Deutschlernen leicht gemacht

Die Befür­worter ein­er Festschrei­bung des Deutschen als Staatssprache im Grundge­setz argu­men­tieren häu­fig mit ein­er inte­gra­tions­fördern­den Wirkung. Ein paar Beispiele:

Ich will keine Zuwan­der­erfam­i­lien, die sich bis in die dritte Gen­er­a­tion weigern, die Sprache des Lan­des kor­rekt zu ler­nen, in dem sie leben! [Unter­schriften­samm­lung der Bild-Zeitung, zitiert z.B. hier]

Wir steuern auch sprach­lich auf Par­al­lelge­sellschaften zu. Berlin-Kreuzberg und Neukölln sind fast schon autarke Gebi­ete. Vom Gemüse­händler bis zum Zah­narzt spricht dort alles türkisch. Ich sehe deshalb die Fes­tle­gung auf Deutsch als Lan­dessprache als einen wichti­gen Schritt zur Inte­gra­tion. Wer auf diese Fes­tle­gung verzichtet, kriegt Par­al­lelge­sellschaften […] Zuwan­der­er sollen auch qua Ver­fas­sung merken, was dieser Staat und dieses Gemein­we­sen erwarten. [Josef Kraus, Präsi­dent des Deutschen Lehrerver­ban­des]

Der Schutz der deutschen Sprache gehört im Grundge­setz ver­ankert. Respekt vor unser­er deutschen Sprache ist Respekt vor unser­er Kul­tur und unserem Land, den wir von allen ein­fordern, die bei uns leben. Ohne gemein­same Sprache gibt es keine wirk­same Inte­gra­tion. Wer sich der deutschen Sprache ver­weigert, ver­weigert sich der Inte­gra­tion in Deutsch­land. [Alexan­der Dobrindt, Gen­er­alsekretär der CSU]

Auch in den Kom­mentaren hier im Sprachlog, im Forum des Peti­tion­sauss­chuss­es und an anderen Stellen, an denen über die Peti­tion berichtet wird, find­en sich solche Aus­sagen.

Der Denk­fehler hin­ter diesen abstrusen Aus­sagen sollte eigentlich jedem klar sein, aber Sprachlog-Leserin Juliana hat ihn in einem Kom­men­tar zu meinem gestri­gen Beitrag mit klaren Worten aufgedeckt, die ich hier zitiere, damit sie nie­mand über­sieht:

Ein schla­gen­des Argu­ment: Ein Artikel im Grundge­setz, der Deutsch als Lan­dessprache fes­tlegt, bietet ver­wirrten Zuwan­der­ern, die nicht wis­sen, welche Sprache in Deutsch­land haupt­säch­lich gesprochen wird, einen fes­ten Halt. Sehr löblich, dage­gen kann man doch unmöglich etwas haben.

Vor allem besticht das Argu­ment durch seine Prax­is­tauglichkeit:

  • Für die Zuwan­der­ergrup­pen, die die Amtssprache des Zuwan­derungs­lan­des noch nicht sprechen, ist es ja zunächst dur­chaus üblich, dass diese zuerst das Grundge­setz bzw. die Ver­fas­sung des jew­eili­gen Zuwan­derungs­lan­des studieren, wie man ja auch einen Reise­führer liest, wenn man in den Urlaub fährt. Also, zumin­d­est sollte das so sein. (Allerd­ings wer­den Reise­führer meist in den Sprachen der Reisewil­li­gen ange­boten. Hier wäre dann Nach­holbe­darf für das Grundge­setz. Dieses sollte in jed­er gut sortierten Buch­hand­lung in den ländlichen Gebi­eten Ana­toliens und im tschetschenis­chen Kriegs­ge­bi­et (um nur metonymisch zwei Beispiele zu nen­nen) in türkisch­er, kur­dis­ch­er und tschetschenis­ch­er Sprache ange­boten wer­den — diese Aufzäh­lung ist eben­falls nur ein Beispiel.)
  • Zuwan­der­er, die bere­its gut genug Deutsch sprechen, um das Grundge­setz auch im Orig­i­nal lesen zu kön­nen, wer­den so im Nach­hinein ver­sichert, dass sie das Richtige getan haben, indem sie vor oder nach der Zuwan­derung Deutsch, und nicht aus Verse­hen eine andere Sprache gel­ernt haben.
  • Falls sich vere­inzelte Zuwan­der­er wed­er zu der ersten noch der zweit­en Gruppe rech­nen lassen, kann man sie als Ein­heimis­ch­er auf der Grund­lage des Grundge­set­zes darauf hin­weisen, dass es so nicht geht.

Tat­säch­lich ist hier an alles gedacht.

Dem füge ich nichts hinzu, außer, wie immer, den Link zur Peti­tion „Keine Auf­nahme der deutschen Sprache ins Grundge­setz.

[Link ent­fer­nt]

Kraus, Josef (2008) Ich krei­de an. Deutsch­er Lehrerver­band, 11. Dezem­ber 2008 [Link]

Ste­fanow­itsch, Ana­tol (2010) Die viel­stim­mige Gesellschaft und ihre Feinde. Sprachlog, 7. Novem­ber 2010 [Link]

WELT.de (2010) CSU-Gen­er­al will Deutsch im Grundge­setz ver­ankern. 10. Sep­tem­ber 2010 [Link]

[Dieser Beitrag erschien ursprünglich im alten Sprachlog auf den SciLogs. Die hier erschienene Ver­sion enthält möglicher­weise Kor­rek­turen und Aktu­al­isierun­gen. Auch die Kom­mentare wur­den möglicher­weise nicht voll­ständig über­nom­men.]

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Anatol Stefanowitsch

Über Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Er beschäftigt sich derzeit mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Sein aktuelles Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ ist 2018 im Dudenverlag erschienen.

52 Gedanken zu „Deutschlernen leicht gemacht

  1. Gareth

    Juliana hat in der Tat alles gesagt. Ich bin ges­pan­nt, wie lange es dauert, bis jemand hier mit einem weit­eren Pseudoar­gu­ment um die Ecke kommt. Man kann dem VDS und sein­er treuen Gefol­gschaft ja nicht vor­w­er­fen, keinen lan­gen Atem zu haben.

  2. Dierk

    Pro GG-Deutsch
    so langsam bin ich dafür Deutsch ins GG aufzunehmen. Allerd­ings unter Bedin­gun­gen:
    — es muss ange­wandt wer­den => Straf- und Zivilge­set­ze müssen erlassen wer­den
    — ich und einige von mir hand­ver­lesene Schreiber und Lin­guis­ten bes­tim­men, was GG-Deutsch ist
    — die Tode­strafe wird wieder einge­führt
    — die von mir einge­set­zte Kom­mis­sion ver­hängt direkt Strafen
    Zu den Strafen gehört, dass Regierungsmit­glieder und Abge­ord­nete bei kleineren Ver­fehlung sofort ihre Bezüge und Posi­tio­nen ver­lieren. Gle­ich­es gilt bei jedem kleinen Ver­tipp­sler für Funk­tionäre von Vere­inen. Jene, die sich beson­ders erheben, wie VDS-Schrei­hälse und Gün­ter Grass [Rechtschreibre­for­mgeg­n­er!], wer­den auf öffentlichen Plätzen ohne Anhörung gevierteilt, was in min­destens einem öffentlich-rechtlichen Haupt­sender über­tra­gen wer­den muss — als Abschreck­ung für die Kinder.
    Weit­ere Straf­maß­nah­men wer­den nicht vor Ver­hän­gung bekan­nt gegeben, eben­sowenig was die Kom­mis­sion als ahn­denswerte Ver­stöße sieht [wir ändern das selb­stver­ständlich nach Luther und Goethe*].
    *Oder Lust und Laune, was uns ger­ade bess­er passt.

  3. H. Schnabl

    @Stefanowitsch
    Sie und die Aktivis­ten Ihrer ‚Gegen­pe­ti­tion’ argu­men­tieren dage­gen ganz anders:
    1. „Es beste­ht keine Notwendigkeit ein­er Auf­nahme der deutschen Sprache ins Grundge­setz. Das Deutsche ist im Bund und in allen Bun­deslän­dern Amtssprache und es ist unzweifel­haft die Haupt­sprache des öffentlichen Lebens.“
    Die Beto­nung liegt auf ‘unzweifel­haft’. Nur ein Beispiel. Frage ich in Neukölln nach dem Weg, werde ich mit hoher Wahrschein­lichkeit gar nicht ver­standen.
    Selb­st wenn heute, sagen wir, 80 % der Stu­di­engänge auf Deutsch sind, 70% der Bevölkerung deutsch als Mut­ter­sprache erler­nen, 20% der größeren Unternehmen in Deutsch­land Deutsch als interne Sprache haben, und Deutsch Amtssprache ist – wer garantiert, dass das immer und ewig so bleibt? Warum sollte ich Ihnen Glauben schenken, dass Deutsch immer unzweifel­haft die Haupt­sprache ‚bleibt’? Wieso soll die jet­zige Momen­tauf­nahme der Sit­u­a­tion in Deutsch­land für die Zukun­ft genau­so bleiben? Wird Deutsch denn nicht immer mehr ver­drängt, Ten­denz steigend? Die aufge­führten Prozente (oben) sind sicher­lich vor ein paar Jahren oder Jahrzehn­ten viel höher gewe­sen – man betra­chte also die Entwick­lung. Falls Sie aus der Betra­ch­tung der Ver­gan­gen­heit schließen, dass alles halb so schlimm ist, dann ist es nur Ihre pure Naiv­ität. Eine solch ras­ante Entwick­lung, wie sie in den let­zten Jahren geschieht, hat es noch nie gegeben. Ob Deutsch im Grundge­setz dem ent­ge­gen­wirken kann? Ich weiß es nicht. Aber Ihr erstes Argu­ment ist nur eine Momen­tauf­nahme, mit dem Anspruch auf die Zukun­ft. Dieses Argu­ment ist äußerst angreif­bar.
    2. „Da keine Notwendigkeit zu ein­er Auf­nahme ins Grundge­setz beste­ht, wäre eine solche ein rein sym­bol­is­ch­er Akt, dessen Sym­bol­ge­halt nur die Aus­gren­zung von sprach­lich­er und kul­tureller Vielfalt sein kann.“
    Hier ver­suchen Sie die Befür­worter der Peti­tion als „Aus­gren­z­er“ und Feinde ander­er Kul­turen darzustellen. Wenn jemand jet­zt z.B. einen neuen Stu­di­en­gang ein­führt und fes­tlegt, dass dieser auf Deutsch stat­tfind­et, kann dies dann als eine Aus­gren­zung von sprach­lich­er und kul­tureller Vielfalt betra­chtet wer­den? Falls ich Ihnen auf Deutsch schreibe, hat das einen Sym­bol­ge­halt?
    Dass keine Notwendigkeit zu ein­er Auf­nahme ins GG beste­ht, schließen sie aus Ihrem ersten Punkt. Da der erste Punkt auf wack­e­li­gen Beinen ste­ht, wird Ihr eigentlich­es Argu­ment zu der Aus­sage ‘Die Auf­nahme wäre als solche ein rein sym­bol­is­ch­er Akt, dessen Sym­bol­ge­halt nur die Aus­gren­zung von sprach­lich­er und kul­tureller Vielfalt sein kann.’ Das ist schlicht unfair und ein beliebtes Keu­le­nar­gu­ment. Sie als Lin­guist prof­i­tieren von der ras­an­ten ‘Entwick­lung’ des Deutschen und Deutsch­lands. Es gibt Men­schen, die Ihre Begeis­terung für ras­ante Verän­derun­gen und damit ver­bun­de­nen Forschungsmöglichkeit­en nicht nachvol­lziehen. Diese nun als Feinde der sprach­lichen und kul­turellen Vielfalt zu beze­ich­nen, ist eine pure Unter­stel­lung und, wie ich finde, auch eine Belei­di­gung.
    3. „Eine Auf­nahme in das Grundge­setz kön­nte unvorherse­hbare sprach­poli­tis­che Kon­se­quen­zen nach sich ziehen; es ist anzunehmen, dass die Sprach­puris­ten auf dieser Grund­lage eine Ver­fas­sungsklage nach der anderen ein­re­ichen wür­den — gegen Englisch in Wer­bung, Bil­dung, Wis­senschaft, Wirtschaft, gegen Migranten­sprachen auf Schul­höfen, vielle­icht sog­ar gegen Min­der­heit­en­sprachen wie das Friesis­che und Sor­bis­che.“
    Zuerst ein­mal, wieso die Annahme, dass die Entwick­lung ‚jet­zt’ (ohne dass Deutsch im GG ste­ht) „keine“ unvorherse­hbaren sprach­poli­tis­chen Kon­se­quen­zen haben wird – hinge­gen aber die Auf­nahme diese her­beiführt? Ich bin per­sön­lich gegen „Migranten­sprachen auf Schul­höfen“. Ich bin selb­st Migrant. Eine Regelung, dass in den Schulen Deutsch gesprochen wird, würde das Erler­nen von Deutsch erle­ichtern. Ich bin sehr dankbar, dass damals bei mir in der Schule Deutsch als Kom­mu­nika­tion­ssprache zwin­gend vorgeschrieben war.
    4. Zu Ihrem jet­zi­gen Beitrag:
    Hier in Frankre­ich habe ich natür­lich nicht die franzö­sis­chen Staats­ge­set­ze gele­sen um mich davon zu überzeu­gen, ob die Fran­zosen geset­zlich Wert auf Ihre Sprache leg­en. Inter­es­sant, wie Sie und die Sprachlog-Leserin „Juliana“ die so genan­nten „Fehlschlüsse“ der Gegen­seite aufdeck­en. Brauchen wir denn über­haupt ein Grundge­setz, wenn es doch ‚nie­mand’ liest? Was ist das für eine Argu­men­ta­tion? Ist es denn nicht eher so, dass die Auf­nahme des Deutschen ins GG schlicht und ein­fach der Förderung des Deutschen in Deutsch­land dient? Von dieser Förderung kön­nen die Migranten nur prof­i­tieren. Vielle­icht gibt es mehr Sprachkurse, vielle­icht bleibt aber auch alles wie es ist – nur ‚schaden’ wird es ein­fach nicht.
    Wenn über­all alles auch auf Englisch ist, dann wird jed­er doch eher an seinen beschei­de­nen Englis­chken­nt­nis­sen arbeit­en, und das schwierigere Deutsch (kom­plexere Gram­matik etc. …) auf später ver­schieben. Viele Ihrer Befür­worter kom­men aus dem sprach­wis­senschaftlichen Raum. Sie haben wom­öglich Englisch studiert, und find­en es toll, wenn das nicht umson­st war.
    Ins­ge­samt scheinen mir sowohl Ihre als auch ‚Julianas’ Posi­tion und die Kraft Ihrer Argu­mente höchst frag­würdig.

  4. Martin

    Was ist denn dage­gen zu sagen, wenn es englis­chsprachige Stu­di­engänge in Dtl. gibt? Welch­es Prob­lem beste­ht denn, wenn die interne Kom­mu­nika­tion­ssprache in einem Unternehmen nicht Deutsch ist?
    Es ist doch längst Real­ität, dass (zurzeit) Englisch die Wis­senschafts- und Wirtschaftssprache ist. Da führt auch kein GG daran vor­bei.
    Ich selb­st kenne es so, dass die Kom­mu­nika­tion­ssprache in einem Unternehmen Englisch sein soll, wenn der Mitar­beit­er­stab inter­na­tion­al ist, denn dann muss sich kein Mitar­beit­er extra an das Unternehmen anpassen. Mit anderen Unternehmen wird sowieso auf Englisch kom­mu­niziert. Diese Posi­tion halte ich für zweck­mäßig.
    Eine Ein­tra­gung von Deutsch ins GG führt entwed­er zu ein­er restrik­tiv­en Ausle­gung, so dass beispiel­sweise keine Wer­bung mehr auf Englisch erscheinen darf (und die Stu­di­engänge auf Deutsch gehal­ten wer­den müssen) oder es ändert sich ein­fach gar nichts. Wenn sich aber (fast) nichts ändert, braucht man sich auch nicht die Mühe zu machen, soet­was ins GG zu schreiben (Stich­wort: zahn­los­er Tiger).

  5. H. Schnabl

    @ Mar­tin
    Sie bestäti­gen ja nur was ich gesagt habe, dass Deutsch eben nicht zweifels­frei die Haupt­sprache im öffentlichen Leben (z.B. an der Uni, in Betrieben, Wer­bung, Radio, Kun­st…) ist, und sich von ihrem Sta­tus ein­er Haupt­sprache auch eher for­ten­twick­elt.
    Dage­gen muss man nichts haben, aber das muss man ein­se­hen, und nicht ein­fach das Gegen­teil behaupten.

  6. Dierk

    @H. Schn­abl

    Frage ich in Neukölln nach dem Weg, werde ich mit hoher Wahrschein­lichkeit gar nicht ver­standen.

    Und was ändert sich daran durch die Auf­nahme der deutschen Sprache in die Ver­fas­sung?
    Ich hätte doch ganz gerne mal gute, greif­bare Argu­mente für die Auf­nahme von Deutsch ins GG. Bloße Gefüh­le inter­essieren am Stammtisch, aber nicht in der Geset­zge­bung. Aus gutem Grund.
    *Da Sie sich nicht mal trauen á la Sar­razin wenig­stens eine konkret ausse­hende Zahl aus dem Aller­w­ertesten zu ziehen, egal wie falsch die ist, zwei­fle ich Ihre oben zitierte Aus­sage an. Sie schreiben Blödsinn und hof­fen darauf, dass es in dem Wust deutsch ausse­hen­der Wörter nicht auf­fällt.

  7. Anatol Stefanowitsch

    @H. Schn­abl
    Nur, weil Sie „und” M. Schmiechen hier wieder unter­wegs sind (mit dem zusät­zlichen Pseu­do­nym „H.S.“) brauchen Sie die Namen ander­er Diskus­sion­steil­nehmer nicht in Anführungsze­ichen zu set­zen.
    Da Ihre Sta­tis­tiken zum Sprachge­brauch frei erfun­den sind (mit dem Erfind­en haben Sie es ja), und nicht annäh­ernd real­is­tisch sind, werde ich hier nicht weit­er darauf einge­hen. Was meinen Geburt­sort Berlin-Neukölln bet­rifft, schlage ich vor, sie fahren mal hin und überzeu­gen sich selb­st davon, dass man Sie prob­lem­los ver­ste­hen wird. Allerd­ings kann es sein, dass man Sie nicht beson­ders mögen wird (und wer will es den Neuköll­nern ver­denken).

  8. Armin

    Nach dem Weg fra­gen
    “Frage ich in Neukölln nach dem Weg, werde ich mit hoher Wahrschein­lichkeit gar nicht ver­standen.”
    Also wenn ich als Nord­deutsch­er in Bay­ern nach dem Weg gefragt habe kon­nte ich oft genug die Antwort auch nicht ver­ste­hen. Kann mich auch noch sehr gut daran erin­nern ent­nervt bei einem Kun­den­di­enst (!) ein­fach aufzule­gen weil die Frau partout nur Bayrisch sprach, trotz mehrfach­er Bitte Hochdeutsch zu sprechen weil ich sie nicht ver­ste­hen kon­nte.
    Ich schaet­ze mal viele Sued­deutsche wer­den wenn sie in Ost­fries­land nach dem Weg fra­gen auch so ihre Prob­leme bekom­men.
    Also am besten alles ver­bi­eten. Nur noch hochdeutsch fuer alle. Dann klappt das auch mit dem nach dem Weg fra­gen.
    Oder alle bekom­men per Grundge­setz eine Sat­Nav gestellt. Prob­lem auch geloest.

  9. Anna

    Die Beto­nung liegt auf ‘unzweifel­haft’. Nur ein Beispiel. Frage ich in Neukölln nach dem Weg, werde ich mit hoher Wahrschein­lichkeit gar nicht ver­standen.”
    Nun ein anderes Beispiel: Die Far­ben der deutschen Bun­des­flagge sind Schwarz-Rot-Gold. Unzweifel­haft. Gehe ich durch eine deutsche Klein­gartenkolonie, werde ich sie mit hoher Wahrschein­lichkeit nur vere­inzelt zwis­chen Fußball­fah­nen und Region­alflaggen (Bay­ern, Texas usw.) anfind­en. Eben­sowenig, wie ich als Pri­vat­bürg­er dazu verpflichtet bin, Haus und Hof mit Schwarz-Rot-Gold zu beflaggen, wäre ich bei Auf­nahme der deutschen Sprache ins Grundge­setz als Pri­vat­bürg­er dazu verpflichtet, diese Sprache sprechen.
    Die Weg-Erfra­gungs-Sit­u­a­tion in Neukölln würde sich durch Auf­nahme des Deutschen ins Grundge­setz keine Spur ändern.

  10. Lars Fischer

    Also wirk­lich…
    Natür­lich werde ich in Neukölln auf Deutsch nach dem Weg fra­gen kön­nen und ver­standen wer­den. Die Wahrschein­lichkeit ist da vielle­icht höher, Leute zu tre­f­fen, die schlecht oder mit Akzent Deutsch sprechen, aber die Behaup­tung, dass die Mehrheit dort gar kein Deutsch spricht, halte ich für aus­gemacht­en Unsinn. Gibt es dafür einen Beleg? Ich denke nicht.

  11. Michael Kuhlmann

    Neukölln
    Ich habe viele Jahre in Neukölln gelebt. Ich habe es dort noch nie erlebt, das sich nicht ver­standen würde. Ich habe mich immer abso­lut prob­lem­los auf deutsch unter­hal­ten kön­nen. Ich habe bish­er auch immer prob­lem­los auf deutsch Dön­er bestellen und Gemüse kaufen kön­nen.
    Die einzi­gen, die Prob­leme mit ihrer Sprache hat­ten, waren bish­er amerikanis­che Touris­ten, die in der Post­fil­iale nach irgend­was gefragt haben. Auf englisch hat sie lei­der kein­er ver­standen.
    Die Mär des zweit­en Argu­ments, man kön­nte sich in Neukölln und Kreuzberg auf deutsch nicht mehr unter­hal­ten, ist schlicht Unsinn. Es gibt bes­timmt Nach­holbe­darf ger­ade bei den jugendlichen Zuwan­der­ergen­er­a­tio­nen, das ist kein Geheim­nis, aber mit solchen Blödsinns-Aus­sagen ist denen auch nicht geholfen.
    Ich finde diesen Beitrag nicht gut. Er ist ziem­lich her­ablassend, urteilt arro­gant über die Leute, die sich ern­sthaft Gedanken über die Inte­gra­tions­fähigkeit von Zuwan­der­ern machen. Vor allem ver­sucht er, ein ern­sthaftes The­ma ins Lächer­liche zu ziehen. Das ist schon ger­adezu erbärm­lich.
    Dabei ist diese Art der Kon­fronta­tion gar nicht nötig. Man muss nicht auf das Argu­ment einge­hen, man könne sich in bes­timmten Gebi­eten Deutsch­lands nicht auf deutsch unter­hal­ten, gar nicht ein­lassen, weil es kein Argu­ment ist. Man muss es nur mit der Real­ität wider­legen.
    Damit, dass man lächer­liche Witz-Argu­mente wie “Juliana” auf dem Niveau der BILD-Zeitung her­vorträgt, tut man sich keinen Gefall­en.

  12. Peer

    Sprache sprechen vs Grundge­setz
    Auf den Punkt gebracht (@Schnabel u.a.): Es gibt keine Ver­fas­sungskla­gen gegen Bürg­er. Punkt.
    Ob man nun in Neukölln deutsch spricht (tut man) oder nicht ist für den Sachver­halt völ­lig uner­he­blich. Denn auch wenn Deutsch im Grundge­setz ste­ht, heißt es nicht, dass man gezwun­gen wird diese Sprache zu sprechen oder nur zu beherrschen. Das Grundge­setz bed­ingt andere Geset­ze und deren Anwen­dung: Wieder­spricht ein anderes Gesetz dem Grundge­setz muss es geän­dert wer­den (siehe z.B. Vor­rats­daten­spe­icherung). Welche Geset­ze sollen denn durch die Auf­nahme des deutschen ins Grundge­setz ver­fas­sungs­feindlich wer­den?
    Mit Sprachver­weigerung von Aus­län­dern zu argu­men­tieren ist entwed­er eine Nebelk­erze oder es zeugt von man­gel­n­dem Rechtsver­ständ­nis (was bedeutet, die Befür­worter wis­sen gar nicht, was sie da tun). Mit dem Sachver­halt hats nix -gar nix! — zu tun.

  13. Peer

    Ergänzung
    Das eben gesagte gilt natür­lich auch für Stu­di­engänge und Betriebe. Eine Uni wird immer Stu­di­engänge auf anderen Sprachen anbi­eten dür­fen, auch wenn “Deutsch ist die Sprache der Bun­desre­pub­lik” im GG ste­ht.
    Die einzi­gen Geset­ze, die mir ger­ade ein­fall­en, die tat­säch­lich betrof­fen sein kön­nten (wobei ich das bezwei­fle, bin aber kein Ver­fas­sungsrechtler) sind tat­säch­lich die Regelun­gen für Min­der­heit­en­sprachen (Friesisch, Sor­bisch, Dänisch) und Gebär­den­sprache (wobei die ver­mut­lich als “deutsch” gilt).

  14. Frank Oswalt

    @Michael Kuhlmann
    Ich habe hier nie­man­den gese­hen, der sich “ern­sthaft Gedanken über die Inte­gra­tions­fähigkeit von Zuwan­der­ern macht” — ihc sehe allerd­ings Leute, die keinen ern­sthaften Ver­such machen, die Blog­beiträge oder die Kom­mentare ander­er Leser über­haupt zur Ken­nt­nis nehmen und stattdessen immer wieder diesel­ben stu­pid­en Pseu­do-Argu­mente wieder­holen. Dass Juliana hier die einzige Waffe zückt, die noch hil­ft, näm­lich Satire, ist nicht arro­gant oder her­ablassend, es ist ver­bale Notwehr. (Warum alle hier ihren Namen in Anführungszei­h­cen schreiben, ver­ste­he ich nicht, da man sich als aufmerk­samer Sprachlogleser prob­lem­los denken kann, wer sie ist und dann auch weiß, dass sie tat­säch­lich Juliana heißt.)

  15. Gareth

    Ich bin selb­st Migrant. Eine Regelung, dass in den Schulen Deutsch gesprochen wird, würde das Erler­nen von Deutsch erle­ichtern. Ich bin sehr dankbar, dass damals bei mir in der Schule Deutsch als Kom­mu­nika­tion­ssprache zwin­gend vorgeschrieben war.

    Woher sind Sie denn einge­wan­dert, Herr Schn­abl? Aus Öster­re­ich? Ihr Name ist ja noch unmi­grantis­ch­er als mein­er und ich bin schon in diesem Land geboren!

  16. H. Schnabl

    @Stefanowitsch, ‘Juliana’ und Co..
    @ Gareth
    Nanu, die Mitkom­men­ta­toren haben im Ver­laufe der Diskus­sion bestürzt auf die Äußerung eines Leserkom­men­tars reagiert, Stefanowitsch’s Peti­tion ließe sich auf seine miss­lun­gene Inte­gra­tion zurück­führen. Zu Recht wurde darauf hingewiesen, dass A. Ste­fanow­itsch trotz seines Vor­na­mens in keinem Zusam­men­hang mit Ana­tolien ste­he, und Deutsch­er sei. Ich werde an dieser Stelle Stefanowitsch’s Beispiel fol­gen und mich dezent her­aushal­ten – und eben­so wenig darauf reagieren, dass auf­grund meines Namens mir mein Migra­tionsh­in­ter­grund nicht abgenom­men wird.
    Zurück zum The­ma:
    @Stefanowitsch, A.S., ‘Juliana’ und Co…
    Sie schreiben:
    „sie fahren mal hin und überzeu­gen sich selb­st davon, dass man Sie prob­lem­los ver­ste­hen wird. Allerd­ings kann es sein, dass man Sie nicht beson­ders mögen wird (und wer will es den Neuköll­nern ver­denken).“
    Sie rat­en mir nun also davon ab, Ihren Geburt­sort zu besuchen. War es immer dort so gefährlich? Ich, als Migrant, habe also mit meinen fließen­den Deutschken­nt­nis­sen dort etwas zu befürcht­en. Wenn man dann davon spricht, Deutsch sei ‘Haupt­sprache’, muss man schon eine verän­derte Wahrnehmung haben.
    @ Lars Fis­ch­er
    Dass die Mehrheit in Neukölln kein Deutsch spricht, habe ich ja so nicht gesagt – wohl aber habe ich es selb­st erlebt – in ein­er anderen deutschen Großs­tadt, dass meine Frage nach dem Weg zur U-Bahn dort am späten Abend – in Worten – nie­mand! – ver­standen hat. Wie mag es dann erst in Neukölln sein.
    @ Ste­fanow­itsch et al
    Es kam mir darüber hin­aus nicht auf die „genauen“ Zahlen an — aus meinem Beitrag geht klar her­vor, dass die Zahlen schlicht exem­plar­isch sind. Wer aber wollte bestre­it­en, dass in deutschen Unternehmen (unab­hängig von exak­ten Zahlen) früher anteilmäßig mehr Deutsch gesprochen wurde als heute? Wie immer man das bew­ertet, das sind ein­fach klare Ten­den­zen, die man kaum anzweifeln kann. Sie jedoch beziehen sich in Ihrer Argu­men­ta­tion ein­fach auf den Sta­tus Quo – ich halte das für wenig vorauss­chauend.
    Let­zten Endes gilt, dass selb­st „wenn“ ich Ihnen genaue Zahlen zu den Ten­den­zen gäbe, Sie sich­er Ähn­lich­es wie Renate Künast antworten wür­den:
    (Wort­gemäß) „Wenn der liebe Gott gewollt hätte, dass sich die Welt über Zahlen erk­lärt, hätte er am ersten(…!) Tag die Zahlen geschaf­fen, hat er aber nicht.“ (…)
    Kein Kom­men­tar. Ich möchte Ihnen diese pein­lich-wider­sprüch­liche Absur­dität ers­paren.
    Ich bin wed­er vom VDS, noch habe ich dessen Peti­tion unter­schrieben. Auf den VDS bin ich erst­mals im Rah­men Ihrer Pro­pa­gan­da hier auf Spek­trum gestoßen. Mir erscheint die Argu­men­ta­tion des VDS plau­si­bel. Ihre Gegen­darstel­lung hinge­gen ist logisch inkon­sis­tent. Ich per­sön­lich finde die öster­re­ichis­che For­mulierung am besten.
    Let­zten Endes scheint es mir so, dass bei­de Seit­en hier haupt­säch­lich emo­tionale Argu­mente vertreten und bes­timmte poli­tis­che Rich­tun­gen unter­stützen (links vs. kon­ser­v­a­tiv). Wie ich es von Anfang an gesagt habe.
    Viel inter­es­san­ter – und wertvoller – wäre an dieser Stelle eine neu­trale PRO /CONTRA Darstel­lung oder auch eine durch die Peti­tion angestoßene poli­tis­che Diskus­sion. Vielle­icht jedoch nicht hier, auf Spektrum’s wis­sensLogs.

  17. Frank Oswalt

    @H. Schn­abl
    1. Nur, weil Sie etwas immer und immer wieder sagen, wird es nicht wahr.
    2. a) “Exem­plar­ische Zahlen” gibt es nci­ht. Entwed­er, Sie haben Zahlen, oder Sie haben keine.
    2. b) Ste­fanow­itsch ist quan­ti­ta­tiv­er Sprach­wis­senschaftler. Sie wer­den von ihm eine Antwort, wie Sie sie Frau Künast in den Mund leg­en, niemals hören.
    3. Sie haben sich hier im Blog aus­re­ichend als Troll geoutet, der unter ver­schiede­nen Namen veröf­fentlicht und dabei Per­so­n­en erfun­den, die absurde Posi­tio­nen vertreten, damit Ihre Posi­tion bess­er daste­ht. Da kön­nen Sie hun­dert­mal den Namen von Juliana in Anführungsze­ichen set­zen, ein­mal Googeln reicht um sich eine gute Vorstel­lung von ihrer Iden­tität und Exis­tenz zu machen. “H Schn­abel” und “M Schmiechen” ergeben dage­gen keine rel­e­van­ten Tre­f­fer. Dass Ste­fanow­itsch Kom­mentare mit “A.S.” sig­niert, macht das nicht zu einem Ihrer Trollerei ver­gle­ich­baren Ver­such, seine Iden­tität zu ver­schleiern: Die Ini­tialen sind mit einem Link auf dieses Blog hin­ter­legt, was Hin­weis genug sein sollte. Sind Sie am Ende Gen­der-Knauß?
    Mir ist schon zu Bre­mer-Sprach­blog-Zeit­en nie klar gewe­sen, warum Ste­fanow­itsch Kom­mentare wie Ihre nicht ein­fach löscht. Seine Liebe zur Rede­frei­heit geht für meinen Geschmack etwas zu sehr auf Kosten der Qual­ität der Diskus­sion.

  18. Daniel Clerc

    Neukölln
    An alle die hier über Neukölln schreiben: komisch ich wohn hier. Hier im Nor­den von Neukölln zwis­chen Kot­ti, Rütlis­chule und Son­nenallee. Deutsch ist die nor­male Verkehrssprache, wird eher vom Englisch der Touris­ten ver­drängt, als von Türkisch…
    In der Kita mein­er Tochter, haben 90% der Kids einen türkisch/arabischen Back­ground. Komisch meine Tochter lernt grad Deutsch, ich kann keinen türkisch/arabischen Befall fest­stellen.
    Leute! Wir kön­nen auch nix für unseren kama­rageilen Bezirks­bürg­er­meis­ter der nur Anti-Wer­bung macht.

  19. Peer

    @Schnabel
    Ihnen erscheint also die Argu­men­ta­tion des VDS plau­si­bel. Noch ein­mal: “Deutsch im Grundge­setz” hat keine Auswirkun­gen auf Deutschken­nt­nisse ihrer Mtbürg­er (und auch nicht auf Angflizis­men oder die Quote von deutschsprachi­gen Liedern im staatlichen Radio, wie dort auch schon mal geäußert war).
    Das Grundge­setz bed­ingt andere Geset­ze. Nicht Bürg­er. Was ist also nun irgend­wie plau­si­bel?
    So lange der Punkt nicht bean­towrtet ist (siehe mein Kom­men­tar weit­er oben) wer­fen sie mit Nebelk­erzen, nichts anderes.
    Sie wis­sen doch sicher­lich was für eine Bedeu­tung das Grundge­setz hat? Wenn nicht empfehle ich Wikipedia.

  20. Friedensfisch schwimmt weiter

    Geht euch mal bilden… Auch das/der Sprachlog ist immer wieder einen län­geren Abstech­er wert, schon für die auf­schlussre­ichen Diskus­sio­nen über die Deutsch ins Grundge­setz-Frage …

  21. Lars Fischer

    @H. Schn­abl

    Dass die Mehrheit in Neukölln kein Deutsch spricht, habe ich ja so nicht gesagt

    Was genau wollen Sie uns dann mit Ihren kryp­tis­chen Anmerkun­gen über Neukölln mit­teilen?

    – wohl aber habe ich es selb­st erlebt – in ein­er anderen deutschen Großs­tadt, dass meine Frage nach dem Weg zur U-Bahn dort am späten Abend – in Worten – nie­mand! – ver­standen hat.

    Gut dass Sie dies­mal wohlweis­lich die entsprechende Großs­tadt nicht nen­nen. Son­st wür­den Ihnen auch dies­mal wieder Leute, die tat­säch­lich mal da waren, das Fell über die Ohren ziehen. Dass Sie sich tat­säch­lich auf ein eigenes Erleb­nis beziehen, halte ich angesichts ihrer bish­eri­gen Ein­las­sun­gen hier für wenig glaub­haft.

    Wie mag es dann erst in Neukölln sein.

    Dazu haben sich hier Ort­skundi­ge hin­länglich geäußert.

  22. Wilhelm

    Ja zu Deutsch
    In Deutsch­land spricht man Deutsch. Wieso sollte man das nicht in das Grundge­setz schreiben?
    Im übri­gen, Deutsch ist eine schöne Sprache d.h. sie klingt sehr wohltuend und melodiös. Hören Sie sich mal die slaw­is­chen Sprachen an, die klin­gen so abge­hackt. Türkisch geht so halb­wegs, aber die spielt mit zu vie­len Umlaut­en. Aber jet­zt kommt’s: Die Sprache des Propheten. Bei Ara­bisch hat man das Gefühl, dass diese Sprache für Kriegsh­er­ren erfun­den wurde. Auch wenn ein­er in ein­er nor­malen Ton­lage spricht, wirkt es ein­schüchternd. Man kön­nte fast Angst kriegen. In gewiss­er Weise hat sie daher eine Ähn­lichkeit mit Klin­go­nisch. Zugegeben, das hat sich­er auch seine Reize.
    Wie dem auch sei, ich bin für Deutsch im Grundge­setz.

  23. Gareth

    Zu Recht wurde darauf hingewiesen, dass A. Ste­fanow­itsch trotz seines Vor­na­mens in keinem Zusam­men­hang mit Ana­tolien ste­he, und Deutsch­er sei.

    Erst­mal gibt es einen Unter­schied zwis­chen Vor­na­men und Nach­na­men. Im deutschen Sprachraum gibt es seit min­destens 20 Jahren den Trend, wenn nicht schon länger, seinem Kind aus­ländis­che Vor­na­men zu geben, obwohl es keine Verbindung zwis­chen Name und Herkun­ft gibt. Am Vor­na­men würde ich also generell nichts fest­machen wollen.
    Der Nach­name hinge­gen lässt schon eher einen Rückschluss auf die Herkun­ft zu, man muss aber natür­lich bes­timmte Migra­tions­be­we­gung und Kon­tak­te zwis­chen einzel­nen Nation­al­itäten berück­sichti­gen. Bei Namen auf -ski oder -owitsch würde ich nicht von migrantis­chem Hin­ter­grund aus­ge­hen, weil die trotz des slaw­is­chen Ursprungs bei nicht­mi­grantis­chen Fam­i­lien sehr häu­fig sind. Wenn jemand aber Besson, Sjö­gren, Wang oder Mbaza heißt, ist ein Migra­tionsh­in­ter­grund wahrschein­lich­er, weil franzö­sis­che, schwedis­che, chi­ne­sis­che oder afrikanis­che Nach­na­men eben bei nicht­mi­grantis­chen Fam­i­lien sehr sel­ten vorkom­men.
    Der Umkehrschluss daraus ist, dass jemand, dessen Nach­name Schn­abl ist, im deutschen Sprachraum erst­mal nicht als Migrant “in Frage kommt”, da sich der Name deut­lich als dem deutschen Sprachraum zuge­hörig iden­ti­fizieren lässt.
    Im Übri­gen haben Sie selb­st Ihren Migranten­sta­tus her­vorge­hoben und ihn herange­zo­gen, um ihr Argu­ment zu unter­mauern, dass Deutsch auf dem Schul­hof den migrantis­chen Kindern helfen würde. Daher habe ich inter­esse­hal­ber gefragt. Dass Sie nicht näher darauf einge­hen wollen, nehme ich — v.a. in Anbe­tra­cht Ihrer Geschichte hier in diesem Blog — als Indiz dafür, dass Sie sich die Migranten­sto­ry eher aus­gedacht haben. Oder mal von Bay­ern nach NRW migri­ert sind — das kann ja auch ein Kul­turschock sein, v.a. in jungem Alter.

  24. Gareth

    Zu Recht wurde darauf hingewiesen, dass A. Ste­fanow­itsch trotz seines Vor­na­mens in keinem Zusam­men­hang mit Ana­tolien ste­he, und Deutsch­er sei.

    Erst­mal gibt es einen Unter­schied zwis­chen Vor­na­men und Nach­na­men. Im deutschen Sprachraum gibt es seit min­destens 20 Jahren den Trend, wenn nicht schon länger, seinem Kind aus­ländis­che Vor­na­men zu geben, obwohl es keine Verbindung zwis­chen Name und Herkun­ft gibt. Am Vor­na­men würde ich also generell nichts fest­machen wollen.
    Der Nach­name hinge­gen lässt schon eher einen Rückschluss auf die Herkun­ft zu, man muss aber natür­lich bes­timmte Migra­tions­be­we­gung und Kon­tak­te zwis­chen einzel­nen Nation­al­itäten berück­sichti­gen. Bei Namen auf -ski oder -owitsch würde ich nicht von migrantis­chem Hin­ter­grund aus­ge­hen, weil die trotz des slaw­is­chen Ursprungs bei nicht­mi­grantis­chen Fam­i­lien sehr häu­fig sind. Wenn jemand aber Besson, Sjö­gren, Wang oder Mbaza heißt, ist ein Migra­tionsh­in­ter­grund wahrschein­lich­er, weil franzö­sis­che, schwedis­che, chi­ne­sis­che oder afrikanis­che Nach­na­men eben bei nicht­mi­grantis­chen Fam­i­lien sehr sel­ten vorkom­men.
    Der Umkehrschluss daraus ist, dass jemand, dessen Nach­name Schn­abl ist, im deutschen Sprachraum erst­mal nicht als Migrant “in Frage kommt”, da sich der Name deut­lich als dem deutschen Sprachraum zuge­hörig iden­ti­fizieren lässt.
    Im Übri­gen haben Sie selb­st Ihren Migranten­sta­tus her­vorge­hoben und ihn herange­zo­gen, um ihr Argu­ment zu unter­mauern, dass Deutsch auf dem Schul­hof den migrantis­chen Kindern helfen würde. Daher habe ich inter­esse­hal­ber gefragt. Dass Sie nicht näher darauf einge­hen wollen, nehme ich — v.a. in Anbe­tra­cht Ihrer Geschichte hier in diesem Blog — als Indiz dafür, dass Sie sich die Migranten­sto­ry eher aus­gedacht haben. Oder mal von Bay­ern nach NRW migri­ert sind — das kann ja auch ein Kul­turschock sein, v.a. in jungem Alter.

  25. suz

    @Wilhelm
    Glück­wun­sch. Es gelingt nicht jedem, in einem Absatz auch wirk­lich jedes Klis­chee zu bedi­enen.
    (Um meinem Kom­men­tar noch etwas halb­wegs Gehaltvolles hinzuzufü­gen [außer der Tat­sache, dass ich Ihren Unsinn nicht unwider­sprochen lassen will]: Wenn Sie der Welt ein wenig zuhören wür­den, wüssten Sie, dass “abge­hackt”, “unmelodisch” und “ang­ste­in­flössend” auch Adjek­tive sind, mit denen Deutsch gerne mal beschrieben wird.)

  26. gnaddrig

    @ Wil­helm („Ja zu Deutsch“)
    Ach Göt­ter­le, weil Ara­bisch zu sehr nach Klin­go­nisch klingt muss Deutsch ins Grundge­setz? Mit „Deutsch im Grundge­setz“ muss man endlich keine Angst mehr vor ein­schüchtern­den Arabern haben? Bish­er hat nie­mand in Deutsch­land Prob­leme, Deutsch zu sprechen, bloß weil das noch nicht im Grundge­setz ste­ht.
    Und welch­es Deutsch meinen Sie mit der Aus­sage „Deutsch klingt sehr wohltuend und melodiös“? Das von Bild, oder das der taz oder das im Feuil­leton der FAZ? Lothar Matthäus, Har­ald Schmidt oder Richard von Weizsäck­er? Die schleimi­gen Ansagen in der Bahn oder den Feld­webel auf dem Ex-Platz? Hochdeutsch oder einen Dialekt? Wenn ja, welchen und warum?
    Der alte Mann aus dem Schwarzwald hört sich eher urig und gut­tur­al an. Der hat viel Into­na­tion, aber beson­ders melodiös klingt er nicht. Manch­er Rhein­län­der singt eher als dass er spricht. Bairisch hört sich für mich eher polterig an, und die feineren Leute in Ham­burg kriegen den Mund nicht auf, die sprechen prak­tisch ganz ohne Mimik oder Into­na­tion. Manche Sach­sen haben eine für mich wohltuende und melodiöse Aussprache, bei anderen Sach­sen ziehen mir die Vokale die Löch­er in den Sock­en zusam­men, genau­so wie bei vie­len Schwaben. Siegerlän­der ver­ste­he ich gar nicht. Pfälz­er haben Melodie in der Sprache und kön­nen in ihrer Derb­heit als wohltuend emp­fun­den wer­den. Welche Sorte Deutsch ist jet­zt also auf welche Art „sehr wohltuend und melodiös“, und wer find­et das?

  27. Peer

    Der Schwarzwald ist auch schön…
    … und den­noch schreiben wir nicht ins Grundge­setz: “Der Schwarzwald (und die Zugspitze und die Ham­burg­er Innen­stadt und…) gehören zu Deutsch­land.”
    Das Grundge­setz ist keine Auflis­tung schön­er (oder auch nur deutsch­er) Dinge.

  28. Ferdinand Knauß

    @ Frank Oswalt
    Nur um das klarzustellen: Ich (alias “Gen­der-Knauß” wie Sie mich unflätiger­weise nen­nen) habe mich nicht an dieser Diskus­sion beteiligt. Sie inter­essiert mich nicht.
    Dankenswert­er Weise hat mich jemand darauf hingewiesen, dass mir hier “Trollerei” unter­stellt wird.
    Ich bin nur wirk­lich erneut erstaunt über Ste­fanow­itschs Anti-Deutsch-Aktivis­mus. Er scheint sein Forschung­sob­jekt, die deutsche Sprache, nicht beson­ders gern zu haben. Finde ich selt­sam.
    Ich liebe die deutsche Sprache und will sie bewahren. Ich habe mich ja schon als Mit­glied des VDS bekan­nt und tue es gerne wieder. Unser Vere­in ist sehr viel entspan­nter und weniger ver­bis­sen als Ste­fanow­itsch und Kon­sorten.
    Der Stefanowitsch’sche Antidiskri­m­inierungs­furor stößt mich ab. Die Gut­meinen­den sind immer beson­ders gefährlich.
    Ich melde mich ab.
    [Die IP-Adressen der Kom­mentare zeigen, dass Herr Knauß keines­falls „H. Sch­abl“ sein kann. „H. Schn­abl“ kom­men­tiert von zwei ver­i­fizier­baren IP-Adressen aus Frankre­ich, Herr Knauß von ein­er ver­i­fizier­baren IP-Adresse aus Deutsch­land.
    Herr Knauß, Ihre zur Schau gestellte Empfind­lichkeit ist im höch­sten Maße lächer­lich. Jemand, der per­ma­nent am Rande der Ehrver­let­zung austeilt, wie Sie es in den (von Ihnen inzwis­chen teil­weise „entöf­fentlicht­en“) Beiträ­gen in Ihrem Blog getan haben, darf sich über einen milde neck­enden Spitz­na­men wie „Gen­der-Knauß“ kaum ern­sthaft ereifern. — A.S.]

  29. Dierk

    Es fällt mir immer schw­er­er, mich zurück­zuhal­ten, wenn ich … lese, den hier ger­ade die VDS-Klone von sich geben.

    Ich liebe die deutsche Sprache und will sie bewahren.

    Das, … Herr Knauß, will Ihnen nie­mand nehmen, ich erlaube Ihnen hier­mit, das, was Sie für die einzig richtige deutsche Sprache hal­ten, zu lieben und zu ehren und zu bewahren. Sie dür­fen sog­ar ver­suchen gemein­sam Kinder zu zeu­gen. Das ist aber völ­lig unin­ter­es­sant, wenn es darum geht, ob eine Sprach­festle­gung in die Ver­fas­sung gehört.
    Kein­er von Ihnen hat bish­er auch nur ein einziges halt­bares Argu­ment dafür gebracht — und nein, Bauch­grim­men, Liebe oder Angst sind KEINE Argu­mente. Stren­gen Sie sich gefäl­ligst ein­mal an, wenn Sie mich überzeu­gen wollen, recher­chieren Sie, arbeit­en Sie aus, studieren Sie*. Lehnen Sie sich nicht ein­fach zurück und faseln von Über­frem­dung und Schön­heit, brin­gen Sie nicht nur erlo­gene Anek­doten, son­dern echte Zahlen. Wobei Herr Ste­fanow­itsch Ihnen da je die Arbeit bere­its abgenom­men hat — auch wenn Ihnen die Ergeb­nisse nicht passen.
    Ander­er­seits sind Sie ja sog­ar zu faul, sich kurz über den ‘Anti-Deutsch-Aktivis­ten’ Ana­tol Ste­fanow­itsch schlau zu machen. Haupt­sache dummes Zeug schreiben, weil ‘bull­shit’ undeutsch ist.**
    *Von mir aus an der Uni­ver­sität, aber ich habe hier einen dop­pel­ten Wortwitz ver­steckt.
    **Zu sub­til? Nur weil Sie deutsche Wörter benutzen, wird aus Ihrem Quark noch lange kein Dia­mant.

  30. Peer

    @Ferdinand Knauß / VDS
    Noch mal zum Mitschreiben (Sprechen Sie mir am besten nach):
    “Die Auf­nahme des Satzes ´Die Lan­dessprache ist deutsch´ hat keine rechtlichen Kos­nequen­zen für Bürg­er, die kein deutsch sprechen, für Insti­tu­itio­nen die Kurse/was-auch-immer in anderen Sprachen anbi­eten oder für Organ­i­sa­tio­nen die Anglizis­men benutzen.”
    Inwieweit diese Peti­tion die Bewahrung der Sprache fördert hat sich mir immer noch nicht erschlossen. Ich habe bis­lang immer noch kein Argu­ment gehört, dass rechtlich irgend­was mit der Peti­tion zu tun hätte.
    Weiss die VDS über­haupt was es mit dem Grundge­setz auf sich hat??? Ich muss zu dem Schluss kom­men: Nein!

  31. Hel

    *Rot­s­tift für Gen­der-Knauß raushol*
    @Knauß
    Sie lieben die deutsche Sprache? Sie ler­nen gerne auch unab­hängig vom Sko­pus des Grundge­set­zes stets dazu? Da hätte ich was für Sie:
    1. Ein Kom­ma hin­ter Ihrem “Gen­der-Knauß” statt Ich (alias “Gen­der-Knauß” wie Sie mich unflätiger­weise nen­nen)
    2. Dankenswert­er­weise entste­ht aus der glück­lichen Wiedervere­ini­gung von Her­rn Dankenswert­er und Frau Weise, die sich nach der Tren­nung so ein­sam als Dankenswert­er Weise fühlten.

  32. Klausi

    Die Aktion des VDS, “Deutsch ins Grundge­setz”, richtet sich gegen die so wahrgenommene Flut von Anglizis­men in der deutschen Sprache. Sie richtete sich nie gegen andere Sprachen, noch nicht ein­mal gegen die englis­che und schon gar nicht gegen die türkische Sprache. Der VDS befürchtet vielmehr, dass eines nicht so fer­nen Tages das deutsche gegen das englis­che Vok­ab­u­lar aus­ge­tauscht sein werde, jeden­falls, wenn die Entwick­lung so und so schnell wie bish­er weit­erge­ht. Im Gesamtzusam­men­hang sieht man beim VDS darüber hin­aus die Gefahr eines auss­chle­ichen­des Prozess­es nicht nur der eige­nen Sprache, son­dern auch der eige­nen Kul­tur, also so etwas wie die Selb­stauf­gabe der Iden­tität. Auch der Ruf nach ein­er Radio­quote und die Aktion “Deutsch ins Grundge­setz” sind daraus zu erk­lären.
    Alle, die hier anders denken, sind nur deshalb unter­wegs, weil sie anders denken. Nicht weil sie bessere Argu­mente hät­ten, son­dern weil ihre Bedenken andere sind.
    Absurd jedoch, anderen weis­machen zu wollen, der VDS wolle mit sein­er Aktion den Migranten­grup­pen in Deutsch­land ver­bi­eten, eine andere Sprache als Deutsch zu sprechen. Absurd zu glauben, man könne mit der Ver­ankerung des Deutschen im GG Migranten zwin­gen Deutsch zu ler­nen und zu sprechen.
    Der typ­is­che Gut­men­sch mach daraus seinen eige­nen Reim: Es geht wieder gegen die Aus­län­der! “Mul­ti-Kul­ti” in Gefahr. Kerzen an und Lichter­ket­ten bilden! Ein absur­des The­ater­stück.
    Dass Prob­lem, dass Migrantenkinder die Verkehrssprache Deutsch nicht genü­gend ler­nen, wenn sie unter sich bleiben, hat damit nichts, aber auch gar nichts zu tun. Und dass sie die deutsche Sprache beherrschen soll­ten, um hier bei uns im Lande beste­hen und gut und geachtet existieren zu kön­nen, zweifeln noch nicht ein­mal deren Eltern an. Dass sie deshalb auch auf dem Schul­hof untere­inan­der auf Deutsch miteinan­der reden soll­ten, empfind­en selb­st die betrof­fe­nen Migrantenkinder als sin­nvoll und hil­fre­ich. Dass ger­ade Kinder und Jugendliche mit türkisch­er Herkun­ft mit der Sprache die größten Prob­leme haben und dass bei denen (bess­er: bei deren Eltern) dies­bezüglich die größte Bringschuld beste­ht, daran hat eigentlich auch nie­mand ern­sthafte Zweifel. Dass sie (die türkischen Kinder) auch in der Mut­ter­sprache kaum oder gar nicht bewan­dert sind, ist auch bekan­nt, und dass diese “Dop­pelanal­pha­beten” ein­er beson­deren Förderung bedür­fen, ver­ste­ht sich von selb­st. Die darf aber nicht daraus beste­hen, dass man ihnen schon in der Grund­schule ein drittes Prob­lem serviert, näm­lich den Fremd­sprache­nun­ter­richt, der bei uns immer nur Englisch heißt. Wie wäre es stattdessen mit z.B.“Türkisch für Anfänger”?
    Fies wirds, wenn man, nur um die Aktion “Deutsch ins Grundge­setz” zu unter­laufen, die Gege­nak­tion “Deutsch nicht ins Grundge­setz” startet, die die oben genan­nten Argu­mente, weshalb der Erwerb der Verkehrssprache Deutsch so wichtig ist, der­art ver­dreht, als mache man als Migrant bei ein­er von langer Hand geplanten Dikri­m­inierung auch noch selb­st mit.
    Viel­stim­migkeit und Viel­sprach­lichkeit sind in diesem Zusam­men­hang also ganz untaugliche Forderun­gen, wenn einem die Zukun­ft unsere Kinder tat­säch­lich wichtig ist. Sie sind noch nicht ein­mal real, ohne Deutsch als Verkehrssprache kön­nten sich die ver­schiede­nen Migranten­grup­pen noch nicht ein­mal untere­inan­der unter­hal­ten. Die Zeit­en hat­ten wir schon ein­mal, näm­lich mit dem Ein­tr­e­f­fen der ersten Gas­tar­beit­er aus den unter­schiedlich­sten Län­dern Europas, die sich untere­inan­der anfangs nur mit Hän­den und Füßen ver­ständi­gen kon­nten.
    Darüber hin­aus stimmt die unter­schwellig aufgemachte Gle­ichung Viel­sprachigkeit = Vielfaltkul­tur schon gar nicht. Die Kul­tur der Migranten kommt in Deutsch­land so gut wie nicht vor. Oder anders gesagt: Sie kommt so sel­ten vor, wie die deutsche mit­tler­weile auch. Unsere Kul­tur ist seit Jahr und Tag angel­säch­sisch geprägt, also höchst ein­seit­ig. Ein­seit­iger geht nicht.
    Und wie ich unsere angel­säch­sisch geprägte Lin­guis­ten­land­schaft ein­schätze, wird sie nun Englisch statt Deutsch als Verkehrssprache in Deutsch­land ein­fordern — damit sich die Migranten bess­er untere­inan­der ver­ständi­gen kön­nen.
    [Nötiger Nach­trag: Ja, auch der Staat und ver­mut­lich wir alle tun viel zu wenig, um die Inte­gra­tion der Migranten zu fördern. Nein, sie sollen sich nicht/müssen sich nicht assim­i­lieren und den Glauben aufgeben oder katholisch wer­den oder jeden Tag Schweine­brat­en essen und min­destens ein­mal in der Woche jodeln. Habe ich etwas vergessen, um die Nöte der besorgten Für­sprech­er zu beruhi­gen?]

  33. jordroek

    @Klausi
    Zunächst vie­len Dank für diese unaufgeregte und klare Darstel­lung.
    Und den­noch han­delt es sich hier mein­er (und nicht nur mein­er) Mei­n­ung nach eben nicht nur um einen Unter­schied zwis­chen Mei­n­un­gen. A.S. zweifelt ja erstens an der so oft beschriebe­nen Anglizis­men­flut und zweit­ens daran, dass diese, wenn über­haupt vorhan­den, zu ein­er Anglisierung des ganzen deutschen Wortschatzes (oder zumin­d­est eines großen Teiles davon) führen wird. Er führt dafür mE starke Argu­mente an, die er wis­senschaftlich unter­mauern kann:
    1. Viele Anglizis­men wer­den nur in bes­timmten engen Kon­tex­ten ver­wen­det und ver­schwinden oft schnell.
    2. Anglizis­men erset­zen meist keine deutschen Wörter, son­dern beze­ich­nen neue Dinge, für die die deutsche Sprache keine Wörter oder nur sehr umständliche For­mulierun­gen hat.
    3. Die Tat­sache, dass das Deutsche solche Anglizis­men gekon­nt aufn­immt und sie sog­ar in das eigene Flek­tion­ssys­tem inte­gri­ert, spricht wohl eher für die Stärke der Deutschen Sprache.
    4. Ger­ade das englis­che hat ja in sein­er Geschichte extrem viele Wörter ander­er Sprachen, ins­beson­dere aus dem Franzö­sis­chen, über­nom­men. Ich denke, es dürfte Kon­sens sein, dass das Englis­che dadurch nicht dem Unter­gang nahe ist.
    Damit zeigt A.S., dass die Forderun­gen des VDS auf falschen Voraus­set­zun­gen beruhen. Das Ganze hat also nichts mit Mul­ti-Kul­ti-Seel­igkeit zu tun, son­dern mit guten Argu­menten.
    Und hier ist doch ger­ade zu sehen, dass die Lin­guis­tik zu solchen Diskus­sio­nen eben doch beitra­gen kann und sollte, eben indem sie solche prob­lema­tis­chen Annah­men wider­legt.

  34. Armin

    Deutsch raus aus dem Englis­chen!
    Hier­mit stelle ich die Forderung nach der sofor­ti­gen Ein­stel­lung der Deutschen und Amerikanis­chen Inva­sionsver­suche in die Englis­che Sprache!
    Bekan­nter­massen hat das Vere­inigte Koen­i­gre­ich keine (geschriebene) Ver­fas­sung, weswe­gen sich eine Forderung nach dem Schutze der Englis­chen Sprache nicht so ein­fach in sel­bige aufnehmen laesst. Tortz­dem muessen wir den Kampf aufnehmen, bevor es zu spaet ist!
    Es faengt mit solchem Unsinn wie col­or (statt colour), gray (statt grey) und gas (statt petrol) an. Dann solche Mod­e­wo­ert­er wie “awe­some” und aehn­liche Katas­tro­phen. Und das sind nur die Amerikan­er! Obwohl Deutsch­land bekan­ntlich den Krieg ver­loren hat nehmen diese Deutschen sich doch tat­saech­lich die Frech­heit her­aus Unworter wie “abseil­ing” in unsere geheiligte Englis­che Sprache einzubrin­gen. Von Wer­bekatas­tro­phen wie “Vor­sprung durch Tech­nik” und “Das Auto” ganz zu schweigen!
    Wehret den Anfaen­gen bevor es zu spaet ist! Ret­tet die Englis­che Sprache!

  35. pgu

    @Klausi
    Da ich heute erst auf die Peti­tio­nen aufmerk­sam gemacht wurde habe ich ger­ade sehr viele Kom­mentare zum The­ma gele­sen, und Ihrer ist der erste der nach Befür­wor­tung aussieht und trotz­dem dif­feren­ziert bleibt. Auf diesem Niveau macht es Freude, zu disku­tieren!
    jor­droek hat die wichti­gen Argu­mente bere­its aufgezählt (den franzö­sis­chen Ein­fluss auf das Englis­che nach der nor­man­nis­chen Eroberung halte ich für beson­ders erhel­lend), daher muss ich das hier nicht wieder­holen. Wider­sprechen muss ich allerd­ings an ein­er anderen Stelle:
    > Absurd jedoch, anderen weis­machen zu
    > wollen, der VDS wolle mit sein­er
    > Aktion den Migranten­grup­pen in
    > Deutsch­land ver­bi­eten, eine andere
    > Sprache als Deutsch zu sprechen.
    > Absurd zu glauben, man könne mit der
    > Ver­ankerung des Deutschen im GG
    > Migranten zwin­gen Deutsch zu ler­nen
    > und zu sprechen.
    Diese Aus­sage ste­ht in diame­tralem Gegen­satz zu fol­gen­dem Satz, der aus dem Doku­ment auf bild.de stammt, welch­es man aus­druck­en und an den VDS schick­en soll:
    > Ich will keine Zuwan­der­erfam­i­lien,
    > die sich bis in die dritte Gen­er­a­tion
    > weigern, die Sprache des Lan­des
    > kor­rekt zu ler­nen, in dem sie leben!
    Es will hier also nie­mand anderen etwas “weis­machen” über den Hin­ter­grund der Aktion. Ich befürchte, dass ger­ade diese Aus­sage für den großen Erfolg der Peti­tion ver­ant­wortlich ist, da so am recht­en Rand gefis­cht wer­den kann.
    Meines Eracht­ens würde das The­ma an sich (so wie Sie es darstellen — ohne die Migran­tendiskus­sion) deut­lich weniger Leute hin­ter dem Ofen her­vor­lock­en.
    Da ich gerne ver­ste­hen würde, wie genau die Bedenken ausse­hen, die einen Schutz des Deutschen per Grundge­setz notwendig erscheinen lassen, würde ich mich freuen, wenn Sie das im Lichte von jor­droeks Kom­mentaren noch etwas genauer erläutern kön­nten.
    Beste Grüße
    pgu

  36. Thomas

    @ Klausi
    Also erst ein­mal Danke, wirk­lich !, für diesen Beitrag.
    Aber:
    Egal wer sich zum Hüter der Deutschen Sprache auf­schwingt, sollte Eines nicht vergessen.
    Es ist nicht das Prob­lem, welche Sprache die Migranten* (warum eigentlich ein Nicht Deutsch­er Begriff) sprechen, son­dern wie wir Deutsch sprechen.
    Es waren schöne Aus­führun­gen über Schul­höfe und Ähn­lich­es.
    Was aber ist mit unser­er Zwei Klassen Sprache unter den “Ein­heimis­chen”?
    Für mich sind das Prob­lem nicht Denglisch und Turkger­man­isch, son­dern die Sprachlosigkeit in DEUTSCHEN Wohn­stuben, wo Dialoge mit mehr als Drei­wort­sätzen aus dem Fernse­her kom­men.
    Wie soll sich diese Sprache, die in einem großen Teil der Bevölkerung NICHT mehr gesprochen wird, gegen fremd­sprach­liche Ein­flüsse wehren?
    Wie kann es sein, dass (m)ein Kind in der Grund­schule auffiel, weil es einen großen Wortschatz und eine kor­rek­te Gram­matik hat­te (heute auch noch hat)?
    Also beschäfti­gen wir uns doch erst ein­mal mit unserem Sprachge­brauch. In unseren Wohn­stuben, Kneipen usw.
    Dann reden wir über Migranten*.
    * Migrant ist so schön unverbindlich und poli­tisch Kor­rekt. Bei der Ver­wen­dung dieses Begriffes umge­ht man das Prob­lem Ein­wan­derung und Eingliederung. Es bedeutet schließlich nur, dass der Betr­e­f­fende dauer­haft seinen Wohn­sitz ver­lagert.

  37. Klausi

    An pgu
    “Ich will keine Zuwan­der­erfam­i­lien,
    die sich bis in die dritte Gen­er­a­tion
    weigern, die Sprache des Lan­des
    kor­rekt zu ler­nen, in dem sie leben!”

    Den Satz kön­nte ich, wenn er isoliert stünde, jed­erzeit unter­schreiben. Genau das näm­lich kann nie­mand wollen, noch nicht ein­mal die Zuwan­der­er selb­st.
    Er bein­hal­tet aber im Zusam­men­hang mit der Bild-Aktion eine Unter­stel­lung, die nicht richtig ist, näm­lich dass es tat­säch­lich (viele) Zuwan­der­er gibt, die sich bis ins dritte Glied weigern, die Verkehrssprache Deutsch zu ler­nen. Des weit­eren hat die Angele­gen­heit dadurch einen fiesen Beigeschmack erhal­ten, der auf die Aktion des VDS abge­färbt und ver­mut­lich Kreise ange­lockt hat, zu denen ich nicht gezählt wer­den nöchte.
    In so fern hat­te ich zwar zunächst die Peti­tion des VDS geze­ich­net, mich aber aus­drück­l­lich von der gemein­samen Sache mit der “Bild” dis­tanziert. Und das tu ich gerne noch ein­mal hier. Man kann sich zwar seine Ver­bün­de­ten nicht immer aus­suchen, aber in diesem Falle hätte man die Ver­brüderung mit der Bild bess­er rechtzeit­ig gekündigt.

  38. Klausi

    An jor­droek:
    Auch wenn ich Ihnen in den meis­ten Punk­ten recht gebe, bleibt noch genug übrig.
    Ich betra­chte Sprache nicht an sich, das The­ma inter­essiert mich kaum (hat allerd­ings als grund­sät­zlich wiss­be­gieriger Men­sch mein Inter­esse mit­tler­weile geweckt), son­dern Deutsch als meine Mut­ter­sprache. Dabei kann man mit der Lin­guis­tik nicht übereinkom­men, weil sie auch meine Mut­ter­sprache nur als eine Sprache unter vie­len anderen Sprachen betra­chtet.
    [Ich muss abbrechen, mein Ter­min wartet]

  39. Gareth

    Wirk­lich?

    Den Satz kön­nte ich, wenn er isoliert stünde, jed­erzeit unter­schreiben.

    Ich hoffe, dass Ihnen nicht ent­gan­gen ist, wie fein nuanciert der Satz for­muliert wurde. Statt zu sagen, dass man nicht möchte, dass Zuwan­der­erfam­i­lien bis in die dritte Gen­er­a­tion wenig Deutsch sprechen, sagt man, dass man keine Zuwan­der­erfam­i­lien möchte, die wenig Deutsch sprechen. Fällt Ihnen auf, dass nur die VDS/­Bild-For­mulierung die Inter­pre­ta­tion zulässt, dass die Fam­i­lien an sich das Prob­lem sind? Dadurch ergäben sich natür­lich andere Lösung­sop­tio­nen.
    Man kann mir natür­lich bösen Willen oder Haarspal­terei vor­w­er­fen, aber ein Vere­in, dessen einziger Zweck die Rein­hal­tung der deutschen Sprache ist, wählt seine For­mulierun­gen sich­er sehr sorgfältig aus, so dass ich einen Zufall hier für unwahrschein­lich halte.

  40. Klausi

    Wirk­lich
    An Gareth: Es wird an der Böswilligkeit liegen. Nicht etwa, weil sie böse wären, son­dern Ihnen prinzip­iell zum VDS nichts Gutes in den Sinn kommt. Sie unter­stellen dem Vere­in auschließlich böse Absicht­en — oder noch schlim­mer — die Durch­set­zung mit senilen Greisen und ewig Gestri­gen, die nicht mehr wis­sen, was sie tun und anricht­en.
    Der VDS ist, trotz der rel­a­tiv­en Größe, immer noch nur ein Vere­in (bess­er: eine Bürg­erini­tia­tive) mit haupt­säch­lich ehre­namtlichen Struk­turen. Da läuft immer mal was schief. Aktio­nen wie “Deutsch ins Grundge­setz” wer­den von Arbeits­grup­pen geplant und umge­set­zt. Jede lokale Aktion läuft im übri­gen genau so ab. Nie­mand muss in “Rom” (Dort­mund) dafür eine Erlaub­nis ein­holen. Keines­falls ist diese Bürg­er­be­we­gung also eine undemokratis­che Kader­schmiede, die streng einem vorgegebe­nen Kurs ver­fol­gt. Dass Ihnen diese Bürg­erini­tia­tive nicht gefällt, ver­mut­lich noch nicht ein­mal der Begriff Bürg­erini­tia­tive im Zusam­men­hang mit dem VDS, ist Ihr Prob­lem. Sie soll­ten jedoch auch dabei und bei aller Kri­tik halb­wegs gerecht bleiben.
    Ohne dies nach­prüfen zu kön­nen, ich spiele im VDS noch nicht ein­mal eine Neben­rolle, möchte ich wet­ten, dass der von Ihnen ange­führte Satz allein von der “Bild” stammt. Selb­st denen möchte ich jedoch nicht der­at sub­tile Hin­tergedanken unter­stellen, ist doch deren Meth­ode eher die mit dem Holzham­mer. Recht haben sie selb­stver­ständlich in der Hin­sicht, dass der VDS diesen Satz niemals hätte zulassen bzw. unterze­ich­nen dür­fen. Ich hoffe als Mit­glied deshalb, dass der Satz let­z­tendlich nicht abges­timmt war.
    Auch die Texte in den “Sprach­nachricht­en”, dem Mit­glied­sor­gan des Vere­ins, sind nicht immer erster Güte. Die Beiträge wer­den ja nicht unbe­d­ingt von Ger­man­is­ten ver­fasst, son­dern von nor­malen Mit­gliedern und Sprach­fre­un­den aus allen möglichen Metiers. Da hält es der VDS ver­mut­lich so wie A.S., jed­er darf bei ihm und bei uns im VDS mit­machen, selb­st wenn er in der Ver­schriftlichung sein­er Gedanken nicht der beste ist (und die Gedanken selb­st vielle­icht auch nicht).

  41. Gareth

    Ohne dies nach­prüfen zu kön­nen, ich spiele im VDS noch nicht ein­mal eine Neben­rolle, möchte ich wet­ten, dass der von Ihnen ange­führte Satz allein von der “Bild” stammt.

    Kein­er von uns wird nachvol­lziehen kön­nen, von wem dieser Satz im End­ef­fekt stammt. Tat­sache ist, dass der VdS sich mit diesem Satz in der Öffentlichkeit präsen­tiert und das mit voller Absicht. Ich befinde mich auf keinem Feldzug gegen den VdS, ich ver­suche nur — wie viele andere hier auch — her­vorzuheben, in was für abstruse The­o­rien sich dieser Vere­in ver­steigt und welche dubiosen Argu­mente er anwen­det. Und dabei eben auch nicht vor Migranten­bash­ing zurückschreckt.
    Ob das Ganze was mit Ver­greisung im Ruhrge­bi­et zu tun hat, kann ich nicht sagen. Ich bin in Essen aufgewach­sen — wenn ich da immer noch leben würde, wäre ich jet­zt wahrschein­lich auch auf Abwe­gen.

    Da hält es der VDS ver­mut­lich so wie A.S., jed­er darf bei ihm und bei uns im VDS mit­machen, selb­st wenn er in der Ver­schriftlichung sein­er Gedanken nicht der beste ist (und die Gedanken selb­st vielle­icht auch nicht).

    Naja, es han­delt sich hier um ein Blog. Die Kom­men­ta­toren kann man sich dabei nicht aus­suchen. Der VdS sucht die redak­tionellen Beiträge, die er in sein­er Vere­in­szeitschrift druckt, schon aus. Das hoffe ich zumin­d­est.

  42. Gregor

    Der VDS sollte mal in sich gehen
    Wäre es nicht sin­nvoll, wenn sich der VDS einen kom­pe­ten­ten wis­senschaftlichen Beirat sucht? Schon damit nicht jede zweite Aus­sage dieses Vere­ins in diesm Blog als sach­lich falsch ent­larvt wird?
    Und außer­dem sollte man wirlich genauer darauf acht­en, mit wem man bei Aktio­nen gemein­same Sache macht. Wer wirk­lich etwas für die Sprach tun will, sollte das Image “inkom­pe­tent und bräun­lich” auf jeden Fall ver­mei­den.

  43. Onkel Sam

    @ Gre­gor
    Lieber Gre­gor, das einzige, was bis jet­zt wider­legt wurde, waren die absur­den und stets unbe­grün­de­ten Äng­ste des Her­rn Ana­tol Ste­fanow­itsch bezüglich der Feind­seligkeit des VDS. Mit Äng­sten geht man auf Stim­men­fang, das weiß man ja. Also Gut­men­schen, lasst Euch vom AS nicht fan­gen, baut die Lichter­ket­ten wieder ab und geht ein­fach nach Hause. War wieder mal ein falsch­er Alarm.

  44. gnaddrig

    @ Onkel Sam
    Tre­f­fend­er und knap­per hätte man die Kam­pagne von VDS und Bild für die Auf­nahme der deutschen Sprache ins Grundge­setz nicht beschreiben kön­nen: “Mit Äng­sten geht man auf Stim­men­fang, das weiß man ja.” Also schnell Deutsch ins GG, son­st müssen wir spätestens 2023 schon alle türkisch ler­nen, und mit dem ver­denglis­cht­en Rest­deutschen, das dann noch im pri­vat­en Umfeld gesprochen wird, kön­nte man kaum noch Utta Danel­la lesen, geschweige denn Goethe.

  45. Dominik

    Wow.
    Ich bin ger­ade auf diese tolle Diskus­sion gestoßen und hätte so ein paar Gedanken dazu.
    Ich wohne in Nord­bay­ern. Hier hat jedes Dorf einen eige­nen Dialekt und doch ver­ste­hen sich alle mehr oder weniger prächtig.
    Mein Beruf bringt es mit sich dass ich ver­hält­nis­mäßig viel Denglisch spreche. Trotz­dem traue ich mir mehr als zu die deutschen Klas­sik­er zu lesen. Das Eine schließt das Andere nicht aus.
    Wenn ich Sprache richtig ver­ste­he unter­liegt diese doch immer einem Wan­del und nimmt Ein­flüsse auf. Ich ver­ste­he die Angst nicht Deutsch kön­nte “aus­ge­tauscht” wer­den. Wer hat eigentlich bes­timmt dass Goethes Deutsch besseres Deutsch war? Ist es nicht die Viel­seit­igkeit und die Tauglichkeit im All­t­ag die die Qual­ität ein­er Sprache aus­machen? Diese hat sich mein­er Ansicht in den let­zten Jahren eher verbessert. Ist das Wort Handy nicht viel grif­figer als Mobil­tele­fon? Und set­zt sich das Wort Mobil­tele­fon nicht auch aus Bestandteilen ein­er ganz anderen Sprache zusam­men? Also warum nicht Verän­derung als etwas Natür­lich­es und Gutes annehmen?
    Ich glaube fest daran dass es ein großer Irrtum ist zu glauben Sprache oder Kul­tur an sich wären fest­ste­hende Gebilde die man schützen muss. Es ist als würde man glauben man kön­nte ein fließen­des Gewäss­er mit bloßen Hän­den stauen.
    Deshalb für mich, Deutsch defin­i­tiv nicht ins Grundge­setz.

  46. Stefan

    Fran­zoe­sisch in Rus­s­land
    Katha­ri­na die selb­st von Frankre­ich ange­tan war, erhob sog­ar Franzö­sisch zur Hof­sprache.
    http://www.petersburg-info.de/…katharina_ii.html
    Diese Phase des franzö­sis­chen Ein­flusses auf die rus­sis­che Sprache hat diese genau­sowenig kaputtgemacht wie Englisch das Deutsche kaputt macht.
    Und dann ein­fach mal hier http://en.wikipedia.org/…ish-speak­ing_pop­u­la­tion
    nach % der Bevoelkerung sortieren.
    Faszinierend:
    Nor­way 91%
    Swe­den 89%
    The Nether­lands 87%
    Den­mark 86%
    Allerd­ings habe ich in diesen Laen­dern trotz­dem nicht das Gefuehl ihre Sprachen waeren bedro­ht.

  47. H. Schnabl

    @ Ste­fan
    Der prozen­tuale Anteil der Leute, die in Rus­s­land Franzö­sisch gesprochen haben, ist — ver­glichen mit der Gesamt­bevölkerung — zu ver­nach­läs­si­gen.
    Sie lassen darüber auch unbeachtet, wie sehr die Medi­en heute jeden Haushalt erre­ichen — im Gegen­satz zu früher — und wie heute Worte ver­bre­it­et wer­den (wie immer man das bew­ertet).
    Außer­dem hat in Rus­s­land — auch ger­ade durch die Förderung der rus­sis­chen Sprache durch Puschkin — das Rus­sis­che nach dem franzö­sis­chen Ein­fluss dann wieder ‘zu sich gefun­den’, wenn man so will. Ich zitiere aus Wikipedia:
    “Bis zum Ein­marsch Napoleons in Moskau 1812 sprach die rus­sis­che Ober­schicht Franzö­sisch. Nach dem darauf fol­gen­den Brand Moskaus fragte man sich, warum man eigentlich die Sprache des Fein­des spräche. Puschkin bere­it­ete in seinen Gedicht­en, Dra­men und Erzäh­lun­gen der Ver­wen­dung der Umgangssprache den Weg; er schuf einen erzäh­lerischen Stil, der Dra­ma, Roman­tik und Satire mis­chte – ein Stil, der seit­dem untrennbar mit der rus­sis­chen Lit­er­atur ver­bun­den ist und zahlre­iche rus­sis­che Dichter mas­siv bee­in­flusste.”
    Damit will ich natür­lich nicht sagen, dass Englisch die ‘Sprache des Fein­des’ ist … nur um hier gle­ich mal Kom­mentaren vorzubeu­gen. Aber der Ein­satz für eine Sprache (z. B. durch die bewusste Wiedere­in­führung rus­sis­ch­er Begriffe) scheint manchem (wie Puschkin) doch etwas Wertvolles zu sein (ein ähn­lich­er Ansatz wie in Frankre­ich also …) — so stellt sich mir der Ver­gle­ich mit der rus­sis­chen Sprache dar.
    Mir scheint es immer noch so, dass es hier um etwas Emo­tionales geht: bei­de Parteien hier lieben die deutsche Sprache (mehr oder weniger). Aber jede Partei will sie auf ihre Art hegen und pfle­gen — die einen, indem man die Sprache ins GG schreibt, die anderen, indem man die Sprache sich selb­st über­lässt … das erin­nert an Erziehungsmeth­o­d­en. Und auch da ist noch lange nicht entsch­ieden, welch­es die beste Meth­ode ist …

  48. Joachim

    @H. Schn­abl: Missver­ständ­nis
    Herr Schn­abl,
    Sie haben die Wikipedia offen­sichtlich missver­standen. Puschkin förderte nicht die rus­sis­che Sprache, indem er für franzö­sis­che Lehn­wörter rus­sis­che Äquiv­a­lente fand. Er machte Rus­sisch im wahrsten Sinne des Wortes hof­fähig, denn Anfang des 19. Jahrhun­derts sprach man am rus­sis­chen Hof nicht etwa Rus­sisch mit starkem franzö­sis­chen Ein­fluss. Man sprach Franzö­sisch. Es ging also nicht um eine “bewusste Wiedere­in­führung rus­sis­ch­er Begriffe”. Es ging darum, am Zaren­hof die Sprache einzuführen, die das Volk ohne­hin schon sprach. Es ging damit auch gar nicht darum, die rus­sis­che Sprache zu ret­ten. Die war nicht gefährdet, denn der größte Teil der Bevölkerung sprach keine andere Sprache.
    Es gibt also keine Par­al­lele. Heute sprechen unsere Adli­gen und unsere Poli­tik­er die selbe Sprache wie das Volk.

  49. H. Schnabl

    @ Joachim: Missver­ständ­nis
    Herr Schulz,
    ich glaube, Sie haben da etwas missver­standen. Was ich sagte, war let­ztlich nur Fol­gen­des: Ste­fans Ver­gle­ich hink­te. Und zwar, weil viel zu wenige Men­schen Franzö­sisch sprachen und diese Schicht auch meist unter sich blieb. Die Her­anziehung des Franzö­sis­chen als Beispiel war in diesem Zusam­men­hang unzuläs­sig.
    Und dann hat­te ich einen zweit­en Diskus­sion­sstrang aufgemacht, zu dem auch das Wikipedia- Zitat gehörte.
    Dieser Diskus­sion­sstrang beschäftigte sich mit den Fra­gen, die hier im Forum aufkom­men, ob es sich etwa lohne oder nicht, eine Sprache zu fördern, bzw. ob man nicht erst klären solle, was eigentlich Deutsch ist, ob jet­zt Bayrisch Deutsch ist oder Schwäbisch oder oder oder.
    Dazu zog ich Puschkin her­an, der aus der ‚Vielfalt’ jenes Rus­sisch mitkreierte, das wir heute als Hochrus­sisch beze­ich­nen (wie er im Einzel­nen vorge­gan­gen ist (meine Klam­merbe­merkung, auf die allein Sie sich beziehen woll­ten), das ist eine ganz andere Diskus­sion).
    Um also jet­zt auf Sie zurück­zukom­men,… ich glaube, bei Ihnen liegt ein Missver­ständ­nis vor. Sie schreiben:
    „Es ging darum, am Zaren­hof die Sprache einzuführen, die das Volk ohne­hin schon sprach.“
    Meinen Sie damit das ‚Rus­sisch’ aus dem Dorf A oder das aus dem Dorf B? Sicher­lich wollte Puschkin nicht irgen­deinen Lokaldialekt ‚am Hof’ etablieren. Nein, es ging um etwas ganz anderes. Eine gemein­same rus­sis­che Sprache gab es in diesem Sinne nicht. Die Sprache ‚des Volkes’ gibt es an sich nie. Diese ist von Ort zu Ort ver­schieden und ändert sich mit der Zeit. Es sind die großen Geis­ter, die Lit­er­at­en und Denker, die die ‚Haupt’sprache eines Volkes for­men und fördern. Diese Haupt­sprache kann sich natür­lich auch ändern. Ich bin der Mei­n­ung, solch eine Haupt­sprache ‚Deutsch’ gibt es auch, und solch ein Deutsch ist schützenswert und fördern­swert (was nicht iden­tisch ist zu ‚unan­tast­bar’) — völ­lig unab­hängig davon, ob es nun bedro­ht ist oder nicht.

  50. Gregor

    Ver­schiedenes
    @ H. Schn­abl et al.
    Das Beispiel Puschkin passt sehr schön.
    Puschkin sprach selb­st sehr gut Franzö­sisch und hat schon als Gym­nasi­ast Verse in dieser Sprache geschrieben, die sehr gut sein sollen. Seine Bemühun­gen um das Rus­sis­che rührten nicht daher, dass er selb­st in dieser Sprache nicht so flüs­sig war oder ein­fach ein eng­stirniger Nation­al­ist.
    Puschkin hat sog­ar einen Vere­in der Freude der Rus­sis­chen Sprache ins Leben gerufen. Ob sich der mit dem VDS ver­gle­ichen läßt, kann und will ich nicht beurteilen.
    Es ging ihm um die Sprache der Schicht, der er selb­st ange­hörte und die über­haupt las, also um die Ober­schicht. Das Volk bestand damals zum großen Teil aus Anal­pha­beten, hier wären also ganz andere Maß­nah­men nötig gewe­sen, die ihn aber wohl weniger inter­essiert haben.
    @ Onkel Sam
    Das A. S. Angst vor dem VDS hat, glaube ich nicht. Er macht sich eher über diesen Vere­in lustig. Und mein Rat, sich wis­senschaftlich bess­er abzu­sich­ern, ist nicht spöt­tisch, son­dern ernst gemeint. Ich teile dur­chaus die Ziele der Sprach­pfleger, meine aber, dass ihre Aus­sagen möglichst unan­greif­bar sein soll­ten.

  51. Stefan

    @H. Schn­abl
    Sich­er war das nur ein geringer Prozentsatz. So wie in Deutsch­land nur ein geringer Prozentsatz an Men­schen Englisch als Haupt­sprache benutzt. Es wurde oft ange­fuehrt neben Anglizis­men, dass in deutschen Unternehmen Englisch gesprochen wuerde und in Deutschen Uni­ver­si­taeten auf Englisch pupliziert wuerde. Das war damals in Rus­s­land auch der Fall. Forschung wurde durch den Zaren­hof finanziert und war dann halt in Fran­zoe­sisch. Auch darf man nicht vergessen wie ‘Hip’ Fran­zoe­sisch wohl dau­rch war und wieviele Lehn­wo­ert­er eben durch den Zaren­hof und die niedrigeren Adli­gen dann doch im nor­malen Sprachge­brauch gelandet sind.
    Und was die Prozentzahlen weit­er unten ange­ht. So wurde z.b. weit­er oben ange­fuehrt, dass Englisch nicht immer erste Fremd­sprache sein muesste, und es wurde impliziert, dass das einen ‘schlecht­en’ Ein­fluss haette. Die Tat­sache, das wed­er Schwedisch noch Nor­wegisch, Daenisch oder Nieder­laendisch dieses Prob­lem haben, trotz staerk­er­er ‘Englisch­ab­deck­ung’ wider­legt auch dieses Argu­ment.
    Ver­draen­gung von Sprachen kann man sehr schoen (lei­der) an ehe­ma­li­gen afrikanis­chen Kolonien sehen. Aber das passiert hier nicht. Deutsch ver­aen­dert sich, aber auch das Deutsch ohne englis­chen Ein­fluss, dass die Schul­gen­er­a­tion spricht ist schon nicht mehr das gle­iche Deutsch. Sprachver­fall ist schon seit tausenden Jahren ‘doku­men­tiert’ (in dem Sinne, dass sich vor allem die ael­teren Gen­er­a­tio­nen ueber die juen­geren beschwehren) und trotz­dem hat Deutsch nichts an sein­er Lebendigkeit ver­loren.
    Aber das Haupt­prob­lem ist, dass Sprachen kein Zweck son­dern nur Mit­tel zum Zwecke der Kom­mu­nika­tion sind. Das vorgeschobene Argu­ment man wuerde mit dem ganzen Englisch nichts mehr ver­ste­hen ist meist ohne­hin ein nicht ver­ste­hen wollen. Ver­ste­hen und Kom­mu­nika­tion hat nur sekun­daer etwas mit Sprache zu tun. Pri­maer vor allem mit Wollen. Und daran wird auch kein Para­graph im Grundge­setz etwas aen­dern.

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