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Gähnende Leere

Echolot­ta hat kür­zlich bei Twit­ter gefragt:

Und weil mir keine philosophisch-amüsante Randbe­merkung von max­i­mal 130 Zeichen einge­fall­en ist1, habe ich beschlossen, die Frage hier in epis­ch­er Länge und wörtlich anzuge­hen.

Gäh­nende Leere auf ein­er anony­men Baustelle irgend­wo in Deutsch­land.

Bei der gäh­nen­den Leere liegt eine feste Verbindung zweier Wörter vor. Sie tritt in Sätzen wie es herrschte gäh­nende Leere auf und drückt dann aus, dass nichts oder nie­mand anwe­send oder vorhan­den ist (s. rechts).

Wie fest diese Verbindung eigentlich ist, lässt sich nicht nur intu­itiv fest­stellen, son­dern auch empirisch über­prüfen. Dazu macht man eine soge­nan­nte »Kol­loka­tion­s­analyse«, man schaut nach, welche Wörter in ein­er großen Textsamm­lung beson­ders häu­fig miteinan­der auftreten. Das geht zum Beispiel recht kom­fort­a­bel über das DWDS.

Da erfährt man dann, dass gäh­nend das Adjek­tiv ist, das Leere in den aller­meis­ten Fällen mod­i­fiziert (danach fol­gt erst mit großem Abstand die innere Leere) – und dass auch umgekehrt Leere das Sub­stan­tiv ist, das am öftesten von gäh­nend begleit­et wird (danach fol­gt mit noch größerem Abstand die Langeweile):2

Kol­loka­tio­nen von Leere (links) und gäh­nend (rechts) ab ein­er Min­dest­fre­quenz von 5. Dat­en: DWDS Wort­pro­fil 2012, Zeitraum 1900–1999.

Aber warum?

Dass diese bei­den Wörter etwas miteinan­der haben, lässt sich also nicht nur fühlen, son­dern auch zeigen. Nun stellt sich aber die Frage, warum es hier eine der­art enge Verbindung gibt. Weit­er­lesen

  1. Ja, ich weiß, 140, aber @Echolotta kostet auch schon 10 … []
  2. Hier Leere eingeben und im Kas­ten »Wort­pro­fil 2012« nach­schauen, da als Wor­tart »Sub­stan­tiv« wählen (linkes Dia­gramm) bzw. gäh­nend eingeben und »ist Adjek­ti­vat­trib­ut von« wählen (recht­es Dia­gramm). Eine Erk­lärung des Wort­pro­fils gibt es hier. Was meine Suche natür­lich nicht abdeckt, sind ver­bale For­mulierun­gen wie die Leere gäh­nt bedrohlich, denn dort gäh­nt bere­its der Schlund o.ä. []