Pfui, darüber spricht man nicht!

Von Anatol Stefanowitsch

Nach­dem der Stad­trat von New York in der let­zten Woche im Kampf gegen den Ras­sis­mus das Wort Nig­ger ver­boten hat, ver­bi­etet das Innen­min­is­teri­um der USA den Mitar­beit­ern des Unit­ed States Fish and Wildlife Ser­vice im Kampf gegen die Erder­wär­mung das Wort Polar Bear (Eis­bär). Ein internes Memo, das derzeit durch die amerikanis­che Presse geht, weist die Wild­hüter an:

Ihnen wird hier­mit mit­geteilt, dass allen Anträ­gen auf Aus­land­sreisen und allen zukün­fti­gen Reiseanträ­gen, die tat­säch­lich oder poten­ziell etwas mit Kli­mawan­del, Treibeis und/oder Eis­bären zu tun haben, ein Mem­o­ran­dum des Region­alleit­ers oder des Leit­ers beiliegen muss, in dem deut­lich gemacht wird, wer während dieser Reise offizieller Sprech­er in Bezug auf diese Fra­gen, ins­beson­dere auf Eis­bären, sein wird, ein­schließlich ein­er Ver­sicherung, dass diese Per­son die Ein­stel­lung der Regierung zu diesen Fra­gen kennt.

Hin­ter­grund ist die möglicher­weise bevorste­hende Auf­nahme des Eis­bären auf die Liste der bedro­ht­en Tier­arten, die es der US-amerikanis­chen Regierung ver­bi­eten würde, Dinge zu tun, die die Exis­tenz dieser Spezies bedro­hen kön­nten — also zum Beispiel weit­er­hin mas­siv zur Erder­wär­mung beizusteuern.

Also reden wir nicht mehr über Eis­bären — vielle­icht ver­schwinden sie ja dann von ganz alleine.

(via Lan­guage Log)

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Über Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Er beschäftigt sich derzeit mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Sein aktuelles Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ ist 2018 im Dudenverlag erschienen.

Ein Gedanke zu „Pfui, darüber spricht man nicht!

  1. NvonX

    So kann man natür­lich auch mit der Prob­lematik fer­tig wer­den. Nun müssen wohl auch alle Exem­plare von „Lars der Eis­bär“ aus den amerikanis­chen Kindergärten ent­fer­nt werden…

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