April, April (2013 Edition)

Da Aprilscherze am ersten April auch in Blogs nicht uner­wartet kom­men, gibt es im Sprachlog schon lange die Tra­di­tion, an diesem Tag vier schein­bare Aprilscherze zum The­ma „Sprache“ zu präsen­tieren, von denen drei aber tat­säch­lich die reine Wahrheit sind. So natür­lich auch dieses Jahr. Wer erken­nt den Aprilscherz unter diesen vier unglaub­würdi­gen Behaup­tun­gen? Um das Googeln zu erschw­eren, ver­rate ich die Namen der betr­e­f­fend­en Sprachen erst in der Auflö­sung, die mor­gen Nach­mit­tag erscheint. Und natür­lich wer­den Ihre Kom­mentare mit den Antworten bis dahin nicht freigeschal­tet!

  1. Nom­i­na­tiv, Dativ, Akkusativ und Gen­i­tiv — Deutschler­nen­den fall­en oft schon diese vier Fälle schw­er. Die Sprecher/innen ein­er Sprache in Aus­tralien kön­nen darüber nur müde lächeln: Sie haben gle­ich zwanzig ver­schiedene Fälle!
  2. Ver­gan­gen­heit, Gegen­wart, Zukun­ft — mehr braucht ein Tem­pussys­tem doch nun wirk­lich nicht, oder? Doch, find­en die Sprecher/innen ein­er Sprache in Afri­ka: Sie haben gle­ich fünf Ver­gan­gen­heits­for­men, eine Gegen­warts­form und fünf Zukun­fts­for­men!
  3. Sin­gu­lar und Plur­al — ein ele­gantes Numerus-Sys­tem, das völ­lig aus­re­icht, oder? Niemals, find­en die Sprecher/innen ein­er Sprache in Asien: Ihr Numerus-Sys­tem unter­schei­det zwölf ver­schiedene Numera!
  4. Maskulinum, Fem­i­ninum, Neu­trum — das reicht doch, um jedem Sub­stan­tiv ein Genus zu geben, oder? Nein, find­en die Sprecher/innen ein­er Sprache in Afri­ka: Sie teilen ihre Sub­stan­tive in ein­undzwanzig ver­schiedene Gen­era ein!
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Anatol Stefanowitsch

Über Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Er beschäftigt sich derzeit mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Sein aktuelles Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ ist 2018 im Dudenverlag erschienen.

10 Gedanken zu „April, April (2013 Edition)

  1. Stefan

    Ich tippe auf 3. 12 Numera scheint mir zu viel. Zumal viele Sprachen noch nicht ein­mal Zahlwörter haben. Den Rest halte ich für möglich.

  2. Sophia

    Etwas schlampig recherchiert…tippe ich auf 3.
    Num­mer 1 scheint mir (als Scherz) unwahrschein­lich, da — laut Wikipedia — schon das Finnis­che 15, das Wep­sis­che 24 Fälle ken­nt, also warum nicht 20 Fälle in ein­er aus­tralis­chen Sprache?
    Dass eine Sprache 5 Ver­gan­gen­heits­for­men haben kann, scheint mir auch real­is­tisch. Franzö­sisch ken­nt schon 4.
    Wenn ich es richtig gele­sen habe, gibt es in Ban­tu-Sprachen 19 Nom­i­nalk­lassen. Punkt 4 schei­det daher als Scherz aus.
    Bleibt…für mich Punkt 3 unter “April, April!” übrig.

  3. moonroot

    ich halte die Behaup­tung der 21 ver­schiede­nen Gen­era für den Scherz, der ger­ade in poli­tisch kor­rek­ten Gen­der-Zeit­en zu enor­men Ver­wick­lun­gen führen kön­nte.

  4. Philipp

    Falsch ist ganz klar Num­mer 3. Laut Wikipedia [1] suchen Sprachwissenschaftler_innen schon nach einem Quadral verge­blich. Selb­st, wenn man sich sich­er ist, daß es ihn gibt: Damit hat man die Numeri Sin­gu­lar, Dual, Tri­al, Quadral, Dis­trib­u­tiv, Par­al, Paukal und Plur­al. Das sind acht. Bis zu zwölfen ist da noch eine Menge Luft.

    Ad 1: Ich kenne mich zwar mit aus­tralis­chen Sprachen nicht aus, aber in Anbe­tra­cht von Bask­isch und Ungarisch finde ich 20 Fälle nicht so wirk­lich über­raschend.

    Ad 2: Je nach dem, wie man zählt, hat schon Englisch für jede der Zeit­stufen jew­eils mehr For­men. Damit wird das doch recht glaub­haft.

    Ad 4: Ger­ade in Bezug auf Afri­ka habe ich gehört, daß es da etwas Ähn­lich­es wie Gen­era geben soll, die man aber wegen Ihrer schieren Anzahl „Nom­i­nalk­lassen“ nen­nt. Speziell eine Anzahl zwis­chen 20 und 30 habe ich da in Erin­nerung. Paßt doch!

    [1] Habe ich vor Län­gerem schon­mal gele­sen. Also bitte nicht denken, ich suche jet­zt extra wegen des Rät­sels. 😉

  5. Kay Karpinsky

    Ganz ein­deutig die Num­mer 3, zu erken­nen an der zwar hüb­schen, aber doch eher sel­te­nen Neuschöp­fung “Numera”.

  6. NegatroN

    Ich tippe auf Num­mer 2. Das Ver­ständ­nis von Zeit ist kom­plex­er als die anderen genan­nten. Dass sich das in ein­er Sprache so aus­geprägt entwick­elt haben soll, fände ich verblüf­fend­er als sie anderen Vari­anten.

  7. Mathis

    (3) ist aus­gedacht: Laut englis­ch­er Wikipedia ist die ozeanis­che Sprache Sur­su­run­ga berühmt für ihr umfan­gre­ich­es Numerus-Sys­tem – mit fünf Numera.

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