Wort des Jahres 2015: Flüchtlinge

Die Gesellschaft für deutsche Sprache ver­sucht mit dem „Wort des Jahres“ jedes Jahr, Wörter zu präsen­tieren, die „das zu Ende gehende Jahr beson­ders gut charak­ter­isieren“. Das gelingt nur sel­ten: Im let­zten Jahr war es das schnell ver­flo­gene Licht­gren­ze, im Jahr davor das bleiern-ans­gestrengte GroKo, und im Jahr davor das völ­lig abstruse Ret­tungsrou­tine. In diesem Jahr ist es aus­nahm­sweise gelun­gen, ver­mut­lich, weil selb­st die all­t­agsabge­wandte GfdS nicht in der Lage war, das beherrschende The­ma des Jahres zu ignori­eren:

Das Wort des Jahres 2015 ist Flüchtlinge. Diese Entschei­dung traf am Don­ner­stagabend eine Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS). Das Sub­stan­tiv ste­ht nicht nur für das beherrschende The­ma des Jahres, son­dern ist auch sprach­lich inter­es­sant. Gebildet aus dem Verb flücht­en und dem Ableitungssuf­fix -ling (›Per­son, die durch eine Eigen­schaft oder ein Merk­mal charak­ter­isiert ist‹), klingt Flüchtling für sprach­sen­si­ble Ohren ten­den­ziell abschätzig: Analoge Bil­dun­gen wie Ein­drin­gling, Emporkömm­ling oder Schreiber­ling sind neg­a­tiv kon­notiert, andere wie Prüfling, Lehrling, Fin­d­ling, Sträfling oder Schüt­zling haben eine deut­lich pas­sive Kom­po­nente. Neuerd­ings ist daher öfters alter­na­tiv von Geflüchteten die Rede. Ob sich dieser Aus­druck im all­ge­meinen Sprachge­brauch durch­set­zen wird, bleibt abzuwarten. [Pressemit­teilung der GfdS]

Ich habe ja in den let­zten Jahren über die Wörter Flüchtlinge und Geflüchtete und über andere im Diskurs zu diesem The­ma ver­wen­de­ten Begriffe viel geschrieben und gesagt, sodass ich zur weit­eren Lek­türe ein­fach auf die unten ste­hen­den Texte ver­weise (die ersten bei­den leg­en einen Schw­er­punkt auf die sprach­liche Analyse der Wörter).

[Nach­trag: Ich habe mir die Wörter Flüchtlinge und Geflüchtete doch noch ein­mal ganz frisch ange­se­hen. Bitte hier ent­lang.]

2 Gedanken zu „Wort des Jahres 2015: Flüchtlinge

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