[Buchtipp] Watching the English

Buchtipps sind keine Spezial­ität von mir. Nicht, dass ich nicht einen ganzen Stapel von empfehlenswerten Büch­ern auf meinem Nacht­tisch liegen hätte. Aber irgend­wie kann ich mich nur sel­ten davon überzeu­gen, was drüber zu schreiben. Und wenn ich’s dann tue, sind es schon alte Hüte. Jet­zt will ich die Zahl der drin­gend nöti­gen Tipps auf drei ver­ringern:

2009-08-20-foxWatch­ing the Eng­lish. The Hid­den Rules of Eng­lish Behav­iour” habe ich vor eini­gen Jahren gele­sen und mit­tler­weile ist seine große Zeit in den deutschen Bahn­hofs­buch­hand­lun­gen (denn da ste­ht es eigentlich in jed­er größeren Stadt) schon fast wieder vorüber. Als ich es mein­er Mut­ter schenk­te, hat­te sie es sich schon selb­st gekauft. Als ich es Memo empfehlen wollte, kan­nte er es schon längst. Ihr müsst es also lesen, Grup­pen­zwang und so! Aber ganz abge­se­hen davon, ist es wirk­lich großar­tig.

Kate Fox ist eine britis­che Anthro­polo­gin, die sich einem skur­rilen Inselvolk wid­met: Den Englän­dern. Sie analysiert das Volk mit dem Beschrei­bungsin­stru­men­tar ihres Fach­es und schafft es dabei, uns die Englän­der zunächst völ­lig zu ent­frem­den und sie uns dann wieder sehr nahe zu brin­gen. Man sollte das Buch keines­falls zu kurz vor ein­er Reise auf die Insel lesen – die daraus entste­hende Angst davor, all diese geheimnisvollen gesellschaftlichen Regeln zu brechen, kann in enormem Stress resul­tieren.

Warum ich “Watch­ing the Eng­lish” so fan­tastisch finde? Es ist wis­senschaftlich fundiert – aber nicht vollgestopft mit unver­ständlich­er Ter­mi­nolo­gie. Kate Fox erk­lärt genau, wie sie arbeit­et und warum sie es so tut. Es ist lebendig – zur Illus­ta­tion dienen oft mit­ge­hörte Gespräche oder selb­st gemachte Beobach­tun­gen, aber auch kleine Anek­doten. Es ist humor­voll – nicht zum Brüllen komisch, aber auf eine sehr feine, schmun­zel­nde Art humor­voll. Kate Fox nimmt ihre Arbeit ernst, kann aber auch wun­der­bar selb­stiro­nisch sein.

Das Buch beste­ht aus zwei Teilen, “Con­ver­sa­tion Codes” und “Behav­iour Codes”. Im ersten Teil geht es um sch­plock­rel­e­vantes, näm­lich Sprache und Kom­mu­nika­tion. Dabei kommt natür­lich das beliebte Wet­ter zur Sprache, aber es geht auch darum, wie ein Gespräch zwis­chen zwei Unbekan­nten ver­läuft, in welchem Ver­hält­nis Sprache und Klasse zueinan­der ste­hen und welche Beson­der­heit­en in einem Pub zu beobacht­en und -lauschen sind. Wusstet ihr zum Beispiel, dass man sich beim Ken­nen­ler­nen nie direkt mit Name und Beruf vorstellt? Der Name wird erst ganz am Schluss und ganz beiläu­fig genan­nt, den Beruf lässt man sein Gegenüber errat­en.

Der zweite Teil wid­met sich ver­schiede­nen Lebens­bere­ichen und ihnen eige­nen Ver­hal­tens­mustern. Es wird erk­lärt, warum my home my cas­tle ist, es geht um Arbeit, Freizeit, Klei­dung und vieles mehr. Auch die enorme Bedeu­tung des Schlange­bildens wird unter die Lupe genom­men: Englän­der stellen sich über­all an und hal­ten die Rei­hen­folge peni­bel ein. Selb­st wenn sie ganz alleine sind.

Alle “Regeln” arbeit­et Fox durch Beobach­tun­gen, Inter­views und auch kleine Exper­i­mente her­aus – sie bricht sie und analysiert die Reak­tio­nen darauf. Diese Regeln fügen sich nach­her zu etwas zusam­men, das sie “the Gram­mar of Eng­lish­ness” nen­nt, ein Regel­w­erk, das von eini­gen weni­gen Prinzip­i­en bes­timmt wird und alle Ver­hal­tens­muster auf ein gemein­sames Grund­muster zurück­führt.

Watch­ing the Eng­lish” gibt es – das The­ma legt es nahe – nur auf Englisch. Wer von Euch davon genug zum Bücher­lesen kann, dem sei es aller­wärm­stens ans Herz gelegt!

Hier noch eine der kleinen Regeln zum Rein­schnup­pern:

The Weath­er-as-fam­i­ly Rule

While we may spend much of our time moan­ing about our weath­er, for­eign­ers are not allowed to crit­i­cize it. In this respect, we treat the Eng­lish weath­er like a mem­ber of our fam­i­ly: one can com­plain about the behav­iour of one’s own chil­dren or par­ents, but any hint of cen­sure from an out­sider is unac­cept­able, and very bad man­ners.

Although we are aware of the rel­a­tive­ly undra­mat­ic nature of the Eng­lish weath­er – the lack of extreme tem­per­a­tures, mon­soons, tem­pests, tor­na­does and bliz­zards – we become extreme­ly touchy and defen­sive at any sug­ges­tion that our weath­er is there­fore infe­ri­or or unin­ter­est­ing. […] Indeed, the weath­er may be one of the few things about which the Eng­lish are still unself­con­scious­ly and unashamed­ly patri­ot­ic.

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