Blogspektrogramm 39/2015

Heute im Spek­tro­gramm: Migra­tion, Flüchtlings»wellen«, Kevin, Chan­tal und Lil­ly, Ms und Mx, Hä? und Huh? und warum ein Men­sch und eine Flasche sich gar nicht so sehr unter­schei­den.

  • Für den STANDARD.AT hat Ana­tol eine kleine Sprachkri­tik zu wer­tenden und poten­ziell neu­tralen Wörtern für Men­schen, die in Europa Asyl beantra­gen, geschrieben: »Die Belei­di­gung liegt natür­lich nur im Auge des Betra­chters, der zwis­chen legit­i­men und ille­git­i­men, erwün­scht­en und uner­wün­scht­en, zu uns gehöri­gen und frem­den Flüchtlin­gen unter­schei­den möchte. Wir kön­nten von dieser Unter­schei­dung ablassen und akzep­tieren, dass Men­schen das selb­stver­ständliche Recht haben, frei von Angst, Hunger, Krieg und Ver­fol­gung zu leben, und dass sie dieses Recht unter anderem durch Ortswech­sel zu erre­ichen ver­suchen. Aus dieser Sicht würde es sich vielle­icht anbi­eten, das Wort “Migrant” als neu­trale Beze­ich­nung zurück­zuer­obern.«
  • Wenn er mit Medi­en redet, dann gründlich, also gab es diese Woche auch ein Inter­view mit BAYERN 2 zur Materie, mit ein­er wun­der­baren Zusam­men­stel­lung von O-Tönen am Anfang: »Das Prob­lem ist ja, dass das Wort Flüchtlingskrise so sehr stark die Krisen­haftigkeit der Gruppe, die dort nach Europa drängt, anlastet. Man kön­nte ja auch von ein­er Schlecht-vor­bere­it­et-sein-Krise sprechen, das wäre vielle­icht objek­tiv richtiger […]«
  • Anfang der Woche fand außer­dem die alljährliche Mainz­er Namen­ta­gung statt, dies­mal ein Crossover von Namen­forschung und Sozi­olo­gie. Mit der FAZ sprach Damaris Nübling in diesem Zusam­men­hang all­ge­mein über Vor­na­men und ihre soziale Bedeu­tung,  bei der SZ geht sie etwas weit­er in die Tiefe.
  • Wir haben ja schon vor zwei Wochen ver­linkt, dass OxfordDictionaries.com einen Ein­trag für Mx angelegt hat, ein­er geschlecht­sneu­tralen Anre­de­form. Lau­rie Pen­ny zieht im NEW STATESMAN Par­al­le­len zur Ein­führung von Ms in den 70ern und ruft dann zum Gebrauch der neuen Form auf: »We can only become what we can imag­ine and we can only imag­ine what we can artic­u­late. That’s why lan­guage mat­ters to our lives; that’s why lit­tle changes in gram­mar and vocab­u­lary can affect the entire archi­tec­ture of our polit­i­cal imag­i­na­tion. Today, sign­ing “Mx” on an appli­ca­tion form or an elec­tric­i­ty bill is an act of lin­guis­tic rebel­lion but, tomor­row, it could be ordi­nary. And that is how you change the world.«
  • Einen der diesjähri­gen Ig Nobel-Preise haben drei Lin­guis­ten bekom­men: Für Forschung zu Hä? und seinen Äquiv­a­len­ten in anderen Sprachen. Zum The­ma gibts übri­gens eine schön gemachte Inter­net­seite (Englisch) und einen schon älteren Artikel von Ari­ka Okrent (Englisch).
  • Und zum Schluss noch was zu Guck­en: THE LING SPACE erk­lärt im Video (Englisch), wie Ton­wellen entste­hen — und dass ein Men­sch sich gar nicht so sehr von ein­er Flasche unter­schei­det.

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