Schlagwort-Archive: Eskimo-Aleut

Unter Schneeblinden

Es ist völ­lig egal, wie oft man den Mythos von den „vie­len Eski­mowörtern für Schnee“ wider­legt — wie aus­führlich man z.B. die Struk­tur der Eki­mo-Aleut-Sprachen erk­lärt, wieviele all­t­agsmythol­o­gis­che Quellen man durch­forstet, wievie­len Auswe­ich­mythen man nachge­ht. Es gibt immer Leute — einen drit­tk­las­si­gen Krim­i­au­tor, zum Beispiel, oder seine folk­lorisierende Bürokraft — die das alles bess­er wis­sen. Denn sie kan­nten mal jeman­den, der einen kan­nte, der vielle­icht ein Eski­mo war oder zumin­d­est einen dick­en Anorak besaß, und der hat es ihnen gesagt. Außer­dem haben sie eine Liste! Mit ganz vie­len Eski­moschneewörtern!

Nun kön­nte so eine Wörterliste ja sog­ar bei der Beant­wor­tung der Frage weit­er helfen, ob die Eski­mos ent­ge­gen der detail­lierten Auskün­fte von Fach­leuten viele­icht doch „viele Wörter für Schnee“ haben — es kön­nte ja sein, dass es sich bei den Auskün­ften der Fach­leute um eine Ver­schwörung han­delt, um sich von staatlichen Forschungs­geldern ein faules Leben zu gön­nen, so eine Art Wörter­gate. Wäre es nicht toll, wenn der kleine Mann auf der Straße diese Ver­schwörung aufdeck­en kön­nte, in dem er die Wörterlis­ten öffentlich macht, die die Lin­guis­tik-Mafia so verzweifelt unter Ver­schluss zu hal­ten ver­sucht?

Einen Ver­such wäre es wert. Nur reicht es dazu lei­der nicht, so eine Liste gedanken­los in einen aufge­blasen blub­bern­den Blogkom­men­tar zu kopieren oder sie auf der eige­nen gerne­großen pseudo­bil­dungs­bürg­ertümel­nden Lang­weil­er­web­seite vor der Welt zu ver­steck­en. Man muss dazu auch min­destens drei Fra­gen beant­worten kön­nen:

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Schneeschleudern

Im Lan­guage Log, der Mut­ter aller Sprach­blogs, kämpft man seit vie­len Jahren gegen den Mythos von den vie­len (50, 100, 200, 500, …) Eski­mo-Wörtern für Schnee, den ich im Bre­mer Sprach­blog auch schon ein paar Mal behan­delt habe. Obwohl die Kol­le­gen in Dutzen­den von Beiträ­gen ver­sucht haben, den Mythos zu entkräften, find­et sich fast jede Woche jemand, der ihn an sicht­bar­er Stelle in den Medi­en wieder­holt.

Es ist deshalb sich­er ver­ständlich, dass die Autoren des Lan­guage Log mit­tler­weile auf die bloße Erwäh­nung von Schnee­vok­ab­u­lar gereizt reagieren. Trotz­dem finde ich, dass Lan­guage Log­ger Ben Zim­mer in seinem jüng­sten Beitrag zum The­ma etwas überempfind­lich wirkt. The­ma des Beitrags ist fol­gen­des Wer­be­plakat des isländis­chen Bek­lei­dung­sh­er­stellers 66° North:

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Schnee im Deutschlandradio

Ich habe im Deutsch­landra­dio ein Inter­view zu den Eski­mo-Wörtern für Schnee gegeben: hier ist ein direk­ter Link zum Pod­cast des Inter­views auf der Web­seite von Deutsch­landra­dio-Kul­tur. Lei­der fehlt dort die Anmod­er­a­tion, der Pod­cast geht mit mein­er ersten Antwort los. Die Anmod­er­a­tion ging unge­fähr so (die Inter­view­erin hat sie mir vor­ab per E-Mail geschickt, der tat­säch­liche Wort­laut war in der Sendung dann leicht anders):

Pul­ver­schnee — Papp­schnee — Harsch — es gibt in Deutsch­land eine ganze Rei­he von Beze­ich­nun­gen, für das, was ger­ade als Folge des Tiefs Daisy das ganze Land bedeckt. Und doch leben die meis­ten von uns im Bewusst­sein, dass wir im Ver­gle­ich zu den Eski­mos — oder Inu­it — nur ganz ganz wenige Begriffe für Schnee ken­nen. Die Bewohn­er der ver­schneit­en Land­stiche wür­den — so heißt es — bis zu 400 Wörtern für Schnee ken­nen. Es seien aber — so räumte die Süd­deutsche Zeitung mit diesem Mythos auf: in Wirk­lichkeit nur zwei: näm­lich das Wort Quanik — für den liegen­den Schnee und Aput für den fal­l­en­den. Haben die Inu­it oder Eski­mos also gar nicht viel mehr Wörter als wir für Schnee? Das habe ich den Sprach­wis­senschafts-Pro­fes­sor Ana­tol Ste­fanow­itsch von der Uni­ver­sität Bre­men gefragt.

Außer­dem gibt es hier eine Kurz­nachricht auf der Deutsch­landra­dio-Web­seite, die die Essenz des Beitrags unter der Über­schrift wiedergibt: „Lin­guist: Nicht viele Wörter für Schnee in den Eski­mo-Sprachen“. Das klingt, als sei es eine Neuigkeit (ist es nicht) und als habe ich das ent­deckt (habe ich nicht), aber natür­lich habe ich bere­its aus­führlich­er darüber geblog­gt, und zwar unter anderem hier: Weit­er­lesen