Guido Westerwelles Weigerung, auf einer Pressekonferenz eine Frage auf Englisch zu beantworten, belustigt und empört derzeit Presse und Blogsphäre gleichermaßen.
Zunächst das Video, falls es jemand noch nicht gesehen hat:
Ich nehme an, ich werde in den nächsten vier Jahren nicht häufig einer Meinung mit Westerwelle sein, aber hier möchte ich ihn in Schutz nehmen: Es ist zwar nett, wenn deutsche Politiker bereit sind, Fragen auch auf Englisch zu beantworten, aber erwarten sollten Journalisten aus englischsprachigen Ländern das ebensowenig, wie etwa polnische Journalisten erwarten, ihre Fragen auf Polnisch stellen zu können.
Ich würde hier eher die anmaßende Weise bemängeln, in der der Reporter des BBC seine Frage stellt:
Doctor Westerwelle, James Coomarasamy from the BBC. If I may ask you a question in English and if you would be so kind as to answer English.
Es ist ja eine Sache, eine Frage auf Englisch zu stellen, aber dass ein Journalist einem zukünftigen Minister, zumal dem eines fremden Landes in dessen Land, auch noch die Sprache vorschreiben will, in der dieser Antworten soll, finde ich anmaßend. Ich habe den Eindruck, Westerwelle reagiert auf diesen Teil der Äußerung, denn er greift die Formulierung If you would be so kind auf — Wenn Sie bitte so freundlich wären….
Im weiteren Verlauf stellt sich heraus, dass Coomarasamy eine Dolmetscherin (oder deutschsprechende Kollegin) neben sich sitzen hat, an die er sich sofort wendet. Für mich stellt sich deshalb die Frage, ob er Westerwelle — im vollen Bewußtsein von dessen notorisch schlechten Englischkenntnissen — mit seiner englischen Frage von vorneherein nur blamieren wollte.
Auf jeden Fall hat Westerwelles Weigerung einen gewissen (wenn auch typisch jungliberal verklemmten) Stil — allerdings nur, bis er in stereotypisierte Vorstellungen von teetrinkenden Engländern abgleitet, nachdem die Frage auf Deutsch gestellt und auf Deutsch beantwortet ist und es eigentlich keinen Grund mehr gibt, auf der Sache weiter herumzureiten:
Und damit das nur gleich klar ist, wir können auch außerhalb einer Pressekonferenz fabelhaft auch uns zum Tee treffen und dann sprechen wir nur Englisch. Aber … es ist Deutschland hier.
Das sollte er noch ein bisschen üben, damit er bei seinem Antrittsbesuch in Paris den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy nicht aus Versehen als käsefressenden Kapitulationsaffen bezeichnet…

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