Swaghalsige Jugendwörter

Der Lan­gen­schei­dt-Ver­lag, der es als Her­aus­ge­ber exzel­len­ter Wörter­büch­er eigentlich nicht nötig hätte, macht sich seit 2008 jedes Jahr mit der Wahl zum „Jugend­wort des Jahres“ zum Affen.

Nicht, weil es keine Jugend­wörter gäbe — die gibt es, und sie wer­den auch sprach­wis­senschaftlich unter­sucht (zum Ein­stieg empfehle ich Schlobin­s­ki 2002). Son­dern, weil der Lan­gen­schei­dt-Ver­lag kein Inter­esse an Jugend­wörtern hat, und sich fol­gerichtig auch nicht bemüht, etwas über Jugend­wörter her­auszufind­en — oder wenig­stens Jugend­wörter zu find­en.

Statt dessen wird ein­er Jury aus Jugendlichen (es geht ja um Jugend­sprache) und Journalist/innen (es geht ja um, äh…) jedes Jahr eine beliebige Auswahl von Wörtern aus allen möglichen Funk­tions­bere­ichen der Sprache vorgelegt, aus denen die dann ein Siegerwort küren soll.

Und in diesem Jahr ist die Beliebigkeit der Auswahl sog­ar der Jury selb­st aufge­fall­en. Ihre Begrün­dung für die fünf Final­is­ten und deren Rang­folge liest sich wie eine einzige lange Dis­tanzierung von dem, wozu sie sich da bre­itschla­gen lassen haben.

Die Plätze 1 bis 5 der diesjähri­gen Jugend­wort­wahl waren die fol­gen­den:

  1. Swag
  2. Fail/Epic Fail
  3. gut­ten­ber­gen
  4. Kör­perk­laus
  5. googeln

Dabei war swag das einzige Wort, mit dem die Jury sich über­haupt anfre­un­den kon­nte. Warum genau, das bleibt unklar. Es kam wohl in ein­er Cov­erver­sion eines amerikanis­chen Rap-Songs vor, und das dazuge­hörige Video wurde auf YouTube 14 Mil­lio­nen mal angek­lickt. Und obwohl das Wort es nicht geschafft hat, in die alltägliche Sprache der Jugend (oder son­st irgend­je­man­des) Einzug zu find­en, macht für die Jury das mil­lio­nen­fache Anklick­en eines Videos „ein­mal mehr deut­lich …, wie schnell sich ein Begriff über das Inter­net ver­bre­it­et und in die alltägliche Sprache Einzug find­et.“

Das zweit­platzierte Fail/Epic Fail dage­gen kam bei der Jury nicht gut an, obwohl es sich hier ja um ein Wort han­delt, das wenig­stens im Online-Diskurs tat­säch­lich eine gewisse Rolle spielt, wenn auch sich­er nicht nur unter Jugendlichen. Der Jury fehlte aber „das let­zte Quäntchen Orig­i­nal­ität“.

Dem drittplatzierten gut­ten­ber­gen sprach die Jury, tre­ff­sich­er und hell­sichtig, den Sta­tus eines Jugend­wortes gle­ich ganz ab. Die Jury sah zwar „die Aktu­al­ität des Begriffs als dur­chaus gegeben“, aber „das Wort sei doch schon sehr im Sprachge­brauch Erwachsener/Lehrer ver­ankert“. Dass es sich über­haupt von Jugendlichen geschöpft wurde, ist aber wenig­stens nicht völ­lig aus­geschlossen. Immer­hin berichtete der eigentlich recht ver­trauenswürdi­ge Tagesspiegel schon Mitte März 2011, dass das Wort auf den Schul­höfen zum All­t­ag gehöre — es kön­nte also sein, dass gut­ten­ber­gen tat­säch­lich das einzige gen­uine Jugend­wort auf der Liste ist. Ander­seits spricht die Tat­sache, dass es schon einige Tage nach Gut­ten­bergs Rück­tritt auf einem T-Shirt erhältlich war, eher für ein medi­al geschaf­fenes Wort.

Auch Kör­perk­laus fand keine Gnade bei der Jury. Das erst­mals 2002 im Song „Water­pumpee“ von Seeed nachgewiesene Wort — „Geh bloß uns nicht auf’n Sack weil du zu feige bist zu tanzen, / Zieh die teure Jacke aus, du Kör­perk­laus, zeig, was kannst’n? — kon­nte laut Jury „nicht mit der Ver­bre­itung der Besser­platzierten mithal­ten“. Wie diese Ver­bre­itung gemessen wurde, und warum sie bei Kör­perk­laus als mis­sion­skri­tisch betra­chtet wurde, bei swag aber nicht, bleibt Lan­gen­schei­dts Geheim­nis. Ohne­hin dis­tanziert man sich wohlweis­lich von Häu­figkeit­sar­gu­menten „Das Jugend­wort des Jahres wird nicht vor­rangig nach der Häu­figkeit sein­er Ver­wen­dung aus­ge­sucht“, erfahren wir einige Zeilen später.

Was schließlich googeln auf der Liste ver­loren hat, ver­ste­ht ver­mut­lich kein­er der Beteiligten. Die Begrün­dung für den abgeschla­ge­nen let­zten Platz ist allerd­ings reich­lich ver­wirrt: „als jugendlich­er Aus­druck für das Verb „suchen“ kon­nte [googeln] zwar in den Top Five lan­den, da es seinen ein­sti­gen mod­er­nen Radius Inter­net ver­lassen hat und eben­so für das Nach­schla­gen in einem Lexikon Anwen­dung find­et. Allerd­ings musste sich dieser Begriff in der Kat­e­gorie Orig­i­nal­ität geschla­gen geben.“ Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung, was das heißen soll. „Nach­schla­gen in einem Lexikon“? Die Jugendlichen besitzen Lexi­ka? Und inwiefern han­delt es sich um einen „jugendlichen Aus­druck“? In sein­er Bedeu­tung „(mit Google) im Inter­net suchen“ ste­ht das Verb auf jeden Fall schon seit 2004 im Rechtschreib­du­den.

Was soll’s, kön­nte man sagen. Ist doch nur ein über­flüs­siger Wortwet­tbe­werb. Das stimmt zwar, aber — nein, es stimmt, Punkt. Lan­gen­schei­dt war sich nicht zu schade, seine lexiko­graphis­che Autorität in den Wind zu schießen, um Mario Barths in Buch­form gegossene Dümm­lichkeit­en als Wörter­buch “Frau-Deutsch/Deutsch-Frau” her­auszubrin­gen. Dage­gen sind die Jugend­wörter des Jahres Peanuts.

Mir bietet die Jugend­wort­wahl die Gele­gen­heit, auf unsere eigene Wörter­wahl, die zum „Anglizis­mus des Jahres“ hinzuweisen, für die noch den ganzen Dezem­ber über Nominierun­gen ein­gere­icht wer­den kön­nen und bei der wir das Siegerwort nicht nach „Orig­i­nal­ität“ oder YouTube-Zugriff­szahlen, son­dern nach harten sprach­wis­senschaftlichen Fak­ten auswählen.

Und natür­lich bietet sie mir die Gele­gen­heit, im Sprachlog endlich, und lange über­fäl­lig, einen Song von Seeed zu ver­linken. Hier ist „Water­pumpee“, inklu­sive der ersten doku­men­tierten Ver­wen­dung von Kör­perk­laus:

 

Lan­gen­schei­dt (2011): Das Jugend­wort des Jahres 2011: „Swag“. Pressemit­teilung vom 5. Dezem­ber 2011. [Link]

Schlobin­s­ki, Peter (2002) Jugend­sprache und Jugend­kul­tur. In: Bun­deszen­trale für poli­tis­che Bil­dung, Aus Poli­tik und Zeit­geschichte B5/2002. [Link]

[Dieser Beitrag erschien ursprünglich im alten Sprachlog auf den SciLogs. Die hier erschienene Ver­sion enthält möglicher­weise Kor­rek­turen und Aktu­al­isierun­gen. Auch die Kom­mentare wur­den möglicher­weise nicht voll­ständig über­nom­men.]

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Anatol Stefanowitsch

Über Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Er beschäftigt sich derzeit mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Sein aktuelles Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ ist 2018 im Dudenverlag erschienen.

39 Gedanken zu „Swaghalsige Jugendwörter

  1. Matthias

    Kör­perk­laus
    Auch wenn es für die Frage der Nominierungs-/Auswahlkri­te­rien keine Rolle spielt: Das Wort “Kör­perk­laus” kenne ich aus mein­er Schulzeit (DDR, Ende der 80er Jahre) und wurde dort (allerd­ings nur von weni­gen Kindern) als starkes Schimpf­wort benutzt, in der Bedeu­tung “Kör­per­be­hin­dert­er”. Woher das Wort kam bzw. wie es ent­stand, darüber habe ich keine Infor­ma­tio­nen, ich weiß nur noch, dass ich mich schon als Kind über dieses selt­same Wort gewun­dert habe. Ab der Gym­nasialzeit (dann schon nach der Wende) ist mir das Wort, bis ger­ade eben, nie wieder begeg­net, auch der Song von Seeed war mir nicht bekan­nt. Inter­es­sant!

  2. Friedrich H.

    Swag
    Ich möchte doch eine kleine Lanze für den “Swag” brechen. In meinem Bekan­ntenkreis (Stu­den­ten und so) hat es große Kreise gezo­gen. Und es scheint tat­säch­lich keine direk­te Über­set­zung dafür zu geben.

  3. Anatol Stefanowitsch

    Kör­perk­laus
    @Matthias, danke für den Hin­weis auf die Vor- und Frühgeschichte dieses Wortes. Tat­säch­lich ist es im DDR-Sprachge­brauch doku­men­tiert, und zwar in der Sol­daten­sprache. Möller (2000) definiert es als „unbe­holfen­er, ungeschick­ter Men­sch“, und Möller (2004) nen­nt es als eins von ein­er Gruppe von Schimpfwörtern, die „kör­per­liche Defek­te“ „behaupteten oder beton­ten“. Von der Sol­daten­sprache aus kann sich das Wort natür­lich prob­lem­los in den Sprachge­brauch der Jugendlichen aus­ge­bre­it­et haben. Inter­es­sant ist aber, dass das Wort damit deut­lich über zwanzig Jahre alt ist — mit Sicher­heit das älteste der Wörter auf der Siegerliste.
    Möller, Klaus-Peter (2000): Der wahre E. Ein Wörter­buch der DDR-Sol­daten­sprache. Berlin: Lukas. [Link]
    Möller, Klaus-Peter (2004) Anre­de­for­men in der DDR-Sol­daten­sprache und ihre Leis­tung für die Beschrei­bung der sozialen Ver­hält­nisse der Wehr­di­en­stleis­ten­den. In: Hans Ehlert und Matthias Rogg (Hrsg.), Mil­itär, Staat und Gesellschaft in der DDR. Forschungs­felder, Ergeb­nisse, Per­spek­tiv­en. Berlin: Links, S. 531–558. [Link]

  4. Peer

    Fail
    Also wenn ich mal nach meinen Schülern gehen soll, ist “Fail” das einzige Wort der Liste, dass ich bei Jugendlichen gehört habe (OK, außer Googlen, aber das zählt nicht).

  5. Michael

    Ich finde auch, dass man swag dur­chaus oft hört. Ich kann es nicht wirk­lich zuord­nen in welchen Kreisen (bin 28), aber ich hat­te beim Lesen des Siegers schon das Gefühl, dass es ver­di­ent sein kön­nte.

  6. Muriel

    Swa­glos­er Wet­tbe­werb
    Als jemand, der auch jeden Mor­gen aufs Neue seinen Swag auf­dreht, würde ich mich da gerne Friedrich H. anschließen. Gut, ich weiß nicht, ob ich mit 29 noch zur Jugend zäh­le (Mut­maßung: Nein.), aber in meinen Sprachge­brauch ist das Wort auf jeden Fall einge­zo­gen.

  7. steeph

    Ich bezwei­fle, dass man heute noch zwis­chen Jugend­sprachen und Nicht-Jugend­sprache unter­schei­den kann. Da sich im Inter­net Bekan­nten- und Fre­un­deskreise oft bilden, ohne dass jemand auf die Idee kommt, nach dem Alter zu fra­gen, etablieren sich auch Aus­drücke, die man spon­tan eher der Jugend zuschreiben würde, bei ganz unter­schiedlichen Alterk­lassen. Man kön­nte aber auch ander­srum sagen, dass der Begriff Jugend sich nicht mehr haupt­säch­lich auf eine Alter­sklasse bezieht.
    Der Post ist wirk­lich das erste Mal, dass ich Swag in einem deutschen Text ver­wen­det sehe. Im Englis­chen kommt er mir aber immer wieder unter. Eine Über­set­zung würde ich aber leiber nicht wagen.

  8. Gunnar

    Kör­perk­laus
    Ich wollte ger­ade schreiben, dass ich das Wort Kör­perk­laus aus mein­er Jugendzeit (Ros­tock, Ende der 80er) kenne, aber da sehe ich, dass jemand schneller war. Bedeu­tung übri­gens genau gle­ich. Es gab sog­ar deftige Kör­p­er-Klaus-Witze.

  9. Helmut Wicht

    ich ver­ste­he nur Bahn­hof
    Swag?
    Kann man mir das bitte mal erk­lären? Ist das ein Adjek­tiv oder ein Nomen oder ein Verb? Was heisst “to turn one’s swag on”?

  10. Detlef Guertler

    gut­ten­ber­gen
    Bei mir wurde “gut­ten­ber­gen” bere­its am 20. Feb­ru­ar als Neu­wort vorgeschla­gen — und zwar von einem immer­hin noch nicht 50jährigen Leser. Reicht das als Jugendlichkeit­snach­weis?
    http://blogs.taz.de/…ik/2011/02/20/guttenbergen/

  11. Jens Polze

    unsten lame
    also ich habe swag über­haupt zum ersten mal im Zusam­men­hang mit dieser Liste gehört. mein Bauchge­fühl spricht dem Begriff eine ähn­liche Über­set­zung wie wanker zu 🙂
    da ich 5 tage die Woche mit Schulkindern eingepfer­cht im Bus fahre kann ich eine ziem­lich repräsen­ta­tive und ‘real’ Liste auf­stellen:
    5. Opfer (schein­bar ein Vor­na­men­syn­onym)
    4. lol (keine Ahnung wohl aus dem schwedis­chen)
    3. dis­like (gerne in Zusam­men­hang mit Tests, Hausauf­gaben und Opfer)
    2. lame (beze­ich­net wohl jeman­den der nicht gut zu fuss ist)
    1. Spacko ( muss wohl ein Alias für ältere Män­ner sein, jeden­falls werde ich so fre­undlich von den Jugendlichen ange­sprochen zB ‘hier ist beset­zt spacko’)

  12. Klausi

    Is’ ja alles nur ein Spaß
    Der Ham­burg­er Sprach­wis­senschaftler, Ana­tol Ste­fanow­itsch, der es als anerkan­nter Wis­senschaftler eigentlich nicht nötig hätte, macht sich seit 2010 mit der Wahl zum „Anglizis­mus des Jahres“ zum Affen.
    Nicht, weil es keine Anglizis­men gäbe — die gibt es (und wie!), und sie wer­den auch sprach­wis­senschaftlich unter­sucht. Son­dern, weil der Vere­in Deutsche Sprache (VDS) kein Inter­esse an Anglizis­men hat, und sich fol­gerichtig auch nicht bemüht, den Gebrauch der­sel­ben auch noch zu propagieren.
    Statt dessen wird ein­er Jury aus Sprachwissenschaftler/innen (es geht ja um Sprache), Anglisten/innen (es geht ja um Anglizis­men) und Ger­man­is­ten (es geht ja um, äh…) jedes Jahr eine beliebige Auswahl von englis­chen Wörtern aus allen möglichen Funk­tions­bere­ichen der Sprache vorgelegt, aus denen die dann ein Siegerwort küren soll.
    Im Jahre 2010 war es leak­en, das obsiegte. Her­zlich Glück­wun­sch, Jury! Und her­zlichen Dank nachträglich für diese Bere­icherung unser­er siechen Mut­ter­sprache!
    In diesem Jahr gibt es erneut gute Gründe, Angst vor ein­er weit­eren Bere­icherung des deutschen Wortschatzes zu haben. Man sehe sich die bish­eri­gen Vorschläge nur ein­mal an:
    adden, Bail-out, Bub­ble Tea, Burn-Out, Car­shar­ing, Cast­ing-Truck, Cloud, cir­clen, Com­pli­ance, Copy & Paste, Copy-and-Paste-Kul­tur, Cup­cake, Cyberwar/Cyberkrieg, Euro-Bonds, Fazial­palmierung, Fratzen­buch, frien­den, Hack­tivism, Hair­cut, Handy-Tick­et­sys­tem, Liq­uid Democ­ra­cy, Nerd, Occu­pist, Occu­py, Occu­py-Bewe­gung, Onlei­he, Post-Pri­va­cy, Rating/raten, Shit­storm, Smart­phone, Stresstest, Tablet, tren­den, whistle­blowen (Verb).
    Was soll’s, kön­nte man sagen. Ist doch nur ein über­flüs­siger Wortwet­tbe­werb. Das stimmt zwar, aber — nein, es stimmt, Punkt. Ste­fanow­itsch ist sich nicht zu schade, seine wis­senschaftliche Rep­u­ta­tion in den Wind zu schießen, um in Wort gegossene Dümm­lichkeit­en her­auszubrin­gen. Dage­gen sind die Unwörter des Jahres Peanuts.

  13. Simone

    Ref­eren­zw­erk
    “Niveaulim­bo” war let­ztes Jahr Jugend­wort des Jahres. Es ste­ht anscheinend für “immer öder oder ständig flach­er wer­den”. Kam mir nur so in den Sinn in Zusam­men­hang mit dieser Wahl, weil die ja auch immer öder…
    Dann hätte ich noch diesen Buchtip*:
    Neu­land, Eva (2008). Jugend­sprache. Eine Ein­führung. Tübin­gen und Basel: Francke.
    Bin nicht ver­wandt mit Frau Neu­land und habe auch son­st kein­er­lei Inter­essen.

  14. impala

    mein Bauchge­fühl spricht dem Begriff eine ähn­liche Über­set­zung wie wanker zu 🙂

    Auf Ihren Bauch würde ich mich an Ihrer Stelle in Zukun­ft nicht mehr ver­lassen.

  15. Peer

    lol
    Jens Polze:
    Lol kommt aus der Inter­net­sprache: Laugigh out loud — und bedeutet “lustig”.
    Ohne Lehrertätigkeit wäre ich nie aif die Idee gekom­men, das auszus­prechen, aber dafür ist es ja Jugend­sprache 😉
    Swag: Im englis­chen ist das sowas wie “gesun­des” Selb­st­be­wusst­sein”.
    @Klausi: Lassen sie sich mal was neues ein­fall­en. Das inhaltlich immer selbe Post (“sieche Mut­ter­sprax­he”) wird etwas lang­weilig. Lesen sie ASs Beiträge nicht, wenn sie nix damit anfan­gen kön­nen und gut ist.

  16. impala

    Was heisst “to turn one’s swag on”?

    Ist ein Sub­stan­tiv in diesem Fall. Ich zitiere in Erman­gelung ein­er offizielleren Quelle eben Urban Dic­tio­nary:
    To put on (donne) one’s clothes and acces­sories, includ­ing jew­ellery, watch­es and gen­er­al ‘bling’.

    So ist zum Beispiel auch in Soul­ja Boys Lied zu hören. Lässt sich meines Eracht­ens nur schw­er ins Deutsche über­set­zen, ganz vielle­icht mit auf­brezeln oder auf­stylen, aber bei­den Wörtern fehlt natür­lich die gen­re­typ­is­che Kon­no­ta­tion, die der englis­che Aus­druck hat. Vielle­icht soll­ten wir es in Analo­gie zu den anderen Wörtern als auf­swaggen ein­deutschen. 😉

  17. P

    @Klausi
    Was ist an den Anglizis­men Ihrer Liste bitte so ang­ste­in­flößend?
    Cloud ist ein tech­nis­ch­er Aus­druck im soge­nan­nten Cloud Com­put­ing, cir­clen ein Aus­druck aus Google+, für Euro-Bonds habe ich noch nie einen deutschen Aus­druck gehört, frien­den ein Aus­druck von Face­book, für Hack­tivism (hack­en aus sozialen/politischen Motiv­en) gibt es kein deutsches Wort, Handy-Tick­et­sys­tem ist doch nun wirk­lich unkon­tro­vers, Liq­uid Democ­ra­cy der Aus­druck für ein bes­timmtes Abstim­mungssys­tem, Nerd ist ein seit Jahren etabliert­er Begriff für eine Sub­kul­tur, Die Occu­py-Bewe­gung heißt nun mal so, oder schauen Sie keine Nachricht­en?, Smart­phone beze­ich­net neue Tech­nik wofür es wieder kein deutsches Wort gibt, eben­so Tablet, Stresstest ist doch wohl seit Jahrzehn­ten etabliert.
    Ich ver­mute ganz ein­fach mal, Klausi, dass Sie gar nicht wis­sen, was viele der Aus­drücke bedeuten und ob es deutsche Begriffe dafür gibt. Ihre Angst vor Englisch ist lächer­lich.

  18. impala

    Swag: Im englis­chen ist das sowas wie “gesun­des” Selb­st­be­wusst­sein”.

    Nee, der Begriff hat ein­deutig eine Stil- bzw. Mod­ekom­po­nente.

  19. Matthias

    Ich lese aus Jens Polzes Beitrag Ironie her­aus. Er beschreibt, welche Assozi­a­tio­nen diese Wörter bei einem (poten­ziell älteren) Außen­ste­hen­den her­vor­rufen kön­nen.
    Und Klausi: Nun ja, er ver­sucht mal wieder einen Thread (sic) zwecks Anglizis­men-Bash­ing (sic) zu hijack­en (sic). (Ist ihm offen­bar schon gelun­gen, denn wed­er er noch diejeni­gen, die ihm antworten, disku­tieren über konkrete Inhalte des vor­liegen­den Blog­beitrages.)

  20. Anatol Stefanowitsch

    Jugend­wahn
    @Detlef Gürtler: Die Alters­frage scheint mir tat­säch­lich wichtig, sie wird von in Diskus­sio­nen von Jugend­wörtern, und Jugend­sprache all­ge­mein, nie ern­sthaft gestellt. In ein­er Gesellschaft, in der Lebensläufe hoch indi­vid­u­al­isiert und Lebens­bere­iche (Sub­kul­turen) stark dif­feren­ziert sind, kann man sich fra­gen, ob Alter über­haupt noch ein Para­me­ter sein kann, an dem sich sprach­liche Vari­a­tion aus­d­if­feren­ziert. Ich ver­mute, dass das nicht der Fall ist.

  21. tungl

    Fail!
    Also ich bin schon 24 und so was von nicht hip, aber “fail” benutze sog­ar ich (und sog­ar ein paar noch ältere Leute aus meinem Fre­un­deskreis). Und sog­ar für mich hat schon einen etwas aus­ge­trete­nen Klang, sodass ich nur fol­gern kann dass “echte” Jugendliche sich pein­lich berührt abwen­den, wenn sie mich das Wort ver­wen­den hörten…

  22. Peer

    @florian / impala
    Oh, da habe ich vorschnell ver­mutet, dass zwis­chen Swag­ger und Swag ein Zusam­men­hang beste­ht…
    Swag kenne ich dann tat­säch­lich nicht.

  23. Helmut Wicht

    @ impala
    Aha.
    Danke.
    “Sich in Schale schmeis­sen”, hätte man ganz früher gesagt. “Every girl’s crazy ’bout a sharp dressed man”, hätte man vor 15 Jahren gesagt. Nu’ sam­mer “swag”. Egal. Haupt­sache: steilisch. Stylig. Stielisch. Stielig. What­ev­er.
    Parce que:
    “Le style, c’est l’homme”
    Oh ja …

  24. Babapapa

    Kör­perk­laus
    Seit eini­gen Jahren habe ich die mir äußerst pein­liche Ange­wohn­heit die Sendung Germany’s Next Top­mod­el zu schauen (jed­er tut mal was dummes), daher kenne ich das Wort “Kör­perk­laus”.
    Eine etwas unbe­holfene Kan­di­datin der let­zten Staffel (die ver­mut­lich in Wirk­lichkeit ca. ein Mal pro Woche gestolpert ist, wurde aber so dargestellt als könne sie keinen Meter ger­adeaus laufen) beze­ich­nete sich ein­mal selb­st als Kör­perk­laus, was im fol­gen­den natür­lich ständig in Einspielern/Untertiteln etc. wieder­holt wurde.
    Ich nehme an, dass das Wort deswe­gen auf der Liste gelandet ist.

  25. ke

    Swag
    Wie ja schon vielfach ange­merkt, das Wort Swag ist unter Jugendlichen und jun­gen Erwach­se­nen dur­chaus ver­bre­it­et. +1

  26. Bob

    Etwas Flach der Beitrag, etwas mehr Hin­ter­grund zu den einzel­nen Wörtern und vielle­icht auch ein paar der Wörter die es (lei­der) nicht in die Top5 geschafft haben hätte ich inter­es­sant gefun­den.
    (btw: wer sagt denn “googlen” zur Suche in Lexi­ka? Ist mir noch nie begeg­net.)
    Was mir bei der Wahl auf­fällt ist der anscheinend fehlende Bezug zu einem bes­timmten Gebi­et (oder /Schicht/), denn auch wenn die Welt ein Dorf gewor­den ist, die Jugend­wörter sind mMn oft region­al und vom Umfeld abhängig, was sich auch in den Kom­mentaren zeigt, wo manche eins der Top5 Wörter anscheinend ständig und andere wiederum gar nicht hören.

  27. impala

    Sich in Schale schmeis­sen

    … sage ich auch heute noch und bin mit 24 wohl zumin­d­est noch nicht allzu weit von mein­er Jugend ent­fer­nt. Der Aus­druck hat m.E. aber nix mit Swag zu tun. In Schale schmeißen würde ich mich für einen offiziellen Emp­fang oder einen Ball oder son­stige sel­tene Gele­gen­heit­en, bei denen es eine Art feineren Dress­code gibt. Bling scheint mir da unange­bracht.

  28. D. Müller

    Kör­perk­laus” wäre nicht das erste eigentlich ältere Wort, das unter Jugendlichen eine zweite Kar­riere antritt. Siehe “geil”.

  29. NörglerIn

    @Peer
    Ich halte es dur­chaus für plau­si­bel, daß zwis­chen swag und swag­ger ein Zusam­men­hang beste­ht, allerd­ings wohl anders, als Sie angenom­men hat­ten.
    Die Hauptbe­deu­tung von swag­ger ist: ein starkes Selb­stver­trauen zur Schau stel­len­des Ein­her­stolzieren.
    Nun kann dieses tat­säch­liche oder gespielte Selb­stver­trauen ver­schiedene Ursachen haben. Eine Ursache kann sein, daß der/die Betr­e­f­fende sich im aller­cool­sten Out­fit, mit dem aller­let­zten Dernier Cri her­aus­geputzt hat.
    Anscheinend sind es diese Ausstat­tungsstücke, die aktuell im Slang als swag beze­ich­net wer­den. Im älteren Slang beze­ich­nete übri­gens swag eine Diebes­beute (gibt es da vielle­icht auch einen Zusam­men­hang?).

  30. tungl

    @NörglerIn
    Es kön­nte gut sein, dass Sie recht haben. Das altehrwürdi­ge Oxford Eng­lish Dic­tio­nary ken­nt “Swag” in der hier disku­tierten Bedeu­tung gar nicht. Dafür gibt es aber “Swag­ger” sowohl als Nomen — “exter­nal con­duct or per­son­al behav­iour marked by an air of supe­ri­or­i­ty or defi­ant or inso­lent dis­re­gard of oth­ers” (früh­ester Beleg 1725) — als auch als Adjek­tiv mit der Bedeu­tung “Show­ily or osten­ta­tious­ly equipped, etc.; smart or fash­ion­able in style, man­ner, appear­ance, or behav­iour; ‘swell’” (früh­ester Beleg 1825).
    Für die Ety­molo­gie wird immer auf das Verb “swag­ger” ver­wiesen. Ob sich das Ajd­jek­tiv jet­zt aus dem Nomen oder aus dem ursprünglichen Verb entwick­elt hat (und ob man das über­haupt sagen kann) geht aus den Ein­trä­gen aber nicht her­vor. Da “swag” aber anscheinend amerikanis­ch­er Herkun­ft ist, müsste man da auf jeden Fall noch mal in einem speziellen Wörterbuch/Lexikon nach­schla­gen.

  31. Wentus

    swag­man
    Im aus­tralis­chen Englisch scheint “swag­man” Herumtreiber zu bedeuten, wie man in der heim­lichen Nation­hymne hören kann:
    Once a jol­ly swag­man camped by a bill­abong, under the shade of a coolibah tree…

  32. Armin

    Swag
    Lest Ihr keine Englischen/Amerikanischen Blogs?
    Swag ist der ganze Werbe­muel­l/-krim­skrams den man auf Messen, Kon­feren­zen und aehn­lichen Ver­anstal­tun­gen abstaubt. Leit­et sich von Diebesgut ab.
    Ural­ter Begriff und bes­timmt nicht Jugend­sprache.

  33. impala

    Swag ist der ganze Werbe­muel­l/-krim­skrams den man auf Messen, Kon­feren­zen und aehn­lichen Ver­anstal­tun­gen abstaubt. Leit­et sich von Diebesgut ab.
    Ural­ter Begriff und bes­timmt nicht Jugend­sprache.

    Darauf nahm Soul­ja Boy sich­er keinen Bezug als er “Turn my swag on” sang.

  34. sprechsucht

    Jugend?
    Warum bes­tim­men eigentlich Erwach­sene Jugend­wörter?
    Wäre es nicht sin­nvoller, sowas von Kindern und Jugendlichen wählen zu lassen? Eine kleine Umfrage bei SchülerVZ oder sowas Ähn­lichem dürfte repräsen­ta­tiv­er sein als jede Juryentschei­dung von Beruf­sju­gendlichen und/oder Schul­hofver­ste­hern.

  35. Baer

    Swag, Fail
    Ich denke mit meinen 16 Jahren gehöre ich den Jugendlichen an unter die drei Wörter Swag, Kör­perk­laus und Fail kenne ich nur zu gut.
    Das Wort Swag wurde eigentlich erst durch einen New­com­er in der Rap­szene bekan­nt, Moe­ny Boy. Er ver­wen­det diese Wort sehr häu­fig und meint im über­tra­ge­nen Sinne damit den Style und den Klei­dungsstil ein­er Per­son. Mit vie­len Acce­soires, wie zum Beispiel Ketten,Caps oder Ban­danas (Hal­stüch­er) trägt man einen gewis­sen Swag.
    Mit dem Wort Fail wird in der Jugend ein Unglück, Unfall oder Miss­geschick eines anderen beze­ich­net. Wenns z.B ein­er in der Schule etwas in ein­er Klausur erre­ichen wollte und eine schlechte Bew­er­tung bekom­men hat, hat er einen Fail gelandet oder wenn ein Auto einen Unfall hat­te und in einen Fluss gefahren ist, ist das ein Fail. Es beurteilt ein­fach ob jeman­dem etwas neg­a­tives zugestoßen oder passiert ist und ist iro­nisch oder sog­ar sarkastisch gemeint.

  36. Phaeake

    @Baer
    Lieber Herr Baer,
    kön­nten Sie mir dann bitte auch mit­teilen, ob “Gut­ten­ber­gen” für “abschreiben” und “googeln” für “in der Papier­welt nach­schauen” real benutzte Jugend­wörter sind?
    Danke im Voraus.

  37. Lars v. Karstedt

    @Phaeake
    In der von mir befragten Gruppe (20 Neun­tk­läss­lerIn­nen) war “gut­ten­ber­gen” zwar bekan­nt, aber nicht Teil des aktiv­en Wortschatzes. “Googeln” für “in der Papier­welt nach­schauen” war unbekan­nt und nach Ansicht der Befragten auch “voll blöd”.
    Ergänzend hierzu:
    “Swag” war bekan­nt und akzep­tiert; eben­so “fail”. “Kör­perk­laus” kan­nte lediglich eine Infor­man­tin aus “Germany’s Next Top­mod­el”.

  38. Phaeake

    @Lars v. Karst­edt
    Besten Dank. Sie haben mir den Glauben an die Jugend wiedergegeben. Vorallem durch die Erhe­bung, dass nur eine von 20 Neun­tk­läss­lerIn­nen diese furcht­bare Sendung schaut.

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