Von Sprachpanschern und Faktenpanschern

Von Anatol Stefanowitsch

Die Wahl des „Sprach­pan­sch­ers des Jahres“ vom Vere­in Deutsche Sprache stellt mich jedes Jahr vor ein Dilem­ma: Darüber schreiben, und die vom VDS euphemistisch als „Schmäh­preis“ beze­ich­nete Desin­for­ma­tion­skam­pagne durch diese Aufmerk­samkeit adeln, oder sie mit der Mis­sach­tung strafen, die sie ver­di­ent, und den Sprach­nör­glern damit die medi­ale Deu­tung­shoheit über den Gebrauch von Lehn­wörtern überlassen?

Wohin diese Deu­tung­shoheit führen kann, zeigt das trau­rige Beispiel der Deutschen Bahn, der der Titel „Sprach­pan­sch­er“ zweimal ver­liehen wurde — 1999 musste der dama­lige Vor­standsvor­sitzende Johannes Ludewig sich so schimpfen lassen [VDS, 1.9.1999], 2007 dann sein Nach­fol­ger Hart­mut Mehdorn [VDS, 31.8.2007]. Beque­mer­weise war die Begrün­dung in bei­den Fällen dieselbe: Fahrkarten­schal­ter wür­den „Tick­et Counter“ genan­nt, Infor­ma­tion­sstände „Ser­vice Point“ und Bahn­hof­s­toi­let­ten „McClean“. Und statt auf die Denk­fehler hin­ter dieser Begrün­dung hinzuweisen, gelobte die Deutsche Bahn im let­zten Jahr dann tat­säch­lich Besserung (wobei unklar ist, ob tat­säch­lich die Quen­geleien des VDS dafür ver­ant­wortlich waren, oder eher die sprach­puris­tis­chen Scheinat­tack­en des Verkehrsmin­is­ters Peter Ramsauer.

In diesem Jahr zeigte sich dage­gen schon früh, dass dem Vere­in Deutsche Sprache bei seinen bil­li­gen Ver­suchen, sich auf ihre Kosten bekan­nter Namen und Insti­tu­tio­nen als Bewahrer der deutschen Sprache darzustellen, ein etwas rauer­er Wind ins Gesicht wehen würde. Als im Mai die Nominierun­gen bekan­nt­gegeben wur­den [VDS, 26.5.2011], war unter den Kandidat/innen auch der Vor­standsvor­sitzende der Bun­de­sagen­tur für Arbeit, Frank-Jür­gen Wiese. Ihm wur­den Wörter wie Job­cen­ter, Start-Up-Coach­ing und Busi­nesstalks angekrei­det. Und statt zerknirschte Besserung zu geloben, wies die BfA in ein­er Pressemel­dung auf etwas hin, das der VDS nie ver­ste­hen wird: Lehn­wörter sind ein Teil der deutschen Sprache, und wer ver­standen wer­den will, wird sie deshalb verwenden.

Als vor eini­gen Tagen dann der Sieger der diesjähri­gen Sprach­pan­scher­wahl bekan­nt­gegeben wurde, durfte man deshalb ges­pan­nt auf die Reak­tion sein. Gewon­nen hat­te die Deutsche Telekom in Per­son ihres Vor­standsvor­sitzen­den René Ober­mann, der schon im let­zten Jahr nominiert war [VDS, 26.8.2011. Wie die Deutsche Bahn trägt auch sie den Titel damit zum zweit­en Mal (schon 1998 war Ron Som­mer so „aus­geze­ich­net“ wor­den [VDS, 1.10.1998]).

Und die Telekom fol­gte tat­säch­lich dem Beispiel der Bun­de­sagen­tur für Arbeit und stellte klar, dass man sich bei der Ver­wen­dung englis­chen Wortguts eben dem all­ge­meinen Sprachge­brauch anpasse:

Vor allem die Telekom­mu­nika­tions­branche werde nun mal von Begrif­f­en wie „Social Media“, „Smart­phones“, „Apps“ und „Cloud“ dominiert, teilte das Unternehmen in Bonn mit. „Diese Begriffe haben sich nicht nur im all­ge­meinen Sprachge­brauch durchge­set­zt, son­dern find­en sich zum Teil mit­tler­weile auch in namhaften Nach­schlagew­erken“, so Press­esprech­er Chris­t­ian Fis­ch­er. [DPA, 26.8.2011 (cit. Zeit Online)]

Im Beson­deren war die Telekom vom VDS (wie schon 1998) wegen ihrer englis­chsprachi­gen Pro­duk­t­beze­ich­nun­gen — z.B. Enter­tain Com­fort und Call & Surf Com­fort nominiert wor­den und gab auch darauf eine Antwort, die jedem vernün­ftig denk­enden Men­schen — und damit natür­lich nicht dem Vere­in Deutsche Sprache — ein­leucht­en sollte:

Die Telekom sei ein inter­na­tionales Unternehmen mit inter­na­tionalen Pro­duk­ten, die inter­na­tion­al beze­ich­net wer­den müssten. „Es ergibt für uns keinen Sinn, etwa an Flughäfen mit inter­na­tionalem Pub­likum, dort ein Mobil­funk-Ange­bot mit einem deutschen Pro­dukt-Namen zu bewer­ben“, sagte Fis­ch­er. [DPA, 26.8.2011 (cit. Zeit Online)]

So erfreulich diese klaren Worte sind, so ganz ste­ht man bei der Telekom wohl doch noch nicht über den Sprach­nar­reteien des VDS: Man wisse, das man „weit davon ent­fer­nt [sei,] per­fekt zu sein“ ließ man über das Fir­men­blog ver­laut­en, und freue sich „deshalb … schon jet­zt auf die Fort­führung des kon­struk­tiv-kri­tis­chen Dialogs mit dem VDS.“

Ich kann der Telekom nur wärm­stens empfehlen, bei Gele­gen­heit beim Rat der Evan­ge­lis­chen Kirche in Deutsch­land nachzufre­gen, wieviel Freude ein solch­er kon­struk­tiv-kri­tis­ch­er Dia­log bere­it­et. Auch der die EKD fand sich im Mai in Per­son ihres Präs­es Niko­laus Schnei­der auf der Kan­di­daten­liste, weil er, so der VDS,

seine Gläu­bi­gen mit „Luther­Ac­tiv­i­ties“ wie „Well­ness für die Män­nerseele“, „mar­riage weeks“ oder „wor­ship sum­mer­par­tys“ bei der Stange hal­ten will [VDS, 26.5.2011].

Wie ich sein­erzeit im Sprachlog gezeigt habe, sind diese Vor­würfe völ­lig halt­los — kein einziges dieser Wörter find­et sich in irgendwelchen Äußerun­gen Schnei­ders oder in Ver­laut­barun­gen der EKD. Zwei der Wörter wer­den jew­eils ein­mal in Ankündi­gun­gen einzel­ner Kirchenge­mein­den ver­wen­det, eins stammt von ein­er unab­hängi­gen Ini­tia­tive an der die EKD nur als eine unter vie­len Trägerin­nen beteiligt war, und eins stammt von ein­er Selb­sthil­fe­gruppe, die keine offen­sichtlichen Verbindun­gen zur Kirche hat.

Die EKD selb­st wehrte sich sein­erzeit eher zaghaft in einem nicht öffentlich ein­se­hbaren Artikel des chris­tilichen Nachricht­en­por­tals Idea mit dem Hin­weis, dass diese Wörter nicht von Präs­es Schnei­der oder anderen offiziellen Vertreter/innen der EKD, son­dern von unab­hängi­gen Organ­i­sa­tio­nen ver­wen­det wur­den. Außer­dem, so erfuhr ich im Juni von der Press­es­telle der EKD, hat­te deren Leit­er, Rein­hard Maw­ick, das auch in einem direk­ten Gespräch mit dem VDS-Vor­stand klargestellt.

Umso größer muss die Über­raschung bei der EKD gewe­sen sein, als man sich bei der Bekan­nt­gabe der „Sprach­pan­sch­er“ vor eini­gen Tagen mit der unverän­derten Begrün­dung auf dem drit­ten Platz wieder­fand. Rein­hard Maw­ick (an den ich im Mai und Juni nicht herangekom­men war) meldete sich nach der Bekan­nt­gabe bei mir, um sich für meine dama­lige Vertei­di­gung der sprach­lichen Ehre der EKD zu bedanken. Der Geschäfts­führer des VDS, Hol­ger Klat­te, mit dem er sein­erzeit über die falsche Zuschrei­bung der angeprangerten Aus­drücke gesprochen habe, sei damals „eigentlich auch ganz ein­sichtig“ gewe­sen und man sei deshalb etwas verärg­ert, dass dieser auf sein­er „frei erfun­de­nen“ Darstel­lung beharre. Es scheine wohl doch nichts genützt zu haben, auf den Vere­in zuzugehen.

Da ich seit Jahren immer wieder darauf hin­weise, dass der VDS sich Fak­ten und Argu­mente gerne beliebig zusam­men­pan­scht, kann ich mich über dessen Behar­ren natür­lich nur bed­ingt wun­dern. Beim VDS hat man das Gespräch offen­bar auch ganz anders in Erin­nerung: Das christliche Medi­en­magazin Pro zitiert Klat­te wie folgt:

„Die EKD teilte uns damals mit, dass ger­ade Präs­es Schnei­der eigentlich jemand sei, der stets auf sprach­liche Fehlleis­tun­gen von Wer­beagen­turen oder bei kirch­lichen Ver­anstal­tun­gen hin­weise und Kri­tik übe. Deswe­gen sei er der falsche Kan­di­dat.“ Doch der Vere­in betont, dass sich Schnei­der als Ver­ant­wortlich­er offen­bar nicht aus­re­ichend für den öffentlichen Auftritt einge­set­zt habe. [pro, 29.8.2011]

Ob man beim VDS den eigentlichen Inhalt des Gesprächs tat­säch­lich vergessen hat, oder ob man die Geschichte von den „Luther­Ac­tiv­i­ties“ und der „Well­ness für die Män­nerseele“ ein­fach zu gut fand, um sie wegen ein­er Kleinigkeit wie der Tat­sache, dass sie erlogen ist, aufzugeben, kann ich nicht beurteilen.

So oder so sollte es aber allen bish­eri­gen und zukün­fti­gen „Sprach­pan­sch­ern“ deut­lich vor Augen führen, auf welch­es Niveau man sich her­abbe­g­ibt, wenn man ver­sucht, kon­struk­tiv-kri­tis­che Gespräche mit den Dort­munder Sprach­nar­ren zu führen.

[Dieser Beitrag erschien ursprünglich im alten Sprachlog auf den SciLogs. Die hier erschienene Ver­sion enthält möglicher­weise Kor­rek­turen und Aktu­al­isierun­gen. Auch die Kom­mentare wur­den möglicher­weise nicht voll­ständig übernommen.]

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Über Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Er beschäftigt sich derzeit mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Sein aktuelles Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ ist 2018 im Dudenverlag erschienen.

52 Gedanken zu „Von Sprachpanschern und Faktenpanschern

  1. Klardeutsch

    Warum der VDS halb richtig liegt
    Der VDS und seine Mit­glieder sind auch mir unheim­lich. Aber das heißt, dass sie immer Unrecht haben. Der Telekom den Vor­wurf zu machen, sie benutze ist Begriffe Social Media oder Smart­phone ist in der Tat absurd. Aber die Begrun­dung für “Surf & Call Com­fort” ist mehr als aben­teuer­lich. Macht die Telekom ihren wesentlichen Umsatz mit nur in Deutsch­land buch­baren Tar­ifen an inter­na­tionalen Flughäfen? In Wirk­lichkeit geht es um etwas anderes: Man möchte cool klin­gen und — noch viel wichtiger — Ver­wirrung stiften, um so die Ver­gle­ich­barkeit von Tar­ifen zu ver­hin­dern. Telekom­mu­nika­tion­sun­ternehmen brin­gen ja nicht deshalb so viele unter­schiedliche Tar­ife auf den Markt, weil sie dem Kun­den eine so große Auswahl bieten wollen. Im Gegen­teil: Sie wollen durch die große Auswahl ver­hin­dern, dass Kun­den eine ratio­nale Entschei­dung auf­grund weniger, ver­gle­ich­bar­er Dat­en zwis­chen den Ange­boten ver­schieden­er Anbi­eter tre­f­fen kön­nen. Und bei deis­er Ver­schleierungstak­tik helfen scheinenglis­che Beze­ich­nun­gen ungemein.

  2. kreetrapper

    telekomis­che Sprachpanscher
    Ich schließe mich dem ersten Kom­men­ta­tor an. An Lehn­wörtern ist per se nichts Schlimmes, aber die abstrusen Phan­tasiebe­griffe, die sich die Telekom für ihre Pro­duk­te aus­denkt, kann man ruhig anprangern. Völ­lig unab­hängig davon, ob sie englis­chen oder deutschen Ursprungs sind.
    Darauf, daß die Antwort man spreche mit auf Deutsch­land beschränk­ten Pro­duk­ten ein inter­na­tionales Pub­likum an eben­falls großer Quatsch ist, bin ich gar nicht gekommen.

  3. Anatol Stefanowitsch

    Pro­duk­t­na­men und Pranger
    Fir­men wegen ihrer Pro­duk­t­na­men „anzuprangern“ ist so ziem­lich das albern­ste, was ich mir im ohne­hin schon alber­nen Bere­ich der Sprach­pflege vorstellen kann. Wem die Tar­if­beze­ich­nun­gen der Telekom nicht passen, der gehe doch ein­fach zur Konkurrenz.
    Aber darum geht es hier auch gar nicht. Hier geht es darum, dass der Vere­in Deutsche Sprache sich nicht ein­mal an ein­fach­ste Fak­ten (wie z.B. die Frage, wer welche Wörter wann und wo ver­wen­det hat) hal­ten kann und damit die denkbar ungeeignet­ste Instanz ist, wenn es darum geht, anderen Vorschriften zu machen.

  4. Klardeutsch

    @ A.S.
    Ich fürchte, dass Sie in Ihrem Furor gegen Sprach­pflege andere Argu­mente nicht mehr entsprechend würdigen.
    Bei der Kri­tik an den englis­chsprachi­gen Pro­duk­t­beze­ich­nun­gen ging es mir gar nicht um “Sprach­pflege”, son­dern um Ver­braucher­gesicht­spunk­te. Es ging darum, dass solche Unternehmen mit coolen englis­chen Namen die Trans­parenz ihrer Pro­duk­te ver­hin­dern und Ver­gle­ich­barkeit erschw­eren wollen. Ich halte es nicht für sin­nvoll, mit lin­guis­tis­chen Argu­menten einen miesen Mar­ket­ingtrick vertei­di­gen zu wollen, nur weil man etwas gegen Sprach­pfleger hat.
    Wenn Ver­brauch­er­schützer darauf hin­weisen, dass in manch­er Geflügel­wurst sich nur min­i­male Anteile von Geflügel befinden,könnte man natür­lich auch antworten: Was soll diese Sprach­pflegerei? Wenn der Her­steller meint, seine kleingeschnipsel­ten und weichgekocht­en Schweineborsten Geflügel nen­nen zu müssen, dann soll er doch. Schließlich darf jed­er Sprech­er die Sprache aus lin­guis­tis­ch­er Sicht so benutzen wie er will. Dieses Argu­mente würde mich aber nicht überzeu­gen — und die meis­ten anderen Men­schen wohl auch nicht.

  5. Thomas Müller

    @Klardeutsch
    Die Kri­tik ver­ste­he ich nicht recht.
    Dass die Pro­duk­t­na­men cool klin­gen sollen — logisch, aber das ist ja nicht verwerflich.
    Dass sie Teil ein­er Ver­wirrungstak­tik sind — möglich, aber wie sollte man die Tar­ife denn bena­men, um Ver­wirrung zu reduzieren? Das Prob­lem, das Sie schildern ist doch kein sprach­lich­es, son­dern eines, das auch unab­hängig von irgendwelchen Marken­na­men gegeben wäre.
    Und dem VDS geht es natür­lich bloß darum, dass die Pro­duk­te mit englis­chen Namen beze­ich­net wer­den und um nix anderes.

  6. ckwon

    Tar­ifver­gle­ich
    Die Ver­gle­ich­barkeit von Tar­ifen wird doch nicht durch ihren namen erschw­ert, son­dern durch die Anzahl der Tar­ife (bzw. dass Tar­ife auch manch­mal rel­a­tiv schnell kom­men und gehen bzw. sich ändern)
    Klar kön­nen Namen da helfen, aber das wird doch auch bei anderen Pro­duk­ten eher sel­ten gemacht.
    Son­st kön­nte man ja auch VW dafür kri­tisieren, dass man ja nicht am Namen erken­nen kann, ob der Golf größer als ein Pas­sat ist und welchen man davon mit dem Toy­ota Corol­la oder dem Yaris ver­gle­ichen kann…(Rühmliche Aus­nahme: der Mini 😉 )

  7. Dierk

    @klardeutscher
    Der Ver­brauch­er hat das — und vor allem ganz ohne selb­st ernan­nte Sprach­sit­ten­richter — selb­st in der Hand: Unternehmen ignori­eren. Geht bei sprach­lichen “Ent­gleisun­gen” auch son­st ganz gut. Anson­sten hil­ft nach­fra­gen, was ich immer sehr gerne mache, ganz unab­hängig von der ange­blichen Quellsprache.
    Der VDS stellt sich immer deut­lich­er als rein­er Lob­byvere­in für seinen Vorschwitzen­den dar, der mir nicht nur im Zusam­men­hang mit Sprache schon häu­figer sehr unan­genehm auffiel. Um Sprache oder auch nur Toitsch geht es dort gar nicht, son­dern um Aufmerk­samkeit. Das ist natür­lich nur bed­ingt kri­tik­fähig, denn ich kann nie­man­dem vorhal­ten, von anderen wahrgenom­men wer­den zu wollen. Die Frage bleibt nur: Cui detrimento?*
    *Falls mich mein Gram­matik mal wieder im Stich ließ — immer­hin schon einige Jahrzehnte her -, bitte ich um Entschuldigung und kurze Korrektur.

  8. David

    Sweat­shirt
    Ziem­lich ad hominem und inhaltlich den­noch abso­lut kor­rekt ist übri­gens die Fest­stel­lung, daß des VDS Vorschwitzen­der in der Tat aussieht, als könne er ganz aus­geze­ich­net schwitzen.

  9. Ludwig Trepl

    Denk­fehler
    Als „Denk­fehler hin­ter dieser Begrün­dung“ (des Sprachvere­ins) sein­erzeit, als Mehdorn aus­geze­ich­net wurde, nen­nt A. S. haupt­säch­lich, daß an Bahn­höfen nun ein­mal viele Men­schen aus aller­lei Län­dern herum­laufen und die sollen doch ver­ste­hen, was da ste­ht, darum z. B. „Tick­et Counter“.
    Da steckt aber ein Denk­fehler drin. Denn so war und ist es ja nicht. Ich erin­nere mich noch sehr gut: Am Fahrkarten­schal­ter stand irgend­was, jeden­falls ein deutschdeutsches Wort. Aber auf einem Schild stand: Dieser Counter ist nicht beset­zt und darum möge man zu einem anderen Counter gehen. (Da ist mir zum ersten Mal in Deutsch­land das Wort Counter begeg­net.) Das ver­ste­ht kein­er, der nicht Deutsch kann, denn außer Counter ken­nt der ja den Voraus­set­zun­gen von A. S. nach kein Wort; und was counter heißt, wußte damals ver­mut­lich die Mehrzahl der Deutschen nicht.
    Wenn die Bahn das erre­ichen wollte, was sie A. S. zufolge erre­ichen will, dann würde sie es so machen, wie es in den meis­ten anderen Län­dern üblich ist: einen Text in der Lan­dessprache, und darunter die englis­che Über­set­zung. Aber darum geht es der Bahn ja nicht.
    Das ist der zweite Denk­fehler von A. S.: Er ver­wech­selt den Sinn, den das haben kön­nte (aber nicht hat), was die Bahn macht, mit der Moti­va­tion der Bahn. Die hat „Klardeutsch“ eben klar benan­nt: „Man möchte cool klin­gen“. Es ist nicht anders als bei einem dör­flichen Friseurladen, der ja auch nicht wegen der vie­len sich Aus­län­der auf der Dorf­s­traße „Hair-Par­adise“ nennt.
    Fern­er: Es geht nicht um Lehn­wörter. Zur Zeit der Ein­führung von „Info-Point“ und „Counter“ durch die Bahn waren das keine Lehrwörter, son­dern unter Deutschen ganz unbekan­nte englis­che Wörter (in dem einen Fall allerd­ings zu erraten).
    Was die Vertei­di­gung von N. Schnei­der ange­ht, bin ich mit A. S. ein­er Meinung.

  10. kreetrapper

    Wem die Tar­if­beze­ich­nun­gen der Telekom nicht passen, der gehe doch ein­fach zur Konkurrenz.
    Ich glaube nicht, daß ich in ein­er Welt leben möchte, in der sich meine Wahl als Kon­sument nur auf kaufen oder nicht kaufen beschränkt und ich anson­sten die Klappe hal­ten soll.

  11. kreetrapper

    @myself. Der erste Absatz sollte ein Zitat sein, aber da es keine Vorschau- oder Edi­tier­funk­tion gibt (hint, hint), habe ich es lei­der versemmelt.

  12. WolfgangK

    Sprach­pflege
    Dass solche Vere­ine wie der VDS erst dann notwendig wer­den, wenn die region­al begren­zte Mut­ter­sprache in Vergessen­heit zu ger­at­en dro­ht zeigen ver­schiedene Vere­ine zur Erhal­tung von Dialek­ten. Vorher ist Spracher­hal­tung über­flüs­sig, da sich Sprache sowieso stets verän­dert und nie “usprünglich” erhal­ten bleibt. Was machen solche Vere­ine jedoch solange, bis sich Sprachen nicht mehr weit­er­en­twick­eln und in Vergessen­heit ger­at­en? Sie vergeben unsin­nige Preise und ner­ven ihre Mit­men­schen mit Forderun­gen nach Erhal­tung, wo es nichts zu erhal­ten gibt.

  13. NörglerIn

    Restev­er­w­er­tung
    Lei­der beste­ht dieser Beitrag über­wiegend aus Selb­stz­i­tat­en. Abge­se­hen vom Aufhänger (Telekom als “Sprach­pan­sch­er”) fällt es mir schw­er, darin neue Gedanken zu erkannen.
    Die Vertei­di­gung der Telekom ist äußerst schwach, wesentlich schwäch­er als die auch nicht ganz überzeu­gende der Bun­de­sagen­tur. Das ist in den ver­schiede­nen Kom­mentaren ja schon tre­f­fend dargestellt.
    Beson­ders schwach ist die Argu­men­ta­tion im erwäh­n­ten “Fir­men­blog”. Selb­st der VDS wird wohl nicht ver­lan­gen, das die Telekom ihre “Com­bi­Cards” in “Kom­bi­na­tion­skarten” umbe­nen­nt. Aber täte “Kom­bikarte” es nicht genau­so gut? Mit dem fik­tiv­en Beispiel “Kom­bi­na­tion­skarte Back­fisch” für “Com­bi­Card Teens” gleit­et die Telekom in reine Polemik ab, und macht sich selb­st nur lächer­lich. Daß sie “seit Jahren am Markt etablierte Pro­duk­t­na­men wie ‘Call & Surf’ nicht ein­fach ver­schwinden lassen” will, ist ja schon ver­ständlich. Da kann man aber nur sagen: sel­ber schuld, das ist eben der Fluch der bösen Tat.
    Erwäh­nenswert erscheint mir noch, daß die Telekom ger­ade in den angel­säch­sis­chen Län­dern wenig erfol­gre­ich ist (jeden­falls im Kon­sumenten­bere­ich): in den USA will sie verkaufen, in Großbri­tan­nien mit Orange fusion­ieren, in Kana­da ist sie nicht präsent. Vielle­icht wäre die Telekom bess­er berat­en gewe­sen, ihre deutsche Herkun­ft dort stärk­er her­auszustellen. Das Anse­hen deutsch­er Inge­nieurskun­st ist wenig­stens in Nor­dameri­ka ja noch erstaunlich hoch. Volk­swa­gen und Audi wer­ben auch dort mit ihren deutschen Werbe­sprüchen “Das Auto” und “Vor­sprung durch Technik”.

  14. Klausi

    Mit Mis­sach­tung strafen
    An A.S.:
    Das wird Ihnen nicht gelin­gen, dafür sind Sie schon viel zu sehr ver­strickt. Sie führen, nicht anders als der VDS, einen Glauben­skrieg. Rein sprach­wis­senschaftlich betra­chtet müssten Sie mit meinem Vere­in längst durch sein, da Ihnen aber die Ziele des VDS poli­tisch sus­pekt sind, machen Sie fleißig weit­er. Dass Sie dabei polemisieren, ist nicht das Prob­lem. Auch nicht, dass Sie eben dieses Mit­tel der Auseinan­der­set­zung Ihren Kon­tra­hen­den so häu­fig vor­w­er­fen, wie Sie es selb­st verwenden.
    Den Pfad der Wis­senschaft haben Sie dabei, als Glauben­skrieger der Sie nun sind, allerd­ings längst ver­lassen. Nur wenn es hil­fre­ich ist, pack­en Sie dieselbe aus, um sie genau so schnell wieder ver­schwinden zu lassen, wenn es Ihnen bess­er in den Kram passt. Den eitlen Ex-cathe­dra-Unter­ton behal­ten Sie allerd­ings immer bei.

  15. Ludwig Trepl

    @Dierk @klardeutscher 06.09.2011, 17:44
    Ich will diesen Vere­in nicht vertei­di­gen, aber daß es sich um “selb­st ernan­nte Sprach­sit­ten­richter” han­delt, ist doch nicht schlecht. Sind Sie denn dafür, daß der Staat solche Richter ernennt?
    Aus­führlich­er: http://deutsche-sprak.blogspot.com/…nden_31.html

  16. Physiker

    Kosten­fall­en vs. Bezeichnungen
    Wie die Telekom­mu­nika­tion­sun­ternehmen ihre Pro­duk­te beze­ich­nen (das kön­nen auch völ­lig erfun­dene Wörter sein) ist ganz und gar ihre Sache und wird im schlimm­sten Fall vom Markt abges­traft. Damit ist eine “Instanz” wie der VDS vol­lkom­men überflüssig.
    Die unangemessene Sym­pa­thie, die der VDS (auch hier) ern­tet liegt nur daran, dass so gut wie jed­er schlechte Erfahrun­gen mit dem Tarif-Dschun­gel und dem mis­er­ablen Ser­vice in diesem Dien­stleis­tungs­bere­ich gemacht hat. Damit ist der VDS nichts anderes als ein Trit­tbret­tfahrer eines Unmuts der vielle­icht vor 5–10 Jahren mal aktuell war. Wer inzwis­chen seinen Telekom­mu­nika­tion­san­bi­eter nicht gewech­selt hat, weil einem selb­st der Fach­händler nicht erk­lären kon­nte, was ein “Hap­pyLive” ist und warum man dafür bezahlt obwohl man es nie bestellt hat, ist abso­lut selb­st schuld.

  17. anonym

    Der Markt wird’s schon richten?
    Das ist eine recht gewagte Behaup­tung. Bei der Auswahl eines Tar­ifs spie­len jede Menge Fak­toren mit. Dass aus­gerech­net ein Tarif wegen seines däm­lichen Namen von den Ver­brauch­ern nicht angenom­men wird, dürfte in allen Branchen eher die Aus­nahme sein.
    Und weil der Markt es richt­en wird, soll der VdS die Klappe hal­ten? Auch eine merk­würdi­ge Ansicht, denn die Ernen­nung zum Sprach­pan­sch­er durch den VdS ist ja hier dur­chaus Bestandteil des Marktgeschehens.

  18. Physiker

    @anonym:
    Hier sind ein paar Beispiele für Flops, die fast auss­chliesslich am unglück­lich gewählten Namen und den damit ver­bun­de­nen Assozi­a­tio­nen liegen (siehe Nr. 7,8,10,12,17,19,20,21,22):
    http://www.dailyfinance.com/…t‑flops-of-all-time
    Wem verge­ht denn nicht der Appetit, wenn auf einem Fer­tig­gericht fett “Col­gate” draufsteht…
    Übri­gens, was soll denn der Markt richt­en? Dass die Pro­duk­t­na­men dem Geschmack eines Senioren-Vere­ins entsprechen? Bes­timmt nicht. Stattdessen sorgt der Markt dafür, dass die erfol­gre­ichen Pro­duk­t­na­men der Mehrheit/der Ziel­gruppe gefall­en — und was soll denn dage­gen einzuwen­den sein?
    Bei der Pop­u­lar­ität der Apple-Pro­duk­te spie­len sich­er “jede Menge Fak­toren” keine Rolle, stattdessen der Name um so mehr.
    Wenn der VDS Mumm gehabt hätte, dann hätte er sich ja mit Apple anle­gen kön­nen anstatt die beschriebene Trit­tbret­tfahrer-Masche auszuschlachten.

  19. Dierk

    @Ludwig Tre­pl
    Ich bin dafür, dass es gar keine Sprachrichter gibt [außer mir selb­stver­ständlich]. Aber das wis­sen Sie.

  20. Mueller

    Zum Blog­a­r­tikel selb­st ist hin­sichtlich dem Für und Wider wohl das Wesentliche gesagt, aber zu eini­gen Kom­mentaren möchte ich anmerken: Die Telekom wegen ihrer Sprache zu kri­tisieren, ist ver­boten, stattdessen soll man wegen ein biss­chen Werbe­sprech den Anbi­eter wech­seln, ohne dass diese Entschei­dung mit Preis und Qual­ität zu tun hat? Aberwitzig …

  21. NörglerIn

    Nach­holbe­darf
    Man kann der Telekom und der Bahn für Ihre epochale Ent­deck­ung, daß sich auch Aus­län­der auf deutsche Flughäfen und Bahn­höfe verir­ren, ja nur dankbar sein.
    Zu den deutschen Verkehrsmin­is­te­rien ist die Erken­ntis lei­der noch nicht durchge­drun­gen, daß auch deutsche Straßen gele­gentlich von Aus­län­dern befahren werden.
    Es ist doch wirk­lich über­fäl­lig, daß es auf deutschen Straßen Aix-la-Chapelle, Cologne und Munich heißt. Wie in aller Welt sollen sich denn die armen Aus­län­der son­st auf deutschen Straßen zurechtfind­en? Man bedenke auch die vie­len Irrfahrten von Aus­län­dern auf­grund der heuti­gen puris­tis­chen deutschen Straßen­schilder. Das ist doch ökol­o­gisch ganz unvertretbar!
    Natür­lich müßte auch die Notruf­säule Emer­gency Phone, die Polizei­wache Police Sta­tion und die Rast­stätte Motor­way Ser­vice Area heißen.
    Soll­ten auch deutsche Entsprechun­gen auf die Straßen­schilder? Erstens geht das nicht, weil die Schilder zu klein sind, zweit­ens ver­ste­hen ja alle Deutschen sowieso Englisch.
    Immer­hin kön­nte man ja, als kleine Geste gegenüber dem VDS, an dem Wort “Auto­bahn” fes­thal­ten, denn das ken­nen ja selb­st Engländer.

  22. Sancho und Sprachpancho

    Klardeutsch: “Man möchte cool klin­gen und — noch viel wichtiger — Ver­wirrung stiften, um so die Ver­gle­ich­barkeit von Tar­ifen zu verhindern.”
    Oh Gott ja, “Call & Surf Com­fort”, jet­zt bin ich völ­lig ver­wirrt.… Wie ein­fach dage­gen doch alles wäre, wenn der Tarif “Anrufen & Net­z­seit­en besuchen Bequem­lichkeit” heißen würde!
    In ein­er Sache gebe ich Ihnen allerd­ings Recht: Der deutsche Name klingt ein­deutig weniger cool.

  23. Anatol Stefanowitsch

    Tar­if­na­men und Sprachkritik
    Nein, Herr Mueller, es ist selb­stver­ständlich nicht „ver­boten“, die Telekom wegen ihrer Sprache zu kri­tisieren. Es hat nur (a) nichts mit Sprach­pflege zu tun und ist (b) völ­lig sinn­los — vor allem, wenn man nicht bere­it ist, den Worten Tat­en fol­gen zu lassen und zu einem anderen Anbi­eter zu wechseln.
    Die Mobil­funkan­bi­eter in Deutsch­land sind sich doch in einem einig: Sie alle ver­wen­den englis­che oder englisch-deutsche Pro­duk­t­na­men. Aus sprach­pflegerisch­er Per­spek­tive ist das völ­lig irrel­e­vant, denn Pro­duk­t­na­men sind eben Pro­duk­t­na­men, und keine Wörter der deutschen Sprache. Aber wenn man sich unbe­d­ingt sprach­pflegerisch mit dem The­ma auseinan­der­set­zen wollte, warum greift man sich dann beliebig die Telekom her­aus? Die Antwort ist klar: Dem VDS geht es nicht um Sprach­pflege, son­dern darum, seinen Mit­gliedern regelmäßig Kla­mauk zu bieten, damit die ihre Beiträge schön weit­erzahlen. Und weil der VDS haupt­säch­lich aus älteren Her­ren beste­ht, ken­nen die gar keine anderen Tele­fo­nan­bi­eter und glauben immer noch, dass die Telekom eine Behörde und damit der deutschen Sprache in beson­der­er Weise verpflichtet ist.

  24. Joachim

    Ich frag mich ger­ade, was damit gewon­nen wäre, wenn ein “surf and fun” Tarif jet­zt “Wellen­re­it­en und Spaß” Tarif hieße. Brächte das tat­säch­lich Licht in den Tar­ifd­schun­gel? Tschuldigung, ich meine den undurch­dringlichen, tro­pis­chen Tarifsumpfwald.

  25. Ludwig Trepl

    Dierk @Ludwig Tre­pl 07.09.2011, 16:51
    “Ich bin dafür, dass es gar keine Sprachrichter gibt [außer mir selbstverständlich].”
    Eben, sag’ ich doch. Denn wer hat Sie ernan­nt? Doch sich­er Sie selb­st. Also: nur selb­ster­nan­nte Sprachrichter, uns wenn’s nur ein einziger ist.

  26. Mueller

    @ A.S.
    Da ich wed­er VDS-Mit­glied noch Telekom-Kunde bin, weiß ich nicht, ob diese Her­ren und Damen entsprechende Kon­se­quen­zen gezo­gen haben. Es wäre jedoch auch (und zwar ger­ade aus VDS-Per­spek­tive) sinn­los, da andere Anbi­eter, wie Sie selb­st schreiben, ähn­liche Beze­ich­nun­gen verwenden.
    Dass der VDS es den­noch bevorzugt mit der Telekom hat, liegt indes nicht nur an dem Alter der Mit­glieder, son­dern auch daran, dass dieses Unternehmen aus Grün­den, die nichts mit Sprache zu tun haben, ohne­hin unbe­liebt ist (T‑Ak­tien-Hype, Spitze­laf­färe). Kurz, es ist üblich­er Lobbyisten-Populismus.

  27. Achim

    Bahn, Telekom
    Die hier schon erwäh­nte Bahn macht es ja mehrsprachig. Zumin­d­est auf großen Bahn­höfen sind Weg­weis­er mit dem deutschen Begriff in größer­er und der englis­chen und franzö­sis­chen Über­set­zung in kleiner­er Schrift verse­hen. Solange man Begriffe ver­wen­det, die all­ge­mein bekan­nt sind, funk­tion­iert das pri­ma. Schwierig wird es, wenn der deutsche Begriff selb­st Mut­ter­sprach­lern nicht ganz klar ist. Inzwis­chen wis­sen wahrschein­lich die meis­ten, die ab und zu ihre Fahrkarten am Bahn­hof kaufen, dass sie das im Reisezen­trum tun müssen. Und ob Aus­län­dern die Über­set­zung “trav­el cen­ter” hilft?
    Die modis­chen englis­chen Tar­if­beze­ich­nun­gen bei T‑Mobil und Kon­sorten weck­en bei mir eher die Assozi­a­tion, dass ich hier über den Tisch gezo­gen wer­den soll: Schwierig nachzu­vol­lziehende, sehr klein gedruck­te Regeln mit schick­en englis­chen Namen weck­en erst ein­mal einen Ver­dacht… Das wäre bei schick­en deutschen Namen aber wohl auch nicht anders, nur ist Deutsch derzeit nicht als “schick” eingestuft.

  28. Michael Allers

    Noch mehr Faktenpanscherei
    @A.S. Tar­if­na­men und Sprachkritik:
    100%ig ins Schwarze getroffen.
    Ein­er­seits kann man den VDS nicht ernst nehmen, und Hr. Ober­mann wird dies auch nicht tun. Soll sich diese ver­nach­läs­sig­bare Min­der­heit von Deutschen doch lächer­lich machen, indem sie Call & Surf durch “Anruf und Navigieren (im Inter­net)” erset­zt und die anglo-deuteinis­che, d.h. “gepan­schte” Ser­vi­cenum­mer der Bahn bejubelt, weil sie die rein anglizis­tis­che Hot­line verdrängt!
    Ander­er­seits ist die Schein­heiligkeit (s. EKD-Episode im Blog­post) und Unehrlichkeit des VDS ein stetes Ärg­er­nis. Dazu noch ein Beispiel:

    Liebe Leute von der Telekom, wisst Ihr eigentlich, dass Deutsch nach Englisch, aber vor Spanisch und Franzö­sisch die zwei­thäu­fig­ste Sprache des weltweit­en Daten­net­zes ist?
    (VDS-Sprach­nachricht­en 03/2011, S. 2) 

    Erstens ist das für die Erhal­tung des Deutsch­tums irrel­e­vant, weil die Telekom hierzu­lande nicht auf Spanisch oder Franzö­sisch wirbt. Zweit­ens ist es m.E. falsch. Eine ober­fläch­liche Über­prü­fung ergab über eine Mil­liarde mehr an spanis­chsprachi­gen Web­pages und noch mehr an franzö­sis­chsprachi­gen (wobei mich let­zteres etwas wun­dert). Gemessen an der Zahl der User ste­ht Deutsch ger­ade mal auf Platz 6. Warum sollte es “die zwei­thäu­fig­ste Sprache” sein? Ken­nt jemand eine zuver­läs­sige, aktuelle Sta­tis­tiken zur Sprachverteilung im Netz anhand der Anzahl Pages?

  29. NörglerIn

    @ A.S.

    Und weil der VDS haupt­säch­lich aus älteren Her­ren beste­ht, ken­nen die gar keine anderen Tele­fo­nan­bi­eter und glauben immer noch, dass die Telekom eine Behörde und damit der deutschen Sprache in beson­der­er Weise verpflichtet ist.

    Das sind doch bloße, von gän­zlich­er Vor­ein­genom­men­heit zeu­gende Behaup­tun­gen. Oder kön­nen Sie empirische Ergeb­nisse über den Alter­sauf­bau der VDS-Mit­glieder und über deren Ken­nt­nisse zu anderen Anbi­etern und zur Unternehmensstruk­tur der Telekom vorlegen?
    Tat­sache ist, daß der Bund direkt und über die KfW 31,70% der Aktien besitzt. der näch­st­größte Aktien­in­hab­er hält nur 4,5% der Aktien. Der Bund kön­nte also, wenn er nur wollte, erhe­blichen Ein­fluß auf die Telekom ausüben, auch wenn diese keine “Behörde” mehr ist. Auch die Deutsche Bahn ist keine “Behörde” mehr, den­noch ein reines Staatsunternehmen.
    Sollte, ihrer Logik fol­gend, der VDS bess­er Angela Merkel als “Sprach­pan­scherin des Jahres” nominieren?

  30. Ralph Lindner

    Kun­den­ver­wirrung jet­zt auch in DEUTSCH
    Die Telekom zeigt: Ver­wirrung des Kun­den durch geeignete Begriff­swahl geht gut auch ganz ohne Englisch: ISDN heißt jet­zt Uni­ver­sal, ana­log heißt jet­zt Standard.
    Sprach­lich müsste die Umbe­nen­nung des “Inte­grat­ed Ser­vices Dig­i­tal Net­work” in Uni­ver­sal eigentlich ganz im Sinne des VDS liegen. Dass der Telekom ihr neues Sprach­be­wusst­sein nicht dabei hil­ft sich aus der Rolle des Buh­manns beim VDS zu befreien ist einzig dessen PR-Qual­itäten geschuldet: Es ist immer ein­fach­er auf die einzuprügeln, die sowieso jed­er auf den Kiek­er hat. Und da sind Unternehmen wie die Bahn, Microsoft, die Telekom, ALDI oder Schleck­er ein­fach am besten geeignet.

  31. Ludwig Trepl

    Nör­g­lerIn Nach­holbe­darf 07.09.2011, 23:0
    Gegen das, was in diesem Beitrag zu den ratio­nalen Grün­den, die es nach Mei­n­ung manch­er für die Anglisierung der Sprache gibt , gesagt wird, habe ich von den Fre­un­den der Anglisierung bish­er kein Argu­ment gehört. Und andere Gründe, die den Anspruch erheben kön­nten, ratio­nal zu sein, sind mir nicht begeg­net (wohlge­merkt: Gründe, es geht mir nicht um ratio­nale Erk­lärun­gen des Sprach­wan­dels durch Aufdeck­ung der Ursachen). Herr Allers, Herr Ste­fanow­itsch, kön­nten Sie zu dem Kom­men­tar von Nör­g­lerIn Stel­lung nehmen?

  32. Michael Allers

    Der Club der alten Männer
    @NörglerIn:

    Das sind doch bloße, von gän­zlich­er Vor­ein­genom­men­heit zeu­gende Behaup­tun­gen. Oder kön­nen Sie empirische Ergeb­nisse über den Alter­sauf­bau der VDS-Mit­glieder … vorlegen? 

    Da der VDS keine Mit­gliederlis­ten veröf­fentlicht, kann man auch das Alter der Mit­glieder nicht empirisch bele­gen. Wohl aber habe ich mir den Spaß gemacht, Alter und Geschlecht “Bekan­nte® Mit­glieder” auszuw­erten in der Annahme, dass diese halb­wegs repräsen­ta­tiv für die Mit­glieder­struk­tur sind. Sechs davon sind der­maßen “bekan­nt”, dass sich beim besten Willen das Alter nicht ergoogeln ließ. Übrige Ergeb­nisse (XLS):
    Weib­lich: 8%, männlich: 92%.
    Durch­schnittsalter: 68 Jahre.
    Fazit:
    1. Frauen sind anscheinend mit mehr Sprachver­nun­ft gesegnet.
    2. Jugend­wahn kann man dem VDS eher nicht unterstellen.

  33. NörglerIn

    @Michael Allers

    Da der VDS keine Mit­gliederlis­ten veröf­fentlicht, kann man auch das Alter der Mit­glieder nicht empirisch belegen.

    Sie bestäti­gen damit, was ich gesagt habe.
    Übri­gens wäre es ja noch schön­er, wenn der VDS seine Mit­gliederliste mit Alter­sangaben veröf­fentlichen würde. Die Mit­glieder wür­den sich ja wohl bedanken, abge­se­hen davon, ob das Daten­schutzrechtlich über­haupt zuläs­sig wäre.
    Hät­ten Sie sich das Beitritts­for­mu­lar des VDS ange­se­hen, wüßten Sie auch, daß der VDS das Alter sein­er Mit­glieder gar nicht ken­nt. Aus­nah­men sind allen­falls diejeni­gen , die jünger als 27 Jahre sind und deshalb keine Beiträge bezahlen müssen. Ob deren Angaben stim­men, wird der VDS allerd­ings auch nicht wissen.
    Ihre Annahme, daß Alter und Geschlecht “Bekan­nter Mit­glieder” auch nur halb­wegs „repräsen­ta­tiv für die Mit­glieder­struk­tur“ des VDS seien, ist ger­adezu aben­teuer­lich. Die meis­ten Men­schen wer­den, wenn über­haupt, erst in fort­geschrit­tenerem Alter bekan­nt. Spitzen­sportler, Pop-Sänger(innen) oder Schön­heit­skönig­in­nen sind unter den VDS-Mit­gliedern ver­mut­lich unter­repräsen­tiert. Das räume ich gerne ein.

  34. Michael Allers

    @NörglerIn
    Natür­lich erwarte ich nicht, dass der VDS indi­vidu­elle Mit­glieder­dat­en veröf­fentlicht. Und ja, der VDS weiß so manch­es nicht. Andere Vere­ine haben jeden­falls kein Prob­lem damit, eine — naturgemäß anonyme — Alterssta­tis­tik ihrer Mit­glieder ins Netz zu stellen. Googeln Sie mal:
    “alterssta­tis­tik” “e.V.”
    Die man­gel­nde Über­prüf­barkeit als Argu­ment für “Vor­ein­genom­men­heit” zu benutzen, ist angesichts der Fotos auf der VDS-Site und der Tat­sache, dass viele namentlich gekennze­ich­neten Auf­sätze dort von lange emer­i­tierten Pro­fes­soren, längst pen­sion­ierten Dipl.-Ingenieuren und Lehrern i.R. ver­fasst sind, ger­adezu aben­teuer­lich. Aus­nah­men bestäti­gen wie immer die Regel.
    Und nun die gute Nachricht: Die Vor­standsmit­glieder des VDS (größ­ten­teils mit Geb.-Datum) sind in der Tat durch­schnit­tlich jünger als die “Bekannte(n) Mit­glieder” (68): nachger­ade jugendliche 65 Jahre (ergänztes XLS, s.u.).
    Let­ztlich ist es aber egal: Die aben­teuer­lichen VDS-Sprachthe­sen wären ja nicht bess­er, wenn sie von 20-Jähri­gen stammten.

  35. Anatol Stefanowitsch

    @ Michael Allers
    Danke für die Dat­en zur Altersstruk­tur des VDS — das ist der empirische Forschergeist, der den Sprach­nör­glern lei­der völ­lig fehlt!
    Dass „Nör­g­lerIn“ damit nicht zufrieden ist, wun­dert nie­man­den — er erfüllt damit nur seine Auf­gabe hier, näm­lich zu nörgeln, vorzugsweise, ohne sich das, worüber er nörgelt, näher anzusehen.
    Man kön­nte die Forschungsar­beit fort­führen, indem man sich als näch­stes die Region­alleit­er und Arbeits­grup­pen­leit­er des VDS vorn­immt. Zu mein­er Hypothese ste­he ich: alles ältere Herren.

  36. Michael Allers

    Mut­maßlich­es Alter
    Bei Region­al- und Arbeits­grup­pen­leit­ern ist die Daten­lage ungenü­gend (nur ca. 50% mit Geburt­s­jahr). Dem Augen­schein nach dürfte die Altersstruk­tur ähn­lich sein wie bei den bish­eri­gen Proban­den, zumal einige Fotos offen­sichtlich nicht wirk­lich aktuell sind.
    Es ist ja auch plau­si­bel und macht Sinn:
    Wer hat denn genug Zeit und Langeweile, um willkür­lich Fremd- / Lehn­wörter auss­chließlich englis­ch­er Herkun­ft und auss­chließlich ‘jün­geren’ Ein­wan­derungs­da­tums ([sic, Superkom­par­a­tiv von nörgeln], es werde kein Deutsch mehr gesprochen? Rent­ner und Pen­sion­is­ten! (Mein favorite Aus­tri­azis­mus und alle­mal ver­ständlich­er als das dem Deuzö­sis­chen so gar nicht ähn­liche pen­sion­er 😉

  37. Michael Allers

    Kor­rek­tur
    Ups, sollte heißen:
    … aus der deutschen Sprache wegzudefinieren, und sodann per­ma­nentzunörgeln [sic, Superkom­par­a­tiv von nörgeln]

  38. NörglerIn

    @A.S.

    das ist der empirische Forschergeist

    Wenn das der „empirische Forschergeist“ der Sprach­wisen­schaft ist, dann sehe ich mich in meinen schlimm­sten Befürch­tun­gen bestätigt.
    Immer­hin, das läßt mich ja hof­fen, ist die frühere apodik­tis­che Behaup­tung inzwis­chen zu ein­er „Hypothese“ herabgestuft.
    “Vor Tis­che las man’s anders.”
    Bleibt noch die eben­so apodik­tis­che Behaup­tung zu diesen VDS-Senilitäten:

    ken­nen die gar keine anderen Tele­fo­nan­bi­eter und glauben immer noch, dass die Telekom eine Behörde und damit der deutschen Sprache in beson­der­er Weise verpflichtet ist

    Lieber Herr Allers, was sagt Ihr „empirisch­er Forschergeist“ dazu?

  39. David

    Wer hat denn genug Zeit und Langeweile, um willkür­lich Fremd- / Lehn­wörter auss­chließlich englis­ch­er Herkun­ft und auss­chließlich ‘jün­geren’ Ein­wan­derungs­da­tums […] Rent­ner und Pensionisten!

    Das erk­lärt (in Analo­gie bzw. direkt) die Altersstruk­tur des Vor­standes eben­so wie die Altersstruk­tur der­jeni­gen Vere­ins­mit­glieder, die öffentlich in Erschei­n­ung treten.
    Über die tat­säch­liche Altersstruk­tur des VDS, die ja auch diejeni­gen umfaßt, die den Zie­len des Vere­ins zus­tim­men, ohne die Zeit zu haben, sich für dessen Ziele zu engagieren, sagt es aber tat­säch­lich nichts aus. Sofern Sie nicht pos­tulieren, daß nur solche Mit­glied wer­den, die auch ordentlich Freizeit zum Nörgeln mitbringen.

  40. Michael Allers

    Indizien vs. Fakten
    @NörglerIn:

    Lieber Herr Allers, was sagt Ihr „empirisch­er Forschergeist“ dazu? 

    Zur Ken­nt­nis ander­er Tele­fo­nan­bi­eter sagt mein empirisch­er Forschergeist gar nichts, weil mir dazu keine — Achtung, Fremd­wort — Fak­ten vor­liegen. Für unwahrschein­lich halte ich A.S.’ Ver­mu­tung jedoch nicht. Über die Welt­fremd­heit der VDS-Pro­tag­o­nis­ten stolpert man doch regelmäßig, z.B. wenn man im Index liest, dass Pop­per, ein längst aus­gestor­ben­er Anglizis­mus der 1980-er Jahre, die eben­falls aus­gestor­be­nen Wörter Geck und Salon­löwe “ver­dränge”. Und wer in rühren­der Obrigkeits­gläu­bigkeit meint, die deutsche Sprache müsse und könne durch das GG “geschützt” wer­den, mag auch die Telekom noch für einen Behörde hal­ten. Natür­lich sind dies keine Beweise, wohl aber Indizien.
    @David:

    Über die tat­säch­liche Altersstruk­tur des VDS, die ja auch diejeni­gen umfaßt, die den Zie­len des Vere­ins zus­tim­men, ohne die Zeit zu haben, sich für dessen Ziele zu engagieren, sagt es aber tat­säch­lich nichts aus. Sofern Sie nicht pos­tulieren, daß nur solche Mit­glied wer­den, die auch ordentlich Freizeit zum Nörgeln mitbringen. 

    Nehmen wir an, die Mehrzahl der VDS-Mit­glieder iden­ti­fiziert sich lediglich mit den Zie­len des Vere­ins, ohne aktiv per­ma­nentzunörgeln oder (weil heute Son­ntag ist) sprachzuschützen. Das wäre an sich nicht ungewöhn­lich für einen e.V.. Ich bin z.B. pas­sives Mit­glied in einem großen dt. Auto­mo­bil­club. Der hat übri­gens über 17 Mio. Mit­glieder, die seinen Zie­len zus­tim­men, plus eine Dunkelz­if­fer von Sym­pa­thisan­ten. Der VDS hat ca. 34.000 Mit­glieder, gle­ich welchen Alters, plus Dunkelz­if­fer. Eine “Mehrheit der Deutschen” ist das nicht wirk­lich, sofern Sie nicht pos­tulieren, dass die Dunkelz­if­fer min­destens 40 Mio. betrage.
    Faz­it: Solange der VDS keine Fak­ten veröf­fentlicht, kann er seinen Kri­tik­ern nicht vorhal­ten, sich lediglich auf Indizien zu stützen. Und die gibt es wie Sand am Meer.

  41. David

    Eine “Mehrheit der Deutschen” ist das nicht wirk­lich, sofern Sie nicht pos­tulieren, dass die Dunkelz­if­fer min­destens 40 Mio. betrage.

    Freilich nicht, aber wer hat denn das behauptet? Alles, das ich schrieb, war, daß die Alter­struk­tur der öffentlich bekan­nten und präsen­ten Mit­glieder keine Rückschlüsse auf die Altersstruk­tur des gesamten Vere­ins zuläßt.

  42. Michael Allers

    @David
    Den Mehrheitsvertre­tungsanspruch erheben in der Tat nicht Sie, son­dern der VDS selb­st, z.B. hier (am Tex­tende).
    Schlüsse auf das Alter der VDS-Mit­glieder lassen sich insofern ziehen, als diese sich an (urspr.) englis­chen Aus­drück­en in der deutschen Sprache stören (das betra­chte ich als Fakt).
    Laut ein­er Unter­suchung der GfdS sind dies bei 60-Jähri­gen und Älteren 68%, bei Jün­geren weitaus weniger (s. auch die weit­ge­hend kor­re­spondierende Sta­tis­tik zu den Englis­chken­nt­nis­sen darüber).
    The­o­retisch wäre es möglich, dass die im Schnitt 25% Denglis­chgeg­n­er unter den 16- bis 59-Jähri­gen einen über­pro­por­tion­al großen Anteil der VDS-Mit­glieder aus­machen. Prak­tisch halte ich das für äußerst unwahrscheinlich.
    Aber nochmals: Eigentlich tut das Alter von VDS-Mit­gliedern wenig zur Sache. Ob nun ein 20- oder ein 80-Jähriger behauptet, Deutsch sei die zwei­thäu­fig­ste Sprache im Netz, Pub­lic View­ing heiße ausss­chließlich öffentliche Auf­bahrung usw. etc. pp. — unwahr ist es allemal.

  43. David

    @Michael Allers
    Es geht mir nicht darum, die Hypothese über die Alter­struk­tur zu wider­legen, zumal ich sie selb­st für wahrschein­lich halte (das Ergeb­nis der Umfrage ist tat­säch­lich ein stich­haltiger Hin­weis), son­dern darum, darauf hinzuweisen, daß die Begrün­dun­gen dafür mich nicht überzeugt hatten.
    Der sattsam bekan­nte Umstand, daß der VDS haupt­säch­lich Unsinn pro­duziert, ist davon in der Tat nicht berührt. Er war aber auch nicht mein Thema.

  44. Anatol Stefanowitsch

    @Nörgler
    Da Sie schon seit vie­len Jahren im Sprach(b)log mitle­sen und ‑disku­tieren, lege ich die Kom­men­tar­regeln für Sie immer recht großzügig aus. Wenn Sie Ihre Kom­mentare aber weit­er­hin auf nur halb gele­sene Beiträge oder aus dem Zusam­men­hang geris­sene Hal­bz­i­tate stützen, ist damit Schluss. Sie sind doch in der Kun­st der Diplo­matie geschult — gehört es dazu nicht auch, sicherzustellen, dass man die Aus­sagen seines Gegenübers genau ver­standen hat, bevor man darauf antwortet?

  45. NörglerIn

    @Michael Allers
    Der hochgerühmte „empirische Forscher­drang“ kapit­uliert also, sobald ihm „keine Fak­ten vor­liegen“ (das ist keine Kri­tik an Ihnen, denn Sie haben diesen Begriff nicht geprägt).
    Aus der apodik­tis­chen Behaup­tung wird also zunächst eine „Hypothese“, dann eine „nicht unwahrschein­liche Ver­mu­tung“. Was ist der näch­ste Schritt?
    Übri­gens halte ich die „Hypothese“ (vul­go „Annahme“), daß das Durch­schnittsalter der VDS-Mit­glieder über dem der Gesamt­bevölkerung liegt, für „nicht unwahrschein­lich“. Ist es aber ein sach­lich­es Argument?
    Die „Ver­mu­tung“, daß die VDS-Mit­glieder nicht ein­mal wüßten, daß die Telekom keine Behörde ist und daß es heute auch andere Anbi­eter gibt, halte ich dage­gen für höchst unwahrschein­lich und deshalb für eine rein polemis­che Unterstellung.
    Ger­ade wer akademisch tätig ist, sollte nicht ein­fach Behaup­tun­gen in die Welt set­zen, son­dern Hypothe­sen, Annah­men und Ver­mu­tun­gen als solche kennzeichnen.

    Wer hat denn genug Zeit und Langeweile,

    jahraus, jahrein mit immer gle­ichen Argu­menten und immer gle­ichen bloßen Behaup­tun­gen auf die sog. „Sprach­nör­gler“ einzudreschen?
    Auch eine akademis­che Tätigkeit schützt anscheinend nicht vor Muße und Langeweile.

  46. Dierk

    @Nörglerin
    Es gibt hier drei Thesen:
    a) Der VDS beste­ht über­wiegend aus Män­nern über 65 Jahren.
    b) Der VDS wird über­wiegend repräsen­tiert von Män­nern über 65, seine all­ge­meine Altersstruk­tur entspricht aber der der Gesamt­bevölkerung Deutschlands.
    c) Der VDS rekru­tiert sich über­pro­por­tion­al aus Män­nern und Frauen in der Alter­skat­e­gorie ‘jünger’. [Diese Kat­e­gorie lege ich ein­fach mal großzügig auf 20–45 fest.]
    Es ließen sich eine ganze Rei­he weit­er­er The­sen über die Altersstruk­tur der VDS-Mit­glieder auf­stellen, aber diese 3 scheinen mir die im Kon­text einzig inter­es­san­ten zu sein. Alle drei lassen sich ohne Schwierigkeit­en rhetorisch zus­pitzen, falls Sie das wünschen.
    Der wis­senschaftliche Forschungs­drang hat jet­zt auch 3 Möglichkeiten:
    1) Er sucht sich die Fakten.
    2) Er ver­sucht das Prob­lem nicht empirisch, son­dern logisch-sto­chastisch zu lösen.
    3) Er inter­essiert sich nicht für Nebenkriegsschauplätze.
    Alle drei Möglichkeit­en wur­den ver­sucht, zwei davon scheit­erten. Die zweite Meth­ode scheit­ert daran, aus Wahrschein­lichkeit­en Und weil die Laut­sprech­er des VDS haupt­säch­lich ältere Her­ren sind, bekommt man den Ein­druck, der Vere­in kenne gar keine anderen Tele­fo­nan­bi­eter und glaube, die Telekom sei eine Behörde und der deutschen Sprache in beson­der­er Weise verpflichtet.
    PS: Die Mit­glieder­struk­tur mag sein wie auch immer, die Forderun­gen des VDS sind auf Alte-Her­ren-Stammtis­chniveau, das einzige, was sie jünger erscheinen lässt, ist die dum­mer­haftige Schul­buben-Art, in der das alles vor­ge­tra­gen wird.

  47. Klausi

    Avant­garde
    Wenn es tat­säch­lich so ist, dass die Mit­glieder des VDS über­wiegend ältere Bürg­ern sind, dann haben wir es wohl mit ein­er ein­ma­li­gen his­torischen Sit­u­a­tion zu tun: Die Anvant­garde ein­er bre­it­en Bürg­er­be­we­gung befind­et sich im Rentenalter!
    Nach Wikipedia ver­ste­ht man unter Avant­garde “eine kreative und inno­v­a­tive Bewe­gung, die sel­ten den vorherrschen­den gesellschaftlichen und ökonomis­chen Machteliten ange­hört”. Weit­er heißt es dort: “Im Gegen­satz zum Trend­set­ter, der nur kurzfristige neue Mod­en anstößt, sind die Verän­derun­gen, die von der Avant­garde aus­ge­hen, von grund­sät­zlicher­er und länger­fristiger Wirkung.”
    Statt die Altersstruk­tur des VDS zu bekla­gen, soll­ten wir dem­nach alle froh darüber sein, dass es eine Bürg­er­be­we­gung gibt, die für uns die Langsamkeit wieder­ent­deckt hat und uns mit Erfahrung und Weisheit andere Wege als die üblichen weist.
    Beson­ders weit ist die heutige Welt der amerikanisierten Schnellen und Jun­gen näm­lich nicht gekom­men. Man sehe sich nur an, was die in der (Finanz-)Wirtschaft angerichtet haben.
    PS: Ich pflege seit Jahren keine Kon­tak­te mehr zur Telekom, wed­er beru­flich noch pri­vat. (Lei­der bringt ein Anbi­eter­wech­sel nicht viel, die anderen sind, aus sprach­lich­er Sicht betra­chtet, auch nicht viel besser.)

  48. NörglerIn

    @Dierk
    Der vor­let­zte Absatz Ihres let­zten Beitrags ist lei­der völ­lig unverständlich.

  49. David

    xact­ly!

    Man sehe sich nur an, was die in der (Finanz-)Wirtschaft angerichtet haben.

    Sehr richtig. Oder, wie ich mit dem großen Hans Jür­gen Lietz zu sagen pflege: Das Anglo-Sprech hat uns in die Banken­pleite gemacht!

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