Presseschau

Eigentlich wollte ich natür­lich über Microsoft schreiben, die sich durch ihren Rechtsstre­it um die Sprache der Mapuche nicht beir­ren lassen (wir erwäh­n­ten das in unserem Aprilscherz) und nun ihr Office-Paket auch ins Elsäs­sis­che über­set­zen lassen haben. Was ich an dieser Über­set­zung beson­ders bemerkenswert finde, ist, dass der größte Soft­ware­hersteller der Welt dafür ger­ade ein­mal 5.000 Euro übrig hat­te. Unter den Leser/innen des Bre­mer Sprach­blogs sind ja einige Übersetzer/innen und Lektor/innen, die dürften mir bestäti­gen kön­nen, dass man für diese lächer­liche Summe (etwa den Verkauf­spreis von 10 MS-Office-Pro-Paketen) natür­lich nur die gewohnte Microsoft-Qual­ität, keines­falls aber eine anständi­ge Über­set­zung erwarten kann. Gefall­en hat mir fol­gende Aus­sage: „Sprach­wis­senschaftler grü­bel­ten zunächst über die Frage, ob eine Volkssprache an einen tech­nis­chen Jar­gon angepasst wer­den müsse oder umgekehrt.“ Umgekehrt natür­lich! Microsoft leis­tet hal­b­gare Arbeit, erk­lärt das Ganze zum Indus­tri­e­s­tandard und die Nutzer passen sich an.

Aber ich will keine Auseinan­der­set­zung mit Red­mond riskieren, deshalb sage ich zu dem The­ma lieber nichts und wende mich gle­ich dem eigentlichen sprach­wis­senschaftlichen Höhep­unkt der Woche zu: Ange­hen­den Studieren­den der Ger­man­is­tik fehlt es an man­gel­hafte gram­ma­tis­chen Grund­ken­nt­nis­sen:

Bei einem Gram­matik-Test in Bay­ern fie­len Erstse­mes­ter mit Kara­cho durch. Die ange­hen­den Ger­man­is­ten erre­icht­en nur das Niveau von Sech­stk­lässlern — jed­er Dritte kassierte eine Fünf oder eine glat­te Sechs. Ihre Pro­fes­soren sind erschüt­tert.

Wer dem Link fol­gt, kann bei Spiegel Online pro­bieren, ob er/sie es bess­er kann. Ich habe von 40 Punk­ten nur 36 erre­icht (90 Prozent). Ich war zwar bei der Beno­tung sehr streng (habe mir zum Beispiel keinen Punkt für die Antwort „Pas­siv“ gegeben, wo „Zus­tandspas­siv“ gefragt war), aber trotz­dem hätte ich als pro­fes­sioneller und pro­fes­so­raler Gram­matik­er wohl bess­er abschnei­den müssen. Ich hoffe, die Hochschulleitung liest das Bre­mer Sprach­blog nicht, son­st kom­men wom­öglich Gehalt­sein­bußen auf mich zu…

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Anatol Stefanowitsch

Über Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Er beschäftigt sich derzeit mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Sein aktuelles Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ ist 2018 im Dudenverlag erschienen.

Ein Gedanke zu „Presseschau

  1. Jens

    Ich bin neugierig, wo Ihnen die anderen drei Punk­te fehlen.

    Ich hab seit nicht als Kon­junk­tion erkan­nt und die Pronom­i­na und Adver­bi­en nicht genau genug bes­timmt. Außer­dem ist die Gle­ich­mut für mich weit­er­hin fem­i­nin.

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