Astrid Kaiser. Während sich bei der let­zten Kevin-Studie noch zeigte, wie stark die Vorurteile gegen bes­timmte Vor­na­men sind, fiel der Ein­fluss auf die Bew­er­tung in der neuen Studie eher ger­ing aus. [Trenkamp/SPIEGEL.de 2010]

Schwach ist gar kein Aus­druck: Mit großer Wahrschein­lichkeit gibt es keinen Zusam­men­hang. Sie könenn Ihre Kinder also beruhigt weit­er­hin Kevin, Mandy, Justin und Chan­tal nen­nen (Macht das über­haupt noch jemand? Diese Namen sind alle so Neun­ziger).

Und was hat es nun mit der Namen­losigkeit der Ver­fasserin auf sich? Sie fürchtet Repres­salien:

[Kaiser] warnt: „Man macht sich unbe­liebt.“ Sie beschäftige das The­ma schon lange, habe aber über Jahre nie­man­den gefun­den, der das genauer unter­suchen wollte. „Eine Habil­i­tandin lehnte das The­ma ab, weil sie Angst hat­te, dass man ihr Lehrerschelte vor­wirft.“

Auch die Autorin der aktuellen Kevin-Studie will anonym bleiben. Sie habe wed­er Lust auf Jour­nal­is­te­nan­rufe noch auf Anfein­dun­gen von Lehrern. Ihre Arbeit soll deshalb unter einem Deck­na­men erscheinen. [Trenkamp/SPIEGEL.de 2010]

Dass die Kan­di­datin keine Lust hat­te, der Presse Rede und Antwort zu ste­hen, kann man respek­tieren, wobei man sich dann fragt, warum die Exa­m­en­sar­beit über­haupt per Pressemel­dung öffentlich gemacht wurde. Aber die Angst vor Anfein­dun­gen von Lehrern halte ich für über­trieben. Wofür sollte man die Kan­di­datin anfein­den? Dafür, dass sie gezeigt hat, dass Lehrer/innen sich bei der Beno­tung nicht durch die Vor­na­men der Schüler bee­in­flussen lassen?

Die Idee, die Exa­m­en­sar­beit unter einem Deck­na­men zu veröf­fentlichen, gren­zt ans Abstruse. Schließlich geht es hier nicht darum, der katholis­chen Kirche das heliozen­trische Welt­bild schmack­haft zu machen und auf die Ver­fasserin wartet kein Scheit­er­haufen. Wenn sie zu ihrer Arbeit nicht öffentlich ste­hen möchte, ist das ihr gutes Recht, aber da die Arbeit ohne­hin kein inter­es­santes Ergeb­nis liefert, sollte man sie dann vielle­icht lieber ohne Medi­enkam­pagne in ein­er staubi­gen Schublade ver­schwinden lassen.

Wis­senschaft und Deck­na­men passen nicht zusam­men. Da kön­nte man ja gle­ich die Uni­ver­sitäten bei Street View ver­pix­eln lassen.

[Nach­trag (30. August 2010): Die Frage, ob es tat­säch­lich schicht­en­spez­i­fis­che Namen gibt, disku­tiere ich hier.]

ANONYM (2010) Ohne Titel („Mas­ter­ar­beit Noten-Vor­na­men“). Mas­ter­ar­beit, Uni­ver­sität Old­en­burg. [PDF]

KAISER, Astrid: Vor­na­men: Nomen est omen. In: Ober­fränkisch­er Schu­lanzeiger. 2009, H. 12, S. 15–18 [PDF]

KUBE, Julia (2009) Vor­na­mensforschung: Frage­bo­ge­nun­ter­suchung bei Lehrerin­nen und Lehrern, ob Vorurteile bezüglich spez­i­fis­ch­er Vor­na­men von Grund­schülern und davon abgeleit­ete erwartete spez­i­fis­che Per­sön­lichkeitsmerk­male vor­liegen. Mas­ter­ar­beit, Uni­ver­sität Old­en­burg.

TRENKAMP, Oliver/SPIEGEL.de (2009) Ungerechte Grund­schullehrer: „Kevin ist kein Name, son­dern eine Diag­nose“. Spiegel Online, 16. August 2010 [Link]

TRENKAMP, Oliver/SPIEGEL.de (2010) Grund­schullehrer-Vorurteile: Kevins bekom­men schlechtere Noten. Spiegel Online, 24. August 2010 [Link]

[Dieser Beitrag erschien ursprünglich im alten Sprachlog auf den SciLogs. Die hier erschienene Ver­sion enthält möglicher­weise Kor­rek­turen und Aktu­al­isierun­gen. Auch die Kom­mentare wur­den möglicher­weise nicht voll­ständig über­nom­men.]

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Anatol Stefanowitsch

Über Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Er beschäftigt sich derzeit mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Sein aktuelles Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ ist 2018 im Dudenverlag erschienen.

21 Gedanken zu „Die mit den Prolls tanzt

  1. Wentus

    Fach­leute
    Es gibt Wis­sens­ge­bi­ete, in denen jed­er meint, Fach­mann zu sein, weil es zwangsläu­fig ein Teil seines Lebens ist oder war: Lebens­mit­tel­lä­den, Autoverkehr und eben auch Schule. In diesen Gebi­eten bilden sich die schön­sten Vorurteile her­aus, weil Otto Nor­malver­brauch­er meint, auf echte Fach­leute und wis­senschaftliche Meth­o­d­en verzicht­en zu kön­nen. Das führt zu einem Fach­leute-Bash­ing (Oops: Anglizis­mus), das hier eben die Lehrer bet­rifft. Es kommt hinzu, das sich jed­er an irgen­deinen Lehrer erin­nert, auf den er einen Brast (endlich ein schönes deutsches Wort) hat­te. Auf den wer­den dann alle Vorurteile pro­jiziert.
    [Im Prinzip stimme ich Ihnen zu, aber die Kol­le­gin Kaiser ist natür­lich eine echte Fach­frau für die Grund­schule und es geht ihr eigentlich auch nicht um Lehrer-Bash­ing. Dieser medi­ale Vor­na­men-Zirkus ist, soweit ich das beurteilen kann, auch nicht typ­isch für sie. — A.S.]

  2. Christoph Päper

    Geschlecht statt Name
    Sprach­wis­senschaftlich ist es zwar noch unin­ter­es­san­ter und ich habe mir die Arbeit­en nicht angeguckt, aber die ein­fachen Mit­tel­w­ert­di­a­gramme – darin fehlt übri­gens ein ‚n‘ – sug­gerieren, dass es einen sig­nifikan­ten Geschlechter­bias unter den Lehrern gibt. Dazu (eben­so wie zur eth­nis­chen und sozialen Herkun­ft) gibt es bes­timmt eigene sozi­ol­o­gis­che oder sozialpsy­chol­o­gis­che Unter­suchun­gen, aber wenn die Effek­te des Primärmerk­mals so viel schwäch­er sind als die eines Sekundärmerk­mals, sollte das für das Faz­it der Arbeit auss­chlaggebend sein: „Wenn Sie wollen, dass Ihr Kind gute Noten bekommt, nen­nen Sie es nicht Max­i­m­il­ian, son­dern Mandy!“
    [In der Arbeit wer­den 168 Frage­bö­gen mit jew­eils 12 Beno­tun­gen aus­gew­ertet. Der Grafik liegt eine Grundge­samtheit von 1 920 Urteilen zugrunde. Wie die sich aus den 168 * 12 Urteilen ergeben, weiß ich nicht. Es kann sein, dass das irgend­wo in der Arbeit ste­ht, aber wie angedeutet ist die Darstel­lung der quan­ti­ta­tiv­en Ergeb­nisse nicht opti­mal. — A.S.]

  3. Jörg W.

    guter Kom­men­tar, Schluss frag­würdig
    Danke für die Zer­legung. Störend finde ich einzig fol­gen­des Zitat:
    “da die Arbeit ohne­hin kein inter­es­santes Ergeb­nis liefert, sollte man sie dann vielle­icht lieber ohne Medi­enkam­pagne in ein­er staubi­gen Schublade ver­schwinden lassen.”
    aus zwei Grün­den: 1. Die Arbeit liefert ein Inter­es­santes Ergeb­nis: kein Unter­schied!
    2. Pub­li­ca­tion Bias: Arbeit­en mit neg­a­tiv­en Ergeb­nis­sen wer­den sowieso zu sel­ten pub­liziert.
    [Zu 1.): Ich stimme Ihnen zu und muss mich kor­rigieren. Da die Hypothese „Vor­name bee­in­flusst Note“ durch die Mel­dun­gen im let­zten Jahr weite Ver­bre­itung gefun­den hat, ist deren Wider­legung tat­säch­lich inter­es­sant und sollte veröf­fentlicht wer­den. — A.S.]

  4. Achim

    Qual­ität­sjour­nal­is­mus
    Dem Post und den Kom­mentaren ist inhaltlich nichts hinzuzufü­gen, aber die Auf­bere­itung bei Spiegel Online ist doch einen Kom­men­tar wert: Ich habe den Artikel gar nicht gele­sen, weil ich anhand von Über­schrift und Auf­macher­pho­to sofort dachte, dass hier die olle Kamelle vom let­zten Jahr aus­ge­bud­delt wurde. Das Foto mit dem Bul­lauge wurde auch sein­erzeit ver­wen­det.

  5. Gerhard

    Mandy und Chan­tal
    Komisch, dass diese zwei Namen immer wieder genan­nt wer­den. Tat­säch­lich war Mandy in der DDR häu­fig und spielt nach der Wende kaum eine Rolle mehr. Chan­tal hat über­haupt nie eine größere Ver­bre­itung gehabt. Jaque­line, Jes­si­ca und Jen­nifer sind da viel, sagen wir mal, ver­bre­it­eter und schicht­spez­i­fis­ch­er.
    Nach mein­er gän­zlich laien­haften Beobach­tung find­en sich schicht­spez­i­fis­che, vul­go pro­l­lige Mäd­chen­na­men nicht so häu­fig. Bei den Buben ist das schon auf­fäl­liger. Inter­es­sant finde ich diese Seit­en im Netz zu diesem The­ma: http://www.beliebte-vornamen.de/…000er-jahre.htm

  6. Gerhard

    @Christoph Päper
    Genau das drängte sich mir beim Betra­cht­en der Graphik auch auf. Das sind mir über­haupt die lieb­sten Exa­m­en­sar­beit­en: Man ver­sucht etwas zu beweisen, find­et es durch die Ergeb­nisse der Arbeit wider­legt, dreht dann alles so, dass es trotz­dem zur These passt (man will ja nicht ver­sagt haben) und über­sieht (oder ignori­ert) dabei andere, viel inter­es­san­tere Ergeb­nisse.

  7. Gareth

    Bei den Buben ist das schon auf­fäl­liger.

    Ja, in der Liste find­en sich schon unter den ersten 100 zahlre­iche Namen, bei denen man an “Pro­lls” denken muss: Justin, Kevin, Jason, Col­in, Joel, Mike, Jere­my.
    Aus einem Prak­tikum an ein­er Grund­schule kann ich bericht­en, dass es zumin­d­est vor 6–7 Jahren in Mode war, einem Neuge­bore­nen englis­che Namen zu geben, auch wenn keine englis­chen Vor­fahren vorhan­den sind, was oft in gruseli­gen Vor­name-Nach­name-Kom­bi­na­tio­nen endete. Es gab einige sech­sjährige Kinder, die Jason, Justin, Marc-Owen oder Tim­o­thy hießen.

  8. spackblog

    Kevin und Justin habens schw­erG­er­ade las ich im Schul­spiegel einen Artikel mit dem Titel Kevin ist kein Name, son­dern eine Diag­nose. Da geht es um eine wis­senschaftliche Unter­suchung, die zeigt, dass Grund­schullehrer Vorurteile gegenüber ver­schiede­nen Namen haben. Kevins und Justins,

  9. Michael Blume

    Nach­frage
    Ähm — wenn sich wirk­lich her­ausstellen sollte, dass die (gle­ichen?) Arbeit­en unter Mäd­chen­na­men sys­tem­a­tisch bess­er bew­ertet wur­den als jene von Jun­gen, wäre DAS doch der Ham­mer, oder!?
    [Das kön­nte man aus den Dat­en nur schließen, wenn für die männlichen und weib­lichen Vor­na­men jew­eils diesel­ben Texte ver­wen­det wur­den. Ob das der Fall war, kann ich nach der Lek­türe der Arbeit nicht mit Sicher­heit sagen. — A.S.]

  10. Jan Wohlgemuth

    Vielle­icht möchte die Kan­di­datin selb­st gar nicht, dass die Arbeit veröf­fentlicht wird. Es macht ja doch den Anschein, als ob Frau Kaiser da eine Agen­da hat…

  11. Arnd

    Grun­dan­nahme
    Die Grun­dan­nahme bei solchen Unter­suchun­gen ist immer, dass die Intel­li­genz oder Lern­fähigkeit bei Kindern objek­tiv gese­hen unab­hängig von ihrem Vor­na­men ist. Diese Grun­dan­nahme muß aber keineswegs richtig sein. Bes­timmte Namen sind in bes­timmten Kreisen nun­mal häu­figer als ander­swo. Bil­dungs­ferne Schicht­en haben andere Namens-“Hitparaden” als Bil­dungs­bürg­er. Ich fände es deshalb erst­mal inter­es­sant die Grun­dan­nahme zu über­prüfen, z.B. mit einem Intel­li­gen­ztest.
    Mir ist aber klar dass sowas natür­lich völ­lig polit­i­cal incor­rect wäre.
    [Selb­st in Ihrem Szenario wäre die Intel­li­genz und Lern­fähigkeit einzel­ner Schüler/innen unab­hängig von deren Vor­na­men. Ich teile die Bedenken von suz (näch­ster Kom­men­tar), aber nehmen wir um des Argu­ments willen ein­mal an, Kinder aus bil­dungs­fer­nen Schicht­en seien im Durch­schnitt weniger intel­li­gent und leis­tungs­fähig sind als Kinder von Bil­dungs­bürg­ern und bes­timmte Namen (z.B. Justin, Jacque­line) wür­den in bil­dungs­fer­nen Schicht­en über­durch­schnit­tlich häu­fig vergeben, andere (z.B. Max­i­m­il­ian, Marie) bei Bil­dungs­bürg­ern. Wenn wir dann hun­dert zufäl­lig aus­gewählte Jacque­lines und hun­dert zufäl­lig aus­gewählte Maries vorge­set­zt bekä­men, über die wir außer ihren Namen nichts wüssten, kön­nten wir vorher­sagen, dass die Jacque­lines im Durch­schnitt weniger leis­tungsstark sein wer­den als die Maries. Wenn wir dage­gen nur eine Jacque­line und eine Marie vorge­set­zt bekä­men, kön­nten wir über deren Leis­tungs­fähigkeit und Intel­li­genz keine Aus­sagen tre­f­fen, denn erstens ist die Zuord­nung von Namen zu Schicht­en ja nicht abso­lut (es gibt ja auch in Ihrem Szenario vere­inzelte bil­dungs­ferne Maries und bil­dungs­bürg­er­liche Jacque­lines) und zweit­ens wären die Unter­schiede in Lern­fähigkeit und Intel­li­genz nur Durch­schnittswerte der jew­eili­gen Gruppe, die über die einzel­nen Indi­viduen in diesen Grup­pen nichts aus­sagen würde. Sie wären als Lehrer/in deshalb sehr schlecht berat­en, wenn Sie auf­grund von Vor­na­men eine Annahme über die Intel­li­genz und Leis­tungs­fähigkeit von Schüler/innen auf­stellen wür­den. Die hier disku­tierte Studie zeigt im Übri­gen, dass Lehrer/innen sich dessen bewusst zu sein scheinen und solche Annah­men auch tat­säch­lich nicht tre­f­fen. Hinzu kommt, dass Sie als Lehrer/in über jedes Kind viel mehr wis­sen, als dessen Vor­na­men, sodass mögliche Vorurteile, die sie im Abstrak­ten vielle­icht einem bes­timmten Namen gegenüber haben, im konkreten Umgang mit Kindern keine Rolle spie­len wer­den. — A.S.]

  12. suz

    @Arnd
    Die Grun­dan­nahme von Unab­hängigkeit von Intel­li­genz und Vor­na­men ist aber schlicht richtig. Bil­dungschan­cen haben aber vor allem mit dem sozialen Hin­ter­grund zu tun. Kinder aus bil­dungsstarken Schicht­en wer­den von Anfang an anders gefördert (auch und vor allem im Eltern­haus). Ihre Argu­men­ta­tion ist also gefährlich, wenn ich Sie richtig ver­ste­he: die Intel­li­genz kön­nte etwas mit dem Vor­na­men zu tun haben. Das ist aber recht, äh, abstrus. Die Wider­legung der Grun­dan­nahme (“Intel­li­genz und Vor­na­men sind unab­hängig”) dürfte daher haarig wer­den.
    Richtig ist sicher­lich, dass einige dieser “Neg­a­tivor­na­men” in sozial schwachen und bil­dungs­fer­nen Schicht­en häu­figer vorkom­men (zumin­d­est wird uns das sug­geriert — da ist oft auch viel Polemik und stereo­typ­is­ches Schubladen­denken dabei). Diese Kinder sind grund­sät­zlich nicht weniger intel­li­gent — das nehmen einige oft ein­fach unge­fragt so an. Deren Leis­tungs­fähigkeit wird auch sel­tener und weniger inten­siv gefordert und gefördert: diese Kinder bleiben häu­figer auf der Strecke, weil ihre Start- und Stan­dortvorteile schlechter sind. Und nicht, weil sie den falschen Vor­na­men haben. Das hat rein gar nichts mit “polit­i­cal cor­rect­ness” zu tun.

  13. Carsten

    Ein­stel­lung gegenüber der Kan­di­datin
    Prinzip­iell finde ich ihren Artikel inter­es­sant, finde aber, dass sie mit der Autorin ein wenig zu stark ins Gericht gehen. Ich halte eine Anonymisierung dur­chaus für legit­im. Zwar leuchtet mir die Angst vor Anfein­dun­gen durch Lehrer auch nicht ein, aber eine eventuelle Medi­enkam­pagne, die diese Exa­m­en­sar­beit als Aufhänger benutzt (auch wenn ja gar nichts sen­sa­tionelles belegt wurde) würde ich mir auch nicht antun wollen.
    Die Gefahr ist hier, ob der vorheri­gen Berichter­stat­tung dur­chaus gegeben.
    Es wäre übri­gens äußerst inter­es­sant zu erfahren, ob die Text der Jun­gen und Mäd­chen gle­ich waren.
    [Wie gesagt, den Wun­sch der Kan­di­datin nach Anonymität will ich nicht hin­ter­fra­gen. Meine Kri­tik galt nicht diesem Wun­sch, son­dern der drama­tisieren­den Idee, die Arbeit unter einem Deck­na­men zu veröf­fentlichen. Es gibt eine ein­fache, wis­senschaftlich saubere Lösung für das Prob­lem der Kan­di­datin: Die Betreuerin kön­nte die Mas­ter­ar­beit zu einem wis­senschaftlichen Artikel ausar­beit­en (in der derzeit­i­gen Form kann sie ohne­hin nicht erscheinen), und dieser kön­nte dann als gemein­same Arbeit veröf­fentlicht wer­den. Dann erst würde die Presse informiert, die sich dann mit Sicher­heit an die etabliert­ere der bei­den Autor/innen wen­den würde, sodass die Kan­di­datin ihre Ruhe hätte. Damit wäre übri­gens auch eine sin­nvolle Rei­hen­folge von Wis­senschaft und medi­aler Ver­mit­tlung einge­hal­ten. — A.S.]

  14. Hans-Werner

    Die Frag­würdigkeit der Zen­surenge­bung
    Bere­its 1971 hat Karl­heinz Ingenkamp die grund­sät­zliche Frag­würdigkeit der Zen­surenge­bung fest­gestellt. In diesem Spiege­lar­tikel von 1971 (http://www.spiegel.de/…gel/print/d-43257807.html) find­et sich eine Zusam­men­fas­sung der Ergeb­nisse sein­er Unter­suchung. Ob es sei­ther neuere Unter­suchun­gen zum The­ma gegeben hat, weiß ich lei­der nicht.

  15. Hans-Werner

    Nach­trag
    Seit 40 Jahren ist das Prob­lem bekan­nt. Nichts hat sich geän­dert. Lei­der.
    Warum macht man sich über­haupt noch Gedanken darüber, welchen Ein­fluss der Name haben kön­nte? Ich kann mich nur wun­dern.

  16. Detlef Guertler

    Bew­er­tung Junge/Mädchen
    Die hier mehrfach geäusserte Ver­mu­tung, die anonyme Arbeit kön­nte einen Beleg für unter­schiedliche Bew­er­tung von Jun­gen und Mäd­chen darstellen, ist m.E. nicht kor­rekt. Für die Unter­suchung wur­den 12 Schüler­texte aus­gewählt, die jew­eils von Lehrern zu bew­erten waren. Sechs der Texte gal­ten als von Jun­gen ver­fasst, sechs von Mäd­chen — es wurde in den bei­den Frage­bo­gen-Ver­sio­nen nur die Kon­no­ta­tion der Vor­na­men vari­iert. So zumin­d­est meine Inter­pre­ta­tion der Beschrei­bung der Ver­such­sanord­nung auf den Seit­en 21 bis 23. Die Tabelle auf S. 43 zeigt eben­falls, dass es sich um 12 ver­schiedene Texte han­delt.
    [Sehr gut, da haben Sie genauer hinge­se­hen und die Pas­sagen gefun­den, die mir ent­gan­gen sind. Ihre Inter­pre­ta­tion scheint mir die richtige, für männliche und weib­liche Vor­na­men wur­den unter­schiedliche Texte ver­wen­det. Das zeigt auch das fol­gende Zitat (S. 65 der Arbeit):

    Für den tat­säch­lichen Nach­weis der dif­fer­enten Bew­er­tung ein­er Textgrund­lage in Abhängigkeit des Schü­lergeschlechts wäre eine Rep­lika­tion­sstudie unter cross-gen­dered Kri­te­rien zwin­gend erforder­lich.

    Ich nehme an, dass cross-gen­dered hier (ent­ge­gen sein­er eigentlichen Bedeu­tung) „mit Geschlecht und Text als gekreuzten Vari­ablen“ heißen soll.
    — A.S.]

  17. Frischer Wind

    Kinder­na­men und Schul­noten — eine Zwis­chen­frageD­erzeit wird ja die Fol­low-Up-Studie zur Bew­er­tung von Kinder­na­men durch Lehrer heiß in den Medi­en disku­tiert. Haben Kevin und Chan­tal wirk­lich auf­grund ihres Namens schlechtere Karten in der Schule als Alexan­der und Elis­a­beth? Oder steckt etwas anderes dahin­ter?

  18. Joe Dramiga

    Vor­na­men und Noten
    Schade! Ich dachte ich bekomme jet­zt im Nach­hinein eine Ausrede für meine dama­li­gen schulis­chen Leis­tun­gen geliefert. 😉

  19. H.M.Voynich

    Wenn man mir 12 Arbeit­en von mir völ­lig frem­den Per­so­n­en zur Beno­tung vor­legen würde — würde ich dann auf die Namen acht­en? Ich glaube nicht …
    Wie kann man denn sich­er­stellen, daß die Ver­suchsper­so­n­en die “Namen” der vorge­blichen Dik­tatschreiber über­haupt zur Ken­nt­nis nehmen?

  20. Mueller

    Wann wurde die zweite Studie erstellt? Wenn der Zeit­punkt nach der SPON-etc.-Veröffentlichung (liest annäh­ernd jed­er) lag, war sie von vorn­here­in chan­cen­los. So dumm ist — bei allen Vor­be­hal­ten gegenüber eini­gen Exem­plaren dieses Beruf­s­standes — kein Lehrer, dass er nicht merkt, worum es in diesem Exper­i­ment geht. Fol­glich bew­ertet er/sie neu­tral, selb­st wenn besagte Lehrkraft son­st Kevins dikri­m­iniert, wo es nur geht. Somit wäre gar nichts bewiesen, nicht Kaisers These, eben­so wenig jedoch Ste­fanow­itschs Gegen­these.

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