Kaiser, König, Edelmann …

Hier im Sprachlog gab es ja mal so eine sprachgeschichtliche Kom­po­nente, nicht? Die kommt jet­zt mit voller Kraft zurück! In den let­zten Monat­en war ich hier sehr zurück­hal­tend, weil all meine Lust daran (und vor allem Zeit dafür), Sprach­wis­senschaftlich­es all­ge­mein­ver­ständlich zu erk­lären, in ein Buch­pro­jekt geflossen ist. Mit­tler­weile ist das beina­he abgeschlossen und im Sep­tem­ber kommt es raus – hier die Ver­lagsankündi­gung. Der Beschrei­bung­s­text ist etwas kryp­tisch, aber let­ztlich mache ich darin Sprachgeschichte an der Geschichte aus­gewählter Wörter sicht­bar. Die Ety­molo­gien sind also der Aufhänger, dahin­ter ver­birgt sich ein zwar assozia­tiv­er, aber sys­tem­a­tis­cher­er Blick auf (vor allem) Laut- und Bedeu­tungswan­del und den Wortschatz.

Auf dem (sehr steini­gen!) Weg zum fer­ti­gen Pro­dukt mussten immer wieder einzelne Kapi­tel dran glauben, und da ich so schnell sich­er kein zweites Ety­molo­giebuch schreiben werde, werde ich die in den näch­sten Monat­en nach und nach verbloggen – natür­lich neu angepasst ans Medi­um. Los geht es mit der Geschichte von Kaiser und Zar, die nicht nur ähn­lich mächtig sind, son­dern auch noch bei­de ein­er gemein­samen sprach­lichen Quelle entsprin­gen, und mit dem König, hin­ter dem Zeu­gung, Geburt und Geschlecht ste­hen.

Ein Name wird Programm

Den Kaiser als Herrsch­er haben wir uns in Rom abgeschaut. Dort gab es einst einen gewis­sen Gaius Julius Cae­sar, seines Zeichens enorm ein­flussre­ich­er Chef des römis­chen Reichs – so ein­flussre­ich, dass sein Name Pro­gramm wurde. Bei der römis­chen Bevölkerung set­zte sich Cae­sar als generelle Beze­ich­nung für ihren Herrsch­er durch − selb­st als der schon wieder ganz andere Namen trug. Das ver­lief also ähn­lich wie bei den Pro­duk­t­na­men Tem­po oder Tesa, die heute an jed­er Art von Papier­taschen­tuch oder Klebe­streifen haften kön­nen: Ein her­aus­ra­gen­der Vertreter wird zur Beze­ich­nung ein­er ganzen Gruppe gle­ichar­tiger Men­schen oder Gegen­stände.

Dann kamen die ger­man­is­chen Völk­er an und entlehn­ten das Wort. Sie beze­ich­neten damit jet­zt auch Herrsch­er weit­er­er Völk­er und Reiche, beson­ders ihre eige­nen, natür­lich.

Aber nicht nur das deutsche Wort Kaiser, son­dern auch das rus­sis­che Wort Zar geht let­ztlich auf Cae­sar zurück. Das Gemeinslaw­is­che bedi­ente sich näm­lich unge­fähr im 4. Jh. beim Gotis­chen, ein­er ger­man­is­chen Sprache. Anfangs benutzte man das Wort als Ehren­beze­ich­nung für rus­sis­che Großfürsten, 1547 schließlich wurde es der offizielle Titel für Ivan IV., der sich in der Nach­folge des römis­chen Reichs sah.

Auch Karl spielt mit

Dass aus einem Herrsch­er­na­men eine Herrscher­beze­ich­nung wurde, ist später übri­gens noch ein­mal passiert – bei Karl dem Großen. Dies­mal war Deutsch die Geber­sprache, und bedi­ent haben sich ver­schiedene slaw­is­che Sprachen. Der Name Karl besaß damals auch die Vari­anten Kar­al und Karel (ja, wie Karel Gott). Ihnen merkt man die Ähn­lichkeit zum rus­sis­chen Wort koról’ ‚König’ gle­ich an. Weit­ere Entlehnun­gen des deutschen Namens sind bul­gar­isch kral, tschechisch král und pol­nisch król, bei denen der erste Vokal aus­ge­fall­en ist, der zweite aber, den unser heutiger Karl nicht hat, erhal­ten blieb.

Das althochdeutsche Wort karl hat­te, neben der Ver­wen­dung als Ruf­name, übri­gens auch eine Bedeu­tung als nor­males Sub­stan­tiv: ‚Mann, Ehe­mann, treuer Geliebter’. Heute gibt es das Wort nicht mehr, aber eng ver­wandt damit ist unser Kerl − er hat allerd­ings eine weniger ehren­volle Bedeu­tung angenom­men.

Der König und das Kind

Die deutsche Herrscher­beze­ich­nung König, zunächst genereller für den Chef eines bes­timmten Gebi­ets ver­wen­det, stammt hinge­gen nicht aus ein­er anderen Sprache, son­dern lässt sich über die Vorstufen des Deutschen bis ins Indoger­man­is­che zurück­ver­fol­gen. Bevor sie sich auf eine Posi­tion fes­tlegte, hieß sie ein­fach ‚Mann eines (vornehmen) Geschlechts’. Darin steckt wahrschein­lich (die Wörter­büch­er stre­it­en sich aber darüber) das Wort kun­ni- ‚Geschlecht’.

Es teilt sich eine sprach­liche Vor­fom mit dem Kind (ursprünglich ‚Gezeugtes, Geborenes’), aber auch mit dem gram­ma­tis­chen Geschlecht Genus, mit der in ein­er Gen­er­a­tion zusam­menge­fassten Nachkom­men­schaft, mit dem erzeu­gen­den gener­ieren, der Gen­e­sis als Entste­hung und damit Erzeu­gung und mit dem Genie, das sich ein­er großen Schaf­fen­skraft bedi­ent. Weit­ere Ver­wandtschaft steckt im Gen­i­tiv, dem »Abstam­mungs­fall«, in der Nation, anfangs ein­er Gemein­schaft von Men­schen gle­ich­er Abstam­mung, und in der Natur, wörtlich ‚Geburt, Geboren­sein’.

In ihrer heuti­gen oder früheren Bedeu­tung lassen sich all diese Wörter also in Zusam­men­hang brin­gen – aber wie brin­gen wir sie so miteinan­der in Verbindung, dass das auch laut­lich plau­si­bel erscheint? Schon allein der Wor­tan­fang unter­schei­det sich ja stark: k, g und n. Doch dahin­ter steckt Sys­tem:

Laute verschieben

In den ger­man­is­chen Sprachen (wie Deutsch und Englisch) stoßen wir immer auf k-Laute: König (und zum Beispiel englisch king, nieder­ländisch kon­ing, schwedisch konung und dänisch konge) und Kind. In den ital­is­chen Sprachen (also Latein und seine Nach­folge­sprachen) dominiert dage­gen, wie in der indoger­man­is­chen Vor­form, das g: Genus, Gen­er­a­tion etc. So sieht es auch bei der griechis­chen Genese und dem Gen­i­tiv aus, und schaut man sich in weit­eren indoger­man­is­chen Sprachen um, wird man auf Ähn­lich­es stoßen.

Die ger­man­is­chen Sprachen fall­en also klan­glich aus dem Rah­men, aber ihre Wörter sind denen der anderen Sprachen doch zu ähn­lich, als dass es sich um reinen Zufall han­deln kön­nte. Man ver­mutet, dass das g ein­mal der gemein­same Vorgänger­laut aller indoger­man­is­chen Sprachen war und rekon­stru­iert für die gemein­same, schriftlich nicht bezeugte Ursprache die Wurzel *gen(ə)- ‚erzeu­gen, gebären’. Von ihr und ihren laut­lichen Nach­fahren wur­den im Laufe der Zeit mit den ver­schieden­sten Mit­teln die heuti­gen Wörter abgeleit­et.

Für die Verän­derung in den ger­man­is­chen Sprachen ist die soge­nan­nte »Erste Lautver­schiebung« zuständig: Wo vor­mals ein stimmhaftes g stand, hörten die SprecherIn­nen der ger­man­is­chen Sprachen irgend­wann im 1. Jahrtausend vor Chris­tus auf, ihre Stimm­bän­der schwin­gen zu lassen, sodass ein stimm­los­es k daraus wurde. Das macht­en sie übri­gens auch mit b und d, die so zu p und t wur­den. Zur Ersten Lautver­schiebung gehören noch Verän­derun­gen in weit­eren Laut­grup­pen, die ich hier aber unter­schlage.

Gnation?

Wie passen nun die lateinis­chstäm­mi­gen Wörter Nation und Natur ins Bild? Warum heißen sie nicht Gnation und Gnatur? Ah: War mal so. Bei manchen Wort­bil­dung­sprozessen benutzte man eine Vari­ante von *gen(ə)-, der das e fehlte: *gn… Diese Kon­so­nan­tenkom­bi­na­tion ging den Lateinis­chsprecherIn­nen am Wor­tan­fang aber schw­er über die Zunge, sodass sich mit der Zeit ein vere­in­facht­es n entwick­elte. Im Wortin­neren blieb das g hinge­gen erhal­ten, wie zum Beispiel co-gna­tus, wörtlich ‚zusam­menge­boren‘.

Ganz Ähn­lich­es hat übri­gens unab­hängig das Englis­che mit seinen gn-Anlaut­en durchgemacht. Es ver­rät aber mit der Schrei­bung noch etwas über die früheren Ver­hält­nisse: gnome ‚Gnom‘ wird [nəʊm] gesprochen, gnu ‚Gnu‘ als [nuː] und gnaw ‚nagen‘ als [nɔː] – das lautete übri­gens auch im Deutschen ein­mal gna­gen und wurde zu nagen vere­in­facht. Mit kn- ver­fuhr man im Englis­chen genau­so: know ‚wis­sen‘ wird wie no ‚nein‘ gesprochen, knead ‚kneten‘ lässt sich in Eng­land nicht von need ‚brauchen‘ unter­schei­den und im amerikanis­chen Englisch klingt knight ‚Rit­ter‘ wie night ‚Nacht‘.

Kaiser und Zar teilen sich also miteinan­der eine gemein­same Herkun­ft und mit dem karol ein gemein­sames Benen­nungsmo­tiv, während dessen deutsche Entsprechung, der König, seine Wurzeln tief in der indoger­man­is­chen Zeit hat und daher über zahlre­iche Wort­geschwis­ter, -cousins und -cousi­nen ver­fügt.

Auch die Kaiserin, die Zarin und die Köni­gin tra­gen erzäh­lenswerte Sprachgeschichte mit sich herum – dazu dann das näch­ste Mal!

Quellen:

Kluge, Friedrich & Elmar See­bold (Hgg.) (252011): Ety­mol­o­gis­ches Wörter­buch der deutschen Sprache. [Elek­tro­n­is­che Ressource]. Berlin: de Gruyter.

OED (Oxford Eng­lish Dic­tio­nary) (2001–heute). Oxford: Oxford Uni­ver­si­ty Press.

Pfeifer, Wolf­gang (1993): Ety­mol­o­gis­ches Wörter­buch des Deutschen. [Ergänzte Online-Ver­sion].

27 Gedanken zu „Kaiser, König, Edelmann …

  1. mascha

    Ihnen merkt man die Ähn­lichkeit zum rus­sis­chen Wort koról’ ‚König’ gle­ich an. Weit­ere Entlehnun­gen des deutschen Namens sind bul­gar­isch kral, tschechisch král und pol­nisch król, bei denen der erste Vokal aus­ge­fall­en ist, der zweite aber, den unser heutiger Karl nicht hat, erhal­ten blieb.”

    Statt Vokalaus­fall wären hier eher Liq­uidametathese und Vol­laut die Erk­lärung für die unter­schiedlichen Könige in den slaw­is­chen Sprachen.

  2. Kristin Kopf Beitragsautor

    Danke für den Hin­weis, würde mich über eine Quelle freuen — dachte, die Liq­uid­metathese sei zum Entlehnungszeit­punkt schon durch gewe­sen (was natür­lich nicht heißt, dass das Wort sich nicht in Analo­gie zu ähn­lich struk­turi­erten entwick­elt haben kön­nte), kenne mich in der Slaw­is­tik aber nur sehr ober­fläch­lich aus.

  3. Dilettant

    Vilen dank! Wobei mir in Sachen Laut­wan­del dann aber doch noch ein Hin­weis zum Laut­wan­del in den roman­is­chen Sprachen bei Diph­thon­gen und Plo­siv­en fehlt, der AFAIK erk­lärt, wie aus Cae­sar der Kaiser wer­den kon­nte, obwohl wir ersteren heute meist tsäh­sar bzw. tschesare aussprechen.

  4. Kristin Kopf Beitragsautor

    Dankeschön! Das war im Orig­i­nal tat­säch­lich dabei, hätte mir aber den Blog­beitrag zu lange gemacht. Vielle­icht mache ich mal noch was Geson­dertes draus.

  5. Rosamund

    Nicht nur in Ameri­ka! ‘Knight’ wird auch in GB genau­so wie ‘Night’ aus­ge­sprochen!

    Den Rest finde ich sehr inter­es­sant. Das mit ‘Karl’ ist faszinierend. ich habe einen ‘Carl’, der sich schon darauf freut, dass der Name sowieso ueber­all in Nordeu­ropa zu find­en ist, jet­zt wo der in Osteu­ropa so geschaet­zt wird — noch bess­er!!

  6. Andrew

    Casar/Kaiser/Zar. Gemeinslaw­isch. Hm. Tja.
    Ich als his­torisch inter­essiert­er Men­sch hätte ja an die Über­nahme “Byzanz/Ost-Rom > Ortho­dox­er Glauben > Chris­tian­isierung Rus­s­lands” gedacht. Das würde auch bess­er zu Iwans his­torisch­er Kon­struk­tion passen…

  7. Nathalie

    Sehr inter­es­sant, gerne mehr davon! Vor allem die Lautver­schiebung find ich immer sehr span­nend. Das weckt die Detek­tivin in mir. Ich liebe es, solche Muster in Wort­paaren/-grup­pen ver­schieden­er Sprachen wiederzuent­deck­en. 🙂

  8. Kristin Kopf Beitragsautor

    @Rosamund: Die Ausspracheangabe habe ich dem OED ent­nom­men, wo für night je nach Kon­ti­nent unter­schiedliche Aussprachevari­anten angegeben sind, für knight aber nur eine — was nichts heißen muss, mich aber zur vor­sichtigeren For­mulierung bewogen hat.

    @Luise Pusch, Evanesca, Nathalie: Vie­len Dank!

    @Andrew: Für Skep­tik­erIn­nen habe ich ja die Quellen angegeben (zumin­d­est Pfeifer ist auch frei zugänglich) und freue mich auch über Belege für gegen­teilige Ver­mu­tun­gen.

  9. Rosamund

    Inter­es­sant — ich kann mir aber nicht vorstellen dass, ein Aussprache­un­ter­schied etwas mit dem ‘K’ zu tun hat. Ehe mit dem Vokallaut. Wenn es einen Link dazu gaebe — wuerde ich gerne mal nach­schauen!

  10. Kristin Kopf Beitragsautor

    Ah, da haben wir uns missver­standen: Ja, der Unter­schied liegt an den Vokalen, nicht am k — aber ich wollte Beispiel­wörter, die wirk­lich exakt gle­ich aus­ge­sprochen wer­den, nicht nur fast.

    Für night heißt es im OED (Bezahlschranke) “Pro­nun­ci­a­tion: Brit. /nʌɪt/ , U.S. /naɪt/”, für knight dage­gen nur “Pro­nun­ci­a­tion: /naɪt/”.

  11. Rosamund

    Men­sch! Haette ich nie gedacht! Es stimmt aber! Wenn ich die Woert­er selb­st ausspreche, merke ich das — vor allem im eige­nen Mund. Der Unter­schied ist aber sooooooooo ger­ing. Ob mich Nicht­sprach­wis­senschaftler aber glauben, denk ich nicht. Das werde ich nun bei allen aus­pro­bieren! Es gibt anderere solche Exem­plare mit /u:/ aber ich weiss nicht ob die Unter­schiede so deut­lich nach bedeu­tung getren­nt sind.

  12. Martin

    Ich zer­breche mir ger­ade etwas den Kopf über diese “/nʌɪt/”-Schreibweise. Aus dem Studi­um ist sie mir über­haupt nicht bekan­nt und auch eine kurze Suche in einem gängi­gen Ref­eren­zw­erk zu englis­ch­er Phonetik (Gimson’s PoE) bzw. in Aussprachewörter­büch­ern (Long­man bzw. Cam­bridge PD) ergab auch nix. Wikipedia sagt, “/aɪ/ as in price is also writ­ten /ʌɪ/” sei ein Unter­schied im Tran­skrip­tion­ssys­tem, nicht in der Aussprache.

    Der über­wiegende Kon­sens ein­er nichtrepräsen­ta­tiv­en Google-Suche ist aber, dass knight und night defin­i­tiv homophon sind. Würde mich mal inter­essieren, wie das OED zu sein­er Aussprache kommt…

  13. Markus

    So sieht es auch bei der griechis­chen Genese und dem Gen­i­tiv aus,{…]” — müsste Gen­i­tiv nicht lateinisch sein?

  14. Dierk

    @Martin

    Es ist nicht nur eine unter­schiedliche Schreib­weise. Das Dachsym­bol* ste­ht für das a wie in ‘strut’ oder ‘bug’ oder ‘love’. Die Aussprache mit i dahin­ter würde eine winzige, aber vorhan­dene Pause zwis­chen den bei­den Vokalen haben — es wären einzeln gesproch­ene Laute.

    Das ai-Sym­bol hinge­gen ist ein Diph­thong wie in ‘price’ oder ‘high’ — entsprechend dem deutschen ei/ai aus ‘Preis’.

    Dann gibt es noch … eine Rei­he britis­ch­er Dial-/Sozi­olek­te, in denen der Diph­thong in ‘night’ gegen oi tendiert.

    *Bin mir ger­ade nicht klar, wie ich schnell zwis­chen­durch IPA hier rein beikomme.

  15. Kristin Kopf Beitragsautor

    @nightknight-Affäre: Ein Blick in die OED-Ausspracherichtlin­ien (hier): Da wird für die USA nur [aɪ] angegeben, für Eng­land nur [ʌɪ], Beispiel­wort ist immer price.
    Dass knight nur eine Angabe hat, kön­nte sich durch ver­schiedene Wörter­buchver­sio­nen erk­lären: Während night für die dritte Auflage über­ar­beit­et wurde, ist das mit knight noch nicht passiert. Vielle­icht wür­den die OED-Leute da dann also auch zwei Ein­träge mit den bei­den ver­schiede­nen a-Sym­bol­en anle­gen. Was uns aber noch immer nicht darauf bringt, warum.

    @Markus: Fast alle griechis­chstäm­mi­gen Wörter im Deutschen wur­den über das Lateinis­che ver­mit­telt. Beim Gen­i­tiv ist die Geschichte etwas ver­wick­elt.

  16. Martin

    @Dierk: beim OED ist /ʌɪ/ aber als Diph­thong aufge­führt, mit “price” als Beispiel­wort. Und das mit den Dialek­ten weiß ich natür­lich, aber darum geht’s ja ger­ade nicht…

    IPA geht übri­gens am ein­fach­sten mit Copy&Paste. 😉

  17. Susanne Flach

    @alle (da Kristin mich gerufen hat). Kurze Antwort: es ist ein Transkriptionssystem„problem“ im All­ge­meinen und des OEDs im Speziellen. knight und night sind auch für britis­che Muttersprachler/innen homophon (egal, woher). Das OED geht in einem ohne­hin schon ziem­lich zer­rupften Feld einen Son­der­weg. Die Hin­ter­gründe dazu sind sehr kom­plex, ich antworte mor­gen aus­führlich.

    Regionale Unter­schiede wer­den im OED nicht abge­bildet (und spie­len für die Homo­phonie bei night/knight meines Wis­sens auch keine Rolle).

    @Dirk: wie Mar­tin sagte, geht hier um den Diph­thong. Wäre, wie Kristin ver­mutet, der Ein­trag für knight auch schon über­ar­beit­et, würde auch dort ein geson­dert­er Ein­trag für die Aussprache in AE/BE ste­hen. Ich bin bei Kristin, was die vor­sichtige For­mulierung bet­rifft.

  18. Rosamund

    Entschuldigung, dass ich das The­ma vom K.u.K. Karl so weit abge­lenkt habe!
    Aber, die Aussprache bei ‘night’ und ‘knight’ ist doch anders. Homo­pho­nen sind sie in der tat doch, weil der Unter­schied so klein ist, dass es keinem auf­faellt. Nicht­mut­ter­sprach­ler brauchen sich ueber­haupt keine Sor­gen zu machen, das mer­ket kein­er.
    Tat­saech­lich sind [aɪ]& [ʌɪ] bei­de Allo­pho­nen von /aɪ/. Bei Woert­er­buechen wird so einiges vere­in­facht. Ich wuerde niemals erwarten, dass bei ‘Kit­ten’ [c] geschrieben wird statt [k] wie ‘Cat’. Ich habe auch zig Semes­ter lang Phonolo­gie studiert und das erst gestern erfahren!
    Jet­zt erforsche ich das The­ma. Alle muessen “The knight rode through the night” aussprechen! Bei meinen Kindern 8, 10 & 12 merk­te ich schon einen Unter­schied (die sprechen so wie ich — wohnen 40km NW von Lon­don aber ohne Lon­don­er Akzent). Mein Mann kommt aus dem Black Coun­try noerdlich von Birm­ing­ham — bei dem gibts auch [ʌɪ] fuer ‘night’. Beim Aus­druck “Fright­night” eine Ver­anstal­tung die hier in der Nae­he zu Hal­loween statt find­et ist die Unter­schei­dung auch klar! (Jet­zt wo ich genau zuho­ere!) Danke fuer die Erleuch­tung!

  19. Susanne Flach

    @Rosamund: Keine Entschuldigung notwendig. Die Diskus­sion ist ja wirk­lich sehr inter­es­sant.

    Sie brin­gen lei­der ein paar Dinge durcheinan­der. 1.) Wenn Sie argu­men­tieren, dass ʌɪ und aɪ den Bedeu­tung­sun­ter­schied zwis­chen night und knight aus­machen, dann kön­nen sie per Def­i­n­i­tion keine Allo­phone des­sel­ben Phonems sein. Das spielt im konkreten Fall aber keine Rolle, weil 2) geht’s hier um ein Phonem /aɪ/ (bei Homo­pho­nen). Ob ich das ɪ mit a oder ʌ kom­biniere, ist eine Frage des Tran­skrip­tion­ssym­bols, wom­it ich eine Vokalqual­ität darstelle, die das Phonem hat (hier: sowohl ʌ, als auch a haben eine Vokalqual­ität als ‚mid low vow­el‘). Und das OED hat hier — wegen sein­er Edi­tion­s­geschichte — keine ein­heitliche Tran­skrip­tion; das ist unglück­lich, impliziert deshalb aber keinen Unter­schied in der Vokalqual­ität. 3) Wie kit­ten und cat geschrieben wer­den, ist Orthografie und hat mit Phonolo­gie nichts zu tun. Dass die bei­den Konzepte in irgen­dein­er Form zusam­men­hän­gen, ist klar (das eine soll ja das andere abbilden), aber die Unter­schiede sind his­torisch bed­ingt.

    Die Unter­schiede, die Sie mit The knight rode through the night in Ihrer Umge­bung max­i­mal abfra­gen kön­nen, sind Phone, also einzelne, konkrete akustis­che Real­isierun­gen. Falls diese sich für Sie unter­schiedlich anhören, kann das gle­ich eine ganze Rei­he von Grün­den haben: i) Sie hören den Unter­schied, den Sie hören wollen (bias), ii) Prosodie und/oder Beto­nung, weil in unter­schiedlichen Positionen/Umgebungen und/oder syn­tak­tis­chen Funk­tio­nen; iii) phonis­che Vari­a­tion, wie sie in JEDER Real­isierung eines Phons beste­ht (wir kön­nen, selb­st wenn wir woll­ten, nicht immer genau den gle­ichen „Ton“ tre­f­fen). Der Clou ist, dass unser Gehirn die aber­mil­lio­nen möglichen akustis­chen Unter­schiede als Menge ein­er Kat­e­gorie wahrn­immt. Mit anderen Worten: wenn Sie zwei rosa Sock­en haben, die sich ein µ in ihrem Rosa unter­schei­den, kat­e­gorisieren Sie sie trotz­dem als rosa (und als Kat­e­gorie ‚Socke‘, nicht ‚Unter­hose‘).

    Was Sie mit „Wörter­büch­er vere­in­fachen“ meinen, ist, dass sie schlicht das abstrak­te Phone­m­inven­tar ein­er Sprache abbilden, in diesem Fall /aɪ/. Dass das OED das für knight anders macht, als für night, ist ein tragis­ch­er Umstand der Edi­tion­s­geschichte.

  20. Shhhhh

    Das ist wirk­lich hochin­ter­es­sant. Toller Artikel. Was mich abseits dessen inter­essiert, ist die Frage, weshalb aus­gerech­net Cae­sar und Cicero als C gesprochen wer­den, obwohl es doch ein­deutig — wer Latein in der Schule hat­te, weiß das — ein K ist. Gibt es dazu eine Spur?

  21. Martin

    Das wird wohl mit der sog. Palatal­isierung zu tun haben. Vor i, e, ä, ö, ü wird c als c d.h. [ts] gesprochen, vor a, o, u als k. So ähn­lich wie im heuti­gen Ital­ienis­chen.

  22. gnaddrig

    @ Shh­h­hh: Laut Wikipedia hat es im Lauf der Geschichte in Deutsch­land unter­schiedliche Arten gegeben, Latein zu sprechen.

    Zize­ro und Zäsar wer­den sich in ein­er Zeit einge­bürg­ert haben, wo man lat. c eben als z aussprach, während Kaiser offen­sichtlich mit der tat­säch­lich zumin­d­est in gebilde­ten Kreisen des Römis­chen Reichs üblichen klas­sis­chen Aussprache importiert wurde, später dann nicht mehr als lateinis­ches Wort wahrgenom­men, eingedeutscht mit K geschrieben und weit­er­hin entsprechend aus­ge­sprochen wurde. Kann ich nicht bele­gen, kommt mir aber halb­wegs plau­si­bel vor.

  23. Vilinthril

    3) Wie kit­ten und cat geschrieben wer­den, ist Orthografie und hat mit Phonolo­gie nichts zu tun. Dass die bei­den Konzepte in irgen­dein­er Form zusam­men­hän­gen, ist klar (das eine soll ja das andere abbilden), aber die Unter­schiede sind his­torisch bed­ingt.“

    Du hast da etwas missver­standen, Rosamund hat da richtiger­weise ange­sprochen, dass hier üblicher­weise in der phonetis­chen Tran­skrip­tion nicht die genauest­mögliche gewählt wird – die /cɪtən/ und /kæt/ unter­schei­den würde, was aber im Englis­chen irrel­e­vant ist und wegen der Lau­tumge­bung eh automa­tisch passiert, im Irischen aber z. B. bedeu­tungstra­gend und nicht­triv­ial wäre.

    (Rosamund, cor­rect me if I’m wrong.)

  24. Rosamund

    @Vilinthril
    Ja so habe ich es auch ver­standen — das mit dem Irischen habe ich auch waehrend des Studi­ums gel­ernt. Ein­er mein­er Kom­mili­to­nen (vor etwa 25 Jahre, Hil­fe!) hat­te vor in allen Faellen /c/ zu ver­wen­den, um eini­gen Jahren spaeter zu merken ob das ver­bre­it­et waere! Das ging selb­stver­staendlich nur wenn andere das mit­machen. So viel ich weiss hat kein­er doch mit­gemacht! Das hoert sich wohl ein Biss­chen ‘posh’ an, wenn man /kæt/ als /cæt/ ausspricht — also wird /æ/ ein echter­er /æ/ d.h. etwa alt­modisch oder suedafrikanisch.
    Ausser­dem habe ich als Englaen­derin das Recht mich zu jed­er Zeit und unter allen Umstaen­den zu entschuldigen!! (Kul­tur­sache!)

  25. St. Ivo

    Dass die Römer ihren Staatschef “Cae­sar” nan­nten, ist allerd­ings ein Missver­ständ­nis.

    Cae­sar” war zwar immer Bestandteil der üblichen Amt­sti­t­u­latur, aber genau­so klar immer nachrangig gegenüber “Augus­tus” und “Imper­a­tor”. Soweit “Cae­sar” eigen­ständi­ge Bedeu­tung erlangte, beze­ich­neten die Römer damit den “Kro­n­prinzen” bzw. zweit­en Mann im Staat.

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