Es ist Deutschland hier

Von Anatol Stefanowitsch

Gui­do West­er­welles Weigerung, auf ein­er Pressekon­ferenz eine Frage auf Englisch zu beant­worten, belustigt und empört derzeit Presse und Blogsphäre gleichermaßen.

Zunächst das Video, falls es jemand noch nicht gese­hen hat:


Ich nehme an, ich werde in den näch­sten vier Jahren nicht häu­fig ein­er Mei­n­ung mit West­er­welle sein, aber hier möchte ich ihn in Schutz nehmen: Es ist zwar nett, wenn deutsche Poli­tik­er bere­it sind, Fra­gen auch auf Englisch zu beant­worten, aber erwarten soll­ten Jour­nal­is­ten aus englis­chsprachi­gen Län­dern das eben­sowenig, wie etwa pol­nis­che Jour­nal­is­ten erwarten, ihre Fra­gen auf Pol­nisch stellen zu können.

Ich würde hier eher die anmaßende Weise bemän­geln, in der der Reporter des BBC seine Frage stellt:

Doc­tor West­er­welle, James Coomarasamy from the BBC. If I may ask you a ques­tion in Eng­lish and if you would be so kind as to answer Eng­lish.

Es ist ja eine Sache, eine Frage auf Englisch zu stellen, aber dass ein Jour­nal­ist einem zukün­fti­gen Min­is­ter, zumal dem eines frem­den Lan­des in dessen Land, auch noch die Sprache vorschreiben will, in der dieser Antworten soll, finde ich anmaßend. Ich habe den Ein­druck, West­er­welle reagiert auf diesen Teil der Äußerung, denn er greift die For­mulierung If you would be so kind auf — Wenn Sie bitte so fre­undlich wären….

Im weit­eren Ver­lauf stellt sich her­aus, dass Coomarasamy eine Dol­metscherin (oder deutschsprechende Kol­le­gin) neben sich sitzen hat, an die er sich sofort wen­det. Für mich stellt sich deshalb die Frage, ob er West­er­welle — im vollen Bewußt­sein von dessen notorisch schlecht­en Englis­chken­nt­nis­sen — mit sein­er englis­chen Frage von vorne­here­in nur blamieren wollte.

Auf jeden Fall hat West­er­welles Weigerung einen gewis­sen (wenn auch typ­isch junglib­er­al verklemmten) Stil — allerd­ings nur, bis er in stereo­typ­isierte Vorstel­lun­gen von teetrink­enden Englän­dern abgleit­et, nach­dem die Frage auf Deutsch gestellt und auf Deutsch beant­wortet ist und es eigentlich keinen Grund mehr gibt, auf der Sache weit­er herumzureiten:

Und damit das nur gle­ich klar ist, wir kön­nen auch außer­halb ein­er Pressekon­ferenz fabel­haft auch uns zum Tee tre­f­fen und dann sprechen wir nur Englisch. Aber … es ist Deutsch­land hier.

Das sollte er noch ein biss­chen üben, damit er bei seinem Antritts­be­such in Paris den franzö­sis­chen Präsi­den­ten Nico­las Sarkozy nicht aus Verse­hen als käse­fressenden Kapit­u­la­tion­saf­fen bezeichnet…

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