Wir sind wir

In einem Kom­men­tar zu meinem let­zten Beitrag wies Robert Jäger (#16) auf das indone­sis­che Pronomen kami hin und definierte dessen Bedeu­tung als „wir excl. des Sprech­ers“. Das war eigentlich nur ein Flüchtigkeits­fehler — das Pronomen sig­nal­isiert, wie mipela im Tok Pisin, den Auss­chluss des Hör­ers, nicht des Sprech­ers –, aber dieser Fehler hat eine inter­es­sante Diskus­sion darüber aus­gelöst, ob es tat­säch­lich eine Ver­wen­dung der ersten Per­son Plur­al geben kön­nte, die den Sprech­er auss­chließt.

Zunächst erscheint das unmöglich: die erste Per­son ist ja genau dadurch definiert, dass sie den Sprech­er mit ein­schließt. Plu­ral­pronomen, die den Sprech­er nicht mit ein­schließen, gibt es natür­lich — die zweite Per­son Plur­al (z.B. dt. ihr), die man mit „du und min­destens eine weit­ere Per­son, aber nicht ich“ umschreiben kön­nte, und die dritte Per­son Plur­al (z.B. dt. sie), die etwa „min­destens zwei Per­so­n­en, aber nicht du oder ich“ bedeutet. Aber die Bedeu­tung ein­er ersten Per­son Plur­al ohne den Sprech­er, also „ich und min­destens eine weit­ere Per­son, aber nicht ich“, ist ein Wider­spruch in sich.

Aber die Sprach­blogleser haben schnell gezeigt, dass der Wider­spruch nicht so groß ist, wie er zunächst scheinen mag. Wakaranai beschreibt z.B. in Kom­men­tar #21 fol­gen­des Szenario:

Es existiert eine Lern­gruppe von Stu­den­ten, bei ein­er Sitzung fehlen zwei der Teil­nehmer. Ein­er der Fehlen­den frägt danach den anderen, wie weit man gekom­men sei. Da der andere zufäl­lig auch nicht dabei war, antwortet er: „Was ich gehört habe, sind wir bis XY gekom­men.“

Und damit“, beobachtet Wakaranai ganz richtig, „ver­wen­det er ein wir, das ihn als Sprech­er selb­st nicht ein­schließt.“

Warum kann der Sprech­er in diesem Szenario über­haupt wir ver­wen­den? Weil er, wie Achim (# 25) und Wakaranai (#28) disku­tieren, zu der beze­ich­neten Gruppe gehört. Das ändert aber nichts daran, dass er an der Hand­lung, die durch den Satz beschrieben wird, nicht beteiligt war. Es ist kein Wider­spruch, wenn er sagt:

(1) Wir sind bis Seite 12 gekom­men, aber ich war nicht dabei.

Das müsste aber ein Wider­spruch sein, wenn wir hier „ich und min­destens eine andere Per­son“ heißen würde.

Peer bringt dann in Kom­men­tar #29 ein weit­eres wir, bei dem der Sprech­er nicht dabei gewe­sen sein muss: „Wenn wir im Fuss­ball gewin­nen, sind wir ja auch nicht dabeigewe­sen, oder?“ fragt er. Er sieht es aber trotzedm als ein Sprech­er-inklu­sives wir: „Ein­schließen tun wir uns den­noch irgend­wie.“ Ja, irgend­wie schon, aber irgend­wie eben auch nicht. Ich kann sagen:

(2) Wir sind Pokalsieger, aber ich hab nur faul auf dem Sofa gesessen.

Wir schließt mich hier zwar „irgend­wie“ ein, aber „irgend­wie“ eben auch nicht. Ich meine damit nicht ein­mal eine Gruppe, zu der ich gehöre, denn ich bin, bei aller Begeis­terung, nicht Mit­glied im SV Werder Bre­men.

Es lassen sich beliebig weit­ere Beispiele für Sprech­er-exk­lu­sive Ver­wen­dun­gen von wir find­en, z.B.

(3) Wir haben den zweit­en Weltkrieg ver­loren.

(4) Wir bilden in Bre­men keine Medi­zin­er aus.

Beispiel (3) kann ich prob­lem­los sagen, obwohl ich 25 Jahre nach dem beze­ich­neten Ereig­nis geboren wurde und obwohl mein Vater zu dieser Zeit nicht ein­mal Bürg­er oder wenig­stens Ein­wohn­er des Lan­des war, dessen Regierung und Stre­itkräfte damals tat­säch­lich den Krieg ver­loren haben.

Beispiel (4) kann ich eben­falls prob­lem­los sagen, obwohl es eigentlich tau­tol­o­gisch sein müsste — ich bilde als Sprach­wis­senschaftler ohne­hin keine Medi­zin­er aus, aber ich meine hier, dass die Uni­ver­sität, an der ich arbeite, keine Men­schen beschäftigt, die Medi­zin­er aus­bilden.

Alle diese Ver­wen­dun­gen von wir beze­ich­nen also Grup­pen, mit denen ich mich mehr oder weniger stark iden­ti­fiziere, aber keine dieser Ver­wen­dun­gen meint tat­säch­lich mich.

Nun kann man diese Ver­wen­dun­gen natür­lich dadurch erk­lären, dass der Sprech­er „so tut, als ob“. Er schließt sich mit ein, um Zuge­hörigkeit zur betr­e­f­fend­en Gruppe zu sig­nal­isieren. Inter­es­sant wäre eine Sprache, die für diese Art von Per­so­n­en­bezug ein eigenes Pronomen hat.

Ich habe kein wirk­lich überzeu­gen­des Beispiel gefun­den, aber der Regens­burg­er Sprach­wis­senschaftler Johannes Helm­brecht erwäh­nt in seinem Auf­satz „Gram­mar and func­tion of WE“ (aus dem ich auch die Inpira­tion für Beispiele #3 und #4 habe) ein Pronomen der Sprache Max­akalí (eine brasil­ian­is­che Sprache der Macro-Ge-Fam­i­lie), das der gesucht­en Bedeu­tung nahe kommt.

Im All­ge­meinen wird das Pronom­i­nal­sys­tem dieser Sprache fol­gen­der­maßen beschrieben:

Personalpronomen der Sprache Maxakalí

Per­son­al­pronomen im Max­akalí

Es hat also die Unter­schei­dung zwis­chen exk­lu­siv­en und inklu­siv­en Pronomen bei der 1. Per­son Plur­al, genau, wie das Tok Pisin (inter­es­san­ter­weise hat die Sprache wohl nur bei Pronomen der. 1. Per­son über­haupt eine Unter­schei­dung zwis­chen Ein­zahl und Mehrzahl, aber das soll uns hier nicht weit­er beschäfti­gen).

Helm­brecht nen­nt neben diesen zwei weit­ere Pronomen der 1. Per­son Mehrzahl: tikmũ’ũn, was soviel heißt, wie „wir Max­akalí“ und tik­mũg, was er mit „wir Max­akalí-Män­ner“ über­set­zt.1 Er gibt keine Beispiel­sätze, aber es scheint, dass diese Pronomen genau in Sätzen/Situationen wie denen in (2), (3) und (4) ver­wen­det wer­den kön­nten.

Vielle­icht find­en wir (Sie und ich) ja noch klarere Beispiele für ein Sprech­er-exk­lu­sives wir. Die kön­nen wir (ich und meine nicht-exis­ten­ten Mit­blog­ger) dann hier veröf­fentlichen. Wir (meine Fachkol­le­gen und ich) wür­den die Beispiele dann aus­führlich disku­tieren und gegebe­nen­falls die Klas­si­fika­tion von Pronomen erweit­ern. Und irgendein/e zukünftige/r Sprachblogleser/in, die heute noch gar nicht mitli­est, kann dann von sich sagen: „Wir (Sprachblogleser/innen) haben Wis­senschafts­geschichte geschrieben“.

Fußnote:

1. Ich habe außer Helm­brecht keinen Autor gefun­den, der diese Wörter als Pronomen beze­ich­net, aber eine for­male Ähn­lichkeit beste­ht ja dur­chaus und da Helm­brecht Experte für Pronomen ist, nehme ich an, dass er Recht hat.

Lit­er­atur:

HELMBRECHT, Johannes (2002): Gram­mar and func­tion of WE. In: Duszak, Anna (Hg.), Us and Oth­ers. Social iden­ti­ties across lan­guages, dis­cours­es, and cul­tures.. Ams­ter­dam: Ben­jamins, 31–51.

 

23 Gedanken zu „Wir sind wir

  1. Wolfgang Bergfeld

    Ein weit­eres Beispiel: jemand, der einen Satz wie »Wir laden Sie ein …« über­set­zt oder als Botschaft über­mit­telt und ken­ntlich machen will, dass er nicht zu den Ein­laden­den gehört.

  2. Muriel

    Hm. Ich ver­ste­he es, aber ich glaube, ich kann nicht ganz zus­tim­men. Ich finde, die Beispiele enthal­ten kein Sprech­er-exk­lu­sives “Wir”; er gehört zwar tat­säch­lich nicht dazu, aber er benutzt nun mal einen Aus­druck, der ihn ein­schließt. Allerd­ings kön­nte man dafür ein eigenes Wort entwick­eln, das dann besagt “Ich sage zwar wir, aber das meine ich nicht wörtlich, weil ich eigentlich nicht dazuge­höre, son­dern mich nur zuge­hörig füh­le.” Finde ich unnötig. Aber Sprache muss ja nicht immer sin­nvoll sein…

    Übri­gens, um auch gle­ich an der Wis­senschafts­geschichte mitzuschreiben: Das “Wir”, das Krankenpfleger und Ärzte benutzen (“Haben wir unsere Tablet­ten genom­men?”), schließt nicht nur den Sprech­er aus, es beze­ich­net sog­ar auss­chließlich den Ange­sproch­enen. Zählt das?

  3. Robert Jäger

    Saya bersalah 🙂

    vie­len Dank für die Kor­rek­tur meines — lei­der wohl etwas unüber­legt hinge­wor­fe­nen — Kom­men­tars, natür­lich wird mit “kami” hier der Hör­er aus­geschlossen.

    Sollte ich trotz­dem eine inter­es­sante Diskus­sion dadurch los­ge­treten haben, freue ich mich natür­lich.

  4. viola

    bei der bekan­nten “kranken­schwest­er­lichen” frage “wie geht’s uns denn heute?” schließt der/die fra­gende sich aus, oder?

  5. Birgit Kellner

    Wenn “wir sind bis Seite 12 gekom­men, aber ich war nicht dabei” auch nicht wider­sprüch­lich ist (ich bin mir da nicht so sich­er), so zeigt das “aber” doch an, dass es eine kon­ver­sa­tionelle Imp­likatur gibt: Wenn jemand sagt “Wir sind bis Seite 12 gekom­men”, wird der Hör­er nor­maler­weise erwarten, dass der Sprech­er bei den­jeni­gen zeitlich einor­den­baren Ereignis­sen, die das “sind … gekom­men” beze­ich­net, anwe­send war. Er erwartet also ein Sprech­er-inklu­sives “wir”. Der Wider­spruch mag übri­gens auch dadurch verdeckt sein, dass “sind … gekom­men” als Verb nicht so konkret auf zeitlich einor­den­bare Ereignisse mit erforder­lich­er Sprecher­präsenz ver­weist, wie das andere Ver­ben tun.

    Vielle­icht sind ja auch die ver­wen­de­ten Ver­ben und Satzkon­struk­tio­nen von Bedeu­tung.

    Man ver­gle­iche: “Wir haben gestern drei Kisten Bier getrunk­en, aber ich war nicht dabei”. Ist das auch nicht wider­sprüch­lich?

    Und ich frage mich auch, ob nicht Indexikalität als Phänomen etwas wäre, das man sich da näher anschauen sollte — dass das Ganze weniger mit Einzel­sprach­spez­i­fi­ka zu tun hat als mit der Logik oder Prag­matik gewiss­er Äußerungs­be­standteile.

  6. Kris

    Daß dies nichts mit der son­sti­gen EXCL-INCL-Unter­schei­dung zu tun hat, sieht man auch, wenn man die Beispiele ins Indone­sis­che überträgt.

    Z.B.

    Kita dulu jaja­han Bélan­da

    1PL.INCL früher Kolonie Nieder­lande

    Wir waren früher eine nieder­ländis­che Kolonie”

    Hier ist es KITA.

    (Das Beispiel (3) vom Krieg erin­nert mich daran, daß mir gar nicht wohl war, als jemand in einem Geschicht­srefer­at in der Ober­stufe in bezug auf die Wehrma­cht von “uns” sprach… )

    Das Beispiel von der Stu­di­en­gruppe

    Kelom­pok kami bela­jar sam­pai hala­man 12, tapi aku ga ikut.

    gruppe 1PL.EXCL ler­nen bis Seite 12 aber 1SG NEG fol­gen

    Unsere Gruppe hat bis S. 12 gel­ernt, aber ich war nicht dabei.

    Und es ist KAMI hier. Nun, wenn der Gesprächspart­ner auch Teil der Stu­di­en­gruppe wäre und auch nicht dabei war, dann würde wohl auch KITA gehen, aber so eine Sit­u­a­tion ist doch ziem­lich schwierig zu kon­stru­ieren.

    Was das von mir ange­sproch­ene Phänomen ange­ht, daß KITA dabei ist, bei­de Funk­tio­nen zu übernehmen: laut meinen Infor­ma­tio­nen scheint es so zu sein, daß dies bere­its über Jakar­ta hin­aus­ge­ht und in der indone­sis­chen Umgangssprache in ganz Java üblich gewor­den ist. Das ist ja schon mal fast 2/3 der Bevölkerung… Javanisch scheint aber eine EXCL-INCL-Unter­schei­dung zu haben.

  7. Robert

    @ KRIS

    ich bin nun warhlich kein Sprach­wis­senschaftler und meine indone­sisch-Ken­nt­nisse sind begren­zt. Mir ist jedoch “kami” im alltäglichen Gebrauch des indone­sis­chen noch nicht untergekom­men. Meine Frau ist Javaner­in aus Yogyakar­ta und ver­wen­det kami auch nicht.

    Als Deutsch­er ver­wende ich kami sowieso nicht, da man der­ar­ti­gen Unter­schei­dun­gen nach deutschem Muster umschifft… ähn­lich dem Muster… kita, tapi tidak dia… je nach Kon­text

  8. buntklicker.de

    Auf­fäl­lig ist, daß es sich bei den Ver­wen­dungs­beispie­len, die den Sprech­er (ver­meintlich) auss­chließen, um das Erre­ichen von etwas geht. Mein­er Mei­n­ung nach schließen diese Beispiele den Sprech­er nicht aus. “Wir sind bis Seite XX gekom­men” heißt “Die Gruppe, die mich ein­schließt, ist bis Seite XX gekom­men”. Ob man per­sön­lich jet­zt beteiligt war oder nicht, spielt dabei keine Rolle, der Sprech­er ist Teil der Gruppe, die etwas erre­icht hat.

    Auch die Ver­wem­dung “Wir sind Welt­meis­ter” oder ähn­lich betont ger­ade den Ein­schluß des Sprech­ers in die Gruppe, die — durch die Leis­tung ihrer Repräsen­tan­ten, der National­mannschaft — etwas kollek­tiv erre­icht hat. Das mag sach­lich zweifel­haft sein, aber so ist die Ver­wen­dung von “wir” hier gemeint.

  9. Kris

    @Robert

    das schrieb ich ja in Kom­men­tar 22 zum Beitrag “Plu­ralis avari­ti­ae”, daß es ein bekan­ntes Phänomen aus dem Jakar­ta-Indone­sis­chen sei, was sich augen­schein­lich immer weit­er aus­bre­it­et.

    Außer­halb Javas ist kami/kita jedoch noch sehr üblich auch in der All­t­agssprache, und was die offizielle Stan­dard­sprache ange­ht (das sog. Bahasa Indonésia yang baik dan benar), ist die Ver­wen­dung von kami und kita als exkl. und inkl. sog­ar zwin­gend vorgeschrieben (also vor allem in der Schrift­sprache und bei offiziellen Anlässen). Meine Beispiel­sätze stam­men übri­gens auch von ein­er Javaner­in, die nach eige­nen Aus­sagen KAMI im All­t­ag nicht sehr häu­fig ver­wen­det, jedoch sehr häu­fig im Büro. Ich denke, dies zeigt, daß ganz KAMI nie ver­schwinden wird, da es immer noch fes­ter Bestandteil der Stan­dard­sprache ist.

    Aber es ist schon richtig, daß Sie das im All­t­ag ver­mei­den, denn son­st klin­gen Sie über­mäßig steif (aber dann soll­ten Sie auch “tidak” ver­mei­den und “nggak, ndak” oder was auch immer die beliebteste Vari­ante in Yogya ist). Lei­der wird im Bere­ich Indone­sisch als Fremd­sprache fast auss­chließlich die Bahasa Indonésia yang baik dan benar unter­richtet, was dazu führt, daß man wie ein Indone­sis­chlehrbuch klingt und zunächst mit den umgangssprach­lichen For­men und Wörtern nicht viel anfan­gen kann.

    Ich hoffe, daß mein Blog einen beschei­de­nen Beitrag in die Gegen­rich­tung leis­ten kann.

  10. Kris

    lei­der fehlte hier ein Wort:

    (aber dann soll­ten Sie auch “tidak” ver­mei­den und “nggak, ndak” oder was auch immer die beliebteste Vari­ante in Yogya ist VERWENDEN).

  11. Robert

    @ Kris

    nggak klingt für mich zu sehr nach Jakar­ta, aber wie bere­its ange­merkt sind meine Indone­sisch-Ken­nt­nisse (noch) begren­zt. Und das denke ich führt hier auch zu weit vom eigentlichen The­ma weg.

    Übri­gens danke für den Hin­weis, ich werde Ihr Blog gle­ich in meinen Feed-Read­er aufnehmen.

  12. David Marjanović

    Auch die Ver­wem­dung “Wir sind Welt­meis­ter” oder ähn­lich betont ger­ade den Ein­schluß des Sprech­ers in die Gruppe, die — durch die Leis­tung ihrer Repräsen­tan­ten, der National­mannschaft — etwas kollek­tiv erre­icht hat. Das mag sach­lich zweifel­haft sein, aber so ist die Ver­wen­dung von “wir” hier gemeint.

    Finde ich auch. Von Beispiel 3 kriege ich Bauch­weh.

  13. Guido Lenz

    Dann gibt es doch noch die Form der Anweisun­gen:

    Chef zum Mitar­beit­er:

    Gestern habe ich mich mit dem Kun­den getrof­fen. Wir müssen beim Ange­bot noch nachbessern.“

    Im Nor­mal­fall heißt das: Über­ar­beit­en Sie das Ange­bot nochmal, der Preis ist noch zu hoch/die Inklu­sivleis­tun­gen sind noch zu ger­ing.

    Der Chef wird sel­ten das Ange­bot selb­st neu schreiben, son­dern überträgt damit meist die gesamte Ver­ant­wor­tung an den Mitar­beit­er.

  14. Peer

    Es ist tat­säch­lich eine Frage der Def­i­n­i­tion: Zwar ist der Sprech­er nicht tat­säch­lich Bestandteil der Gruppe, er will ja aber ger­ade durch das “Wir” seine Zuge­hörigkeit demon­stri­eren. Sei es -wie der Medi­zin­er oder der Chef — um den anderen zu motivieren, sei es weil man sich iden­ti­fizieren kann bzw will. Diese Iden­ti­fizierung kann aber auch ganz schnell wieder enden:

    WIR sind ins End­spiel gekom­men, aber dann haben DIE es ver­baselt!”

    (Und damit meine ich als gebür­tiger Ham­burg­er expliz­it die Fuss­ball-National­mannschaft und nicht den Werder Bre­men 😉 )

  15. D. R.

    @ Viola(#4):

    Mir schoss sofort das typ­is­che “Haben wir denn einen Ter­min?” in den Kopf — bei Sprech­stun­den­hil­fen sehr beliebt.

  16. Nörgler

    Es ist ja sehr bedauer­lich, aber “Wis­senschafts­geschichte” wird in dieser Frage wohl nie­mand schreiben. Ein den Sprech­er auss­chließen­des wir wäre eine con­tra­dic­tio in adiec­to. Angenom­men, es gäbe eine Sprache, in der es einen den Sprech­er aus­drück­lich auss­chließen­des, oder ihn nur nicht ein­schließen­des Plu­ral­pronomen gäbe, dann wäre das eben kein wir.

    Über­haupt gibt es im Deutschen keine den Sprech­er aus­drück­lich auss­chließende Plu­ral­pronom­i­na. Ihr und sie schließen den Sprech­er zwar nicht ein, schließen ihn aber nicht zwin­gend aus.

    Entsprechend stellt sich die Frage, ob in Pok Pisin die genan­nten Pronom­i­na wirk­lich strikt auss­chließend oder nur nicht ein­schließend zu ver­ste­hen sind. Also bedeutet yumi win­im wirk­lich „Ich und du, und keine andere Per­son, haben gewon­nen“ oder bedeutet es nur „Ich und du haben gewon­nen“, wobei offen­ge­lassen wird, ob eventuell auch andere gewon­nen haben kön­nten?.

    Die hier genan­nten Beispiele, wie “wir haben gewon­nen”, haben mit der Bedeu­tung des Pronomens nichts zu tun, son­dern in diesem Beispiel mit der Bedeu­tung von gewin­nen. Wenn man der Mei­n­ung ist, nur die elf Spiel­er auf dem Feld kön­nten ein Fußball­spiel gewin­nen, dann sind Aus­sagen wie “Deutsch­land (Bre­men, Werder Bre­men) hat gewon­nen” eben unsin­nige Aus­sagen. Eben­so wäre dann “wir haben gewon­nen” unsin­nig, wenn der Sprech­er nicht zugle­ich Spiel­er war. Das hat mit einem “exk­lu­siv­en Wir” nicht das ger­ing­ste zu tun.

  17. Patrick Schulz

    Ana­tol Ste­fanow­itsch in Fuss­note 1:

    […]da Helm­brecht Experte für Pronomen ist, nehme ich an, dass er Recht hat.

    So ein­fach ist das?

    Da Chom­sky Experte für Syn­tax­the­o­rie ist, nehme ich an, dass er Recht hat.

    Was ist denn das für ein Stil?

  18. Frank Oswalt

    Patrick Schulz (#18), Chom­sky soll Experte für Syn­tax­the­o­rie sein? Wer hat Ihnen denn diesen Bären aufge­bun­den?

  19. Frank Oswalt

    @Nörgler (#17)

    Ein den Sprech­er auss­chließen­des wir wäre eine con­tra­dic­tio in adiec­to“

    Das kann nur jemand sagen, der den Beitrag nicht gele­sen hat. Dort wird detail­liert dargeletg, was mit einem solchen Pronomen gemeint wäre. Aber das Ihr Textver­ständ­nis auf dem Niveau eines Vier­jähri­gen ste­hen geblieben ist, haben Sie ja hier oft genug bewiesen.

    Über­haupt gibt es im Deutschen keine den Sprech­er aus­drück­lich auss­chließende Plu­ral­pronom­i­na. Ihr und sie schließen den Sprech­er zwar nicht ein, schließen ihn aber nicht zwin­gend aus.

    Das ist kom­plet­ter Blödsinn, bleiben Sie doch bei Ihrem eige­nen Fachge­bi­et, falls Sie eins haben (ach ja, Trollerei). Natür­lich schließen diese Pronomen den Sprech­er aus. Die Frage stellt sich auch nicht für das Tok Pisin. Die Bedeu­tung dieser Pronomen ist in der Fach­lit­er­atur aus­führlich beschrieben.

    Die hier genan­nten Beispiele, wie “wir haben gewon­nen”, haben mit der Bedeu­tung des Pronomens nichts zu tun, son­dern in diesem Beispiel mit der Bedeu­tung von gewin­nen

    .

    Nein. “Gewin­nen” heißt hier ein­fach “gewin­nen”.

    Wenn man der Mei­n­ung ist, nur die elf Spiel­er auf dem Feld kön­nten ein Fußball­spiel gewin­nen, dann sind Aus­sagen wie “Deutsch­land (Bre­men, Werder Bre­men) hat gewon­nen” eben unsin­nige Aus­sagen

    .

    Nein, das sind gut erforschte und aus­führlich doku­men­tierte Metonymien. Wenn Sie unsin­nige Aus­sagen suchen, guck­en Sie sich ein­fach Ihr eigenes Geschreib­sel an — es ist voll davon.

    Warum der Blog­meis­ter solche Geduld mit einem aufge­blase­nen Wind­beu­tel hat, kann ich nihct ver­ste­hen.

  20. H.M.Voynich

    @Frank Oswalt:

    Natür­lich schließen diese Pronomen den Sprech­er aus.”

    Daß Men­schen in der drit­ten Per­son von sich selb­st sprechen ist aber nun wirk­lich nichts außergewöhn­lich­es. Und selb­st bei Ver­wen­dung der zweit­en Per­son würde ich nicht unbe­d­ingt gle­ich auf Schiz­o­phre­nie schließen.

  21. Lemnitzer

    In unser­er Fam­i­lie haben wir das Sys­tem der Per­son­al­pronomen um “Wom” erweit­ert, eine Abkürzung von “Wir ohne mich”. In vie­len Sit­u­a­tio­nen, vor allem wenn es um die Verteilung von Hausar­beit­en geht, fehlte uns dieses Wort, nun nicht mehr (“Wom müssten mal wieder Fen­ster putzen”)

  22. Makri

    Abge­se­hen von der falschen Behaup­tung, dass es die Plu­ral­pronom­i­na der anderen Per­so­n­en den Sprech­er nicht auss­chlössen, bin ich allerd­ings der Ansicht, dass der Nör­gler recht hat und die schein­bar sprecherexk­ludieren­den Ver­wen­dun­gen auf die Verb­se­man­tik zurück­zuführen sind. Das lässt sich dadurch zeigen, dass so etwas sehr schlecht mit Prädikat­en funk­tion­iert, die von ein­er Gruppe nur dann wahr sind, wenn sie von jedem Mit­glied der Gruppe sep­a­rat wahr sind. Dum­mer­weise sind solche Ver­ben im strik­ten Sinn schw­er zu find­en, da wir Aus­nah­men zugeste­hen. Das hat aber seine Gren­zen: Wir kön­nen (einiger­maßen gut, scheint mir) sagen “Wir haben gefrüh­stückt, aber ich habe nichts gegessen, weil ich keinen Hunger hat­te”, aber nicht “Wir haben gefrüh­stückt, aber ich war nicht dabei, weil ich ver­schlafen habe”.

    Im Fall der Stu­den­ten ist “bis irgend­wohin gekom­men sein” als ein Prädikat aufz­u­fassen, das nur auf einen ganzen Kurs anzuwen­den ist. Und da spricht nichts dage­gen, dass es wahr ist, wenn nicht der ganze Kurs am Erre­ichen des Zus­tands, der prädiziert wird, beteiligt war.

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