Blogspektrogramm 45/2015

Willkom­men zum Sonn- und Feiertagsspe­cial des Spek­tro­gramms! Wir bieten heute das N-Wort, die Dig­i­tal­isierung, Sternchen und Bin­nen-I, nüchterne Aus­tralierIn­nen, Meta­phern und Kinder­fehler:

  • Im aktuellen MERKUR gibt’s zwei sprachre­flek­tierende Texte, die wir unser­er Leser­schaft ans Herz leg­en wollen (und einen drit­ten, inter­es­sant klin­gen­den, der aber was kostet und daher nicht test­ge­le­sen wurde). Matthias Dell denkt über das N-Wort bei »Hart aber fair« nach (Pdf): »Es gibt, selb­st für deutsche Poli­tik­er und Jour­nal­is­ten, keine »natür­lichen« Sit­u­a­tio­nen, in denen das N-Wort ver­wen­det wer­den kön­nte, es braucht Vor­wände, um es wieder und wieder zu sagen. Plas­bergs Sendung spielt in dieser Per­spek­tive eine unrühm­liche, wenn nicht zynis­che Rolle, insofern sie den Raum für Her­rmanns Fehlleis­tung ein­richtet.« (Via @texttheater)
  • Kathrin Pas­sig und Aleks Scholz ver­fol­gen in der­sel­ben Aus­gabe den Begriff Dig­i­tal­isierung durch die Zeit (Pdf): »In den sechziger und siebziger Jahren waren Beze­ich­nun­gen wie Automa­tion, Automa­tisierung und Robo­t­er­isierung üblich, in den Achtzigern und Neun­zigern hieß das Geschehen Com­put­er­isierung. Für die Verän­derun­gen der let­zten drei Jahrzehnte gibt es nicht genug Begriffe, die auf -ung enden: der Über­gang von Offline zu Online; der vom Netz als Nach­schlagew­erk zum Netz, das soziale Beziehun­gen abbildet; das Ver­schwinden von physis­chen Gegen­stän­den als Aufen­thalt­sorten für Kul­turgüter; der Über­gang vom sta­tionären zum mobilen Inter­net; der allmäh­liche Rück­gang der Prax­is, an Com­put­ern erzeugte Inhalte auf Papi­er zu druck­en und ana­log weit­erzu­ver­wen­den; der Umgang mit sehr großen statt nur mit­tel­großen Daten­men­gen, der Über­gang von bish­er schweigsamen zu kom­mu­nizieren­den Geräten.«
  • Im TAGESSPIEGEL plädiert Anna Dom­browsky für geschlechterg­erechte Sprache: »Kein Wun­der, dass Gen­dern noch für Diskus­sio­nen sorgt. Ist ja auch unan­genehm, dass dich das Lesen eines gegen­derten Textes auf die Ungle­ich­heit­en im All­t­ag aufmerk­sam macht und die Debat­te in dein Bewusst­sein zurück­bringt. Dass du früher oder später noch andere Ungerechtigkeit­en erkennst. Das Gute am Gen­dern: Es kostet nichts und verän­dert einiges. Näm­lich unser Bewusst­sein.«
  • Diese Woche wurde behauptet, aus­tralis­ches Englisch sei, wie es ist, weil man in Aus­tralien immer betrunk­en war und außer­dem stimme da irgend­was im Hirn nicht. FULLY (SIC) knöpft sich diesen jour­nal­is­tis­chen Unfall vor und zitiert Leute, die sich ausken­nen: »Derid­ing dif­fer­ences in how some folk speak Aus­tralian Eng­lish as “speech imped­i­ments” is absurd and to sug­gest they are indica­tive of “infe­ri­or brain func­tion­ing” belies a breath-tak­ing lev­el of cul­tur­al self-hatred, as does the absolute­ly aston­ish­ing claim that alco­hol con­sump­tion, his­tor­i­cal or oth­er­wise, is some­how impli­cat­ed.«
    (Zum sel­ben The­ma auch Clem Bas­tow im Guardian.)
  • Meta­phern sind über­all! Lib­by Brooks stellt im GUARDIAN ein Pro­jekt vor, das sie für das Englis­che sam­melt: »“[…] metaphor­i­cal think­ing under­lies the way we make sense of the world con­cep­tu­al­ly. It gov­erns how we think and how we talk about our day-to-day lives.” For exam­ple, when we describe a “healthy econ­o­my” or a “clear argu­ment”, we are map­ping from one domain of expe­ri­ence that is quite con­crete, such as med­i­cine or sight, onto anoth­er domain that is rather more abstract, in this case finance or per­cep­tion, and thus ben­e­fits from metaphor­i­cal expla­na­tion. Ander­son adds that the main con­clu­sion of the map­ping exer­cise is “just how per­va­sive metaphor is”.« (Pro­jek­t­seite)
  • Auf MENTAL FLOSS hat Ari­ka Okrent Fehler zusam­menge­tra­gen, die Kinder beim Spracher­werb machen — und erk­lärt, was dahin­ter­steckt:  »Lit­tle kids make such cute mis­takes when they talk. We know they’re still learn­ing the lan­guage, so we tol­er­ate their errors and chuck­le at how fun­ny they sound. Behind that chuck­le is the assump­tion that the kids are get­ting it wrong because they just don’t know the rules yet. In fact, kids’ mis­takes show they know a lot more about the rules than we think. The mis­takes are evi­dence of very smart hypothe­ses the kids are form­ing from the lim­it­ed data they’ve been giv­en so far.«

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