Rollmöpse und deutsche Sehnsucht

Ich kann gar nicht sagen, was mich mehr erstaunt — die sprach­lichen Unter­gangsphan­tasien der Sprach­nör­gler vom Vere­in deutsche Sprache oder der sprach­liche Größen­wahn, der sich häu­fig im Umfeld der „schön­sten aus­ge­wan­derten Wörter“ bre­it­macht.

Auf der Web­seite des ZDF erfahren wir in dieser Woche:

110 Mil­lio­nen Mut­ter­sprach­ler, eine der wichtig­sten Sprachen Europas: Jet­zt wid­met sich eine Ausstel­lung im Deutschen His­torischen Muse­um Berlin „Der Sprache Deutsch“.

Aber über diese Ausstel­lung, die zumin­d­est auf den ersten Blick vielver­sprechend aussieht, mag der Autor, Dominik Rzep­ka, dann nichts schreiben. Statt dessen behauptet er, die Ausstel­lung „zeigt: Deutsche Worte sind auch im Aus­land beliebt.“

Und das hil­ft vor allem Touris­ten, die im Urlaub ein plöt­zlich­es Ver­lan­gen nach der heimis­chen Küche haben:

Kein Wort hat Benedikt Hom­mel ver­standen, als er vor eini­gen Jahren mit der Aktion Süh­neze­ichen in Frankre­ich war. „Als ich eines Tages Essen einkaufen war, rauschte das meiste der Sätze wie fremde Musik an meinen Ohren vor­bei.“ Doch dann, plöt­zlich, sagte die Verkäuferin im Super­markt ein bekan­ntes Wort: „Roll­mops“. Davon hat Hom­mel sofort ein paar gekauft.

Eine Art teu­tonis­ch­er pawlowsch­er Reflex? Aber Herr Hom­mel und seine Rollmöpse wer­den uns am Ende des Artikels noch ein­mal begeg­nen, also weit­er im Text:

Roll­mops“ — in Frankre­ich ein ver­bre­it­etes Wort. Eben­so wie „Kuchen“ in Chile oder „Luft“ im Ser­bis­chen — dort kann es allerd­ings auch „Freizeit“ und „leer­er Platz“ bedeuten.

Oder vielle­icht auch gar nichts? Spricht eine/r meine/r Leser/innen Ser­bisch (oder Kroat­isch) und kann die Exis­tenz dieses Lehn­wortes bestäti­gen? Oder das alles nur heiße Luft?

Deutsche Worte, die es in andere Sprachen schaf­fen, füllen dort ganz oft eine Lücke“, sagt Jut­ta Lim­bach, ehe­ma­lige Präsi­dentin des Goethe-Insti­tutes. Vor rund zwei Jahren hat­ten sie und ihr Team in einem Wet­tbe­werb die schön­sten aus­ge­wan­derten Worte gesucht. „Dabei kön­nen auch kleine Nuan­cen entste­hen, kleine Abwe­ichun­gen von der Orig­i­nalbe­deu­tung“, erk­lärt Lim­bach.

Im Prinzip hat Frau Lim­bach hier ja Recht. Nur: manch­mal ist das, was die Sprachauswan­der­er da zusam­men­tra­gen, gar kein deutsches Wortgut, und die Lück­en und Nuan­cen sind imag­inär.

Beliebt sind deutsche Worte vor allem, wenn es um große Gefüh­le geht. „Ich weiß von ein­er Spanierin, die während ihres Deutschkurs­es auf ein­mal das Wort Sehn­sucht ken­nen­gel­ernt hat “, sagt Rolf Peter, Pro­jek­tleit­er des Wet­tbe­werbs Aus­ge­wan­derte Worte. „Endlich hat sie dieses Gefühl aus­drück­en kön­nen.“ Schließlich gebe es im Spanis­chen kein Wort dafür.

Ja, die armen Spanier: ver­spüren Sehn­sucht und kön­nen nicht darüber reden. Nein, wahrschein­lich kön­nen sie sie nicht ein­mal richtig empfind­en, so ganz ohne Beze­ich­nung — die sehn­süchtige Spanierin hält das, was ihr da den Magen zusam­men­zieht, ver­mut­lich für das Ergeb­nis von zuviel Pael­la.

Doch halt! Ein Blick ins Wörter­buch zeigt, dass die Spanier tat­säch­lich nicht nur ein Wort für Sehn­sucht haben, son­dern sog­ar vier: el anh­elo, la año­ran­za, el ansia und la nos­tal­gia. Die Sehn­sucht ist den Spaniern also offen­sichtlich min­destens so wichtig, wie den Eski­mos der Schnee. Aber wen küm­merts — keins oder vier, das sind doch kalte Zahlen, die kann man im Rausch deutsch­er Gefüh­ligkeit schon­mal ver­wech­seln:

Wir Deutschen sind vielle­icht ein Volk von Dichtern und Denkern“, sagt Jut­ta Lim­bach. Ger­ade deswe­gen schafften es wahrschein­lich gefühls­be­tonte Worte auch in andere Sprachen.

Wir sind Dichter und Denker (übri­gens: wie orig­inell!), und deshalb sind wir Autoritäten für alles Gefühls­be­tonte? Ja, die Welt kann sich glück­lich schätzen, dass es uns gibt:

Sie sel­ber habe viele Kol­le­gen aus dem In- und Aus­land, die gerne Gedichte aus dem Sturm und Drang oder der Roman­tik läsen. „Ger­ade Eichen­dorffs Mond­nacht kommt sehr gut an“, sagt Lim­bach. Die deutsche Lit­er­atur habe gefühls­be­tonte Worte wie „Fer­n­weh“ oder „Heimat“ in der ganzen Welt bakan­nt gemacht.

Wenn wir schon dabei sind, Anek­doten auszu­tauschen: Ich habe fast ein Fün­f­tel meines bish­eri­gen Lebens im Aus­land ver­bracht und habe außer­halb ger­man­is­tis­ch­er Insti­tute nie jeman­den getrof­fen, der Gedichte aus dem Sturm und Drang der deutschen Roman­tik läse. Frau Lim­bach und ich verkehren offen­sichtlich in unter­schiedlichen Wel­ten (ich nenne meine gerne die „reale“ Welt).

Ins Wörter­buch wollen die Such­er aus­ge­wan­dert­er Wörter aber offen­sichtlich nicht guck­en. Wie sieht es mit ein­er Google­suche aus? Eben­falls Fehlanzeige:

Auch durch Erfind­un­gen ver­bre­it­en sich Worte weltweit“, sagt Rolf Peter. So habe sich der Begriff „Com­put­er“ in vie­len Län­dern etabliert. Auf diese Weise sei auch das virtuelle Küken „Tam­agotchi“ in den deutschen Sprachge­brauch einge­gan­gen. Und auch englis­che Ton­tech­niker ver­wen­de­ten den Begriff „Gestalt­mikro­fon“. Für Peter nichts Neg­a­tives: „Sprache lebt“, sagt er. „Der Aus­tausch sorgt dafür, dass die Sprech­er über­all auf der Welt einen aus­re­ichen­den Wortschatz haben.“

Lieber Herr Peter, ein paar Klicks reichen, um zu zeigen, das nicht ein­mal deutsche Ton­tech­niker diesen Begriff ver­wen­den. Ich ver­ste­he ja, dass es eine unzu­mut­bare Anstren­gung ist, ein Wörter­buch aufzuschla­gen, aber ein Wort bei Google eingeben, bevor man sich öffentlich über dessen Exis­tenz aus­lässt, das müsste doch drin sein.

Ach, ich ver­gaß: es ist ja Auf­gabe der Wis­senschaftler, Ihre aus­ge­wan­derten Wörter „sys­tem­a­tisch zu erforschen“. Nun gut, hier ist mein wis­senschaftliche Ergeb­nis: das Wort Gestalt­mikro­fon existiert nicht. Das hat irgen­dein Teil­nehmer Ihres Wet­tbe­werbs erfun­den, wun­schgedacht oder falsch ver­standen.

Aber gut, der schöpferische Umgang mit Sprache ist ja eigentlich etwas Schönes — es sei denn, die Deutsche Bahn wird sprach­schöpferisch tätig. Das ist dann natür­lich streng abzulehnen, kein Wort mehr von „leben­der Sprache“:

Den­noch find­et Jut­ta Lim­bach Sprach­schöp­fun­gen wie „Ser­vice Point“ albern. „Ich ver­suche, so oft wie möglich Deutsch zu sprechen, um nicht falsche Welt­ge­wandtheit vorzutäuschen.“ Den­noch gehöre sie nicht zu den­jeni­gen, die englis­che Wort jagen. Sprachen seien nicht nation­al abgeschlossen, son­dern immer im Wan­del. „Durch Migra­tion oder Schüler- und Stu­den­te­naus­tausch­pro­gramme find­et eben auch ein Sprachaus­tausch statt — ich finde das pos­i­tiv.“ Schließlich lerne man so auch etwas von der Men­tal­ität ander­er Kul­turen.

Und andere Kul­turen ler­nen etwas über unsere Men­tal­ität (und für die gibt es ein franzö­sis­ches Lehn­wort):

Auch Benedikt Hom­mel hat während seines Aus­land­saufen­thaltes in Frankre­ich davon etwas gel­ernt. Verge­blich habe er der Verkäuferin im Super­markt erk­lärt, dass es sich bei ihrem „Roll­mops“ um ein deutsches Wort han­dele. „Nein, das ist franzö­sisch“, habe diese gesagt. Am Ende hat er aufgegeben: „Geschmeckt haben die Rollmöpse jeden­falls super.“

Ich kann es mir bild­haft vorstellen — Herr Hom­mel, für den die franzö­sis­che Sprache nur „fremde Musik“ ist, erteilt ein­er nichts Bös­es ahnen­den Kassiererin in einem franzö­sis­chen Super­markt eine Nach­hil­fes­tunde in Ety­molo­gie (welche Sprache hat er dabei wohl ver­wen­det)? Für die Beliebtheit der deutschen Sprache im Aus­land muss das ein großer Tag gewe­sen sein.

Herr Hom­mel hat bei der Her­leitung des Wortes übri­gens nur nicht weit genug in die Ver­gan­gen­heit geschaut: zwar ist die Zusam­menset­zung Roll­mops eine deutsche Erfind­ung (genau, wie die kuriose Idee, einen Her­ing um eine saure Gurke zu wick­eln), aber das Wort Mops kommt aus dem Nieder­ländis­chen (von mop­pen, „mür­risch sein“). Und das Wort rollen — das kommt aus dem Franzö­sis­chen.

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Anatol Stefanowitsch

Über Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Er beschäftigt sich derzeit mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Sein aktuelles Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ ist 2018 im Dudenverlag erschienen.

38 Gedanken zu „Rollmöpse und deutsche Sehnsucht

  1. Peer

    Mmh, ich kenne die Geschichte der Spanierin, die das Wort “Fer­n­weh” ken­nen­gel­ernt hat „Endlich hat sie dieses Gefühl aus­drück­en kön­nen. Schließlich gebe es im Spanis­chen kein Wort dafür.” Die stammt aus dem Buch, in dem ver­schiedene Fremd­sprach­ler über ihr deutsches Lieblingswort schreiben (Sor­ry, hab den Titel vergessen) (Entshuldigung, darf man “Sor­ry” hier schreiben?). Ver­mut­lich hat­te der gute das nicht mehr so parat gehabt. Sehn­sucht und Fer­n­weh sind ja irgend­wo ähn­lich… 🙂

  2. Jens

    Ich warte immer noch darauf, daß die Lehn­wort­such­er irgend­wann ein­mal auf Let­tisch oder Est­nisch kom­men, die vor (echt­en) deutschen Lehn­wörtern nur so strotzen. Das läßt sich auch gut erk­lären: in bei­den Län­dern gab es vom Mit­te­lal­ter bis ins 19. Jahrhun­dert hinein eine vor allem deutschsprachige Ober­schicht.

    Da muß man sich dann auch nicht irgendwelche Wörter aus­denken, die es dort ange­blich geben soll, son­dern nur ein bißchen Herumguck­en.

    Let­tisch z. B. šķiņķis ’Schinken’, ārsts ’Arzt’, brilles ’Brille’

    Est­nisch z. B. kun­st, reis ’Reise’ (in Tallinn sieht man oft: reis­i­büroo), polit­sei

  3. janwo

    > Wir sind Dichter und Denker (übri­gens: wie orig­inell!), und deshalb sind wir Autoritäten für alles Gefühls­be­tonte? Ja, die Welt kann sich glück­lich schätzen, dass es uns gibt […]

    Vor allem dank lexikalis­ch­er Exportschlager wie dem Führer, dem Blitz(krieg) und ähn­lichen Schmuck­stück­en im Webster’s

  4. Nicolas Graf

    @Jens

    Zumin­d­est bei polit­sei (ich gehe davon aus, dass es Polizei bedeutet) kann man wohl kaum von einem deutschen Wort sprechen. Allen­falls ist es ein griechisch-stäm­miges Fremd­wort, das (über das Deutsche?) seinen Weg ins est­nis­che gefun­den hat. Ähn­liche Worte gibt es schließlich auch in anderen europäis­chen Sprachen (bspw. engl./frz. police, span. policía, schwed. polis usw.)

    @Anatol

    Die bei­den Google-Links, die sich auf Her­rn Peter beziehen, funk­tion­ieren so nicht (falsche „Sorte“ Anführungsze­ichen…)

  5. Simone

    Ich hab Sehn­sucht im OED nachgeschla­gen, es ist offen­sichtlich seit mitte 19. Jh. im Englisch gebracht. Heimweh gibt es seit dem 18. Jh, Fer­n­weh ist unbekan­nt.

    M.W. wurde Sturm und Drang z.B. in Hol­land und Japan inten­siv gele­sen, dann aber in die eigene Lit­er­atur aufgenom­men. Es gibt jede Menge (mein­er Mei­n­ung nach schreck­liche) Sturm und Drang Lit­er­atur auf Hol­ländisch. Wenn heute also jemand so etwas lesen will, dann tut er es in sein­er Mut­ter­sprach-Lit­er­atur und weiss nicht mehr, dass die Entwick­lung ursprünglich aus dem deutschen Sprachge­bi­et kam.

  6. Jens

    Natür­lich sind nicht alle von mir genan­nten Wörter ursprünglich ger­man­isch. Das ist für ein Lehn­wort ja auch nicht Voraus­set­zung. Deutsch ist aber eben die Sprache, von der aus entlehnt wurde.

    Man beze­ich­net Wörter wie Train­ing oder Recy­cling ja auch als englis­che Lehn­wörter, obwohl sie nicht ursprünglich englisch sind 😉

  7. DrNI@CLB

    Das mit dem Mikrophon ist wirk­lich ver­wun­der­lich. Man kommt schw­er­lich dahin­ter, was gemeint sein kön­nte. Vielle­icht ein Gefell-Mikrophon vom Her­steller Gefell? Oder gar kein Mikrophon son­dern die Gestaltpsy­cholo­gie, die im Englis­chen Gestalt psy­chol­o­gy heißt? Ander­er­seits gibt es das Wort Mikro­gestalt, das mit Ton­tech­nik nix zu tun hat.

    Let­z­tendlich spielt das auch nur eine unter­ge­ord­nete Rolle. Tat­sache scheint, dass alle möglichen Leute mitre­den möcht­en, wenn es um Sprache geht, vor allem um die offen­sichtlichen Dinge wie Fremd­wörter. Klar, da kann man ja auch darüber schön lästern. Fängt man aber mal mit Wortbe­deu­tun­gen an und skizziert diese als nicht unbe­d­ingt das gle­iche als das Wort an sich, dann wollen die meis­ten Leute die Kon­ver­sa­tion lieber wieder auf die bösen Anglizis­men lenken, weil es ihnen schnell zu kom­pliziert wird.

    Dabei möcht­en sie natür­lich auch nicht wis­sen, dass wir oft nur eine spez­i­fis­che Wortbe­deu­tung importieren, nicht das Wort an sich.

    von dem her ist dieses Blog hier die let­zte Bas­tion sprach­wis­senschaftlich­er Ver­nun­ft. Den meis­ten fach­lich kom­pe­ten­ten Schreibern dürfte das ganze Plädieren und Erk­lären zu müh­selig sein, wo doch nie­mand eigentlich wis­sen will, wie’s wirk­lich funk­tion­iert.

  8. Sabine

    Jet­zt bin ich aber doch ein biss­chen entset­zt, dass leo.org, ein liebenswertes Ama­teur­pro­jekt, hier als Beweis ange­führt wer­den soll, dass Sehn­sucht im Spanis­chen keine genaue Entsprechung hat. Ich habe keine Ahnung, ob es stimmt, weil ich kein Spanisch kann, aber in leo.org steht’s bes­timmt nicht vernün­ftig drin.

  9. vert

    @2 jens:

    …warte immer noch darauf, daß die Lehn­wort­such­er irgend­wann ein­mal auf Let­tisch oder Est­nisch kom­men, die vor (echt­en) deutschen Lehn­wörtern nur so strotzen.”

    szer­busz!*

    oder ungarisch. das wim­melt ger­adezu vor mag­yarisierten lehn­worten (und dann vor allen din­gen spiegelüber­set­zun­gen)…

    (*und jet­zt komme kein­er und erzäh­le von lateinis­chen lehn­wörtern!)

  10. goncourt

    Man darf bei der Ver­wen­dung deutsch­er Wörter in Südameri­ka auch nicht vergessen, wieviele Deutsche dahin gle­ich nach 44/45 dor­thin aus­ge­wan­dert sind. 😉

  11. Anatol Stefanowitsch

    Sabine (#10), nichts gegen Leo.org! Mein Spanisch ist zwar sehr eingerostet, aber di vier Wörter, die dort ange­führt wer­den, sind garantiert spanis­che Entsprechun­gen für sehn­suchtar­tige Gefüh­le: anh­elo und ansia ist so etwas wie ein sehn­süchtiges Ver­lan­gen; año­ran­za ist am direk­testen mit „Sehn­sucht“ oder, in entsprechen­den Kon­tex­ten, „Heimweh“ zu über­set­zen, es schwingt darin immer ein Gefühl von Ver­lust mit; nos­tal­gia kann mit „Nos­tal­gie“ (Sehn­sucht nach ein­er ver­gan­genen Zeit) aber auch „Heimweh“ oder „Sehn­sucht“ (z.B. nach alten Fre­un­den) über­set­zt wer­den. Eine „genaue Entsprechung“ gibt es nicht, aber das liegt schlicht daran, dass es sel­ten bis nie ein 1:1-Verhältnis zwis­chen den Wörtern zweier Sprachen gibt.

  12. Sabine

    Aber da leo.org keine Beispiele bringt und auch son­st nichts zur Ver­wen­dung der Worte sagt, kann der Sprach­ler­nende nicht erken­nen, wie er das Wort ver­wen­den soll und fällt garantiert auf genau das falsche Wort rein.

    Ich mag an leo.org, dass sich da Leute bemühen, fremd­sprach­lich­es Vok­ab­u­lar unter die Leute zu brin­gen; für jeman­den, der etwas in ein­er Fremd­sprache schreiben soll, die er nicht so gut kann, ist es eine fatale Quelle. Aus Auf­sätzen habe ich schon die aber­witzig­sten und unerk­lär­lich­sten Fehler raus­geklaubt, die dann mit “aber so steht’s bei leo.org” erk­lärt wur­den.

  13. Alberto Green

    Ich ver­suche, so oft wie möglich Deutsch zu sprechen, um nicht falsche Welt­ge­wandtheit vorzutäuschen.“ Sie meint wohl “fehlende”.

  14. Kika

    »#14: Die genaue Ver­wen­dung zu doku­men­tieren ist auch nur eingeschränkt der Sinn eines zweis­prachi­gen Wörter­buch­es! Ich würde jede Wette einge­hen, daß man diesel­ben Fehler bei Sprachan­fängern mit einem reg­ulären print-Wörter­buch find­et. Mit etwas Sprachge­fühl und ggf. der Fähigkeit, kri­tisch zu googlen, sticht leo die gedruck­te Konkur­renz was Prak­tik­a­bil­ität und Geschwindigkeit ange­ht ohne Frage aus.

  15. das.ben

    Für mich ist Ser­bisch zwar auch nur (besten­falls halb erlernte) Fremd­sprache, aber das Wort ‘Luft’ ist mir bish­er noch nicht im alltäglichen Sprachge­brauch untergekom­men — laut Goethe-Insti­tut aber offen­bar tat­säch­lich vorhan­den (http://www.goethe.de/z/pro/wort/popup/22.html). Ger­ade für die Sprache gibt es aber sicher­lich sehr viel bessere Beispiele von nicht nur irgend­wo vorhan­de­nen, son­dern auch wirk­lich nor­mal benutzen Lehn­wörtern. Spon­tan fall­en z.B. parada­jz (Paradiesapfel, also Tomate), kel­ner (Kell­ner) und lus­ter (Lus­ter, also Kro­n­leuchter) ein.

  16. Redwraithvienna

    » # 17 : parada­jz kommt aber da auch nur über Umwege von “Paradeis­apfel”. Der Ursprung des Wortes dürfe im öster­re­ichis­chen “Paradeis­er” liegen, welch­er sich von besagten Paradiesapfel ableit­et.

    Wobei man da nicht vergessen sollte das Kroa­t­ien (in dem ja auch ser­bo — kroat­isch gesprochen wird) bis 1918 zu Öster­re­ich — Ungarn gehörte und es dort eine deutschsprachige Ober­schicht gab.

  17. David Marjanović

    Aber noch bess­er ist krom­pir. Das kommt von den steirischen Grund­bir­nen, also Erdäpfeln, also Kartof­feln. Slowenisch krum­pir, falls ich mich richtig erin­nere.

  18. Simone

    Ich bin eben noch über ein inter­es­santes ‘englis­ches’ Wort gestossen:

    This morn­ing we’ve been bar­raged with tips alert­ing us to the news that Pres­i­dent Oba­ma has won his strug­gle to keep his (appar­ent­ly deeply loved) Black­Ber­ry — a device which has his­tor­i­cal­ly been ver­boten in the White House due to secu­ri­ty con­cerns.

    Mir ist das Wort nicht bekan­nt, der OED ken­nt es aber und gibt ein witziges Beispiel aus dem Jahre 1918, wo das Wort offen­bar das erste Mal gebraucht wird: “8 Meads towards Hasling­field and Coton Where das Betreten’s not ver­boten.”

  19. David Marjanović

    Ver­boten find­et man zumin­d­est im amerikanis­chen Englisch öfter, in der iro­nisieren­den Bedeu­tung “ver­boten, weil es als ganz, ganz schlimm gilt”.

  20. Victor Persien

    Ich habe einen eMail­fre­und aus Ital­ien, der liebend gerne deutsche Gedichte liest, wenn auch mit Wörter­buch, oder mich nach ein­er Über­set­zung fragt. Aber ich gebe zu: Er ist wohl eher die Aus­nahme, denn er regt sich regelmäßig darüber auf, dass es in Ital­ien kaum Lit­er­atur dazu gibt, selb­st zu solchen Koriphäen wie Anette von Droste-Hül­shoff nicht…

  21. Nörgler

    Daß es ein Wort “Gestalt­mikro­fon” im Englis­chen nicht gibt, ist nicht über­raschend. Allerd­ings find­et eine Google-Suche immer­hin zwei, wenn auch reich­lich obskure Belege für “gestalt micro­phone”, was immer das auch heißen mag. Das ist aber immer noch bess­er als die eine Fund­stelle für das “Handy” in einem englis­chen Roman, die hier bre­it­ge­treten wurde.

    In ein­er Wer­bung für ein Mikrophon- und Lau­t­analy­sesys­tem finde ich auch den Aus­druck “con­tour edi­tion (Gestalt inter­pre­ta­tion)”.

    Zweifel­los ist das Wort “gestalt” oder “Gestalt” im Englis­chen recht ver­bre­it­et (ca. 10 Mio Fund­stellen bei Google). Dabei scheint es Bedeu­tun­gen anzunehmen, die sich einem deutschen Mut­ter­sprach­ler nicht unmit­tel­bar erschließen. Es ist inzwis­chen ger­adezu ein Mod­e­wort gewor­den, das man — ob es paßt oder nicht — ein­streuen kann, um seine Inetellek­tu­al­ität zu beweisen. Insofern erin­nert es dur­chaus an gewisse Anglizis­men im Deutschen, ob sie nun Welt­ge­wandtheit aus­drück­en oder nicht. Wenn man nicht sehr firm im Englis­chen ist, ist das aber nicht zu empfehlen — man kann sich sehr leicht damit blamieren.

    Den “Roll­mops” gibt es auch im Englis­chen (Deutsch­land mal wieder Exportwelt­meis­ter!). Übri­gens finde ich die Idee, einen Her­ing um eine saure Gurke zu wick­eln, nicht kurios, son­dern ger­adezu genial (“Deutsch­land — Land der Ideen”!). Dabei darf man aber nicht die Zwiebeln vergessen!

    Ob aber das Wort “Mops” aber aus dem Nieder­ländis­chen stammt, erscheint mir recht zweifel­haft. Im Grimm­schen Wörter­buch heißt es dazu u.a.:

    das zufrüh­est aus dem ende des 16. jh. hier nachgewiesene wort, eine mas­culin­bil­dung wie tapps, runks, schnaps u. a., mit­teldeutschen und niederdeutschen gepräges, geht zunächst auf einen men­schen, an dessen gesicht­saus­druck anknüpfend, und hängt mit dem ver­bum niederl. mop­pen, das gesicht verziehen, west­fäl. möpen, gesichter schnei­den (WOESTE 177b), engl. mop, gesichter ziehen, ein schiefes maul machen, zusam­men. Jeden­falls dürfte es im 16. Jh. noch keine klare Unter­schei­dung zwis­chen Nieder­ländisch und Niederdeutsch gegeben haben.

  22. Handundfaust

    @Nörgler (24)

    Gestalt:

    Die “gestalt” im Englis­chen dürfte mit der Gestaltpsy­cholo­gie einge­wan­dert sein und vor allem mit deren Bedeu­tung ver­bre­it­et wor­den sein. “The Gestalt effect refers to the form-form­ing capa­bil­i­ty of our sens­es” (http://en.wikipedia.org/wiki/Gestalt_psychology)

    Das ist so bre­it und wolkig, das kann man in vii­i­i­ieee­len Kon­tex­ten unter­brin­gen und beweist Bil­dung…

    Der Mops lebt noch: Der Aus­druck jm. “mopst sich” für schmollen oder sich miß­mutig herum­drück­en wird noch benutzt (ich hörte ihn von Ost­preußen etwa Jahrgang 1920–30).

  23. Nörgler

    Daß man das Wort “luft” beim “Cruis­er Dic­tio­nary” nicht find­et, erscheint mir kein hin­re­ichen­der Grund zu sein, die Aus­sage der Serbin Son­ja Šcepanovic (http://www.goethe.de/z/pro/wort/popup/22.html) zu bezweifeln. Dieses Wörter­buch ken­nt ja auch nicht das Wort “Freizeit”.

    Unter Anwen­dung der bewährten wis­senschaftlichen Meth­ode der Google-Suche finde ich auf Anhieb in einem Slang-Wörter­buch fol­gende Def­i­n­i­tion (http://vukajlija.com/luft):

    luft

    Poza­jml­jeni­ca iz nemačkog. Tamo znači vaz­duh, a kod nas je više pros­tor, raz­mak, mes­ta da se raz­maše neko ili neš­to. Sve je poče­lo sa našim majs­tori­ma koji su pekli zanat od švap­skih — i usvo­jili luft, vek­er, can­gle, ciger…nažalost dezado­rans nisu naučili.

    Da ich kein Ser­bisch kann, ver­ste­he ich die Def­i­n­i­tion nicht. Vielle­icht kann uns ein Forumteil­nehmer aufk­lären?

    Natür­lich mag man sich fra­gen, ob solche Wörter eines sehr speziellen Vok­ab­u­lars gute Beispiele für “aus­ge­wan­derte Wörter” sind. So gibt es das Wort “luft” lt. Wikipedia ja sog­ar im Englis­chen, allerd­ings nur in der Fach­sprache des Schachspiels. Dage­gen gehört “Zugzwang” dur­chaus zum gebilde­ten englis­chen Wortschatz.

  24. Gregor

    Im Rus­sis­chen gibt es eben­falls viele schöne deutsche Lehn­wörter, manche davon kön­nen auch Hol­ländis­chen Ursprungs sein:

    Buter­brod = belegtes Brot, meist aber ohne But­ter.

    Schlag­baum = Schlag­baum

    Schtraf = Geld­strafe

    strafowat’ = mit ein­er Geld­strafe bele­gen

    Schtraf­na­ja = Glas, das ein Zus­pät­gekommen­er leeren muß, um auf den sel­ben Alko­holpegel zu kom­men,

    wie der Rest

    Parik­mach­er­ska­ja = Frisuer­laden

    Gal­stuk = Krawat­te (von Hal­stuch, “H” in Fremd­wörtern wird im Rus­sis­chen wie “G” gesprochen)

    Bots­man = Boots­mann

    Junge = Schiff­sjunge

    Natür­lich gibt es auch sehr viele franzö­sis­che Lehn­wörter, das Franzö­sisch in der Rus­sis­chen Ober­schicht genau­so ver­bre­it­et war wie in Deutsch­land.

  25. David Marjanović

    das Franzö­sisch in der Rus­sis­chen Ober­schicht genau­so ver­bre­it­et war wie in Deutsch­land.

    Mehr noch: die Ober­schicht wurde jahrhun­derte­lang auf Franzö­sisch erzo­gen.

  26. Amin Negm-Awad

    Eben­so wie „Kuchen“ in Chile oder „Luft“ im Ser­bis­chen — dort kann es allerd­ings auch „Freizeit“ und „leer­er Platz“ bedeuten.

    Spreche ich gle­ich Ser­bisch, wenn ich sage: “Sie kön­nen Fre­itag kom­men. Da habe ich noch Luft.” Hin und wieder sollen ja auch in Kursen noch Luft drin sein. Also irgend­wie ver­ste­he ich das “allerd­ings” nicht so recht …

    Zur Gestalt: In der Tat habe ich ein ein­er englischsprachigen“Wikipedia” – ich glaube es war en.wiktionary – mal den Hin­weis gele­sen, dass es vor allem mit Hin­weis auf Psy­cholo­gie ver­wen­det würde. Ich möchte aber ergänzend darauf hin­weisen, dass es bis heute ein Frame­work für OS-X-Entwick­ler gibt, dass einen … tada … “Gestalt Man­ag­er” enthält.

    http://developer.apple.com/DOCUMENTATION/Carbon/reference/Gestalt_Manager/Reference/reference.html

    Hier geht es wohl um eine abgeleit­ete philosophis­che Bedeu­tung, da man mit­tels des Gestalt-Man­agers erfahren kann, auf was für einen Com­put­er man denn ger­ade so als Pro­gramm läuft.

    Dis­cus­sion

    The Apple-defined selec­tor codes fall into two cat­e­gories: envi­ron­men­tal selec­tors, which sup­ply spe­cif­ic envi­ron­men­tal infor­ma­tion you can use to con­trol the behav­ior of your appli­ca­tion, and infor­ma­tion­al selec­tors, which can’t sup­ply infor­ma­tion you can use to deter­mine what hard­ware or soft­ware fea­tures are avail­able. You can use one of the selec­tor codes defined by Apple or a selec­tor code defined by a third-par­ty prod­uct.

  27. schildkroete

    die von Her­rn Mar­janovic zitierten Begriffe Rajs­fer­šlus und krum­pir fand ich witzig. Als geborene Pfälz­er sagen wir “Krum­beere” zu den Kartof­feln oder “Schess­long” zum Sofa. Warum heißen Wiener Würstchen in Schwaben “Sait­en” ? Sicher­lich nicht weil sie gut klin­gen.… Die Kartof­fel ist dort übri­gens die “Ebbi­ire”. Ich finde Sprachge­burten egal von welch­er Seite sie orig­i­nal kom­men oft recht nett und würde nur ungern darauf verzicht­en.

    Den Deutschen mit dem vom Autor zitierten “franzö­sis­chen Lehn­wort” als PEDANT zu beze­ich­nen ist ein­seit­ig. Er ist nun mal gründlich aber nicht von Natur aus schlecht!!

  28. K

    @27: Eine rasche Über­tra­gung der Def­i­n­i­tion ins Deutsche wäre:

    luft

    Lehn­wort aus dem Deutschen. Dort bedeutet es Luft, und bei uns ist es eher Raum, Zwis­chen­raum, ein Ort, wo sich jemand oder etwas aus­bre­it­en kann. Alles hat mit unseren Meis­tern begonnen, die ihr Handw­erk von den Schwaben abgekupfert haben — und sich luft, vek­er, can­gle, ciger angeeignet haben … lei­der haben sie Deodor­ant nicht gel­ernt.

    Beste Grüße,

    K.

  29. Nörgler

    @33

    Vie­len Dank an K.

    Diese Bedeu­tung von “luft” im Ser­bis­chen entspricht ja, wie Amin Negm-Awad bemerkt hat, dur­chaus auch der Bedeu­tung im Deutschen im Aus­druck “sich Luft ver­schaf­fen” und in der englis­chen Schachsprache. Man schafft dem König “Luft” (Bewe­gungsspiel­raum), damit er sich einem dro­hen­den Schachmatt entziehen kann.

    Kön­nen Sie uns vielle­icht als Ser­bis­chken­ner auch noch sagen, was vek­er, can­gle und ciger im Ser­bis­chen bedeuten? Ich würde ja ver­muten Weck­er, (kleine?) Zange und Zeiger. In der Tat finde ich bei http://www.vokabular.org für vek­er die Herkun­ft Weck­er. Can­gle finde ich ander­swo in Zusam­men­hang mit “nail cut­ter”, was auf “Zange” zumin­d­est hin­deutet. Ciger finde ich auf Anhieb nicht.

    Zu “luft” finde ich auf der genan­nten Inter­net­seite noch luft-lin­i­ja, luft­balon und lufti­rati (lüften).

  30. David Marjanović

    oder “Schess­long” zum Sofa.

    Chaise longue.

    Das g in ciger ist das stumme h, das (im Schrauben­zieher) in den bairisch-öster­re­ichis­chen Dialek­ten als /g/ auf­taucht.

  31. Achim

    Schld­kroete (#32): Die Würstchen heißen “Sait­en”, weil es sich um “Sait­en­würstchen” han­delt. Damit ist gesagt, dass sie im Natur­darm steck­en, aus dem man ursprünglich (und teil­weise heute noch) Sait­en für Musikin­stru­mente macht.

    Lei­der ist mir nicht klar, ob es ursprünglich ein Wort für den Darm war, das dann die Bedeu­tung des daraus gefer­tigten Gegen­stands angenom­men hat, oder ob die Schwaben aus der Instru­menten­saite den Rückschluss auf das Mate­r­i­al gezo­gen haben. Aber vielle­icht weiß das ja jemand hier?

  32. marlow

    Grumbiere kenne ich von mein­er Mut­ter, die aus dem Kraich­gau stammte. Die Krume ist die Erd­krume, die noch an deren Schale anhaftet, und Biere = Birne hängt doch eng mit dem Erdapfel zusam­men.

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