Sprachlicher Schlussverkauf bei Maischberger

Puh, was für eine Diskus­sion­srunde, und was für eine Diskus­sion. Wer sie nicht gese­hen hat, für den fasst die Berlin­er Mor­gen­post die High­lights Höhep­unk­te zusam­men. Schade, dass da min­destens drei völ­lig unter­schiedliche The­men, die jedes für sich sehr inter­es­sant gewe­sen wären, miteinan­der konkur­ri­eren mussten: die Frage, ob deutsche Lit­er­atur, Lyrik und Pop­musik einen aus­re­ichend großen Stel­len­wert im Bil­dungssys­tem und in den Medi­en spie­len, die Frage, ob der Sta­tus des Deutschen im Grundge­setz ver­ankert wer­den sollte und was für Kon­se­quen­zen das hätte, und die Frage, welche sin­nvolle Rolle die englis­che Sprache in Deutsch­land spie­len kön­nte. Schade auch, dass der Mod­er­a­tor immer wieder ver­sucht hat, das The­ma auf „Anglizis­men“ zu brin­gen, über die zu reden eigentlich nie­mand so recht Lust hat­te. Schade schließlich auch, dass in der Runde kaum Sachkom­pe­tenz für das The­ma „Sprache“ vorhan­den war. Mar­cel Reich-Ran­ic­ki hat das an ein­er Stelle tre­f­fend the­ma­tisiert:

MRR: Der Deutschunter­richt an den Schulen, DAS ist ein ern­stes Prob­lem. Hier ist natür­lich nehme ich an — nun, das haben Sie bes­TIMMT so gemacht — kein Lehrer, kein Repräsen­tant der Schule anwe­send. Das Gespäch hat k–

Lojew­s­ki: Ja, ja dann wären wir ein­er schon wieder mehr gewe­sen.

MRR: Ja, dann, ja, ja, ja, we– ICH bin vielle­icht über­flüs­sig. Statt mein­er ein Lehrer und die Diskus­sion wäre viel bess­er im Niveau.

Lojew­s­ki: Sie wollen MICH raushaben, das weiß ich.

Ich habe keine Zeit, alle ange­sproch­enen The­men in angemessen­er Weise aufzuar­beit­en, werde aber ver­suchen, zum Ende der Woche etwas über den Kom­plex „Sprache und Grundge­setz“ zu schreiben, den Markus Söder und Hans-Chris­t­ian Strö­bele disku­tiert haben und der derzeit auch durch die Presse geht.

Ich möchte hier aber kurz über ein Missver­ständ­nis reden, dass in der „Denglisch“-Debatte immer wieder auf­taucht und dass auch in der Sendung gestern deut­lich wurde: die Idee, dass englis­che Lehn­wörter zu Ver­ständ­niss­chwierigkeit­en bei den­jeni­gen führen, die kein Englisch kön­nen. Diese Behaup­tung wird nor­maler­weise — wie auch in der Sendung — dadurch belegt, dass nicht­sah­nende Rent­ner auf der Straße mit der Frage über­fall­en wer­den, ob sie wüssten, was Fla­trate, Call-a-Bike-Sta­tion oder Cof­fee To Go bedeuten. Es wer­den dann natür­lich nur die gezeigt, die es nicht wis­sen.

Die Ver­ständ­niss­chwierigkeit­en sind natür­lich real, aber dass sie etwas mit englis­chen Lehn­wörtern zu tun haben, ist kom­plet­ter Unfug. Um ein Wort zu ver­ste­hen, muss man eine Vorstel­lung (eine men­tale Repräsen­ta­tion) vom dem haben, was mit ihm beze­ich­net wird (in der Sprach­wis­senschaft nen­nt man das Beze­ich­nete „Sig­nifikat“, „Deno­tat“ oder „Ref­er­ent“). Und bei den medi­al über­fal­l­enen Rent­nern hapert es an der Ken­nt­nis der Sig­nifikats. Wer nicht weiß, dass die Deutsche Bahn Far­räder ver­lei­ht (ich wusste es bis gestern abend auch nicht), dem hil­ft auch eine Ein­deutschung wie „Bestell-dir-ein-Rad“-Station nicht viel weit­er. Selb­st ein trans­par­entes Kom­posi­tum wie Fahrrad­ver­leih wäre sehr aus­sageschwach, da man eben nicht wüsste, wer hier an wen, und zu welchen Bedin­gun­gen, Fahrräder ver­lei­ht. Wer nicht weiß, dass Telekom­mu­nika­tion­san­bi­eter heutzu­tage Pauschal­preise anbi­eten, dem sagt auch das trans­par­ente Kom­posi­tum Pauschal­preis nicht viel weit­er als der „Anglizis­mus“ Fla­trate.

Um nicht missver­standen zu wer­den: ich finde „Call-a-Bike“ als Beze­ich­nung für einen Fahrrad­ver­leih völ­lig miss­glückt und das Wort Fla­trate ist ohne Zweifel über­flüs­sig. Aber die Ver­ständ­niss­chwierigkeit­en der Senioren kann man nicht der Tat­sache anlas­ten, dass hier englis­ches Sprach­ma­te­r­i­al ver­wen­det wird. Man kön­nte die sel­ben Rent­ner mit schö­nen deutschen Wörtern wie Arbeitsspe­ich­er, Fall­rückzieher oder Spielthe­o­rie kon­fron­tieren — sie wür­den trotz­dem nur Bahn­hof ver­ste­hen.

A pro­pos Bahn­hof — ich frage mich schon lange, warum aus­gerech­net die Bahn, ein Trans­portun­ternehmen, das in ein inter­na­tionales Verkehrsnetz einge­bun­den ist und jede Menge inter­na­tionaler Gäste trans­portiert, eins der Hauptziele der Sprach­wahrer ist. Wer schon ein­mal in einem Land mit ein­er völ­lig frem­den Sprache — Korea, zum Beispiel, oder Finn­land — unter­wegs war, der wird mir bestäti­gen, wie dankbar man für englis­che Sprach­schnipsel ist, die einem wenig­stens eine all­ge­meine Ori­en­tierung ermöglichen.

Aber ich habe schon den Fehler gemacht, den Lojew­skis Gäste weit­ge­hend ver­mieden haben — ich habe mich in eine „Denglisch“-Debatte hineinziehen lassen. Der großar­tige Mar­cel Reich-Ran­ic­ki hat es gestern tre­f­fendst aus­ge­drückt:

[Anglizis­men sind] eine Mode, die spielt gar keine Rolle, und sich deshalb aufzure­gen hat nur einen — unter einem Umstand einen Sinn, näm­lich, wenn Sie ein anderes The­ma für heute abend nicht gefun­den haben. Dann kann man sich darüber aufre­gen, aber das ist vol­lkom­men über­flüs­sig. … Ich bin mit dem gegen­wär­ti­gen Zus­tand über­haupt nicht zufrieden. Ich bin gar nicht glück­lich, aber mir miss­fällt arg, wenn man hys­ter­ische Panik noch dazu macht. Diese Hys­terie ist völ­lig über­flüs­sig. Die deutsche Sprache wird nicht unterge­hen. … Es ist kein schön­er Zus­tand, dieses ewige Fan und, und, und OK und der­gle­ichen, all diese Aus­drücke, die in allen Artikeln wieder­holt wer­den. Inter­es­sant, es sind diesel­ben Vok­a­beln, die als Beispiele ange­führt wer­den. Ich hab den Ein­druck, es sind gar nicht so viele englis­che Vok­a­beln. Immer wieder diesel­ben, denn die Autoren von Artikeln schreiben voneinan­der ab, glaube ich. Die Artikel sind ziem­lich lang­weilig.

Right on, Mar­cel!

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Anatol Stefanowitsch

Über Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Er beschäftigt sich derzeit mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Sein aktuelles Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ ist 2018 im Dudenverlag erschienen.

14 Gedanken zu „Sprachlicher Schlussverkauf bei Maischberger

  1. Cornelius Puschmann

    Sprache wird eben gemein­hin als aus­ge­sprochen frag­iles und schützenswertes Kul­turgut, nicht als ein sich kon­tinuier­lich, aber doch rel­a­tiv langsam verän­dern­des Kom­mu­nika­tion­ssys­tem mit ganz prak­tis­chem Zweck betra­chtet. Und an “Ver­fall” im Gegen­satz zu “Entwick­lung” zu glauben fällt umso leichter, je älter man ist — schließlich bedeutet jede Verän­derung eine Reduzierung des Bekan­nten. MRR ent­larvt da neben­bei noch ein inter­es­santes Detail: nicht nur die Anglizis­men sind ein fad, son­dern auch die gespielt-aufgeregte Art und Weise, in der sie von den Medi­en immer wieder rit­u­al­isiert beheult wer­den.

  2. Hermann Stikum

    Wenn wir schon beim The­ma Genauigkeit sind:

    Mir ist nicht bekan­nt, daß die Bahn Fahrräder ver­lei­ht. Ich gehe davon aus, daß die Bahn Fahrräder ver­mi­etet.

  3. Anatol Stefanowitsch

    Herr Stikum, Pedan­terie ist ja selb­st dann ein wenig lang­weilig, wenn sie begrün­det ist. Aber in diesem Fall ist sie das nicht: Sie gehen schein­bar davon aus, dass die Hand­lung des Ver­lei­hens nicht gegen Bezahlung erfol­gen kann, son­dern dass man dann zwangsläu­fig vom Ver­mi­eten sprechen muss. Das stimmt aber nicht: ver­lei­hen bedeutet lediglich, jeman­dem etwas auf Zeit zu über­lassen. So beze­ich­net das Wort Ver­leih ja ganz reg­ulär ein „Unternehmen, das gegen Bezahlung Gegen­stände … ver­lei­ht“ (Wahrig) — siehe Wörter wie „Filmver­leih“, „Autover­leih“ und „Kostümver­leih“. „Call-a-Bike“ ist ein Fahrrad­ver­leih, die Bahn ver­lei­ht also selb­stver­ständlich Fahrräder.

  4. Hermann Stikum

    Bei allem Respekt: Nicht neu ist, das Richtig­stel­lung als “Pedan­terie” emp­fun­den wird. Ich bitte dafür um Entschuldigung.

    In der Sache:

    Ich stellte auf die Regeln des Bürg­er­lichen Geset­zbuch­es ab, welche entschei­dend sind. Richtig ist, daß der Begriff umgangssprach­lich abwe­ichend benutzt wird. Eben diesen Umstand benen­nt Wahrigs Wörter­buch.

    Lei­he gegen Geld” kann es dem­nach nicht geben. Soge­nan­nte Lei­hverträge sind also oft­mals Mietverträge. Ich gehe in der Tat davon aus, daß die Lei­he nicht gegen Bezahlung erfol­gen kann, da das Gesetz genau dies vorschreibt. Lei­he ist eben nicht nur Über­las­sung auf Zeit.

    __________________________________

    § 598 Ver­tragstyp­is­che Pflicht­en bei der Lei­he

    Durch den Lei­hver­trag wird der Ver­lei­her ein­er Sache verpflichtet, dem Entlei­her den Gebrauch der Sache unent­geltlich zu ges­tat­ten.

    ___________________________________

    Sie leg­en den Begriff aus der Laien­sicht aus, überse­hen aber, daß der Begriff legaldefiniert (durch Gesetz) fest­gelegt ist.

    Auf die Beze­ich­nung rechtlich­er Laien kommt es nicht an. Diese Begriffe wer­den vom Gesetz definiert, nicht von Wahrigs Wörter­buch. Den von Ihnen in Zweifel gezo­ge­nen Umstand hat selb­st “Wikipedia” inzwis­chen zutr­e­f­fend aufgenom­men.

    Meine Dar­legun­gen kön­nen anhand des Bürg­er­lichen Geset­zbuch­es nachvol­l­zo­gen wer­den.

    Grüße

    H. Stikum

  5. Wolfgang Hömig-Groß

    Lieber Herr Stikum,

    lei­der haben Sie nicht begrün­det, warum die Regeln des BGB in diesem Fall entschei­dend sind, son­dern es ein­fach behauptet. Ich halte das mit Ver­laub gesagt, nicht nur für falsch son­dern für den Tat­sachen diame­tral ent­ge­gen­ste­hend.

    Wenn an der Bedeu­tung eines Wortes Zweifel beste­hen, kann man dem Volk aufs Maul schauen (wie wird es benutzt?), den Duden her­anziehen (was ist Sprach­norm?) oder sich der Sache sprach­wis­senschaftlich näh­ern.

    Der vierte Weg, der den Sie gewählt haben, ist der unzu­ver­läs­sig­ste: sich bei den fach­sprach­lichen Bedeu­tun­gen eines Wortes umzuse­hen. Und von den Fach­sprachen ist keine so berüchtigt für ihren vom all­ge­meinen Sprachge­brauch abwe­ichen­den Umgang mit Wörtern wie die juris­tis­che.

    Da Sie (im Gegen­satz zu mir) vom Fach zu sein scheinen, erk­lären Sie mir doch mal mit gesun­dem Men­schen­ver­stand, warum eine sofor­tige Kündi­gung selb­st dann etwas anderes ist als eine Kündi­gung zum näch­st­möglichen Zeit­punkt, wenn eine sofor­tige Kündi­gung ver­traglich möglich ist. Dann ist näm­lich — sprach­lich und nach dem gesun­den Men­schen­ver­stand — sofort der näch­st­mögliche Zeit­punkt.

    Das stimmt alles erst dann nicht mehr, wenn man sich dem Sachver­halt rück­wärts und mit aufge­set­zter Juris­ten­brille nähert — durch die es näm­lich gar nicht um den Kündi­gungszeit­punkt geht, son­dern um den Kündi­gungs­grund (reg­uläre oder außeror­dentliche Kündi­gung). Hier geben also Juris­ten kausale Beschrei­bun­gen mith­il­fe tem­po­raler Sprach­for­men ab — sprach­lich ein Und­ing. Diese Art, Dinge zu beschreiben ist sprach­lich nicht natür­lich, sie will in einem lan­gen Studi­um wohl gel­ernt sein!

  6. Anatol Stefanowitsch

    Mit Ver­laub, Herr Stikum, aber diese Aus­sagen:

    Ich stellte auf die Regeln des Bürg­er­lichen Geset­zbuch­es ab, welche entschei­dend sind.“

    und:

    Auf die Beze­ich­nung rechtlich­er Laien kommt es nicht an. Diese Begriffe wer­den vom Gesetz definiert, nicht von Wahrigs Wörter­buch.“

    ergeben, zumin­d­est im vor­liegen­den Kon­text, keinen Sinn.

    Es gibt keinen, aber auch wirk­lich keinen Grund, anzunehmen, dass ich in meinen Beiträ­gen hier im Bre­mer Sprach­blog die Sprache des Bürg­er­lichen Geset­zbuch­es ver­wende. Statt dessen ver­wende ich offen­sichtlich die deutsche Sprache, so, wie sie von deren Sprech­ern ver­wen­det wird. Und die definiert der Wahrig zwar nicht, aber er bildet sie ab.

    Da sie ja ein Fre­und des deutschen Rechtssys­tems zu sein scheinen, sagt Ihnen sich­er der Begriff „Ver­ständ­nishor­i­zont“ etwas. Nach dem Ver­ständ­nishor­i­zont, den ich mit den Lesern des Sprach­blogs und allen anderen Sprech­ern der deutschen Sprache — vielle­icht mit Aus­nahme einiger Recht­san­wälte — teile, sind die Begriffe ver­lei­hen und Fahrrad­ver­leih so definiert, wie es der Wahrig nahelegt.

    Das hat nichts damit zu tun, dass ich „überse­he“, dass Begriffe aus der All­t­agssprache eventuell im Rechtssys­tem speziellere Bedeu­tun­gen erhal­ten, son­dern damit, dass das Rechtssys­tem für den Gebrauch der All­t­agssprache völ­lig irrel­e­vant ist.

    [Nach­trag: Da waren Herr Hömig-Groß und ich in etwa gle­ich schnell mit unseren Antworten. Wenn ich seine — sehr viel schönere und bess­er begrün­dete — rechtzeit­ig gele­sen hätte, hätte ich mir meine ges­part.]

  7. Hermann Stikum

    Verehrte Her­ren,

    Herr Hömig,

    ich habe Bezug auf die Regeln des BGB genom­men, da dort die Begriffe “Miete” und “Lei­he” geregelt sind. Sie benutzen, wenn Sie von “Miete” und “Lei­he” reden, juris­tis­che Fachter­mi­ni (unab­hängig davon, ob Sie dies beab­sichti­gen). Insofern (oder bess­er insonah)“flüchte” nicht ich in die Fach­sprache, vielmehr benutzen Sie einen Fach­be­griff (Lei­he).

    Der Volksmund hält ja auch Begriffe wie etwa das “Pumpen” bere­it …

    Man kön­nte nun ein­wen­den, daß die Begriffe “Miete” und “Lei­he” schon vor der Def­i­n­i­tion im Gesetz ver­wen­det wur­den. Dies ist wohl zutr­e­f­fend, allerd­ings halte ich es für sin­nvoll, einen fach­lich “beset­zten” Begriff auch in sein­er fach­lichen Bedeu­tung zu ver­wen­den. Die speziellere Regelung ver­drängt die all­ge­meinere Regelung.

    Zumin­d­est im Geschäftverkehr macht dies aus Grün­den der Rechtssicher­heit Sinn. Derzeit schadet eine falsche Beze­ichung (Lei­he statt Miete) nicht, dies kön­nte sich nach zukün­ftigem Recht ändern (Vere­in­heitlichung durch die EU).Der fach­liche Begriff wird dann den umgang­sprach­lichen Begriff ver­drän­gen. Spätestens dann wer­den wir die Begriffe entsprechend ihrer rechts­geschäftlichen Bedeu­tung benutzen müssen.

    Zutr­e­f­fend ist, daß ich “vom Fach” bin. Nie­mand will Ihnen eine abwe­ichende, umgangssprach­liche Ver­wen­dung der Worte “Miete” und “Lei­he” ver­bi­eten. Ich weise lediglich darauf hin, daß die Beurteilung der Begriffe in der Prax­is anhand des BGB erfol­gt. Sie kön­nen dem­nach in der Videothek ver­lan­gen, einen Film “auszulei­hen”, Sie schließen den­noch einen Mietver­trag. Der Jurist hält da den Ausspruch “falsche Beze­ich­nung schadet nicht” bere­it.

    Wenn wir auf die Sprachver­wen­dung abstellen, dann sehen wir, daß es umgang­sprach­lich auch eine “größere Hälfte” gibt. Auch diese, math­e­ma­tisch unmögliche Kon­struk­tion tut sicher­lich keinem Men­schen “weh”. Dies ändert indessen nichts daran, daß es keine größere Hälfte geben kann. Oder denken Sie an das oft zitierte Prob­lem, daß 0,99999 gle­ich 1 ist. Auch dies scheint dem gesun­den Men­schen­ver­stand zu wider­sprechen.

    Zuges­timmt sei Ihnen, daß die juris­tisch Begrif­flichkeit­en oft­mals dem “gesun­den Men­schen­ver­stand” zuwider­laufen zu scheinen. Diese Unnatür­lichkeit, die Sie ansprechen, will in der Tat im Studi­um erlernt sein. Inner­halb des Sys­tems empfind­et man dann diese Unnatür­lichkeit nicht mehr …Man kön­nte in diesem Zusam­men­hang natür­lich auch von juris­tis­ch­er Ver­bil­dung sprechen …Der Nichtjurist empfind­et demge­genüber eine gesunde Abnei­gung …

    Dem Volk aufs Maul schauen” ist zuweilen nüt­zlich, aber, in nicht weni­gen Fällen kommt (meist forciert durch Poli­tik­er) eine völige Falschver­wen­dung her­aus. Ich denke da an den “Quan­ten­sprung”. Ist es sin­nvoll, diesen Unsinn mitzu­machen?

    Nun, “Pedan­terie” war doch unser aller Anliegen … Eröffnet wurde zur Prob­lematik des “Denglisch”. Sicher­lich wird dieser Trend derzeit über­trieben, ander­er­seits vergessen wir nicht, wie viel “Fremd­wortgut” schon seit langer Zeit im Gebrach ist. Ein Beispiel: Wir reden von “WC” (kurz: “Klo”) und “Toi­lette”, benutzt noch jemand das Wort “Abtritt” ?

    Herr Ste­fanow­itsch,

    es ist, gle­ich­falls mit Ver­laub gesagt, uner­he­blich, ob Sie in diesem Sprach­blog Bezug auf das BGB nehmen wollen oder nicht. “Miete” und “Lei­he” sind, wie oben erwäh­nt, juris­tis­che Fachter­mi­ni.

    In unserem Beispiel ging es um die Ver­mi­etung eines Fahrrades durch die Bahn. Im Sinne der Rechtssicher­heit sollte man nach mein­er Auf­fas­sung im Geschäftsverkehr die juris­tis­che Bedeu­tung zugrunde leg­en.

    Selb­stver­ständlich bleibt es Ihnen unbenom­men, die Umgangssprache zu ver­wen­den.

    Soll ich Ihren Aus­führun­gen (“da Sie ein Fre­und des deutschen Rechtssys­tems zu sein scheinen”) im Umkehrschluß ent­nehmen, daß Sie es nicht sind?

    Sie machen offen­bar den Fehler, anzunehmen, daß jed­er Jurist dem Sys­tem kri­tik­los ergeben sein müsse. Juris­ten bieten da stets einen guten Angriff­spunkt. Ich werde mir ers­paren, Ihnen vor dem Hin­ter­grund Ihres Fachge­bi­etes “Welt­fremd­heit” zu unter­stellen (das wäre ein weit­eres Klis­chee).

    Ich bin ein Recht­san­wen­der, auf meine per­sön­liche Auf­fas­sung kommt es bei der Beurteilung eines Sachver­haltes nach dem Gesetz nicht an.

    Sie meinen sicher­lich den Begriff “Empfänger­hor­i­zont”, wobei ich Ihnen beipflichte, daß der juris­tis­che Laie die Begriffe in der Regel wie von Ihnen dargestellt ver­wen­det. Eine Aus­nahme ist die Lei­he unter Fre­un­den, hier geht man selb­stver­ständlich von kosten­freier Über­las­sung aus.

    Nicht “einige Anwälte” sind der Auf­fas­sung, daß Lei­he eine unent­geltliche Über­las­sung darstellt, son­dern vielmehr alle Anwälte (da das Gesetz dies definiert). Es liegt in unserem Falle also kein juris­tis­ch­er Stre­it­stand vor, die Begriffe liegen zweifel­frei in Form des Geset­zes vor. Da gibt es kein “vielle­icht” und auch nicht “einige Recht­san­wälte”.

    Einge­denk Ihres Berufes muß ich lei­der annehmen, daß Sie diesen Satz bewußt manip­u­la­tiv abge­fasst haben. Da wir hier keinen “Kampf” führen, sollte man von ein­er solchen Darstel­lung Abstand nehmen.

    Zutr­e­f­fend ist auch, daß das Rechtssys­tem regelmäßig keine Rolle für den Gebrauch der All­t­agssprache hat.

    Indessen sind die Bedeu­tun­gen des Rechtssys­tems im All­t­ag nicht irrel­e­vant. Suchen Sie eine Filale der Bahn auf und begehren Sie die kosten­freie Über­las­sung eines Fahrrades entsprechend der umgangssprach­lichen Bedeu­tung. Spätestens in diesem Augen­blick erfahren Sie die prak­tis­che Rel­e­vanz der geset­zlichen Regeln.

    Grüße

    H. Stikum

  8. Hermann Stikum

    Nach­trag:

    Ich bitte zunächst, aufge­tretene Fehler im vorheri­gen Text zu entschuldigen.

    Ich ver­mute, daß zu Anfang die umgangssprach­liche Bedeu­tung der Lei­he dur­chaus der geset­zlichen Def­i­n­i­tion entsprochen haben wird. Man meint ja, wie erwäh­nt, wenn man einem Fre­unde etwas lei­ht, (in der Regel) daß man es ihm kosten­frei über­lassen will.

    Die “ent­geltliche Lei­he” dürfte eine Erfind­ung der Geschäft­streiben­den sein. “Lei­hen” hört sich kostengün­stiger als “mieten” an. Im Laufe der Zeit hat sich der Kunde daran gewöh­nt, daß er für “Lei­he” zahlen muß. Schließlich über­nahm er die neue Sprachbe­deu­tung. Ich werde mein­er The­o­rie dem­nächst ein­mal nachge­hen …

    Inter­es­sant ist, daß sich im Bere­ich der Wohn- oder Geschäft­sraumver­mi­etung der Begriff der Lei­he nicht durchge­set­zt hat. Nie­mand spricht davon, eine Woh­nung zu “lei­hen” …

    Miete und Lei­he wer­den anson­sten offen­bar gle­ichge­set­zt:

    Autover­leih in den USA — Miet­wa­gen in den USA — easyCar.com

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    Grüße

    H. Stikum

  9. Wolfgang Hömig-Groß

    Da mir im Nach­trag von Her­rn Stikum nun ein paar Dinge bemerkenswert erscheinen, kom­men­tiere ich auch noch mal kurz; trotz der Tat­sache, dass diese frische Diskus­sion ja in ein­er merk­würdig von den Zeitläuften abge­hängten Ecke des Sprach­blogs stat­tfind­et.

    Zuerst eine ganz per­sön­liche Empfind­ung: Ich freue mich, dass das „Gespräch“ in ruhigere Fahrwass­er gerät – da war m.E. viel dem The­ma eigentlich nicht angemessene Erre­gung drin. Oder ver­höre ich mich da?

    Warum das so sein kön­nte, davon habe ich gestern zufäl­lig beim Lesen ein­er Sprach­glosse von Max Goldt einen ent­fer­n­ten Geruch in die Nase bekom­men: Er beze­ich­nete dort das Sprachge­fühl den kleinen Brud­er des Rechts­be­wusst­seins – passend und irgend­wie dicht am The­ma, denn Recht und Rechts­be­wusst­sein haben ja in etwa so viel miteinan­der zu tun wie Sprache und Sprachge­fühl. Hier ist schon mal des einen Eule des anderen Nachti­gall, ich ver­mute im Wesentlichen ges­teuert von Alter und Erfahrung. Stre­it­en lässt sich dabei sowohl über Form als auch Inhalt als auch – ins­beson­dere – Meth­ode. Denn wie bes­timmt man, was richtig ist? Oder wer bes­timmt es? Ich denke, wir Sprach­be­nutzer müssen ein­fach damit leben, dass ein von uns nicht steuer­bar­er Wan­del stat­tfind­et.

    Damit komme ich langsam zu den Din­gen, die ich anmerken wollte: Beispiele für den stillschweigen­den Bedeu­tungswan­del von Wörtern wie sie Herr Stikum genan­nt hat, gibt es viele. Ich finde auch den Ansatz inter­es­sant, auf die poten­ziellen Inter­essen zu schauen. Was Herr Stikum hier für Lei­he und Miete ver­mutet, lässt sich – aus ver­mut­lich ähn­lichen Grün­den – auch für das Wort „gratis“ beobacht­en. Ich (52 Jahre alt, human­is­tis­ches Gym­na­si­um) höre hier noch sehr deut­lich „zum Dank“. Heute wird das Wort meist syn­onym für „kosten­los“ einge­set­zt, was häu­fig kor­rekt sein kann, aber nicht immer kor­rekt sein muss. Denn ich kann etwas jeman­dem zum Dank ja auch bil­liger über­lassen, nicht umson­st. Ich bin weit davon ent­fer­nt, die heutige Bedeu­tung eines Wortes über seine ursprüngliche Bedeu­tung definieren zu wollen, ich halte es da eher mit Wittgen­stein. Den­noch muss ich bekla­gen (ob es wirk­lich so ist wäre eine Frage für den Sprach­wis­senschaftler, hören Sie mich Herr Ste­fanow­itsch?), dass die Zahl der pluri­vo­ken Wörter durch solche Bedeu­tungswan­del in meinen Augen stetig wächst, denn die Wörter ver­lieren ja deswe­gen noch lange nicht ihre alte Bedeu­tung.

    Nun kön­nte man sagen: Na und? Ich finde das aber prob­lema­tisch, denn bei manchen Wörtern sind „alte“ und „neue“ Bedeu­tung in der Benutzung so gle­ich­mäßig verteilt, dass ich beim Lesen – oder schlim­mer noch Hören – eine geistige Voll­brem­sung machen muss, um erst mal im Kon­text umfänglich zu prüfen, welche der bei­den Bedeu­tun­gen denn hier geplant ist. Schöne Beispiele dafür sind die Wörter Untiefe (tief oder flach?), Kon­tra­hent (Part­ner oder Geg­n­er?); Dauer­bren­ner des Grauens ist für mich das Wort Sank­tion, bei dem oft auch der Kon­text die intendierte Bedeu­tung nicht preis­gibt.

    Eine andere, hierzu passende Kat­e­gorie ist die fehler­hafte Ver­wen­dung von Wörtern, Muster­beispiel ist das Pärchen „anscheinend“ und „schein­bar“. Anson­sten bin ich bei sprach­lichen Fehlern oder Unge­nauigkeit­en ein Muster an Tol­er­anz – man ver­ste­ht ja trotz­dem was gemeint ist –, aber hier geht mir, speziell als Leser (gegen Ver­sprech­er lässt sich weniger machen als gegen Ver­schreiber) der Hut hoch: Da muss ich näm­lich die ganze Denkar­beit leis­ten, die sich der Autor ges­part hat.

    Damit bin ich bei einem The­ma, das Herr Stikum gestreift hat und das auch mich sehr bewegt: (Sprach-)Fehler in diesem Blog und seinen Kom­mentaren. Ihre Wahrnehmung und Bew­er­tung ist ver­mut­lich durch keine Rah­men­vere­in­barung abzudeck­en, aber ich plädiere ganz entsch­ieden dafür größt­möglich­es Ver­ständ­nis! Ein Blog ist ein schnelles und aktuelles Medi­um, die Kom­mentare sind es noch mehr. Für mich ist es in meinen All­t­agswirren genug Arbeit, meine Gedanken auf einiger­maßene Richtigkeit zu prüfen, bevor ich mich – in der Regel unter Zeit­druck – hier äußere. Selb­st diese fun­da­men­tale Prü­fung klappt lei­der nicht immer befriedi­gend – manch­mal schreibe ich Sachen, für deren offen­sichtliche Fehler­haftigkeit oder Unge­nauigkeit ich mich hin­ter­her schäme. Zum Lek­tor will ich meine Kom­mentare aber deswe­gen keines­falls geben. Hier also rate ich zum Mot­to „Friede den Kom­ma­ta (mein Sohn lernt in der Schule „Kom­mas“, ich zucke jedes Mal zusam­men), Krieg der Denk­faul­heit!“

  10. Hermann Stikum

    Guten Tag,

    ich danke für Ihre Stel­lung­nahme und die Aus­führun­gen zu weit­eren Gedankengän­gen.

    Ich bin der Auf­fas­sung, daß der “erregte” Ton, den Sie erwäh­nen, zu Anfang tat­säch­lich bestand. Ich habe durch meine kurze Bemerkung zu ein­er Stel­lung­nahme provoziert, dies ist gelun­gen. Meine Anwort auf Ihre ersten Beiträge bestand in der der Dar­legung der juris­tis­chen Bedeu­tung der Begriffe “Lei­he” und “Miete”. Dieses Vorge­hen mag manchen Teil­nehmer etwas unan­genehm berührt haben (“schul­meis­ter­lich­er” Ein­druck). Ich wollte indessen lediglich darauf aufmerk­sam machen, daß in dem Beispiels­falle “Fahrrad­ver­leih”, von einem rechts­geschäftlichen Vor­gang (Gebrauch­süber­las­sung) gere­det wird. Für diesen rechts­geschäftlichen Vor­gang find­en die Vorschriften des Bürg­er­lichen Geset­zbuch­es (BGB) Anwen­dung. Eine Diskus­sion über die umgangssprach­liche Bedeu­tung erübrigt sich für diesen Vor­gang, da qua Gesetz die Anwen­dung des Schul­drechts erfol­gt.

    Anson­sten ste­ht es ohne Zweifel ste­ht es jedem Men­schen frei, sich der Umgangssprache zu bedi­enen.

    Wir sind von der Aus­gang­sprob­lematik zunächst sehr weit abgekom­men, nun scheinen wir uns ja wieder zu “fan­gen” …

    Nun, was “richtig” ist, bes­timmt sich oft­mals nach dem Kon­text der Ver­wen­dung …

    Steuernd” ein­wirken kön­nen wir zumin­d­est in unserem unmit­tel­baren Umfeld. Durch­dachte Sprachver­wen­dung kann so “abfär­ben”…

    Ja, das Wort “gratis” (eigentlich “aus Fre­undlichkeit”) ist ein gutes Beispiel. Wörter wer­den bedeu­tungsv­erengt … Andere Wörter ver­lieren ihre eigentliche Bedeu­tung voll­ständig. Nehmen wir das Wort “sym­pa­thisch” (sym­pátheia), welch­es statt Mitleid, Mit­ge­fühl nun die Zunei­gung meint.

    Dauer­bren­ner des Grauens” gibt es auch bei den Abkürzun­gen, es seien “SMS” (Short Mes­sage Ser­vice), “LCD — Dis­play” (Liq­uid Crys­tal Dis­play) und “HIV — Virus” (Humanes -Immunde­fizienz — Virus) aufgezählt. Es ist offen­sichtlich, daß vie­len Mit­men­schen nicht mehr bekan­nt ist, was hin­ter den Abkürzun­gen steckt. So wurde aus “SM” die “SMS”, die Beze­ich­nung “SMS” gilt nun als “richtig”. Sie sehen, falsch kann auch richtig wer­den …

    Für Ihre Nach­sicht hin­sichtlich der Fehler sei gedankt. Ich finde es den­noch beden­klich, daß wir an dieser Stelle “weich” wer­den und Flüchtigkeits­fehler auf Zeit­man­gel schieben. Man sollte sich die Zeit nehmen, wenn ein The­ma wichtig erscheint … Lei­der gelingt mir die Umset­zung mein­er Zielset­zung keineswegs immer …

    Zu mein­er The­o­rie (Wort “Lei­he”)

    Möglicher­weise liegt eine Ver­wech­selung der Begriffe “Lehen” und “Lei­he” vor. Das Lehnsver­hält­nis bildete sich aus dem römis­chen Klien­telver­hält­nis und Anteilen der Regeln der vor­feu­dalen Stammes­ge­sellschaft. Das Lehen war zu Anfang ein wech­sel­seit­iges Ver­hält­nis. Der Lehnsempfän­der schuldete Nau­ralleis­tun­gen, der Lehn­sh­err Unter­stützung. Im Spät­mit­te­lal­ter wur­den daraus Geld­ab­gaben. Aus der soge­nan­nten Erblei­he entwick­elt sich die Miete. Mit der Rezep­tion des römis­chen Recht­es (Cor­pus Iuris Civilis) wird das alte deutsche Recht ver­drängt. Die “loca­tio con­duc­tio” (Miet — Pacht- Dienst — und Werkver­trag) kom­men zur Anwen­dung. Die im römis­chen Recht schon bekan­nte Lei­he (“Com­mo­da­tum”) ist dort als unent­geltlich definiert. Lei­he und Miete wer­den nun genau unter­schieden.

    Somit kön­nte die Annahme, daß Lei­he ent­geltlich sei, ein “Erbe” aus alter Zeit sein. Diese The­o­rie muß die zuvor genan­nte Annahme nicht auss­chließen.

    Ein “trös­ten­des” Wort aus der Ver­gan­gen­heit:

    Die deutsche Sprache ist die tief­ste, die deutsche Rede die seicht­este.” — Karl Kraus, Die Fack­el 406/412 152

    Gruß

    H. Stikum

  11. kreetrapper

    Apro­pos “LCD-Dis­play” und “HIV-Virus”

    Vor kurzem habe ich fest­gestellt, daß es dafür mit­tler­weile ein Wort gibt: RAS-Syn­drom. Die Wikipedia lis­tet den Aus­druck allerd­ings noch als “scherzhaft”.

    Daß sich SMS durchge­set­zt hat, hätte man eigentlich abse­hen kön­nen. SM ist ja schon ziem­lich ein­deutig vor­belegt und fällt daher weg. Und “Kurz­nachricht” ist ein viel zu langes Wort für so einen kurzen Text. 😉

  12. hermann stikum

    Sie haben ein inter­es­santes Beispiel benan­nt. Ich werde die Entwick­lung des Begriffs weit­er­ver­fol­gen …

    Nun, bei der Abkürzung “SMS” bin ich nicht überzeugt, daß man sie wählte, um die Ver­wech­slung mit ein­er der anderen Bedeu­tun­gen von “SM” (Sado­ma­so) zu ver­mei­den. In ein­er Zeit, in der offen auch über SM — Prak­tiken geschrieben und gere­det wird, habe ich meine Zweifel an der “Ver­mei­dungs­the­o­rie”.

    Zudem hat­te und hat die Abkürzung “SM” ja auch andere Bedeu­tun­gen. So früher als “Seine Majestät” (auch in “SMS” = Sein­er Majestät Schiff). Weit­ere Bedeu­tun­gen sind “Seemeile”, “San Mari­no” , “Skelettmusku­latur” , Samar­i­um (Ord­nungszahl 62 im Peri­o­den­sys­tem der Ele­mente) und viele andere Begrif­flichkeit­en:

    http://de.wikipedia.org/wiki/SM

    Die Abkürzung “SMS” wird zudem auch in der Bedeu­tung “Sado­ma­soszene” ver­wen­det … Offen­bar wird diese Ver­wech­slungs­ge­fahr nicht gefürchtet. Eine Ver­wech­slungs­ge­fahr ist somit the­o­retisch auch bei Ver­wen­dung von “SMS” gegeben. Weit­ere Beispiele:

    http://de.wikipedia.org/wiki/SMS_%28Begriffskl%C3%A4rung%29

    Im Gespräch ergibt sich die gewollte Bedeu­tung jedoch aus dem Satz­zusam­men­hang. Insofern sehe ich keine Ver­wech­slungs­ge­fahr bei Ver­wen­dung von “SM”. Die Ankündi­gung “Ich sende dir eine SM” läßt sich schw­er­lich mit der Ankündi­gung von Sado­ma­soak­tiv­itäten ver­wech­seln …

    Ich bin der Auf­fas­sung, daß viele Men­schen die Bedeu­tung des jew­eili­gen Akro­nyms nicht ken­nen, man ver­wen­det die Abkürzung selb­st als Begriff (ohne sich Gedanken über die Bedeu­tung zu machen). Nehmen Sie als Beispiel LASER oder LSD … recht wenige Mit­men­schen wer­den Ihnen benen­nen kön­nen, was dahin­ter steckt … und, kaum jemand wird sich die “Lang­form” merken kön­nen …

    Wie die Abkürzun­gen, so greifen auch die Pleonas­men um sich.

    Die Unken­nt­nis der Begriffe ist keineswegs nur bei weniger gebilde­ten Men­schen zu find­en, viele Pleonas­men sind ger­ade bei Akademik­ern sehr beliebt. So “ver­steck­te” Pleonas­men, wie etwa die gerne ver­wen­dete Zusam­menset­zung “diame­tral gegenüberge­set­zt”. Oder: “aufok­troyieren”.

    Gruß

    H. Stikum

  13. Wolfgang Hömig-Groß

    Uff, da habe ich beim Ver­fassen von Nr. 5 haarscharf neben das Fet­tnäpfchen getreten!

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