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Noch mehr Tassen im Schrank

Kom­men­ta­tor Lukas hat mich darauf aufmerk­sam gemacht, dass man in Öster­re­ich auch den Begriff Häferl für ‘Tasse/Becher’ ken­nt. Dialek­tale Vari­a­tion ist natür­lich nichts ungewöhn­lich­es — und ver­mut­lich sind die kul­turellen und lexikalis­chen Unter­schiede bei so etwas pro­fanem wie Trinkge­fäßen noch deut­lich aus­geprägter, als wir glauben wollen.

Inter­es­sant sind die Ergeb­nisse ein­er Bilder­suche nach ‘Häferl’. Offen­bar beze­ich­net Häferl neben einem Kaf­fee­bech­er oder ein­er Tee­tasse auch ein Gefäß mit Aus­guss. Aber es macht deut­lich: wir kön­nen nicht sagen, wo Häferl aufhört und wo ein karaf­fenähn­lich­es Gefäß anfängt oder ob Häferl typ­is­cher­weise bei­de Gegen­stände ein­schließt. (Liebe Öster­re­ich­er, wir sind vielle­icht lin­guis­tisch ver­wandt, und bei Tassen hört’s ver­mut­lich schon auf. Verzei­ht mir meine absolute Nichtken­nt­nis des (?) Häferls.)

Vor allem von Fre­un­den aus dem Ruhrpott kenne ich noch den Pott. Woran denkt ihr, wenn ihr Pott hört? An ein Hil­f­s­mit­tel zur Auf­nahme von Kaf­fee oder an eines, diesen wieder abzuführen? An den DFB-Pokal (“Wir holen den Pott!”), aber bes­timmt nicht an den WM-Pokal?

Paul Potts ist keine pro­to­typ­is­che Tasse.

Meine Tasse hat keinen Henkel und heißt Becher

Wenn jemand sagen würde: “Zeichne ein Möbel­stück!”, wie groß ist die Wahrschein­lichkeit, dass ich ikonisch ein Bett oder einen Stuhl zeichne und nicht einen Spiegel oder ein Side­board? Und warum denkt man bei Stuhl eher an einen Stuhl in der Küche und nicht an einen Stuhl in der Zah­narzt­prax­is? Abge­se­hen von biol­o­gis­chem Experten­wis­sen — ist der watschel­nde Pin­guin wirk­lich eher ein Vogel, als die flugfähige Fle­d­er­maus? Und wer kann genau sagen, wo die Gren­ze zwis­chen Blau und Lila ist? Wenn ein Kind einen Hund sieht, wird es ver­mut­lich wed­er rufen “Schau mal, ein Tier” noch “Schau mal ein Pekinese!”

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