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Leave Luck to Heaven

Was bedeuten eigentlich all die Namen japanis­ch­er Elek­tonik-, Kam­era- und Auto­her­steller?

Ich war inves­tiga­tiv tätig … die meis­ten Infor­ma­tio­nen stam­men von den Fir­men­home­pages, einige von Wikipedia (aber ver­i­fiziert), und natür­lich waren auch eine Menge Wörter­büch­er beteiligt.

Toshi­ba 東芝 ist ein Klam­mer­wort, bei ein­er Fir­men­fu­sion zusam­menge­zo­gen aus tokyo shi­baura den­ki. Tokio düfte ja klar sein (heißt übri­gens ‘Osthaupt­stadt’), Shibau­ra ist ein Stadt­teil von Tokio und 電気 den­ki heißt ‘Strom, Energie’.

Suzu­ki スズキ heißt ganz lang­weilig nach dem Grün­der, Michio Suzu­ki (鈴木道雄)*.
Das einzige, was etwas über­rascht, ist die Schrei­bung. Im Japanis­chen gibt es näm­lich mehrere Schrift­sys­teme: Hira­gana und Katakana sind Schriften, bei denen für jede More (vere­in­facht kann man auch Silbe sagen) ein Zeichen ste­ht. Hira­gana wer­den für gram­ma­tis­che Infor­ma­tio­nen benutzt, Katakana meist für Fremd­wörter.
Und dann gibt es noch die Kan­ji, Schriftze­ichen, die (wieder vere­in­facht gesagt) nicht Laute, son­dern Bedeu­tun­gen abbilden. Die benutzt man für Sub­stan­tive, Adjek­tive, Ver­ben … und auch Eigen­na­men.
Der Name Suzu­ki wird daher so geschrieben: 鈴木. Was er heißt, scheint nicht so klar zu sein … die englis­che Wikipedia schlägt ‘bell tree’ vor (ein Musikin­stru­ment?), ander­swo im Inter­net habe ich ‘Glyzinie’ gefun­den, und die japanis­che Wikipedia sagt, es wäre gar nicht ein­deutig gek­lärt. (Die The­o­rien zur Herkun­ft habe ich aber lei­der nicht ver­standen.) 木 heißt auf jeden Fall ‘Baum, Holz’.
Dass das Unternehmen sich jet­zt mit Katakana schreibt, statt mit den Kan­ji des Unternehmensgrün­ders, ist eine gängige Prax­is in Japan.

Toy­ota トヨタ macht es übri­gens genau­so, ist auch ein Fam­i­li­en­name, mit ger­ingfügiger Änderung (der Name lautet Toyoda), der heute in Katakana geschrieben wird. Der Grün­der heißt Sakichi Toy­o­da (豊田佐吉)*. Das Kan­ji 豊 heißt ‘reich, üppig’, 田 ste­ht für ‘Reis­feld’.

Bei Fuji­film 富士フイルム sind die ersten bei­den Zeichen Kan­ji, die let­zten vier Katakana — und endlich wer­den sie auch tat­säch­lich für ein Fremd­wort gebraucht. In Umschrift heißt der zweite Teil näm­lich fu-i-ru-mu ‘Film’.
富士 ist die Beze­ich­nung für den Berg Fuji, also recht sim­pel, aber warum nen­nt sich eine Fir­ma danach? Auf eine Anfrage habe ich fol­gende Antwort von Fuji bekom­men:

In 1934, our first man­u­fac­tur­ing facil­i­ty was built at the near place of Mt. Fuji. Mt.Fuji is famous for its beau­ti­ful shape of moun­tain and we all Japan­ese peo­ple are proud of Mt.Fuji. Prin­ci­pal mem­ber who estab­lished our com­pa­ny in 1934, hoped that our com­pa­ny named after Mt.Fuji would be one of the best com­pa­nies in the world in future.”

Der Zusam­men­hang zwis­chen Berg und “one of the best com­pa­nies in the world” hat sich mir allerd­ings noch nicht ganz erschlossen.

Yama­ha ヤマハ - schon wieder so eine, die sich nicht mehr 山葉 schreibt, und nach ihrem Grün­der Torakusu Yama­ha (山葉寅楠)* benan­nt ist. 山 ist das Zeichen für ‘Berg’, 葉 ste­ht für ‘Blatt’.

Canon キヤノン ist ein span­nen­der Fall. Eine der ersten Kam­eras des Unternehmens hieß Kwanon, nach der bud­distis­chen Got­theit des Mit­ge­fühls. Nach dieser Kam­era wurde dann auch die Fir­ma benan­nt. Auf der Fir­men­home­page heißt es:

This title reflect­ed the benev­o­lence of Kwanon, the Bud­dhist God­dess of Mer­cy, and embod­ied the Company’s vision of cre­at­ing the best cameras in the world.”

Die Änderung in Canon erfol­gte 1935 zur besseren Ver­mark­tung, und natür­lich, damit man Weltbester wer­den kon­nte.

Mit­subishi 三菱 beste­ht aus den Zeichen mit­su ‘drei’ und 菱 hishi ‘Wasserkas­tanie’. Es han­delt sich dies­mal nicht um einen Fam­i­li­en­na­men — die Benen­nung erfol­gte vielmehr nach dem Fir­men­l­o­go, das das Fam­i­lien­wap­pen eines Clans war, bei dem der Fir­men­grün­der angestellt war. (Mehr hier.)

Die Bedeu­tung von Nin­ten­do 任天堂 wird in ver­schiede­nen Quellen angegeben mit ‘das Glück dem Him­mel über­lassen’, was wohl damit zu tun hat, dass die Fir­ma in ihren Anfän­gen Spielka­rten her­stellte.

*Bei japanis­chen Namen wird der Nach­name zuerst genan­nt, daher in den Klam­mern die Rei­hen­folge Nach­name-Vor­name, jew­eils zwei Zeichen. Die Schrei­bung japanis­ch­er Namen kann man wun­der­bar in Jim Breens Onlinewörter­buch nach­schla­gen — ein­fach rechts ENAMDICT auswählen und ein Häkchen bei “Search using roman­ized Japan­ese” set­zen.

Guten Morgen, Guten Tag …

Ich lese grade in ein­er Kolum­nen­samm­lung der Japan Times namens Nihon­go Notes (Osamu & Nobuko Mizu­tani) in mehreren Bän­den (eher Bänd-chen) aus den 70ern/80ern. Es geht qua­si darum, arme Aus­län­der im höflichkeitssen­si­blen Japan vor sozialer Aus­gren­zung und Äch­tung wegen Ver­wen­dung falsch­er Aus­drücke zu bewahren.
In Deutsch­land sind die Büch­er wohl nur noch anti­quar­isch und zu hor­ren­den Preisen zu bekom­men (die phan­tasievoll­ste Pre­is­forderung will pro Seite einen Euro), großes Buh!

Was mich sehr fasziniert hat (Erken­nen, Eigenes, Fremdes etc.):
お早う ohay­ou heißt ‘Guten Mor­gen!’ und 今日は kon­nichi­wa ‘Guten Tag!’ Mit großer Mühe und viel Liebe wird den Japanis­chler­nen­den nun nahege­bracht, dass es nicht nur an der Tageszeit liegt, welchen Gruß man benutzt, son­dern auch an der Beziehung, in der man zu jeman­dem ste­ht. Ohay­ou ver­wen­det man generell mor­gens, sowohl der eige­nen Gruppe (Fam­i­lie, Fre­unde, Kol­legin­nen) als auch Frem­den gegenüber. Sollte es sich aber ein­mal zutra­gen, dass man z.B. erst mit­tags zur Arbeit kommt, dann darf man nii­i­i­i­i­i­iemals kon­nichi­wa sagen, denn das ist ein Gruß, den man Leuten gegenüber ver­wen­det, die nicht zum engeren Umfeld gehören.

So weit, so gut, ominöse Japan­er … aaaaaaber dann ist mir aufge­fall­en: Wir machen es auch nicht anders! (Guten) Tag! ist auch bei uns sehr an die Ver­trautheit gekop­pelt — man würde es nie zur eige­nen Fam­i­lie oder zu Fre­un­den sagen, da klingt es viel zu formell.
今晩は kon­ban­wa bzw. Guten Abend ver­hält sich wie kon­nichi­wa/Guten Tag!
Und die Gute Nacht! finde ich lei­der nicht mehr, ich bin mir sich­er, dass irgend­wo etwas dazu stand, aber mein Leseze­ichen­sys­tem weist ern­sthafte konzep­tionelle Fehler auf.
Den­noch wün­sche ich sie hier­mit: お休みなさい oya­sum­i­na­sai!