Konventionalisierte Studierende

Nun sind, was gerechte Sprache ange­ht, die Uni­ver­sitäten natür­lich ein ver­gle­ich­sweise har­monis­ches Idyll — in offiziellen Doku­menten, auf Web­seit­en, in Rund­schreiben, E-Mails und Pro­tokollen wer­den fast auss­chließlich gerechte For­mulierun­gen ver­wen­det, die Mitarbeiter/innen wer­den ent­ge­gen landläu­figer Mei­n­ung dazu aber nicht verpflichtet (und auch nicht die Studieren­den) und eigentlich ist das alles sehr nor­mal und im täglichen Geschäft in bei­de Rich­tun­gen ziem­lich entspan­nt. Mir ist kein Fall bekan­nt, in dem vehe­ment auf der einen oder anderen Form bestanden wor­den wäre. Es ist eher so, dass geschlechterg­erechte Sprache im akademis­chen Umfeld mehr oder weniger der Nor­mal­fall ist.

Jet­zt ste­ht das Som­merse­mes­ter vor der Tür und an unser­er Uni­ver­sität hat in diesen Minuten die Kurszuteilung begonnen. Dazu hat die IT flink einen Hin­weis auf die Start­seite des Ver­wal­tungssys­tems geset­zt, dass das Sys­tem für einige Stun­den nicht erre­ich­bar sein wird:

CM_hinweis

Mir ist das deshalb aufge­fall­en, weil es in besagtem uni­ver­sitären Umfeld eher uner­wartet ist, das soge­nan­nte „gener­ische Maskulinum“ zu ver­wen­den. Auf der offiziellen Seite des Ver­wal­tungssys­tems wer­den näm­lich fast auss­chließlich gerechte For­men ver­wen­det (Lehrende, Dozierende, Studierende), ab und an find­et sich vielle­icht eine Mitar­beit­er. Was aber auf­fällt, ist, dass immer von Studieren­den die Rede ist.

Die Mis­chung von neu­traler Form (Studierende) und dem Maskulinum (Dozen­ten) in dem Screen­shot kön­nte ein Hin­weis darauf sein, dass Studierende mit­tler­weile weit ver­bre­it­et und kon­ven­tion­al­isiert ist (und es sich weniger, wie ver­mutet, um eine „jerechte Uffteilung“ oder „ein ver­bre­it­etes Übel“ han­delt). Es scheint fast, als falle es auch Men­schen, die gerechte Sprache nicht generell ver­wen­den, nicht mehr als markierte For­mulierung auf.

Vielle­icht kommt das bei der näch­sten tur­nus­mäßi­gen Bestel­lung von Brief­bö­gen, Vis­itenkarten und Hin­weiss­childern auch beim Stu­den­ten­werk Berlin an.

 

35 Gedanken zu „Konventionalisierte Studierende

  1. Lina

    Ich bin keine Sprach­wis­senschaft­lerin und ver­ste­he folge­den Satz nicht ganz: “Es scheint fast, als falle es auch Men­schen, die gerechte Sprache nicht generell ver­wen­den, nicht mehr als markierte For­mulierung auf.”
    Markiert als was? Bedeutet das, dass es dein­er Mei­n­ung nach nicht (mehr) als Bestandteil der gerecht­en Sprache wahrgenom­men wird? Oder das genaue Gegen­teil? Ich wäre dankbar, wenn du das noch mal erk­lären kön­ntest.

  2. Susanne Flach Beitragsautor

    @Lina: „markiert“ bedeutet soviel wie „Aus­nah­me­fall“, „nicht der Nor­mal­fall“, „non-default“. Hil­ft das?

  3. Lina

    Ja, das hil­ft, danke! Aber ich habe noch nicht ver­standen, wie das hier bew­ertet wird. Als etwas Pos­i­tives: Die For­mulierung hat sich weit­ge­hend durchge­set­zt? Oder als etwas Neg­a­tives: dass sie ihre Beson­der­heit, näm­lich den gerechteren Charak­ter, ver­loren hat?

    Ich frage vor allem, weil mir das Phänomen schon in anderem Zusam­men­hang aufge­fall­en war. Ich habe den Ein­druck gewon­nen, dass “Studierende” mit­tler­weile als männlich wahrgenom­men wird, so dass man wieder extra dazu sagen muss, wenn man (auch) weib­liche Studierende meint. In Extrem­fällen (sich­er nicht die Regel) führt das dann zu der For­mulierung “Studierende und Stu­dentin­nen”, wie ich es hier gefun­den habe: http://lhg-marburg.de/category/unsere-positionen/

  4. Kristin Kopf

    @Lina: Inter­es­sante Beobach­tung! Ich bemerke dage­gen immer mal wieder Fälle wie diesen:

    (Quelle)
    Das spricht auch dafür, dass Studierende/r als sprach­lich­er Nor­mal­fall wahrgenom­men und entsprechend auch im Sin­gu­lar benutzt wird (statt dann Student/in), also wie Angestellte/r etc.

  5. Susanne Flach Beitragsautor

    @Lina: die Bew­er­tung habe ich bewusst offen gelassen. Denn in der Tat gibt es zwei Per­spek­tiv­en darauf: die eine, dass sich die For­mulierung tat­säch­lich durchge­set­zt hat (ent­ge­gen vie­len kri­tis­chen Stim­men unter­schiedlich­ster Moti­va­tion). In der anderen Sicht kann es auch bedeuten, dass die Gefahr, Studierende als männlich wahrzunehmen möglicher­weise real ist. Die Beobach­tung ist span­nend.

  6. Susanne Flach Beitragsautor

    @Ali Baba: bei Cam­pus Man­age­ment Web Anwen­dung? Ich denke, das ist Aus­druck der Ten­denz, lange Kom­posi­ta auseinan­der zu schreiben. Und ver­mut­lich die Tat­sache, dass in der IT für schnelle, vergängliche Hin­weis­box­en sin­niger­weise kein kon­ser­v­a­tiv-redigieren­des Lek­torat bemüht wird. Oder dass Cam­pus Man­age­ment Web Anwen­dung als Eigen­name wahrgenom­men wird, den man intern immer so schreibt.

  7. Klaas

    Ich glaube, dass die IT-ler mit der Ver­wen­dung der männlichen Form bewusst darauf hin­weisen möcht­en, dass Frauen nach wie vor im Lehrkör­p­er unter­repräsen­tiert sind.

  8. Ali Baba

    @Susanne Ist ein Kom­posi­tum denn noch eines, wenn man es „auseinan­der“ schreibt?

  9. Susanne Flach Beitragsautor

    @Ali Baba: na klar. Die Tat­sache, dass wir im deutschen eine orthografis­che Kon­ven­tion haben, ist gegenüber den Kri­te­rien der seman­tis­chen Ein­heit, der mor­phol­o­gis­chen Eigen­schaften (der „Kopf“ des Kom­posi­tums ist ja trotz­dem Anwen­dung, da er die Genus- und Numerus­in­for­ma­tio­nen der Ein­heit trägt) und dem syn­tak­tis­chen Ver­hal­ten min­destens nur vier­trangig.

  10. Daniel

    Ich glaube ja eher, der Web­mas­terin ist die männliche Form nicht als solche aufge­fall­en, ein sim­pler Flüchtigkeits­fehler; warum son­st sollte sie son­st ein­mal die eine und dann gle­ich die andere Form gebrauchen?

    [SF: Siehe die Ver­mu­tung in meinem Beitrag.]

    Inter­es­san­ter­weise ist das zwar die häu­fig­ste, nor­male Form, allerd­ings nicht die bevorzugte. http://www.univativ.de/site/kompakt/unicensus-kompakt-2
    Nicht ein­mal Stu­dentin­nen kön­nen sich mehrheitlich dafür begeis­tern, als Studierende beze­ich­net zu wer­den.

    [SF: Die Studie, die hier ver­linkt wird, sollte auch richtig inter­pretiert wer­den: denn entschei­dend ist weniger, ob Stu­dentin­nen sich „mehrheitlich“, also in mehr als 50%, für eine Form begeis­tern kön­nen, son­dern ob sie das häu­figer tun, als Stu­den­ten — und das tun sie. Das, sowie die Tat­sache, dass es Stu­dentin­nen weniger „egal“ ist, welche Form ver­wen­det wird, als Stu­den­ten, deutet dur­chaus auf eine gefühlte Ungle­ich­be­hand­lung hin.]

  11. Klaas

    @Susanne: Zumin­d­est wäre das meine Ausrede, wenn mir so etwas passieren würde 😛

  12. Lina

    @Kristin Kopf: Das ist auch sehr inter­ssant! “Lieber Studieren­der, liebe Studierende” gefällt mir — weniger aus ästhetis­chen als aus “strate­gis­chen” Grün­den: Wenn das als Sin­gu­lar ver­wen­det wird, wird das automa­tisch dazu führen, dass im Plur­al auf jeden Fall immer alle eingeschlossen sind, ohne dass man darüber erst lange nach­denken muss.

  13. Cologne

    Schon ulkig, dass, wer sich so detail­liert mit „gerechter“ Sprache befasst, gle­ichzeit­ig so eng­stirnig sein kann, wesentliche Rechtschreibprinzip­i­en als besten­falls vier­trangig abzu­tun. „Cam­pus Man­age­ment Web Anwen­dung“ ist wed­er Eigen­name noch Kom­posi­tum und ganz gewiss kein Aus­druck von irgend­was anderem als schlicht fehlen­der Schreib-Lese-Kom­pe­tenz. Da gibt’s nichts schönzuschwallen.

  14. Red Baron

    Habt Ihr keine anderen Sor­gen? Zu mein­er Zeit hat sich nie­mand auch nicht die ver­gle­ich­sweise zahlre­ichen Stu­den­tentin­nen an der Evan­ge­lis­chen Stu­den­tenge­meinde gestört. Nun lese ich das Sprach­mon­ster Evan­ge­lis­che Studieren­denge­meinde. Crazy!

  15. Susanne Flach Beitragsautor

    @hm: selt­samer, möglicher­weise extremer, aber prob­lema­tis­ch­er Einzelfall. Der ver­link­te Artikel in der Kleinen Zeitung ist aber auch sehr, sehr wider­sprüch­lich (Rek­tor bestätigt Beschluss, rügt aber Kol­le­gen). Klingt fern­er eher nach schlechter Recherche bzw. lieblosem Zusam­mengeschreib­sel (auf SPON- & Kleine-Zeitung-Seite). Auf der Seite des Insti­tuts sind keine Prü­fung­sor­d­nun­gen zu find­en, um das wirk­lich nachzuprüfen.

  16. Susanne Flach Beitragsautor

    Schon ulkig, dass, wer sich so detail­liert mit arbi­trär­er Orthografie befasst, gle­ichzeit­ig so eng­stirnig sein kann, wesentliche Gerechtigkeit­sprinzip­i­en als besten­falls vier­trangig abzu­tun. „Stu­dent“ ist wed­er gerecht noch inklu­siv und ganz gewiss kein Aus­druck von irgend­was anderem als schlicht fehlen­der Sozialkom­pe­tenz. Da gibt’s nichts schönzuschwallen.“

    Sie sehen den Knick in Ihrer Logik?

  17. flux

    @ Red Baron: Sie wollen doch in diesem Forum nicht wirk­lich mit dem Argu­ment “Zu mein­er Zeit…” aufwarten? Wann war / ist denn “Ihre Zeit” ? Sie leben doch noch, oder?
    Erstens: Früher war nicht alles bess­er!
    Zweit­ens: Was genau ist an dem Wort “Studieren­denge­meinde” so mon­strös?
    Es ist genau um 3 Buch­staben länger als “Stu­den­tenge­meinde”
    Das sollte die deutsche Sprache doch verkraften kön­nen.

  18. Red Baron

    Wenn Sie meinen. Die deutsche Sprache musste schon viel verkraften und wird an den modis­chen Studieren­den wegen dreier Buch­staben nicht über­mäßig lei­den. Was mein Leben bet­rifft, so muss ich in der Tat nicht mehr so lange.

  19. David

    ‘Cam­pus Man­age­ment Web Anwen­dung’ ist wed­er Eigen­name noch Kom­posi­tum”

    Ein Eigen­name dürfte es tat­säch­lich nicht sein, da “alle” davor ste­ht. Was ein Kom­posi­tum ist, wis­sen Sie ver­mut­lich gar nicht?

  20. Statistiker

    @Red Baron: Haben Sie kein andeen Sor­gen?

    [gekürzt, bitte sach­lich beim The­ma bleiben :), SF]

    Och ja, und “Die deutsche Sprache musste schon viel verkraften” Nö.

  21. Susanne Flach Beitragsautor

    In der Tat, Eigen­name fällt zumin­d­est fürs ganze Kom­posi­tum raus. Cam­pus­Man­age­ment ist hinge­gen ein­er, aber das hat ne Bin­nen­ma­juskel und böse.

  22. Daniel

    [gekürzt, SF]

    Natür­lich sind die Richtlin­ien und Leit­faden dort zu find­en: http://www.fh-vie.ac.at/Die-FH/Gender-Mainstreaming-Diversity-Management

    http://www.fh-vie.ac.at/Studium

    [SF: Das ist kein Link auf eine Prü­fung­sor­d­nung, son­dern auf Seit­en, die Links zu Leit­fä­den enthal­ten. Aber Leit­fä­den sind keine rechtsverbindlichen Kri­te­rien.]

    Wenn Sie den Jour­nal­is­ten schlechte Recherche vor­w­er­fen, soll­ten Sie es doch bess­er machen.

    [SF: Das ist richtig. Allerd­ings habe ich das — und die Diskus­sion um die Bew­er­tungs­grund­la­gen für Bach­e­lo­rar­beit­en, die ich hier kom­men­tiere, dürfte zeigen, dass die Beurteilung der jour­nal­is­tis­chen Arbeit als bestens­falls schlu­drig schon berechtigt ist: 10% der Bew­er­tung ent­fall­en auf For­malia, aber da fällt halt auch ein ganz­er Berg an For­malia drunter. Die Mel­dung, für die nicht-Ver­wen­dung von gerechter Sprache kön­nten 10% abge­zo­gen wer­den, ste­ht so schlicht nicht drin und der­ar­tige Mel­dun­gen sind irreführend.]

    PS: Die Schule bestraft u.a. nicht 100%ig per­fek­te Gram­matik und “Rechtss­chrei­bung” mit Punk­tabzug, ist aber in bei­dem nicht fehler­frei.

    [SF: Tja.]

  23. Ospero

    Ist diesem Artikel eine Ein­leitung abhan­den gekom­men? Oder gab es hierzu irgend­wo einen ersten Teil, den ich ver­passt habe? Der erste Satz liest sich so, als würde etwas fort­ge­set­zt.

  24. Mycroft

    Kann es sein, dass es beim Stu­di­en­gang des Ein­gangs­beispiels keine Dozentin­nen gibt?

    [SF: bei über 2.200 Per­so­n­en, die an der Freien Uni­ver­sität in der Lehre tätig sind, ist das hof­fentlich unwahrschein­lich.]

    […]

    Mal neben­bei, wenn geschlechterneu­trale Sprache nicht verbindlich ist, kann das nicht abgemah­nt wer­den.

    [SF: Naja, wenn gerechte Sprache, wie hier, unter „For­malia“ fällt, ist es ver­mut­lich genau­so eine Ein­schätzungs- und Gewich­tungssache, wie die Tat­sache, ob jemand ein kon­ven­tionelles Num­merierungssys­tem in seinem/ihrem Textver­ar­beitung­spro­gramm gewählt hat oder ob mir sein/ihr Stil gefällt.]

  25. Daniel

    Guten Tag Frau Flach

    Gibt es ein prinzip­ielles Prob­lem mit der Freis­chal­tung mein­er Posts? Bei­de waren zum The­ma und keineswegs “daneben”. Zum ersten: Das ist halt das Ergeb­nis ein­er Umfrage. Das es Ihnen nicht gefällt, ist mir schon klar. Wenn Sie gegen­teilige Dat­en haben, lerne ich sie gern ken­nen.

    Zum zweit­en: Bei allem Respekt, aber diese Kri­tik haben Sie sich ver­di­ent. Ihr Kom­men­tar zu den bei­den Zeitungsar­tikeln war rüde und wenig fundiert; dass Sie die Prü­fung­sor­d­nung nicht gefun­den haben, zeigt, dass Sie sel­ber schlecht recher­chiert haben. Kein Bein­bruch, ich sel­ber mache es ja auch nicht immer bess­er.

    So viel Kri­tik sollte einem Blog, dem Gen­deris­mus und Ihnen sel­ber zuzu­muten sein, finde ich.

    Mit besten Grüssen

    Daniel

    [SF: Ich habe diesen Ihren Kom­men­tar jet­zt mal in Gänze freigeschal­tet. Das prinzip­ielle Prob­lem ist, dass ich auch am Woch­enende 12–14 Stun­den Semes­ter­vor­bere­itung, Fachauf­sätze und Ver­wal­tungsauf­gaben zu bewälti­gen habe — und Ihre Kom­mentare und Ein­schätzun­gen fundiert kom­men­tieren wollte. Ob Sie DAS jet­zt auch als „rüde“ bew­erten möcht­en, über­lasse ich Ihnen.]

  26. Susanne Flach Beitragsautor

    @hm & alle: Danke fürs raus­suchen! Ob ich das alles so „ein­deutig“ find­en soll, weiß ich nicht. Der Punkt ist unter „For­malia“ abge­han­delt und der umfasst neben gerechter Sprache eben halt auch Rechtschrei­bung (inkl. Grammatik/Interpunktion), Schreib­stil, For­matierung, Dinge wie Deck­blatt oder Inhaltsverze­ich­nis und Aspek­te der Zitier­weise und des Lit­er­aturverze­ich­niss­es. Das sind — mit Aus­nahme von gerechter Sprache — alles Dinge, bei deren grober Nichtein­hal­tung ich Hausar­beit­en zur Über­ar­beitung zurück­gebe und meines Wis­sens ist es weit ver­bre­it­et, diese Dinge mit Punk­tabzug zu „bestrafen“.

    Jet­zt frag ich mich, wie sehr ins Gewicht dann auch medi­al die Aufre­gung unter gerechte Sprache fall­en soll, wenn es ein Aspekt unter vie­len für 10% der Gesamt­punk­tzahl sein soll.

  27. Pingback: Umleitung: von der BRÜLLBUCHSTABENZEITUNG über viele Nebenwege zu den Gehältern der Funke-Manager | zoom

  28. hm

    Mit den 10% haben die Artikel ver­mut­lich über­trieben.

    In der Prü­fung­sor­d­nung wird auf die Richtlin­ien ver­wiesen. Für mich klingt das verbindlich.

    Ob 10% oder 1% der Gesamt­punk­tzahl ist eigentlich egal, von den Stu­den­ten wird ver­langt, daß sie gen­derg­erechte Sprache ver­wen­den, anson­sten wer­den sie schlechter bew­ertet. Ich würde das unter Zwang ein­stufen. Zumin­d­est auf die gle­iche Weise, auf die sie gezwun­gen wer­den, sich an die son­sti­gen For­malia zu hal­ten.

    Und so ist es, denke ich, ein Gegen­beispiel zur Aus­sage, daß keine Stu­den­ten gezwun­gen wer­den, gen­derg­erecht zu schreiben.

  29. Susanne Flach Beitragsautor

    @hm: ich würde (oder habe) nicht bestre­it­en (bestrit­ten), dass es ein Gegen­beispiel ist. Aber erstens halte ich es für irreführend hochgekocht und auf gerechte Sprache reduziert (über die absurde Losung „100%ig per­fek­te Rechtschrei­bung“ stolpert beze­ich­nen­der­weise wed­er die Debat­te noch ein/e Journalist/in). Aber ich habe hier auch gesagt, dass ich den Zwang zumin­d­est für prob­lema­tisch halte (das ging jet­zt in der Diskus­sion etwas unter).

    Je länger ich drüber nach­denke, desto unwohler wird mir dabei, den Zwang aber grund­sät­zlich als prob­lema­tisch einzustufen — wenn man sich verge­gen­wär­tigt, wie Sie ja auch sagen, wozu Studierende son­st noch „gezwun­gen“ wer­den. Da bin ich fast geneigt, zu behaupten, dass ich den „Zwang“ zum Nach­denken über Gerechtigkeit und Inklu­sion für min­destens gle­ich legit­im erachte, wie den „Zwang“ zur Ein­hal­tung der Vor­gaben bei For­matierun­gen und Kon­ven­tio­nen des wis­senschaftlichen Ziti­er- und Bib­li­ografi­estilen (von arbi­trär­er Rechtschrei­bung ganz zu schweigen). Und Studierende kön­nen ja auf die For­mulierungsvor­gaben verzicht­en, genau­so wie sie auf Zitierkon­ven­tio­nen verzicht­en kön­nten (sie müssen dann halt mit den Kon­se­quen­zen leben). Wenn let­zteres für die Bew­er­tung der akademis­chen Reife eines Men­schen wirk­lich gän­zlich unwider­sprochen als aus­sagekräftiger wahrgenom­men wird, soll­ten wir dem­nächst etwas stärk­er über die Aus­sagekraft arbi­trär­er Nor­men disku­tieren. (Nicht falsch ver­ste­hen, ich beste­he auf der Ein­hal­tung bib­li­ografis­ch­er Kon­ven­tio­nen und ziehe dur­chaus neg­a­tiv in Betra­cht, wenn ein­er Arbeit etwa Inhaltsverze­ich­nis, Über­schriften oder Kapitel­num­merierun­gen fehlen.)

  30. hm

    Ein poli­tis­ches Ziel mit Hil­fe ein­er Prü­fung­sor­d­nung durch­set­zen zu wollen, halte ich für dur­chaus für prob­lema­tisch.

    Wenn Sie eine gen­derg­erechte Sprache zum Bew­er­tungskri­teri­um machen, kommt jemand anderes und ver­langt die Abwe­sen­heit von Anglizis­men (wie heißt dieser lustige Vere­in? Naja, Sie wis­sen schon, wen ich meine.).

    Und wenn Sie eine gen­derg­erechte Sprache ver­lan­gen, wäre es dann auch ok, wenn Profx Horn­schei­dt ver­langt, daß geschlecht­sneu­trale For­mulierun­gen mit x ver­wen­det wer­den?

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