Ein sprachlicher Bildungsauftrag

In einem Kom­men­tar hat Leser/in „mus“ darauf hingewiesen, dass der NDR den „Tag der deutschen Sprache“ (den es natür­lich nicht wirk­lich gibt und der nur der über­hitzten Fan­tasie der Sprach­nör­gler entsprun­gen ist) mit ein­er Umfrage würdigt, in der nicht etwa die Schön­heit und Vielfalt der deutschen Sprache gefeiert wird son­dern in der die Leser zum sprach­lichen Sno­bis­mus aufge­fordert wer­den.

Unter dem auf sach­liche und unten­den­z­iöse Diskus­sion aus­gerichteten Titel „Ey, Dig­ger: Welch­er Sprachtrend nervt total?“ bietet man den Lesern fol­gende Auswahl an:

Nervtö­tende Kol­le­gen­sprüche

Alles klärchen? Wun­der­bärchen!“, „Tschüßli Müs­li“, „Tschö mit ö“, „Bis Den­ver“, „Tschüs­sikowsky“

Anglizis­men

Hast du aus dem Back-Office den Reminder zum Briefung im Hand­out bekom­men?“

Jugend­sprache

Ey, Dig­ger“, „Qual­lo will das Perl­huhn knuseln“ [in etwa: der dick­liche Typ will das süße Mäd­chen knuseln — Sie wis­sen schon…], „voll der Emo, ey“

SMS- und E-Mail-Kaud­er­welsch

Hdgdl [Hab’ dich ganz doll lieb], lol [laugh­ing out loud — etwa: Da muss ich laut lachen!], Dd [Drück dich], CU [see you — wir sehen uns], asap [as soon as pos­si­ble — schnell­st­möglich], Lg Knuf­fi

Mode- und Mar­ket­ing-Erfind­un­gen

Emo­tion­s­mäßig und essen­stech­nisch bin ich weit vorne, weil das Dress­ing schmeckt jet­zt noch joghur­tiger“

Damit der Leser auch richtig abstimmt, wird ihm vor der Abstim­mung noch fol­gen­des mit auf den Weg gegeben:

Mit einem tierisch jugendlichen „Ey, Dig­ger: The biggest Vot­ing ever“ bit­ten wir Sie um sach­di­en­liche Hin­weise! Machen Sie mit bei unserem Vot­ing (also: unser­er Abstim­mung im Netz) und mailen Sie uns, welch­er Sprachtrend Ihnen am meis­ten auf die Ner­ven geht!

Eine Option „Ich liebe sprach­liche Vielfalt“ gibt es bei der Umfrage erwartungs­gemäß nicht, aber man hat die Möglichkeit, den Mach­ern der Umfrage über ein Kon­tak­t­for­mu­lar eine Email zu schick­en. „Mus“ schlägt vor, den „Tag der deutschen Sprache“ zu feiern, indem man dem NDR erk­lärt, warum die Umfrage völ­lig fehlgeleit­et ist. Ich finde, das ist ein schön­er Vorschlag und habe gle­ich den Anfang gemacht. Meine Email an den NDR lautet:

Mir geht beson­ders das gedanken­lose Nach­beten der VDS-Pro­pa­gan­da auf die Ner­ven, das Sie hier betreiben und das nicht zur jour­nal­is­tis­chen Sorgfalt passt, die ich son­st vom NDR gewohnt bin.

Sprache ist zum Kom­mu­nizieren da, und nicht zur Befriedi­gung irgendwelch­er sub­jek­tiv­en ästhetis­chen Empfind­lichkeit­en.

Wenn Sie Lehn­wörter, jugendliche Umgangssprache und mod­erne Kom­mu­nika­tion­stech­nolo­gien nicht mögen, dann ver­wen­den Sie sie doch ein­fach nicht.

Aber dass Sie glauben, sich deswe­gen über diejeni­gen erhaben zu fühlen, die weniger sprach­liche Berührungsäng­ste haben, sagt mehr über Sie aus als über irgendwelche „Sprachtrends“.

Wenn sich jemand an der Aufk­lärungsak­tion beteili­gen will (hier nochein­mal der Link), wäre es nett, wenn er/sie eine Kopie seiner/ihrer Mail als Kom­men­tar hier im Sprach­blog posten würde. Ich weiß näm­lich nicht, was der NDR mit den Mails macht und ich fände es schade, wenn die Nach­welt keine Möglichkeit hätte, von den vie­len schö­nen und inter­es­san­ten Stel­lung­nah­men zu prof­i­tieren, die die Leser/innen des Bre­mer Sprach­blogs zu diesem The­ma abgeben wer­den.

[Nach­trag (2008–09-14): Obwohl ältere Umfra­gen noch zu find­en sind, ist diese hier auf mys­ter­iöse Weise von der Web­seite des NDR ver­schwun­den…]

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Anatol Stefanowitsch

Über Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Er beschäftigt sich derzeit mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Sein aktuelles Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ ist 2018 im Dudenverlag erschienen.

47 Gedanken zu „Ein sprachlicher Bildungsauftrag

  1. Patrick Schulz

    Meine Nachricht an den NDR 2:

    Was mir an sprach­lichen Trends am meis­sten auf die Ner­ven geht ist, dass sich über sprach­liche Trends in den Jahren so unre­flek­tiert aufgeregt wird.

    Sprache dient in erster Lin­ie dem Zweck der Kom­mu­nika­tion, solange sich die Gespräch­part­ner ver­ste­hen, funk­tion­iert die Sprache. Dabei ist es völ­lig uner­he­blich, ob Aussen­ste­hende (i.e. nicht direkt in einen Sprechakt involvierte Per­so­n­en) etwas ver­ste­hen (wollen) oder nicht, bzw. ob ihnen das Gesagte rein ästhetisch betra­chtet gefällt oder nicht.

    Darüber hin­aus würde mich per­sön­lich inter­essieren, welche “Sprach­wis­senschaftler” sich “Bitte sprecht ver­ständlich — bitte sprecht schönes Deutsch” wün­schen und dazu “appe­lieren”.

  2. mawa

    Habe fol­gen­des abgeschickt:

    Sehr geehrte Damen und Her­ren,

    wenn Jour­nal­istIn­nen in Deutsch­land nichts mehr ein­fällt, dann denken sie sich “Sprachtrends” aus, die entwed­er empirisch nicht beleg­bar oder lächer­lich out of date sind, und machen sich darüber lustig. Das ist Ein­prügeln auf Strohmän­ner, dumm, nut­z­los, aber verzeih­lich.

    Dass Sie allerd­ings auch noch den Nerv zeigen, Ihre LeserIn­nen­schaft dazu auf­fordern, es Ihnen gle­ich zu tun, ist nicht nur dumm, nut­z­los und verzeih­lich, son­dern auch noch über­he­blich. Wenn es jeman­den gibt, den die deutsche Sprache zu fürcht­en hat, dann sind es nicht die (nich­tex­istieren­den) SprecherIn­nen, die Ihre (nich­tex­istieren­den) “Sprachtrends” pfle­gen, son­dern WichtigtuerIn­nen wie Sie, die sich qua ihrer gefühlten jour­nal­is­tis­chen Wirkungs­macht und völ­lig unbenom­men von jedem Sprachge­fühl zu Autoritäten im Gebrauch des Deutschen aufzuschwin­gen gedenken. Ich hoffe, dass es sich hier­bei um einen ein­ma­li­gen Aus­reißer gehan­delt hat.

    Mit fre­undlichen Grüßen,

    Matthias Warkus”

  3. Matthias

    Brief des Anthro­polo­gen an die Mod­eredak­teurin: „Klei­dung ist dazu da, vor Umwel­te­in­flüssen zu schützen, und nicht zur Befriedi­gung irgendwelch­er sub­jek­tiv­en ästhetis­chen Empfind­lichkeit­en. Wenn Sie die bun­ten Plas­tik­san­dalen nicht mögen, dann ziehen Sie sie doch ein­fach nicht an.“

    Brief des Bau­physik­ers an den Architek­turkri­tik­er: „Architek­tur ist dazu da, eine bes­timmte Funk­tion zu erfüllen, und nicht zur Befriedi­gung irgendwelch­er sub­jek­tiv­en ästhetis­chen Empfind­lichkeit­en. Wenn Ihnen der neue Haupt­bahn­hof nicht gefällt, dann betreten Sie ihn doch ein­fach nicht.“

    Usw.

  4. Lazerte

    Mein Gott, “Klärchen, Wun­der­bärchen” und ähn­lich­er Bürosprech ist unter anderem in der Fig­ur des Berthold Heis­terkamp in Stromberg ja schon weiß Gott hin­re­ichend karikiert wor­den. Und wom­it? Mit genau dem Humor, der dieser NDR-Aktion nun lei­der wieder völ­lig fehlt…

  5. Frank Oswalt

    Meine Nachricht an den NDR:

    Mir gehen vor allem unin­formiertes Jour­nal­is­tengeschreib­sel (“Poli­tik­er, Sprach­wis­senschaftler und andere berufene Men­schen”) und selb­st­ge­fäl­lige Imi­ta­tio­nen der Jugend­sprache von 1985 (“tierisch”) auf die Ner­ven.

    Ach, und Matthias: Mode ≠ Sprache, Architek­tur ≠ Sprache. Wer das nicht ver­ste­ht, der stiehlt auch schlafend­en Kindern ihre bun­ten Plas­tik­san­dalen.

  6. Anatol Stefanowitsch

    Matthias (#4), ich habe tat­säch­lich nie ver­standen, warum sich Men­schen über die modis­chen Vor­lieben ander­er ereifern. Klei­dung ist ja tat­säch­lich vor­rangig dazu da, vor Umwel­te­in­flüssen zu schützen — und bunte Plas­tik­san­dalen tun das eben­sogut wie ein­far­bige Led­er­san­dalen oder zwei­far­bige Stoff­san­dalen. Einen neuen Haupt­bahn­hof, der mir nicht gefällt, kann ich trotz­dem in sein­er Funk­tion als Bahn­hof ver­wen­den, ich muss ihn mir ja nicht als Ölgemälde über den Kamin hän­gen.

    Davon abge­se­hen halte ich Ihre Gle­ich­stel­lung von Sprache und kün­st­lerischen Aus­drucks­for­men für irreführend. Wenn über­haupt, kön­nte man Lyrik (eine rel­a­tiv neben­säch­liche Ver­wen­dung von Sprache) mit Mode und Architek­tur ver­gle­ichen, und nie­mand zwingt einen Dichter, Pseudo­ju­gend­slang, englis­ches Lehngut oder SMS-Abkürzun­gen in seinen Tex­ten zu ver­wen­den. Ob man es mag, wenn er es doch tut, ist dann aber reine Geschmackssache.

    Der viel zu früh ver­stor­bene Hans Hölzel hat­te zum Beispiel eine Art, Deutsch und Englisch zu ver­mis­chen, die ich sehr ansprechend finde (z.B. Out of the Dark [You Tube]) und auch dem noch viel extremeren englisch-franzö­sis­chen Sprach­mix von „K’maro“ (z.B. Femme Like U [You Tube]) kann ich etwas abgewin­nen. Und wenn ich für das freie Ausleben meines Geschmacks in Kauf nehmen muss, dass andere Men­schen bunte Plas­tik­san­dalen tra­gen, dann nen­nt man das wohl „plu­ral­is­tis­che Demokratie“.

  7. Chat Atkins

    Liebe Leute bei der ARD, die hohlen Sprach­stanzen eines immer nichtssagen­deren Jour­nal­is­ten­palavers halte ich für wesentlich beden­klich­er, als das klingk­langver­liebte Geschnat­ter dieser kur­zlebi­gen SMS- und Jugend­jar­gons. Die deutsche Sprache hat einen großen Magen — und ein weites Herz. Nur nicht für Sprach­nör­gler. CU.”

  8. Hermann Claus

    Eine her­vor­ra­gende Aktion, es war mir klar, daß Sie da wieder stänkern wür­den. Und sowas wie Sie darf heutzu­tage Pro­fes­sor spie­len. Ich habe dem NDR mein Lob aus­ge­sprochen: “Beson­ders schlimm finde ich die SMS-Jugend­sprache, man ver­ste­ht kaum, was die von einem wollen, bei diesem Gestot­ter und Ges­tam­mel. Immer ist alles “cool” und “stark” oder “voll öde”. Die Men­schen sollen wieder ordentlich Deutsch sprechen ler­nen, wie zu mein­er Jugend.”

  9. Achim

    Herr Claus,

    es ist eine däm­liche Aktion. Der NDR behauptet eine Wirk­lichkeit, die “vor allem” so ausse­he wie in den ange­führten Zitat­en. Dazu hätte ich gerne ein paar Zahlen.

    Zum “SMS-Ges­tam­mel”: Hat jemals jemand zu Ihnen so gesprochen? Zu mir nicht. Und Abkürzun­gen ver­wen­den wir in der schriftlichen Kom­mu­nika­tion alle und schon sehr lange. Waren Sie nie bei der Bun­deswehr? Und stark war in (nicht “zu”!) mein­er Jugend Teil der Jugend­sprache, das ist nun schon ziem­lich out.

  10. Chat Atkins

    @ Her­mann Claus: Wis­sen Sie — das Wörtchen ‘cool’ fand man schon in mein­er Jugend eben­so — und das ist nun doch schon eine Zeit­lang her.

  11. Werner Wischata

    Meine Nachricht sn den NDR:

    Sehr geehrte Damen und Her­ren: Das ist schon eine mehr als selt­same Aktion.… Ist Ihnen denn nicht bewusst dass Sprache etwas Lebendi­ges ist? Das sich ständig verän­dert und for­ten­twick­elt? Ich empfehle ein­mal einen Blick in unsere Klas­sik­er, ob wieland ob Goethe: Dort wim­melt es nicht vor Anglizis­men und Jugend­sprache; aber unzäh­lige franzö­sis­che oder lateinis­che Aus­drücke wer­den ganz selb­stver­ständlich ver­wen­det. Teil­weise ver­ste­hen wir diese heute kaum mehr, geschweige denn dass wir sie noch ver­wen­den: Der Sprachge­brauch im Lauf der Zeit­en bewirkt sowohl das Ver­schwindene inzel­ner Wörter ode Phrasen, als auch die Auf­nahme ganz neuer Aus­drücke. Freuen wir uns lieber an der Vielfalt als uns darüber zu ärg­ern! Was sin­nvoll ist wird sich erhal­ten oder durch­set­zen; unsin­nige Wortkon­struk­te oder Fremd­wortver­wen­dun­gen oder Mod­ewörter wer­den auch wieder ver­schwinden!

  12. Nicolai Ehemann

    Es braucht wohl jede Kom­mu­nika­tion­splat­tform ihre Trolle — anders kann man den Beitrag von Her­rn Claus kaum noch ein­stufen.

    Zudem fragt man sich, wie lange seine Jugendzeit her ist, denn schon min­destens Anfang des 19. Jahrhun­derts wird in Deutsch­land die Sprache der Göt­tinger Stu­den­ten, ein Vor­läufer der Jugend­sprache, erwäh­nt, und mich würde es nicht wun­dern, wenn nicht schon die alten Griechen daran herum­genörgelt hät­ten, ganz im Sinne des Sokrates immer wieder zugeschriebe­nen Zitats: “Die Jugend liebt heute den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, ver­achtet die Autorität, hat keinen Respekt mehr vor älteren Leuten und disku­tiert, wo sie arbeit­en sollte. Die Jugend ste­ht nicht mehr auf, wenn Ältere das Zim­mer betreten. Sie wider­spricht den Eltern und tyran­nisiert die Lehrer”.

  13. Jan Wohlgemuth

    @ H. Claus:

    > “Beson­ders schlimm finde ich die SMS-Jugend­sprache, man ver­ste­ht kaum, was die von einem wollen, (…)”

    Genau das ist ja ein­er der fun­da­men­tal­en Gründe für die Exis­tenz und den steti­gen Wan­del der Jugend­sprache.

    Die intol­er­ante Ablehnung, die Sie hier äußern, wird auf diese Weise näm­lich erwidert. Das macht die jew­eilige “Jugend von heute” näm­lich schon seit unzäh­li­gen Gen­er­a­tio­nen, um sich von der (sprach- und über­haupt nörgel­nden) Vorgänger­gen­er­a­tion abzu­gren­zen.

  14. Michael Schäfer

    @ Her­mann Claus: Das ist doch jet­zt Satire, oder? Die “Früher-war-alles-besser”-Retorik (Vor­sicht, freizügige Ortografie) meinen sie nicht wirk­lich ernst!?

    Meine Nachricht an den NDR:

    Liebe NDR-Redak­tion,

    ich vote mal: für sie! Und für alle, die wie sie meinen, sie müssten die Sprach­be­nutzung ander­er kollek­tiv verunglimpfen.

    Was “ver­ständlich” ist, bes­tim­men Sprech­er und Ange­sproch­en­er und nur weil sie ein­er bes­timmten Gruppe nicht ange­hören und damit deren Sprache nicht ver­ste­hen (siehe Jugend­sprache oder Büro-Jar­gon), heißt das nicht, dass diese Sprache “schlecht” ist.

    Was wiederum “schön” ist, ist leider/gottseidank so sub­jek­tiv, dass sich daraus nicht wirk­lich Hand­lungsan­weisun­gen ableit­en lassen.

    Emo­tion­s­mäßig voll dabei:

    Michael Schäfer

  15. D.A.

    Nicht direkt ein Sprachtrend, aber mich nervt in erster Lin­ie diese igno­rante Aktion des NDR. Wer, glauben Sie, sind Sie, sich über die Sprachvielfalt des Deutschen zu erheben und über Sprach­grup­pen zu urteilen, von denen Sie offen­sichtlich nicht die ger­ing­ste Ahnung haben? Dass Sie sich hier auf Sprach­wis­senschaftler berufen, spricht Bände — ich denke nicht, dass Sie viele davon find­en wer­den, die diese Aktion unter­stützen.

    Näch­stes Mal bitte nicht nur beim VDS abschreiben, son­dern tat­säch­lich Sprach­wis­senschaftler befra­gen. Danke!

  16. Christine A.

    Hier ist meine Mail an den NDR:

    Liebe NDR-Redak­tion.

    Ihr ästhetis­ches Empfind­en in allen Ehren, aber warum jet­zt auch in den all­ge­meinen Tenor des Spra­chunter­gangs mite­in­stim­men?

    Die deutsche Sprache ist eine lebende und hat daher die Ten­denz, sich weit­erzuen­twick­eln, anson­sten wür­den wir noch sprechen wie vor 800 Jahren.

    Dazu gehören auch solche “Sprach­pan­schereien”, wie Sie es liebevoll nen­nen.

    Den­noch sehe ich in keinem der oben genan­nten Beispiele eine ern­sthafte Bedro­hung, da jedes in seinem bes­timmten Kreis seine Bedeu­tung erfüllt.

    Sprache ist in erster Lin­ie zur Kom­mu­nika­tion vorhan­den und solange man densel­ben Code wie sein Gegenüber ver­wen­det, ist alles in Ord­nung.

    Anders aus­ge­drückt: Die Chat­sprache ver­lässt sel­ten den ihr zugewiese­nen Kon­text der schriftlichen Kom­mu­nika­tion und ver­mut­lich würde kein Jugendlich­er zu seinem Opa: Ey, Alta was gehtn? sagen.

    Die heuti­gen Anglizis­men sind die Latin­is­men und Gal­lizis­men der Ver­gan­gen­heit. Nie­mand käme heute noch auf die Idee “Fen­ster” (lat. fen­es­tra) oder Porte­mon­naie zu ver­teufeln.

    Ich denke, hier wer­den wieder Dinge prob­lema­tisiert, die keine sind. Sprach ver­fügt über gute Selb­streg­u­la­tion­s­mech­a­nis­men und verin­ner­licht nicht gle­ich jeden Trend.

  17. Matthias

    Frank Oswalt, mit den Kri­tikpunk­ten in Ihrer Nachricht an den NDR haben Sie recht. Den Ein­leitungssatz („Poli­tik­er, Sprach­wis­senschaftler und andere berufene Men­schen“) hat­te ich heute Mor­gen noch nicht gele­sen. Mich hat­te erst ein­mal Ana­tol Ste­fanow­itsch mit sein­er For­mulierung („in der die Leser zum sprach­lichen Sno­bis­mus aufge­fordert wer­den“) auf Oppo­si­tion­skurs gebracht. Und dass Jugend­sprache in den Medi­en zu einem großen Teil nicht mehr als das ist, was sich alternde Redak­teure darunter vorstellen, sehe ich auch so.

    Zu Ihren an mich gerichteten Nach­sätzen: Man kann, wenn jemand einen Ver­gle­ich anstrengt, danach suchen, wo der Ver­gle­ich hinkt. Oder man kann ver­suchen zu ver­ste­hen, was der­jenige mit dem Ver­gle­ich aus­drück­en wollte (was mir übri­gens bei der Sache mit den im Schlaf gestohle­nen Plas­tik­san­dalen nicht voll­ständig gelun­gen ist). Natür­lich sind Sprache, Mode und Architek­tur nur bed­ingt miteinan­der ver­gle­ich­bar. Worauf es mir ankam: Alle drei lassen sich nach funk­tionalen, aber auch nach ästhetis­chen Gesicht­spunk­ten betra­cht­en.

    Ich rieb mich an Ana­tol Ste­fanow­itschs Aus­sage: „Sprache ist zum Kom­mu­nizieren da und nicht zur Befriedi­gung irgendwelch­er sub­jek­tiv­en ästhetis­chen Empfind­lichkeit­en. Wenn Sie Lehn­wörter, jugendliche Umgangssprache und mod­erne Kom­mu­nika­tion­stech­nolo­gien nicht mögen, dann ver­wen­den Sie sie doch ein­fach nicht.“

    Ich kon­nte dieser Aus­sage zumin­d­est heute Mor­gen nicht mehr ent­ge­genset­zen als diesen Ver­gle­ich. Das liegt unter anderem daran, dass mir nicht klar ist, was Sie, Ana­tol Ste­fanow­itsch (ich wech­sle mal eben die Per­spek­tive) mit Kom­mu­nika­tion und ästhetis­chen Empfind­lichkeit­en meinen. Als Sprach­wis­senschaftler müssen Sie unter Kom­mu­nika­tion mehr ver­ste­hen als die Ver­mit­tlung von Sachzusam­men­hän­gen. Kom­mu­nika­tion bein­hal­tet also auch Dinge wie Angeben, Sta­tus­markierung, Abgren­zung gegenüber anderen, aber auch Iden­ti­fika­tion, Etablieren von Gemein­samkeit­en.

    Vor diesem Hin­ter­grund stutze ich, wenn jemand solche Vorgänge, etwa den Ver­such Gemein­samkeit­en zu etablieren, als „Empfind­lichkeit“ abtut und das noch in Verbindung mit den in diesem Kon­text abw­er­tenden Adjek­tiv­en „sub­jek­tiv“ (eine Einzelper­son betr­e­f­fend und von kein­er gesellschaftlichen Rel­e­vanz) und „ästhetisch“ (weniger wichtig als sach­lich). Da klingt Ihr „wenn Sie das nicht mögen, ver­wen­den Sie es doch nicht“ ein biss­chen wie „wenn Ihnen das nicht passt, dann gehen Sie doch nach drüben“. Was ist so schlimm daran, wenn sich jemand kri­tisch (ach was: lau­nisch kom­men­tierend, mehr nicht) über einen bes­timmten Sprachge­brauch äußert?

    Wird hier das Ganze nicht ein wenig zu wichtig genom­men, und wird hier nicht vielle­icht mit ungle­ichen Waf­fen ein Kampf gegen eine Wind­müh­le gefocht­en; der WDR hat schließlich – meines Wis­sens – kein ähn­lich­es Blog, in dem dessen Anhänger über Ana­tol Ste­fanow­itsch herziehen kön­nen? Ich kenne WDR 2 nicht, aber nach allem, was ich bis­lang ober­fläch­lich darüber in Erfahrung bringe kon­nte, ist das die Pop­welle des Senders, die um Hör­er buhlt, die abends die kom­merziellen Fernseh­pro­gramme kon­sum­ieren, in denen wöchentlich die „zehn nervig­sten“ Irgend­was präsen­tiert wer­den. Dass sich öffentlich-rechtliche Sender an dieses Niveau anpassen, kann man natür­lich bekla­gen (je öfter, desto bess­er), aber mal ehrlich und von wegen jour­nal­is­tis­ch­er Sorgfalt:

    Es han­delt sich um ein Boule­vard­pro­gramm, nicht um die Wis­senschaftssendung des NDR. Dass sich dessen ver­mut­lich meist jugendliche Hör­er in irgen­dein­er Rich­tung im Sinne der Umfrage manip­ulieren lassen, halte ich für unwahrschein­lich – zumal ja dabei alle möglichen Grup­pen ihr Fett wegkriegen: die Jun­gen wie die Alten („nervtö­tende Kol­le­gen­sprüche“ sind meines Wis­sens ein Priv­i­leg der Gen­er­a­tion 40 plus, wenn nicht gar 70 plus), die Vertreter des mit­tleren Man­age­ments mit ihren Anglizis­men wie die Alt-68er mit ihrem „Emotionsmäßig“-Slang (wir wis­sen zumin­d­est, was gemeint ist).

  18. Matthias

    (Ein biss­chen freut’s mich schon: dass auch der Herr Atkins bisweilen an den Niko­laus glaubt.)

  19. Matthias

    Wie pein­lich. Zum Glück kom­mu­nizieren wir hier ja im kleinen Kreis.

    Ich schrieb vom WDR, meinte aber den NDR. Ich bitte um Entschuldigung.

  20. Anatol Stefanowitsch

    Matthias (#18):

    Wird hier das Ganze nicht ein wenig zu wichtig genom­men,

    Es ist mir wichtig.

    und wird hier nicht vielle­icht mit ungle­ichen Waf­fen ein Kampf gegen eine Wind­müh­le gefocht­en; der WDR hat schließlich – meines Wis­sens – kein ähn­lich­es Blog, in dem dessen Anhänger über Ana­tol Ste­fanow­itsch herziehen kön­nen?

    Da ich keine inhaltliche Kom­men­tarfil­terung vornehme, kön­nen die auf meinem Blog über mich herziehen, wenn sie wollen…

  21. Texter

    In Wirk­lichkeit wer­den diese Artikel des VDS und der Zeitun­gen & Redak­tio­nen, bei denen der VDS offen­sichtlich kräftig Lob­b­yarbeit betreibt, doch nur ver­fasst, damit hier immer wieder neue, amüsante Post­ings ver­fasst wer­den.

    Geben Sie’s zu, Herr Ste­fanow­itsch, Sie steck­en doch mit denen unter ein­er Decke 😉 Im Dien­ste der Unter­hal­tung Ihrer Leser.

    Mal ern­sthaft: Dass streng kon­ser­v­a­tive und nation­al­is­tis­che Mei­n­ungs­mach­er sich über Denglisch & Co. aufre­gen, ist doch nichts weit­er als Zeichen eines gewalti­gen Min­der­w­er­tigkeit­skom­plex­es.

    Mit Sprache an sich hat das wohl nicht so viel zu tun.

  22. L. Rosen

    Wenn jemand sich entschei­det nur mit Schimpfwörtern zu kom­mu­nizieren hät­ten wir auf Grund der sprach­lichen Vielfalt keinen Grund, uns zu beschw­eren?

    Sprecht schönes Deutsch” ist schon ein biss­chen zu weit, aber ich habe kein Prob­lem mit harm­los­er Kri­tik gegen Sachen wie die oben erwäh­n­ten “Kol­le­gen­sprüche” (die tat­säch­lich ver­drießlich sind).

  23. NvonX

    Auf der Pro­gramm­seite der Sendung „Der NDR 2 Mor­gen“, nur vier Absätze von der hier disku­tierten Mei­n­ungsmache äh, ich meine -umfrage ent­fer­nt, habe ich fol­gen­des gefun­den — Zitat: „Der Test: Wie tol­er­ant sind Sie wirk­lich? Wer out­et sich schon als intol­er­ant, wenn er gefragt wird? Aber wie sieht es wirk­lich aus?…“ klickt man den Test dann an, so wird noch weit­er aus­ge­führt: „… Aber im All­t­ag sieht es oft anders aus. Men­schen, die anders ausse­hen, anders denken oder sich anders ver­hal­ten, wer­den oft schief ange­se­hen oder sog­ar offen ange­grif­f­en… “

    da fällt mir nichts mehr ein.

    Meine Email an den NDR lautet deshalb natür­lich:

    Liebes NDR 2 Mor­gen-Team, mich nervt am meis­ten, dass eine öffentlich-rechtliche Rund­funkanstalt, von der man eigentlich eine gewisse Bil­dungsver­ant­wor­tung erwartet, sich so unre­flek­tiert vor den Nar­renkar­ren dümm­lich arro­gan­ter Vere­ine wie dem VdS und sein­er plumpen und pein­lichen Mei­n­ungs­mache span­nen lässt. Dass Sie dieses Kasper­lethe­ater mit­machen, kön­nen Sie unmöglich ernst meinen, witzig ist es allerd­ings auch nicht.

    In diesem Zusam­men­hang wäre ich natür­lich sehr ges­pan­nt auf Ihre Selb­stein­schätzung beim Test „Wie tol­er­ant sind Sie wirk­lich?“, den Sie prak­tis­ch­er Weise gle­ich auf Ihrer eige­nen Pro­gramm­seite bere­it­stellen.“

  24. Wentus

    Meine Nachricht an den NDR:

    Augen­schein­lich wird man durch Unbekan­ntes am meis­ten abgeschreckt. Meine Mut­ter ist fürchter­lich von englis­chen Wörtern gen­ervt, weil sie die Sprache nicht gel­ernt hat. Gegen spanis­che Ein­flüsse hat sie hinge­gen gar­nichts, weil sie dadurch an ihren Urlaub erin­nert wird. Ich selb­st spreche die meis­ten europäis­chen Sprachen und einige außereu­ropäis­che und freue mich über “Pan­schereien”, weil sie sich effizient in meine Assozi­a­tio­nen ein­passen. Nur wer unbe­gabt für Fremd­sprachen ist, wehrt sich gegen Fremde­in­flüsse!”

  25. mus

    Angesichts der Tat­sache, dass die tolle Mor­gen-Sendung von NDR2 heute schon wieder den sel­ben Stiß erzählt, die sel­ben plan­losen Leute in seinem Ein­spiel­er über den Sprachge­brauch der Jugend nörgeln lässt und mit den sel­ben “witzi­gen” Umfor­mulierun­gen für die selbe beschissene Umfrage wirbt, da heute (ja, wann denn nun? gestern? heute? jeden Tag?) der Tag der Deutschen Sprache sei, bin ich ver­sucht zu sagen, dass die hier hochen­gagierten Mit­teilun­gen der Sinnlosigkeit an die Redak­tion vergebens waren, wenn über­haupt, dann nur vom Volon­tär gele­sen wur­den und aller Wahrschein­lichkeit nach direkt in den Orkus gewan­dert sind.

    Danke an alle, die sich trotz­dem beteiligt haben.

    Danke, NDR2 — I see where this is going, and I don’t care. Radio ist eh über­be­w­ertet.

    PS: Ich bin “Leser”, nicht “Leserin”.

  26. mus

    Oh, und wer noch nichts zu tun hat, und sich ein biss­chen wis­senschaftlich fundiert stre­it­en möchte: Hiera find­et sich ein Verze­ich­nis (nach Postleitzahlen geord­net) der Info-Stände und Aktio­nen der VDS zum heuti­gen Tag der Deutschen Sprach­nörgelei. Lei­der nichts in mein­er Nähe…

    Viel Spaß dabei!

  27. David Marjanović

    Immer ist alles “cool” und “stark” oder “voll öde”.

    Ah, “öde” ist Jugend­sprache? Ich habe geglaubt, alle Deutschen (wenn ich ein­mal etwas vere­in­fachen darf) sagen das, wenn ihnen “lang­weilig” zu lang ist — “fad” ken­nen sie ja nicht.

    Ich selb­st spreche die meis­ten europäis­chen Sprachen

    Das wären dann so unge­fähr 60… selb­st die EU hat 21 Amtssprachen…

  28. Matthias

    @ Chat Atkins in # 28: Ich meine, dass Her­mann Claus (der „Niko­laus“ in # 8) in eine Rolle geschlüpft ist und eine fremde Mei­n­ung wiedergegeben hat, die Sie ihm (wie Achim in # 9) als seine eigene abgekauft haben.

  29. Matthias

    Der tiefrote Kreis, der aussieht wie ein stil­isiertes Gesicht mit Stirn­band oder Augen­binde (er erset­zt die Zif­fer 8 und eine schließende Klam­mer), wurde hier ohne mein Zutun einge­fügt. (Warum? Der Mehrw­ert erschließt sich mir nicht.)

  30. Anatol Stefanowitsch

    Matthias (#31): das sind automa­tis­che Smi­leys, die braucht man, son­st ist es kein Web 2.0. Der Son­nen­bril­lens­mi­ley 😎 hat aber schon öfter Prob­leme gemacht, ich habe deshalb den Code mein­er Word­Press-Instal­la­tion so angepasst, dass er nur noch durch 8–) und nicht mehr durch 8) aufgerufen wer­den kann.

    Wo ich schon dabei war, habe ich ein Nör­gler-Smi­ley erfun­den. Es kann über :noer­gler: einge­fügt wer­den und sieht so aus: :noer­gler: — ist das nicht schön?

    Ach, und Her­mann Claus — ich ver­mute, er meint seine spo­radis­chen Kom­mentare nicht ernst, aber sich­er bin ich mir nicht…

  31. hddey

    Es ist erfreulich, dass der Tag der deutschen Sprache zu ein­er so ergiebi­gen Diskus­sion im Bre­mer Sprach­blog geführt hat. Genau das ist eines der Ziele dieses Tages: »Der Tag der deutschen Sprache soll zum Nach­denken und zum per­sön­lichen und öffentlichen Mei­n­ungsaus­tausch über die deutsche Sprache anre­gen.«

    Bedauer­lich hinge­gen ist die Anmerkung, dass »es (den Tag) natür­lich nicht wirk­lich gibt und der nur der über­hitzten Fan­tasie der Sprach­nör­gler entsprun­gen ist«. Warum ver­schließt der Autor die Augen vor der Wirk­lichkeit? Welch­er ide­ol­o­gis­che Hin­ter­grund wird aus diesem Satz sicht­bar? Wem nützt eine solche Aus­sage?

    Den »Tag der deutschen Sprache« gibt es seit 2001. Er wird jährlich am zweit­en Sep­tem­ber­sam­stag began­gen. Allein im Vere­in Deutsche Sprache gab es in diesem Jahr wieder über 40 Ver­anstal­tun­gen. Aber auch andere Sprachvere­ine beteili­gen sich regelmäßig. Die Medi­en nehmen daran zum großen Teil mit eige­nen Beiträ­gen teil.

    Das Sprach­be­wusst­sein der Deutschsprech­er hat sich sei­ther u. a. wegen dieser Ini­tia­tive erhe­blich erhöht. Jährlich kom­men neue Büch­er über die deutsche Sprache her­aus. Daran ist abzule­sen, wie wichtig die Mut­ter­sprache dem Sprachvolk ist.

    Nur Lin­guis­ten mit extremen Ansicht­en ste­hen diesem Aktion­stag arg­wöh­nisch und feind­selig gegenüber.

    Gedenk- oder Aktion­stage entste­hen auf unter­schiedliche Weise. Meis­tens sind Einzelper­so­n­en oder kleine Grup­pen die Schöpfer, ver­bun­den mit erhe­blichem ehre­namtlichem Ein­satz. Immer geht es um Für­sorge zum Nutzen der Gesellschaft. Ist ein solch­es Ver­hal­ten zu tadeln? Schauen Sie sich die Liste der Gedenk- und Aktion­stag ein­mal an, um zu erken­nen, wie sehr der Autor mit seinem Teil­satz »der nur der über­hitzten Fan­tasie der Sprach­nör­gler entsprun­gen ist« die Hand­lungsmo­tive böswillig ver­dreht http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Gedenktage

    Es geht im Übri­gen nicht nur um Anglizis­men oder die Jugend­sprache. Der Män­gel- und Beobach­tungskat­a­log der deutschen Sprache ist lang. Ich führe einige Stich­worte auf: Abnehmendes Inter­esse an Deutsch als Fremd­sprache im Aus­land, damit ver­bun­den: Angst der Deutschlehrer im Aus­land vor dem Arbeit­splatzver­lust; Auseinan­derk­laf­fen von Lau­tung und Schrei­bung; Etiket­tierung von Wörtern unseres Tra­di­tionswortschatzes als nation­al­is­tisch (Hall of Fame); Stel­lung der deutschen Sprache in den EU-Gremien; Deutsch als Forschungs- und Lehrsprache an den Uni­ver­sitäten; Englisch z. T. mit Fachunter­richt in Kindergärten; Englisch bei Pro­duk­tbeschrif­tun­gen; Englisch als Arbeitssprache in deutschen Betrieben; Kon­feren­zsprache Englisch bei wis­senschaftlichen Ver­anstal­tun­gen in Deutsch­land; Englis­ch­er Immer­sion­sun­ter­richt; Anse­hensver­lust der deutschen Sprache bei unseren Land­sleuten (Anglizis­men, Gesang) usw.

    Ich habe noch keinen Sprach­wis­senschaftler ken­nen gel­ernt, der diese Gefährdungsquellen leugnete. Die Enquete-Kom­mis­sion des Deutschen Bun­destages »Kul­tur in Deutsch­land« sieht laut Schluss­bericht vom 13. 12. 2007 eben­falls Hand­lungs­be­darf (s. Punkt 6.5 »Erhalt und Förderung der deutschen Sprache«)

    Die meis­ten unser­er aus­ländis­chen EU-Nach­barn haben im Gegen­satz zu uns nicht nur ihre Lan­dessprache in der Ver­fas­sung ver­ankert, einige haben – wie inzwis­chen auch wir seit 2001 — seit langem ihre eige­nen Sprach­tage ins Leben gerufen (Journée de la Fran­coph­o­nie, Dìa de la His­panidad usw.)

    So viel zum »Tag der deutschen Sprache«.

    Einige wenige Punk­te aus den Beiträ­gen greife ich noch auf:

    Wer län­gere Zeit im Aus­land war, wird bei der Rück­kehr in die Heimat leicht fest­stellen kön­nen, dass Sprache nicht nur Kom­mu­nika­tion­s­mit­tel ist. Diese Erken­nt­nis, die z. B. von Hein­rich Heine im Win­ter­märchen (Caput 1, Verse 1 – 3) bear­beit­et wor­den ist, ist allerd­ings nur den­jeni­gen zugänglich, die noch über echte Gefüh­le und nicht nur über ein emo­tion­slos­es »Feeling«-Wortgeklingel ver­fü­gen.

    Die kur­zlebi­gen Jugend­sprachen wer­den kün­stlich aufge­bauscht. Dahin­ter ste­ht der Kom­merz (s. Lexikon der Jugend­sprache).

    Es ist erschreck­end, wenn Sprache mit Mode und Geschmack, also Kon­sum- und Weg­w­erf­pro­duk­ten gle­ichge­set­zt wird. Welche Geis­te­shal­tung sich darin offen­bart, möge jed­er selb­st beurteilen.

    »Sprache sei etwas Lebendi­ges«, habe ich gele­sen. Richtig, nie­mand wird den Sprach­wan­del leug­nen. Wir sor­gen uns um die zunehmende Geschwindigkeit, mit der dies angesichts der vie­len Anglizis­men, die sich in der deutschen Sprache bre­it­machen, geschieht. Es sei auch darauf hingewiesen, dass die ein­deuti­gen Ausspracheregeln unser­er Sprache durch den leichtsin­ni­gen Gebrauch englis­ch­er Wörter ver­loren gehen; Lau­tung und Schrei­bung klaf­fen immer weit­er auseinan­der. Wir sind dabei uns die englis­che Krankheit in die Sprache zu holen.

    Natür­lich gab es auch in der Ver­gan­gen­heit mehr oder weniger sprach­liche Ein­flüsse, wie z. B. Griechisch, Lateinisch, Franzö­sisch, um nur die großen zu nen­nen. Sollen wir denn diese Fehler heute wieder­holen. Schauen Sie sich ein­mal die immer dick­er wer­den­den Fremd­wörter­büch­er an, um ermessen kön­nen, wie viele Fremd­wörter heutzu­tage nachgeschla­gen wer­den müssen. Ohne Sprach­pfleger wie von Stephan, Campe, von Zesen, Luther, Gottsched, Schot­tel, die mit ihren Wortschöp­fun­gen und Über­tra­gun­gen ver­ständlich deutsche Wörter gefun­den haben, wären diese Wörter­büch­er noch dick­er.

    Die oft genan­nten »Selb­streg­ulierungsmech­a­nis­men« laufen nicht mehr rund. Andauernde Sprach­ma­nip­u­la­tio­nen von unter­schiedlichen Inter­es­sen­grup­pen sind Sand im Getriebe dieses Sys­tems. Wenn die aus­ländis­chen Schüler und Stu­den­ten der deutschen Sprache merken (das ist schon der Fall), dass sie sich ohne Englisch in Deutsch­land nicht mehr ver­ständi­gen kön­nen, wenn sich bei unseren Land­sleuten im Inland die Mei­n­ung ver­bre­it­et, dass Deutsch nichts mehr wert ist, wer­den sich Selb­stver­stärkungsmech­a­nis­men ein­stellen. Die Fol­gen, auch für Arbeit­splätze, kann sich jed­er selb­st aus­malen.

    Zum Schluss führe ich noch die Ziele des Tages der deutschen Sprache auf:

    [Auf­grund ein­er ver­muteten Urhe­ber­rechtsver­let­zung wurde dieser Teil des Kom­men­tars ent­fer­nt. A.S.]

  32. amfenster

    Andauernde Sprach­ma­nip­u­la­tio­nen von unter­schiedlichen Inter­es­sen­grup­pen sind Sand im Getriebe dieses Sys­tems.”

    Richtig. Fällt Ihnen was auf?

  33. hddey

    Die Ziele des Tages der deutschen Sprache kön­nen Sie bedenken­los auf­führen. Sie sind von mir und meinem Arbeit­skreis entwick­elt wor­den, sozusagen ein Selb­stz­i­tat.

  34. Anatol Stefanowitsch

    Herr Dey (#33), nur, dass ich das richtig ver­ste­he: meine Aus­sage, dass der „Tag der deutschen Sprache“ eine Erfind­ung der Sprach­nör­gler ist, hal­ten Sie für falsch.

    Ihre Belege für Ihre Mei­n­ung sind:

    1. dass der Vere­in Deutsche Sprache (also eben jene Vere­ini­gung von Sprach­nör­glern, die den Tag erfun­den haben), an diesem Tag Ver­anstal­tun­gen durch­führt;

    2. dass der Tag in ein­er „Lis­ter der Gedenk­tage“ in der Wikipedia auf­taucht, in der auch solche klaren Beispiele für anerkan­nte Gedenk­tage wie der „Inter­na­tionale Anti-Diät-Tag“, der „Tag des Sys­temad­min­is­tra­tors“ und der „Inter­na­tion­al Talk Like a Pirate Day“ verze­ich­net sind;

    3. dass sich das „Sprach­be­wusst­sein der Deutschsprech­er … sei­ther u. a. wegen dieser Ini­tia­tive erhe­blich erhöht“ hat, und dass „jährlich … neue Büch­er über die deutsche Sprache her­aus“ kom­men.

    Und wen das noch nicht überzeugt hat, den lassen Sie in Ihrem zweit­en Kom­men­tar (#35) wis­sen, dass die Ziele des „Tag der deutschen Sprache“ in Ihrem „Arbeit­skreis entwick­elt wor­den“ sind.

    Helfen Sie mir weit­er: Inwiefern sind das nun Argu­mente gegen meine Fest­stel­lung, dass es den Tag „natür­lich nicht wirk­lich gibt und der nur der über­hitzten Fan­tasie der Sprach­nör­gler entsprun­gen ist“?

  35. hddey

    Es ist jet­zt an Ihnen, zu erk­lären und zu begrün­den, welche “wirk­lichen” Gedenk- und Aktion­stage Sie akzep­tieren und warum Sie von über­hitzter Fan­tasie sprechen. Ich habe in meinem Beitrag (# 33) alles all­ge­mein­ver­ständlich erkäutert.

    Ich füge noch ein­mal die Ziele des Tages der deutschen Sprache an, damit die Leser erken­nen kön­nen, dass Ihr Kampf­be­griff “Sprach­nör­gler” in Wirk­lichkeit aktive Sprach­pflege ist.

    Der “Tag der deutschen Sprache”

    • soll ein Sprach­be­wußt­sein schaf­fen und fes­ti­gen, das den unkri­tis­chen Gebrauch von Fremd­wörtern eindämmt bzw. ver­hin­dert;

    • soll bei allen Bürg­ern unseres Lan­des den Sinn für die Schön­heit und Aus­druck­skraft der deutschen Sprache weck­en;

    • soll der kul­turellen Selb­stvergessen­heit ent­ge­gen­wirken;

    • soll die Wichtigkeit guter mut­ter­sprach­lich­er Ken­nt­nisse für die Her­aus­forderun­gen der inter­na­tionalen Wet­tbe­werb­s­fähigkeit her­vorheben;

    • soll den Willen ver­stärken, gutes und ver­ständlich­es Deutsch in Wort und Schrift zu gebrauchen;

    • soll bewirken, daß wir unsere eigene Sprache schätzen, nur dann wird sie im Aus­land ern­stgenom­men;

    • soll an die Gle­ich­w­er­tigkeit aller Sprachen erin­nern;

    • soll ein part­ner­schaftlich­es Band zwis­chen den Fre­un­den der deutschen Sprache im In- und Aus­land knüpfen;

    • soll zum Nach­denken und zum per­sön­lichen und öffentlichen Mei­n­ungsaus­tausch über die deutsche Sprache anre­gen.

    Der “Tag der deutschen Sprache” find­et jährlich am zweit­en Sep­tem­ber­sam­stag statt. Alle sprach­lich Inter­essierten sind ein­ge­laden, sich an diesem Tag zu beteili­gen.

  36. David Marjanović

    Kon­feren­zsprache Englisch bei wis­senschaftlichen Ver­anstal­tun­gen in Deutsch­land

    1. Wis­senschaftliche Ver­anstal­tun­gen sind ipso fac­to inter­na­tion­al.

    2. Bin ich froh, dass die Kon­feren­zsprache beim 2. Inter­na­tionalen Paläon­tolo­giekongress Englisch war. Der war näm­lich in Peking. 2.000 Teil­nehmer, mich eingeschlossen, wären son­st nicht zusam­mengekom­men.

    die ein­deuti­gen Ausspracheregeln unser­er Sprache

    Ein­deutiger als Englisch schon, aber weniger ein­deutig als Franzö­sisch.

    Schauen Sie sich ein­mal die immer dick­er wer­den­den Fremd­wörter­büch­er an, um ermessen kön­nen, wie viele Fremd­wörter heutzu­tage nachgeschla­gen wer­den müssen.

    Müssen”? Wer kauft denn solche Büch­er? Ich z. B. nicht… und außer­dem, was man in solchen Wörter­büch­ern am häu­fig­sten find­et, sind lateinis­che und franzö­sis­che Importe aus dem 18. und 19. Jahrhun­dert, die inzwis­chen wieder aus der Mode gekom­men sind.

  37. Matthias W.

    @ Ana­tol Ste­fanow­itsch: Ist es okay, wenn ich hier eine Rich­tung ein­schlage, die deut­lich vom Ursprungs­beitrag wegführt?

    @ hddey # 33. Sie schreiben, „dass die ein­deuti­gen Ausspracheregeln unser­er Sprache durch den leichtsin­ni­gen Gebrauch englis­ch­er Wörter ver­loren“ gin­gen, „Lau­tung und Schrei­bung […] immer weit­er auseinan­der [klafften] und wir dabei seien, „uns die englis­che Krankheit in die Sprache zu holen“.

    Nun, ein­deutig im Sinn eines exak­ten Laut-Buch­staben-Ver­hält­niss­es sind die Ausspracheregeln des Deutschen (meine Über­set­zung für „unser­er Sprache“) ja schon lange nicht. Vielle­icht waren sie es nie, aber das weiß ich nicht so genau. Das Englis­che ist in dieser Hin­sicht natür­lich den­noch um einiges prob­lema­tis­ch­er.

    Insofern glaube ich zu ver­ste­hen, was Sie mit der „englis­chen Krankheit“ meinen, auch wenn ich diesen Aus­druck etwas unglück­lich finde. Es dürfte Ihnen schw­er­fall­en, einen Englän­der, Amerikan­er, Inder oder Neuseelän­der aufzutreiben, der seine Mut­ter­sprache oder deren Schrei­bung als „krank“ beze­ich­net, außer vielle­icht iro­nisch und mit deut­lichen Anführungsze­ichen.

    Aber stimmt es denn über­haupt, dass derzeit beson­ders viele Wörter aus dem Englis­chen in die deutsche Sprache ein­wan­dern, bei denen das Laut-Buch­staben-Ver­hält­nis ungün­stiger ist als beim hierzu­lande etablierten Wortschatz? Haben Sie dafür Beispiele? Auf der Inter­net­präsenz des VDS habe ich dazu nichts gefun­den. (Aber vielle­icht habe ich nicht lange genug gesucht.)

    Den Lern­ef­fekt, der dazu führt, dass sich „man­a­gen“ für den durch­schnit­tlich gebilde­ten Deutschen heute nicht mehr auf „nagen“ reimt, muss man natür­lich berück­sichti­gen. Den hat der durch­schnit­tlich gebildete Deutsche aber auch vor hun­dert Jahren durchgemacht, als er lernte, wie man „Giro“ und „Porte­mon­naie“ ausspricht.

    Nach Bele­gen in Ihrem Sinn suchend stieß ich auf „tough“ – den Klas­sik­er im Englis­chunter­richt, der am Beispiel des fik­tiv­en Worts „ghoti“ die Wider­sin­nigkeit der englis­chen Orthografie zu verdeut­lichen sucht. Gle­ichzeit­ig illus­tri­ert „tough“ wun­der­bar, wie Sprech­er des Deutschen eine Wortschat­zlücke schließen, ohne dabei Aussprachehin­dernisse zu pro­duzieren: „taff“.

    Taff“ ist nicht ver­bre­it­et, mehrheitlich heißt es wahrschein­lich noch immer „sie ist eine toughe Frau“, aber das regelt sich. Langfristig wird die deutsche (sex­is­tis­che) Son­derbe­deu­tung wahrschein­lich entwed­er ausster­ben oder mit ein­er wieder etwas anderen Bedeu­tung in den Wortschatz der Gemein­sprache Einzug hal­ten.

    Wie gefragt: Haben Sie Beispiele für Wörter, die an der „englis­chen Krankheit“ lei­den?

  38. Nörgler

    Auch den Mut­tertag “gibt es nicht wirk­lich”. Vielmehr ist er der über­hitzten Phan­tasie der Floris­ten­ver­bände entsprun­gen.

  39. hddey

    De Beze­ich­nung »Englis­che Krankheit« ist als Meta­pher für die Unregelmäßigkeit­en der englis­chen Rechtschrei­bung zu ver­ste­hen. Das bekan­nte Beispiel »ghoti-fish« wurde genan­nt. Gehen Sie ein­mal durch eine deutsche Geschäftsstraße. Sie wer­den allein dort viele Beispiele find­en. Ich kopiere meinen Auf­satz »Lau­tung und Schrei­bung« ein, der die Prob­lematik beleuchtet.

    Lau­tung und Schrei­bung

    Je weit­er Schrei­bung und Lau­tung ein­er Sprache auseinan­derk­laf­fen, um so schwieriger ist die Schrift­sprache zu erler­nen. Das ist bei den Schülern in Eng­land deut­lich zu erken­nen, die für das Erler­nen der Rechtschrei­bung länger brauchen als Schüler aus Län­dern, die über eine regelmäßigere, weitest­ge­hend phonetis­che Rechtschrei­bung ver­fü­gen. Diese Gefahr beste­ht inzwis­chen auch für die deutsche Sprache, wenn wir Wörter, beson­ders aus der englis­chen Sprache, gedanken­los in unseren Wortschatz übernehmen. Die sprach­be­wussten Bürg­er, beson­ders die Medi­en, soll­ten sich deshalb bemühen, deutsche Entsprechun­gen für Anglizis­men zu find­en und sich auf tre­f­fende Wörter aus dem eige­nen Wortschatz zu besin­nen – zum Wohle unser­er Sprache.

    Fremd­wörter aus dem englis­chsprachi­gen Bere­ich, die sich im Sprachge­brauch bere­its einge­bürg­ert haben und nüt­zlich sind, soll­ten mit Umsicht und Augen­maß verdeutscht wer­den. Dazu zählen Wörter wie z. B. Hän­di (Handy, scheinenglisch) und Skän­ner (Scan­ner). Für das Porte­mon­naie ist erst jet­zt, nach Jahrzehn­ten, das orthographisch deutsche Port­monee zuge­lassen. Die Angle­ichung der Schrei­bung des Wortes „Baby“ ist uns bis heute nicht gelun­gen (s. bébé im Franzö­sis­chen, bebé im Spanis­chen).

    Fremd­wörter müssen nicht verdeutscht wer­den, wenn sie bere­its fes­ter Bestandteil unseres Wortschatzes gewor­den sind und eine passende Rechtschrei­bung für unsere Sprache besitzen. Dazu gehört zum Beispiel das Wort »Inter­net«.

    Ein anderes Prob­lem beste­ht bei den Eigen­na­men, die aus dem nicht­englis­chen Bere­ich ohne lateinis­ches Alpha­bet stam­men. Die verbindlichen Tran­skrip­tio­nen und Translit­er­a­tio­nen wer­den dabei häu­fig außer Acht gelassen. Als Beispiel ist die Schrei­bung »sh« statt »sch« wie in Geisha, Sha­ba, Hiroshi­ma, Shang­hai zu nen­nen. Auch für den Ersatz des »dsch« durch »dj«, »s« durch »z«, »ch« durch »kh«, »tsch« durch »ch«, »w« durch »v«, »j« durch »y« usw. gibt es zahlre­iche Fund­stellen.

    Bei chi­ne­sis­chen Wörtern führen die bekan­nten Tran­skrip­tio­nen, die mit unser­er Aussprache nicht übere­in­stim­men, ein­er­seits zu Aussprache­un­sicher­heit­en und –fehlern (Qi-Gong). Ander­er­seits wird oft die englis­che Schrei­bung gewählt.

    Der Duden-Ver­lag set­zt Englis­chken­nt­nisse für das Ver­ständ­nis der deutschen Sprache in seinen Wörter­büch­ern bere­its voraus und verzichtet bei der Auswahl der Wörter auf jeden sprach­pflegerischen Ehrgeiz. In seinem Aussprache-Wörter­buch wird das inter­na­tionale phonetis­che Alpha­bet auf Englisch erläutert. Dieses Wörter­buch merkt in der Aus­gabe von 2005 an: »Da z. B. das Englis­che als Fremd­sprache im deutschen Sprachge­bi­et eine viel größere Bedeu­tung hat als das Rus­sis­che, wird man bestrebt sein, das Englis­che eher echt fremd­sprach­lich auszus­prechen als das Rus­sis­che.« Die ARD-Aussprache­daten­bank mit seinen 170.000 Aus­drück­en geht densel­ben Weg. Es ist z. B. seit eini­gen Jahren in Deutsch­land, beson­ders in Rund­funk und Fernse­hen üblich gewor­den, Abkürzun­gen englis­ch­er Beze­ich­nun­gen unnötiger­weise englisch auszus­prechen (ISAF als Aisaf, iPod als Aipott, CIA als Szi­aiäi, ISS als Aiessess, IT = Infor­ma­tion­stech­nolo­gie! als Aiti). Im Duden find­en sich diese Ausspracheregelun­gen eben­falls wieder. Die Aussprache der Abkürzung »USA« und »Nato« stammt noch aus ein­er Zeit, als der Aussprache-Rein­heitswahn noch nicht das heutige Aus­maß erre­icht hat­te.

    Kon­rad Duden hat sich nicht nur mit Erfolg für die Ein­heitlichkeit der deutschen Rechtschrei­bung einge­set­zt, son­dern war mit gutem Grund auch ein Ver­fechter der phonetis­chen Schrei­bung von Fremd­wörtern. Das Ver­mächt­nis dieses großen Mannes bröck­elt immer mehr ab – zum Nachteil für die deutsche Sprache.

  40. wakaranai

    @hddey (#41): Verbindliche Translit­er­a­tio­nen wer­den außer Acht gelassen? Geisha, Hiroshi­ma usw. sind nach Hep­burn transli­teriert, dem ver­mut­lich weitestver­bre­it­eten Translit­er­atisnssys­tem für das Japanis­che. Sie meinen wohl eher, daß man Translit­er­a­tio­nen ver­wen­det, die nicht den deutschen Orthografie-Prinzip­i­en entsprechen. Das mag vielle­icht besser­wis­serisch und pin­gelig sein, aber Genauigkeit ist mein­er Mei­n­ung nach das A und O, ger­ade, wenn es sich um einen Auf­satz han­delt.

    Man kön­nte das natür­lich zu “Geescha” und “Chi­roschi­ma” anpassen, dage­gen hätte ich nicht ein­mal etwas — eine eingängige Rechtschrei­bung ohne große Aus­nah­men hat nur Vorteile 🙂

  41. Nörgler

    Wenn wir schon pin­gelig sind, soll­ten wir von Hep­burn-Tran­skrip­tion und nicht von Translit­er­a­tion sprechen.

    Gibt es über­haupt ein deutsches Transskrip­tion­ssys­tem für das Japanis­che?

  42. David Marjanović

    Es dürfte Ihnen schw­er­fall­en, einen Englän­der […] aufzutreiben, der seine Mut­ter­sprache oder deren Schrei­bung als „krank“ beze­ich­net, außer vielle­icht iro­nisch und mit deut­lichen Anführungsze­ichen.

    Glaube ich gern, aber selb­stver­ständlich gibt es welche (Links zu weit­eren ganz unten auf der Seite).

    Das bekan­nte Beispiel »ghoti-fish« wurde genan­nt.

    Ich ver­ste­he übri­gens nicht, wieso es fast nie zu ghotiugh erweit­ert wird (mit dem stum­men ugh von though).

    Für das Porte­mon­naie ist erst jet­zt, nach Jahrzehn­ten, das orthographisch deutsche Port­monee zuge­lassen.

    …das übri­gens nicht der ver­bre­it­et­sten franzö­sis­chen Aussprache entspricht: für die meis­ten frz. Mut­ter­sprach­ler hat es [ɛ], nicht [e], am Ende.

    Bei chi­ne­sis­chen Wörtern führen die bekan­nten Tran­skrip­tio­nen, die mit unser­er Aussprache nicht übere­in­stim­men, ein­er­seits zu Aussprache­un­sicher­heit­en und –fehlern (Qi-Gong). Ander­er­seits wird oft die englis­che Schrei­bung gewählt.

    Pinyin ist seit den 70erjahren in der Volk­sre­pub­lik und seit ein paar Jahren auch in Tai­wan verbindlich. Es ver­wen­det sh und ch und macht damit manch­mal einen englis­chen Ein­druck (Beispiel: Shang­hai), aber das täuscht. Solange wir nicht völ­lig phonetisch schreiben, so wie etwa auf Ser­bokr… ups BCSM üblich, hat es über­haupt keinen Sinn, an solchen Kon­ven­tio­nen zu rüt­teln.

  43. Nörgler

    @David Mar­janović:

    Für das Porte­mon­naie ist erst jet­zt, nach Jahrzehn­ten, das orthographisch deutsche Port­monee zuge­lassen.

    …das übri­gens nicht der ver­bre­it­et­sten franzö­sis­chen Aussprache entspricht: für die meis­ten frz. Mut­ter­sprach­ler hat es [ɛ], nicht [e], am Ende.”

    Das entspricht nicht mein­er Erfahrung. Ich höre von Fran­zosen generell in den Endun­gen kaum noch ein [ɛ], fast nur noch [e]. Im Deutschen habe ich Porte­mon­naie noch nie mit [ɛ] gehört. Sprach­wan­del eben.

  44. David Marjanović

    Ich höre von Fran­zosen generell in den Endun­gen kaum noch ein [ɛ], fast nur noch [e].

    Das kann leicht ein geo­graphis­ch­er Unter­schied sein. Ich höre hier in Paris [ɛ] häu­figer als [e].

    Im Deutschen habe ich Porte­mon­naie noch nie mit [ɛ] gehört.

    Ich habe es im Deutschen über­haupt noch nie gehört, nur Geld­tascherl

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