Wahlaufruf zum Anglizismus des Jahres 2010

Alle has­sen englis­che Lehn­wörter. Wir nicht. Wir geben jedem neuen Wort, egal, woher es stammt, zunächst ein­mal die Gele­gen­heit, seinen kom­mu­nika­tiv­en Nutzen unter Beweis zu stellen und ver­trauen darauf, dass die Sprachge­mein­schaft über­flüs­sige Wörter schnell wieder aus­sortiert.

Um den mehr oder weniger auf­schlussre­ichen Wahlen zum Wort und/oder Unwort des Jahres, mit denen uns ver­schiedene Sprachge­sellschaften und -vere­ine uns zum Jahreswech­sel beglückt haben oder dies noch tun wer­den, eine weit­ere hinzuzufü­gen, möcht­en wir den Beitrag, den die englis­che Sprache zur Entwick­lung des Deutschen macht, angemessen würdi­gen.

Wir bit­ten deshalb um Nominierun­gen für den „Anglizis­mus des Jahres 2010“.

Nominierte Wörter soll­ten (ganz oder in Teilen) aus dem Englis­chen stam­men, sie soll­ten neu sein, d.h. im Jahr 2010 zum ersten Mal ver­wen­det wor­den oder wenig­stens zum ersten Mal in das Bewusst­sein ein­er bre­it­en Öffentlichkeit gelangt sein. Sie soll­ten eine inter­es­sante Lücke im deutschen Wortschatz füllen, entwed­er, indem sie eine vorhan­dene Wortbe­deu­tung weit­er aus­d­if­feren­zieren oder, indem sie ein Wort für etwas bere­it­stellen, was es vorher nicht gab oder was vorher nur müh­sam umschrieben wer­den kon­nte.

Falls jemand Hil­fe bei der Ideen­suche braucht, empfehle ich die Seit­en von zwei exzel­len­ten Wörter­such­ern: die Wort­warte, in der Lothar Lem­nitzer fast täglich neue Wörter aus der Tage­spresse veröf­fentlicht, und das Wortis­tik-Blog, in dem Detlef Guertler Wörter sam­melt (und manch­mal auch erfind­et), „die uns noch fehlen“. Unter den dort gesam­melten Neuwörtern find­en sich natür­lich viele rein deutsche Sprach­schöp­fun­gen, die die kreative Eigenen­ergie der deutschen Sprache bezeu­gen aber hier lei­der nicht nominiert wer­den dür­fen, es find­en sich aber natür­lich auch englis­che Lehn­wörter oder deutsch-englis­che Mis­chwörter.

Nominierun­gen kön­nen bis zum 7. Jan­u­ar im Kom­men­tar­bere­ich dieses Beitrags hin­ter­lassen wer­den. Sie soll­ten Fol­gen­des bein­hal­ten:

  • das nominierte Wort;
  • eine authen­tis­che Quel­lenangabe (also ein tat­säch­lich­es Beispiel für die Ver­wen­dung des Wortes), möglichst mit URL;
  • eine Begrün­dung, warum das Wort „Anglizis­mus des Jahres“ wer­den sollte.

Damit alles mit recht­en Din­gen zuge­ht, wird das Siegerwort von ein­er fachkundi­gen Jury aus­gewählt und Mitte Jan­u­ar präsen­tiert. Jurymit­glieder sind neben mir die Ger­man­istin­nen Kristin Kopf, Exper­tin für die his­torische Sprach­wis­senschaft des Deutschen und Autorin des immer lesenswerten Sch­plock, Juliana Goschler, Exper­tin für die deutsche Gegen­wartssprache und Mitau­torin des Kon­struk­tion­s­gram­matik-Blogs und Michael Mann, Experte für deutsche Lexiko­grafie und Autor des Lexiko­grafieblogs, sowie Susanne Flach, Exper­tin für Vari­etäten und Geschichte des Englis­chen und Autorin des Blogs ‘di:kæf. Genauere Infor­ma­tio­nen über die Jury und die Wahlmodal­itäten gibt es hier.

Der/die Einsender/in des Siegerwortes erhält als kleine Anerken­nung ein Exem­plar des Spek­trum-der-Wis­senschaft-Dossiers Evo­lu­tion der Sprachen aus dem Jahr 2000, für mich trotz (oder wegen) seines hohen Alters ein Klas­sik­er unter den Spek­trum-Dossiers. Damit wir dem/der Sieger/in das Dossier zuschick­en kön­nen, benöti­gen wir eine funk­tion­ierende E-Mail-Adresse (die natür­lich nicht veröf­fentlicht wird). Wenn keine funk­tion­ierende E-Mail-Adresse vor­liegt, geht der Preis an den/die Zweitplatzierte/n, und so weit­er. Und damit das klar ist: Der Rechtsweg ist aus­geschlossen.

Bleibt eine Frage: Wie kann man erst auf Wörter­wahlen schimpfen und dann selb­st eine ver­anstal­ten? Nun, ich will ver­suchen, ob man nicht doch eine Wörter­wahl hin­bekommt, bei der es tat­säch­lich um Sprache geht, und nicht um Gesellschaft­skri­tik. Es wird viel und unqual­i­fiziert auf die englis­che Sprache und ihren Ein­fluss auf das Deutsche geschimpft, und dabei wird überse­hen, dass die Entlehnung von Wörtern aus anderen Sprachen erstens völ­lig nor­mal und zweit­ens ein Prozess der sprach­lichen Bere­icherung ist.

Alpha­betis­che Liste der bish­eri­gen Nominierun­gen (täglich aktu­al­isiert)*

  • adden
  • App
  • aus­rollen (Updates, etc.)
  • Bal­con­ing
  • Cable­gate
  • Cher­many
  • Cloud
  • clouden
  • durch­faven
  • eiPott
  • entfolgen/entfollowen
  • entfreunden/entfrienden
  • flat­trn
  • fol­lowen
  • Handy-Tick­et
  • Home Office
  • Kiss & Ride
  • leak­en
  • leiken/liken
  • Lit­er­a­cy-Monat
  • Mul­ti-Touch-Screen
  • Nack­tscan­ner
  • nineties (als Adjek­tiv, wie in ziem­lich nineties)
  • Open Access
  • Patch­work-Kinder
  • Sale
  • Script­ed Real­i­ty
  • Shit­storm
  • Social Media
  • Social Web
  • teilen/sharen
  • trig­gern
  • twick­en
  • ver­pix­eln
  • West­er­wave
  • Whistle­blow­er
  • Writer-in-Res­i­dence

* Einige dieser Vorschläge erfüllen möglicher­weise die Kri­te­rien nicht, vor allem, was die Aktu­al­ität bet­rifft. Diese Wörter wer­den nach Ende der Nominierungs­frist in ein­er ersten Runde unter Angabe nachvol­lziehbar­er Belege aus­geschlossen.

[Nach­trag: Dieser Beitrag wurde am 28.12.2010 über­ar­beit­et. Die neuen Jurymit­glieder und ein Link auf die Wahlmodal­itäten wur­den hinzuge­fügt und die Begrün­dung für die Wörter­wahl wurde deut­lich­er for­muliert.]

Dieser Beitrag ste­ht unter ein­er Cre­ative-Com­mons BY-NC-SA-3.0-(Deutschland)-Lizenz.

[Dieser Beitrag erschien ursprünglich im alten Sprachlog auf den SciLogs. Die hier erschienene Ver­sion enthält möglicher­weise Kor­rek­turen und Aktu­al­isierun­gen. Auch die Kom­mentare wur­den möglicher­weise nicht voll­ständig über­nom­men.]

Dieser Beitrag wurde unter Altes Sprachlog abgelegt am von .
Anatol Stefanowitsch

Über Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Er beschäftigt sich derzeit mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Sein aktuelles Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ ist 2018 im Dudenverlag erschienen.

109 Gedanken zu „Wahlaufruf zum Anglizismus des Jahres 2010

  1. caweber

    Anglizis­mus des Jahres
    Eine gute Idee und ein inter­es­san­ter Wet­tbe­werb, ich werde in den näch­sten Tagen mit Sicher­heit daran teil­nehmen. Sich­er, zuweilen wird im deutschen Sprachraum “deng­lish” etwas über­trieben, aber im Com­put­er-Zeital­ter gehören mit­tler­weile sehr viele englis­che Wörter zum deutschen Stan­dard, was wohl auch dahin gehend Sinn macht, dass man eine Rei­he von englis­chen “Coum­put­er-Begrif­f­en” oft gar nicht 1 : 1 ins deutsche über­set­zen kann.

  2. Simone

    writer-in-res­i­dence
    Heute mor­gen ist mir im Zürich­er Tage­sanzeiger ( http://www.tagesanzeiger.ch/…ber-/sto­ry/11832449 ) der fol­gende Titel aufge­fall­en:
    «Da kommt unser Stadtschreiber!»,
    darin unter anderem fol­gen­der Text:
    “Und wem dieser Titel [Stadtschreiber] ein biss­chen alt­back­en vorkommt – er geht tat­säch­lich ins Mit­te­lal­ter zurück, als Stadtschreiber die Pro­tokol­lanten der Ratssitzun­gen waren und auch aller­lei andere Amts- und Sekre­tari­at­stätigkeit­en zu absolvieren hat­ten –, der nen­nt das Ganze gut amerikanisch «writer-in-res­i­dence»”.
    “Stadtschreiber” ist offen­sich­lich nicht brauch­bar hier, weil zu vieldeutig, die britis­che Ver­sion “poet lau­re­ate” ist zu lateinisch, also wählt man einen schö­nen Amerikanis­mus.
    Google find­et den Aus­druck auch auf deutschen (Uni)-Seiten, es ist also keine Schweiz­er Eigen­heit.

  3. Menschenfreund

    Mein Vorschlag
    Whistle­blow­er
    Zugegeben: Das Wort wurde bere­its früher vere­inzelt in den Medi­en ver­wen­det, aber ich denke, ein Großteil der Bevölkerung ken­nt es erst seit den diesjähri­gen Wik­ileak­sen­thül­lun­gen.
    ———————–
    z.B.
    http://www.spiegel.de/…and/0,1518,699321,00.html
    “Er illus­tri­ert ein Phänomen, das Bürg­er­rechtler in den USA schon länger mis­strauisch beobacht­en — das immer schär­fere Vorge­hen Wash­ing­tons gegen “Whistle­blow­er”, also Regierungs-Insid­er, die Missstände und Staatsskan­dale aus­plaud­ern.”

  4. Henning

    Kiss & Ride
    Gibt es schon länger — wurde oder wird(?) von der Deutschen Bahn AG aber abgeschafft — und war daher 2010 mehrfach in der deutschen Presse the­ma­tisiert wor­den. Es sollte als wahrschein­lich erster Anglizis­mus, der abgeschafft wer­den soll, ein Denkmal erhal­ten! Und es ist so schön zwei­deutig.. 😉
    http://www.tagesspiegel.de/…default,1684310.html
    http://www.zeit.de/…02/deutsche-bahn-anglizis­men
    http://derstandard.at/…ungen-Kiss-and-Ride-Zonen

  5. Patrick Schulz

    Vorschlag: leak­en bzw. geleakt
    Mein Vorschlag wäre das Verb “leak­en” bzw. sein häu­figer Ver­wen­detes Par­tizip “geleakt”, als Aus­druck für das anonyme Veröf­fentlichen von klas­si­fizierten Doku­menten im Inter­net (bzw. als Eigen­schaft der Doku­mente, die der­art veröf­fentlicht wur­den).
    Drei Punk­te als Begrün­dung:
    1. Zwar ist das Wort schon älter, aber durch die erst vor eini­gen Wochen/Monaten ins Rollen gekommene Diskus­sion um die Inter­net-Plat­tform Wik­ileaks ist es erst in diesem Jahr in ein bre­it­eres öffentlich­es Bewusst­sein gelangt.
    2. Ist das Wort per­fekt in die deutsche Gram­matik einge­bun­den: Aus dem Nomen (Wiki)Leaks wurde der Verb­stamm /li:k/ über­nom­men, welch­er entsprechend den Regeln der deutschen Gram­matik flek­tiert wird: Ich leak(e) /li:k(ə)/, wir leak­en /li:kŋ/ (sehr schön mit pro­gres­siv­er nasaler Ort­sas­sim­i­la­tion), er leak­te usw. Nicht zuet­zt da sich ein Par­tizip ableit­en lässt, welch­es sich von seinem englis­chen Pedant unter­schei­det (*das leaked Doku­ment vs. das geleakte Doku­ment)
    3. Es gibt (noch) kein entsprechen­des deutsches Wort, welch­es neben der Kernbe­deu­tung — veröf­fentlichen — die gesamte Veröf­fentlichungs­geschichte (Inter­net, Grau­zone, Geheim, anonym) in sich trägt.

  6. Patrick Schulz

    Nach­trag: Quelle
    Auf der deutschsprachi­gen Wikipedi­a­seite zum Nomen “leak” wird das vorgeschla­gene Par­tizip “geleak­te” unter dem Absatz “Doku­mente” benutzt. Aber ich bin sich­er, man find­et das Wort ann vie­len Stellem im Netz und in Zeitun­gen etc.
    Link (de.wikipedia.org)

  7. Gareth

    leak­en ist kalter Kaf­fee
    Meinen eige­nen Vorschlag muss ich mir noch über­legen, aber zum The­ma leak­en möchte ich darauf hin­weisen, dass das Wort schon seit Jahren benutzt wird. Es hat vielle­icht einen Pop­u­lar­itätss­chub durch Wik­ileaks erfahren, ist aber z.B. in Bezug auf Unter­hal­tungsin­dus­trie seit es die Down­load­por­tale gibt in Gebrauch. Über Google find­et man erste Beispiele im Deutschen bere­its vor fast 10 Jahren.
    Wir, das Entwick­lung­steam Burut, wollen Euch mit­teilen, dass es sich hier um eine geleak­te Ver­sion han­delt, […]
    http://www.warp2search.net/news/story/kreed_tech_demo.html, 18.02.2002
    so dass auch die Möglichkeit beste­ht dass die im Moment gesichteten CD´s geleak­te alte Ver­sio­nen sind
    http://winfuture.de/news,554.html, 04.09.2001
    PC Online aus Chi­na hat­te einige Tabellen geleakt, die von nVidia stam­men sollen […]
    http://www.3dnowgalaxy.de/newsold.htm, 31.01.2001

  8. Michael Lange

    Noch ein Vorschlag:
    “Script­ed real­i­ty”. Zwar nicht exakt neu, ist zumin­d­est mir dieser Aus­druck in diesem Jahr aber zum ersten mal ver­mehrt über den Weg spaziert.
    Die ersten Google­tr­e­f­fer scheinen dies zu bestäti­gen, z.B.
    http://www.sueddeutsche.de/…ches-drama-1.1012620 ,
    http://www.zeit.de/2010/32/Dokusoaps oder
    http://www.abendblatt.de/…-Scripted-Reality.html u.v.a.
    stam­men entwed­er aus 2010 oder der zweit­en Jahreshälfte 2009. Allein Ste­fan Nigge­meier schafft es mit einem Beitrag aus 2005 auf die erste Tre­f­fer­seite, aber als “Medi­en­profi” darf er das wohl.
    Eine stim­mige Entsprechung im Deutschen für den Begriff scheint es nicht zu geben, zumin­d­est das von Wikipedia vorgeschla­gene “Pseu­do-Doku” benen­nt das gewis­ser­massen hochsta­p­lerisch-hin­ter­hältig die Real­ität verz­er­rende der mit Script­ed Real­i­ty beze­ich­neten For­mate nur sehr ungenü­gend.
    Und spätestens seit den neue Massstäbe set­zen­den Auftrit­ten des Ehep­aars Gut­ten­berg sollte ein Bewusst­sein für und die Auseinan­der­set­zung mit dieser Form der insze­nierten “Real­ität” und deren Auswirkun­gen auf die demokratis­che Öffentlichkeit auf der Agen­da ste­hen.
    Viel Spass noch mit diesem wirk­lich sehr schö­nen, erfreulich gegen den deutschtümel­nden Main­stream schwim­menden Con­test — Anglizis­men­bash­ing sucks!

  9. Roman Niehen

    Anglizis­mus des Jahres
    Ich möchte IPad mit Mul­ti touch Screen vorschla­gen ohne Schle­ich­wer­bung machen zu wollen und in vollem Bewusst­sein, dass Pro­duk­t­na­men wahrschein­lich gle­ich und nicht ganz zu Unrecht dis­qual­i­fiziert wer­den (auch wenn das iPad vielle­icht eine kleine Chance hat zum Tesa oder Tem­po oder zur gepimpten Pam­pers unter den Pro­duk­tan­glizis­men im Touch-Screen… ja Touch Screen..äh.. Touch Screen Pad Sek­tor und zum Kat­e­goriebe­griff zu wer­den). Die ver­steck­testen Anglizis­men sind oft Akro­nyme, die man liest als wären es deutsche Buch­stabenkürzel, sinds aber dann nicht. iPad selb­st ist kein solch­es, aber den­noch deshalb Anglizis­mus, weil zumin­d­est das Wort Pad drin­steckt. Konkur­renz zu ein­er bere­its beste­hen­den bedeu­tung von Päd im Deutschen wäre mir nicht bekan­nt, somit wäre die Lücke geschlossen, ob sich dann bei manchem auch ein PÄD­a­gogis­ch­er Effekt ein­schle­icht wage ich noch zu bezweifeln. Genug der Schwafelei, ich besitze die Aus­gabe des Spek­trumheftes schon und kann sie nur jedem empfehlen!
    [Über die Zuläs­sigkeit von iPad muss die Jury noch ein biss­chen nach­denken, aber Mul­ti-Touch-Screen ist auf jeden Fall erlaubt. — A.S.]

  10. headsign

    West­er­wave
    Zählt das über­haupt? Jeden­falls fiel mir diese selt­same Wortschöp­fung sofort ein und ich stieß auch am sel­ben Tag nochmal drauf.
    Hier eine von vie­len Quellen…
    http://www.welt.de/…ten-des-Aussenministers.html

  11. Gregor

    Deutschtümel­nder Main­stream? Haha!
    Anglizis­men sind Main­stream und die Kri­tik an ihnen durch bes­timmte Per­so­n­en und Vere­ine find­et nur deshalb ein solch­es Medi­ene­cho, weil diese sich aktiv um Öffentlichkeit­sar­beit bemühen.
    Die Sprach­schützer geben sich als ver­fol­gte Min­der­heit aus, genau wie Sie hier. Das gehört zum Geschäft. Alle sind doofer Main­stream, nur wir nicht, wir sind schlau und haben das Richtige Bewußt­sein. So kommt man in die Presse.
    In Wahrheit nehmen die Medi­en fast jede Mel­dung, in der jemand mit ein­er halb­wegs nach­weis­baren Autorität etwas zum “xyz des Jahres” wählt.
    Ich mache Ihnen, lieber Herr Ste­fanow­itsch, fol­gen­den Vorschlag: Wenn Sie Ihren “Anglizis­mus des Jahres” gewählt haben, machen Sie eine Pressemit­teilung und ich stelle Ihnen eine kleine PR-Agen­tur zur Ver­fü­gung, die diesen Text kosten­los and die deutschen Medi­en verteilt (ca. 1600 Adressen). Dann sehen wir ja, ob die Ret­ter des Denglis­chen, wirk­lich eine ver­femte Min­der­heit sind, die keinen Zugang zu den Main­stream Medi­en hat.
    Bedin­gung: das Erge­biss der Aussendung wird an dieser Stelle veröf­fentlicht.

  12. Gareth

    Touch­screen
    … ist in der Tat ein guter Vorschlag, wobei ich mir hier auch nicht sich­er bin, ob das nicht auch let­ztes Jahr schon ganz nor­mal benutzt wurde. Ich habe erst seit diesem Jahr ein Touch­screen­handy, habe aber das Gefühl, damit spät dran zu sein.

  13. Ariane

    Noch ein Vorschlag
    Mein Vorschlag:
    Shit­storm
    Ich dachte eigentlich das Wort ist schon fast zu alt, aber alle Ver­wen­dun­gen die ich beim schnellen Suchen gefun­den habe, sind tat­säch­lich aus 2010
    Im Urban-Dic­tio­nary ste­ht es auch.
    http://www.urbandictionary.com/…erm=shit%20storm
    Belege:
    http://re-publica.de/…w-to-sur­vive-a-shit-stor­m/
    http://www.spiegel.de/…web/0,1518,721321,00.html
    http://www.netzpolitik.org/…itstorm-auf-easydns/
    Begrün­dung:
    Mein­er Mei­n­ung nach gibt es keinen entsprechen­den Aus­druck im Deutschen und schon gar keinen, der das so knapp und klar beschreibt.
    siehe zb auch die Spiegel-Erk­lärung:
    So nen­nt man es heute, wenn jemand in der Net­zöf­fentlichkeit plöt­zlich und heftig mit Dreck bewor­fen wird, ob berechtigt oder unberechtigt.

  14. Klausi

    Anglizis­mus des Jahres
    Ich schlage hier­mit “watch­ers” vor.
    “Watch­ers” ist (schon fast unheim­lich) gut geeignet, Anglizis­mus des Jahres zu wer­den.
    Nicht nur, dass wir den Anglizis­mus schon sehr lange als qua­si ein­heimis­ches Aller­weltswort ken­nen und eifrig ver­wen­den, son­dern auch deshalb, weil tagtäglich zu den alten “watch­ers” neue hinzukom­men. Neben wal-, fat,- net-, world-, bay-, food-, weight- und Abge­ord­neten­watch­ers, habe ich eigens für die gute Sache hier den “word watch­er” erfun­den.
    Dachte ich — jeden­falls so lange, bis ich meine Erfind­ung bei Google eingab: 15.500 Tre­f­fer, den Begriff gibt es schon!
    Gut, dann eben “VDS watch­er” eingeben, dachte ich mir. Tre­f­fer, den gibt es im ganzen Netz noch nicht!
    So, die Bedin­gun­gen müssten alle­samt erfüllt sein:
    — ein Wort
    — eine Begrün­dung
    — Quel­lenangabe (hier)
    — aus dem Jahre 2010 (von heute und frisch geschöpft)
    Ich gehe davon aus, dass ich so gut wie gewon­nen habe und bitte um per­sön­liche Zustel­lung des aus­gelobten Preis­es.

  15. Andrej

    Hal­lo,
    auch ich muss zugeben zunächst in der Wik­ileakss­chiene gedacht zu haben. Neben “Whistle­blow­er” und “Leak” fällt es mir im Moment schw­er ein anderes, gle­ich­w­er­tigeres zu find­en. Wäre vor ca. einem Monat vielle­icht noch anders gewe­sen. 😉

  16. Michael Lange

    Touch­screen?
    @Gareth — Touch­screens an sich gibt es aber wirk­lich schon ziem­lich lange, auch der Begriff an sich kommt mir schon ziem­lich “nineties” vor.
    Also wenn, dann würde ich doch zumin­d­est für den Mul­ti-Touch­screen plädieren, allerd­ings war mir bis ger­ade eben gar nicht bewusst, dass es sich dabei nicht nur um eine Wer­be­floskel son­dern um eine tat­säch­liche tech­nis­che Inno­va­tion han­delt. Liegt wohl daran, dass ich mir bish­er die Anschaf­fung der entsprechen­den Gerätschaften ges­part habe.
    Aber “Anglizis­mus des Jahres” scheint mir für so ein Gad­get doch etwas viel des Guten.
    Ich selb­st würde eigentlich auch zu “geleakt” tendieren, das war tat­säch­lich auch meine erste Idee, Patrick Schulz war aber schneller 🙂 Ehrlich gesagt, mir geht es wie Andrej, mir fällt über­haupt kein ern­sthafter Geg­n­er für “geleakt” ein, deshalb schon mal “Her­zlichen Glück­wun­sch” bzw. “Con­grats!” an Patrick Schulz.

  17. Gareth

    Ich hat­te ja schon gesagt, dass es wahrschein­lich an mir liegt, dass ich Touch­screen noch nicht allzu lange wirk­lich aktiv ver­wende. Was ein Mul­ti­touch­screen ist weiß ich gar nicht und ich bin ger­ade auch zu faul, um nachzuschla­gen. Im End­ef­fekt ist Touch­screen ver­mut­lich kein guter Vorschlag. Ich über­lege auch immer noch, was ich selb­st vorschla­gen kön­nte. Das twit­tern vom let­zten Jahr lässt sich dieses Jahr wohl nicht über­bi­eten.
    leak­en zum Anglizis­mus des Jahres 2010 zu küren, wäre dann aber noch albern­er als Touch­screen, denn wie gesagt, das Wort ist seit knapp 10 Jahren im Deutschen im Gebrauch.

  18. Till Westermayer

    Fol­lowen
    Ist wahrschein­lich eigentlich eher 2008/2009, aber ähn­lich wie andere beim Touch­screen wäre ich bei “fol­lowen” davon überzeugt, dass es erst in jüng­ster Zeit mas­siv in die Massen­me­di­en und den all­ge­meinen Sprachge­brauch einge­drun­gen ist. Schön ist die läs­sige Inte­gra­tion in die deutsche Gram­matik (“fol­low­st du mir schon” und ähn­lich­es). Und die Tat­sache, dass es — zur Abgren­zung ander­er Bedeu­tun­gen von “fol­gen”? — eben als englis­ch­er Fach­be­griff im deutschen Text ste­ht.
    Ver­wandte Begriffe: der Fol­low­er, die Fol­low­er, twit­tern, der Tweet.
    Beispiele:
    http://www.taz.de/…/1/twit­ter-hack-nervt-promis/
    http://www.spiegel.de/…web/0,1518,694141,00.html

  19. Anatol Stefanowitsch

    @Gregor
    Gre­gor, wo gibt sich hier jemand als „ver­fol­gte Min­der­heit“ aus? Selb­st die Sprach­nör­gler tun das nicht — sie sehen sich als von ein­er „Elite“ sprach­lich unter­drück­te Mehrheit. Dabei ist die Medi­en­macht tat­säch­lich fast immer auf Seit­en der Sprachapoka­lyp­tik­er und Fremd­worthas­s­er. Das mag zum Teil an ein­er entsprechen­den Öffentlichkeit­sar­beit liegen, aber zum Teil liegt es schlicht daran, dass Kul­turpes­simis­mus „Main­stream“ ist, und jede Art von Sprach­nörgelei (ob deutschtümel­nd oder nicht) gut in diesen Main­stream passt.
    Was Ihren Vorschlag bet­rifft, den finde ich im Prinzip nicht unin­ter­es­sant. Wis­senschaftlichen Kri­te­rien genügt das Exper­i­ment sich­er nicht, aber es kön­nte trotz­dem auf­schlussre­ich sein, zu sehen, wie oft der „Anglizis­mus des Jahres“ aufge­grif­f­en würde und vor allem, wie er inhaltlich ankäme.
    Allerd­ings habe ich ein biss­chen den Ein­druck, dass ich bei der Aktion kaum gewin­nen kann. Wenn das Medi­ene­cho deut­lich geringer wäre als beim „Wort des Jahres“ — wovon ich allein schon wegen der größeren Bekan­ntheit des Let­zteren aus­ge­he — und ich das zum Anlass nehme, die These vom kul­turpes­simistis­chen, lehn­wort­feindlichen Main­stream aufzu­greifen, ste­he ich da, wie der öffentlichkeit­sheis­chende Fuchs, dem die Trauben des aus­bleiben­den Medi­ene­chos sowieso zu sauer gewe­sen wären. Wenn es dage­gen der Zufall will, dass die Geschichte in ein­er nach­wehnachtlichen The­men­flaute zum Topthe­ma wird, ste­he ich da, wie jemand, der sich, wie Sie es aus­drück­en, als Mit­glied ein­er ver­fol­gten Min­der­heit aus­gibt, obwohl er zum mei­n­ungs­machen­den Estab­lish­ment gehört.
    Aber wenn ich auf den Vorschlag gar nicht einge­he, ste­he ich da, wie eine feige Sau. Und nie­mand, nie­mand nen­nt mich eine feige Sau. Also machen wir es so, wie Sie es vorschla­gen.

  20. Markus A. Dahlem

    ver­pix­elt
    pix­el als Abkürzung für pic­ture ele­ment ist schon an sich toll.
    Das nun deutsche “ver­pix­elt” ist ein schönes d e u t s c h e s Wort.
    [Ver­pix­elt darf teil­nehmen, da auch Wörter kan­di­dieren kön­nen, die nur teil­weise aus englis­chem Lehngut beste­hen. — A.S.]

  21. Klausi

    Anglizis­mus des Jahres
    “Allerd­ings habe ich ein biss­chen den Ein­druck, dass ich bei der Aktion kaum gewin­nen kann”
    Das wird in der Tat so sein. Die Aktion kann nur schiefge­hen, es fehlt dem noch zu wäh­len­den Anglizis­mus von vorn here­in und auf jedem Fall der Charme, den etwa die geschöpften deutschen Begriffe wie “Wut­bürg­er” oder “schot­tern” haben. Den Sinn kann man ableit­en aus bekan­nten Wörtern, sie sind selb­sterk­lärend, oft iro­nisch und mit Hin­ter­sinn gedacht, auf den Punkt gebracht oder ein­fach nur spaßig gemeint. Das ver­ste­ht jed­er. Da tut man sich mit einem Anglizis­mus ein­fach schw­er­er, zumal der Anglizis­mus auch noch neuesten Datums sein soll und irgend etwas beze­ich­nen soll, für das die deutsche Sprache vorge­blich oder noch keine Entsprechung hat. Wie immer das Wort dann auch lautet, ohne umständliche Erk­lärung, was der Begriff im Deutschen nun bedeutet, kann man gar nicht auskom­men. Ungün­stiger kann die Aus­gangslage dem­nach gar nicht sein: Kaum jemand ken­nt den Anglizis­mus, er ist ja rel­a­tiv neu. Von vorn here­in ver­ste­hen tut ihn auch kaum ein­er, er wird wohl eher nicht selb­sterk­lärend sein. Wie also soll es gelin­gen, dieses ange­blich bedeut­same Wort, das jedoch bish­er nie­mand ver­misst hat, dem jet­zt schon ermüde­ten Pub­likum als wichti­gen Lück­en­füller zu präsen­tieren?

  22. Gregor

    Abgemacht…
    …ich kon­tak­tiere Sie dann per E-Mail. Dass sie bei der Aktion nur ver­lieren kön­nen, sehe ich nicht. Sie soll­ten ja in der Pressemit­teilung nicht nur verkün­den, dass der „Anglizis­mus des Jahres“ gewählt wor­den ist, son­dern auch erk­lären, warum Sie diese Aktion über­haupt ini­ti­iert haben. Und auf diese Weise kön­nen Sie den deutschtümel­nden Main­stream mit ihren rev­o­lu­tionären The­sen über Sprach­wan­del kon­fron­tieren.
    Aber ern­sthaft: In dieser Frage ist für die Medi­en „Main­stream“ oder „Außen­seit­er“ ohne Belang. Räson­nieren über Sprache ist ein nettes Bei­w­erk und ob man dabei in eine bekan­nte Kerbe schlägt oder mal was Neues bringt, spielt keine Rolle. Ich würde sog­ar sagen, dass Ihre Posi­tion gute Chan­cen hat, ger­ade weil sie medi­al weniger gut vertreten ist. Abwech­slung ist wichtig für die Jour­nal­is­ten. Die wollen in erster Lin­ie ihr Pro­dukt verkaufen und da kommt alles gele­gen, was bes­timmten Kri­te­rien genügt, wie Abwech­slung, Kon­flikt etc. Strö­mungen wie Kul­turpes­simis­mus oder wer­den allen­falls als Deko­ra­tio­nen genutzt, die jed­erzeit durch andere erset­zt wer­den kön­nen. Und da Sie ja in der Lage sind, unter­halt­sam zu for­mulieren und ihre Texte zugle­ich auch wis­senschaftlichen Kri­te­rien genü­gen, dürfte ihnen eine Kar­riere als Medi­en­lieblig offen ste­hen. Natür­lich sind Aktio­nen wie „Unwort des Jahres“ inzwis­chen Selb­stläufer und wer­den sog­ar in den Nachricht­en erwäh­nt. So weit wird es der „Anglizis­mus des Jahrs“ sich­er nicht brin­gen. Aber auch Ihre „Cre­den­tials“ als Pro­fes­sor und Wis­senschafts­blog­ger sind ja nicht ohne. (Ja, auch ich wech­sle bisweilen gerne in das Lager der ver­femten, ständig in Lebens­ge­fahr schweben­den Min­der­heit…)
    A pro­pos Min­der­heit: Sich als „abseits vom Main­stream“ zu posi­tion­ieren, ist eine gängige Strate­gie der Selb­st­darstel­lung, und ob das nun kon­ser­v­a­tiv-elitär oder pro­gres­siv-antielitär daher kommt, spielt keine Rolle. Es ist für manche Men­schen ein­fach schön­er, sich ein­er klu­gen Min­der­heit zuge­hörig zu fühlen und es ver­lei­ht dem eige­nen Anliegen zusät­zliche Legit­im­ität. Natür­lich sind die Geg­n­er immer igno­rant, aber unheim­lich mächtig und hal­ten alle wichti­gen Posi­tio­nen beset­zt.
    Bei aller Ver­schieden­heit der Anschau­un­gen, eines jedoch würde mir nie ein­fall­en: Sie als feige Sau zu beze­ich­nen.

  23. Lars Fischer

    Open Access
    Ist auch nicht neu, allerd­ings hat die entsprechende Diskus­sion hierzu­lande erst kür­zlich fahrt aufgenom­men. Plus, es gibt keine brauch­bare Entsprechung im Deutschen.

  24. Dirk Baranek

    Social Media
    Dieser Begriff scheint mir erst in 2010 in großem Stil in die Öffentlichkeit einge­drun­gen zu sein, obwohl es ihn in inter­essierten Kreisen natür­lich schon länger gibt. Vielle­icht ist 2010 mit dem ras­an­ten Auf­stieg von Face­book über­haupt DAS Social-Media-Jahr. Zumin­d­est, was die Wer­be­wirtschaft bet­rifft…
    “Social Media” ist ein per­fek­ter Anglizis­mus, weil von “Sozialen Medi­en” nie­mand spricht. “Social” lässt sich hier nicht ohne weit­eres mit “sozial” über­set­zen, es hat eine andere Bedeu­tung.

  25. ramses101

    Durch­faven” in allen seinen Ableitun­gen:
    http://tinyurl.com/durchgefaved
    Und zwar weil: Es die Ein­deutsch­er vom VDS zur Kapit­u­la­tion treiben dürfte, zu ver­suchen für das massen­hafte Favorisieren von Tweets eines einzel­nen Users einen deutschen Begriff zu find­en. Und weil es eine traumhafte Ableitung von “durchf***en” ist, die ziem­lich deut­lich — aber dur­chaus auch iro­nisch — klar­ma­cht, was das “faven” einem Twit­ter­er bedeutet.
    “Faven” sel­ber gibt es natür­lich schon länger, “durch­faven” ist mir dieses Jahr zum ersten Mal begeg­net.

  26. Markus A. Dahlem

    Darum “ver­pix­elt”
    Da ver­pix­elt nun also teil­nimmt — und ich habe gar nicht gezweifelt, dass es regel­gerecht für diesen Wet­tbe­werb ist — muss ich nun ja noch eine URL nach­liefern. Muss ich? Mein Ver­weis auf “Pro Google Street View” und “Was hast du getan, Google?” wird mir doch bitte nicht als Bestechung aus­gelegt, oder?
    Auch eine Begrün­dung will ich liefern:
    Ger­ade weil ver­pix­elt nur teil­weise aus englis­chem Lehngut beste­ht, beze­ich­net es tre­ff­sich­er die deutsche Google Street View-Beson­der­heit. Im englis­chen Sprachraum ist eine Ver­pixlung von Google Street View-Dat­en gar nicht möglich (oder irre ich da?).
    Es würde mich nicht wun­dern, wenn ver­pix­elt so sog­ar ins Englis­che wan­dert, um den deutschen Son­der­weg zu beze­ich­nen.
    Ah! Ich hab es (ja was wohl) gegoogelt: “Ger­many is ver­pix­elt”
    http://www.streetviewfun.com/…many-is-ver­pix­elt/
    Na also. Zum einen ist Google Street View eine sehr US-amerikanis­che Erfind­ung und das Unken­ntlich machen eine deutsche Son­der­heit. Da muss doch ein Mis­chwort her!
    Ver­pix­elt wird — man mag es bedauern wie man will — über­leben.

  27. Michael Kuhlmann

    Wort des Jahres ohne Erk­lärung?
    @Klausi:
    Dass ein Anglizis­mus des Jahres nicht ohne Erk­lärung uaskom­men wird, mag sein. Darin unter­schei­det er sich aber nicht vom Wort des Jahres. Das sieht man schon am “Wut­bürg­er”, dessen Bedeu­tung die Jury selb­st nicht ver­standen hat. Ein­er­seits ist die Wortschöp­fung nicht neu, son­dern bet­rifft die Schill-Sym­pa­thisan­ten, wie hier bere­its bemerkt wurde, ander­er­seits ist es keine Unter­stützung der S21-Protestier­er, son­dern allen­falls eine Pejo­ra­tion dafür, um sie als alte Meck­er­fritzen abzustem­peln.
    Dass die Jury dafür anscheinend deut­lich zu doof ist und das entwed­er aus rein­er Blöd­heit, oder aber aus poli­tis­chen Kalkül, völ­lig falsch ver­standen hat, zeigt besten­falls nur eins: Dass das Wort des Jahres irgendwelche Assozi­a­tio­nen weckt, die vielle­icht rein zufäl­lig den Kern tre­f­fen kön­nen, die aber auch meilen­weit davon ent­fer­nt liegen kön­nen.
    Das gle­iche gilt für das Unwort des Jahres. Ich erin­nere nur an das unselige “Humankap­i­tal”, dessen Bedeu­tung von der Jury nicht im ger­ing­sten ver­standen wurde.
    Es zeigt sich, dass solche “urdeutschen” Wörter wie die (Und-)Wörter des Jahres keine­segs ohne zusät­zliche Erk­lärung auskom­men. Und diese Erk­löärung sollte bess­er nicht von der strun­z­dum­men Jury kom­men, die sich anmaßt, solche Wörter zu wählen.
    @A.S.:
    Ich habe keinen eige­nen Vorschlag, favorisiere aber deut­lich “ver­pix­eln”. Erstens ist es im Gegen­satz zu leak­en und erst recht Touch­screen neu (Touch­screens standen schon Anfang der 90er an jedem Bahn­hof rum), und zweit­ens kommt es “mit­ten aus dem Jahr”, im Gegen­satz zu den Wik­ileaks-Vorschlä­gen.

  28. Patrick Schulz

    ver­pix­eln = neu?
    Ich weiß ja nicht, wo ihr die let­zten Jahre wart, aber ver­pix­elt wur­den Gesichter in Zeitun­gen und anderen Bild­beiträ­gen schon vor 2002. Der Begriff ist also keineswegs neuer als “leak­en”.

  29. Markus A. Dahlem

    Deutsch­land wurde ver­pix­elt
    Ver­pix­elt kenne ich seit Anfang der 1990er Jahre, wenn z.B. die Auflö­sung der CCD-Kam­era nicht gut war und wir Details in Dat­en nicht gut sehen kon­nten. Ich denke geringe Auflö­sung bei der Dig­i­tal­isierung ist die ursprüngliche Bedeu­tung. Aber darum, um die klas­sis­che Ver­pix­elung geht es heute gar nicht. Auch das absichtliche unken­ntlich machen durch kün­stliche Ver­gröberung der Auflö­sung oder, ein­fach­er, schwarze Balken ist nicht neu. Das hat zunächst auch gar nichts mehr mit den Pix­eln zu tun. Schwarze Balken kann ich auch in analo­gen Fotos einze­ich­nen Ob deswe­gen immer von Ver­pixlung gesprochen wurde, weiß ich gar nicht. Der schöne Begriff Pornobalken kommt mir da in den Sinn.
    2010 aber bekam der Begriff ver­pix­elt durch die Google Street View-Angele­gen­heit eine neue Dimen­sion. Deutsch­land wurde ver­pix­elt. Diesen Satz hätte man vor 2010 nicht ver­standen. Das ist was diesen Anglizis­mus ausze­ich­net.

  30. Armin

    ver­pix­elt im Englis­chen?
    @Markus,
    lei­der kann ich’s nicht mit Sicher­heit sagen, aber die Site sieht mir irgend­wie nicht aus wie von einem Mut­ter­sprach­ler gemacht. Der Sprach­stil, einige der Fehler, irgend­was stimmt da nicht. Ein­fach nur ein Gefuehl.
    Auch aus der einen Fund­stelle abzuleit­en dass “ver­pix­elt” es ins Englis­che geschafft haette halte ich fuer mehr als gewagt. Ich kann naem­lich son­st prak­tisch nichts ver­gle­ich­bares find­en wo “ver­pix­elt” in ein­er echt­en weit ver­bre­it­eten Englis­chsprachi­gen Site ver­wen­det wurde. Warum auch? “Blur” bedeutet nun ein­mal genau das gle­iche. Es gibt genug Deutsche (und andere) Woert­er die ins Englis­che aufgenom­men wur­den, aber das scheinen mir eigentlich eher Worte zu sein wo es eben kein gutes Gegen­stueck zu gibt.

  31. ʃplɔk

    Wort-Wahl: Anglizis­mus des Jahres… ver­anstal­tet auch eine Wort­wahl – und dies­mal vielle­icht eine, in der es wirk­lich um das Wort geht, und nicht um den gesellschaft­spoli­tis­chen Zusam­men­hang, in dem es ent­standen ist … Gesucht ist der Anglizis­mus des Jahres 2010 …

  32. Markus A. Dahlem

    Unken­ntlich­machung von Häusern
    @Armin: Stimmt. Ich hat­te zunächst nur den Ver­dacht, daraufhin mal gegoggelt und fand diesen Link.
    Ich dachte dieser Begriff würde zB für den deutschen Son­der­weg auch im Englis­chen auf­tauchen.
    Aber in der New York Times (April 29, 2010) ste­ht zB:
    “Ger­man data pro­tec­tion offi­cials had ini­tial­ly ques­tioned the legal­i­ty of Street View but dropped their objec­tions last July after Google agreed to hide details of faces, license plates and house num­bers through pix­i­la­tion, and to give cit­i­zens the option of remov­ing their prop­er­ty entire­ly from the 360-degree pho­to archive. Since then, hun­dreds have made such requests.” [Her­vorhe­bung durch mich]
    Da ja weltweit Num­mern­schilder und ähn­lich­es ver­pix­elt wer­den, ist zumin­d­est die Tech­nik bei Street View nich neu son­dern nur der Ein­satz bei Häusern.
    Ver­pix­elt kön­nte für die spez­i­fis­che Unken­ntlich­machung von Häusern als neues Wort auf­tauchen. Aber das ist immer noch sehr gewagt als These.
    Denn wed­er in der NYT noch Wash­ing­ton Post ist bis heute “ver­pix­elt” genutzt wor­den. Also lag ich wahrschein­lich falsch.
    Aber in Deutsch­land ist dieses Wort sich­er 2010 aufgestiegen in unseren Wortschatz.

  33. Markus A. Dahlem

    Ram­blings of an expat in Ger­many
    Eine nach Deutsch­land aus­ge­wan­derte englis­che Mut­ter­sprach­lerin schreibt über “ver­pix­elt” im Zusam­men­hang mit Wort­wahlen: Ram­blings of an expat in Ger­many.
    Aber anson­sten kon­nte ich wirk­lich bish­er nichts weit­er find­en, was aus ein­er orig­i­nal englis­chsprachi­gen Web­site stammt. Das ist aber für diese Wahl auch nicht entschei­dend.
    Jet­zt muss ich aber noch Geschenke kaufen gehen.
    Fro­he Wei­h­nacht­en in diese Runde!

  34. Michael Lange

    ver­pix­elt
    Also mir ist das Wort “ver­pix­elt” bewusst zum ersten Mal bere­its ca. 1998 begeg­net, als in Sat1 (glaube ich) ein Film von Bruce­LaBruce gezeigt wurde; um den Film (mut­masslich) ungeschnit­ten zeigen zu kön­nen, wurde er von erläutern­den Kom­mentaren unter­brochen, in denen auch erk­lärt wurde, warum die expliziten Stellen “ver­pix­elt” wur­den. Das ist also auch schon ziem­lich “nineties”.
    So, jet­zt aber noch ein her­zlich­es “Mer­ry Christ­mas” an alle, und tschüss!

  35. Gareth

    ver­pix­elt / pixel­lat­ed / pix­i­lat­ed
    ver­pix­elt ist wohl auch zu alt für den Anglizis­mus des Jahres.
    In dem einen englis­chen Beitrag wurde es ja auch offen­sichtlich nur scherzhaft benutzt, weil es auf Englisch ein­fach pixel­lat­ed heißt. Das in der New York Times muss ein Rechtschreibfehler sein, denn pix­i­lat­ed bezieht sich auf eine Stop-Motion-Tech­nik.

  36. Adrien Barbaresi

    trig­gern, getrig­gert
    Der Begriff ist zwar seit mehreren Jahren zu find­en (z.B. erster Wik­tionary-Ein­trag im Jahre 2005), er hat jedoch neulich an Bedeu­tung gewon­nen. So wer­den trig­gern und getrig­gert jet­zt ausser­halb von The­men wie Medi­zin oder Spie­len und auch ausser­halb von spez­i­fis­chen Foren benutzt.
    Ab jet­zt wer­den bei uns Forellen getrig­gert (Sept 2010)
    http://www.fangplatz.de/…ns-forellen-getrig­gert/
    Der Sinn des Begriffs ist nicht mehr ein­deutig. Dass er auch in Verbindung mit einem anderen Sprach­niveau gebracht wird, finde ich neu :
    Unsere Eit­elkeit muss ständig getrig­gert wer­den, die Ver­nun­ft wird im großen Stil sediert. (Die Zeit, Jan­u­ar 2010)
    http://www.zeit.de/…01/Req­ui­siten-des-Jahrzehnts
    Obwohl es sich hier meis­tens um eine qual­i­ta­tive Änderung han­delt, weist Google Trends darauf hin, dass sie auch quan­ti­ta­tiv als Anstieg zu beobacht­en ist.
    https://www.google.com/trends?q=triggern&ctab=0&geo=all&date=all&sort=0

    Die Begrün­dung für diese Nominierung liegt also darin, dass dieses Wort 2010 “zum ersten Mal in das Bewusst­sein ein­er bre­it­en Öffentlichkeit gelangt” ist.

  37. Adrien Barbaresi

    die Cloud
    Der Aus­druck «die Cloud» tritt seit 2008 ganz spez­i­fisch in der IT-Branche auf. All­ge­mein wurde er in den let­zten Monat­en massen­haft benutzt und gesucht, wie diese Grafik zeigt :
    http://www.google.de/…de&date=all&sort=0
    Wo «Cloud com­put­ing» schon seit einiger Zeit bekan­nt ist, tritt jet­zt «die Cloud» her­vor. Sie ist häu­fig zu find­en, wie zum Beispiel in der all­ge­meinen Presse :
    Genau hier liegt das eigentliche Poten­zial der Cloud (Zeit Kar­riere, Dez 2010)
    http://www.zeit.de/…-risiko-mitarbeiter?page=all
    Wik­ileaks hat­te mit einem Umzug in die «Cloud», also in ein Netz von verteil­ten Rechen­zen­tren (NZZ Nachricht­en, Dez 2010)
    http://www.nzz.ch/…digt_wikileaks_1.8533534.html
    Die Cloud ent­deckt die Dat­ev (FAZ-Wirtschaft Titel, Juli 2010)
    http://www.faz.net/…0~ATpl~Ecommon~Scontent.html
    Inter­es­san­ter­weise wird hier kein Com­put­er­netz gemeint, son­dern eine ganze Wirtschafts­branche. Die Sin­nüber­tra­gung zeugt von der Ver­bre­itung des Begriffs. Während er in der NZZ noch erk­lärt wird, wird hier von der (wirtschaftlich geprägten) Leser­schaft erwartet, dass sie ihn ken­nt.

    Vor allem die Gesamt­menge der Erwäh­nun­gen ist beacht­enswert, vorher war das Wort noch rel­a­tiv sel­ten. Es wurde 2010 ein­er bre­it­en Öffentlichkeit bekan­nt, daher die Nominierung.

  38. lexikographieblog

    Word des Jahres… Und siehe da, auch das ist jet­zt möglich: In seinem Sprachlog ver­anstal­tet Ana­tol Ste­fanow­itsch seit eini­gen Tagen die Wahl zum Anglizis­mus des Jahres 2010. Und dabei geht es nicht darum, böse englis­che Ein­drin­glinge anzuprangern. Gesucht wer­den Wörter, die das Deutsche um Aus­drucksmöglichkeit­en bere­ichert haben …

  39. Christoph Päper

    leiken
    Face­book hat den „Like“-Button zwar schon am 10. Feb­ru­ar 2009 offiziell einge­führt, aber die Adap­tion im Deutschen zu „liken“, i.S.v. ‘in sozialen Net­zen bekan­nt­machen, etwas zu mögen’, ist mein­er (lange FB-absti­nen­ten) Wahrnehmung nach so richtig erst 2010 geschehen, aber je nach Kor­pus mag man das wider­legen kön­nen.

  40. Bobbele

    App
    Das Wort “App” taucht immer wieder in der Wer­bung auf, für mich der Anglizis­mus des Jahres. Dabei weiß ich nicht mal genau was das ist, ich benutze mein Handy auss­chliesslich zum tele­fonieren…

  41. Damaschke: Notizen

    Anglizis­mus des Jahres 2010… Was auf Anhieb wie Satire klingt und vielle­icht auch so gedacht war, hat sich inzwis­chen zu einem, wenn auch iro­nis­chen, so doch dur­chaus ern­st­ge­mein­ten (und wie ich finde sehr begrüßenswerten) Pro­jekt entwick­elt …

  42. Till Westermayer

    nineties”
    Kam hier zweimal in Kom­mentaren vor, der Aus­druck, dass etwas “ziem­lich nineties” sei. Wie wär’s damit?

  43. */ˈdɪːkæf/

    Wahlaufruf: Anglizis­mus des Jahres 2010… sucht nebe­nan im Sprachlog den Anglizis­mus des Jahres 2010. Unter Ana­tols Vor­sitz wird eine Jury aus bloggen­den Ger­man­is­ten und Anglis­ten im Jan­u­ar aus Vorschlä­gen der Öffentlichkeit das Gewin­ner­wort (und den Gewin­ner) wählen. In der Jury sitzen …

  44. Mueller

    Wieso eigentlich nur Anglizis­men und nicht Lehn­wörter/-struk­turen generell?
    [Um Lehn­wörter aus anderen Sprachen müssten sich die Kolleg/innen aus den entsprechen­den Fach­philolo­gien schon selb­st küm­mern. — A.S.]

  45. Dietrich Lade

    Anglizis­mus des Jahres
    Sehr geehrter Herr Pro­fes­sor Ste­fanow­itsch,
    Sie schreiben “Alle has­sen Lehn­wörter …” Ich nicht! Ich has­se als friedlich­er Men­sch auch nur ganz sel­ten etwas. Manch­mal gefällt mir etwas nicht oder ich mag es nicht, so den undif­feren­zierten Gebrauch des Begriffs Lehn­wort. Im engeren Sinne ste­ht die Beze­ich­nung ja für ein Wort, das sich dem Deutschen in Flex­ion, Lau­tung, Schreib­weise angepasst hat. Ein solch­es wün­schte ich mir als Sieger bei Ihrer Auss­chrei­bung. Lei­der entsprechen erste Ein­sendun­gen dem nicht; eine “Bere­icherung der deutschen Sprache”, wie von Ihnen gewün­scht, sind sie wohl auch nicht.
    Es grüßt Sie fre­undlich
    Diet­rich Lade

  46. Bernhard

    Sale
    Ich kam heute spon­tan auf die Idee, das Wort “Sale” vorzuschla­gen, bin aber nach einge­hen­dem Studi­um der Wet­tbe­werb­sregeln skep­tisch, ob es die Regeln erfüllt. Den Anstoß für meinen Vorschlag gab der Umstand, dass ich das erwäh­nte Wort heute zum ersten Mal bewusst in der gesproch­enen deutschen Sprache gehört habe. In einem Radiowerbespot hieß es: “Jet­zt ist Sale bei Gale­ria Kaufhof.”
    Ich hat­te vorher immer die Ver­mu­tung, dass dieses Wort für Wer­bungs­mach­er einen ähn­lichen Sta­tus hat wie für Juden das Wort “Jah­we”: Man schreibt es, aber es auszus­prechen ist tabuisiert.
    [Hm, schwierig. Wenn sich zeigen ließe, dass das Wort in der gesproch­enen Sprache neu ist, müssten wir es wohl zulassen. — A.S.]

  47. stan

    mal so aus spaß
    Ist es eigentlich auch ein Anglizis­mus, wenn jemand ein Wort, das in bei­den Sprachen mit unter­schiedlich­er Bedeu­tung vorkommt im Deutschen mit der englis­chen Bedeu­tung ver­wen­det?
    Wenn ich also (beispiel­sweise) zu jeman­dem über etwas, das ihn nichts ange­ht sagen würde, das sei nicht sein Konz­ern?
    Dann sug­geriere ich, den Bringer aus der Ham­burg­er Mor­gen­post vom 27.12. in die Liste aufzunehmen (und wenn es nur außer Konkur­renz ist).
    Unter der Über­schrift „Face­book-Gemeinde jagt Katzen-Killer“ find­et sich ein Bericht über einen Teenag­er, der Katzen­babys in einen luft­dicht­en Plas­tik­beu­tel gesteckt und dann die Luft mit einem Staub­sauger abge­saugt hat. Er hat das gefilmt und bei Youtube reingestellt.
    Mopo: „Hun­derte User ver­suchen seine Iden­tität aus­find­ig zu machen…“
    Auf der Face­book­seite ste­ht: „Find the Kit­ten Vac­u­umer“ und die Mor­gen­post über­set­zt:
    „Find­et den Kätzchen-Vaku­umier­er“.
    Ich glaube, die Ham­burg­er Mor­gen­post hat hier etwas wirk­lich neues Geschaf­fen, bei dem sich jede Diskus­sion, ob es früher schon mal zu hören oder zu lesen war erübrigt.
    Auch wenn ich nicht glaube, dass sich diese Neuschöp­fung durch­set­zen wird kann ich mir doch (zumin­d­est bei Mopole­sern) Dialoge wie den fol­gen­den vorstellen:
    „Mama, kann ich jet­zt zu Kevin gehen?“
    „Nicht bevor du dein Zim­mer vaku­umisiert hast!“
    Allen einen guten Rutsch, und:
    Genießt Euch!
    [Die Ham­burg­er Mor­gen­post (und andere Zeitun­gen) ver­wen­den das Wort vaku­umieren (bzw. das davon abgeleit­ete Vaku­umier­er) mit der Bedeu­tung „etwas durch Absaugen von Luft aus ein­er luft­dicht­en Ver­pack­ung vaku­umver­pack­en“; das scheint mir ein trans­par­ent vom längst etablierten lateinis­chen Lehn­wort Vaku­um abgeleit­etes Verb zu sein; der­selbe Vor­gang wird im englis­chen nor­maler­weise mit evac­u­ate beze­ich­net. Tat­säch­lich haben die Zeitun­gen hier das englis­che Wort vac­u­umer falsch über­set­zt, aber dabei kein Lehn­wort und auch keine Lehnbe­deu­tung erschaf­fen. — A.S.]

  48. Sean Kollak

    flat­trn
    Whistle­blow­er, leak­en und ver­pix­eln sind auch meine Favoriten, da sie einen grundle­gen­den Kon­flikt unser­er Gesellschaft, den Wider­spruch zwis­chen Trans­parenz und Daten­schutz zum Aus­druck brin­gen.
    Ins Ren­nen würde ich gerne “flat­trn” schick­en.
    http://www.google.de/search?q=flattrn
    Micro­fund­ing von Artikeln ist dank Flat­tr und Kach­in­gle erst dieses Jahr in Deutsch­land richtig durchges­tartet.

  49. Kathrin Passig

    aus­rollen
    Aus­rollen (“ein Update aus­rollen”) als 1:1-Übersetzung von “to roll out”. Google Trends hil­ft nicht weit­er, aber wenn man nach update aus­rollen (ohne Anführungsze­ichen) sucht und den Suchzeitraum auf 2009 bzw. 2010 ein­gren­zt, dann sieht es nach ein­er deut­lichen Ver­mehrung aus. Begrün­dung: stopft eine Lücke.
    Ent­fre­un­den (unfriend), eine Fre­und­schaft in einem sozialen Net­zw­erk aufkündi­gen. Häu­figkeit­snach­weis eben­falls über Google-Suchzeitraum-Ein­gren­zung. Eventuell im Kom­bi­pack mit Ent­fol­gen / Ent­fol­lowen. Begrün­dung: wichtiger Vor­gang, ein Wort mit Zukun­ft. Neu daran scheint mir ins­beson­dere, dass es sich tech­nisch bed­ingt um einen stillschweigen­den Vor­gang han­delt: während “eine Fre­und­schaft aufkündi­gen” nach Vor­wür­fen und Türenknallen klingt, entspricht Ent­fre­un­den und ins­beson­dere Ent­fol­gen eher einem “red du nur, ich hör dir ein­fach nicht mehr zu”.

  50. Armin

    flat­tr
    @Sean,
    zur Ergaen­zung waere da vielle­icht noch inter­es­sant dass im Englis­chsprachi­gen Raum flat­tr min­destens im Ver­gle­ich zum Deutschsprachi­gen Raum prak­tisch unbekan­nt ist.
    Irgend­wo hat neulich mal jemand eine Sta­tis­tik gepostet, nach der kommt (soweit ich mich entsin­nen kann) 60% der Aktiv­i­taet aus dem Deutschsprachi­gen Raum, 20% aus dem Englis­chsprachi­gen Raum und die restlichen 20% aus anderen Sprachraeu­men. In Deutsch­land wird flat­tr von so der TAZ und den meis­ten bekan­nteren Blogs benutzt. Mir ist kein Gegen­stueck aus dem Englis­chsprachi­gen Raum bekan­nt.

  51. Eva

    Leak­en
    http://vtaktuell.wordpress.com/…15/lokal-leak­en/
    Ohne den Namen Wik­iLeaks wäre das Wort, wenn es auch schon früher als 2010 existiert hat, nicht in das Bewußt­sein der Öffentlichkeit gedrun­gen. Eine wirk­liche Über­set­zung scheint es nicht zu geben, weil das “leck­ende” Gut auss­chließlich aus Infor­ma­tio­nen beste­ht. Es ist daher eng auf einen The­menkreis gemünzt und nicht aus­tauschbar. Es hat sich sogle­ich als Verb durchge­set­zt, ein Zeichen großer Vital­ität. Und es ist schon sehr bald stark emo­tion­al beset­zt wor­den — von bei­den Seit­en.

  52. Gareth

    Ich vote für App!
    Ich schließe mich der Nominierung des Wortes App an. Ich habe daheim keinen Fernse­her, hat­te aber über die Wei­h­nachts­feiertage Gele­gen­heit, bei meinen Eltern fernzuse­hen und war erstaunt, wie viele Wer­bun­gen das Wort aufge­grif­f­en haben, v.a. auf Musik­sendern wie Viva und MTV. Dort gibt es sog­ar die Top 10 der Apps fürs Handy. Ich hat­te zuerst ver­mutet, es sei ein Wort, das sich auf Apple-Nutzer beschränkt, aber der App-Markt scheint für Handys aller Her­steller zu flo­ri­eren.
    Davon abge­se­hen ist die App natür­lich schon wegen ihrer Kürze prak­tisch, sie bere­it­et keine Ausspracheschwierigkeit­en und gliedert sich gut in Rechtschrei­bung und Plu­ral­bil­dung ein. Davon abge­se­hen beschreibt das Wort etwas, für das es kein deutsches Pen­dant gibt, füllt also eine Lücke im deutschen Wortschatz. Ich ärg­ere mich ger­ade, dass ich nicht selb­st auf den Vorschlag gekom­men bin.
    Mir gefiel der Vorschlag liken auch ganz gut, weil ich das auch benutze, aber die Ver­wen­dung schien mir doch etwas zu sehr auf Face­book beschränkt und die Par­tizip­i­al­form gelikt sieht doch im Geschriebe­nen immer noch etwas bizarr aus, auch wenn ich es ohne Prob­leme im Gesproch­enen benutzen würde.

  53. Gareth

    Nach­trag: Fund­stellen für “App”
    Fund­stellen find­en sich eigentlich zuhauf, aber der Voll­ständigkeit hal­ber wollte ich’s noch nach­tra­gen.
    Die Suchan­frage “kosten­lose Apps” liefert 195.000 Ergeb­nisse, “Apps fürs Handy” 90.000 Ergeb­nisse, “neue Apps” 53.300 usw.
    Dass es erst 2010 richtig Ein­gang in die Sprache gefun­den hat, sieht man bei einem Ergeb­nisver­gle­ich von “kosten­lose Apps” im Zeitraum 01.01.2009 bis 31.12.2009 (34.800 Ergeb­nisse) mit der­sel­ben Anfrage im Zeitraum vom 01.01.2010 bis 29.12.2010 (294.000 Ergeb­nisse). Die Ergeb­nisse sind also von einem zum anderem Jahr mit dem Fak­tor 8,5 mul­ti­pliziert.
    Die Ten­denz ist z.B. bei “geleakt” übri­gens schwäch­er. “geleakt” hat sich von 2009 bis 2010 nur mit dem Fak­tor 2,5 mul­ti­pliziert. Natür­lich ist der Ver­gle­ich sta­tis­tisch nicht sauber, weil ich nur eine Ver­wen­dungsart bzw. Kol­loka­tion pro Wort habe, aber für eine aus­führlichere Recherche fehlt mir ger­ade die Zeit. Und immer­hin scheint “geleakt” die häu­fig­ste Ver­wen­dung des Verbs “leak­en” (“leak­ten” oder “leak­te” hat so gut wie keine Ergeb­nisse).

  54. André Spiegel

    Teilen
    Ich schlage “Teilen” als Über­set­zungsver­such von “to share” vor (“teile diesen Link”, “teile diesen Film”, usw.)
    Ich finde das Wort span­nend, weil es einen Not­stand aus­drückt. Die Über­set­zung klingt extrem unglück­lich, weil das Teilen mit einem direk­ten Objekt im Deutschen eigentlich nur als Zer­stück­eln zu ver­ste­hen ist, und ger­ade das passiert in der dig­i­tal­en Welt ja nicht: Was ich dort “teile”, ist nach­her noch genau­so vorhan­den wie vorher.
    Gle­ichzeit­ig ist dieser Vor­gang des “Teilens” aber ein ganz wesentlich­er im Inter­net, er ist die Basis von Open Source, von File Shar­ing, von Social Media, usw. Dass wir im Deutschen kein Wort haben, um dies befriedi­gend auszu­drück­en, ist wirk­lich ein Not­stand, den die hanebüch­ene Ver­wen­dung von “Teilen” mehr illus­tri­ert als behebt.
    Kann man das sta­tis­tisch dem Jahr 2010 zuord­nen? Der Über­set­zungsver­such ist sich­er schon älter, aber mir per­sön­lich wurde er in diesem Jahr zum ersten Mal so richtig schmerzhaft bewußt, zum Beispiel in der deutschen Ver­sion von Face­book (man müßte nach­prüfen kön­nen, seit wann das Wort dort so ver­wen­det wird).
    [Teilen enthält kein englis­ches Lehngut, nicht ein­mal die Bedeu­tung scheint mir aus dem Englis­chen entlehnt. Sharen gin­ge, ist aber wahrschein­lich zu alt. — A.S.]

  55. Jan Dönges

    Home office
    Hi, ich schlage das Wort “Home office” oder “Home­of­fice”, bzw. “home office” vor. Wie in dem Satz “[ich] mach heut home office!” ( http://tinyurl.com/338dy5e ).
    Google News liefert für das Wort auf deutschsprachi­gen Seit­en 425 Tre­f­fer (für das Jahr 2010, http://tinyurl.com/35fsto7), 222 Tre­f­fer (2009, http://tinyurl.com/2wrpj42) und 81 Tre­f­fer (2008, http://tinyurl.com/38y3qjj). Das Wort gewin­nt also deut­lich an Fahrt, ist aber natür­lich ganz schön unspek­takulär. Meine eben aus­gedachte Begrün­dung lautet daher wie fol­gt:
    Das Wort “Home office” schlich sich weit­ge­hend unbe­merkt und ohne auf Kri­tik zu stoßen in den deutschen Sprachge­brauch. Das zeigt stel­lvertre­tend, dass fun­da­men­tale Änderun­gen in der Arbeitswelt völ­lig unbe­merkt stat­tfind­en kön­nen: Das schon seit Jahrzehn­ten als Zukun­ftsmod­ell gepriesene Arbeit­en-von-zu-Hause-dank-mod­ern­er-Tech­nik hat­te längst kein­er mehr auf dem Plan, bis es auf ein­mal halb­wegs unbe­merkt da war — genau wie der Aus­druck “Home office”. “Home office” demon­stri­ert außer­dem, wie ein schönes, intu­itiv ver­ständlich­es Wort aus dem Englis­chen den staubi­gen, an BTX, Akustikkop­pler und die 80er Jahre erin­nern­den Begriff “Telear­beit” ver­drän­gen kann.

  56. Gareth

    teilen
    Home Office ist dann aber noch ganz schön am Schle­ichen, wenn Sie 425 Tre­f­fer gefun­den haben. Eine so geringe Tre­f­fer­quote zeigt eigentlich, wie irrel­e­vant der Vorschlag ist.
    teilen ist hinge­gen ein guter Vorschlag. Da mein Brows­er auf Englisch eingestellt ist und dem­nach auch Face­book, YouTube, Vimeo und Kon­sorten auf Englisch erscheinen, ist mir das noch nie so aufge­fall­en, dass ein deutsches Äquiv­a­lent für share fehlt. Ich selb­st würde ein Video teilen nicht sagen, weil ich offen­sichtlich nicht genug von den deutschsprachi­gen Vari­anten besagter Web­seit­en bee­in­flusst bin.
    So weit weg von der Ursprungs­be­deu­tung ist es aber glaube ich nicht, da es ja schon die Wen­dung etw. mit jdm. teilen gibt. Hier wird jet­zt nur Prä­po­si­tion­alphrase aus­ge­lassen (wobei die ja weit­er­hin impliziert ist). Der Unter­schied ist wohl, dass die Wen­dung i.A. “etw. gemein­sam verbrauchen/benutzen” bedeutet, was hier natür­lich nicht zutrifft. Es gab aber ja auch vorher schon Abwe­ichun­gen von dieser all­ge­meineren Bedeu­tung, wie z.B. “ein Geheim­nis mit jdm. teilen”. Am inter­es­san­testen dürfte also die Valen­zän­derung sein, wie in “XY hat dieses Video auf seinem Pro­fil geteilt.”
    Es ist ganz inter­es­sant, sich fremd­sprachige Vari­anten von Face­book anzuguck­en. Da stellt man fest, dass es auch im Nieder­ländis­chen delen heißt und im Franzö­sis­chen partager, jew­eils mit der­sel­ben Valenz.

  57. Gareth

    PS. Bei solchen Direk­tüber­set­zun­gen ein­er im Orig­i­nal englis­chsprachi­gen Web­seite stellt sich natür­lich immer die Frage, inwiefern die Nutzer dieses Wort auch selb­st so benutzen. An der For­mulierung der Optio­nen und der automa­tis­chen Sta­tuskom­mentare kön­nen sie ja nichts ändern (außer sie joinen das jew­eils zuständi­ge Über­set­zungs­gruppe auf den Web­seit­en). Ob es dort wohl irgendwelche Diskus­sio­nen dazu gab? Ich kenne mich mit den Inter­na nicht so aus, aber die Über­set­zun­gen wer­den ja sich­er nicht von ein­er einzi­gen Per­son entwick­elt und unkon­trol­liert online gestellt.

  58. Armin

    Face­book Ueber­set­zung
    @Gareth,
    soweit ich mich entsin­nen kann wur­den die Ueber­set­zun­gen von Face­book “crowd­sourced”, da kon­nte man sich irgend­wie anmelden und zu Ueber­set­zun­gen beitra­gen. Da gab’s glaube ich auch Foren oder aehn­lich­es wo das alles disku­tiert oder “gevotet” wurde. Dem­nach muesste auch “teilen” in irgen­dein­er Form von ein­er Deutschen “user com­mu­ni­ty” abge­seg­net wor­den sein.
    Aber das ist jet­zt nur so aus dem Gedaecht­nis, das muesste bes­timmt so 2 Jahre her sein und ich habe das nicht weit­er recher­chiert.

  59. Adrien Barbaresi

    Handy-Tick­et
    Das Handy-Tick­et ist 2010 nach ein­er vier­jähri­gen Test- und Erweiterungsphase deutsch­landweit zugänglich gewor­den.
    Dieses Ver­fahren ist unge­nau, aber nach meinen Google Suchen war das Antwort 2010 viel mehr ver­bre­it­et (2.580.000 Ergeb­nisse) als in den vorigen Jahren (2007, 2008 und 2009 ins­ge­samt : 2.380.000 Ergeb­nisse).
    Es kön­nte umso mehr gängig wer­den, als es der offizielle, z.B von der Bahn geprägte Begriff ist : “DB Handy-Tick­et: Das Dis­play wird zur Fahrkarte.” http://www.bahn.de/…ung/mobil/handy_ticket.shtml
    Dabei wäre “das Dis­play” fast ein­er Nominierung wert, das Wort existierte aber bere­its in den 90er Jahren.
    Dieses Kom­posi­tum beste­ht ja offen­sichtlich aus zwei Anglizis­men, was von beson­derem Inter­esse ist. Seine mas­sive Ver­bre­itung kön­nte die Sprachge­wohn­heit­en im seinem Bere­ich (Verkehrs­ge­sellschaften, “Online-Dien­sten”, usw.) maßge­blich bee­in­flussen.

  60. Markus

    Twick­en
    Mein Vorschlag: “Twick­en” für das Ver­fassen ein­er 140-Zeichen-Kurz­erk­lärung bei der Erk­lär­mas­chine Twick.it.
    Das Wort leit­et sich von Twick ab, was wiederum eine Kom­bi­na­tion von Twit­ter (140 Zeichen) und Wikipedia (Erk­lärung) ist.
    Wer mir nicht glaubt, dass es das tat­säch­lich gibt, darf gerne bei Wikipedia nach­se­hen: http://de.wikipedia.org/wiki/Twick.it
    [Hm, da Twick kein englis­ches Wort ist, son­dern ein (deutsches) Kunst­wort, das als Marken­name dient und aus zwei weit­eren Marken­na­men zusam­menge­set­zt ist, die besten­falls am Rande als englis­che Wörter gel­ten dürften, wer­den wir twick­en wahrschein­lich nicht zulassen (davon abge­se­hen, dass es kaum häu­fig genug sein dürfte, um über­haupt als etabliertes Wort zu gel­ten). — A.S.]

  61. Klausi

    Wörter, die die Welt nicht braucht
    Die bish­eri­gen Vorschläge zeigen sehr schön das ganze Elend dieses Ver­such­es.
    Im Gegen­satz zum Wort oder Unwort des Jahres kann man über die hier gemacht­en Eingaben noch nicht ein­mal schmun­zeln, geschweige denn sich aufre­gen. Von den einzi­gen bei­den Vorschläge, die immer­hin all­ge­mein von gewis­sem Inter­esse sein dürften, wird der eine wohl raus­fliegen, weil er kein echter Anglizis­mus (“ver­pix­eln”) und der andere (“West­er­wave”), weil das The­ma West­er­welle eigentlich schon gegessen ist.
    Andere Begriffe (z.B. Mul­ti-Touch-Screen, Writer-in-Res­i­dence) sind so sper­rig, dass sie, wären sie feil­ge­botene Waren, ger­ade mal als Laden­hüter taugten.
    Das einzige Wort, das mich regel­recht begeis­tern kön­nte, wäre “Ent­fre­un­den”, was jedoch, aber wem sage ich das, kein Anglizis­mus ist.
    Weit und bre­it kein Wort, das den Ansprüchen genü­gen kön­nte. Zu alt(“sale”), zu banal (“Kiss & Ride”) oder selb­st bei gutem Willen zu däm­lich (“fol­lowen”)! Wäre ich der Ini­tia­tor, würde ich mich so langsam aber sich­er vor lauter Verzwei­flung in den Popo beißen.

  62. Michael Lange

    App vs. geleakt
    “Davon abge­se­hen beschreibt das Wort etwas, für das es kein deutsches Pen­dant gibt, füllt also eine Lücke im deutschen Wortschatz.”
    Naja, wenn man sich in englis­chsprachi­gen Com­put­er­foren herumtreibt, sieht man, dass “app” als Abkürzung für “appli­ca­tion” schon lange für Com­put­er­pro­gramme aller Art ver­wen­det wird, das deutsche Pen­dant wäre also ein­fach “Anwen­dung” oder “Pro­gramm”, wie bei Soft­ware für “grosse Com­put­er” auch. Allerd­ings hat Gareth auch wieder recht, diese Begriffe ver­wen­det im Handy-/Smart­phone­sek­tor wohl kaum jemand.
    “Die Ten­denz ist z.B. bei “geleakt” übri­gens schwäch­er. “geleakt” hat sich von 2009 bis 2010 nur mit dem Fak­tor 2,5 mul­ti­pliziert.”
    Das ist allerd­ings nicht über­raschend, weil ja die Causa Wikieaks erst seit ein paar Wochen vir­u­lent gewor­den ist. Man müsste wohl eher den Zeitraum Nov.-Dez. 2009 gegen Nov.-Dez. 2010 ver­gle­ichen, da bin ich jet­zt aber zu faul 🙂 Ohne das jet­zt weit­er nachzuprüfen, scheint es mir, als ob diese Zahlen eher darauf hin­deuten, dass “leak­en” tat­säch­lich erst durch die aktuelle Wik­ileak­saf­faire in den Wortschatz der “bre­it­en Masse” vorge­drun­gen ist, also ger­ade nicht zu alt ist.
    Generell muss ich aber zugeben, dass bei mein­er Präferenz für “leak­en” gegen z.B. “App” oder “Mul­ti-Touch­screen” weniger lin­guis­tis­che Kri­te­rien entschei­dend sind (wie auch, als Laie?), als das Gefühl, dass man Begrif­f­en, die mehr oder weniger den PR-Abteilun­gen irgendwelch­er Konz­erne entsprun­gen sind, nicht zuviel der Ehre erweisen sollte.
    Über­spitzt gesagt: Ist “Coke-Zero” ein Kan­di­dat für den “Anglizis­mus des Jahres”, wenn plöt­zlich jed­er anfängt, das Zeug zu saufen und sich auf Face­book und Twit­ter darüber auszu­tauschen?
    Irgend­wie sind mir da Begriffe, die wie auch immer, gesellschaftliche Fra­gen, bzw. Kon­flik­te betr­e­f­fen, sym­pa­this­ch­er.
    P.S. , @Till West­er­may­er :
    “Kam hier zweimal in Kom­mentaren vor, der Aus­druck, dass etwas “ziem­lich nineties” sei. Wie wär’s damit?”
    Abstauber 😉

  63. Gareth

    Michael Lange,
    das Wort App mag vllt vor allem in der Wer­bung benutzt wer­den und ist somit aus wirtschaftlichen Inter­essen unters Volk gebracht wor­den, aber das unter­schei­det es den­noch deut­lich von Coke Zero, was schlichtweg einen Marken­na­men beze­ich­net. Wenn Sie eine Coke Zero bestellen, wer­den Sie keine Pep­si bekom­men. Von wem aber ihre App ist, ist nicht gesagt.
    Dass das Wort vorher schon vorgekom­men ist, habe ich ja nie bestrit­ten. Mir ging es um die Entwick­lung der Fre­quenz und da ist App deut­lich stärk­er in den Vorder­grund getreten. Ich habe 2010 als Ver­gle­ich­szeitraum gewählt, weil wir ja den Anglizis­mus des Jahres 2010 suchen und nicht den Anglizis­mus der Monate Novem­ber und Dezem­ber.

  64. Patrck Schulz

    @Garreth
    Ganz so würde ich das nicht sehen: Wenn ich in einem Lokal, wo es nur Pep­sis Pro­duk­te gibt, eine Sprite bestelle, bekomme ich ein 7up. (Bei Coke kann ich nicht aus eigen­er Erfahrung sprechen, da ich wenn dann immer Cola bestelle, niocht aber Coke) In diesem Falle würde ich schon behaupten, dass die Namen der Pro­duk­te der Coka Cola Com­pa­ny eine Art Pro­to­typ-Charak­ter besitzen und nicht zwangsweise untrennbar mit den Pro­duk­ten selb­st ver­bun­den sind. Wie bei (Haar-) Fön, was ja auch an sich ein Marken­name ist, aber inzwis­chen sysonym für Haartrock­n­er ver­wen­det wird, auch wenn es sich bei dem entsprechen­den Gerät nicht um einen Fön (i.e.S.) han­delt.

  65. Gareth

    Patrick Schulz,
    das Beispiel war aber Coke Zero. Die Zero-Pro­duk­trei­he gibt es nur von Coca Cola und da wird Ihnen nie­mand ein­fach eine Pep­si in die Hand drück­en, son­dern Ihnen sagen, dass Coke Zero nicht im Ange­bot ist.
    Davon abge­se­hen gibt es natür­lich Begriff­s­mono­pole, wie auch bei Tem­po oder Tesafilm, wo der Marken­name syn­onym mit dem eigentlich Wort gebraucht wird. Das gibt es ja in allen möglichen Sprachen. Hat aber immer noch nichts mit dem Vorschlag App zu tun.

  66. Jan Dönges

    Home office — Nach­trag
    Hi nochmal,
    die angegeben Zahlen beziehen sich allein auf Google News und sind naturgemäß sehr ger­ing, weil das The­ma in Zeitun­gen sel­ten erwäh­nt wird.
    Nor­male Google-Tre­f­fer (Seit­en auf Deutsch):
    2010: 569000 (http://bit.ly/gn51dd )
    2009: 254000 (http://bit.ly/e7oMSv )
    (Was auch immer das aus­sagen mag)

  67. Michael Lange

    Coke-Zero
    Schon klar, Gareth hat natür­lich recht, dass der Ver­gle­ich zwis­chen “App” und “Coke-Zero” reich­lich schief ist, deshalb schrieb ich ja auch “über­spitzt aus­ge­drückt”. Der Ver­gle­ich war eben nicht wörtlich zu ver­ste­hen, son­dern sollte ein gewiss­es Unbe­ha­gen angesichts der Vielzahl der hier vorgeschla­ge­nen Begriffe mit (mut­masslich) kom­merziellem Ursprung verdeut­lichen.
    Es liegt aber keines­falls in mein­er Absicht, hier zu “fla­men”, ich wollte nur mal einen Gedanken in die Diskus­sion wer­fen. Ich würde sog­ar so weit gehen zu behaupten, dass ein guter Teil des Wider­wil­lens gegen Anglizis­men bei vie­len Men­schen in Wirk­lichkeit eine Abnei­gung gegen “Werbe­sprech” ist, die sich nur auch gegen alle anderen Anglizis­men wen­det. Bele­gen kann ich das selb­stver­ständlich nicht 🙂 , ausser­dem wäre das eh eine ganz andere Debat­te.

  68. Gareth

    Jan Dönges,
    das hat­ten Sie dann entwed­er nicht dazugeschrieben oder ich hat­te es über­lesen. Wun­dert mich trotz­dem, dass das Wort so pop­ulär zu sein scheint. Ist irgend­wie an mir vor­beige­gan­gen. Vllt. weil ich kein Home­of­fice habe.

  69. Gareth

    PS. Der Werbe­sprech

    Ich würde sog­ar so weit gehen zu behaupten, dass ein guter Teil des Wider­wil­lens gegen Anglizis­men bei vie­len Men­schen in Wirk­lichkeit eine Abnei­gung gegen “Werbe­sprech” ist, die sich nur auch gegen alle anderen Anglizis­men wen­det. Bele­gen kann ich das selb­stver­ständlich nicht 🙂

    Das glaube ich auch. In ein­er typ­is­chen famil­iären Wei­h­nachts­diskus­sion regte sich meine Mut­ter, die mit Sprache über­haupt nichts am Hut hat, darüber auf, dass man über­all mit “Sale”-Schildern über­fall­en wird und kein­er mehr Schlussverkauf sagt und am darauf­fol­gen­den Tag sagte sie zu mir: “Guck mal, meine neue Jeans, war bei H&M im Sale.” So viel dazu.

  70. Tom

    Mir gefällt “geleakt” aus­ge­sprochen gut. Neuheitswert hat auch das “cloud com­put­ing” und in diesem Zusam­men­hang wird dann auch schon mal von “gecloudet” gesprochen.
    (http://pc.de/personal/page/2/ Zitat: Vieles wird gecloudet, möglichst wenig wird noch gedruckt…)
    Also werfe ich mal “gecloudet” ins Ren­nen um den Anglizis­mus des Jahres.

  71. Tom

    Wort­spiel
    Ein klein­er Nach­trag:
    Dann wer­den geleak­te Games gecloudet.
    Was für ein schönes Wort­spiel wenn man geleakt mit geklaut über­set­zt.

  72. Michael Lange

    Nochmal Werbe­sprech
    @Gareth
    “In ein­er typ­is­chen famil­iären Wei­h­nachts­diskus­sion regte sich meine Mut­ter, die mit Sprache über­haupt nichts am Hut hat, darüber auf, dass man über­all mit “Sale”-Schildern über­fall­en wird und kein­er mehr Schlussverkauf sagt und am darauf­fol­gen­den Tag sagte sie zu mir: “Guck mal, meine neue Jeans, war bei H&M im Sale.” ”
    Hehe­he… (^___^)
    Ganz typ­isch scheint mir auch bei “Anglizis­men-bash­ing-Gesprächen” zu sein (zumin­d­est wie ich das im per­sön­lichen Umfeld erlebe), dass sie sich an “Lat­te-to-go” und “Sale” etc. entzün­den und dann erst auf alle möglichen *neuen* Anglizis­men über­schwap­pen, die altherge­bracht­en “Old­timer”, “Show­mas­ter” oder “Com­put­er” scheinen dage­gen abge­se­hen von “pro­fes­sionellen” Sprach­nör­glern nie­man­den zu stören.

  73. Detlef Guertler

    Cher­many
    Ich würde gerne Cher­many ins Feld schick­en, geprägt vom FTD-Jour­nal­is­ten Mar­tin Wolf am 18. März:
    “Ich stelle Ihnen nun “Cher­many” vor, eine Wort­neuschöp­fung, die für die bei­den welt­größten Net­to­ex­por­teure ste­ht.”
    Orig­i­nal-Artikel (hin­ter Bezahlschranke): http://www.ftd.de/…n-rest-der-welt/50090390.html
    Mein Blog­beitrag dazu: http://blogs.taz.de/wortistik/2010/03/18/chermany/
    Cher­many ist ein­deutig ein Anglizis­mus, eben­so ein­deutig neu, beschreibt einen Sachver­halt, für den es im Deutschen zuvor kein eigenes Wort gab und für den es auch keine sin­nvolle deutsch-deutsche Alter­na­tive gibt: Wed­er Cheutsch­land noch Deu­na kön­nen mit Cher­many mithal­ten.

  74. SKG

    Cable­gate
    Ich schlage als Anglizis­mus des Jahres “Cable­gate” vor, also die Begriffs­bil­dung aus “Cable” und “Water­gate”
    Begrün­dung:
    -Sub­sum­iert pointiert die Veröf­fentlichung der ver­traulichen Botschafts-Depeschen
    -cable aus dem englis­chen wörtlich Tau, Kabel, Leitung, im über­tra­gen Sinn dann Telegramm, in der heuti­gen Zeit von elek­tro­n­is­chen Nachricht­en ger­adezu ein alt­modis­ch­er Gegen­be­griff (wer ver­schickt heute noch Telegramme?) aus der Zeit­en der Telegra­phie.
    -Der Begriff nimmt vielle­icht eine -noch nachzuweisende- his­torische Dimen­sion dieser Veröf­fentlichung in Anspruch (Water­gate -> Rück­tritt eines US-Präsi­den­ten); insofern ist er gewagt.
    -Der Begriff ist in sein­er Water­gate-Anspielung US-zen­tri­ert, was nur teil­weise kor­rekt ist; bei Water­gate ging es um innen­poli­tis­che Angele­gen­heit­en; die bekan­nt­ge­wor­de­nen Depeschen hinge­gen beziehen sich auf das Ver­hält­nis zu anderen Staat­en und auch auf ver­trauliche Infor­ma­tio­nen zwis­chen Nicht-US-Staat­en.

  75. Wortistik

    leak­en… kristallisieren sich nach dem derzeit­i­gen Stand als Favoriten für die Wahl zum “Anglizis­mus des Jahres” her­aus, die dieses Jahr erst­mals von Sprach­blog­ger Ana­tol Ste­fanow­itsch ver­anstal­tet wird, dem Schreck­en aller Sprach­nör­gler. Die Nominierungs­be­din­gun­gen …

  76. Gareth

    -Der Begriff nimmt vielle­icht eine -noch nachzuweisende- his­torische Dimen­sion dieser Veröf­fentlichung in Anspruch (Water­gate -> Rück­tritt eines US-Präsi­den­ten); insofern ist er gewagt.

    Naja, dass alle da sofort und auss­chließlich an den Rück­tritt des US-Präsi­den­ten denken müssen, wage ich bei der Zahl der Wörter, die mit­tler­weile mit -gate geformt wur­den, zu bezweifeln.
    http://en.wikipedia.org/…with_%22-gate%22_suffix

  77. Harald Kirsch

    App
    Wenn das Meet­ing gecan­celt wer­den muss, weil die App den File­share mit den Appoint­ments nicht moun­ten kann, dann macht es keinen Sinn die Agen­da zu bloggen.
    Warum erin­nert mich diese Deng­lish blos an ein Tiramisu mit frischen Harz­er Käse?

  78. Sean Kollak

    Social Web
    Erstaunlich, dass in dem Jahr als Google von Face­book über­holt wurde, nicht mehr von Social Web die Rede ist.
    Social Media ist gemein­hin schon Old School. Darum schlage ich allen Ern­stes “Social Web” vor, dass sich in ein­schlägi­gen Kreisen bere­its als neues Totschlag-Buzz­word etabliert hat. Ver­mut­lich um die men­schliche Kom­po­nente beim Face­booken, leak­en und twit­tern zu beto­nen.

  79. Gareth

    Alles Käse

    Wenn das Meet­ing gecan­celt wer­den muss, weil die App den File­share mit den Appoint­ments nicht moun­ten kann, dann macht es keinen Sinn die Agen­da zu bloggen.

    Eigentlich sollte man auf Ihren Ser­mos ja nicht mehr einge­hen, aber die Hoff­nung, am anderen Ende auf Ver­nun­ft zu stoßen, stirbt zulet­zt: Ihr Satz würde auch mit urdeutschen Wörtern keinen Sinn ergeben.
    Anson­sten natür­lich viel Spaß beim Ver­wen­den von kleines Zusatzpro­gramm für den Com­put­er oder das Handy statt App. Voll prak­tisch.

  80. Klausi

    Schiere Notwehr
    An Har­ald Kirsch:
    Danke für das Denglis­chbeispiel.
    Der­ar­tige Sätze waren es, die den VDS haben entste­hen lassen.
    [Ich darf also fes­thal­ten: Der VDS ist nach Aus­sage des aktiv­en VDS-Mit­glieds „Klausi“ [weit­ere Deck­na­men sind der Redak­tion bekan­nt] auf­grund von imag­inären Sätzen ent­standen, die nie­mand außer den Sprach­nör­glern selb­st jemals sagen würde. — A.S.]

  81. Klausi

    Es war im Jahre 1996…
    …als Jil Sander wie fol­gt kund­tat:
    „Ich habe vielle­icht etwas Weltverbessern­des. Mein Leben ist eine giv­ing-sto­ry. Ich habe ver­standen, dass man con­tem­po­rary sein muss, das future-Denken haben muss. Meine Idee war, die hand-tai­lored-Geschichte mit neuen Tech­nolo­gien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein coor­di­nat­ed con­cept entschei­dend, die Idee, dass man viele Teile ein­er col­lec­tion miteinan­der com­bi­nen kann. Aber die audi­ence hat das alles von Anfang an auch sup­port­ed. Der prob­lem­be­wusste Men­sch von heute kann diese Sachen, diese refined Qual­itäten mit spir­it eben auch appre­ci­at­en. Allerd­ings geht unser voice auch auf bes­timmte Ziel­grup­pen. Wer Ladyis­ches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muß Sinn haben für das effort­less, das mag­ic meines Stils.“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Jil_Sander

  82. ohno

    @klausi (jil sander)
    Men­sch Klausi, da haben Sie ja wirk­lich ein bran­dak­tuelles Beispiel für anglisierten Dum­mquatsch gefun­den! Haben Sie auch noch Mot­tenkistigeres?

  83. Gareth

    Klausi,
    von Jil Sander ging so eine große Bedro­hung aus, dass man einen zwielichti­gen Vere­in grün­den musste, um die deutsche Sprache vor ein­er Ham­burg­er Modemacherin zu schützen? Ich will Sie nicht verun­sich­ern, aber vielle­icht wurde Frau Sander ja von der englis­chen Sprache erpresst und zu der­ar­ti­gen State­ments gezwun­gen? Das Englis­che hat es ja schon lange auf die Ver­nich­tung des Deutschen abge­se­hen. Ihre Vere­in­spos­tille kann doch sich­er mal in die Rich­tung “recher­chieren”. (Welch­es deutsche Wort ist dafür eigentlich aus­gestor­ben?)

  84. physiker

    jeman­den adden
    Nach­dem es zu diesem Verb im let­zten Jahr mehr als 300000 Google-Tre­f­fer gibt, spare ich mir die Quel­lenangabe… jeden­falls hat der Gebrauch von “adden” laut Google im let­zten Jahr stark zugenom­men (auch wenn es nat­uer­lich bere­its sehr viel laenger ver­wen­det wird).

  85. Mo

    Nominierung
    Ist mein Kom­men­tar im Spam­fil­ter hän­genge­blieben? Also nochmal, unge­fähr.
    Wort: Bal­con­ing
    Quel­lenangabe: http://www.welt.de/…ttbewerb-am-Hotelbalkon.html
    Begrün­dung: Das Wort sollte Anglizis­mus des Jahres wer­den, weil wir drin­gend eine Beze­ich­nung für diese Dar­win-Awards-trächtige Sportart brauchen und die deutsche Alter­na­tive “balkonieren” zu edel klingt.
    Das Wort ist meines Wis­sens brand­neu und wurde im Som­mer 2010 zum ersten Mal in den deutschen Medi­en ver­wen­det

  86. Antoninus

    Vorschlag
    Die Gut­ten­berg-Bibel
    — Ja ich weiß, es ist ein Bay­eris­mus (bevor uns der Begriff wordlich als “The Gut­ten­berg-Bible” anglisiert serviert word, äh: wird (im Sprach­jahr 2011).

  87. Klausi

    Man­age­ment by Non­sense
    An ohno: So geballt wie von Jil Sander kommt es sel­ten, aber der Wahnsinn ist zum All­t­ag gewor­den.
    Wenn Handw­erk­er down­sizen, Haus­frauen bench­marken und Vere­ins­funk­tionäre out­sourcen – die Man­ager­sprache erobert den All­t­ag.
    http://brisanz.jimdo.com/…anage­ment-by-non­sense/
    Es gibt aber auch Aus­nah­men, da ist Denglisch schon fast schön. Stellen Sie sich den fol­gen­den Satz von einem Wiener gesprochen vor:
    “Mir san com­plete­ly clean of tox­ic assets (gän­zlich frei von faulen Papieren), des is unser Vorteil. Mir moch’n Privatkundeng’schäft. Mir worn drama­tisch weniger dep­pert als die g’schätzten Kol­le­gen in Deutsch­land. Und mir woll’n aa kaane Ver­gle­iche mit der Asien-Krise: Mit windi­gen G’sellen, local tycoons und süd­chi­ne­sis­chen Dro­gen­deal­ern arbeit­en mir net.”
    http://www.spiegel.de/…gel/print/d-64497223.html

  88. Antoninus

    Patchen
    Patch­work/­Patch­work-Kinder:

    Es ist lei­der dem deutschen Sprachge­brauch nicht gelun­gen, hier einen famil­iär-fre­undlichen Aus­druck zu kreieren. Es bleibt bei dieser komis­chen Vorstel­lung, dass in neu zusam­menge­set­zten Fam­i­lien das Ord­nungs- oder Zufallsmuster eines Patch­work­flick­ens den Sprach­ton angibt. „Patch­work“ – klingt das real und engagiert so gut, dass es über­all so selb­stver­ständlich &flott ver­wen­det wird? – Nun, ja „Mis­chfam­i­lie“ oder „Sti­ef­fam­i­lie“ sind komis­che Verdeutschun­gen, mit vie­len unkon­trol­lier­baren Kon­no­ta­tio­nen für den augapfelmäßig gehüteten Bere­ich des famil­iären Neuzen­trums.
    Und alle Patch­work­er sind irgend­wie im öffentliche Bere­ich vertreten – so mein emo­tiona-sug­ges­tiv-indi­vidu­eller Ein­druck von zehn­tausenden Inter­netein­trä­gen: Sie flink & flott beteiligt an Diskus­sio­nen und Mei­n­ungs­mache.
    Hier ein neu­traler Beleg:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Stieffamilie
    Da “Patch­work” schon lange ad usum pop­uli geläu­fig ist, schlage ich “patchen” als Verb vor.
    Es darf ad usum del­phi­ni patris et matris so lange “gepacht” wer­den, wie Gen­i­tal­ität & Geduld & Geld reichen.

  89. Klausi

    Alles Käse
    Anson­sten natür­lich viel Spaß beim Ver­wen­den von kleines Zusatzpro­gramm für den Com­put­er oder das Handy statt App. Voll prak­tisch.
    An Gareth:
    Angenom­men, es gäbe einen objek­tiv­en Zeitzeu­gen, der uns hier beobachtet. Der würde fest­stellen, dass sich Sprach­nör­gler und Sprach­nör­glernör­gler kaum unter­schei­den. Bei­de partei­isch und deshalb rechthaberisch, in der Sache oft voll daneben, dafür aber schwach in der Argu­men­ta­tion. Größte Gemein­samkeit bei­der ist jedoch der heilige Ernst bzw. die völ­lige Humor­losigkeit.

  90. Gustav mit der Hupe

    @Klausi
    Ich glaube vor allem, dass bei­de Seit­en kom­plett aneinan­der vor­beireden.
    Die Nör­gler mögen keine Anglizis­men, was ihr gutes Recht ist, und suchen für diese per­sön­liche Präferenz objek­tive Begrün­dun­gen, die aber nun mal sehr schw­er zu find­en sind. Daher ver­ga­lop­pieren sie sich in manch­mal sehr selt­same Behaup­tun­gen.
    Die Nörgel­nör­gler scheinen sich darin zu gefall­en, sich über die oft abwegi­gen Argu­mente der Nör­gler lustig zu machen (so wie sich der Herr Sick über Leute lustig macht, denen Stan­dard­deutsch in Wort und Schrift wenig geläu­fig ist) und wirken dadurch oft unan­genehm besser­wis­serisch und ober­lehrerhaft, zumal sie das Bemühen ver­mis­sen lassen, das eigentliche Anliegen der anderen Seite (das, zugegeben, oft schw­er zu erken­nen ist) über­haupt zu sehen. Und es scheint manch­mal die Ansicht durch, jed­er, der Anglizis­men nicht mag, sei per se ein geistiger Kle­ingärt­ner. Was sicher­lich weit von der Wahrheit ent­fer­nt ist.
    Etwas weniger dummes Zeug auf der einen und weniger Häme auf der anderen Seite wäre nicht übel.

  91. Gareth

    Bei­de partei­isch und deshalb rechthaberisch, in der Sache oft voll daneben, dafür aber schwach in der Argu­men­ta­tion.

    Sie irren sich. Ich liege in der Sache über­haupt nicht daneben.

  92. Gareth

    Und nur um das noch anzufü­gen, weil ich son­st schon weiß was kommt: Ich schreibe nur deshalb nicht bei jedem Post­ing die Argu­mente auf, weil das auf diesem Blog schon so oft getan wurde, dass es jedem, der auf­nah­me­fähig, sich­er schon zum Halse raushängt.

  93. Christoph Brammertz

    teilen
    Sicher­lich kann man bei “teilen” darüber stre­it­en, ob es sich um eine solche han­delt, doch frage ich mich, ob Lehnüber­set­zun­gen nicht grund­sät­zlich auch zu den Anglizis­men gezählt wer­den soll­ten und nicht allein Wörter, die “kein englis­ches Lehngut” enthal­ten. Auch Aus­drücke wie “am Ende des Tages”, “Ich erin­nere das”, “real­isieren” (im Sinne von “bemerken”) oder “vital” (im Sinne von “entschei­dend”) würde ich dur­chaus als Anglizis­men beze­ich­nen. Oder wie sieht das die Wis­senschaft?

  94. Okko

    adden
    (a) heute mor­gen Tele­fonge­spräch im Bus belauscht: “Sag mal, hast du mich gestern bei Skype gead­det?”
    (b) http://www.zeit.de/2009/45/Woerterbericht-45
    eigentlich über­flüs­sig, weil man das ja auch mit “hinzufü­gen”, “in seine Kon­tak­tliste aufnehmen”, oder “addieren” umschreiben kann, aber das hört sich im Erset­zung­stest entwed­er umständlich oder nur blöd an. Daher schönes Beispiel für Aus­d­if­feren­zierung.
    ad Google trends: hil­ft hier vielle­icht nicht viel, wegen des Eigen­na­mens “Adden”. Anson­sten halte ich das generell für ein biss­chen frag­würdig weil es offen­sichtlich nur mit Tre­f­fer­zahlen ab ein­er gewis­sen Größe arbeit­en kann. (z.B. gead­det etc.)

  95. Klausi

    Zum Vorschlag “App”
    Nach den Spiel­regeln soll für jeden Vorschlag (für Gareth: jedes “vot­ing”) eine Begrün­dung mit­geliefert wer­den. Ich möchte hier begrün­den, weshalb man “App” nicht wählen sollte.
    Ohne hier im einzel­nen auf die Geschichte der Fir­ma Apple einzuge­hen, scheint sich Apple immer mehr zu einem Unternehmen zu entwick­eln, das, ähn­lich Microsoft, rück­sicht­s­los und oft am Rande der Legal­ität arbeit­et und eine mark­t­be­herrschende Stel­lung anstrebt.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Apple
    App zum Anglizis­mus des Jahres zu wählen hieße, für die Marke Apple Wer­bung zu betreiben und so (unge­wollt) zu botschaften, dass man mit Apple (die Fir­ma ist auch als Umwelt­sün­derin, Geheimniskrämerin, Ver­schwörungs­the­o­retik­erin, Ang­stein­jagerin usw. wie eine Sek­te ver­schrien) sym­pa­tisiert.
    Das muss natür­lich nie­man­den inter­essieren, es geht bei der Sache eigentlich ja nur um ein Wort bzw. um einen kleinen Spass unter Fach­leuten.

  96. Gareth

    Klausi, Sie haben ein Ver­ständ­nis­prob­lem

    Nach den Spiel­regeln soll für jeden Vorschlag (für Gareth: jedes “vot­ing”) eine Begrün­dung mit­geliefert wer­den. Ich möchte hier begrün­den, weshalb man “App” nicht wählen sollte.

    Ich habe niemals das Wort Vot­ing für “Vorschläge” benutzt. Benutzt man übri­gens im Englis­chen auch nicht. Ein Vot­ing ist eine Abstim­mung.
    Und was genau hat das Wort App jet­zt mit Apple zu tun? Sie müssen mir erk­lären, warum ich Apple einen Gefall­en tue, wenn ich mir eine x-beliebige App aufs Handy lade.

  97. Detlef Guertler

    App
    Ein Vorschlag, wert­er Klausi, ist natür­lich in kein­ster Weise und niemals ein Vot­ing – und schon gar nicht, wenn wie hier, eine Jury die Entschei­dung über den Anglizis­mus des Jahres trifft, und nicht eine wie auch immer definierte All­ge­mein­heit.
    Ihr Vorschlag, Sprache zum Werkzeug im Kampf gegen sin­istre Konz­erne zu machen, ist sehr inter­es­sant. Gibt es vielle­icht irgend­wo schon ein Reg­is­ter für ökonomisch kor­rek­te Sprache? Wenn nicht: Es wäre bes­timmt höchst attrak­tiv, daraus eine App zu machen.

  98. Klausi

    An Gareth
    Ihr Gedäch­nis ist noch schlechter als meins:
    Gareth Ich vote für App! 29.12.2010 | 11:31

  99. Gareth

    Auweia.

    Ihr Gedäch­nis ist noch schlechter als meins
    Gareth Ich vote für App! 29.12.2010 | 11:31

    Es ist nicht nur Ihr Gedächt­nis, um das ich mir jet­zt Sor­gen mache. Vielle­icht sind Sie dem VDS ja wirk­lich beige­treten, weil Sie kein einziges Wort Englisch sprechen und sich real bedro­ht fühlen. Damit wäre Ihr Sprach­nör­gler­tum wohl pathol­o­gisch.
    Jeden­falls heißt für etw. voten nicht etw. vorschla­gen, son­dern für etw. abstim­men. Das haben Sie sich nicht denken kön­nen? Wenn Sie nochmal genauer lesen, wer­den Sie sog­ar eventuell sehen, dass der Vorschlag gar nicht von mir stammte, voten also schon rein logisch nicht vorschla­gen heißen kön­nte.

  100. Harald Kirsch

    @Gareth
    Sie schreiben: “Eigentlich sollte man auf Ihren Ser­mos ja nicht mehr einge­hen, […] Ihr Satz würde auch mit urdeutschen Wörtern keinen Sinn ergeben”
    Sich­er ist der Satz ein wenig kün­stlich, aber nur weil ich ger­ade keinen aktuellen Mitschnitt ein­er Besprechung unter Com­put­er­ern zur Ver­fü­gung habe. Tat­säch­lich würde ich meinen Satz zum Bespiel so “urdeutsch” for­mulieren:
    Wenn wir die Besprechung absagen müssen, weil das Prog­gi nicht an die Daten­halde mit den Verabre­dun­gen drankommt, hil­ft es auch nicht, die Tage­sor­d­nung im Net­zquas­sel abzule­gen.
    Sie soll­ten nicht nicht dem Fehler ver­fall­en, aus Faul­heit über­nommene Faulkurz­worte wie “App” — als Kurz­fas­sung des für den typ­is­chen Faulsprech­er viel zu lan­gen “appli­ca­tion” — mit einem umschreiben­den deutschen Halb­satz zu erset­zen. Dafür gibt es auch im deutschen viel zu viele schöne Möglichkeit­en, eigene Worte zu erfind­en. Und “Prog­gi”, als Kurz­fas­sung von “Pro­gramm” ist dur­chaus ver­bre­it­et. “Net­zquas­sel” habe ich so noch nicht gehört.
    Mit ein biss­chen Kreativ­ität kommt man auch im deutschen auf hüb­sche passende Worte für neue Dinge, die dann sog­ar oft noch schön­er sind als eine lang­weilige Über­nahme von Anglizis­men, die uns soge­nan­nte Kreative über die Wer­bung nahe brin­gen wollen.

  101. Klausi

    An Gareth
    Sie schrieben nicht im Betr­e­ff Ihrer Nachricht vom 29.12.2010, 11 Uhr 31, Ich vote für App?
    Dann müsste ich mich in der Tat bei Ihnen entschuldigen.

  102. Klausi

    An Har­ald Kirsch
    Mit ein biss­chen Kreativ­ität kommt man auch im deutschen auf hüb­sche passende Worte für neue Dinge, die dann sog­ar oft noch schön­er sind als eine lang­weilige Über­nahme von Anglizis­men, die uns soge­nan­nte Kreative über die Wer­bung nahe brin­gen wollen.
    Das haben Sie sehr schön auf den Punkt gebracht. Aber lei­der haben Sie den Sinn dieser Auss­chrei­bung nicht erfasst. Es geht nicht um ein mehr oder weniger sin­nvolles oder nüt­zlich­es oder gar unverzicht­bares Lehn­wort aus dem Englis­chen an sich, son­dern um die Ver­al­berung der­er, die sich es sich wagen, den Sprachge­brauch der Deutschen (Stich­wort Anglizis­mengeil­heit) zu hin­ter­fra­gen, obwohl man, jeden­falls nach Mei­n­ung der Sprach­nör­glernör­gler hier, am Sprachge­brauch der Sprech­er ein­er Sprache nicht herumzukri­tisieren hat. So etwas tut man ein­fach nicht.
    Verbesserungsvorschläge dür­fen laut Lehrmei­n­ung zwar ein­gere­icht wer­den, bleiben aber in der Regel unbear­beit­et liegen, weil wir alle, also in Wirk­lichkeit nie­mand, für unsere Sprache zuständig ist. Das ist die Real­ität.

  103. jaytee

    Lit­er­a­cy-Monat, eiPott
    * Lang­weilig, aber orig­i­nal 2010: Der “Lit­er­a­cy-Monat” in Bay­ern
    (Flame hier;
    http://www.mainpost.de/…glizismus;art767,5447827 )
    * Inter­es­san­ter war der Stre­it um den “eiPott” (http://tiny.cc/faz-eipott, http://tiny.cc/handelsblatt-eipott) — falls eine laut­liche Entlehnung als “Lehngut” zählt.
    * Ich meine, 2010 auch in deutschem Kon­text “Face­book-Rape”, “face­book-rapen”, “frapen” (für ‘sich in das Face­book-Pro­fil von jmd. anderem ein­loggen und Beiträge veröf­fentlichen’) gele­sen zu haben, aber die Google-Beleglage ist dünn. Ohne­hin eher ein Unwort bzw. -anglizis­mus.
    Schade, dass “Hopen­hagen” (und “Flopen­hagen” etc.) 2009 war.

  104. NvonX

    Nack­tscan­ner
    Ich nominiere “Nack­tscan­ner”, weil direk­ter zur Sache kommt als das englis­che “Full Body Scan­ner”, aber trotz­dem den Teil von dem englis­chen Wort benutzt, für das es kein gutes deutsches Wort gibt (“Nack­tab­taster” würde etwas ganz anderes bedeuten und ver­mut­lich dazu fürhen, daß sich lauter Grab­sch­er beim Flughafen bewer­ben).
    Quelle: http://www.spiegel.de/thema/nacktscanner/

  105. Gareth

    Klausi und Har­ald Kirsch,

    Sie schrieben nicht im Betr­e­ff Ihrer Nachricht vom 29.12.2010, 11 Uhr 31, Ich vote für App?
    Dann müsste ich mich in der Tat bei Ihnen entschuldigen.

    WHATEVER.

    Net­zquas­sel” habe ich so noch nicht gehört.

    Liegt wohl daran, dass Sie’s soeben selb­st erfun­den haben. Mir auch egal. Sie kön­nen von “Prog­gis” sprechen und “Net­zquas­sel” und sich den ganzen Tag lang Wörter aus­denken wie Sie lustig sind. Sie mögen Ihre Wörter dann auch bess­er find­en aĺs die stattdessen ver­wen­de­ten Lehn­wörter, aber die Sprachge­mein­schaft interessiert’s wahrschein­lich nicht im Ger­ing­sten.
    Ich jeden­falls rechne Ihnen schlechte Chan­cen aus. Aber vllt wer­den ja bald über­all “kosten­lose Prog­gis” ange­boten. Da habe ich dann auch nichts gegen, weil ich mich nicht an neuen Wörtern deutschen Ursprungs störe. Ich möchte mir nur nicht von alten Män­nern den Mund ver­bi­eten lassen und alberne Kunst­wörter aufok­troyiert kriegen.

  106. NvonX

    Und dann
    nominiere ich noch “Blur­many” und wun­dere mich, daß ich der erste bin. Die Begrün­dun­gen siehe bei “ver­pix­elt”, aber im Gegen­satz ist “Blur­many” defin­i­tiv neu.

  107. Michael Lange

    And the semi­fi­nal­ists are?
    Und als Ergänzung zu dr3dos Kom­men­tar, ich hoffe auch die “Zwis­chen­re­sul­tate” wer­den dem ges­pan­nten Pub­likum mit­geteilt 🙂

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