Korken und wache Köpfe

In der Online-Aus­gabe des St.Galler Tage­blatts habe ich gestern ein sehr schönes Inter­view mit dem schweiz­er Schrift­steller und Lit­er­atur­wis­senschaftler Urs Wid­mer gele­sen. Eine Pas­sage daraus:

Unser Sprachge­brauch ist durch­set­zt mit Anglizis­men. Wie weit beu­gen Sie sich dem Denglisch?

Wid­mer: Wis­sen Sie, ich habe ein Ver­hält­nis zur Sprache, das nicht moral­isiert. Die Sprache tut, was sie tut. Und ich schaue zu, was sie tut, ver­wende das manch­mal eins zu eins, aufrichtig, und manch­mal mit kri­tis­ch­er Ironie. Aber die Sprache hat immer recht. Ich bin gegen Sprachkämpfe, gegen Vor­würfe, dass zu viele englis­che Wörter gebraucht wür­den, zu wenige franzö­sis­che, dass wir unsern Dialekt pfle­gen soll­ten. Ich bin ein­er, der wie ein Korken auf dieser Sprache schwimmt und dabei seinen wachen Kopf gebraucht.

Ich selb­st bin ja bräsig und zu tiefer­ge­hen­der Betra­ch­tung nicht in der Lage, und freue mich deshalb über Wid­mers wachen Kopf (unbe­d­ingt das ganze Inter­view lesen!).

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Anatol Stefanowitsch

Über Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Er beschäftigt sich derzeit mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Sein aktuelles Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ ist 2018 im Dudenverlag erschienen.

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