Presseschau

In Baden-Würt­tem­berg tobt ein ungewöhn­lich­er Sprachkrieg. Seit 2003 begin­nt der Fremd­sprache­nun­ter­richt dort schon in der Grund­schule. Ganz Baden-Würt­tem­berg hat dafür das Englis­che gewählt. Ganz Baden-Würt­tem­berg? Nein! Denn ein Gebi­et leis­tet dem Ein­drin­gling tapfer Wider­stand. Ent­lang der Rhein­schiene hat man sich aus ganz prak­tis­chen Grün­den für das Franzö­sis­che entsch­ieden. Frankre­ich ist nah, und wer Franzö­sisch spricht, dem ste­ht ein zusät­zlich­er Arbeits­markt zur Ver­fü­gung. Aber was den Eltern für die Grund­schule Recht war, ist ihnen für das Gym­na­si­um keineswegs bil­lig. Denn hier sollen, wenn es nach Kul­tus­min­is­ter Hel­mut Rau geht, die betr­e­f­fend­en Schüler gezwun­gen wer­den, Franzö­sisch als erste Fremd­sprache zu wählen. Da es aber im deutschen Schul­sys­tem Fün­ftk­lässlern nicht zuzu­muten ist, zwei Fremd­sprachen par­al­lel zu ler­nen, würde sich dadurch der Beginn des Englis­chunter­richts verzögern. Poli­tik­er und Eltern befürcht­en nun, dass den Schülern in der Gren­zre­gion Nachteile entste­hen, beispiel­sweise bei Schul­wech­seln aber auch bei der Job­suche im inter­na­tion­al ori­en­tierten Län­dle (wo laut Min­is­ter­präsi­dent Oet­tinger in naher Zukun­ft das Englis­che ohne­hin das Deutsche erset­zen wird). Mein beschei­den­er Vorschlag wäre, Englisch und Franzö­sisch ein­fach gle­ich­berechtigt ab der fün­ften Klasse zu unter­richt­en. Ich garantiere: die Auf­fas­sungs­gabe von Fün­ftk­lässlern über­steigt die von Poli­tik­ern um ein Vielfach­es.

Während man sich in Baden-Würt­tem­berg noch darum stre­it­et, ob denn nun das Englis­che oder das Franzö­sis­che ein besser­er Garant für den beru­flichen Erfolg ist, lernt man in Zürich bere­its die eigentliche Sprache der Zukun­ft — Schwyz­ertütsch:

Immer mehr Deutsche zieht es nach Zürich, wo gute Arbeits- und Ver­di­en­st­möglichkeit­en lock­en sowie ein reich­haltiges Kul­tur- und Freizei­tange­bot. Und das Schwyz­ertütsch, das kön­nen sie ja auch schon halb­wegs, denken viele Deutsche, nur weil sie im Fernse­hen die Rico­la-Wer­bung prob­lem­los ver­ste­hen. In Zürich fol­gt dann die Erken­nt­nis, dass Schweiz­erdeutsch schwieriger ist als erwartet und ein Vok­ab­u­lar aufweist, das über «Schog­gi» und «Grüezi» hin­aus­ge­ht.

Seit über dreißig Jahren bietet deshalb die Klub­schule Migros Schweiz­erdeutsch-Kurse an. Wer lieber zuhause lernt, für den gibt es Lern­soft­ware für Anfänger und Fort­geschrit­tene. In diesem Sinne, Uf Wieder­luege und no es schöns Tägli!

Dieser Beitrag wurde unter Bremer Sprachblog abgelegt am von .
Anatol Stefanowitsch

Über Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Er beschäftigt sich derzeit mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Sein aktuelles Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ ist 2018 im Dudenverlag erschienen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .