Unwiederholbares

Eine Grun­dregel „guten“ Schreibens besagt, dass die Wieder­hol­ung eines Wortes im sel­ben Satz/Absatz zu ver­mei­den ist und stattdessen Syn­onyme gewählt wer­den sollen.

Bei Adobe Sys­tems Inc. hat man von dieser Regel offen­bar noch nie gehört — NvonX, gele­gentlich­er Sprach­blogkom­men­ta­tor, schickt mir fol­gen­den Screen­shot:

Adobe Updater Warning

Adobe Updater Warn­ing

Wie er richtig beobachtet: „Noch schön­er wäre es, wenn es statt eines „OK“-Buttons einen „Update“-Button gäbe.“

Dieser Beitrag wurde unter Bremer Sprachblog abgelegt am von .
Anatol Stefanowitsch

Über Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Er beschäftigt sich derzeit mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Sein aktuelles Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ ist 2018 im Dudenverlag erschienen.

5 Gedanken zu „Unwiederholbares

  1. buntklicker.de

    Das mag im Bere­ich der Bel­letris­tik richtig sein, im Bere­ich der tech­nis­chen Lit­er­atur (zu der ich diese Dialog­box ein­fach mal zäh­le), noch dazu wenn sich diese (auch) an Nicht­mut­ter­sprach­ler richtig, halte ich das für völ­lig ver­fehlt.

    Es ist sehr wichtig, das­selbe Ding (im all­ge­me­in­sten Sinne) immer mit dem­sel­ben Wort zu beze­ich­nen, damit der Leser präzise weiß, wann das­selbe gemeint ist und wann nicht.

    Für stilis­tis­che Fein­heit­en ist da kein Platz. Daß es sich hake­lig anhört, ist völ­lig unwichtig, solange es nur sach­lich exakt und ein­deutig ist.

  2. Anatol Stefanowitsch

    Das mag im Bere­ich der Bel­letris­tik richtig sein, im Bere­ich der tech­nis­chen Lit­er­atur … halte ich das für völ­lig ver­fehlt.

    Das stimmt, aber man (Adobe) kanns auch übertreiben. Aus tech­nis­ch­er Sicht kann man außer­dem sagen, dass die gesamte Nachricht über­flüs­sig ist: da man den Aktu­al­isierung­sprozess ges­tartet hat, will man ja offen­sichtlich seine Soft­ware aktu­al­isieren. Warum fragt der Updater also noch ein­mal nach, statt sich ein­fach stillschweigend zu aktu­al­isieren?

    Selb­st wenn er nach­fragt, kön­nte er das kürz­er tun:

    Please update to the cur­rent ver­sion of Adobe Updater — [Can­cel] [OK]

  3. Stefan

    Ein ser­iös­es Pro­gramm meldet sich, wenn es Inhalte aus dem Inter­net nach­lädt — Es sei denn man hat es dem Pro­gramm expliz­it erlaubt.

    Die Mel­dung fol­gt dem Schema, im ersten Satz den Sachver­halt zu erk­lären und im let­zten Satz die Frage zu stellen. Ich kann mir gut vorstellen, dass dies offizielle Vorge­hensweise bei den meis­ten Com­put­er­fir­men ist.

    Ähn­lich­es gilt für die OK-Quit-Auswahl. Solche Dialoge sind stan­dar­d­isiert und weichen daher nur in Aus­nah­me­fällen ab.

  4. dirk.schroeder

    Ich würde auch die Bel­letris­tik nicht zum guten Schreiben ermuntern. Autoren, die Syn­onyme suchen um Wieder­hol­un­gen zu ver­mei­den, opfern dafür den genauen Aus­druck. Was marschieren nicht Leute herum, die eben noch spazierten und gle­ich auss­chre­it­en wer­den. Sog­ar die Abwech­slung selb­st ist oft ein Übel. Dialoge etwa mit sagte, sprach, ent­geg­nete, erwiderte, erzählte, teilte mit, redete und so weit­er, hin und her. Da ist sagte sagte bess­er. Dass ein Updater ein Update braucht, erschließt sich dem Com­put­er­nutzer immer­hin eher, als dass ein Down­load zu x Prozent gedown­load­et ist.

  5. Anatol Stefanowitsch

    @dirk.schroeder

    Ich würde auch die Bel­letris­tik nicht zum guten Schreiben ermuntern.

    Ich auch nicht, wenn „gut“ heißen soll, dass man Formeln fol­gt (deshalb die Anführungsze­ichen).

    Sog­ar die Abwech­slung selb­st ist oft ein Übel. Sog­ar die Abwech­slung selb­st ist oft ein Übel. Dialoge etwa mit sagte, sprach, ent­geg­nete, erwiderte, erzählte, teilte mit, redete und so weit­er, hin und her. Da ist sagte sagte bess­er.

    Abwech­slung auf Krampf ist sich­er nicht schön. Bei den Dialo­gen und den dazuge­höri­gen Ver­ba Dicen­di kann man das etwas dif­feren­ziert­er betra­cht­en. In manchen Sprachen (z.B. dem Englis­chen) wer­den hier gerne abstrak­te Ver­ben ver­wen­det (say und tell und höch­stens mal ask. Im Deutschen wird hier gerne mehr Abwech­slung gepflegt, im Franzö­sis­chen ten­den­tiell noch weniger als im Englis­chen Obwohl diese Ver­ben und ihre Ver­wen­dung bei der Darstel­lung von Dialo­gen fast auss­chließlich ein schrift­sprach­lich­es (und dort fast auss­chließlich ein lit­er­arisches) Phänomen sind, passt dieser Unter­schied zwis­chen den Sprachen gut zu all­ge­meineren Unter­schieden in ihren gram­ma­tis­chen Sys­te­men.

    Dass ein Updater ein Update braucht, erschließt sich dem Com­put­er­nutzer immer­hin eher…

    Ja, und eigentlich ist es auch ein schönes Beispiel für Selb­stre­f­er­en­tial­ität. Hier kön­nte man dann darüber nach­denken, woher der Updater weiß, dass er ein Update braucht, da er sich doch erst updat­en muss, um nach Updates zu suchen und dabei zu ent­deck­en, dass er ein Update braucht. Der Updater behan­delt sich selb­st also anders als andere Pro­gramme, die er updat­en soll. Das gren­zt ja schon fast an ein Ich­be­wusst­sein…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .