Eine Sprache ohne Schimpfwörter

Der TAGESSPIEGEL hat ein neues Jugend­magazin namens „Schreiber­ling“, und inhaltlich entspricht das, was ich bish­er davon gese­hen habe, exakt dem, was der Name ver­muten lässt.

Heute mor­gen erfahre ich etwa zu mein­er Über­raschung, dass das Let­tis­che eine „Sprache ohne Schimpfwörter“ sei – eine 15-Jährige Schü­lerin, die ger­ade ein Aus­land­s­jahr in Let­t­land ver­bringt, gibt als Grund für die Wahl des Gast­landes unter anderem an: „ Let­t­land, weil sich keine Schimpfwörter im let­tis­chen Wortschatz find­en lassen, weil es eigentlich doch ziem­lich nah dran ist und wir trotz­dem kaum etwas drüber wis­sen“.

Ich will hier nicht auf 15-jähri­gen Schü­lerin­nen herumhack­en, vor allem nicht, wenn sie so mutig sind, ein Aus­land­s­jahr eben mal nicht in Eng­land, Aus­tralien oder den USA zu ver­brin­gen. Es würde mich tat­säch­lich inter­essieren, wie sie auf die Idee kommt, es könne tat­säch­lich eine solche schimpf­wort­freie Sprache geben.

Aber beim Tagesspiegel arbeit­en – das weiß ich aus per­sön­lich­er Erfahrung – Men­schen, die sich ganz her­vor­ra­gend mit Sprachen ausken­nen und denen klar sein dürfte, dass nur ein muļķis so eine Behaup­tung ungeprüft veröf­fentlichen würde, so ein richtiger stul­be­nis.

Viel Spaß bei der Suche nach weit­eren let­tis­chen Schimpfwörtern.

4 Gedanken zu „Eine Sprache ohne Schimpfwörter

  1. David

    Vielle­icht wer­den die genan­nten Wörter ja niemals als Belei­di­gun­gen ver­wen­det son­dern immer nur zur akku­rat­en Beschrei­bung der Wirk­lichkeit?

  2. Jess

    Vielle­icht sind Schimpfwörter dort stärker/anders tabuisiert und es gilt als inakzept­abel, ein­er jun­gen Schü­lerin (oder Let­tis­chler­nen­den im All­ge­meinen) welche beizubrin­gen, sodass man ihr gegenüber lieber behauptet, man kenne keine?
    Nur ein weit­er­er Vorschlag. Der obige gefällt mir aber noch bess­er.

  3. André Meinunger

    Ganz bald kommt unter der Leitung (Her­aus­ge­ber­schaft) von Ingke Gün­ther ein Buch zu Schimpfwörtern im Deutschen her­aus. Dazu habe ich ein ganz kurzes lin­guis­tisch ori­en­tiertes Kapi­tel beiges­teuert. Ich hat­te damals — also vor dem Ver­fassen des Beitrages — nicht so viel Ahnung von Schimpfwörtern und musste mir vieles erst ein­mal anle­sen. Dabei hat mir auch eine Mag­is­ter­ar­beit von Lau­re­ta Dom­inauskien (Uni Vil­nius) geholfen: Flüche und Schimpfwörter: die Kun­st des sprach­lichen Tabubruchs
    im Sprachver­gle­ich Deutsch, Litauisch. (Vielle­icht kann man die Arbeit immer noch im Netz find­en). Nun ist Litauisch nicht Let­tisch; aber keine Sprache ste­ht dem Let­tis­chen so nahe. Ich wäre ver­wun­dert…

  4. Pingback: Umleitung: | zoom

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .