도서관 – Koreanische Konsonanten

Angeregt durch den Bib­lio­thek­sar­tikel will ich noch ein bißchen mehr zu Schrift­sys­te­men sagen – heute über das kore­anis­che Alpha­bet.

Ich habe ja mal ein Semes­ter Kore­anisch an der Uni gel­ernt. Das ist alles, was ich noch kann:

2009-09-17-KoreanischIch muss allerd­ings zugeben, dass ich nie beson­ders viel mehr kon­nte. Aber natür­lich fand ich die Stun­den aus lin­guis­tis­ch­er Sicht super­span­nend, nicht zulet­zt die Schrift.

Das Kore­anis­che hat eine Alpha­betschrift, das heißt jedes Zeichen ste­ht für einen bes­timmten Laut. Allerd­ings sind diese Zeichen nicht, wie in der lateinis­chen Schrift, lin­ear ange­ord­net. Statt dessen bilden alle Laute, die zu ein­er Silbe gehören, einen kleinen Block. Diese Blöcke wer­den dann zu Wörtern und Sätzen aneinan­derg­erei­ht. Hier das kore­anis­che Wort für ‘Bib­lio­thek’:

2009-09-17-doseogwan

도서관

Es beste­ht aus drei Sil­ben: 도 do, 서 seo und 관 gwan. (Die Umschrift ähnelt der wirk­lichen Aussprache aber nur bed­ingt – wer sich’s anhören will, kann hier nach “library” suchen.)

Diese Sil­ben beste­hen wiederum aus mehreren Buch­staben:

  • 도 aus ㄷ und ㅗ,
  • 서 aus ㅅ undㅓ,
  • 관 aus ㄱ, ㅘ und ㄴ

Die Zeichen sehen ver­schieden aus, je nach­dem wie viel Platz sie in der entsprechen­den Silbe haben bzw. an welch­er Stelle sie ste­hen. Manch­mal sind sie langge­zo­gen, mach­mal eher ges­taucht.

Eine geschriebene Silbe ist übri­gens nicht immer auch eine gesproch­ene Silbe. Der let­zte Kon­so­nant ein­er Schreib­silbe wird näm­lich gesprochen zum ersten Kon­so­nan­ten der Fol­ge­silbe, wenn die son­st mit einem Vokal anfan­gen würde.

Das richtig Inter­es­sante an der Schrift ist aber, dass sie nach lin­guis­tis­chen Kri­te­rien konzip­iert wurde. Die europäis­chen Alpha­betschriften sind ja aus Zeichen ent­standen, die ursprünglich mal Gegen­stände abbilde­ten. Erst nach und nach began­nen sie für Laute zu ste­hen.

Die Hangeul – so heißen die kore­anis­chen Buch­staben – sind aber nicht ein­fach so “ent­standen”, sie wur­den bewusst entwick­elt. Das geschah unter König Sejong Mitte des 15. Jahrhun­derts. Bis dahin schrieb man Kore­anisch auss­chließlich mit chi­ne­sis­chen Schriftze­ichen, die sich a) nicht beson­ders dazu eigneten und die b) sehr schw­er zu erler­nen waren. Es dauerte allerd­ings noch bis ins 20. Jahrhun­dert, bis sich die Hangeul wirk­lich durch­set­zen.

Das kore­anis­che Alpha­bet hat 40 Buch­staben: 21 Vokale und 19 Kon­so­nan­ten.

Die Kon­so­nan­ten gehen auf 5 Grundze­ichen zurück:

2009-09-17-Grundzeichen

(nach Hopp­mann 2007)

Die Zeichen stellen dar, wie die Spre­chor­gane beim Sprechen geformt sind. Die ersten drei Zeichen stellen die Lage der Zunge in einem seitlichen Quer­schnitt durch den Mundraum dar, das vierte die Posi­tion der Lip­pen in der Drauf­sicht, das fün­fte die Glot­tis.

2009-09-17-1 Der Zun­gen­rück­en berührt den hin­teren Gau­men (Velum). Das ist der Fall bei velaren Laut­en:
ㄱ [k], ㅋ [kʰ]
2009-09-17-2 Der Zun­genkranz (Korona) berührt den vorderen Gau­men. Das ist der Fall bei koronalen Laut­en (wobei die Sibi­lanten ein Extraze­ichen haben):
ㄴ [n], ㄷ [t], ㅌ [tʰ], ㄹ [ɾ, l] (Aussprache von [ɾ] hören: hier)
2009-09-17-3 Die Zunge schafft eine Veren­gung vor bzw. an den oberen Schnei­dezäh­nen. Das ist der Fall bei Sibi­lanten (Zis­chlaut­en):
ㅅ [s], ㅈ [tɕ], ㅊ [tɕʰ] (Aussprache von [ɕ] hören: hier)
2009-09-17-4 Die Lip­pen berühren sich. Das ist der Fall bei bil­abi­alen Laut­en:
ㅁ [m], ㅂ [p], ㅍ [pʰ]
2009-09-17-5 Der Laut wird an der Stimm­ritze (Glot­tis) gebildet. Das ist der Fall bei glot­tal­en Laut­en:
ㅇ [ʔ, ŋ], ㅎ [h] (Aussprache von [ʔ]: hier, von [ŋ]: hier)

Neben der Grund­form bein­hal­ten viele Zeichen auch noch weit­ere Striche, die eben­falls Funk­tio­nen haben. Ein zusät­zlich­er Quer­strich zeigt z.B. Aspi­ra­tion an, das heißt der Laut wird behaucht: ㅋ [kʰ], ㅌ [tʰ], ㅊ [tɕʰ], ㅍ [pʰ], ㅎ [h].

Zu den Vokalen schreibe ich ein ander­mal was, da wird’s näm­lich ein bißchen eso­ter­isch 😉

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