Zugegeben, die Deutsche Bahn ist schon schwer verliebt in die englische Sprache. An satirischen Verdichtungen dieser Leidenschaft besteht deshalb kein Mangel:
Wer eine „Mobility BahnCard“ hat, kann bald über „Touch & Travel“ ein „Ticket“ für den „City Nightline“ ordern und sich nach dem Trip am „Service Point“ über den „Call-a-bike“-Standort informieren. Viele dürften da nur noch Bahnhof verstehen.[ZDF sonntags]
Aber selbst solche Verdichtungen können mit der Wirklichkeit kaum konkurrieren. Allein auf der Startseite der Deutschen Bahn finden sich fast ausschließlich englische Produktnamen: BahnCard, Surf&Rail, Mobile Services, DB Lounge, City-Ticket, DB Carsharing, BahnShop, Newsletter und Last-Minute-Reisen. Und nicht nur die Produktnamen bedienen sich überwiegend der englischen Sprache: die Sonderangebote heißen Specials, junge Menschen werden als Teens&Twens angesprochen, und Behinderte (oder „Mobilitätseingeschränkte“, wie die Bahn sie an anderer Stelle nennt) müssen wissen, dass „Behinderung“ auf Englisch Handicap heißt, wenn sie Informationen zum Beispiel über die Zugänglichkeit von Bahnhöfen für Rollstuhlfahrer finden möchten.
Insgesamt 13 Prozent der Wörter auf der Startseite der Bahn sind Englisch und die Bahn liegt damit deutlich über dem Durchschnitt in der Werbesprache, der eher bei 4 Prozent liegt.
Die Bahn darf sich deshalb nicht beschweren, dass ihre Vorliebe für die Sprache Shakespeares auf gutem Wege ist, sprichwörtlich zu werden — der Tagesspiegel schrieb kürzlich über ein Online-Angebot der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit dem schönen Namen Reading Room, dies sei „ein Anglizismus wie von der Deutschen Bahn ersonnen“.
Ich will ganz ehrlich sein: obwohl ich ja nicht als Gegner englischer Lehnwörter bekannt bin, würde ich der Bahn — wenn sie mich fragen würde — raten, ihren anglophilen Eifer etwas zu zügeln. Denn sprichwörtlich sollte man als Bahnunternehmen nur für Pünktlichkeit und guten Kaffee sein, und gerade letzterer ist bei der Deutschen Bahn noch stark verbesserungsfähig.
Aber zwei Vorwürfen gegenüber muss ich die Bahn immer wieder in Schutz nehmen: erstens, dass ihre manchmal eigenwillige Nomenklatur grundsätzlich sinnlos sei, und zweitens, dass sie damit die deutsche Sprache im Großen und Ganzen zerstöre.
Die vier CDU-Hinterbänkler von der „Initiative Sprachlicher Verbraucherschutz“, zum Beispiel, feierten am Tag der Muttersprache nicht etwa die Ausdruckskraft und Wandlungsfähigkeit der deutschen Sprache, nein, sie schlugen Alarm, weil „Deutsch auf den hiesigen Flughäfen und Bahnhöfen zur ‚Randsprache‘ geworden“ sei. Und die „Aktion Lebendiges Deutsch“ schlug letzten Monat ungefragt vor, „den ‚Service Point‘ der Deutschen Bahn endlich wieder „Auskunft“ zu nennen — wie er schon 150 Jahre geheißen hat“. Ich habe mich ja hier schon des öfteren gefragt, ob den Menschen, die diese Art von Vorschlägen machen, wirklich nicht klar ist, dass die Welt nicht mehr die von vor 150 Jahren ist, und dass auch deutsche Bahnhöfe inzwischen zu internationalen Verkehrsknotenpunkten geworden sind. Die Bezeichnung „Service Point“ mag inhaltlich unzutreffend sein, aber sie ist auf einem Bahnhof allemal angemessener als das international völlig unverständliche Wort „Auskunft“. Und mir kann keiner erzählen, dass es noch deutsche Muttersprachler gibt, denen das Wort Service nicht bekannt ist.
Ein Stadtratskandidat der Bayernpartei (interessanterweise als Vekehrsmeister bei den Stadtwerken tätig) hofft diese Woche, mit folgender Aussage Stimmen zu gewinnen: „Mich stören die übertriebenen Anglizismen im täglichen Sprachgebrauch. ‚Infopoint‘ und ‚Servicecenter‘ wirken eher pseudo-weltmännisch und lächerlich.“ Aber dabei übersieht er, dass diese Wörter eben nicht in den täglichen Sprachgebrauch übernommen werden, sondern dass es sich um typischen Bahnhofspeak handelt, der das Bahnhofsgebäude nie verlassen wird.
Und letzten Endes ist es doch begrüßenswert, dass die Deutsche Bahn so fleißig mit englischen Begriffen um sich wirft — irgendjemand muss doch die Sprachnörgler beschäftigen.

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