Kandidaten für den Anglizismus 2013: Gamification

Heute eine kurze Diskus­sion eines erst­ma­lig (und ver­mut­lich ein­fach ein paar Jahre zu früh) nominierten Wortkan­di­dat­en für den Anglizis­mus des Jahres: Gam­i­fi­ca­tion, einem klas­sis­chen Fall eines Lehn­worts, das von ein­er Sprachge­mein­schaft gemein­sam mit der dazuge­höri­gen neuen Idee über­nom­men wurde.

Englische Vorgeschichte

Das Wort ist auch im Englis­chen noch sehr neu. Von den großen Wörter­büch­ern hat nur das Collins Dic­tio­nary einen Ein­trag für gam­i­fy in dem auch das abgeleit­ete Sub­stan­tiv gam­i­fi­ca­tion erwäh­nt wird. Definiert wird gam­i­fy als to adapt (a task) so that it takes on the form of a game („eine Auf­gabe so anpassen, dass sie die Form eines Spiels bekommt“). Die englis­che Wikipedia sieht den Pro­gram­mier­er Nick Pelling als Schöpfer des Wortes und ver­weist dabei auf dessen Blog, in dem er berichtet, den Begriff 2002 erfun­den zu haben. Allerd­ings gibt es aus dem Jahr 2002 auch einen Auf­satz des nieder­ländis­chen Philosophen Johan van Ben­them, in dem das Wort vorkommt. Wer es erfun­den hat, lässt sich also derzeit nicht mit Sicher­heit sagen – da es durch die pro­duk­tiv­en Suf­fixe -ify and -cation von dem Wort game abgeleit­et ist, ist das Wort aber auch nicht so außergewöhn­lich, dass es nicht mehrfach von ver­schiede­nen Sprecher/innen „erfun­den“ wor­den sein kön­nte. Bre­it­ere Ver­wen­dung fand die Meth­ode der gam­i­fi­ca­tion laut Wikipedia erst ab 2010, was auch zu den deutschen Ver­wen­dungs­dat­en passt.

Entlehnung ins Deutsche und weitere Entwicklung

Das Wort Gam­i­fi­ca­tionfind­et sich auch auf deutschen Web­seit­en vere­inzelt Anfang der 2000er Jahre, aber eine sub­stanzielle Steigerung lässt sich erst ab 2007, und sprung­haft ab 2010 beobacht­en. Form und Bedeu­tung des deutschen Lehn­worts sind iden­tisch mit der des englis­chen Orig­i­nals und als Sub­stan­tiv fügt sich das Wort auch völ­lig prob­lem­los in die Gram­matik des Deutschen ein.

Inter­es­sant sind zwei sprach­liche Alter­na­tiv­en, die die deutsche Wikipedia nen­nt: das halb eingedeutsche Gam­i­fizierung, bei der das englis­che Wort game mit dem „deutschen“ (bere­its deut­lich früher aus dem franzö­sis­chen entlehn­ten) Suf­fix -ier und dem deutschen Sub­stan­tivierungssuf­fix -ung kom­biniert wird, und das voll­ständig eingedeutschte Spielifzierung, bei dem auch der Wort­stamm game durch ein deutsches Wort erset­zt wird.

Hier die Häu­figkeit­sen­twick­lung der drei For­men auf deutschen Web­seit­en:

Die Entwicklung des Wortes Gamification und seiner Alternativen auf deutschsprachigen Webseiten

Die Entwick­lung des Wortes Gam­i­fi­ca­tion und sein­er Alter­na­tiv­en auf deutschsprachi­gen Web­seit­en

Die Dat­en zeigen, dass Gam­i­fi­ca­tion die häu­fig­ste Form ist, dass Gam­i­fizierung aber aufholt und Spieli­fizierung deut­lich abgeschla­gen ist. Meine Ver­mu­tung wäre, dass sich mit­tel­fristig Gam­i­fizierung durch­set­zt, weil diese Form auch nachvol­lziehbar mit dem Verb gam­i­fizieren in Verbindung ste­ht. Beson­ders häu­fig sind alle drei Vari­anten nicht, von ein­er Aus­bre­itung in den all­ge­meinen Sprachge­brauch kann kaum gesprochen wer­den.

Die Entwick­lung der Suchan­fra­gen für das Wort Gam­i­fi­ca­tion zeigt aber einen deut­lichen Anstieg seit 2011, der bis­lang im laufend­en Jahr seinen Höhep­unkt erre­icht. Das kön­nte zumin­d­est ein Hin­weis auf eine zukün­ftige Aus­bre­itung des Wortes sein.

Fazit

Gam­i­fi­ca­tion ist eigentlich ein solid­er, wenn auch sprach­lich wenig inspiri­eren­der Kan­di­dat für den Anglizis­mus des Jahres: Das Wort beste­ht aus englis­chem Sprach­ma­te­r­i­al und bere­ichert den deutschen Wortschatz an ein­er Stelle, an der eine neue Idee ein neues Wort braucht (Spieli­fizierung wird sich mein­er Ein­schätzung nach nicht durch­set­zen) Dieses Jahr dürfte das aber noch nichts wer­den, da das Wort nicht häu­fig genug ist.

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